Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

klingsor

Prägender Forenuser

  • »klingsor« ist männlich
  • »klingsor« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 498

Registrierungsdatum: 26. April 2005

1

Freitag, 29. Dezember 2006, 12:58

Von alla turca zu 1001 Nacht - Der Orient in der Musik

schon sehr früh begann die abendländische musik, elemente der türkischen oder - weiter gefaßt - der orientalischen musik aufzunehmen, zu verarbeiten, zu parodieren, wobei der 'orientalismus' im 19. jhd. vor allem in der französischen und russischen musik einen klanggewaltigen höhepunkt erreichen sollte.

symphonische werke, lieder, ganze opern widmen sich dem reiz des fremden, erotische motive - mehr oder weniger verhüllt - standen wie in der malerei und der literatur neben dem eindruck des faszinierenden, fremden, sehnsuchtsvoll betrachteten im mittelpunkt.

sicherlich ein thema, das eine intensive beschäftigung erfordert.

deshalb nicht nur die frage, welche werke gefallen euch, sondern vielleicht auch einige musiksoziologisch und -historische betrachtungen.

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

nala

Profi

  • »nala« ist weiblich

Beiträge: 407

Registrierungsdatum: 14. Dezember 2005

2

Freitag, 29. Dezember 2006, 14:04

'Alla turca' - Der Orient in der Musik

Natürlich die Entführung an allererster Stelle (Konstanze, dich wiederzusehen.....siehe Ohrwurmtheorie)
und

2. L'italiana in Algieri

habe ich zwar "nur" an der Volksoper gehört/gesehen, aber das war ein wunderschönes Erlebnis.

im 18./19. Jahrhundert war türkisch 'tres à la mode' - Malerei, Architektur - es gab türkisch eingerichtete Salons, auch Kronprinz Rudolph hatte einen.

Deshalb auch der Niederschlag in der Musik, besonders in den italienischen Opern. Aber auch Mozarts - Rondo "alla turca" oder Haydn's Militärsinfonie lassen unüberhörbar türkische Töne einfliessen.
WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
THEN IT HAS MISSED ITS POINT
(Maria Callas)

MarcCologne

Prägender Forenuser

  • »MarcCologne« ist männlich

Beiträge: 1 036

Registrierungsdatum: 4. Juli 2005

3

Freitag, 29. Dezember 2006, 16:09

... eine hübsche Ergänzung zum Thema wäre evtl. auch dieser Thread hier, der das Ganze quasi aus der musikalischen Sicht "vor Ort" zu beleuchten versucht... :hello:

Die Einbeziehung der Originale der auf europäischer Seite so häufig ausschließlich nach typisch abendländischen Vorstellungen vertonten orientalischen Sujets gibt einem eine ganz neue Sichtweise auf das ganze "Alla turca"-Geklingel des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Ich fand es sehr erhellend, hier ein paar Hörerfahrungen machen zu können.
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

Wulf

Prägender Forenuser

  • »Wulf« ist männlich
  • »Wulf« wurde gesperrt

Beiträge: 3 837

Registrierungsdatum: 14. Februar 2006

4

Freitag, 29. Dezember 2006, 18:25

Neben dem beruehmten "Alla turca" von Mozart, sollte man nicht den "Tuerkischen Marsch"
von Herrn Beethoven vergessen.

Ausserdem seien genannt:

Saint Saens: Samson et Dalila
Balakirev: Islamey

:hello:
Wulf.
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 709

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

5

Freitag, 29. Dezember 2006, 20:21

...und die Janitscharenmusik aus KV 384. :hello:
Freundliche Grüße Siegfried

Ulli

Erleuchteter

  • »Ulli« ist männlich
  • »Ulli« wurde gesperrt

Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

6

Freitag, 29. Dezember 2006, 20:28

Salut,

Mozarts "Entführung" ist für mich am wenigsten türkische Musik, auch wenn man die Einschränkung auf sogenannte programmhafte Janitscharenmuik einbezieht. Mozarts 'alla turca' hat ebenso viel/wenig mit türkischer Musik zu tun, wie Haydns 'all ongarese' mit Ungarn.

