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miguel54

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91

Samstag, 13. September 2008, 15:00



Ensemble Masques, Olivier Fortin / Cembalo & Sophie Gent/ Violine)
Diese CD enthält die Konzerte BWV 1052 & 1056 (neben dem Italienischen Konzert BWV 971 und der Sonate für Violine & Cembalo BWV 1015) und war heute morgen im Briefkasten: Respekt, Respekt! Das Cembalo ist ein nach deutschen Vorbildern gebautes von Arno Pelto und Jonte Knif (letzterer hat das tolle Cembalo von Sebastien Guillot für dessen "Kunst der Fuge" gebaut!) - also ein schön kräftiges Instrument, das man noch hört, wenn die Streicher voll in Aktion sind. Es ist erstaunlich, wie voll diese gerade mal fünft Streicher klingen! Und unter diesem Aspekt ist es noch erstaunlicher, dass die meisten Cembalisten nur finselige Klimperkisten einsetzen - sowas wie das hier ist das Minimum, damit die Instrumentenbalance stimmt. Die Tempi sind in den Ecksätzen flott, aber nicht gehetzt, Fortin phrasiert dermaßen klar, daß man mitschreiben könnte, phrasiert aber sehr sprachbetont - immerhin stammen alle drei Sätze von BWV 1052 aus Kantaten, und dieses rhetorische Prinzip, das auch Bruce Haynes in seinem Begleittext in den Mittelpunkt stellt - wir seien erst am Anfang der Erarbeitung dessen,was Rhetorik in bach Instrumentalmusik eigentlich bedeutet hat - dieses rhetorische Prinzip bestimmt Fortins Spiel. Das ist auf Anhieb meine Lieblingsaufnahme dieser Konzerte geworden!

miguel54

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92

Montag, 15. September 2008, 12:06

Cembalissimo: Konzert am 14.09.2008 in Köln

Zitat

14. 09. 2008 17 Uhr
Deutschlandfunk, Kammermusiksaal

Cembalissimo
Acht Clavierkonzerte von Johann Sebastian Bach
Christian Rieger | Marieke Spaans | Harald Hoeren | Gerald Hambitzer - Cembali
Anton Steck, Gudrun Engelhardt - Violine
Wolfgang von Kessinger - Viola
Markus Möllenbeck - Violoncello
Miriam Shalinsky – Violone


Gestern war ich also dort. Details:

BWV 1053 - Rieger
BWV 1056 - Spaans
BWV 1061a - Hoeren & Hambitzer senza chordae
BWV 1055 - Hambitzer
BWV 1058 - Hoeren
BWV 1063 - Rieger, Spaans, Hambitzer
BWV 1064 - Rieger, Spaans, Hoeren
BWV 1065 - Rieger, Spaans, Hambitzer, Hoeren

Alle vier Cembali nebeneinander mit der Spitze des Flügels nach vorne, die Streicher in einer Reihe hinter den Cembali stehend - der Cellist auf einem Podest, somit alle Köpfe auf einer Höhe. Dank der solistischen Streicherbesetzung und dieser Aufstellung bemerkte ich zum ersten Mal, wie sorgsam Bach alle Streicher mit tragenden Rollen versorgt hat, und nahezu gleichberechtigt, nur der Konzertmeister hat etwas mehr zu tun. Alle Streicherstimmen sind interessant für die Spieler, so swingende Basslinien hört man selten (und ich habe selten einen so gut gespielten Violone gehört!), und die Tastisten hatten alle Hände voll zu tun!
Die Konzerte waren so geschickt gewählt, daß jeder Cembalist ein Solokonzert hatte und insgesamt vier Mal dran war. Die Tempi waren optimal, frisch und zupackend, die Melancholie der langsamen Sätze ohne Lamoryanz. Nach diesem Konzerterlebnis bin ich mir erstens sicher, daß die solistische Besetzung das Beste für diese Werke ist, und zweitens, daß ich so etwas in meinem Leben wohl kaum noch einmal live erleben werde - Rieger erzählte humorvoll, daß man zahlreiche logistische Probleme meistern mußte, um vier Cembali in den Saal zu bekommen, zu temperieren, also auch 720 Saiten zu stimmen hatte! Mein Respekt. Ganz abgesehen von der Überwindung der angeblichen eigenbrötlerischen Natur der Cembalisten :pfeif:, wie er bemerkte.
Der Umgang der vier miteinander war erfrischend unprätentiös und kollegial. Das muß dem alten Bach und seinen Söhnen und Schülern echt Spaß gemacht haben, das im Zimmermannschen Coffee-Haus zu spielen. Die Arbeitsteilung unter den Cembaloparts ist eine Klasse für sich.

Eine äußerst gelungene Veranstaltung zum 10-jährigen Jubiläum der Konzertreihe, mit Reden in den Pausen vom Leiter des DLF, der Kölner Bürgermeisterin, die eine Aufstockung der finanziellen Unterstützung der Stadt verkündete, und den Redakteuren von Concerto, die das Buch zur Konzertreihe verlegten, daß mit 2 CDs für schlappe 15 Euronen zu haben ist.

