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ThomasBernhard

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1

Freitag, 15. April 2005, 10:12

Kurznotizen aus den Opernhäusern

Hallo

Ein neuer Thread.
Ist ja geradezu albern, extra einen neuen Thread zu öffnen, nur weil man mitteilen möchte, daß man gestern in der Oper war. Solch kleine Mitteilungen können also hier gemacht werden.
Auch neuester Tratsch und sonstiges Wissenswerte aus den Opernhäusern dieser Welt könnte hier gepostet werden.

Markus
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ThomasBernhard

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2

Freitag, 15. April 2005, 10:18

RE: Kurznotizen aus den Opernhäusern

Gestern war ich in der Oper Frankfurt in Mussorgskis Chowanschtschina. Interessanterweise so eine Art Erstaufführung einer neuen Fassung dieser Oper. Es ist eine Mischung aus original Mussorgsky und den Vervollständigungen/Umarbeitungen von Strawinsky und (unüberhörbar) Schostakowitsch. Durchaus alle Sänger waren sehr gut, ebenso der Chor und Kinderchor der Oper. Gastdirigent Kirill Petrenko beeindruckte mit dem Opernorchester.
Eine wuchtige Oper, schöne Musik, nur die Handlung ist meiner Meinung etwas unbefriedigend (die Selbstverbrennung der Altgläubigen wird musikalisch/inhaltlich mit zu wenig kritischer Distanz dargeboten).
Inszenierung in Fast-Einheitsbühne, was den Handlungsverlauf nicht gerade transparenter macht.

Gruß, Markus

Nachtrag: Die neue Jahresbroschüre der Oper Frankfurt kann kostenlos auf der entsprechenden Site angefordert werden.
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petemonova

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3

Freitag, 15. April 2005, 11:58

Petrenko verlängert Vertrag

Eben dieser Kiril Petrenko hat seinen Vertrag als GMD an der Komischen Oper in Berlin um 2 Jahre bis 2007 verlängert.

Petrenko debütierte erfolgreich im September 2000 in Berlin und wurde im September 2002 zum Generalmusikdirektor berufen.


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

peet

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4

Freitag, 15. April 2005, 12:25

RE: Kurznotizen aus den Opernhäusern

Zitat

Original von ThomasBernhard
nur die Handlung ist meiner Meinung etwas unbefriedigend (die Selbstverbrennung der Altgläubigen wird musikalisch/inhaltlich mit zu wenig kritischer Distanz dargeboten).


In diesem vom Autor nicht vollendeten Meisterwerk gibt es viele Probleme, nur nicht dies: In der Schostakowisch-Fassung wird zur Selbstverbrennung die Fanfarenmusik des künftigen Zaren als ein kontrastierender Hintergrund gesetzt - durchaus kritisch und zum Nachdenken motivierend. Oder war es eine andere Fassung? Mit der Wiederaufnahme des Vorspiels?

Gruß

ThomasBernhard

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5

Freitag, 15. April 2005, 14:33

RE: Kurznotizen aus den Opernhäusern

Zitat

Original von peet

Zitat

Original von ThomasBernhard
nur die Handlung ist meiner Meinung etwas unbefriedigend (die Selbstverbrennung der Altgläubigen wird musikalisch/inhaltlich mit zu wenig kritischer Distanz dargeboten).


In diesem vom Autor nicht vollendeten Meisterwerk gibt es viele Probleme, nur nicht dies: In der Schostakowisch-Fassung wird zur Selbstverbrennung die Fanfarenmusik des künftigen Zaren als ein kontrastierender Hintergrund gesetzt - durchaus kritisch und zum Nachdenken motivierend. Oder war es eine andere Fassung? Mit der Wiederaufnahme des Vorspiels?

Gruß


Das Scheiterhaufenfinale war wohl original Strawinsky in dieser Frankfurter Fassung. Hat aber durchaus kitschig geklungen, nicht, was man vielleicht von Strawinsky erwarten würde. Nein, die Fanfaren waren glaube ich nicht in der Scheiterhaufenmusik inbegriffen, war der Rückgriff auf das Thema der Selbstverbrennung, das auch schon im Vorspiel erklingt.
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Theophilus

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6

Montag, 2. Mai 2005, 11:25

Hallo,

ich missbrauche diesen Thread für eine interessante Opernsendung, die ich gestern Nachmittag in Ö1 gehört habe. Da gab es sozusagen einen großen Querschnitt einer Vorstellung vom 3.4.2005 in der Wiener Staatsoper (WSO). Es handelte sich um L'elisir d'amore mit Anna Netrebko, Rolando Villazón, Leo Nucci und Ildebrando d'Arcangelo. Diese Vorstellung wurde am. 6.4. in gleicher Besetzung wiederholt und mit Ausnahme von Leo Nucci handelte es sich durchgehend um Rollendebuts der Protagonisten an der WSO.

Man kann sich denken, dass diese beiden Vorstellungen ein großes Publikumsinteresse hervorriefen. Der Moderator Robert Werba erzählte jedoch, dass die WSO mit Kartenbestellungen dreifach überbucht war! Man hätte also für zwei Vorstellungen rund 15000 Karten verkaufen können, wenn dies möglich gewesen wäre. Da sag noch einer, dass die Plattenfirmen mit ihren Werbefeldzügen falsch liegen. ;)

In den 90 Sendeminuten gab es fast alles Wichtige zu hören, und das war vom gesanglichen Standpunkt her überwiegend sehr erfreulich. Anna Netrebkos Adina war sehr gut und wenn ihre darstellerischen Fähigkeiten einigermaßen mit ihrer vorteilhaften Optik mitkommen, hat sie alleine den Abend gerechtfertigt.
Ich habe noch nicht viel von Villazón gehört, und das war vermutlich meine erste Begegnung mit einer gesamten Rolle dieses Künstlers. Von der Stimme her ein lyrischer Tenor, jedoch mit einem leicht heldischen Timbre. Die anfängliche Rauhigkeit in der Stimme gab sich im Lauf des Abends und im wichtigen 2. Akt war er gut drauf. Die Herren von der tiefen Fraktion gaben auch keinerlei Grund zur Klage, so dass es stimmlich ein sehr erfreulicher Abend wurde.

