Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

martello

Schüler

  • »martello« ist männlich
  • »martello« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 183

Registrierungsdatum: 10. August 2005

1

Sonntag, 8. April 2007, 09:31

Händel "Giulio Cesare"

Aus aktuellem Anlass ein Überblick über die erhältlichen Gesamtaufnahmen von "Giulio Cesare" - im Wesentlichen handelt es sich um die folgenden zwei, wobei die Wahl letztlich reine Geschmackssache ist (und man eigentlich beide haben sollte).

Die vollständigste Version bietet Rene Jacobs mit dem Concerto Köln (harmonia mundi 1991):
Insgesamt eine hochdramatische, zupackende Variante mit einer ebenso agierenden Jennifer Larmore in der Titelpartie. Mühelos in der Höhe mit ziemlich weiblich timbrierter, voluminöser und vibratoreicher Stimme - passt perfekt zum Klangbild der Aufnahme, ist aber sicher nicht "reiner" Originalklang. Barbara Schlick ist eine lyrische Cleopatra, Marianne Rorholm ein jugendlicher Sesto. Die junge Bernarda Fink begeistert als Cornelia ebenso wie Derek Lee Ragin als erwachsen-gefährlicher Tolomeo und Furio Zanasi als Achilla, der in seiner Stimme Gewalt und (vorgetäuschten) Charme wunderbar vermischt.
Das ganze dauert knapp über 240 Minuten; die dafür notwendige vierte CD ist freundlicherweise gratis.

Mark Minkowski wählte mit Les Musiciens du Louvre (DG-Archiv 2003) einen sanfteren Zugang als Jacobs und strich - da live im Wiener Konzerthaus aufgezeichnet - ein wenig mehr (knapp 220 Minuten):
Der auffälligste Unterschied ist dazu die Besetzung der Titelpartie mit Marjana Mijanovic - eher geringes Volumen der Stimme, dafür eine atemberaubende tiefe Lage und ein androgynes Timbre. Magdalena Kozena singt Cleopatra mit viel Schmelz, Anne Sofie von Otter ihren Sesto ein wenig herb, aber gestalterisch sehr intensiv. Charlotte Hellekant ist eine solide Cornelia, Alan Ewing ein eher derb-brutaler Achilla. Bejun Mehtas Tolomeo ist ein ägyptischer Caligula.

Zwecks Vollständigkeit:
Zusätzlich existieren noch weitere Einspielungen, darunter ein englischer "Julius Caesar" unter Mackerras mit einer nicht mehr ganz taufrischen Janet Baker sowie Della Jones, James Bowman und John Tomlinson (CHANDOS) - durchaus interessant mit sehr gelungener Textübertragung aber eher für Fans und Sammler. Noch mehr gilt das für einen von Universal wieder aufgelegten "Cesare" mit einem völlig fehlbesetzten Dietrich Fischer-Dieskau in der (transponierten) Titelpartie - anders als die Mackerras Einspielung hat diese Variante mit Barockoper übrigens nicht ernsthaft etwas zu tun.

Klawirr

Prägender Forenuser

  • »Klawirr« ist männlich
  • »Klawirr« wurde gesperrt

Beiträge: 3 735

Registrierungsdatum: 24. März 2007

2

Sonntag, 8. April 2007, 11:35

RE: Händel "Giulio Cesare"

Zitat

Original von martello
Aus aktuellem Anlass ein Überblick über die erhältlichen Gesamtaufnahmen von "Giulio Cesare" - im Wesentlichen handelt es sich um die folgenden zwei, wobei die Wahl letztlich reine Geschmackssache ist (und man eigentlich beide haben sollte).

Die vollständigste Version bietet Rene Jacobs mit dem Concerto Köln (harmonia mundi 1991):
Insgesamt eine hochdramatische, zupackende Variante mit einer ebenso agierenden Jennifer Larmore in der Titelpartie.

Mark Minkowski wählte mit Les Musiciens du Louvre (DG-Archiv 2003) einen sanfteren Zugang als Jacobs

Zwecks Vollständigkeit:
Zusätzlich existieren noch weitere Einspielungen, darunter ein englischer "Julius Caesar" unter Mackerras mit einer nicht mehr ganz taufrischen Janet Baker sowie Della Jones, James Bowman und John Tomlinson (CHANDOS) - durchaus interessant mit sehr gelungener Textübertragung aber eher für Fans und Sammler. Noch mehr gilt das für einen von Universal wieder aufgelegten "Cesare" mit einem völlig fehlbesetzten Dietrich Fischer-Dieskau in der (transponierten) Titelpartie - anders als die Mackerras Einspielung hat diese Variante mit Barockoper übrigens nicht ernsthaft etwas zu tun.


