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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

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Ulli

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31

Donnerstag, 1. März 2007, 23:30

Zitat

Original von Jonathan Feller
wer klärt mich auf? was habe ich verpasst?


Nur die Light*-Version der heutigen Vorstellung :D

Ach wie schön war doch der Salzburger Figaro... wie schnell sich alles relativieren kann. Der Typ gehört eindeutig in diesen Holzpyjama.

:hello:

Ulli

[SIZE=7]*Light ist ja eh verboten...[/SIZE]
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Barezzi

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32

Donnerstag, 1. März 2007, 23:39

Der Papageno in seiner Fusel-Arie ("Ein Mädchen oder Weibchen hicks.")



Der Figaro war doch auch schon furchtbar :rolleyes:
Mich würd echt mal interessieren, seit wann Harnoncourt diese neuen Erkenntnisse hat, die dazu führen, dass mir richtig gespielte Musik nicht mehr gefällt...

Zitat

Original von Jonathan Feller
Ich möchte hier doch noch deutlich machen, das ich nicht generell etwas gegen HN habe und durchaus auch einige sehr überzeugende Aufnahmen von ihm kenne.


Jonathan, viele seiner Aufnahmen finde ich ja auch noch gut - nur in letzter Zeit... :rolleyes:

Die KdN sah im Finale zuerst aus, als hätte sie sich was eingeschmissen.
Das Finale selbst war ein kleins bissl James Bond - like; mit den Ölfässern und so :D

Überhaupt dieses Pärchen Papageno(a): solch ein retardiertes Pack - zum Schluss fiel mir der Spruch des FDP-Heini ein, dass die Falschen die Kinder kriegen :stumm: :angel: :D

Das ALLERSCHLIMMSTE: Da so was groß im Fernsehen gezeigt wird meinen viele, dass sich das so gehört, Klassik langweiliger Mist ist und werden sich nie wieder eine Oper ansehen :motz:

:hello:
Stefan

@ sagitt: 8)
Viva la libertà!

Ulli

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33

Donnerstag, 1. März 2007, 23:44

Zitat

Original von Barezzi
Das ALLERSCHLIMMSTE: Da so was groß im Fernsehen gezeigt wird meinen viele, dass sich das so gehört, Klassik langweiliger Mist ist und werden sich nie wieder eine Oper ansehen :motz:


Die Diskussion hatten wir heute am Weintisch [Abendbrot war bereits gegessen...wir mussten Acht geben, dass es drin bleibt]. Mein Gegenüber meinte hoffnungsvoll, dass Menschen, die etwas davon verstehen [und nur für die sei das ja auch gedacht], dadurch nicht beeinflusst würden. Das wäre beinahe noch einen Thread wert - Alfred sei ermuntert, den Thread "Schrecken moderne Inszenierungen und Interpretationen junges Publikum ab, in die Oper zu gehen?" zum Leben zu erwecken [nur ER wäre in der stilistischen Lage, den Thread fachgerecht zu eröffnen].

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Barezzi

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34

Donnerstag, 1. März 2007, 23:51

Zitat

Original von Ulli
Das wäre beinahe noch einen Thread wert - Alfred sei ermuntert, den Thread "Schrecken moderne Inszenierungen und Interpretationen junges Publikum ab, in die Oper zu gehen?" zum Leben zu erwecken.


Bitte bitte Alfred!
Die meisten Spätberufenen (man erinnere sich an Severinas Schilderung der zufällig eingefangenen Opernleidenschaft) unter uns hatten irgendwann ein zufälliges Schlüsselerlebnis - nur muss man dazu auch die Möglichkeit haben :motz:

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

petemonova

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35

Donnerstag, 1. März 2007, 23:58

Oh nein, bitte nicht noch ein "Moderne-Inszenierungen-gehören-auf-den-Mond-geschossen-Thread", bitte nicht...

:no:
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

sagitt

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36

Freitag, 2. März 2007, 00:06

Üben

Sagitt meint.

ja ich dachte, wenn der Zauberflöte inscenieren darf, fang ich mal mit ein paar smilies an, so als erste Übung.

Ein Gutes hatte der Blick hinter die Bühne( oder waren es zwei..mal sehen ?()

Man wurde mancher Illussion von hoher Kunst beraubt ( die kdN , die nach der Rache-Arie zum Arbeiten geht.. :baeh01:

und, das war zweitens: wie sehr sich alle versichern, wie prima das doch war. Was wäre passiert, wenn einer Sch.gesprochen hätte :untertauch: ?

Der Tamino fand sich offensichtlich nicht so gut, aber er flüchtete schnell in Allgemeinplätze :hello:

Inscenieren kann ja gar nich so schwer sein.... :P

Violoncellchen

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37

Freitag, 2. März 2007, 00:07

Gerade fällt mir auf:
Sowohl im Figaro als auch in der Zauberflöte kamen schwarze Plastikvögel vor.