Hier noch ein paar Ergänzungen:

1683 - Beginn der Türkenoper?

Musik im Osmanischen Reich

Die Wiener Feinbäcker übrigens sollen - der Anekdote folgend - durch ihr beruflich bedingtes Frühaufstehen bemerkt haben, dass unsere künftigen EU-Mitglieder und dereinstigen Befürworter des Türko einen Tunnel unter der Stadtmauer graben. Dadurch konnte die selig schnarchende Verteidigung rechtzeitig informiert und zum siegreichen Handeln bewegt werden. Zu Erinnerung an diesen glückhaften Vorfall haben die Feinbäcker ein sichelförmiges Gebäck entwickelt, an dem sogar Marie-Antoinette derart Gefallen fand, dass sie es sogleich in Versailles etablierte und zärtlich Croissant nannte. Dies frz. Wort bedeutet "Mondsichel" und bezieht sich auf die türk. Flagge bzw. "zunehmen" und bezieht dann eher auf Marie-Antoinette.

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

nala

Profi

  • »nala« ist weiblich

Beiträge: 407

Registrierungsdatum: 14. Dezember 2005

7

Samstag, 30. Dezember 2006, 14:51

Entführung...

Die Oper entstand nach einem Drama des Leipzigers Christoph Friedrich Bretzner, der sich folgend äusserte:

"Ein gewissen Mensch namens Mozart in Wien hat sich erdreistet, mein Stück 'Belmont und Constanze' zu einem Operntext zu missbrauchen!"

Mozart verwandelte Belmonte in seiner Oper in den Sohn von Selims ärgstem Feind, und das ist ein Zeichen seiner Humanität. Selim Bassa wurde somit zum Vorläufer Sarastros. Bedenke man auch die damalige Zeit: Die Türkenbelagerung war noch nicht vergessen und die 'Osmanen' wurden als blutrünstige Ungeheuer dargestellt. Gegen diese Tendenz kämpfte Mozart ganz bewusst an, und er hatte auch einen Verbündeten: Josef II., ein sozialer, fortschrittlich denkender, toleranter Kaiser.

Selim Bassa ist zwar nur 'Halb'-Osmane, immerhin ein Zugeständnis an den damaligen Zeitgeschmack.
WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
THEN IT HAS MISSED ITS POINT
(Maria Callas)

musicophil

Prägender Forenuser

  • »musicophil« ist männlich
  • »musicophil« wurde gesperrt

Beiträge: 7 091

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

8

Samstag, 30. Dezember 2006, 15:27

RE: Entführung...

Zitat

Original von nala
Mozart verwandelte Belmonte in seiner Oper in den Sohn von Selims ärgstem Feind, und das ist ein Zeichen seiner Humanität.

Hallo Nala,

Höre Dir jedenfalls mals Mozarts frühere Oper "Zaide" an und beschäftige Dich mit dem Libretto. Dann siehst Du viele Parallelen zur Entführung.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

nala

Profi

  • »nala« ist weiblich

Beiträge: 407

Registrierungsdatum: 14. Dezember 2005

9

Samstag, 30. Dezember 2006, 15:57

Zaide

danke Paul für den Hinweis, am liebsten höre ich
"Ruhe sanft, mein holdes Leben"
Kiri te Kanawa
WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
THEN IT HAS MISSED ITS POINT
(Maria Callas)

Ulli

Erleuchteter

  • »Ulli« ist männlich
  • »Ulli« wurde gesperrt

Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

10

Samstag, 30. Dezember 2006, 17:00

RE: Zaide

Salut,

die Zaide ist aber noch weniger "türkisch", als wie die Entführung... :wacky:

Wie wär's mal mit echt-orientalischer Musik aus dem 17./18. Jahrhundert... DAS groovt. Hat sich auch bis heute kaum verändert - die wissen eben, was gut ist, die Döneriden.