Hallo martello,
D'ACCORD!
Persönlich tendiere ich zu Jacobs, weil er das dramatisch Potential der Oper in atemberaubender Weise vermittelt.

Ist die von Dir angesprochene Neuauflage der Einspielung mit DFD indentisch mit der bei der Deutschen Grammophon unter Karl Richter? Oder sollte es es etwa zwei mit DFD geben? Die Richter Einspielung leidet sehr unter dem in die Baritonlage transponierten Cäser. Fischer-Diskau müht sich redlich, aber alles klingt nach der Karikatur eines barocken Heldentyps. In den Koloraturen wird es ganz unerträglich - wie an anderer Stelle schon vermerkt: es gleicht einem defekten Lachsack, der sich nicht abstellen läßt. Aber Tatiana Troyanos als Cleopatre hat mich dann doch angerührt...

:hello:

Klawirr

martello

Schüler

  • »martello« ist männlich
  • »martello« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 183

Registrierungsdatum: 10. August 2005

3

Sonntag, 8. April 2007, 18:41

Ich geh' mal davon aus, dass es diese Aufnahme ist. Ich habe sie lediglich im Plattenladen gesehen und im Radio einige Ausschnitte gehört - daher keine Garantie (aber es war jedenfalls auch Troyanos mit dabei).

Troyanos singt übrigens tatsächlich berührend, wenngleich nur sehr eingeschränkt "barockig". Letztlich fällt mE eine "Giulio Cesare"-Aufnahme aber mit dem Titelhelden, da hier die größte Gestaltungsbandbreite in den Arien verlangt wird (und der ist hier halt leider nicht nur mäßig sondern ein Totalausfall). Ganz grundsätzlich demoliert ein transkribierter Caesar aber auch das von Händel sehr fein ausbalancerte Stimmengefüge, weshalb eine derartige Aufnahme für mich als Referenz nicht in Frage kommen würde.

Klawirr

Prägender Forenuser

  • »Klawirr« ist männlich
  • »Klawirr« wurde gesperrt

Beiträge: 3 735

Registrierungsdatum: 24. März 2007

4

Montag, 9. April 2007, 09:25

Zitat

Original von martello
Ich geh' mal davon aus, dass es diese Aufnahme ist. Ich habe sie lediglich im Plattenladen gesehen und im Radio einige Ausschnitte gehört - daher keine Garantie (aber es war jedenfalls auch Troyanos mit dabei).

Troyanos singt übrigens tatsächlich berührend, wenngleich nur sehr eingeschränkt "barockig". Letztlich fällt mE eine "Giulio Cesare"-Aufnahme aber mit dem Titelhelden, da hier die größte Gestaltungsbandbreite in den Arien verlangt wird (und der ist hier halt leider nicht nur mäßig sondern ein Totalausfall). Ganz grundsätzlich demoliert ein transkribierter Caesar aber auch das von Händel sehr fein ausbalancerte Stimmengefüge, weshalb eine derartige Aufnahme für mich als Referenz nicht in Frage kommen würde.


Wird dann wohl die gleiche Aufnahme sein...
Troyanos ist tatsächlich nicht besonders »barockig« - die Rolle gestaltet sie dennoch sehr einfühlsam und anrührend (das gilt übrigens auch für ihre Dido in Purcells »Dido and Aeneas« in der Einspielung unter Mackerras).
Eine Referenzaufnahme wird die Sache mit DFD dadurch selbstverständlich überhault nicht - wie gesagt: wirkt im Ganzen doch eher wie eine Persiflage auf die Oper der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (wollte nur die Troyanos etwas retten... ;)).
Gruß,
Klawirr

Bernhard

Prägender Forenuser

  • »Bernhard« ist männlich

Beiträge: 3 511

Registrierungsdatum: 26. Februar 2007

5

Montag, 9. April 2007, 09:40

Guten Tag

ich sah "Julius Caesar in Ägypten" 1993 in einer Aufführung der "Komischen Oper Berlin" in deutscher Sprache bei den Schwetzinger Festspielen. Erinnerlich und köstlich wie sich Julius Cäser (Jochen Kowaski) und Achillas (Axel Köhler) in Fahrradrikschas sitzend, auf einer Drehbühne gegenseitig attakierten und dabei noch sangen :jubel: :jubel:
Inziniert hatte diese sehr gelungene Aufführung übrigens Harry Kupfer.