Das bedeutet auch etwas. Da bin ich mir ganz sicher.

Generell fände ich es spannend zu versuchen, einige dieser "Regieideen" zu deuten.

Was bedeutet das Messer im Kühlschrank?
Was war nun der Schauplatz der Inszenierung?
Eine Hähnchenverwurstungsfabrik?
Warum waren die Türen der Tempel mit "Traforaum" beschriftet?
Wer hat der KdN die Visage poliert?

Ich verstehe es nicht.
Kann mir jemand helfen?
Gibt es so etwas wie Reclam's Lektürenhilfen auch für Opern?

Die einzige Regieidee, die mir unmittelbar einleuchtete, war die Vogelscheiße auf Papagenos Anzug.

Ratlos.
Violoncellchen
What proves the hero truly great is never to despair.
(Thomas Arne -" The Masque of Alfred")

sagitt

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38

Freitag, 2. März 2007, 00:12

Reclam ?

Sagitt meint:

ob das bei Reklam steht ?

Ich denke gerade an unseren Großmeister der Opernerklärer wie Prawy oder Pahlen,hui...

es gibt sicher im internet für 8 sfrs,plus MwSt. ein Beiheft, das alles erklärt, wie die Sonnenbrillen der drei Damen. Die sind nämlich blind ( nicht taub!),weil die Königin der Nacht das Licht scheut...so ist das also. Woher das weiss ? Von einer der Blinden!

Für den Rest muss man dann die 8 sfrs. plus MwSt. ausgeben!

Violoncellchen

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39

Freitag, 2. März 2007, 00:17

RE: Reclam ?

Pahlens Buch zur Zauberflöte besitze ich...hilft aber hier nicht wirklich weiter.

Der Verlag den ich meine, schreibt sich "Reclam", oder worauf wolltest du hinaus?

LG
V. :hello:
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Barezzi

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40

Freitag, 2. März 2007, 00:23

RE: Reclam ?

Zitat

Original von petemonova
Oh nein, bitte nicht noch ein "Moderne-Inszenierungen-gehören-auf-den-Mond-geschossen-Thread", bitte nicht...

:no:


Oh nein, bitte nicht noch so eine moderne Inszenierung, die auf den Mond geschossen gehört, im Fernsehen :no:

Zitat

Original von Violoncellchen
Generell fände ich es spannend zu versuchen, einige dieser "Regieideen" zu deuten.


Probiers mal mit C.G.Jung und Tiefenpsychologie :D

Zitat

Original von sagitt
es gibt sicher im internet für 8 sfrs,plus MwSt. ein Beiheft, das alles erklärt, wie die Sonnenbrillen der drei Damen. Die sind nämlich blind ( nicht taub!),weil die Königin der Nacht das Licht scheut...so ist das also. Woher das weiss ? Von einer der Blinden!


Sagen wir mal: blind UND taub, so wie die sangen :rolleyes:

:hello:
Stefan

PS:

Zitat

Original von Violoncellchen
Der Verlag den ich meine, schreibt sich "Reclam", oder worauf wolltest du hinaus?


Der gute sagitt wird doch bei 1400 Beiträgen (Gratulation zum Runden :hello: ) auch mal etwas so schreiben dürfen, wie´s ihm besser gefällt - wenn andere die Zauberflöte verunstalten dürfen, wie sie wollen...
Viva la libertà!

Antracis

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41

Freitag, 2. März 2007, 01:22

Ich muss die kollektive Verriss-Idylle etwas stören, (sorry :D) ich fands nämlich teilweise gar nicht so schlecht.

Der dickste Minuspunkt waren für mich einige sängerische Leistungen. Ulli muss ich beipflichten, dass ich selten so ein unschönes Bildnis gehört habe. Was mich etwas verwunderte, weil mir Strehl in der Aufnahme unter Abbado ins guter Erinnerung geblieben war, aber das war nicht nur stimmlich grenzwertig, sondern auch arg geschmacklos gestaltet. Im Verlaufe der Aufführung besserte er sich dann doch etwas, ich hatte immer das Gefühl, solange er in der unteren Mittellage bleiben darf, geht’s halbwegs. (Für einen Tenor nicht das beste Zeugnis :D)
Tja, und Salminen. Sein größtes Plus, eine der herausragenden Stimmen der letzten Jahrzehnte, hat mittlerweile arg gelitten - schien zumal heute besonders angeschlagen (er war eh nur die Coverbesetzung für Pólgár), darüber hinaus hat er aus meiner Sicht nie in primären Sängerrollen wie Gurnemanz und Sarastro so große Leistungen erzielt, wie beispielsweise als Casper oder Hagen.
Die 3 Damen hatten es mir gesanglich und spielerisch angetan, ebenso Papageno und Pamina. Zu erwähnen noch, dass ich selten eine so gut textverständliche Königin der Nacht gehört habe und es aus meiner Sicht der Rolle sehr gut tut, die Koloraturen im dramatischen Sinne einzusetzen, und nicht als virtuosen Selbstzweck. Das war für mich einer der Höhepunkte der Aufführung. Monostatos ? Der sah nicht nur aus, wie ein Kuschelgorilla, sondern wirkte auch genauso wenig gefährlich... :rolleyes:

