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  • »helmutandres« ist männlich
  • »helmutandres« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 411

Registrierungsdatum: 8. Januar 2005

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Montag, 29. Januar 2007, 00:23

Kresniks Ring-Projekt

Hab mir heute Johann Kresniks DAS RHEINGOLD / DIE WALKÜRE in der Bonner Oper 'angetan'. Soviel ich sehe, hat sich das Forum damit noch nicht befaßt. Obwohl es sich hier um Tanztheater ('Choreographisches Theater') und nicht um Oper handelt und eigentlich auch nicht um Wagner, hat es nun mal den direkten Bezug zur Musikbühne und dem Richard.

Um es vorwegzunehmen: Es hat mir gut getan ;). Über die Inszenierung als solche ist in fast allen Feuilletons genug geschrieben, da würde ich nur Wiederholungen bringen: tolle Bühne und Kostüme, tolle Choreographie, überdurchschnittliche Ensemble-Leistung. Musik: na ja (man kann Wagner m. E. mit Musik nicht 'erklären').

Die Frage lautet also: was will uns Kresnik mitteilen? Geht es mal wieder darum, das übliche sogenannte 'Regietheater' mit drastischen Crime- und Sexszenen an einem neuen Projekt auszutoben?

Natürlich nicht, auch wenn das mittlerweile zum Standard gehört. Was Neues ist gewiß auch die Alt-68er-Platte mit Kapitalismus- und Militärkritik nicht. Und selbst der geschickte Einbau Wagners und seines späteren Kritikers Nietzsche ist zwar ein hübscher Einfall, der aber mit den wörtlichen Zitaten keinen Erkenntnisgewinn bringt.

Wo liegt also der Gewinn? Die Idee solcher Inszenierungen, mit künstlerischen Mitteln vor der Menschheitsdämmerung zu warnen, kann nicht falsch sein. Das Problem ist, daß das Publikum diese Botschaft schon abgehakt hat, ehe es Platz nimmt, und sich eben doch auf das kapriziert, was es sieht und hört. Zumal, wenn diese Botschaft nicht neu ist, sondern von Richard Wagner schon im vorvorigen Jahrhundert in Musiktheater umgesetzt wurde. Und trotzdem und gerade deshalb: das ist die Botschaft, auf die es wahrscheinlich mehr denn je ankommt.

Gelacht wurde bezeichnenderweise an einer einzigen Stelle: als auf der Riesenprojektionswand beim obligatorischen Bayreuth-Defilée der Mooshammer Rudolph vor dem Betreten des Festspielhauses sein Hündchen dem Chauffeur übergab. Selbst dieses Lachen war ein wenig makaber, oder?