Auf CD habe ich diese



Aufnahmne.
Allerdings nur "Highlights" daraus.


Gruß aus der Kurpfalz

Bernhard

Johannes_Krakhofer

Prägender Forenuser

  • »Johannes_Krakhofer« ist männlich
  • »Johannes_Krakhofer« wurde gesperrt

Beiträge: 3 419

Registrierungsdatum: 24. Februar 2005

6

Dienstag, 10. April 2007, 00:29

Hallo!!

Auch ich liebe diese Händel-Oper, da sie für mich alten Konservativen ein wunderschöner Ausflug zu zwei großen Persönlichkeiten der Geschichte. Die Musik Händels, die neben der zu Rinaldo seine beste ist, tut ihr übriges zu diesem Genuss.

Folgende Aufnahmen sind meine Favoriten:


Leider auf englisch, aber soooo schön anzusehen!


Referenzaufnahme, obwohl ich nur den Querschnitt besitze, der mich schon sehr begeistert, aber wenn er nur annähernd so gut ist, wie Jacobs Rinaldo, dann muss er umwerfend sein!


Eine historische Aufnahme, die ich vor allem wegen der hohen Gesangskunst des Cäsars- Siepi, nämlich, so schätze.
Allerdings stört die sehr schlechte Tonqualität sehr!

So was wie die Theater an der Wien Inszenierung ist für mich ein Graus! Die totale Anti-Werbung für die Barockoper. Da kommt mir nur das berühmte :kotz: :kotz:

LG joschi
Den Mozart und den Wagner hör´ich gerne, wenn ich jausen
nur beim Herrn Stockhausen kriegt mein Hamster Ohrensausen

(Erste Allgemeine Verunsicherung)

raphaell

Prägender Forenuser

  • »raphaell« ist männlich

Beiträge: 1 535

Registrierungsdatum: 12. März 2007

7

Dienstag, 10. April 2007, 00:52

Hallo,

Ich ich habe diese Aufnahme vom (zurecht) vor die Hunde gegangenen Label Nouvo Era:



Allerdings habe ich eine andere Covergestalltung...

Die Aufnahmequalität lässt wie so oft bei Era sehr zu wünschen übrig...teilweise scheinen die Sänger sehr weit vom Mikro entfernt im Hintergrund zu sein...gerade bei meiner Lieblingsarie "All Lampo Dell' Armi".
Auch die Gesangsleistungen sind nicht immer top - die Koloraturen hängen doch teilweise oder werden geschmiert...
Der Vorteil der Aufnahme - Im Orchester solide musiziert und sehr günstig! (ca. 10€)

Viele Grüße,
Raphael

pbrixius

Prägender Forenuser

  • »pbrixius« ist männlich
  • »pbrixius« wurde gesperrt

Beiträge: 6 202

Registrierungsdatum: 15. Dezember 2006

8

Mittwoch, 18. April 2007, 12:30

Hallo,

außer den Einspielungen unter Jacobs und unter Minkowski, sowie der DVD unter Mackerras (mit einer meiner Meinung nach überragenden Janet Baker - allein sie rechtfertigt den Kauf) habe ich noch



Ich hatte die Aufnahme nicht zuletzt aufgrund der Empfehlung im Hermes Opernlexikon gekauft. Fazit der Besprechung: "Mit Rudel am Pult ein emotional starker Abend." Was ich wohl falsch eingeordnet hatte, war "Treigle war (auch optisch) ein scharf konturierter, effektvoll timbrierter Cäsar."

Ja, Cäsar als wirklich dunkler Bass - und desgleichen Tolomeo. Bei aller Faszination: da geht Händels sorgfältige Stimmregie den Bach hinunter.

