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  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 262

Registrierungsdatum: 12. August 2005

61

Dienstag, 10. März 2009, 12:16

Zitat

Original von miguel54
Diese Wassermusik ist der Hammer!!! Ich werde die nächsten Jahre keine andere mehr empfehlen. Das ist so ein Hörerlebnis, wo alles plötzlich stimmig erscheint, klingt, als ob es immer so sein sollte. Wie der Engländer sahen würde, "it all falls into place". Ich glaube, ich muß mal auch einen Unverzichtbaren-Thread starten.

Meine Bewertung: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


Ich muß gestehen, daß ich anhand der Soundschnipsel etwas gespalten bin: Einerseits wirklich massiv und bombastisch, was mir gefällt (worauf stützt sich eigentlich die massive Besetzung bei der *Wasser*musik?), andererseits, mehr aber noch bei der Feuerwerks klingt es mitunter "schief", was an der Stimmung liegen mag (und La paix ist mir wie meistens zu schnell und gefällt mir nur mit Bläsern nicht so besonders, das d-moll-Menuett ist ebenfalls extrem flott gespielt...)

Aber wichtiger: ist das eine Hybrid oder reine SACD (dann ist es leicht, dann kann ich sie eh nicht abspielen...)

Zitat


Das und Rampes CD mit Cembalomusik sind die ersten Highlights für mein Händel-Jahr. Mal sehen ob Gesters Concerti Grossi auch auf die Liste kommen ...


Was war nochmal mit den Il giardino concerti grossi?

Meine bisherige Händel-Jahr-Anschaffung (den Rampe hatte ich, meine ich, schon im Dezember) sind die kompletten Chandos-Anthems. Hier bin ich allerdings von der Interpretation nicht so übermäßig begeistert wie einige andere hier im Forum (wobei ich zustimme, daß die Musik einige echte Perlen enthält). Das wäre nach nunmehr 20 Jahren vermutlich zu toppen, wenn die richtigen Interpreten zusammenkommen. Andererseits ist es die einzige und vermutlich auch beste tatsächlich vorliegende Einspielung.

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Oolong

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  • »Oolong« ist männlich

Beiträge: 633

Registrierungsdatum: 13. Mai 2005

62

Dienstag, 10. März 2009, 15:22

Zitat

Original von Johannes Roehl

Ich muß gestehen, daß ich anhand der Soundschnipsel etwas gespalten bin: Einerseits wirklich massiv und bombastisch, was mir gefällt (worauf stützt sich eigentlich die massive Besetzung bei der *Wasser*musik?), andererseits, mehr aber noch bei der Feuerwerks klingt es mitunter "schief", was an der Stimmung liegen mag (und La paix ist mir wie meistens zu schnell und gefällt mir nur mit Bläsern nicht so besonders, das d-moll-Menuett ist ebenfalls extrem flott gespielt...)

Aber wichtiger: ist das eine Hybrid oder reine SACD (dann ist es leicht, dann kann ich sie eh nicht abspielen...)



Hallo Johannes,

auch wenn Dir das die Entscheidung nicht leichter macht : Es ist eine Hybrid- SACD und Du bist weiter im Rennen!

Ich kann Miguel aber nur beipflichten: diese Aufnahme ist ein unerlässliches Hörerlebnis!!

Nicht alles ist " schön" im konventionellen Sinne, aber alles ist fesselnd, aufrüttelnd und manchmal verstörend!

Endlich ist die Wassermusik mal wahre Freiluftmusik, mit der Kraft eine ganze Reihe von Themsebooten gleichzeitig zu beschallen und dafür zu sorgen, dass Seine Majestät vom sanften Wellengeschaukel nun aber gar nicht in einen gelangweilten Schlummer gewiegt wird... :baeh01:

Gruß
Stefan
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

miguel54

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  • »miguel54« ist männlich

Beiträge: 1 747

Registrierungsdatum: 12. September 2007

63

Dienstag, 10. März 2009, 17:40

Besser kann ich es auch nicht formulieren ... der Klang ist über eine ordentliche Anlage wesentlich besser als die Soundschnipsel! Der Pegel der CD ist relativ niedrig, ich musste schon etwas aufdrehen, aber es ist in der Tat Freiluftmusik, und so klingt es auch.