Die Inszenierung fand ich mittelmäßig, so richtige Begeisterung wollte sich nicht einstellen. Die Liebe, die sich gegen alle Schrecken der Oberflächlichkeit durchsetzen muss...schöner Ansatz, aber irgendwie sprang bei mir der Funke nicht über. Der Kühlschrankauftritt ein sehr guter Gag, anderes geriet mir vom Humor etwas zu platt. Am stärksten wirkte noch die Schlussszene, wo Tamino und Pamina sehr zögernd, strapaziert, gezeichnet, unsicher, zueinander finden. Ein wenig Realismus auf der Opernbühne über die Abgründe des Lebens...aber ich vergaß: Es geht ja um Märchenidylle und schöne Kuschelbilder. :lips:
Aber wie gesagt, über Weite Strecken hats mich einfach nicht gepackt, obwohl ich weit von der hier dargebotenen Abneigung entfernt bin.

War noch was ? Ahso, Harnoncourts Fastenkur wider den Zuckergusskalorien hat mir erstaunlich gut gefallen, habe vieles in der Tat erschütternd neu gehört. Ich mag diesen abgründigen Mozart irgendwie.

Wollte das jetzt nur mal schnell rauslassen, bevor mit auf Antrag anwesender Pädagogen aus Jugendschutzgründen das Schreibrecht entzogen wird. :baeh01:

Gruß und gute Nacht
:hello:
Sascha

Alfred_Schmidt

Administrator

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42

Freitag, 2. März 2007, 01:29

Zitat

Gerade fällt mir auf:
Sowohl im Figaro als auch in der Zauberflöte kamen schwarze Plastikvögel vor.

Das bedeutet auch etwas. Da bin ich mir ganz sicher.


Ja natürlich bedeutet das was.

In der Requisite haben die eine ganze Kiste mit schwarzen Plastikvögeln gefunden :baeh01:

Zitat

Warum waren die Türen der Tempel mit "Traforaum" beschriftet?


Weil man das Geld für eine neu Beschriftung sparen wollte

Zitat

Das wäre beinahe noch einen Thread wert - Alfred sei ermuntert, den Thread "Schrecken moderne Inszenierungen und Interpretationen junges Publikum ab, in die Oper zu gehen?" zum Leben zu erwecken.


Ich glaube allmählich, daß das der falsche Ansatz ist -
wir sollten das nicht angreifen
sondern das Ergebnis alleine für sich sprechen lassen
Das ist vernichtend genug

(Allerdings werde ich mich bemühen aufzuzeigen wo man heutzutage noch "klassische" Inszenierungen sehen kann, und was deren Vorzüge sind

Zitat

nein, bitte nicht noch ein "Moderne-Inszenierungen-gehören-auf-den-Mond-geschossen-Thread", bitte nicht...


Ich finde, es wäre schade um den Mond

Eher würde ich dafür plädieren, alle jenen die moderne Inszenierungen um teures Steuergeld zulassen und somit für leere Häuser sorgen aus ihren Ämtern zu entfernen !!

'Wie man vielleicht gesehen hat habe ich mich erst nach Aufruf an der Diskussion beteiligt. Ich habe diese Zauberflöte nicht gesehen und ich werde es auch nicht tun. Harnoncourts Mozartstil ist für mich nur schwer zu ertrage - das war schon immer so. Regietheater würde ich generell an subventionierten Bühnen verbieten. Ich habe schon die "Zauberflöte im Zirkusmilieu abgelehnt, ebenso wie das "Wiener Badezimmer2 (Das Bühnenbild besteht zum Großteil aus "Weissen Kacheln" .....)

DA musste ich mir das nicht auch noch antun.....

Das Bild zu Threadbeginn hat mir bestätigt, daß es eine weise Entscheidung war, nicht aufzudrehen.

Und ich freue mich daß OHNE mein Zutun solch eine Aufführung hier weitgehend verdammt wurde.

mfg aus Wien

Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

Ulli

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43

Freitag, 2. März 2007, 06:36

Zitat

Original von Antracis
Zu erwähnen noch, dass ich selten eine so gut textverständliche Königin der Nacht gehört habe und es aus meiner Sicht der Rolle sehr gut tut,


Ja, richtig!