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

Hildebrandt

Prägender Forenuser

  • »Hildebrandt« ist männlich
  • »Hildebrandt« wurde gesperrt

Beiträge: 2 154

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

9

Sonntag, 26. August 2007, 15:54



Hochgelobt, als Referenz genannt, gefällt mir die Aufnahme überhaupt nicht.
Durch das Vibrato der tonangebenden Damen kann man ja einen Hut werfen!
Manchmal lehrt erst ein Blick in die Noten, ob das jetzt ein Triller ist oder zur normalen Singweise dazugehört.
Also ne, liebe Leute... :no:

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 664

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

10

Sonntag, 26. August 2007, 19:21

Hallo zusammen,

auch diese Aufnahme bedarf der Erwähnung:



Die Darsteller wirken harmonisch aufeinander abgestimmt. Nach solchen Ensembles sehnt man sich heute.

:jubel:
Freundliche Grüße Siegfried

der Lullist

Prägender Forenuser

  • »der Lullist« ist männlich
  • »der Lullist« wurde gesperrt

Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

11

Sonntag, 26. August 2007, 19:58

Hallo Siegfried,


mit solchen Aufnahmen lehrst Du mich echt das Fürchten :D
das ist ja noch ein schlimmerer Schock für mich als die "Alcina" mit der Sutherland 8o

Ich bleibe bei der Jacobs Aufnahme, die mir persönlich sehr gefällt - eine meiner Lieblings Händel-Einspielungen überhaupt.

Ich hatte auch das Glück in Frankfurt eine konzertante Aufführung mit fast der gleichen Besetzung zu erleben - es war einfach wunderbar und Jacobs ist einfach lustig beim Dirigieren :D

salisburgensis

Prägender Forenuser

  • »salisburgensis« ist männlich

Beiträge: 2 305

Registrierungsdatum: 16. Februar 2005

12

Sonntag, 26. August 2007, 20:20

Zitat

Original von Siegfried
Nach solchen Ensembles sehnt man sich heute.



Diese Verallgemeinerung halte ich für unzulässig... :pfeif: :angel:
Da freute sich der Hase:
"Wie schön ist meine Nase
und auch mein blaues Ohr!
Das kommt so selten vor."
- H. Heine -

  • »brunello« ist männlich

Beiträge: 282

Registrierungsdatum: 15. August 2007

13

Sonntag, 26. August 2007, 20:36

Hallo zusammen,

auch diese Aufnahme bedarf der Erwähnung:



Die Darsteller wirken harmonisch aufeinander abgestimmt. Nach solchen Ensembles sehnt man sich heute.




Die Aufnahme ist natürlich ein Zeitdokument und die Sänger waren auch Spitzenkünsttler ihrer Zeit (auch wenn ich nicht ganz so sicher bin, ob Ferdinand Leitner je der optimale Dirigent für dieses Fach war; da hat es in München doch immerhin Karl Richter gegeben, der noch in den 70er Jahren des 20. Jahrhundersts als stilbildend für Barockmusik galt - mit seinen Interpretationen der großen Passionen im Wiener Musikverein bin ich groß geworden). Aus dieser Sicht ist dieser "Julius Cäsar" zweifellos erwähnens und hörenswert. Ich denke nur, dass sich gerade bei Barockmusik die Hör- und Interpretationsgewohnheiten in den letzten 20 Jahren dramatisch gewandelt haben. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob Jacobs und wie sie alle heißen, mit diesem SängerInnenensemble glücklich wäre. Ganz unabhängig von der Frage, mit welcher Stimmlage die eine oder andere Rolle besetzt werden soll.

Michael 2

rita

Prägender Forenuser

  • »rita« ist weiblich
  • »rita« wurde gesperrt

Beiträge: 694

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

14

Sonntag, 26. August 2007, 20:37

Dabi ich ganz Deiner Meinung.
Rita :boese2:

Hildebrandt

Prägender Forenuser

  • »Hildebrandt« ist männlich
  • »Hildebrandt« wurde gesperrt

Beiträge: 2 154

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

15

Sonntag, 26. August 2007, 22:53

Zitat

Original von der Lullist

Ich bleibe bei der Jacobs Aufnahme, die mir persönlich sehr gefällt - eine meiner Lieblings Händel-Einspielungen überhaupt.


Mit Dauervibrato in den Stimmen, dass es selbst Robert Stolz gegraust hätte?
Dazu Dauer-non-Vibrato in den Instrumenten? Das passt doch vorne und hinten nicht.