:D

Güle-Güle
Ülly
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

klingsor

Prägender Forenuser

  • »klingsor« ist männlich
  • »klingsor« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 498

Registrierungsdatum: 26. April 2005

11

Dienstag, 2. Januar 2007, 15:38

nun, orient par excellence wird natürlich in rimskij-korsakoffs sinfonischem meisterwerk 'sheherazade' dargestellt.
eine kaum noch zu überbietende instrumentationskunst trägt dazu bei, die vier episoden aus '1001 nacht' klangprächtig und -mächtig zu gehör zu bringen.
:jubel: :jubel: :jubel:
--- alles ein traum? ---

klingsor

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 709

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

12

Dienstag, 2. Januar 2007, 16:17

RE: 'Alla turca' - Der Orient in der Musik

Allen, die sich darüber streiten, was denn nun türkische Musik ist und was nicht, empfehle ich einen Bummel durch den Basar von Istanbul.
Dort hört ihr Das Original :D
Freundliche Grüße Siegfried

Blackadder

Prägender Forenuser

  • »Blackadder« ist männlich
  • »Blackadder« wurde gesperrt

Beiträge: 1 285

Registrierungsdatum: 24. März 2006

13

Dienstag, 2. Januar 2007, 16:19

Zitat

Original von Siegfried
Allen, die sich darüber streiten, was denn nun türkische Musik ist und was nicht, empfehle ich einen Bummel durch den Basar von Istanbul.


Du meinst die bis auf Anschlag gedrehten und dadurch verzerrten undefinierbaren Klänge, die aus billigen Kassettenrekordern schallen? :D
[COLOR=darkred]Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig[/COLOR]

klingsor

Prägender Forenuser

  • »klingsor« ist männlich
  • »klingsor« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 498

Registrierungsdatum: 26. April 2005

14

Dienstag, 2. Januar 2007, 21:15

einen impressionistisch und intellektuell abgeklärten orientalismus findet man natürlich in einem meiner absoluten lieblingsstücke: ravels 'sheherazade' für sopran und orchester. schönere musik gibt es m.e. kaum. davon zeugen auch meine glaub ich nun 14 einspielungen. ;) aber eine ideale habe ich immer noch nicht gefunden ;(

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

15

Mittwoch, 3. Januar 2007, 00:23

Das Paradies und die Peri

Neben den Exotismen der klassischen Musikepoche und den Ausflügen in den Orient im 20. Jahrhundert sollten wir die Romantik nicht vergessen.
Daher möchte ich hier Robert Schumann ansprechen.

"Das Paradies und die Peri" für Soli, Chöre und Orchester war zu Lebenszeiten des Komponisten neben seiner ersten Sinfonie das am meisten aufgeführte Werk. Jetzt hat sich die Situation geändert. Im Mittelpunkt des öffentlichens Interesses stehen die Klavierwerke, die anfangs nur wenig bekannt waren, während die Peri eher eine Randexistenz im Konzertleben hat. Schumann kannte bereits mit 19 "die bedeutendsten Dichter "ziemlich aller Länder". Es ist so gut wie sicher, dass er Thomas Moores Versepos "Lalla Rookh" (1817) längst kannte, als es ihm der Zwickauer Lehrer Emil Flechsig am 4. August 1841 erneut nahebringen wollte.

(zu Schumanns Vorkenntnis von Moores Dichtung und zur Entstehung des Librettos siehe:

Gerd Nauhaus: Schumanns Das Paradies und die Peri. Quellen zur Entstehungs-, Aufklärungs und Rezeptionsgeschichte. In: Mayeda, Akio und Niemoeller, Klaus Wolfgang: Schumanns Werke - Text und Interpretation... Mainz, Schott, 1987, Seite 134 - 136.)