Kurzer Einschub: Was ich jedoch nicht hörte, wie in diesem Forum schon formuliert, dass Villazón ein potentieller Domingo-Nachfolger wäre. Dazu erscheint mir seine Stimme noch viel zu leicht, obwohl sein Timbre dazu verleiten könnte, in Richtung Spinto-Partien zu schielen.

Dass es insgesamt zu keinem Stimmfest wurde, lag vor allem am Herrn am Pult: Alfred Eschwé hatte es sich offensichtlich zur Aufgabe gesetzt, einen flotten Liebestrank zu dirigieren. Dramatische Stellen in der Oper wurden dann oft nicht einfach stärker im Orchester artikuliert, sonder zumeist noch schneller gespielt. Die Wiener Philharmoniker , hüstel, das Orchester der Wiener Staatsoper hielt dabei munter mit und man hörte selten feines und animiertes Orchesterspiel für einen Liebestrank. Was der Dirigent in seinem Dialog mit dem Orchester jedoch geflissentlich überhörte, war, dass die Protagonisten auf der Bühne oft alle Stimmbänder voll zu tun hatten, um mit ihm Schritt zu halten. Das musste dazu führen, das viel gesungen, aber wenig gestaltet werden konnte. War dann noch der Chor im Geschehen involviert, konnte man phasenweise bemerkenswertes Durcheinander von der Bühne vernehmen. Das sollte nun wirklich nicht sein, und es war wiedereinmal der Beweis, das schnelles Dirigieren kein Ersatz für Italianità ist (Gavazzeni schau oba!). Zum Glück kann der Dirigent beim Höhepunkt der Oper - dem Duett Adina/Nemorino im 2. Akt - nicht viel hineinpfuschen, und hier konnten die beiden Sänger auch sehr schön brillieren. Letztlich ist das Publikum doch auf seine Rechnung gekommen!

Ciao

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Zeus0043

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7

Samstag, 7. Mai 2005, 02:43

Hallo Theophilus,

die Kritik könnte von mir sein, nur in einem Punkt muss ich widersprechen: Herr Werba könnte mit seiner Prophezeiung durchaus recht haben, wenn man sich frühe Domingo-Aufnahmen anhört. Im übrigen war meine erste Begegnung mit Herrn Villazón letztes Jahr in London (Hoffmann), und da zeigte er natürlich wesentlich mehr, was man von ihm - ein gutes und kluges Management vorausgesetzt - in den nächsten Jahren erwarten kann.
Bravo für Deinen letzten Absatz; aber ein schlecht besetztes Dirigentenpult hat in Wien Tradition (geniale aber viel zu seltene Ausnahmen natürlich ausgenommen); Ein sehr bekannter und berühmter Tenor, dessen namen ich nicht nennen will, hat es bereits 1978 in einer Carmen-Probepause so formuliert (da hat er den Kleiber allerdings nicht gemeint damit): Wien bedeutet toller Chor, tolles Orchester, schlechte Dirigenten. Aber schon damals war das keine Neuigkeit :D

Liebe Grüße
Martin alias Zeus0043
Heut' Abend dirigiert der Mottl den Tristan;
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Original-Stabreim aus Bayreuth

Theophilus

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8

Samstag, 7. Mai 2005, 03:33

Hallo Martin,

ich hoffe sehr, dass Rolando Villazón den vielen Vorschusslorbeeren einigermaßen gerecht werden kann. Man kann es ihm und uns, dem Publikum, nur wünschen. Die Frage ist aber, ob er den sicherlich bereits vorhandenen Versuchungen für schwerere Partien lange genug widerstehen kann, um in sie hineinwachsen zu können.

Ciao

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Zeus0043

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9

Samstag, 7. Mai 2005, 13:31

Genau diese Frage stellen wir uns schon seit Jahrzehnten. Ich kann mich noch gut erinnern an den September 1977, als Carreras in Wien als Cavaradossi debutierte. Die 'Kurzlebigkeit' der Opernstars gibt es jetzt also auch schon bald 30 Jahre.

Alles Liebe

Martin
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Michael_Flaschberger

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10

Sonntag, 15. Mai 2005, 00:38

Passt nicht unbedingt hierher, aber da das Thema "Liebestrank" gerade angeschnitten wurde eine kleine Frage an die Leute die öfters in der Staatsoper sind: Wie oft kam es denn in den letzten Jahren vor daß eine Arie wiederholt wurde ( so wie Villazón im "Liebestrank")???

Theophilus

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11

Montag, 16. Mai 2005, 01:47

Fast trunken vor Liebe

Der ORF war in der zweiten Vorstellung des Liebestranks am 6.4.2005 mit den Fernsehkameras in der WSO vertreten und machte eine referenzverdächtige Aufzeichnung dieser entzückenden Oper!


Wie aus dem Bild ersichtlich, handelt es sich um eine der ganz alten Inszenierungen der WSO (ich habe irgendwo das Jahr 1973 aufgeschnappt), die zwischendurch einmal etwas aufgefrischt noch immer einen gefälligen Rahmen für die Geschichte abgibt. Und diese wurde auf entzückende Art und Weise präsentiert.

Zuerst zum relativen Schwachpunkt. Ich bemängelte das Dirigat in der Vorstellung vom 3.4., hier bei der vollständigen Wiedergabe konnte man hören, dass die langsamen und lyrischen Teile der Oper sehr schön ausgespielt wurden, lediglich bei den schnellen Teilen war Alfred Eschwé wieder zu schnell und zu zackig unterwegs, da fehlte es an Leichtigkeit. Dafür hatte sich die Bühne besser auf ihn eingestellt und meisterte die kritischen Passagen mit Konzentration und Zungenfertigkeit. Das waren auch die einzigen Passagen, wo es auf der Bühne ein wenig hektisch und steif zuging, während der Rest des Stückes lustvoll und locker gespielt wurde. Auch war das Spiel des Orchesters der WSO rundum vom Feinsten und zumeist die perfekte Unterlage für das Geschehen auf der Bühne.