Das klingt interessant:



Nur hab ich's nicht so mit DVDs.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 229

Registrierungsdatum: 12. August 2005

16

Montag, 27. August 2007, 10:21

Das zentrale Problem ist gar nicht mal die Sangeskunst von Wunderlich und Co., sondern dass Sesto kein Tenor und Cäsar kein Bariton ist. Das Duett Cornelia-Sesto mutiert so von Alt - Sopran zu Alt - Tenor

Man stelle sich bitte mal alternativ Octavian im Rosenkavalier als Tenor oder Bariton vor! Oder Ochs als Mezzo! :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

Ich bin nicht so vibratoempfindlich (bzw. feindlich). Larmore finde ich ziemlich gut (sie klingt "männlicher/kerniger" als eine ganze Reihe männlicher Alte), eine bessere Cleopatra als Schlick ist allerdings leicht denkbar. Dawson z.B., vor 20 Jahren natürlich auch Auger
Ich bin aber nicht bereit, nochmal EUR 40 oder so für Minkowskis Einspielung, wg. Kozena, auszugeben. Eine DVD dagegen wäre mittelfristig evtl. drin.

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

der Lullist

Prägender Forenuser

  • »der Lullist« ist männlich
  • »der Lullist« wurde gesperrt

Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

17

Montag, 27. August 2007, 10:33

Ich weiß nicht, Scholl mag ich zwar sehr gerne, aber für solche Opernpartien haben für mein Empfinden, Countertenöre zu wenig Kraft.

Scholl, Chance, Bowman - die verblassen einfach neben Stimmen wie Genaux, Hunt oder Larmore.

Ich mag die Recitals von Scholl und Bowman, aber das sind irgendwie immer nur alternativen - denn sie singen ja da meist nur die gefühlvollen Arien, wie "Pena tiranna" etc. - wenn es aber an die Rache Arien geht, da hört es (für mein Empfinden) einfach auf.

Auf der Bühne sind sie zwar glaubhafter - aber Scholl bevorzuge ich dann doch eher für Barocklieder und Kantaten.

Dass Cäsar (mal wieder) eine Armee Jacke der Amis trägt lässt mein Interesse an der DVD sofort gegen Null sinken. :no: wie oft hab ich das nun schon gesehen...

Hildebrandt

Prägender Forenuser

  • »Hildebrandt« ist männlich
  • »Hildebrandt« wurde gesperrt

Beiträge: 2 154

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

18

Montag, 27. August 2007, 10:41

Zitat

Original von Johannes Roehl
Das zentrale Problem ist gar nicht mal die Sangeskunst von Wunderlich und Co., sondern dass Sesto kein Tenor und Cäsar kein Bariton ist. Das Duett Cornelia-Sesto mutiert so von Alt - Sopran zu Alt - Tenor

Man stelle sich bitte mal alternativ Octavian im Rosenkavalier als Tenor oder Bariton vor! Oder Ochs als Mezzo! :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


Naja, immerhin hat Händel selbst den Cäsar schon mal auf Tenor getrimmt. Diese Praxis finde ich nicht so schlimm.

Zitat

Ich bin nicht so vibratoempfindlich (bzw. feindlich). Larmore finde ich ziemlich gut (sie klingt "männlicher/kerniger" als eine ganze Reihe männlicher Alte), eine bessere Cleopatra als Schlick ist allerdings leicht denkbar. Dawson z.B., vor 20 Jahren natürlich auch Auger


Permanentes Extremtremolieren halte ich schon für eine Unsitte. Der Reiz des Vibrato geht doch völlig verloren, wenn man es dem Zuhörer bis zum Überduss um die Ohren schlägt. Da wäre selbst Karl Richter eingeschritten. Warum Jacobs das zulässt, ist mir völlig rätselhaft.

Johannes_Krakhofer

Prägender Forenuser

  • »Johannes_Krakhofer« ist männlich
  • »Johannes_Krakhofer« wurde gesperrt

Beiträge: 3 419

Registrierungsdatum: 24. Februar 2005

19

Montag, 27. August 2007, 11:53

Zitat

Original von der Lullist
Ich weiß nicht, Scholl mag ich zwar sehr gerne, aber für solche Opernpartien haben für mein Empfinden, Countertenöre zu wenig Kraft.

Scholl, Chance, Bowman - die verblassen einfach neben Stimmen wie Genaux, Hunt oder Larmore.


Hallo!

