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Glockenton

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31

Montag, 8. November 2010, 11:03

Gerne würde ich einige Gedanken und Erlebnisse zu BWV 82 und generell der Aufführung Bachscher Vokalmusik teilen.Bei dem was ich mitteilen möchte, geht es ausnahmsweise einmal nicht um eine am Markt erhältliche Aufnahme, aber ich möchte doch gerne erzählen, dass ich gestern Abend für mich eine kleine Premiere feiern durfte:

Ich habe die Eingangsarie dieser Kantate gestern mit einem kleinen norwegischen Orchester einstudieren (den Kantor dieser Kirche mit der Einstudierungsarbeit entlastet...) und musizieren dürfen, wobei ich selbst das Orgelcontinuo aus der Partitur spielte. Mein Kollege Kantor ist dann später hinzugekommen und hat für uns dirigiert, was angesichts dessen, dass wir ein zusammengebuchtes und nicht etwa jahrlang aufeinander eingespieltes Ensemble waren, doch hilfreich war, z.B. beim Ritardando der zuletzt gesungenen Bassworte "Ich habe genug" vor dem Orchesternachspiel.

Was die Bachinterpretation angeht, sind wir uns zum Glück immer sehr einig und arbeiten diese im Vorhinein aus, auch durch Eintragungen in den Orchesterstimmen.
Erstaunlich war für mich, dass wir in kurzer Zeit ( vielleicht insgesamt eine Stunde) Probe mit dem Orchester und dem Sänger auf ein ziemlich gutes Ergebnis kommen konnten.
Die Musiker/innen waren sehr flexibel und für mich unerwartet stilbewusst.
Wir konnten die Todesschlaf-Figuren in den Streichern herausarbeiten, mit den weichen Akzenten auf den Synkopen auf der Zählzeit 3, das schwebend-wiegende Bogenvibrato mit der schwerpunktmässigen Betonung der 1 in der Viola und dem Violoncello und darüber der Dialog der Oboe mit dem Gesangs-Bass, der aus einem wiegenden Siziliano-Motiv und ausgeschriebenen Ornamenten besteht.
Zwischendurch gibt es noch die dynamisch stark auf die nächste Eins hinführenden Dreiklangs-Arpeggien der Streicher bei der Textstelle " ich habe den Heiland, das Hoffen der Frommen, auf meine begierigen Arme genommen".
Diese Figuren drücken für mich eine aus der Tiefe der Seele kommenden Freude und Hoffnung inmitten der Todes-Schläfrigkeit des ersten Satzes aus.
Gerade die Mischung von eigentlich freudigen Nebenaffekten ( die durch entsprechende Figuren den Text erläutern, kommentieren) in den sehr ernsten Hauptaffekt der Todes-Sehnsucht ist für mich besonders charakteristisch für Bachs unvergleichliche Kompositionskunst und für sein Ausdrucksvermögen.

Für eine CD-Aufnahme wäre es sicherlich zwar gut gewesen, das eine oder andere Detail noch deutlicher auszuarbeiten, aber insgesamt war es doch schon so, dass selbst ich damit recht zufrieden war, was mich selbst überrascht.

Wir haben mit heutigen Instrumenten in normaler Stimmung gespielt, was aber nicht heisst, dass es nicht doch auch ziemlich "HIP" im Sinne des Sprechens in Tönen war.

Ich muss ehrlich sagen, dass eine Aufführungen von Bachs geistlichem Vokalwerk für mich zum Schönsten gehört, was man überhaupt machen.
Da fühle ich mich so, als würde ich in einen Raum eintreten, der den Kern der Musik selbst darstellt. Wenn die Aufführung denn gelingt, kenne ich für mich nichts Erfüllenderes.

Wir planen nun, in 2-3 Jahren eine Aufführung der Johannespassion zu realisieren und hoffen, dies auch finanziell darstellen zu können.