Alles andere an der Vorstellung war außerordentlich erfreulich. Anna Netrebkos Adina muss man Ausnahmerang zugestehen. Dass sie sie sehr gut singen kann war ja schon bekannt, in Verbindung mit ihrer außerordentlichen Darstellung ist diese Adina schon ein Glücksfall. Anfangs noch sehr ruhig, elegant und überlegen (Traviata auf dem Land!), zeigt sie mit zunehmender Verwirrung der Gefühle ein erstaunliches Reservoir an Ausdrucksmöglichkeiten. Ein wunderbares Rollenporträt!

Rollando Villazón - entweder besser eingesungen oder weniger nervös als am 3.4. - war vom ersten Ton weg sehr gut. Man muss sich lediglich an das sehr baritonal klingende Organ gewöhnen, dann kann man nicht mehr viel aussetzen - ein stimmgewaltiger Nemorino (ich habe aber ständig das Gefühl, dass er etwas zu tief singt, das hängt vermutlich mit der Klangfarbe zusammen). Aber: Rolando Villazón zu hören ist nur die halbe Miete, man muss ihn einfach gesehen haben! Erstens einmal endlich kein kleiner Dicker als jungendlicher Liebhaber. Er besitzt zwar nicht gerade Gardemasse, aber es reicht, dass die zierliche Anna Netrebko wenigstens ein paar Zentimeter zu ihm aufschauen kann. Zweitens ist er ein theatralischer Typ und hat Sinn für Komik, in Summe ein erstklassiger Nemorino, ich habe noch nichts vergleichbares gesehen.



Aus dem eben geschriebenen ergibt sich, dass die Kombination Adina/Nemorino sowohl optisch als auch gesanglich nur schwer zu überbieten ist. Leo Nucci und Ildebrando D'Arcangelo waren ebenfalls sowohl darstellerisch als auch gesanglich sehr erfreulich und zusammen mit dem wunderbaren Chor gab es ein Opernfest (ich wage den zaghaften Einwand, dass die Besetzung Nucci/Dulcamara und D'Arcangelo/Belcore vielleicht sogar noch glücklicher gewesen wäre, aber mich fragt ja keiner ;) ).

Interessant ist der Vergleich mit dem Video aus Lyon. Dort wurde dem Publikum mehr eine Farce präsentiert, also eine Komödie mit Klamauk, wo die Geschichte quasi nebenher mitlief. Hier in der alten Schenk-Inszenierung wurde die Geschichte sehr ernst genommen. Man wurde zwar keine Minute im Zweifel darüber gelassen, dass es eine Komödie ist - es ging sehr lustig zu auf der Bühne - aber da waren einige Figuren in eine dramatische Handlung eingebunden, die ihre ernsten Momente hatte und sich glücklicherweise in Wohlgefallen auflöste. Mit etwas Pech hätte die Geschichte auch einen durchaus tragischen Verlauf nehmen können. Während die Variante aus Lyon durchaus legitim ist, zeigt es sich auch, dass die gute alte Variante mit sinnvoller Handlung im passenden Ambiente die gehaltvollere ist.

Die TV-Regie muss als geglückt bezeichnet werden. Erstaunlich war dabei das Mass an Detailarbeit, das von den Hauptdarstellern gezeigt wurde. Mit Ausnahme von Nucci waren alle Akteure neu in der Inszenierung, und es muss für WSO-Verhältnisse ungewöhnlich viel für diese beiden Aufführungen geprobt worden sein, dass dieses Ergebnis erzielt werden konnte. Die TV-Wiedergabe lüftete auch das Rätsel um den unerwarteten Szenen-Applaus, den es in der Szene Adina-Nemorino im 1. Akt gab: Villazón hatte als Nemorino das "Liebeselixier" getrunken und Adina zu verstehen gegeben, dass er sich auch Alternativen vorstellen könne. Während des Singens(!) hat er dabei mit drei Äpfeln jongliert - so etwas habe ich noch nicht gesehen und das Publikum war hingerissen! Ein weiteres Novum im 2. Akt, Villazón wiederholte seine große Arie! So etwas hört man aus vergangenen Zeiten, aber ich habe es noch nie erlebt.

Abschließend kann ich nur hoffen, dass diese Aufzeichnung nicht in den Archiven des ORF verschwindet. Sie würde sich eine Veröffentlichung wirklich verdienen.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

ThomasBernhard

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12

Dienstag, 17. Mai 2005, 00:15

Überraschung in Koblenz!

Ich durfte heute nacht eine Aufführung (halbszenisch) von Wagners PARSIFAL im Stadttheater KOBLENZ geniessen.

Alle Erwartungen wurden übertroffen, meine Hochachtung nach Koblenz und mein Jubel dafür, daß man auch an so vielen kleinen Häusern in kleinen Städten noch sehr hohe Qualität bekommen kann.

Gruß, Markus
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Michael_Flaschberger

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13

Dienstag, 31. Mai 2005, 20:06

Sonntag hatte ich die Freude das die Probe für Klosterneuburg früher endete als geplant und so hatte ich die Möglichkeit mir die "Verkaufte Braut" in der Wiener Volksoper anzusehen. Meine Eindrücke:

Inszenierung: Es spielt in einer tschechischen ( im wahrsten Sinne des Wortes ) Mehrzweck-Turnhalle. Ich finde den Einfall nicht schlecht da dieser Raum wirklich alles offenlässt was man sich als Regisseur wahrscheinlich wünschen kann und darin eine ziemlich "normale" Interpretation des Stückes stattfindet. Die Porno-Gummipuppe und -Hefte währen zwar nicht unbedingt notwendig, trugen aber eher zur Belustigung als zur Erschütterung des ( übermäßig älteren [ nonanet --> Sonntag Nachmittag ]) Publikums bei und wirkte damit so, wie es wahrscheinlich auch sollte: nämlich Lächerlich. Im 2ten Akt war der Blickfang natürlich der Zirkus der, mir persönlich, nur ein bisschen zu sehr vom, für mich, neben der Ouvertüre bestem Orchesterstück der Oper ablenkte, nichtsdestotrotz sehr unterhaltsam.
Ich kann nciht ganz verstehen weshalb einige Kritiker sich über die Tanzeinlagen aufregten, ich finde das der Chor dies, dafür das nicht ihr Metier ist, ausgezeichnet gemeistert hat.