Die Concerti grossi von Giardino Armonico haben mich enttäuscht, auch aufnahmetechnisch. Im Moment laufen die Arte dei Suonatori, die sind viel eher was ich mir so vorstelle.

bachiana

Schüler

  • »bachiana« ist weiblich

Beiträge: 100

Registrierungsdatum: 6. April 2008

64

Dienstag, 10. März 2009, 20:20

Ich bin auch ein großer Fan der Niquet-Aufnahme, nicht nur wegen des herrlich schief-mitteltönigen Natur-Blechs. Auch die 24 (26?) Oboen produzieren einen ungeahnten Sound, so dass ich zumindest im Moment gar nichts anderes mehr hören möchte. Solche Mischklänge ist man ja sonst nur von Streicherapparaten gewöhnt. Ich frag mich ja schon lange, warum Komponisten gerade heutzutage nicht mehr mit solchen Klängen experimentieren. Wann hört man denn schon mal mehr als drei oder vier Holzbläser desselben Typs unisono spielen? (Abgesehen von meiner Lieblingsstelle in Mahlers Dritter mit vier unisono-Piccoloflöten :D)

Mit den Tempi bin ich im großen und ganzen einverstanden; auch sonst gefällt mir die Interpretation sehr gut. Es muss ja nicht die einzige Aufnahme sein, die man von der Wasser-/Feuerwerksmusik kennen sollte. Aber gehört haben sollte sie jeder Händel-Fan einmal im Leben!

Was die schiefen Klänge vor allem der Naturhörner betrifft: Ich habe noch die alte Glossa-Ausgabe der CD, in der ausführlich Stellung zur aktuellen Forschung und zu den für die Aufnahme verwendeten Instrumenten genommen wird (sind diese Beiträge auch in der neuen CD?).

Offenbar kam man zu dem Schluss, dass die Hornisten zu Händels Zeit nicht die rechte Hand benutzt haben, um die Stimmung aus- und an die anderen Instrumente anzugleichen, so dass - wenn ich das richtig verstanden habe - die reine Naturtonreihe erklingt und so zu manchmal recht (für unsere Ohren) ungewohnten Ergebnissen führt.

Die Gewöhnung stellt sich aber nach ein paarmal Hören der Aufnahme recht schnell ein, und dann erscheint einem die "saubere" Intonation dagegen bald ziemlich langweilig.

miguel54

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  • »miguel54« ist männlich

Beiträge: 1 747

Registrierungsdatum: 12. September 2007

65

Mittwoch, 11. März 2009, 00:33

Zitat

Original von bachiana
Ich habe noch die alte Glossa-Ausgabe der CD, in der ausführlich Stellung zur aktuellen Forschung und zu den für die Aufnahme verwendeten Instrumenten genommen wird (sind diese Beiträge auch in der neuen CD?).


Ja!!!

Zitat

Offenbar kam man zu dem Schluss, dass die Hornisten zu Händels Zeit nicht die rechte Hand benutzt haben, um die Stimmung aus- und an die anderen Instrumente anzugleichen, so dass - wenn ich das richtig verstanden habe - die reine Naturtonreihe erklingt und so zu manchmal recht (für unsere Ohren) ungewohnten Ergebnissen führt.

Die Gewöhnung stellt sich aber nach ein paarmal Hören der Aufnahme recht schnell ein, und dann erscheint einem die "saubere" Intonation dagegen bald ziemlich langweilig.


Nach vielen Jahren Hörerfahrung mit historischen Stimmsystemen und neun Jahren mit kurdischen Musikern finde ich die gleichschwebend temperierte Stimmung inzwischen eher falsch und zeitweise ziemlich scheußlich.

allegro_assai

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  • »allegro_assai« ist männlich

Beiträge: 827

Registrierungsdatum: 31. März 2005

66

Mittwoch, 11. März 2009, 05:45

Wassermusik

Keine HIP Aufnahme aber eine meine Favoriten: die Delos Aufnahme
des Los Angeles Chamber Orchestras unter Gerard Schwarz. Diese
Auzfnahme ist schon älter, es gab sie schon zu LP Zeiten ...


Bernhard

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  • »Bernhard« ist männlich

Beiträge: 3 511

Registrierungsdatum: 26. Februar 2007

67

Samstag, 25. Juli 2009, 17:23

Guten Tag

Zitat

Original von klingsor
wenn nur ein werk von händel überleben dürfte - ich würde für die wassermusik um gnade bitten.