Das Konzert wird am 23. September 2008 ab 21.05 Uhr gesendet - ich bekomme hier keinen DLF - kann ein freundlicher Mensch das bitte für mich aufzeichnen? Eine sehr empfehlenswerte Interpretation dieser Stücke, die jeder der hier erwähnten Aufnahmen locker das Wasser reichen kann!

Bernhard

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Montag, 15. September 2008, 12:14

RE: Cembalissimo: Konzert am 14.09.2008 in Köln

Guten Tag

Zitat

Original von miguel54

- Rieger erzählte humorvoll, daß man zahlreiche logistische Probleme meistern mußte, um vier Cembali in den Saal zu bekommen, zu temperieren, also auch 720 Saiten zu stimmen hatte!!


Wie hat das J.S. Bach damals z.B. bei BWV 1065 im Leipziger "Cafe Zimmermann" hingegriegt :D

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

(Wäre auch gerne dort gewesen - in Köln wie in Leipzig :yes: )

Hildebrandt

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94

Donnerstag, 25. September 2008, 10:57

RE: Cembalissimo: Konzert am 14.09.2008 in Köln

Zitat

Original von miguel54
Das Konzert wird am 23. September 2008 ab 21.05 Uhr gesendet - ich bekomme hier keinen DLF - kann ein freundlicher Mensch das bitte für mich aufzeichnen? Eine sehr empfehlenswerte Interpretation dieser Stücke, die jeder der hier erwähnten Aufnahmen locker das Wasser reichen kann!


Leider bin ich zu spät nach Hause gekommen und habe erst ab dem dritten Satz von BWV 1061a zuhören können. Das war aber kein guter Einstieg: Die Cembalisten waren ständig auseinander, und die Patzerqoute lag deutlich über meiner Toleranzschwelle.
Im zweiten Teil wurde es erheblich besser, und 1065 war dann einfach großartig.
Wenigstens diesen zweiten Teil habe ich auch auf die Festplatte gebannt und muss nur noch ein bisschen Applaus und Gerede rausschnipseln.

Zitat

Original von Bernhard
Wie hat das J.S. Bach damals z.B. bei BWV 1065 im Leipziger "Cafe Zimmermann" hingekriegt


Bach soll fürs Stimmen etwa eine Viertelstunde gebraucht haben. Seine Söhne und andere Tastenadepten werden wohl kaum wesentlich langsamer gewesen sein.
Gute und routinierte Cembalisten/Stimmer kommen heute durchaus auf ähnliche Zeiten.

miguel54

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Donnerstag, 25. September 2008, 18:33

RE: Cembalissimo: Konzert am 14.09.2008 in Köln

Zitat

Original von Hildebrandt
Leider bin ich zu spät nach Hause gekommen und habe erst ab dem dritten Satz von BWV 1061a zuhören können. Das war aber kein guter Einstieg: Die Cembalisten waren ständig auseinander, und die Patzerqoute lag deutlich über meiner Toleranzschwelle.
Im zweiten Teil wurde es erheblich besser, und 1065 war dann einfach großartig.

Im Saal fielen die Patzer nicht so sehr auf wie bei der Rundfunkübertragung - die Akustik des Saales war gnädig. Die Vergrößerung durch die Mikrofone hat es aber offenbart.
Da man ein solches Cemablissimo sehr selten live bekommt, bin ich den Interpreten nicht böse, für zuhause habe ich ja Woolley & Co. :D

miguel54

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Freitag, 26. September 2008, 23:22

Habe diese neue CD heute bestellt und mir eben die Klangschnipsel nochmals zu Gemüte geführt - nicht schlecht. Bin gespannt, wie die Aufnahme dann zuhause wirklich klingt.


Bernhard

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97

Freitag, 10. Oktober 2008, 11:19

RE: BWV 1061a

Guten Tag

Zitat

Original von miguel54
Das "a" trägt diese Fassung zu Unrecht - die Fassung ohne Streicher war mit ziemlicher Sicherheit die Urfassung, die Streicher wurden für eine Aufführung mit dem studentischen Collegium musicum in Leipzig dazugeschrieben.
Ich habe mehrere Aufnahmen:



Ich inzwischen auch eine :]

Eben ins Haus geflogen:



J.S. Bach

Musica Alta Ripa "Solokonzerte Vol. 1"

G. Hollmann u. Bernward Lohr spielen BWV 1061a auf einem Cembalonachbau nach Chr. Vater bzw. Chr. Zell.
Hört sich ganz passabel an, der Dialogcharakter kommt gut zur Geltung :jubel: :jubel:

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

miguel54

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Registrierungsdatum: 12. September 2007

98

Mittwoch, 18. März 2009, 23:57

Zitat

Original von miguel54
Unter dem Strich bleiben Robert Woolley und The Purcell Quartet meine Favoriten.
Wenn Café Zimmermann sich entschließen sollten, zu komplettieren, wären sie gleichauf.


Den zweiten Teil meiner Aussage muß ich inzwischen nach kritischem Hören der neusten CD der Zimmermänner etwas relativieren: Das von Mme. Frisch verwendete Cembalo ist einfach zu leise.