Solisten: Von Asa Elmgren's "Marie" war ich anfangs nicht unbedingt begeistert, den ganzen ersten Akt quälte sie sich in die Höhen und forcierte unangenehm an den Spitzentönen, aber ihre Arie hat mich vom Hocker gerissen, es war schon lange her das mir jemand in der Oper Tränen entlockt habe, aber in dieser Arie konnte ich mir nicht alle verkneifen.
Michael König's "Hans" ist wuchtig und raumfüllen, ein wenig zu dominant vielleicht, aber er meistert diese unangenehme Rolle mit Bravour.
Bjarni Thor Kristinsson hat mich als "Kezal" nicht unbedingt überzeugt, er spielt zwar sehr gut, hat eine ausgezeichnete Aussprache aber sein Volumen lässt zu wünschen übrig, man hat ihn nur selten klar über das Orchester hinaus gehört.

Marc Piollet spornt das Volksopern-Orchester wirklich zu Hochleistungen an, bringt nicht unbedingt "neues" aus der Partitur heraus, schafft es aber Orchester und Chor zusammenzuhalten und ausgezeichnet musizieren zu lassen.

Alles in allem das Prädikat: Empfehlenswert

Pius

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14

Montag, 13. Juni 2005, 20:53

Verdi: Macbeth in Frankfurt

Hallo!
Gestern war ich in Frankfurt in der Oper. Zu hören gab es Macbeth von Verdi. Was es zu sehen gab, ist nicht so schnell beschrieben. Markus (alias Thomas Bernhard) hatte mich schon mal "vorgewarnt" (ihm hat es offensichtlich Spaß gemacht), das will ich natürlich nicht vorenthalten:

Zitat

Nun, unser guter Alfred hätte wahrscheinlich gekotzt anlässlich der frankfurter Macbeth-Inszenierung, aber mir hat sie durchaus gefallen. Der Regisseur Bieito macht halt alles "kaputt" - aber das bewunderswert konsequent. Übrigens gab es weniger sex und Gewalt auf der Bühne, als ich werwartet hatte. Bühnenbild ist spärlich aber dafür um so bunter und mit Videowänden und börsenkursanzaeigen bestückt. Es ist eine Inszenierung gegen das "Topmanagertum" - und daß die über Leichen gehen, wird ja wohl niemand bestreiten wollen. Die "Hexen" sind ganz normale Büroschixen, der König eben der Chef der "Union Bank".
Die ermordung des Königs gerät allerdings leider zur lachnummer. der sterbende könig wird noch von Lady macbeth vergewaltigt und letztlich spritz dann drei meter hoch das Blut. Ich musste dabei aber laut lachen. Dem Stück wurde so jeglicher Ernst und jegliche Erhabenheit ausgetrieben. Warum? naja, finde ich schon konsequent. denn am schluss kommt es am schönsten: der Chor singt: Hurra, lieber macduff, vielen dank, du hast uns von dem bösen macbeth befreit, du hast das Vaterland gerettet, jetzt wird alles friede freude eierkuchen. - soweit der Chor. Auf der Videowand kann man schafe sehen, und das schriftband zeigt in roten bchstaben: määäääh, määäääh, määäääh, määäääääh.... - also der Kommentar: man seid ihr doof da auf der Bühne, Wenn man im Raubtierkapitalismus das Personal auswechselt, dann ändert das noch lange nichts. fand ich super. denn was ist von einem könig zu erwarten, der durch einen mord auf seinen Thron gelangt... -

Verdis Musik ist aber auch zu schön, um da die schreckliche Handlung mit vollem Pathos zu inszenieren.

Musikalisch natürlich suuuuper. Carignani super wie immer, und Lucuc als Macbeth eine Wucht, er singt ja demnächst an der MET! auch die Lady und alle anderen Rollen waren gut besetzt.

Meine vorigen Ausführungen darfst Du gerne als Thread weiterverwerten.


Nun zu meiner Meinung:
Grundsätzlich erwarte ich in der Oper Macbeth nicht eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Shakespeares zeitlosem Werk und schauspielerische Höchstleistungen, das ist wenn überhaupt bei einer Theateraufführung zu erwarten. Im Schauspielhaus hätte ich auch nach nicht allzu langer Zeit bei einer derartigen Bühnen-Darbietung die Vorstellung verlassen. Als leidenschaftlicher Shakespeare-Fan würde ich mir als Zuschauer "vera****t" vorkommen. Nun war ich aber in der Oper, und die musikalische Darbietung war sehr gut und absolut hörenswert. Da ich das Verdi-Werk vorher nicht kannte, habe ich mich daher gefreut, es so kennenzulernen.
Also: Augen zu und die Musik genießen.... wenn da diese Schaulust und Sensationsgier nicht wäre...
Zunächst mal fand ich die Intention dieser Inszenierung unangebracht. Diese einseitige, tendentiöse Kapitalismuskritik kann ich überhaupt nicht teilen (vielleicht bin ich da als halber BWLer auch nicht ganz objektiv), und vor allem gehört sie nicht in die Oper. Wenn hier schon Werteverlust angeprangert wird, dann sollte man sich aber auch vielleicht Gedanken machen, daß bei einer solchen Macbeth-Inszenierung eventuell kulturelle Werte hops gehen. Außerdem wäre es auch eine Überlegung wert gewesen, ob nicht der herrschende Kapitalismus und der immer stärker werdende Drang zur Sensations-Aufmache und zum Skandal korrelierte Phänomene sind.
Zurück zur Aufführung: Macbeth auf der Sahnetorte statt auf dem Thron, Macbeth im Eros-Center Frankfurt statt in einem dumpfigen Schloß in der schottischen Einöde... wem´s gefällt!
Das kulturelle Niveau, auf das sich hier besonnen wurde, ist sicher nicht bei Shakespeare zu suchen, eher bei Hollywood, "Wall Street" und "Basic Instinct" fallen mir sofort anhand des Gesehenen ein.
Na ja, ich fand es nach einiger Zeit auch irgendwie lustig und habe die Aufführung als Parodie ihrer selbst gesehen. Es gab am Schluß viel Applaus, auch von mir - nicht nur die musikalische Darbietung, auch die Kreativität der Regie war dann doch applauswürdig, auch wenn die Frucht dieser Kreativität mir nicht behagte. Einige engargierte Buhs und Pfiffe gabs dann aber vereinzelt doch, allerdings nicht von mir.
Ich frage mich nur, was das hyperaktive Kind, das neben mir saß, jetzt über die Oper und Verdi und Shakespeare denkt... egal!
Viele Grüße,
Pius.