Ich teile zwar sehr oft deine Meinung, aber in diesem Fall nicht (ganz). Es gibt sehr wohl Countertenöre, die gegen die Damen verblassen. Jörg Waschinski ist einer davon, es gibt von ihm meines Wissens nach keinen Cäsar, aber in Oratorien und Opern von Porpora und Fux ist er einfach eine Wucht und schlägt die Damen um Längen.
Ich hör trotzdem lieber Countertenöre in solchen Partien, da sie mir das Gefühl von Authentizität wenigstens vortäuschen.

LG joschi
Den Mozart und den Wagner hör´ich gerne, wenn ich jausen
nur beim Herrn Stockhausen kriegt mein Hamster Ohrensausen

(Erste Allgemeine Verunsicherung)

der Lullist

Prägender Forenuser

  • »der Lullist« ist männlich
  • »der Lullist« wurde gesperrt

Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

20

Montag, 27. August 2007, 12:32

Das habe ich lange aus so gesehen, Waschinski kenne ich natürlich, aber auch er hat zu wenig Kraft.

Händel ist damals nie auf Countertenöre ausgewichen, wenn kein Kastrat zur Hand war - das sollte man im Blick haben, er griff immer auf Frauen zurück - weil sie rein musikalisch gesehen, einfach die Bessere Wahl sind.

Hildebrandt

Prägender Forenuser

  • »Hildebrandt« ist männlich
  • »Hildebrandt« wurde gesperrt

Beiträge: 2 154

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

21

Montag, 27. August 2007, 12:40

Zitat

Original von der Lullist
Ich weiß nicht, Scholl mag ich zwar sehr gerne, aber für solche Opernpartien haben für mein Empfinden, Countertenöre zu wenig Kraft.


Da ist was dran, aber mir wäre Scholl wegen der angemesseneren Sangesweise schon lieber als eine Koloratursoubrette. :D
Die Madames Piau oder Gens finde ich leider auf keiner Aufnahme.

Zitat

Dass Cäsar (mal wieder) eine Armee Jacke der Amis trägt lässt mein Interesse an der DVD sofort gegen Null sinken. :no: wie oft hab ich das nun schon gesehen...


Einer der Gründe, warum ich auf die Optik gern verzichten würde. :D

Johannes_Krakhofer

Prägender Forenuser

  • »Johannes_Krakhofer« ist männlich
  • »Johannes_Krakhofer« wurde gesperrt

Beiträge: 3 419

Registrierungsdatum: 24. Februar 2005

22

Montag, 27. August 2007, 12:41

Gabs damals eigentlich Countertenöre? Sie waren doch total überflüssig, da doch eh genug Kastraten vorhanden waren?

Ich dachte immer, sie wären eine "erfindung" des letzten Jahrhunderts, da man sie zum halbwegs authentischen Aufführen der Barockoper benötigt, aber anscheinend ist das eine Fehlinfo.

LG joschi
Den Mozart und den Wagner hör´ich gerne, wenn ich jausen
nur beim Herrn Stockhausen kriegt mein Hamster Ohrensausen

(Erste Allgemeine Verunsicherung)

Hildebrandt

Prägender Forenuser

  • »Hildebrandt« ist männlich
  • »Hildebrandt« wurde gesperrt

Beiträge: 2 154

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

23

Montag, 27. August 2007, 12:56

Zitat

Original von DonBasilio
Gabs damals eigentlich Countertenöre? Sie waren doch total überflüssig, da doch eh genug Kastraten vorhanden waren?

Ich dachte immer, sie wären eine "erfindung" des letzten Jahrhunderts, da man sie zum halbwegs authentischen Aufführen der Barockoper benötigt, aber anscheinend ist das eine Fehlinfo.


Falsettisten gab es schon im Mittelalter, aber als Kastratenersatz sind sie wirklich eine Erfindung neueren Datums.

der Lullist

Prägender Forenuser

  • »der Lullist« ist männlich
  • »der Lullist« wurde gesperrt

Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

24

Montag, 27. August 2007, 13:29

Die Countertenöre sind recht oft anzutreffen, aber nie in der Opera Seria - zumindest hab ich da noch nichts von gelesen.

Charpentier und Purcell sangen in selbst in dieser lage.
Daher ist diese besondere Stimme für die Songs und Anthems von Purcell wie geschaffen :D
Wie gesagt, wenn dann fanden sie eher Verwendung in der geistlichen Musik.

musicophil

Prägender Forenuser

  • »musicophil« ist männlich
  • »musicophil« wurde gesperrt

Beiträge: 7 091

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

25

Montag, 27. August 2007, 13:44

Zitat

Original von der Lullist
Die Countertenöre sind recht oft anzutreffen, aber nie in der Opera Seria - zumindest hab ich da noch nichts von gelesen.