Das Werk greift die dritte Episode jener Erzählungen auf, die in "Lalla Rookh" ein persischer Prinz unerkannt seiner Braut erzählt, um ihr Herz zu gewinnen.
Eine Peri (ein Zwischenwesen, das etwa den europäischen Nixen und Elfen vergleichbar ist) wird aus dem Paradies verwiesen. Der Zutritt werde ihr erst wieder gewährt, wenn sie "des Himmels liebste Gabe" herbeibringe. Ihre ersten zwei Versuche unternimmt sie mit dem Blut eines Kriegers, der in der Schlacht gefallen ist, und dann mit den Tränen eines Mädchens, das mit seinem Geliebten in den Tod geht. Erfolgreich erweist sich allerdings erst der dritte Versuch, wo sie die Tränen der Reue eines Sünders zu den Pforten des Paradieses bringt. :angel: :angel::angel:

Schumann schildert klangkoloristisch die Landschaften Syriens und das dramatische Geschehen, allerdings ohne typische, orientalisierende Stilmittel einzusetzen. Die Charakterisierung der Personen und die Idee des Erlösungsmythos schienen ihn stärker interessiert zu haben.

Am Anfang war "Das Paradies und die Peri" ungemein erfolgreich. Nach den Aufführungen am 5. Dezember und am 11. Dezember 1843 in Leipzig gab es überschwängliche Rezensionen in den Leipziger Zeitungen. Das Leipziger Tageblatt und Anzeiger schrieb von "einem Werk, dessen hohe Genialität eine große Bewegung im musikalischen Bewusstsein der hiesigen Künstler in einem Grade in Anspruch genommen hat, wie uns in der Tat seit geraumer Zeit nicht mehr vorgekommen."

Hermann Krigar lobte am 17. Februar 1847 in seiner Rezension der Aufführungen der Berliner Singakademie Schumann dafür, dass er "es wagte, trotz Pfaffen und Pietisten, das Oratorium von seinem herkömmlichen Inhalte, einer pietistisch-christlich-jüdischen Unterlage, und von der strengen Psalmodie apostolischer Fanatiker und gefangener Juden zu säubern." :no:Es sei ein Werk "nicht für den Betsaal - sondern für heitre Menschen." ?(
(Nauhaus, s.o., S. 144-145)

Unbedingt anzumerken ist an dieser Stelle, dass der von den Schumanns am meisten verehrte zeitgenössische Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy war.
Liebe Grüße!

Ralf

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 19 102

Registrierungsdatum: 9. August 2004

16

Mittwoch, 3. Januar 2007, 21:35

Liebe Forianer,

Mich erreichte heute ein Leserbrief, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Da das Unterforum "Leserbriefe" nicht so frequentiert war wie vermutet, wurde es ja geschlossen - Daher hier an dieser Stelle:

Zitat



Sehr geehrter Herr Schmidt,

mit Interesse verfolge ich in meiner leider sehr begrenzten Freizeit Ihr Tamino Klassikforum.
Gerne wäre ich Ihrem Forum schon beigetreten, einzig die Pflicht regelmäßiger Beiträge hindert mich daran.

Da ich ein großer Liebhaber der klassischen türkischen Musik (natürlich auch der westlichen Klassik) bin, will ich doch ein paar Punkte zu dem Thema “Alla turca- der Orient in der Musik“ erläutern.

Die Türkenmode in der westlichen Klassik bezieht sich praktisch nur auf die Instrumentierung, d.h. Einbeziehung der Schlaginstrumente. Diese selbst wurden und werden aber so in der türkischen klassischen Musik nicht verwendet. Es ginge hier zu weit, in kürze die Musik
einem westlichen Hörer ( Notation, Melodik, Rhythmus etc.) zu erklären, dazu empfehle ich das überaus lehrreiche Buch
MUSIK DER TÜRKEI von Kurt und Ursula Reinhard ISBN 3-7959-0425-0 .

Nähere Informationen können Sie auch meiner Homepage Ottomanmusik.de entnehmen.
Hier versuche ich Interessierten (ohne jegliches finanzielles Interesse) einen Einblick in die türkische Kunstmusik zu geben.