ThomasBernhard

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15

Montag, 13. Juni 2005, 22:30

RE: Verdi: Macbeth in Frankfurt

Oh, tut mir leid, hoffentlich hat das hyperaktive Kind nicht zu sehr gestört. Habe nichts gegen Kinder und Kultur, nur wurde so mein letzter Abend mit Alfred Brendel sehr beeinträchtigt.

Noch eine Anmerkung: der oben zitierte Text war eine mail an Pius, ich hatte sie ja zur Veröffentlichung "freigegeben", war aber wohl beim verfassen nicht mehr ganz nüchtern.

Wer die Oper Frankfurt von seiner besten Seite kennenlernen will, der möge sich in den nächsten Wochen in die beeindruckende Tristan-Vorstellung begeben. (Regie: Christoph Nel; Dirigent: Paolo Carignani)

p.s.: muß mich selbst korrigieren: Der Sänger des Macbeth heißt Zeljko Lucic, von ihm wird man hoffentlich in den nächsten Jahren auf internationaler Ebene hören.
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Michael_Flaschberger

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16

Montag, 11. Juli 2005, 18:43

Meine "Kurznotiz" über die gestrige Premiere der operklosterneuburg. Aufgrund dessen das ich ja selbst dabei mitwirke bin ich natürlich nicht ganz frei von subjektivität, man möge mir dies nachsehen.

Gegeben wurde "L'Italiana in Algeri" von Gioacchino Rossini:

Die Inszenierung von Matthias Lutz ist, wie es sich für ein Sommertheater gehört ( :angry: ), relativ anspruchslos und auf "leichte Unterhaltung" hingetrimmt. Er versucht, gemeinsam mit der Choreografin Monica Ivona Rusu, die Handlung möglichst "logisch" zu erzählen, aufgrund dessen das in dieser Oper in vielen Szenen die "Logik" aber einfach nicht vorhanden ist versucht er diese Stellen durch Tanz-Einlagen ins "Absurde" abzuleiten was z.B. im 1.Finale auch vorzüglich gelingt, leider wird es leicht übertrieben, z.B. im Quintett im 2.Akt wäre die Tanzeinlage in der Stretta nun wirklich nicht notwendig gewesen, aber immerhin sieht man dann die hübschen Ballett-Girls öfter auf der Bühne :stumm:. Gestern kam ( aufgrund des Regens ab der Pause ) auch die 2. Spielstätte der operklosterneuburg zu ihrem Nutzen: die Babenberger-Halle. Es ist zwar unvergleichlich kleiner als im Stiftshof, aber aufgrund des simplen Bühnenbilds ( 5 Drehbare Wände aus denen die unterschiedlichen Räumlichkeiten gebildet werden ) ist dies Inszenierung auch im Ausweichort gut spielbar.

Zu den Sängern:

Isabella - Stella Grigorian: Ich hab sie bereits in Klagenfurt erlebt wo sie diese Rolle schon letzte Saison verkörpert hat. Sie verkörpert diese Rolle wahrlich sowohl mit ihrer Stimme als auch mit ihrem Spiel. Nicht umsonst bekam sie gestern und auch bei der Generalprobe den meisten Applaus.

Lindoro - Hans-Jürg Rickenbacher: Für mich leider der Schwachpunkt im Ensemble. Wobei diese Rolle, genauso wie alle anderen Rossini-Tenor Partien einfach enorm schwer ist und man wahrscheinlich für das Geld das in Klosterneuburg bezahlt wird einfach keinen besseren bekommt. Er klingt ab dem e' ( und eigentlich befindet sich die ganze Partie über diesem Ton ) enorm überanstrengt. Er versucht zwar sein bestes, ist ein netter Kerl, aber ich glaube er sollte sich vielleicht doch ein anderes Fach suchen.

Mustafà - Marc-Olivier Oetterli: Eine wunderschöne Stimme, tolle Bühnenpräsenz, was ihm fehlt ist ein bisschen die Genauigkeit in den Koloraturen, er "verschluckt" einfach zu viele.

Taddeo - Matthias Helm: Ein lustiger Kerl, passt auch perfekt zur Rolle, hat auch die nötige Stimme und Technik dazu und gibt einen Ideal-Taddeo ab.

Elvira - Judith Halász ; Zulma - Alice Rath ; Haly - Melih Tepretmez
Alle 3 passend für ihre Rollen, gibts nichts zu beanstanden.

Orchester und Chor der Sinfonietta Baden, Andrés Orozco-Estrada
Die Hörner gicksen das es nur so eine Freude ist, aber ansonsten ist die Sinfonietta Baden im Vergleich zu den letzten Jahren ( unter Thomas Rösner ) kaum noch wiederzuerkennen, endlich wird musiziert, man erkennt Details, nicht zuletzt ein Verdienst des neuen Dirigenten.
Zum Chor: Ich bin dabei, also muss er einfach spitze sein :D. Nein im Ernst: Nicht immer ganz homogen, was bei einer zusammengewürfelten Truppe von 18 Herren ja auch nichts unbedingt überraschendes ist, aber wir können uns hören und ( bei unseren Tanzeinlagen ) auch sehen lassen.

Eine ziemlich lange Kurznotiz, oder?? :hello:

LG aus Wien

17

Montag, 11. Juli 2005, 22:52

Sinfonietta Baden

warum hat der Rösner aufgehört - das war doch sein gegründetes Orchester?

weißt du näheres?

Wolfgang
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

Michael_Flaschberger

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18

Montag, 11. Juli 2005, 23:18

RE: Sinfonietta Baden

Zitat

Original von tastenwolf
warum hat der Rösner aufgehört - das war doch sein gegründetes Orchester?

weißt du näheres?

Wolfgang


Ich weiss zwar nicht wie, aber er ist Chefdirigent vom Bieler Symphonieorchester geworden und hat jetzt "besseres" zu tun ( worüber der Großteil der Mitwirkenden in Klosterneuburg nicht unglücklich ist :stumm: ).

ThomasBernhard

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Freitag, 15. Juli 2005, 01:23

Schostakowitsch in Wiesbaden

Hallo

Ich hatte gerade einen vergnüglichen Opernabend im Staatstheater Wiesbaden. Es gab Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" gesungen in deutsch. Übersetzung von Morgener/Schoenbohm. Erstfassung von 1934. Die Inszenierung von Manfred Beilharz ist schlicht aber intelligent und bisweilen sehr humorvoll. So lässt er zum beispiel gelegentlich 15 Blechbläser in Uniform auf die Bühne trappeln und frontal ins Publikum blasen, was tatsächlich dazu führt, daß sich die feinen älteren Herrschaften in Wiesbaden die Ohren zuhalten ;-) - nein, wie ich das Wiesbadener Stammpublikum liebe.... die meinen dort, daß die Orchesterzwischenspiele dazu da sind, daß man sich mit seinem Nachbarn unterhält.... Furchtbare Stadt, gottlob hab ich da nicht meinen festen Wohnsitz, aber die Oper - Marke Stuckkasten - hat schon gelegentlich was zu bieten. Also die Lady Macbeth war jedenfalls sehens- und hörenswert! Sei jedem empfohlen für die Wiederaufnahme in der nächsten Spielzeit. Milana Butaeva hat eine sängerisch wie darstellerisch vorzügliche Katerina abgegeben.

Diese Oper ist schon ein Hit, diese Parallelität von Posse und Ernsthaftigkeit einmalig. Unvergesslich, was der Pope am Totenbett von Boris für eine heitere musikalische Revueshow über die Vergänglichkeit des Lebens abzieht...

Ich besitze die Oper schon seit langem auf CD - einen Zugang zu ihr fand ich jetzt erst, als ich sie auf der Bühne sah.

Die Oper ist übrigens auch recht aufschlussreich in Bezug auf die Sinfonien Schostakowitschs - vieles kommt einem da schon bekannt vor.

Gruß, Markus
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Freitag, 15. Juli 2005, 04:23

Lieber Markus,

vielen Dank für die wunderbare Kurzkritik zur Wiesbadener 'Lady Macbeth'-Aufführung! :jubel:
Ganz sicher werde ich eine der nächsten Aufführungen besuchen! Gerade die Stellen mit den grellen Blechbläsern liebe ich ganz besonders! Werde ich deshalb in dieser Aufführung absolut lustvoll genießen! :]

Herzliche Grüße
Johannes

ThomasBernhard

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Freitag, 15. Juli 2005, 09:42

Hallo Johannes,

Da wirst Du dich etwas gedulden müssen, war gestern die letzte Vorstellung. Wird aber nächste Speilzeit irgendwann wieder aufgenommen.
Hast Du in Darmstadt die "Ariadne auf Naxos" gesehen? Lohnende Inszenierung? Die Ariadne kommt ja dann nächste Spielzeit als Austausch nach Wiesbaden.

Gruß, Markus
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Freitag, 15. Juli 2005, 13:24

Hallo Markus,

nee! Die 'Ariadne' hab' ich nicht gesehn. Wie Du weißt, liebe ich Strauss zwar heiß und innig, jedoch ist diese Kammeroper nicht so ganz nach meinem Geschmack. Da muß ich schon einen besonders guten Tag erwischen.
Aber, wie gesagt, die 'Lady' würde mich mal wieder reizen zu hören. Na ja, muß ich mich erstmal mit der Oper aus der Konserve begnügen (immerhin Rostropovich).

Grüße
Johannes

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Samstag, 24. September 2005, 15:53

Otello

Hallo,

"Otello" von Verdi wird seit September in Münster aufgeführt, heute abend ist Premiere in Aachen. War evtl. schon jemand dort bzw. fährt hin und kann ein paar Eindrücke mitteilen? Der "Otello" gehört zu den Stücken die mich am meisten faszinieren. Aachen ist daher mindestens fest eingeplant.

Grüße, Sophia

S.Kirch

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Sonntag, 2. Oktober 2005, 13:46

"Fidelio" in Bonn

Ich hau`s mal gleich in die Tasten...