Charpentier und Purcell sangen in selbst in dieser lage.

Lieber Matthias,

Ich glaube, daß Du Dich irrst.
Ich habe mal gelesen (weiß aber nicht mehr wo), daß Purcell eine außerordentliche Stimme hatte, denn eigentich höher sang als ein normaler Tenor. Das ist möglich, denn heute gibt's auch in Frankreich so einer (wieder was vergessen: wer).

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

der Lullist

Prägender Forenuser

  • »der Lullist« ist männlich
  • »der Lullist« wurde gesperrt

Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

26

Montag, 27. August 2007, 14:45

Ich habe auch Quellen die ihn als Counter beschreiben.

In Frankreich hatte man die hohen Tenöre gerne für die Helden genommen, Jean Paul Fouchecourt ist da wohl der berühmteste und beliebteste Sänger in diesem Fach, meinst Du den ?

musicophil

Prägender Forenuser

  • »musicophil« ist männlich
  • »musicophil« wurde gesperrt

Beiträge: 7 091

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

27

Montag, 27. August 2007, 14:55

Zitat

Original von der Lullist
In Frankreich hatte man die hohen Tenöre gerne für die Helden genommen, Jean Paul Fouchecourt ist da wohl der berühmteste und beliebteste Sänger in diesem Fach, meinst Du den ?

Ich weiß es wirklich nicht mehr, aber vermutlich hast Du Recht. Ich habe nur behalten, daß ein sehr berühmter Franzose ist.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Barezzi

Prägender Forenuser

  • »Barezzi« ist männlich

Beiträge: 2 163

Registrierungsdatum: 1. August 2006

28

Dienstag, 28. August 2007, 04:14

Jacobs vs. Minkowski

vs.

Da ich mir irgendwann auch endlich mal eine gescheite Einspielung dieses Werkes zulegen will, hab ich mal in die beiden Aufnahmen reingehört. Leider gibt es von der Jacobs-Einspielung nur einen Schnipsel auf der HP und nichts bei jpc/amazon, in den Minkowski kann man problemlos reinlauschen.
Den Kritiken nach schneidet Jacobs eigentlich immer besser ab - fast, denn auf einmal musste man heute harsches Missfallen in unserem Forum wahrnehmen 8o
Da mir das Gehörte von Minkowski sehr gut gefallen hat, der Jacobs-Schnipsel allerdings auch und Minkowski nochmals um einiges teuerer ist, bin ich jetzt endgültig verwirrt und weiß gar nimmer, was ich machen/kaufen soll... ?( :faint: ;)

:hello:
Stefan

Als Cäsar wäre mir eigentlich auch eine Frau lieber - um ehrlich zu sein...
So schön die lyrischen Counter-Stimmen auch klingen, werden sie meist doch recht schnell dünn und leise und das verträgt nicht jede Partie (man stelle sich das mal bei Broschi-Bravour-Arien oder richtig kernigen Helden vor ?( )
Viva la libertà!

Siegfried

Prägender Forenuser

  • »Siegfried« ist männlich

Beiträge: 4 664

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2005

29

Mittwoch, 29. August 2007, 18:39

Zitat

Original von salisburgensis

Zitat

Original von Siegfried
Nach solchen Ensembles sehnt man sich heute.



Diese Verallgemeinerung halte ich für unzulässig... :pfeif: :angel:


Die Gedanken sind frei...
(Aus fliegenden Blättern um 1780)
Freundliche Grüße Siegfried

Hildebrandt

Prägender Forenuser

  • »Hildebrandt« ist männlich
  • »Hildebrandt« wurde gesperrt

Beiträge: 2 154

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

30

Mittwoch, 29. August 2007, 18:52

RE: Jacobs vs. Minkowski

Zitat

Original von Barezzi

Da mir das Gehörte von Minkowski sehr gut gefallen hat, der Jacobs-Schnipsel allerdings auch und Minkowski nochmals um einiges teuerer ist, bin ich jetzt endgültig verwirrt und weiß gar nimmer, was ich machen/kaufen soll... ?


Kauf Dir ruhig den Jacobs, bei Minkowski wird mindestens genauso gejodelt. :D