Selten habe ich so ein inniges "...ffffft, ...ffffft!" gehört.

:yes:

Schönen Tag,
Ulli
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Herbert Henn

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44

Freitag, 2. März 2007, 10:08

Zauberflöte

Ich habe nur die Ouvertüre gehört.

In dem Zusammenhang möchte ich eimal fragen,

woher man weiß ,daß die Tempi von Harnoncourt

zu langsam sind ?

:hello:Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

Robert Stuhr

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45

Freitag, 2. März 2007, 10:38

RE: Zauberflöte

Zitat

Original von Herbert Henn

In dem Zusammenhang möchte ich eimal fragen,
woher man weiß ,daß die Tempi von Harnoncourt
zu langsam sind ?


Ulli hat mit Mozart "gechannelt".... :beatnik:
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
bach,
nicht
der magistrat von leipzig
(Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Gedichte)

Thomas Pape

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46

Freitag, 2. März 2007, 10:40

Zitat

Original von Alfred_Schmidt

Das Bild zu Threadbeginn hat mir bestätigt, daß es eine weise Entscheidung war, nicht aufzudrehen.

Und ich freue mich daß OHNE mein Zutun solch eine Aufführung hier weitgehend verdammt wurde.

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred


Vorsicht mit den Verallgemeinerungen, lieber Alfred, ich zähle gerade mal 7 Teilnehmer, dich sich freilich gegenseitig im Überbieten mit z.T. pseudowitziger Schmähungen hochschaukeln und so den Thread kräftig anwachsen lassen. Ich fürchte, daß das wenig repräsentativ sein dürfte.

Ich selber habe die Aufführung aufgezeichnet, da ich sie leider nicht direkt verfolgen konnte; was ich beim späteren punktuellen hineinschauen gesehen (und gehört) habe macht aber durchaus Lust auf den Rest. Ich werde dann berichten. Aber vielleicht möchtet Ihr ja unter Euch bleiben????

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Knusperhexe

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47

Freitag, 2. März 2007, 11:40

Ich hatte ja schon vorher das "Vergnügen". Abgesehen davon, dass ich's von der gesanglichen Leistung sehr kipplastig fand (Die 3 Damen und Knaben haben mehr Melodram als Oper geliefert) ist's halt die alte Crux mit dem Regietheater:

Die Bilder empfand ich als sehr beeindruckend, verstörend, beängstigend, manchmal auch unfreiwillig komisch - s. Wasserprobe, wo dann im tumben Naturalismus, die Sänger mit nassen Haaren wieder auf die Bühne kamen - dann wieder Kinotopp pur beim Inferno, dem die finstern Mächte zum Opfer fielen,

ABER

-bevor jemand denkt, ich sei zum Regietheaterverfechter geworden -

mit der Zauberflöte hatte das alles nix mehr zu tun. Da tat sich keine Spalte sondern eine Riesenkluft zwischen Musik und Handlung auf. Alles perlende, lustige, schöne war mal wieder einer schwarzen Weltsicht geopfert. Herzlichen Dank auch! Können die Herren und Damen Regisseure dafür keine anderen Stücke finden bzw. selber schreiben?

Ach so, und bevor jetzt noch mal der Angriff kommt, unsereins erwarte nur Kuscheltheater, s.o. - wobei zu klären wäre, was das genau sein soll:

Bei werktreuen Inszenierungen gibt es noch wesentlich mehr Nuancen auf der Farbpalette, doch dafür muss man sich erst mal der schwarzen bzw. der Hobbypsychobrille entledigen. :D

Viel Spaß dann,

Knusperhexe
Regietheater? Nein, danke!

Bastian

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Freitag, 2. März 2007, 11:46

Hallo

ich habe mir das gestern auch teilweise angeschaut. Ich fand es nicht so schlecht.

Klar war es eine sehr moderne Inszenierung, aber wieso nicht ach mal offen für neues sein. :yes:

Man muss ja nicht nur eine "ältere" Inszenierung als das einzig Wahre ansehen. ;)

Mir war es z. B. beim Marsch der Priester sogar etwas zu schnell. also das Orchester.

Die Sangeskünste fand ich auch nicht so schlecht, aber das mag daran liegen das ich noch nicht so viel Erfahrung mit Opern im Allgemeinen habe. ;)

Grüße

Bastian

Antracis

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49

Freitag, 2. März 2007, 11:49

Zitat

Original von Knusperhexe

Bei werktreuen Inszenierungen gibt es noch wesentlich mehr Nuancen auf der Farbpalette, doch dafür muss man sich erst mal der schwarzen bzw. der Hobbypsychobrille entledigen. :D

Viel Spaß dann,

Knusperhexe


Hallo Kusperhexe,

ich finde, die Hobbypsychobrille schaut einfach viel cooler aus, als die rosarote. 8)

:hello:
Sascha

Knusperhexe

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50

Freitag, 2. März 2007, 11:57

Und das, wo Du sonst jegliche Illusion ablehnst? :]
Regietheater? Nein, danke!