Wobei Händel in mindestens drei Sätzen sich Entlehnungen aus Reinhold Keisers Opern machte :D

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

Bernhard

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  • »Bernhard« ist männlich

Beiträge: 3 511

Registrierungsdatum: 26. Februar 2007

68

Samstag, 25. Juli 2009, 17:44

Guten Tag

Zitat

Original von der Lullist
lustiger Weise wurde die Wassermusik erst in den späteren Jahren des 18. Jahrhunderts gedruckt
die Version von 1734 enthielt nur etwa die Hälfte der Sätze, vollständig kam sie erst 1788 im Druck heraus.



In der unvollständigen Gesamtausgabe der Werke Händels 1788 von Samuel Arnold wurde die Wassermusik als jene zusammenhängende 22 Sätze umfassenden Gestalt gedruckt, welche auch schon die ältesten handschriftlichen Quellen beinhalten.
Die neuere Forschung geht davon aus, dass die Wassermusik, bestehend aus 22 Sätzen, mit toute sorte dínstruments, savoir des trompettes, des cors des chasse, des haut bois, des bassons, des flutes allemandes, des flutes francaises a bec, des violones et des basses eigens zur Bootsfahrt am 17. Julli 1717 als Auftragswerk von Händel komponiert wurde.
Die Fahrt war bis in Details als Naturspektakel geplant, dem mitreisenden Volk und den am Ufer weilenden Zuschauern sollte Gelegenheit gegeben werden, dabei dem König zu huldigen.
Dabei konnte man Pausen einlegen -wobei sich die Bläser erholen konnten- und auch die Sätze mehrmals wiederholen (Was durchaus zur Popularität der Wassermusik führte).
Die Wasserfahrt vom 17.07.1717 erregte solches Aufsehen, dass sogar schon am 10. 08. 1717 im Hamburger Relations-Couier darüber zu lesen war.

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 262

Registrierungsdatum: 12. August 2005

69

Freitag, 23. Oktober 2009, 15:19

Zitat

Original von miguel54
Gestern habe ich mir wider alle Vernunft doch noch eine Wassermusik gekauft:



Das Ensemble Zefiro spielt mit Witz, Aplomb, tänzerischem Gestus und übertreibt nie, obwohl es kaum langsamer spielt als Concerto Köln. Alles wirkt völlig natürlich und souverän. Meine neue Wassermusik # 1 ...
Allerdings konnte ich die CD bei JPC nicht finden - auch bei Amazon z.Zt. nicht lieferbar :( - bedauerlich, da Ensembleleiter Alfredo Bernardini die Solo-Oboe hinreißend schön bläst und Anna Fontana ein wunderbares Continuocembalo spielt ...

Als Zugabe gibt es Telemanns "Hamburger Ebb & Flut" - ich muß gestehen, so gefällt sie mir noch besser als von der Musica Antiqua Köln.


Die habe ich jetzt auch, allerdings in einer Neuauflage, die auch problemlos erhältlich ist. Als Ausrede mag dienen, daß es erst meine zweite Einspielung von Telemanns "Hamburger Ebb' und Flut" ist :D (Ich sehe also Händels Wassermusik als Zugabe)



:jubel: :jubel: :jubel:

JR
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Schneewittchen

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  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 414

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

70

Mittwoch, 16. Februar 2011, 23:13

Ich suche eine Aufnahme von Händels kompletter Wassermusik in der Version für Solo Cembalo (1743).
Gibt es die Cembaloversion auf CD und welche ist empfehlenswert?
mfG
Michael

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 262

Registrierungsdatum: 12. August 2005

71

Samstag, 19. Februar 2011, 22:05

Ich suche eine Aufnahme von Händels kompletter Wassermusik in der Version für Solo Cembalo (1743).
Gibt es die Cembaloversion auf CD und welche ist empfehlenswert?


Ich habe die zwar nicht, aber ich meine, sie wäre mal empfohlen worden (2 Cembali)

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musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

Beiträge: 4 031

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

72

Sonntag, 20. Februar 2011, 14:21

Händels Wassermusik

Das frühere Forenmitglied „Bernhard“ schrieb am 25. Juli 2009:

Zitat

In der unvollständigen Gesamtausgabe der Werke Händels 1788 von Samuel Arnold wurde die Wassermusik als jene zusammenhängende 22 Sätze umfassenden Gestalt gedruckt, welche auch schon die ältesten handschriftlichen Quellen beinhalten.
Die neuere Forschung geht davon aus, dass die Wassermusik, bestehend aus 22 Sätzen, mit toute sorte dínstruments, savoir des trompettes, des cors des chasse, des haut bois, des bassons, des flutes allemandes, des flutes francaises a bec, des violones et des basses eigens zur Bootsfahrt am 17. Julli 1717 als Auftragswerk von Händel komponiert wurde.