Wenn ich ihn kennen würde könnte ich vielleicht sagen, Krämer wird ein rechter Eigenbrötler. Den Eindruck machen jedenfalls zunehmend seine Arbeiten. Seine letzte Inszenierung in Köln, der "Celan" von Ruzicka, war einfach schrecklich. Krämer hatte so eine Art "Betroffenheitstheater" auf die Bühne gehieft, der Celan war mit einem jüngeren und einem älteren Sänger doppelt besetzt, die Bühne schwarz und abweisend, viel Spiel hinter einem Gazeschleier. Und beim Schlußapplaus stand Krämer abweisend auf der Bühne und sah strafend in die Publikum das man bei so einem ernsten Thema Tribut - also Beifall - zollt. Da fragt man sich doch, wieso hat er dann die Arbeit ausgeführt...., es ist ja anzunehmen daß er dafür auch bezahlt wurde. Bei der Einführungsmatinee zum Celan sprach er u.a. über den "Fidelio". Daß das Publikum die schöne Musik während des Gefangenenchores so liebe und das sich Kettengerassel dabei so schlecht machen würde. Nun ja, ganz so böse kam es dann gestern nicht.

Was kenne ich von ihm: im Parsifal wurde die Kundry doppelt besetzt (Sängerin und Schauspielerin), in der Turandot das Spiel hinter den Masken, Nonos` Intolleranza, Hindmiths` Trypthichon, seine Traviatas` in Köln und München, alles großartige aufführungen. Aber der Fidelio in Bonn schlägt dem Faß doch irgendwie den Boden aus... Weder kann ich sagen miserabel noch wunderbar, einfach vollkommen ratlos.

Ich hatte schlichtweg den Eindruck, Krämer hat total vergessen, Personenregie zu führen. Entweder kamen augenscheinlich spontan überzogene Reaktionen oder hilfloses Rumgestehe - bis auf eine Ausnahme im 2. Akt. Grundsätzlich anders die Führung von Fidelio und Leonore - diese Rolle ist zweifach besetzt.

Zu Beginn, noch bevor die Ouvertüre beginnt sieht man durch einen Gazeschleier eine Festgesellschaft, mittendrin tanzt ein Brautpaar. Der Mann wird verletzt, die Frau misshandelt. Vorhang, die Ouvertüre beginnt. In Bonn spielt man die 3. Leonoren-Ouvertüre, ziemlich zu Beginn (das Stück kannte ich nicht) hört man die Melodie des Florestan `in des Lebens Frühlingstagen` und durch die vorhergehenden Bilder bekommt man eine Ahnung welches Glück da gemeint war. Das ist so typisch genialer Krämer...

Leonore wird nicht wahrgenommen, erst im 2. Akt, wenn sie schreit `töt erst sein Weib´ wird erkannt, daß da eine Frau auf der Bühne steht. Bis dahin klammert sich alles an den (hervorragenden!) Schauspieler Fidelio: Marzelline, Jacquino, Rocco, Florestan und auch Leonore. Die Teilung der Figur erklärt das Programmheft so, daß Fidelio vom Opfer zum Täter wird, indem er in die Gefängniswelt eintritt, sozusagen zum Verbündeten von Pizarro wird. Leonore ist außen vor, sie ist zum singen auf der Bühne, kauert im wesentlichen aber vorne an der Rampe. (Die Sängerin hatte stimmlich zwar Probleme über den Graben zu kommen, gefiel mir vom Ausdruck jedoch sehr gut.) Sonst ist mir auch keine Frau aufgefallen, die wahrgenommen wird, außer als Bedienstete. Die Handlung der Frauen besteht im wesentlichen darin, Suppenterrinen auf die Bühne zu tragen, den Männern das Essen zu servieren und deren Schmuck darzustellen (Schlußbild). So ist es wahrscheinlich eindeutig - oder soll es sein - daß Leonore (Fidelio ist da tot - erstochen von Pizarro in der Kerkerszene) bei der Befreiung "oh gott oh welch ein Augenblick" Marzelline in den Arm nimmt. Alles klar... ?(

Der arme Pizarro streckt immer die Arme nach oben und macht das "V"ictory-Zeichen wenn ihm sonst gerade nichts einfällt. Die anderen stehen einfach rum und gucken schonmal ein bißchen wütend. Zum kongenialen Einfall wird die Befreiung in der Kerkerszene: es herrscht keine Kontrolle mehr - Pizarro wird zwar die Waffe aus der Hand geschlagen, der vergreift sich wiederum an Leonore, Fidelio stirbt und Pizarro will sich auf Florestan stürzen. Das alles in Sekundenbruchteilen...

Warum das Publikum dermaßen gegen die Texte von Roth protestierte bleibt mir schleierhaft. Leider war nicht allzuviel wegen der zahlreichen Störungen zu verstehen :motz:. Da fragt man sich schon ein bißchen, was sie Leute suchen - die Vorstellung war ausverkauft trotz des angeblichen Skandals vor dem vor Tagen in der Presse zu lesen war. Das Programmheft hat u.a. einen lesenswerten Beitrag von Ferruccio Bussoni "Was gab uns Beethoven?". Darin heißt es: "Früher begrüßte der Zuhörer die Veranstaltungen zu einer Musikaufführung mit dem Lächeln angenehmer Erwartung; jetzt setzt man sich mit geschlossenen Augen und hoffnungslosem Ernst zum Lauschen hin." Mag schon sein, ich werde lächelnd versuchen, eine Karte für eine weitere Vorstellung zu bekommen ;)

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ThomasBernhard

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Donnerstag, 20. Oktober 2005, 00:36

Maskenball

Nein, nein, nein, man hat schon seine Last....

Habe heute - zum ersten mal live zwar - aber doch zum zu vielten male Verdis Maskenball gesehen. Sänger und Inszenierung waren gut, aber doch hatte ich nicht recht Spaß an der Sache. Der Maskenball ist zwar eine wirklich "schöne" Oper, aber eben doch nur der alte Verdibaukasten, nicht wahr?

Aber das eigentliche Problem saß neben mir: eine Operndarsteller vergötternde Hysterikerin, die nach jedem bisschen Arie mit ohrenbetäubendem Applaus daherdonnerte, obwohl sonst niemand im Haus so recht mitklatschen wollte... Am Ende hat sie dann unter Beweis gestellt, wie gut sie "italienisch" kann, da sie nicht nur "BRAVO" beherrschte sondern natürlich auch - je nach gegebener Konstellation -BRAVA und BRAVI. Naja, Spezialistentum nervt. Und ich werde so schnell nicht wieder so laut klatschen, wie ich kann, da mir von der Dame noch der Schädel brummt.
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Pius

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26

Montag, 24. Oktober 2005, 10:49

RE: Maskenball

Hallo, Markus!