Violoncellchen

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51

Freitag, 2. März 2007, 12:04

Zitat

Original von Antracis
Ich muss die kollektive Verriss-Idylle etwas stören, (sorry :D) ich fands nämlich teilweise gar nicht so schlecht.


Der Satz "teilweise gar nicht so schlecht", trifft für mich im Zusammenhang mit dem Salzburger Figaro zu. Auch hier wurde, platt ausgedrückt, nach dem Motto "Wir machen das, was sonst quirlig, bunt und verzuckert ist jetzt mal düster und beklemmend".
Das ist eine Rechnung, die beim Figaro m.E. aufgegangen ist, weil der Text solche Deutungen zulässt und die Maßnahmen der Regie zur Erzeugung dieser Stimmung für mich nachvollziehbar waren.
Beispiele:
  • "Non piu andrai..."
    Dass Figaro in dieser Arie Cherubino verhöhnt, ist im Text offensichtlich. Ob das neckisch gemeint ist oder boshaft, liegt im Auge des Betrachters. Dass Figaro Cherubino also auch physisch quält ist m.E. eine zulässige Interpretation der Arie.
  • "L'ho perduta"
    Das Barbarella hier nicht nur über den Verlust der kleinen Nadel weint, mach die Musik offensichtlich. Sie als Opfer eines Missbrauchs durch ihren despotischen Brotherren darzustellen ist für mich ebenfalls eine nachvollziehbare Interpretation
  • das Bühnenbild
    Von den sonst üblichen, pompösen Ausstattungsorgien abzuweichen und den Wohnsitz des Grafen als kalten, kargen Raum darzustellen, in dem der Putz von den Wänden bröckelt, und die Menschen wie Zwerge wirken, finde ich ebenso (aus der Handlung heraus) nachvollziehbar wie originell.


Auch in dieser Inszenierung gab es Elemente, deren Einsatz mir unverständlich und ohne jeglichen Zusammenhang zu Text, Handlung oder Aussage des Stückes erschien.
(bspw. die Verdoppelung der Treppe im letzten Akt oder das Erscheinen des doppelten Cherubino in manchen Szenen)

Mein Problem mir der hier diskutierten Zauberflöten-Inszenierung ist schlicht und ergreifend, dass hier sämtliche Regieeinfälle für mich zusammenhanglos und unverständlich sind. Das kann nun zwei verschiedenen Ursachen haben:
  1. Sie sind zusammenhanglos und unverständlich
  2. ich bin zu doof, die Zusammenhänge zu verstehen und zu erkennen
    [/list=1]

    Da ich letztere Option eigentlich für die wahrscheinlichere halte (irgendwas muss sich der Regisseur schließlich dabei gedacht haben) war meine Frage nach Interpretationsansätzen für einige dieser Ideen, wenn sie auch etwas salopp formuliert war, durchaus ernst gemeint. Mich würde in der Tat interessieren, ob andere mehr sehen als ich.

    Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, der Zauberflöte einen düster-beklemmenden Anstrich zu geben. Das Textbuch gibt genug Anlässe und Freiräume, das umzusetzen, ohne dass man dafür Papageno seiner Identität als Vogelmensch berauben muss, oder die Handlung in ein Bahnhofsklo (oder was war das jetzt?) verlegen muss.

    Zum Beispiel habe ich eine Inszenierung in Erinnerung, in der die Priester Sarastros Uniformen mit Armbinden trugen, auf denen Sonnensymbole zu sehen waren. Allein das genügte, um im Zuschauer Zweifel zu wecken, ob es sich bei Sarastros Bund nicht vielleicht um eine Sekte handeln könnte, die die beiden jungen Liebenden in ihren Bann gezogen hat, und sie alle Warnungen der KdN in den Wind schlagen lässt.

    Meine Argumentation mag jetzt vielen Kennern und Fachleuten naiv und oberflächlich erscheinen. Aber es geht hier schließlich darum, persönliche Eindrücke dieser Inszenierung zu schildern... und das sind meine Eindrücke.