Meine Aufgabe wird es sein, jede Stimme der Partitur durchzuarbeiten, vorbereitend einzurichten, insbesondere die Rezitative mit der Continuogruppe und den Sängern einzuarbeiten, der richtigen deutschen Aussprache zu ihrem Recht zu verhelfen und natürlich die Continuo-Orgel zu spielen.
Wir wollen versuchen, eine wirklich gutes und hohes Interpretationshiveau hinzubekommen.
Da Probenzeit Geld kostet, kommt es bei diesem Ziel auf die Vorarbeit und die Probenorganisation an.
Durch den langen Vorlauf hoffe ich, dass wir neben unseren normalen Musikdiensten diese Herausforderung bestehen können.

Angesichts des schönen und ermutigenden Erlebnisses des gestrigen Abends mit BWV 82 freue ich mich jedenfalls schon sehr darauf.


:hello:

Glockenton
"Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

Wolfram

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32

Samstag, 29. Januar 2011, 18:46

Hans Hotter, Sidney Sutcliffe (Oboe), Philharmonia Orchestra, Anthony Bernard, März 1950


Klar, dass dies keine historisch informierte Einspielung ist. Das Philharmonia Orchester spielt mit sattem Ton, phrasiert aber gut. Die Bässe spielen in der ersten Arie etwas zu unartikuliert, zu dicht, zu gebunden. Dadurch wirkt es so, als ob ein Pianist den Fuß nicht vom rechten Pedal runter bekommt. Der Oboist spielt mit flexiblem Ton (im Rahmen des diesem Instrument möglichen) und scheint geradezu unerschöpfliche Atemreserven zu haben.

Im ersten Rezitativ hört man den damaligen Stand der Bach-Rezeption: Die Akkorde in der Orgel werden legato ausgehalten, später wird sogar hinzuregistriert.

Die „Schlummert ein“-Arie ist sehr langsam – mehr als zehneinhalb Minuten. Das wäre kein Problem, wenn die Philharmoniastreicher nicht so ein sämig-klebriges Legato spielen würden.

Geradezu mitreißend dann die letzte Arie: Zügiges Tempo, beherztes Zupacken der Violinen, aber wieder viel zu viel Legato. Die Orgel continuiert im Vorplenum. Tempi passati!

Ansonsten ist natürlich Hans Hotter das Ereignis der Aufnahme. Seine weiche, füllige Stimme scheint wie geschaffen für diese Musik. Wie prächtig klingen doch Phrasen wie „Hier muss ich das Elend bauen, aber dort, dort werd ich schauen süßen Frieden, stille Ruh“ und andere. Die Weltflucht nehme ich diesem Sänger vollkommen ab. Allen Verehrern des Bassbaritons ist diese CD sehr zu empfehlen. Aber wer diese hochberühmte Kantate kennen lernen will, ist mit einer jüngeren Einspielung und entsprechend modernerem Bachbild vermutlich besser bedient.


Dietrich Fischer-Dieskau, n. n. [Manfred Clement?] (Oboe), Münchener Bach-Orchester, Karl Richter, Juli 1968


Was knapp zwanzig Jahre für die Rezeption von J. S. Bach bedeuten können, das lehrt der Vergleich dieser Aufnahme mit der oben genannten. Hier wird luftig artikuliert, alles ist gut durchhörbar, die Bässe trennen ihre pochenden Achtelnoten in der ersten Arie. Man versteht aber auch, gegen welche Widerstände Karl Richter zu kämpfen hatte, als er im konservativen München dieses seinerzeit hochmoderne Bachbild vorstellte. Sicher ist auch hier Antiquiertes zu hören, etwa die hinzugespielten Solostimmen der Orgel in den Rezitativen oder der Tremulant im zweiten Rezitativ.

Dietrich Fischer-Dieskau punktet, was bei diesem Sänger nicht der Regelfall ist, indem er die Schönheit seiner Stimme zeigt, ihre Leichtigkeit, ihre Helligkeit. Atemtechnisch gerät er gelegentlich an Grenzen, die aber nicht allzu sehr stören. Was ich ihm weniger als Hans Hotter glaube, ist die Weltflucht, das Sattsein. Das hörbare Bemühen um Ausdruck macht die Illusion eines Mannes, der allem Irdischen entsagen will, schon im Ansatz zunichte - Fischer-Dieskau will ja offenbar noch etwas auf dieser Welt. Sängerisch sehr gut gelungen, lässt die Aufnahme bezüglich der Anverwandlung des Textes und der darzustellenden Befindlichkeit leider Wünsche offen. – So ist auch diese Einspielung eher etwas für die Verehrer des Sängers und ein Dokument Richterscher Bach-Auffassung.