Gestern habe ich auch besagte Aufführung erlebt. Musikalisch war das wirklich schön, der Verdi-Baukasten bereitet mir noch keine Langeweile, wirklich mitreißend finde ich ihn aber auch nicht. In der Pause hatte ich noch gemischte Gefühle, aber zum Ende hin wuchs meine Freude an dieser Aufführung.
Vom Bühnenbild war ich erst mal an jene schreckliche Macbeth-Inszenierung erinnert, es war aber längst nicht so schlimm und irgendwie passend. Dennoch würde ich lieber historisch passende Bühnenbilder sehen. Die letzte Szene allerdings war mir dann schon wieder zu übertrieben historisch - ich weiß, mir kann man es nicht recht machen...
Verdis "Maskenball" als Paraphrase auf interne Parteienstreitereien unserer politischen Landschaft also.
Mir reichts jetzt erst mal zum Thema Oper, vielleicht gehe ich nächstes Jahr mal in "Death in Venice" von Britten, obwohl ich schon ahne, dort eine Inszenierung zum Thema Vogelgrippe sehen zu müssen...

Viele Grüße,
Pius.

Theophilus

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27

Montag, 24. Oktober 2005, 11:10

Zitat

Der Maskenball ist zwar eine wirklich "schöne" Oper, aber eben doch nur der alte Verdibaukasten, nicht wahr?

Wenn man das so empfindet, sind irgendwelche Lobpreisungen wahrscheinlich ohnehin vergebene Liebesmüh.
Aber man sollte nicht vergessen, dass hier eines der schönsten Liebesduette der Opernliteratur vorkommt, dass bei zwei guten Sängern allein den Abend rechtfertigt. Und die Szene, in der Amelia das Los ziehen und damit selbst den Mörder ihres (vermeintlichen) Liebhabers bestimmen muss, ist dramaturgisch ebenfalls einer der Gipfel der Opernliteratur. Verdi at his best!

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Austria

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28

Sonntag, 30. Oktober 2005, 20:41

Gestern: Sophie's choice von Nicholas Maw (mein erster Besuch in der Wiener Volksoper - angenehme Fauteuils im Gegensatz zu Staatsoper, Musikverein, Konzerthaus, Kammeroper, ...)

Ich fürcht' mich ja immer vor allem, was nach Schönberg kommt, war aber angenehm überrascht. Die Musik melodiös, ohne kreischende Dissonanzen, ein bissl an Britten erinnernd, großes Orchester.

Und völlig der Handlung unterordnet - die ja nun an Dramatik nicht zu überbieten ist. Was für ein Leben, auf das Sophie da zurückblickt. Da kann man eigentlich wirklich nur mehr Zyankali nehmen....

Ob es aber ein Opernstoff ist? Vielleicht liegt es auch daran, daß ich so ziemlich alles, was es an Büchern, Biographien, Dokumentationen über Hitler, die Nazizeit, den Holocaust, den 2. Weltkrieg gelesen habe - irgendwie scheint mir eine musikalische Aufarbeitung dieses Themas obszön.

Angelika Kirchschlager hat sowohl gesanglich als auch darstellerisch eine beeindruckende Leistung geboten.

Austria

PS: Vielleicht noch als Nachtrag die Inhaltsangabe (aus: "der Merker", Manuela MIEBACH):
"Sophie's Choice" erzählt die Geschichte der Polin Sophie, die sich im KZ Auschwitz entscheiden muß, welches ihrer beiden Kinder sie opfert, um ihre Ausreise in die USA zu gewährt zu bekommen. Diese so rührende Geschichte wurde bereits in den 1980er Jahren mit Meryl Streep in der Titelrolle verfilmt. Die nichtjüdische Polin Sophie, die wegen Fleischschmuggel in Warschau festgenommen wurde, erinnert sich an ihr Leben in Auschwitz, wo sie als Schreibkraft von Rudolf Höss sozusagen zur Komplizin wird. Sie, die verfolgt ist von traumatischen Erlebnissen, versucht in New York ein neues Leben zu beginnen. Wo sie dem jungen Stingo, einem Südstaatler, der als Romanschriftsteller sein Leben fristet, ihre Vergangenheit anvertraut und über die Schrecken des nationalsozialistischen Terrorsystems erzählt, in das sie involviert war. In Nathan, ihrer großen Liebe, findet sie einen Mann, der nicht aufhört, sie in brutalster Weise mit ihrem Versagen zu konfrontieren. In ihrer Verzweiflung flieht sie mit Stingo, der mit ihr ein gemeinsames Leben auf der Farm seines Vaters verbringen möchte. Doch ihre Liebe zu Nathan ist stärker, und so beschließt sie zu Nathan zurückzukehren, um auch mit ihm am Ende gemeinsam zu sterben.
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Austria« (30. Oktober 2005, 21:10)


  • »Johannes Roehl« ist männlich

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29

Sonntag, 30. Oktober 2005, 22:01

Ich kenne die Oper von Maw nicht, aber vielleicht sollte man ergänzen, dass "Sophie's Choice" ursprünglich ein Roman von William Styron ist (und es auch einen Film gibt). Ich weiß nicht, ob die Erzählung letztlich auf Fakten beruht, glaube es aber eigentlich nicht.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Austria

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30

Montag, 31. Oktober 2005, 08:03

Guten Morgen Johannes,

Ja, danke für die Ergänzung. Laut Programmheft lebte Styron 1948 in Brooklyn, im selben Haus wie eine Polin, die Auschwitz überlebt hatte. Sophie's persönliche Geschichte dürfte Fiktion sein - was aber nicht heißt, daß es nicht genau so hätte passieren können bzw. sehr oft genau so passiert ist.

LG
Austria
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