    Ich distanziere mich auch von verallgemeinernden Aussagen, wie "alle modernen Inszenierungen sind doof". Ich sage lediglich "alle Inszenierungen, die ich nicht verstehe, finde ich doof." :D

    Liebe Grüße
    Violonchellchen
What proves the hero truly great is never to despair.
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Knusperhexe

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52

Freitag, 2. März 2007, 12:26

Zitat

Original von Violoncellchen
[*]das Bühnenbild
Von den sonst üblichen, pompösen Ausstattungsorgien abzuweichen und den Wohnsitz des Grafen als kalten, kargen Raum darzustellen, in dem der Putz von den Wänden bröckelt, und die Menschen wie Zwerge wirken, finde ich ebenso (aus der Handlung heraus) nachvollziehbar wie originell.



Wo hast Du die denn noch? Die Ausstattungsorgien? Die letzten Neuinszenierungen des Figaro, die ich landauf, landab gesehen habe spielten im Bordell, vor der obligatorischen Kachellandschaft, vor grauer Wand, vor schwarz/blauer Wand oder im Müll. ;(

Zitat

Original von Violoncellchen
[*]ich bin zu doof, die Zusammenhänge zu verstehen und zu erkennen
Da ich letztere Option eigentlich für die wahrscheinlichere halte (irgendwas muss sich der Regisseur schließlich dabei gedacht haben)


Ich glaube weder das eine noch das andere, also weder dass Du zu doof noch das der Herr sich was dabei gedacht hat. Dem ging es darum, beeindruckende, beklemmende, verstörende Bilder zu schaffen, was er ja auch geschafft hat. Nur mal wieder mit der Machete - und dabei ging auch viel anderes kaputt.


Zitat

Original von Violoncellchen
Meine Argumentation mag jetzt vielen Kennern und Fachleuten naiv und oberflächlich erscheinen.


Nö, völlig legitim! Und überhaupt nicht naiv! Und oberflächlich auch nicht!

LG,

Knuspi
Regietheater? Nein, danke!

Austria

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53

Freitag, 2. März 2007, 12:32

Servus Violoncellchen,

Vorab: ich habe die Zauberflöte nicht gesehen.

Was ICH mir vom neuen Regietheater wünschen würde, wäre eine ausführliche Erklärung des Regisseurs im Programmheft, insbesondere was die Neuinszenierung "alter" Opern betrifft. Es raten ja meist alle irgendwie rum, inklusive Kritiker.

Erst wenn man wüßte, was er tatsächlich ausdrücken wollte, könnte man beurteilen, ob ihm die Umsetzung glaubhaft gelungen ist. Es gibt in den Programmheften seitenweise Informationen über den Komponisten, das Werk, die Entstehungszeit, usw., interessanterweise aber selten etwas über die Arbeit des Regisseurs. Damit entziehen sie sich jeder objektiven Beurteilung. Ich bin immer offen für Neues, mag aber keine Ratespiele ;-)

LG
Austria
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

romeo&julia

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54

Freitag, 2. März 2007, 12:45

Hallo liebe TaminoanerInnen

Na, beim schnellen durchsehen dieses Threads sind mir klar zu viele negative Stimmen enthalten. Unsere gesamte Familie (drei Kinder zwischen zehn und elf) ist bei uns gestern mit grosser Begeisterung vor dem Fernseher gesessen. Das Vorhaben einmal integral hinter die Bühne zu sehen, finde ich schlicht hervorragend und zeigt den Zusehern - darunter hoffentlich auch viele Politiker - den immensen Aufwand, der hinter einer Inszenierung steckt. Wir jedenfalls, gewohnt regelmässig hinter der Bühne (Basel) zu sein, konnten viele neue Eindrücke sammeln.

Auch was die Aufführung betrifft, waren sogar unsere Kinder der modernen Inszenierung nicht abgeneigt. Erfahrungen mit "konservativen" Aufführungen sind auch bei unseren Kindern vorhanden, werden aber nicht grundsätzlich bevorzugt.

Wir begrüssen "moderne" Inszenierungen mit einem Bezug zum jetzt sehr. Es müssen nicht immer Inszenierungen mit verstaubten Klamotten aus fernen Zeiten zum wiederholten Male aufgeführt werden.

Auf den Don Carlos vom Spanier Calixto Bieito am kommenden Montag in Basel freuen wir (hier ohne Kinder) uns jedenfalls sehr. Das Echo nach der Premiere ist durchaus positiv.

Herzliche Grüsse

romeo&julia

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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55

Freitag, 2. März 2007, 13:00

Zitat

Original von Austria
Servus Violoncellchen,

Vorab: ich habe die Zauberflöte nicht gesehen.

Was ICH mir vom neuen Regietheater wünschen würde, wäre eine ausführliche Erklärung des Regisseurs im Programmheft, insbesondere was die Neuinszenierung "alter" Opern betrifft. Es raten ja meist alle irgendwie rum, inklusive Kritiker.

Erst wenn man wüßte, was er tatsächlich ausdrücken wollte, könnte man beurteilen, ob ihm die Umsetzung glaubhaft gelungen ist. Es gibt in den Programmheften seitenweise Informationen über den Komponisten, das Werk, die Entstehungszeit, usw., interessanterweise aber selten etwas über die Arbeit des Regisseurs. Damit entziehen sie sich jeder objektiven Beurteilung. Ich bin immer offen für Neues, mag aber keine Ratespiele ;-)


Ich habe die auch nicht gesehen, will mich gar nicht weiter äußern. Aber dieser Wunsch, so verständlich er auch sein mag, hat, wenn ernstgenommen, bizarre Konsequenzen:
Würdest Du Dir bei einer Aufführung der "Jupitersinfonie" auch einen ausführlichen Kommentar wünschen, was sich Mozart und der Dirigent dabei gedacht haben?
Gewiß kann man hier, wie mit allem Schindluder treiben, aber die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Interpretationen ist doch gerade der Witz bei Kunst. Wenn sich die "message" eines Werks (und eine Inszenierung ist in gewisser Weise ein selbständiges Werk) in fünf deutschen Sätzen zusammenfassen ließe, warum dann überhaupt ein Kunstwerk???

Oder welche Art der Erklärung meinst Du? Ich habe nämlich durchaus schon Kommentare bzw. Erläuterungen zur Inszenierungen von Dramaturg oder Regisseur in Beiheften gesehen. Zumindest an einigen Häusern ist das nicht unüblich.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
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MarcCologne

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Freitag, 2. März 2007, 13:16

Zitat

Austria schrieb:
Was ICH mir vom neuen Regietheater wünschen würde, wäre eine ausführliche Erklärung des Regisseurs im Programmheft, insbesondere was die Neuinszenierung "alter" Opern betrifft. Es raten ja meist alle irgendwie rum, inklusive Kritiker.


Zitat

Johannes Roehl schrieb:
Oder welche Art der Erklärung meinst Du? Ich habe nämlich durchaus schon Kommentare bzw. Erläuterungen zur Inszenierungen von Dramaturg oder Regisseur in Beiheften gesehen. Zumindest an einigen Häusern ist das nicht unüblich.


Ich würde Austrias Idee unterstützen - denn um eine moderne Inszenierung verstehen zu können (ob man solche Inszenierungen jetzt generell mag oder nicht, sei mal dahingestellt), braucht man wohl tatsächlich in der Mehrzahl der Fälle ein paar Erläuterungen vom Verantwortlichen an die Hand, sonst geht es einfach nicht.

Ich kenne das deprimierende Gefühl, wenn man nach einer solchen Vorstellung nach Hause fährt und irgendwie die Aussage, die vom Regisseur des gerade gesehenen Stückes selbigem aufgepflanzt wurde, nicht nachvollziehen kann - zumindest nicht in Gänze.
Da bleiben dann immer so viele Fragen offen und obendrein das Gefühl, dass man selber offenbar der Einzige ist, der zu blöd war, diese ganzen genialen Einfälle auch wirklich verstanden zu haben... :wacky:

Erst wenn man weiß, was der Regisseur sagen wollte mit seiner Inszenierung, kann man doch nachprüfen, ob ihm dies in der Umsetzung auch gelungen ist!

@ Johannes:
Leider sind Kommentare des Regisseurs im Programmheft nicht die Regel - mir sind bislang in verschiedenen Häusern solche Erläuterungen nur äußerst selten begegnet (und wenn, dann auch immer nur recht kurz gehalten).
Ich habe da immer das vage Gefühl, dass man es für unter seiner Würde empfindet, mit solchen Aufsätzen auch noch den letzten Deppen aufklären zu müssen über das, was doch eigentlich völlig selbsterklärend auf der Bühne geboten wird und damit wie eine lange verschüttete Erkenntnis allen Zuschauern förmlich wie Schuppen aus den Haaren fallen müsste. ;)
Aber anscheinend sieht das häufig nur der "Verursacher" einer Inszenierung so...

Zur gestrigen Aufführung:
Die Königin der Nacht aus dem Kühlschrank kommen zu lassen ist zwar eine Idee, auf die ich in 100 Jahren nicht gekommen wäre, aber immerhin: Das hält die Stimme frisch für knackige Koloraturen und eiskalte Nerven zum Erreichen arktischer Spitzentöne :D
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

jhahnde

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57

Freitag, 2. März 2007, 13:26

Auch wenn ich bei Sonnenbrillen auf der Bühne schon geneigt bin abzuschalten oder gedanklich zu gehen - modernes Regietheater ist und bleibt nicht mein Fall - hat es sich doch gelohnt das "Medienereigniss" anzusehen.

Das ganze war keine Opernübertragung sondern eben ein Fernsehe-Experiment. Eine durchschnittliche Aufführung die dadurch sehenswert wurde, dass man immer wieder Backstage schalten konnte. Für mich waren speziell die letzten Minuten vor Vorstellungsbeginn faszinierend. Spannung pur und gewusel hinter der Bühne, während im Zuschauerraum langsam ruhe einkehrte.

Für mich war es ein unterhaltsamer Abend - wenn man davon absieht das es wenig mit der Zauberflöte zu tun hatte. :rolleyes: Aber da waren meine Ansprüche auch nicht besonders hoch.

Orchester war nett, der Gesang war gemischt, das Event war sehr unterhaltsam... 8)

Austria

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58

Freitag, 2. März 2007, 13:28

Zitat

Original von Johannes Roehl
Würdest Du Dir bei einer Aufführung der "Jupitersinfonie" auch einen ausführlichen Kommentar wünschen, was sich Mozart und der Dirigent dabei gedacht haben?

Nein, im Konzert brauche ich keine Interpretation oder eine Interpretation der Interpretation ;-), da sagt mir mein Gefühl, ob es paßt oder nicht (für mich).


Zitat

Gewiß kann man hier, wie mit allem Schindluder treiben, aber die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Interpretationen ist doch gerade der Witz bei Kunst.

Offen bin ich ja, aber was ist, wenn ich es nicht VERSTEHE? siehe z.B. Violoncellchen's Frage nach dem Bahnhofsclo :D in der Zauberflöte. Oder wenn ich mir einen Picasso anschaue, werde ich auch Informationen über seine Absichten brauchen, um zu beurteilen, ob ich es hinnehmen will, daß Augen, Ohren und Beine da kreuz und quer herumliegen ;-)


Zitat

Wenn sich die "message" eines Werks (und eine Inszenierung ist in gewisser Weise ein selbständiges Werk) in fünf deutschen Sätzen zusammenfassen ließe, warum dann überhaupt ein Kunstwerk???

Da Opern ja einen unveränderbaren Text haben (lassen wir die Musik beiseite), muß die Inszenierung ja irgendwie Bezug auf diesen Text nehmen, jedenfalls gehe ich mal davon aus. Und wenn ich als geübte Opernbesucherin Probleme habe, diesen Bezug zu erkennen, dann brauche ich eben Hilfe ;-) Das ist ein intellektueller Anspruch, kein gefühlsmäßiger.


Zitat

Oder welche Art der Erklärung meinst Du? Ich habe nämlich durchaus schon Kommentare bzw. Erläuterungen zur Inszenierungen von Dramaturg oder Regisseur in Beiheften gesehen. Zumindest an einigen Häusern ist das nicht unüblich.
JR

Ja, natürlich, gibt es aber nicht immer.

LG
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Violoncellchen

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Freitag, 2. März 2007, 13:29

Zitat

Original von MarcCologne
Ich kenne das deprimierende Gefühl, wenn man nach einer solchen Vorstellung nach Hause fährt und irgendwie die Aussage, die vom Regisseur des gerade gesehenen Stückes selbigem aufgepflanzt wurde, nicht nachvollziehen kann - zumindest nicht in Gänze.
Da bleiben dann immer so viele Fragen offen und obendrein das Gefühl, dass man selber offenbar der Einzige ist, der zu blöd war, diese ganzen genialen Einfälle auch wirklich verstanden zu haben... :wacky:



...Und nach der Oper wird dann die Doppelbödigkeit und der Tiefsinn der Inszenierung gelobt, weil niemand sich die Blöße geben will, einzugestehen, dass er es nicht verstanden hat. :D

Wie machen das eigentlich die Musikkritiker?
Bringt es da der Beruf mit sich, dass sich einem solche Inszenierungen immer erschließen? Was tut man, wenn es mal nicht so ist? Man kann doch nicht am nächsten Tag in die Zeitung schreiben: "Sorry, aber ich hab's nicht kapiert" ?

?(
V.
What proves the hero truly great is never to despair.
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Caesar73

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Freitag, 2. März 2007, 13:35

Zitat

Original von Violoncellchen

Wie machen das eigentlich die Musikkritiker?
Bringt es da der Beruf mit sich, dass sich einem solche Inszenierungen immer erschließen? Was tut man, wenn es mal nicht so ist? Man kann doch nicht am nächsten Tag in die Zeitung schreiben: "Sorry, aber ich hab's nicht kapiert" ?

?(
V.


Nein, die Herren Musikkritiker gehen dann an ihren wohlgefüllten Bücherschrank, greifen sich die Gesamtausgabe Sigmund Freuds und philosophieren über die raffinierte tiefenpsychologische Exegese des Regisseurs. Abgeschmeckt wird das Ganze dann noch mit einer Prise Theodor Wiesengrund Adorno. Voila! Fertig ist die Kritik :D :D

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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