Peter Kooy/Kooij, n. n. [Marcel Ponseele?] (Oboe), La Chapelle Royale, Philippe Herreweghe, Januar 1991


Klingt in den oben genannten Aufnahmen der Streichersatz im Eingangsritornell der ersten Arie recht homophon, so legt Herreweghe durch die Beachtung der voneinander abweichenden Phrasierungsvorschriften der einzelnen Stimmen den Reichtum und die Vielfalt des Satzes offen – beeindruckend. Die Besetzung ist mit 5-4-2-2-1 eher mittelklein, trotzdem wird eine hohe Transparenz erzielt. – In den Rezitativen spielt die Orgel ihre Akkorde nur kurz. Die Lebendigkeit des Streicherspiels im Kleinen beeinträchtigt keineswegs die Wirkung der zweiten Arie („Schlummert ein“) im Großen.

Peter Kooy (oder Kooij – die Schreibweisen variieren) singt mit dunkel grundierter, gut abgerundeter Stimme. Die Aussprache ist geradezu vorbildlich, Atemprobleme scheinen nicht zu existieren, hohe wie tiefe Passagen werden souverän und ohne Konzession an den perfekten Stimmsitz bewältigt. Auch dieses Singen klingt mir jedoch zu schön, zu diesseitig, um voll zu überzeugen. Die Pluspunkte dieser Aufnahme sind die Prachtstimme Kooijs sowie das hochdifferenzierte Orchesterspiel unter Herreweghe.


Thomas Quasthoff, Albrecht Mayer (Oboe), Berliner Barock Solisten, Rainer Kussmaul, Januar 2004


Sehr elegisch und berührend beginnt das Ritornell der ersten Arie. Trotz noch kleinerer Besetzung (Streicher 3-3-2-1-1) klingt es nicht so lebendig differenziert wie bei Herreweghe. Zum Text passt dies natürlich auch so. Man spielt auf modernen Instrumenten mit wenig Vibrato. Herrlich ist das zurückhaltende Streicherspiel in der zweiten Arie: Zart und behutsam, gleichsam verschleiert wird die Schlummerarie gespielt und gesungen. In der letzten Arie werden die nach oben abreißenden Tonleiter- und Akkordfiguren verklingend gespielt, das ist ein getreues Abbild der sich dieser Welt entziehenden Seele. Andere setzen da auf den letzten Ton gerne nochmal einen Akzent und verkennen das Bild, das diese Figuren darstellen.

Quasthoff trifft den entrückt-gelassenen Sehnsuchtston der ersten Arie aufs Beste. Die Abrundung des Tones und die dunkle Grundierung Kooijs ist nicht seine Sache. Doch der Grad an Glaubwürdigkeit ist mir hier um entscheidende Punkte höher als bei Kooij oder Fischer-Dieskau. – In der zweiten Arie erzielt er geradezu magische Wirkung durch äußerste Zurückhaltung. Sein Singen wird durch entsprechendes Orchesterspiel im Ausdruck vertieft. Insgesamt ist dies meine bevorzugte Aufnahme des Werkes.