Jahrzehntelang war diese Freiluftmusik in der Form von drei Suiten mit unterschiedlichen Tonarten bekannt. Die in den sechziger Jahren bei Bärenreiter innerhalb der Hallischen Händel-Ausgabe gedruckte Partitur bot sie auch in dieser Form an. Auf Platten, respektive CD's, wurde die Wassermusik in dieser Fassung auch interpretiert.

Diese Suitenform ist nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen offenbar überholt, denn die neue Partitur der Hallischen Händel-Ausgabe bietet sie in der Form eines Gesamtwerkes an, wie sie, nach dem umfangreichen wissenschaftlichen Einleitungstext zu urteilen, seinerzeit gedacht und auch von Händel bei der (oder auch den ) Bootsfahrt(en) aufgeführt worden sein soll.

An der Quellenlage hat sich dabei überhaupt nichts geändert:

Es ist kein Autograph der Wassermusik überliefert. Vielleicht hat es auch nie eines gegeben, sondern nur eine Sammlung von Musikstücken, die nur für den Zweck der Bootsfahrt zusammengestellt wurden. Bis heute ist nicht bekannt, welche Sätze bei der Bootsfahrt gespielt wurden. Als früheste überlieferte Partitur galt bis vor kurzem diejenige in der Newman Flower Collection (Manchester Public Library, Quelle B), die um 1730 datiert werden kann, also etwa fünfzehn Jahre nach dem Ereignis. Zwei viel frühere Abschriften, Quellen G und H (um 1721/22), sind Arrangements für Tasteninstrumente, wobei nur H das vollständige Werk bietet. Die Quelle G enthält nur eine Auswahl der Sätze, die vorhandenen stehen aber in der gleichen Ab-folge wie in den Quellen B und H. Beide Abschriften bieten also eine einheitliche Komposition und keine Aufteilung in Suitenform.

Dann wurde im Oktober 2004 eine bedeutende Entdeckung im Archiv der Royal Society of Musicians gemacht: Es kam die nunmehr älteste und vollständige handschriftliche Partitur zum Vorschein, die nach dem Papierbefund und den sofort erkannten Handschriften der Kopisten, RM1 und Linike, bewiesen, daß sie vor 1718 entstanden sein muß. Dieser überraschende Fund wurde dann für eine 2007 bei Bärenreiter herausgekommene Neuausgabe der Partitur innerhalb der „Hallischen Händel-Ausgabe“ benutzt und gilt jetzt als Primärquelle A. Diese Neuausgabe ersetzt den 1962 im gleichen Verlag erschienenen Partiturdruck, der von Hans Ferdinand Redlich herausgegeben wurde.

Alle vollständigen Partituren, die in der Zeit von 1738 bis 1743 entstanden sind, weisen Änderungen in der Satzfolge auf. Einige dieser Abschriften zeigen erstmals Zusammenfassungen in Instrumentation und Tonartenfolge, z. B. in eine D-Dur- oder G-Dur/g-Moll-Gruppe. Das kann unterschiedlichste Gründe gehabt haben: Einmal könnte die Aufteilung darauf hinweisen, daß man mit einer kompletten Aufführung nicht mehr rechnete. Möglich aber auch, daß Besteller dieser Abschriften es vorzogen, Sätze mit gleicher Instrumentation und zusammengehörender Tonartenfolge zu erhalten. Es ist nicht auszuschließen, daß Händel selbst mit diesen Änderungen zu tun hatte: Als erfolgreicher Geschäftsmann, der er ja zweifellos auch war, verdiente er an jeder neuen Ausgabe mit.

Die erste gedruckte Partitur wurde 1788 von Samuel Arnold als Teil einer geplanten vollständigen Händel-Ausgabe herausgegeben (Quelle M). Sie zeigt eindeutig, daß sie in erster Linie auf Quelle A und in Details auf Quelle G beruht.