Ich hoffe Sie nicht belästigt zu haben


Hochachtungsvoll

Cem Akaoglu



PS : Kurze Anmerkung an Hn .Siegfried (alias Fritz Wunderlich)

Sowenig wie man deutsche klassische Musik auf dem Viktualienmarkt in München hört, hört man türk. klassische Musik im Basar von Istanbul.


WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

MarcCologne

Prägender Forenuser

  • »MarcCologne« ist männlich

Beiträge: 1 036

Registrierungsdatum: 4. Juli 2005

17

Mittwoch, 3. Januar 2007, 22:01

Ich bin beeindruckt! :jubel: :jubel:

Ein Leserbrief.... wow!

Dank an Herrn Akaoglu :hello: - für den Buchtipp (klingt interessant) und die Sache mit dem Viktualienmarkt (klingt logisch :D )
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

Ulli

Erleuchteter

  • »Ulli« ist männlich
  • »Ulli« wurde gesperrt

Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

18

Mittwoch, 3. Januar 2007, 22:18

Zitat

Original von MarcCologne
und die Sache mit dem Viktualienmarkt (klingt logisch :D )


Klar. Die Türken sind ja alle bei Aldi. Wie sollen sie da auf dem istanbuler Bazar musizieren? :stumm: ...die Sache klingt nicht logischer, als die realen tangotönenden Akkordeons auf dem Strasbourger Münsterplatz oder die [tatsächlich] museumsreifen Kassettentapes auf dem Marktplatz in Varna.

Ich möchte als durchaus türkophiler Mitmensch das Buch "Die blaue Reise und andere Geschichten aus meiner deutsch-türkischen Familie" von Iris Alanyali empfehlen:



Nur von Geschäften mit den Nachfahren von Osmin nehme ich wegen unterschiedlicher Auffassungen seit langem freundlich dankend Abstand.

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

19

Mittwoch, 3. Januar 2007, 22:33

Leserbrief

Vielen Dank an Herrn Akaoglu. Das Buch von Kurt und Ursula Reinhard gehört jetzt mit zu meinen guten Vorsätzen für das Neue Jahr bzw. zu den geplanten Lese-Aktivitäten. Mal sehen. ob`s klappt. Allerdings scheint auch das von Ulli empfohlene Buch lesenswert. Jedenfalls ist die graphische Gestaltung der Titelseite durchaus bemerkenswert und die Aufmerksamkeit weckend.
Liebe Grüße!

Ralf

MarcCologne

Prägender Forenuser

  • »MarcCologne« ist männlich

Beiträge: 1 036

Registrierungsdatum: 4. Juli 2005

20

Mittwoch, 3. Januar 2007, 23:55

Ich hab's bereits gelesen (Ullis Buchempfehlung) und fand's witzig, allein schon der ungewohnten Perspektive (Junges Mädchen mit türkischem Vater und deutscher Mutter, das in Deutschland aufwächst) wegen. Aufschlussreich und originell - auch wenn's grad nix mit Musik zu tun hat :hello:
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

raphaell

Prägender Forenuser

  • »raphaell« ist männlich

Beiträge: 1 535

Registrierungsdatum: 12. März 2007

21

Donnerstag, 10. Mai 2007, 03:01

Hallo,

Um vielleicht nochmal auf orientalische bzw. orientalistische werke in der Klassik einzugehen:

Camille Saint-Saens:
- Op.89 Afrika - Konzertfantasie für Klavier und Orchester.
Stellenweise sehr orientalisch angehaucht.
-Op.103 Klavierkonzert Nr.5 "Ägyptisches"
Der 2.Satz wimmelt nur so vor orientalisierenden (nict autentischen) Elementen.

Richard Strauss
Salome - Tanz der 7 Schleier

Fazil Say
Der exzellente türkische Pianist komponiert auch selbst und schlägt so Brücken zwischen West und Ost - Türkische Melodien/Rhytmen und Harmonien werden mit westlichen Klängen und Formen gepaart. Das Ergebniss sind teils sehr lohnende, hochinteressante Werke mit einer speziellen, individuellen Tonsprache.



LG
RL

Michael

Prägender Forenuser

  • »Michael« ist männlich

Beiträge: 680

Registrierungsdatum: 16. Januar 2007

22

Donnerstag, 10. Mai 2007, 03:26

Ich denke mal, die orientalischen Intervalle sind einfach anders: Übermäßige Intervalle und vielleicht doch weniger große Skalenweiten. Ich selbst liebe bereits die ungarischen Intervalle, die für mein Empfinden weit traurigere und oft auch leidenschaftlichere Gefühle erzeugen, als wir sie kennen, und im Orient scheint es mir persönlich wohl nicht anders sein, was noch zu ergründen wäre. Sicher eine Bereicherung. Unsere atonale Musik ist denen wohl eher fremd, nehme ich mal an, so wie uns meist ihre.
LG Micha:hello:

Fairy Queen

Prägender Forenuser

  • »Fairy Queen« ist weiblich
  • »Fairy Queen« wurde gesperrt

Beiträge: 4 768

Registrierungsdatum: 27. April 2007

23

Samstag, 29. September 2007, 16:10

1001(Nacht)-Orientalismus und Exotismus in der Musik

Was passt besser zum und ist viel schöner als der 1001sten Beitrag : 1O01 Nacht!

Nun frage ich mich hier laut, was zu diesem Thema komponiert worden ist. Erst einmal ganz konkret zur Geschichte um die schöne und kluge Sheherazade und ihre 1001 Geschcihten, mit der sie schliesslich nciht nur die Mord-Lust des KÖnigs stoppt sondern auch seine Liebe gewinnt. Dann aber auch im weiteren Sinne zum Orentalismus und Exotismus in der Musik.
Zum Ersten fällt mir spontan nur Ravels Sheherazade ein, zum Zweiten natürlich eine ganze Menge mehr. Von Mozarts Entführung aus dem Serail über Rossinis Italienne en Algier, Lakmé und die Perlenfischer, Thaïs usw usw.
Bitte aber keine Chinoiserien, das ist wieder ein anderes Thema.
Mich interessieren insbesondere auch Lieder. Ich nenne hier mal beispielhaft:
Fauré: Les roses d'Ispahan
Bizet: L'adieu de l'hotesse arabe

1001 Grüsse von Fairy Queen :angel:
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

Walter Krause

Prägender Forenuser

  • »Walter Krause« ist männlich
  • »Walter Krause« wurde gesperrt

Beiträge: 1 781

Registrierungsdatum: 24. April 2007

24

Samstag, 29. September 2007, 16:23

RE: 1001(Nacht)-Orientalismus und Exotismus in der Musik

Liebe Fairy Queen,

Da ich zur Operette schon längere Zeit geschwiegen habe, nenne ich jetzt Leo Falls DIE ROSE VON STAMBUL. Die hat freilich schon 1916, als sie herauskam, manchen Türken gegiftet, weil man sich so nicht dargestellt sehen wollte. Aber wir Europäer schwanken ja auch noch immer zwischen Mittelalter und Moderne, manchmal geht es richtig express zurück in alte Zustände, daß man auch nur noch auf Gottes Hilfe bauen kann, oder auf die Allahs - political correctness ist ja angesagt.

Mit ein wenig Nachsicht und wenn wir das maurische Spanien hier einschließen dürfen, ist auch auf Donizettis Oper ALAHOR IN GRANATA zu verweisen, über die man im Opernführer mehr erfahren kann.

LG

Waldi
Homo sum, ergo inscius.

Maggie

Prägender Forenuser

  • »Maggie« ist weiblich
  • »Maggie« wurde gesperrt

Beiträge: 2 557

Registrierungsdatum: 14. Mai 2007

25

Samstag, 29. September 2007, 16:40

Liebe Fairy Queen,

wenn es Dir speziell um die Lieder geht, ist die von Waldi angesprochene Operette "Die Rose von Stambul" genau das Richtige. Das fast gleichnamige Lied "O Rose von Stambul" ist ein wirklich wunderschönes Lied, da es darin heißt: .... nur du sollst meine Sheherazade sein..., passt es perfekt zu Deinem 1001 Nacht Thema.

Mehr Bsp. fallen mir im Moment leider auch nicht ein.

LG

Maggie

Klawirr

Prägender Forenuser

  • »Klawirr« ist männlich
  • »Klawirr« wurde gesperrt

Beiträge: 3 735

Registrierungsdatum: 24. März 2007

26

Samstag, 29. September 2007, 16:41

Liebe Fairy Queen,
da fällt mir natürlich der Tanz der sieben Schleier aus der Dir ja so am Herzen liegenden »Salome« ein ;) . Nicht so ganz 1001 Nacht aber doch mit einigen expliziten Orientalismen.

Ebenfalls deutlich orientalisch angehaucht ist der langsame Satz aus Bizets C-Dur Symphonie.

Na und dann: Oper! Massenets Le Roi de Lahore und Thais geizen nicht mit orientalischem Flair. Wundervoll »orientalistisch« ist in Thais die Szene, in der jener asketische Einsiedler Athanael, der aufbricht um die Hure Thais zu bekehren, von zwei leichten Mädchen bezirzt wird (Akt I, 2. Bild: »Ah! Ah! Ah! .... Athanael, c'est toi!«.

Auch ja, und dann noch was modernes: Reinhard Febels Variationen für Orchester (1980) verwenden die unendlich traurige, auf einer orientalischen Skala beruhende Melodie eines Liedes des armenischen Komponisten Gomidas. Febels Variationen sind ein hinreissendes und zugleich zutiefts erschütterndes Werk!! Gibt's hier etwas mehr drüber zu lesen...

Soviel erstmal!

Ganz, ganz herzlich,
Medard

Alviano

Prägender Forenuser

  • »Alviano« ist männlich
  • »Alviano« wurde gesperrt

Beiträge: 2 232

Registrierungsdatum: 9. August 2006

27

Samstag, 29. September 2007, 17:01

Rimsky-Korsakoff

Nicht vergessen werden soll beim Thema "1001 Nacht" das Orchesterwerk von Rimsky-Korsakoff. Unter dem Titel "Scheherazade" vertonte Rimsky-Korsakoff 1888 in seinem op. 35 Szenen aus "1001 Nacht", u. a. Sindbad auf dem Meer. Es ist zugegebenerweise das einzige Stück aus dem 4-sätzigen Werk an das ich mich noch einigermassen erinnern kann...

Die Operettenexperten können sicher noch was über "1001 Nacht" von Johann Strauß oder über "Im Reiche des Indra" von Paul Linke erzählen.
Alles was ist, endet

pbrixius

Prägender Forenuser

  • »pbrixius« ist männlich
  • »pbrixius« wurde gesperrt

Beiträge: 6 202

Registrierungsdatum: 15. Dezember 2006

28

Samstag, 29. September 2007, 17:13

RE: 1001(Nacht)-Orientalismus und Exotismus in der Musik

Zitat

Original von Fairy Queen
Was passt besser zum und ist viel schöner als der 1001sten Beitrag : 1O01 Nacht!


Liebe Fairy Queen,

was für eine märchenhafte Idee, wie schön dass ich mir den 1001sten Beitrag noch aufgespart habe ...

Zitat

Nun frage ich mich hier laut, was zu diesem Thema komponiert worden ist.


Ich möchte ein Werk zu Deiner Sammlung beitragen, das die Geburtsstunde des musikalischen Exotismus markiert: die symphonische Ode "Le Désert" von Félicien César David. Die Form der Ode-Symphonique bezieht sich auf die 9. Sinfonie von Beethoven. Im Mittelpunkt des Werkes erleben wir eine Karawane, die durch die Wüste zieht. Sie steht für die menschliche Gemeinschaft: die Arbeit, der Kampf gegen den Sandsturm, das abendliche Fest im Zeltlager, das Morgengebet zu Allah - alles wird gemeinschaftlich erlebt. Das Gegenbild dieses am Saint-Simonismus orientierten Lebens ist die krankende Zivilisation in den Städten. Der Freiheit der Wüste lässt zu folgenden Worten finden:

Restez dans vos tombeaux de pierre,
pâles habitants des cités,
sans voir du ciel ni de la terre
les majestueuses beautés.
Là, votre existence flétrie
par les ennuis, par les remords,
Le désert est notre patrie;
nous sont libres, fiers et forts.


Musikalisch greift David immer wieder auf orientalische Vorbilder zurück bis hin zu dem vom Tenor vorgetragenen Ruf des Muezzins.

Der Orient ist zur Zeit Davids nicht nur als Ort konkreter Intressenskonflikte der europäischen Großmächte, sondern als Projektionsfläche der zeitgenössischen Fantasie im Mittelpunkt des Interesse. Wo man zu Hause Engstirnigkeit, verklemmte Moral und Fantasielosigkeit sah, fand man in der Ferne die lockenden Geheimnisse, das Märchenhafte fremder Welten, die sublimen Künste des Erotisch-Sinnlichen. Was die verlogene Welt des Okzidents verbot, die poetisch-freien Geister aber bewegte, fand man im Orient.

Die Uraufführung des Werkes am 8.12.1844 in Paris wurde ein triumphaler Erfolg für David. Hector Berlioz schrieb: "Ein großer Komponist ist erschienen. Sein Name ist Félicien David und das Meisterstück heißt 'Le Désert'".



Auch von mir 1001 Grüße

Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

  • »Zauberton« ist männlich
  • »Zauberton« wurde gesperrt

Beiträge: 298

Registrierungsdatum: 23. April 2007

29

Samstag, 29. September 2007, 17:34

Liebe Fairy Queen,

gerade im Bereich Oper / Operette gibt es natürlich jede Menge Beispiele:

Webers Abu Hassan basiert auf einer Anekdote aus den Erzählungen aus 1001 Nacht. Die Handlung um einen bauernschlauen Schuldner spielt am Hofe des Kalifen von Bagdad. Der Orientalismus findet sich musikalisch, soweit ich mich erinnern kann, eigentlich nur in der Ouvertüre wieder. Weber hat dann später, wie Du als Feenkönigin sicher weißt, noch einmal große Teile seiner Oper Oberon in Bagdad angesiedelt.

Jules Massenet hatte offensichtlich ein Faible für exotische Stoffe. Hérodiade ist Massenets Version des Salome-Stoffes. Wenn auch die Mauren erlaubt sind, kann auch noch die Oper Le Cid genannt werden, die vor dem Hintergrund der Reconquista spielt. Die handelnden Personen sind aber, wenn ich das richtig überblicke, alle Spanier.

Fairy Queen

Prägender Forenuser

  • »Fairy Queen« ist weiblich
  • »Fairy Queen« wurde gesperrt

Beiträge: 4 768

Registrierungsdatum: 27. April 2007

30

Samstag, 29. September 2007, 17:47

:jubel: :jubel:
Ihr seid klasse :jubel:

Wie sieht es beim Kunstlied aus? Hat da jemand Ideen? Das wäre eigentlich fast am meisten dienlich, denn ich gehe im Moment für 2008 mit einem einem neuen Konzertprogramm schwanger "L'invitation au voyage " im Kopf, vermutlich mit drei Damen besetzt, hoher leichter Sopran, grosser lyrischer Sopran und Mezzo.
Mir selbst fällt noch die Savoy-Operette "The Rose of Persia" ein, Gilbert and Sullivan.

Fairy Queen
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)