Peter Kooy/Kooij, Masamitsu San’nomiya (Oboe), Bach Collegium Japan, Masaaki Suziki, September 2006


Suzuki Bachspiel ist bekanntlich deutlich weniger zupackend (man könnte auch sagen: aggressiv) als etwa dasjenige John Eliot Gardiners. Oft ist ein Hauch von Jenseitigkeit zu hören, etwas Schwebendes. Das ist bei diesem Hohelied der Weltflucht nicht anders. Trotz eines vergleichsweise zügigen Tempos entbehrt die erste Arie nicht der notwendigen Gelassenheit. Sehr langsam (nicht ganz so wie bei Hotter/Bernard) ist die Schlummerarie. Im B-Teil, der anfangs nur von der Continuogruppe begleitet wird, scheint es so, als ob der Cellist genug von der Langsamkeit hätte, und für einen Moment entsteht der Eindruck, dass nicht alle Beteiligten sich über das Tempo einig wären. Die Artikulation ist nicht so deutlich herausgearbeitet wie bei Herreweghe, außer Frage steht jedoch, dass Suzukis Streicher (3-3-2-1-1) dies könnten, wenn sie wollten bzw. sollten.

Peter Kooij singt gelassener als bei Herreweghe, obwohl die Tempi der ersten und der letzten Arie sogar schneller sind. Das macht seinen Vortrag deutlich glaubhafter. Auch er hält sich in der zweiten Arie sehr zurück, aber ohne dadurch wie Quasthoff verzaubern zu können. Dennoch: Sehr gut gesungen, herrlicher Ton.

Insgesamt ist dies eine sehr gute Aufnahme, die in der Transparenz des Orchesterspiels etwas hinter Herreweghe zurückbleibt und in der Kunst der Darstellung von Weltentrücktheit nicht an Quasthoff herankommt.

Meine Lieblingsaufnahme? Quasthoff mit Herreweghe …
Viele Grüße, Wolfram

Wolfram

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  • »Wolfram« wurde gesperrt

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33

Montag, 21. Februar 2011, 22:02

Klaus Mertens, Alfredo Bernadini (Oboe), Amsterdam Baroque Orchestra, Ton Koopman, 2001


Sehr langsam nimmt Koopman die erste Arie – 8:05 ist in etwa die Zeit, die sich auch Hotter/Bernard und Fischer-Dieskau/Richter seinerzeit nahmen. Es mag programmatisch bedingt sein, klingt aber recht zäh. - Die Größe der Besetzung ist nicht genannt, sie ist jedenfalls klein. Die Streicher stehen arg im Hintergrund bei dieser Aufnahme. So wird die Aufmerksamkeit des Hörers vor allem auf Sänger und Oboe gelenkt. Schade – gar so unwichtig sind die Streicherstimmen eigentlich nicht.

In geradezu flüssigem Tempo erklingt die Schlummerarie. Es wirkt sehr gelöst, entspannt. Hier kommen auch die Streicher etwas mehr zu ihrem Recht. Durch das Tempo gerät die Arie allerdings in die Gefahr, allzu nett vorbei zu plätschern.

In der abschließenden Arie sind die Streicher wieder sehr zurückgedrängt. Leider auch da, wo ihre Rhythmik von den beiden Solopartien abweicht. So bleiben einige Strukturen dieser Musik verborgen.

Die Stimme von Klaus Mertens finde ich sehr interessant und in mancher Hinsicht geradezu ideal für diese Musik: Eine tief reichende Stimme, der die tiefen Töne der Partie mühelos zugänglich sind, die aber dennoch hell getönt ist. (Darin ist sie wohl das genaue Gegenteil von Boris Christoff, der eine wahrlich dunkle Stimme hatte, aber in der Tiefe manchmal etwas bemüht klang). Die leichte Führung trägt dazu bei, dass trotz der tiefen Lage eine maximale Transparenz des Gesamtklangs erreicht wird. – Ob das helle Timbre ganz im Sinne Bachs ist, sei dahingestellt – der Bass war für ihn das Fundament, darum vertraute er die Jesusworte dieser Stimmlage an (die Gleichsetzung schwarzer Bass = Bösewicht stammt aus späteren Zeiten, man denke etwa an Kaspar, Hunding, Sparafucile). – Insgesamt eine hörenswerte Aufnahme, deren großes Plus der Sänger ist. Leider ist das Tempo der ersten Arie fragwürdig, leider dürfen die Streicher nur wenig beitragen, um den Reichtum der Partitur entfaltend darzustellen. Koopman hat einige großartige Bach-Aufnahmen gemacht, ich nenne stellvertretend die Ouvertüren. Davon ist die Aufnahme dieser Kantate leider weit entfernt.
Viele Grüße, Wolfram

kalli

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34

Samstag, 21. Juli 2012, 17:28

BWV 82 Dieskau

Sagitt meint:

Wie sich die Zeiten wandeln. Alle möglichen Aufnahmen werden ausgegraben und Fischer-Dieskau taucht nicht einmal mehr auf.
Also werde ich doch eine Lanze für ihn brechen müssen. Seine erste Aufnahme stammt von 1950. Ziemlich grausliche Begleitung, aber eine wunderbare Stimme,im Timbre noch recht dunkel, eine Interpretation, vor allem von " Schlummert ein", die ihresgleichen sucht. Die Süsse der Trauer kommt durch die Einfärbung mit Oberstimme gut zum tragen. Diese Fähigkeit hat kein Hotter und auch kein Quasthoff, am ehesten noch Goerne ( tauchte der hier auf ?). Überdies singt Fischer-Dieskau nicht nur Praller, sondern führt die Verzierung vollkommen aus. Bei dem letzten Teil, Ich freue mich auf meinen Tod,kann man einwenden, dass technisch diese Passagen besser von Quasthoff,Goerne und van Egmond gesungen werden.
Die lyrische-besinnlich-melancholische Interpretation des Schlummert ein gelingt Fischer-Dieskau noch besser 1970 mit Richter ( da ist die Orchesterbegleitung auch besser). Allerdings " interpretiert" er da auch mehr ( etwas, das ihm ja sehr vorgeworfen wird).
Fehlen darf einer KEINESFALLS in der Reihe der Interpreten von BWV 82 !
diese kantate habe ich in sehr vielen aufnahmen, es ist mir einfach die liebste. ich habe mir schon 2 cds zusammengestellt, sopran, bass, tenor versionen......die richter / dieskau fehlt mir noch. es gibt aber auch eine kombination rilling /dieskau :



sie ist DDD von 1999 - kann jemand diese im vergleich zur richteraufnahme beurteilen ?

gruss

kalli

kalli

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  • »kalli« ist männlich

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35

Mittwoch, 25. Juli 2012, 18:04

Hallo,

ich habe in einem anderen forum nachgelesen und zu meiner frage eine antwort gefunden . die richter aufnahme ist es geworden. völlig unbekannt ist für mich diese aufnahme :


sie wird sehr gelobt - kennt die jemand ?

gruss

kalli

musikwanderer

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36

Donnerstag, 26. Juli 2012, 15:28



Kennt jemand diese Aufnahme, in der Hermann Prey neben "Ich habe genug" auch noch die "Kreuzstab-Kantate" singt? Prey wurde in diesem Thread bisher noch nicht erwähnt, aber ihm traue ich auch eine gelungene Interpretation zu.

Die CD enthält auch noch die Kantate "Widerstehe doch der Sünde" zum Sonntag Oculi mit der Solistin Marga Höffgen.

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Rheingold1876

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37

Donnerstag, 26. Juli 2012, 20:43

Hallo Musikwanderer,

ich habe die Kantaten lange nicht gehört, die Erinnerung daran ist um so stärker. Prey ist eine sehr menschliche Interpretation gelungen. Sie scheint wie geerdet. Bei ihm haben Tod und Kreuzstab keinen Schrecken. Vielleicht ist er gerade dadurch sehr nahe bei Bach. Er singt mit einer ganz naiven Freude und Einkehr. Das ist wunderbar.

Es gibt eine schöne Geschichte dazu. Die vierjährige Sohn eines Freundes mit einer großen Begabung für Musik hörte die CD auch, prägte sich ziemlich schnell Text und Musik ein. Im Kindergarten sang er dann zum Entsetzen der Kindergärtnerin die Arie "Ich freue mich auf meinen Tod". Bei einer ernsten Aussprache mit den Eltern gab es dann die erlösende Aufklärung. Irgendwie passt diese Geschichte zu Preys Interpretationsstil.

Weil Du noch die Kantate "Widerstehe doch der Sünde" ansprichst - im konkreten Fall mit der Höffgen. Kennst Du die Aufnahme mit Russell Oberlin, geleitet von Glenn Gould am Klavier? Davon habe ich durch mein halbes Leben immer eine alte, ziemlich abgespielte MC getragen. Nun habe ich sie als Film bei Youtube entdeckt. Für den Fall, dass es Dich interessierst und Du den Film nicht längst kennst, hier der Link:

http://www.youtube.com/watch?v=uQqYn9IdH0E

Es grüßt Rheingold, der sich gleich die CD heraussucht und hört
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

musikwanderer

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38

Donnerstag, 26. Juli 2012, 21:44

Vielen Dank, Rheingold1876, für Deine Antwort auf meine Frage.

Ich bin zwar grundsätzlich ein Bewunderer Fischer-Dieskaus, aber gerade im Bereich der "musica sacra" nehme ich Fi-Di nicht immer seinen Gesang ab. Noch zu LP-Zeiten hatte ich einige Aufnahmen mit geistlicher Musik, in denen Prey sang - und er gefiel mir damals sehr gut. Ich meine, die von Dir beschriebene "naive Freude und Einkehr" entspricht auch meiner eigenen Wahrnehmung.

Ich glaube, ich weiß, was ich mir noch zulegen werde...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

kalli

Profi

  • »kalli« ist männlich

Beiträge: 409

Registrierungsdatum: 14. Oktober 2010

39

Freitag, 27. Juli 2012, 10:45



Kennt jemand diese Aufnahme, in der Hermann Prey neben "Ich habe genug" auch noch die "Kreuzstab-Kantate" singt? Prey wurde in diesem Thread bisher noch nicht erwähnt, aber ihm traue ich auch eine gelungene Interpretation zu.

Die CD enthält auch noch die Kantate "Widerstehe doch der Sünde" zum Sonntag Oculi mit der Solistin Marga Höffgen.

:hello:

hallo,

diese cd habe ich nun auch auf verdacht bestellt.....wenn ich dazu komme werde ich sie laienhaft mit der fidi aufnahme vergleichen. zu meinen anderen aufnahmen ist hier schon alles gesagt ( quasthoff, mertens, dessay, argenta,kirby.........)

gruss

kalli

farinelli

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Registrierungsdatum: 12. Mai 2009

40

Mittwoch, 17. Oktober 2012, 18:50

Fischer-Dieskau/Ristenpart - Prey/Thomas

Ich schätze beide Einspielungen; schon in der Klangauffassung sind sie schwer zu vergleichen, was nicht bloß an mono vs. stereo liegt. Ristenparts Bach klingt sehr expressiv, kammermusikalisch und schlanker als die Leipziger, die einen kirchenraumartigen Klang wie ein Meer von Schwermut entfalten. Prey ordnet sich mit großer resignativer Ruhe in dieses vielstimmige Musizieren ein, während Dieskau klar dominiert (die rascheren Tempi bei Ristenpart tragen auch mehr Erregung in die Musik). HIP-Fans werden das Gewandhausorchester trotz großer Tradition romantisierend finden. Die 1951 eingespielte legendäre DGG-Archivproduktion bietet dennoch mehr ein frühes Beispiel der ausdrucksvollen Vokalgestaltung Fischer-Dieskaus als eine "moderne" Bachauffassung. Sein "Ich habe genug" klingt, den greifbaren Sinn des Textes dementierend, mehr nach inbrünstiger Auflehnung, daher subjektiver und auch insofern "romantischer" als Prey.

:hello:
Zerging in Dunst das heilge römsche Reich

- uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

kalli

Profi

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Registrierungsdatum: 14. Oktober 2010

41

Donnerstag, 18. Oktober 2012, 16:57

danke,

ich hätte es nicht so gut beschreiben können - das trifft mein empfinden. ich habe hier etwas scheu mich auszudrücken - dafür finde ich mich immer wieder wenn berufenere das tun.
mir gefallen auch beide , jede in ihrer art.

gruss

kalli