Die „Drei-Suiten-Theorie“

Um 1950 führte das Studium der bekannten Quellen einige Gelehrte (z. B. auch Thurston Dart) zu einer neuen Einschätzung der Wassermusik. Jetzt glaubte man erkannt zu haben, daß es kein zusammenhängendes Werk sei, sondern aus drei Suiten bestehe: Eine in F-Dur mit Oboen und Hörnern (Hornsuite), eine zweite in D-Dur mit zusätzlichen Trompeten (Trompetensuite) und eine dritte in G-Dur/g-Moll mit Flöten und Blockflöten (Flötensuite).

Grund für diese Sicht war die Existenz eines zweisätzigen Concertos in F-Dur, das die HWV-Nummer 331 trägt und von zwei Sätzen der Wassermusik abgeleitet wird. Anhand der Papiersorte wurde die Komposition dieses Konzerts in das Jahr 1722 datiert. Diese Information ist ein neues Forschungsergebnis und konnte vorher nicht erlangt werden; Chrysander hatte das Werk in die Zeit von 1713-1715 datiert, hielt es also für älter als die Wassermusik, hatte aber zumindest in der Einschätzung recht, daß es ein selbständiges Konzert sei und niemals zu einem größeren Werk gehört habe.

Nach einer Version der Drei-Suiten-Theorie war dieses Konzert als Finale der F-Dur-Suite gedacht, während die D-Dur-Suite mit den revidierten und transponierten Fassungen der Sätze von HWV 331 schloß. Demnach wäre mit der G-Dur/g-Moll-Suite die Wassermusik von 1717 vollständig. Auf dieser Sicht beruhen zwei Ausgaben, die beide als Studienpartituren bei Eulenburg erschienen sind.

Die schon erwähnte Notenausgabe von 1962 bot die Wassermusik ebenfalls in der Gliederung von drei Suiten an, während die beiden Sätze von HWV 331 als Appendix veröffentlicht wurden, mit dem Hinweis auf „Varianten“. Das alles bewog Bernd Baselt, der Wassermusik drei HWV-Nummern, 348-350, zuzuteilen; das Concerto erkannte er jedoch als eigenständiges und später komponiertes Werk und vergab die HWV-Nummer 331.

Die hier in Kürze dargestellten neueren Forschungsergebnisse haben Terence Best und Christopher Hogwood, die Herausgeber der Neuausgabe der Wassermusik, veranlaßt, die ursprüngliche Satzfolge nach den frühen Quellen wieder herzustellen. Wurde noch von Redlich im Vorwort der Ausgabe von 1962 apodiktisch behauptet, eine Aufführung dieses mit Recht so berühmten Werkes als einheitliches Ganzes sei nicht in Händels Sinne, steht nunmehr fest, daß die Wassermusik sehr wohl ein zusammenhängendes Werk darstellt und insofern auch so aufzuführen ist. Das bedeutet jedoch nicht, daß man, wie bisher, nicht auch die einzelnen Suiten separat zu Gehör bringen kann. Schließlich war gerade die Barockmusik (und Händel ist da keine Ausnahme) ständig Veränderungen unterworfen und es ist sogar denkbar, wenn es auch keine Belege dafür gibt, daß Händel selbst so gehandelt hätte.
.

MUSIKWANDERER

Schneewittchen

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  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 414

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

73

Mittwoch, 23. Februar 2011, 22:41



CPO brachte 2008 diese Hybrid-SACD heraus,welche die Wassermusik als Gesamtwerk darstellt.
Die Aufnahme von 2004 richtet sich nach den neusten Erkenntnissen,wonach die seit ca. 1950 übliche Aufteilung der Wassermusik in 3 Suiten
als überholt anzusehen ist.
Da ich die SACD besitze,kann ich bestätigen,daß die Aufnahme auch in technischer Hinsicht gut gelungen ist.
mfG
Michael

musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

Beiträge: 4 031

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

74

Donnerstag, 24. Februar 2011, 10:50

Als ich vor einigen Jahren im Nachlaß meines Vaters diese GA der Wassermusik fand



war ich doch einigermaßen überrascht. Unter den mir bekannten Einspielungen des Werkes war diese die einzige, die nicht der drei Suiten-Theorie folgte. Als ich dann die neue Partitur, herausgegeben von Terence Best und Christopher Hogwood, heranzog, stellte ich fest, daß die Capella Istropolitana genau die von den Herausgebern vorgeschlagene Reihenfolge der Satznummern spielte. Allerdings waren es nicht in jedem Einzelfall die von Best/Hogwood vorgegebenen Fassungen, da gibt es nämlich auch noch z.T. gravierende, meist jedoch nur kleinere Unterschiede.

Das für mich Verblüffende ist, daß Naxos diese Aufnahme im Januar 1988 erstellte und, wenn ich es richtig interpretiere, 1991 veröffentlichte. Zu diesem Zeitpunkt war an eine neue Edition der Wassermusik noch nicht zu denken, denn der Notenfund, der zu neuen Ergebnissen führte, ergab sich ja erst 2004. Wenn nun hellseherische Fähigkeiten der Produzenten oder des Dirigenten auszuschließen sind, bleiben nur die Möglichkeiten einer rein intuitiv-richtigen Erfassung der Satzfolgen oder, wahrscheinlicher, altes Notenmaterial, das genau diese richtige Reihenfolge enthält.

Über den Interpretationsansatz der Naxos-Produktion kann man dann wieder diskutieren - HIP ist hier natürlich nicht festzustellen, da ist die von Schneewittchen gepostete cpo-Aufnahme näher dran...

Liebe Grüße vom
.

MUSIKWANDERER

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

75

Donnerstag, 24. Februar 2011, 11:25

Ohne die Details zu kennen, Harnoncourt hat bereits 1978 eine Aufnahme gemacht, in der die Suiten teilweise "gemischt" werden, das Ensemble Tafelmusik 1995 in ähnlicher Weise, aber jeweils ohne wissenschaftliche Begründung.

M.E. hängt da nicht so viel dran. Wie schon gesagt wurde, wären sowohl das Zusammenfassen in Suiten als auch das Spielen von Einzelstücken oder aller Stücke im Einklang mit barocker Praxis. Ein Argument für die Suiten war wohl, dass die Streicher/Flöten-Stücke auf dem Wasser viel zu leise gewesen wären und daher wohl eher anschließend zwischen den Gängen des Festmahls o.ä. erklangen.
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  • »Eric Hoffmann« ist männlich

Beiträge: 145

Registrierungsdatum: 4. Juli 2012

76

Samstag, 18. August 2012, 23:04

Die Wassermusik höre ich mir sehr gerne an wenn ich mal wieder von der regulären Klassik zum Barock wechseln möchte! Damit komme ich immer geschwind wieder ins barocke Feeling!

Ich favorisiere dabei diese Aufnahme zusammen mit der Feuerwerksmusik:




Ich finde es schade das diese Werke so "einzigartig" sind, da ich gerne mehr in dieser Richtung hören würde! :(
Mein Fazit dazu : Wer barocke Musik mag, kommt an der Wassermusik nicht vorbei!

Lg

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 262

Registrierungsdatum: 12. August 2005

77

Montag, 27. August 2012, 13:37

Ich finde es schade das diese Werke so "einzigartig" sind, da ich gerne mehr in dieser Richtung hören würde! :(
Mein Fazit dazu : Wer barocke Musik mag, kommt an der Wassermusik nicht vorbei!

Wenn Du an der reichhaltigen Bläserbesetzung Gefallen findest, solltest Du Dir jedenfalls Händels 3 concerti a due cori anhören, zwar ohne Trompeten aber mit räumlich getrennten Streicher und Oboen/Fagott/Hörner-Gruppen. Es gibt sicher noch sehr viel mehr Barockmusik mit Bläsern; eine unbedingte Empfehlung ist die CD der Musica antiqua mit Bläserkonzerten von Telemann. Und, obwohl ohne Blech und streicherdominiert, Telemanns o.g. "Hamburger Ebb' und Flut"

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 067

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

78

Dienstag, 28. August 2012, 01:08

Hallo Eric,

kleiner Tipp:

Für Barockmusik könntest Du Dir Aufnahmen von z. B. folgenden Ensembles (Schnipsel bei JPC) anhören: "Akademie für Alte Musik, Berlin" - "Il Giardino Armonico" - "Le Concert Spirituel"

Du hörst dann da nicht nur die Streicher auf alten Instrumenten, sondern auch die Bläser (Holz, aber auch Blech und das ohne Ventile) auf alten Instrumenten oder deren sehr guten Nachbauten und auch das Continuo kann besser besetzt sein als üblich (z. B. mit Barocklaute oder Theorbe usw.).

LG
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler