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Herbert Henn

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1

Dienstag, 15. Mai 2007, 15:36

Lawrence Tibbett - vom Sheriffssohn zum "Met-Star"

Hallo, Liehaber großer Sänger der Schellack-Ära,

am 2.Januar 1925 hob sich an der "Met" der Vorhang zu Verdis Falstaff.
Die Titelpartie sang der berühmte Bariton Antonio Scotti. Er war der
Bühnenpartner und Freund Carusos gewesen.Die Rolle des Fenton
sang B.Gigli. Den Ford sang ein 29jähriger Anfänger. Im 2.Akt, nach
seinem Monolog über die Eifersucht bereitete ihm das Publikum
langanhaltende, stürmische Ovationen.Ein neuer "Met-Star" war geboren.
Der Nachwuchssänger hieß Lawrence Tibbett. Er war in Bakersfield
(Kalifornien) am 16.11.1896 geboren.Sein Vater war Sheriff und wurde
bei der Verfolgung einer Gangsterbande erschossen.
Tibbett diente im 1.Weltkrieg bei der US-Navy. Nach dem Krieg
ließ er seine Stimme zunächst durch Basil Ruydael in Los Angeles und
später durch Frank La Forge in New York ausbilden. 1923 wurde er
an die Metropolitan Oper verpflichtet, wo er in vielen kleineren
Rollen auftrat. 1925 erfolgte der Durchbruch in jener denkwürdigen Falstaff-Aufführung.Danach sang er alle großen Baritonrollen des italienischen und französischen Fachs, aber auch der
Wolfram im Tannhäuser zählte zu senem Repertoire.1925 wirkte er in
der ammerikanischen Erstaufführung von Ravels "L'Heure espagnole"mit.
Im selben Jahr wurde er als Boris Godunow gefeiert.1932 hatte er einen
großen Erfolg als Simone Boccanegra.Bis 1950 blieb er Mitglied der"Met",
an der er in 27 Spielzeiten 50 verschiedene Partien in 396 Vorstellungen
sang.Seine Stimme war ein großer dunkel timbrierter, ausdrucksstarker
Bariton. Er war ein hervorragender Darsteller, was ihm auch die Tore
Zu Film und Musical öffnete.In seinen späten Lebensjahren verfiel er
immer mehr dem Alkohol.Am 15.7.1960 starb er nach einem häuslichen
Unfall, bei dem er einen Schädelbruch erlitt.Sein Nachfolger an der "Met"
wurde Leonard Warren.
Tibbett war einer der ersten großen amerikanischen Sänger der"Met".
Seine Ganzrollen waren: Rigoletto, Germont, Boccanegra, Jago, Tonio,
Bösewichter in Hoffmanns Erzählungen, Escamillo, aber eigentlich wurde
jede Rolle die er sang eine Glanzrolle.




Die CD enthält viele Glanzstücke Tibbetts. Unter anderem, eine
herrliche Aufnahme von "Wotans Abschied"mit Stokowski als Dirigent,
sie ist bei Amazon erhältlich.

Es existieren auch viele Live-Mitschnitte aus der Met.

:hello:Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

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2

Dienstag, 15. Mai 2007, 16:56

Im letzten Jahrhundert haben amerikanische Baritone eigentlich immer zur Weltspitze gehört. Tibbett steht am Anfang dieser Tradition, die zum Beispiel von John Charles Thomas, Leonard Warren, Robert Merrill, Cornell MacNeil und Sherrill Milnes fortgesetzt wurde.

Auch wenn man das bei seinem ziemlich abenteuerlichen Lebenswandel vermuten könnte, war Lawrence Tibbett keineswegs nur ein "Cowboy" mit großer Stimme, sondern ein echter Charakterdarsteller. Ich kenne ihn als einen überragenden Iago, der sowohl durch unangestrengte Beherrschung der stimmlichen Anforderungen als auch durch intellektuelle Bösartigkeit überzeugt. Mich beeindrucken der angenehm dunkle und zugleich warme Celloklang seiner Stimme und die Mühelosigkeit, mit der er auch schwieriges Repertoire meistern konnte. Ab etwa 1940 muss ihm eine Kehlkopferkrankung zu schaffen gemacht haben, die schleichend zu Ermüdung dieser tollen Stimme geführt hat.

Tibbett hat sich auch sehr um amerikanische Musik, also volkstümliche Songs und Musicals verdient gemacht. Gerade in den 50er Jahren trat er oft am Broadway auf.

Herbert Henn

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3

Dienstag, 15. Mai 2007, 19:00

Tibbett

In den 40er Jahren, als Tibbett den Falstaff singen sollte, und Warren

den Ford, bestand er darauf, daß Warren nicht den Ford singen sollte.

Er argumentierte: Ich möchte nicht, daß er mir das antut, was ich

Scotti angetan habe, und John Brownlee sang dann den Ford.

:hello:Herbert.
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Antracis

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4

Freitag, 1. Juni 2007, 09:01

Hallo zusammen,

ich kenne Tibbet bisher "nur" von dieser Aufnahme:



Der Simone ist ja allerdings eine sehr anspruchsvolle Rolle, die schon gute Aussagen über die Qualitäten des Sängers zulässt. Ich muß sagen, Tibbet ist wirklich großartig. Die wundervoll runde Stimme, die die Tessitura sicher meistert, ist die eine Seite. Aber wie facettenreich er damit umgehen kann, die andere. Ein wirklich großer Sängerdarsteller, der den Politiker, den Vater, und den sterbenden Boccanegra eindringlich darstellt. Die Aufnahme ist darüberhinaus insgesamt großartig, aber darüber schreibe ich vielleicht besser was im Boccanegra-Thread.

Gruß
Sascha

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5

Freitag, 1. Juni 2007, 11:20

Ich muß gestehen, daß mir Tibbett wesentlich weniger gut gefällt als viele seiner Kollegen, und ich werde Euch nicht vorenthalten, warum. Mit gefällt seine Stimme durchaus, Tibbett hatte ohne Zweifel großartiges Material. Aber wie er manchmal damit umging... Ich meine folgendes: Tibbett mag zwar in Rollen wie Jago "intellektuelle Bösartigkeit" demonstriert haben, ebenso als Scarpia oder als Michele (Tabarro); und er war ein stimmlich tadelloser Rigoletto. Aber was mir fehlt, ist die Fähigkeit, aus dem ewig noblem Schönklang auszutreten. Mit anderen Worten: Tibbett klingt fast immer schön. Vulgäre Gesten wird man vergeblich suchen, kein Schreien, kein Brüllen, kein wirkliches Aus-sich-heraus-Gehen. Seinen Jago (ich glaube ich habe deren zwei oder drei, immer mit Giovanni Martinelli) finde ich deshalb eher langweilig. Stimmlich tadellos, aber langweilig. Ich ziehe da Tito Gobbi vor, der viel mehr mit der Stimme spielt und sich auch Töne jenseits des Belcanto-Schönklangs erlaubt.
Tibbett ist deshalb als Sängerpersönlichkeit von einer merkwürdigen Diskrepanz charakterisiert, denn er war äußerlich ein wahrhafter singing actor wie es nur wenige gab - aber eben nicht mit der Stimme. Wenn ich mir sein Video als Escamillo anschaue, dann wünsche ich mir, daß er mal so singen würde, wie er spielt.
Er tut dies in einigen wenigen Aufnahmen, die meine Lieblingsaufnahmen von Tibbett sind. Es handelt sich dabei um zwei amerikanische Lieder sowie Schuberts Erlkönig (auf Englisch). Diese Sachen sind, glaube ich, schwer zu bekommen und schon seit langem "Out of print". Ich könnte sie den Tibbett-Fans gerne ins Netz stellen, wenn's denn erlaubt ist. Diese Aufnahmen gehören nämlich zu dem besten, was Tibbet überhaupt je gemacht hat.

:hello:
M.
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GiselherHH

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6

Freitag, 1. Juni 2007, 13:29

Zitat

Original von Mengelberg
Mit anderen Worten: Tibbett klingt fast immer schön. Vulgäre Gesten wird man vergeblich suchen, kein Schreien, kein Brüllen, kein wirkliches Aus-sich-heraus-Gehen. Seinen Jago (ich glaube ich habe deren zwei oder drei, immer mit Giovanni Martinelli) finde ich deshalb eher langweilig. Stimmlich tadellos, aber langweilig. Ich ziehe da Tito Gobbi vor, der viel mehr mit der Stimme spielt und sich auch Töne jenseits des Belcanto-Schönklangs erlaubt.


Da kann ich nur sagen: Gott sei Dank! Gott sei Dank bedient sich Tibbett nicht aus dem Fundus veristischer Unarten und Pseudogefühligkeiten, die nur peinlich sind, sondern interpretiert seine Rollen mit rein musikalischen Mitteln und überdies durchaus sehr fesselnd. Ich persönlich kenne keinen spannenderen Jago als den Tibbets aus dem MET-MItschnitt von 1938. Zwar verzichtet er nicht auf das überflüssige Grand-Guignol-Lachen am Ende des Credo ("Schaut her, ich bin ein Bösewicht!"; eine Unart, die man heutzutage zum Glück nur noch selten in Aufführungen antrifft), aber wie er rein gesanglich die Facetten aus Verstellung, falscher Freundlichkeit, Zynismus, Hohn etc. darzustellen vermag. Im "Era la notte" beachtet er skrupulös Verdis Pianissimo-Vortragsbezeichnungen (im Gegensatz zu Gobbi in der Serafin-Studioaufnahme; Gobbi ist als Jago in seinen frühen Aufnahmen aus den 40ern wesentlich besser). Man merkt richtig, wie er es genießt, Otello emotional wie einen Fisch an der Angel zappeln zu lassen. Andererseits weiß Tibbett auch kräftig aufzutrumpfen, wie im höhnischen "Ecco il leone!" nach dem Zusammenbruch Otellos. Tibbett ist ein wirklich diabolischer Verführer und entspricht damit vollkommen der Rollencharakteristik. Denn wäre er ein grober und tumber bully, wie ihn etwa der unsägliche Aldo Protti in der ersten Karajan-Aufnahme singt, dann würde es ihm nie gelingen, seine Umwelt über seine wahren Absichten zu täuschen und das tödliche Gespinst aus Ahnungen, Unterstellungen und Intrigen zu weben.

:hello:

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

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7

Freitag, 1. Juni 2007, 14:31

Zitat

Original von GiselherHH
Da kann ich nur sagen: Gott sei Dank! Gott sei Dank bedient sich Tibbett nicht aus dem Fundus veristischer Unarten und Pseudogefühligkeiten, die nur peinlich sind, sondern interpretiert seine Rollen mit rein musikalischen Mitteln und überdies durchaus sehr fesselnd.GiselherHH


Ich widerspreche vehement. Denn das, was die Neuerung in Verdis Otello - jetzt einmal auf gesangliche Aspekte bezogen - ausmacht, das ist genau die Abkehr vom Belcanto hin zum Wagnerschen Expressionismus. Das hat mit "veristischen Unarten" nichts zu tun. Wenn man im Otello Belcanto macht, dann hat man daran vorbeigesungen. Ein Blick in die Partitur macht dies klar, Verdis Anweisungen sind unmißverständlich. Bei Tibbett fehlt es mir für diese Rolle ein bißchen an Ausdruck. Und "peinlich" finde ich das, was Du da nennst, auch nicht - nur dann, wenn es schlecht gemacht wird.

:hello:
M.
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Herbert Henn

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8

Freitag, 1. Juni 2007, 14:44

Hallo Mengelberg,
ich möchte auch ein kräftiges Veto einlegen.
Tibbett war ein ganz hervorragender Stimmschauspieler,
was besonders bei den Live-Mitschnitten aus der "Met"zum tragen kommt.Man höre nur seinen Rigoletto, Germont, Jago, oder
Simone Boccanegro. Dazu kommen die "Bösewichte"im Hoffmann,
der Tonio, oder der Scarpia. In mehreren Uraufführungen sang er Rollen, die für ihn komponiert waren. Vor allen in"Emperor Jones"von Gruenberg errang er einen großen Erfolg, der nur auf sein darstellerischen Können und auf seine stimmschauspielerische Suggestionskraft zurückzuführen war.Ich glaube, nach Tibbett verschwand das Werk in der Versenkung.

:hello:Herbert.
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Siegfried

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9

Freitag, 1. Juni 2007, 15:01

RE: Lawrence Tibbett-Vom Sheriffssohn zum "Met-Star"

Hallo Herbert,

in welcher Sprache sang Tibbett den Wotan und den Wolfram? :hello:
Freundliche Grüße Siegfried

Herbert Henn

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10

Freitag, 1. Juni 2007, 15:54

RE: Lawrence Tibbett-Vom Sheriffssohn zum "Met-Star"

Hallo Siegfried,
auf der oben von mir erwähnten CD singt er den "Abendstern"und "Wotans Abschied" in hervorragendem deutsch. Auf der Gesamtaufnahme des "Tannhäuser" aus der "Met" (1936) wirken K.Flagstad, L.Melchior und E.List mit.Deswegen denke ich mir, daß die auch in deutsch gesungen ist.

:hello:Herbert.
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11

Freitag, 1. Juni 2007, 21:15

Zitat

Original von Herbert Henn
Hallo Mengelberg,
ich möchte auch ein kräftiges Veto einlegen.
Tibbett war ein ganz hervorragender Stimmschauspieler,
was besonders bei den Live-Mitschnitten aus der "Met"zum tragen kommt.Man höre nur seinen Rigoletto, Germont, Jago, oder
Simone Boccanegro. Dazu kommen die "Bösewichte"im Hoffmann,
der Tonio, oder der Scarpia. In mehreren Uraufführungen sang er Rollen, die für ihn komponiert waren. Vor allen in"Emperor Jones"von Gruenberg errang er einen großen Erfolg, der nur auf sein darstellerischen Können und auf seine stimmschauspielerische Suggestionskraft zurückzuführen war.Ich glaube, nach Tibbett verschwand das Werk in der Versenkung.

:hello:Herbert.


Hallo Herbert,

ich habe ja nichts gegen das, was Du sagst. Gewiß hat Tibbett mit der Stimme viel ausdrücken können, und natürlich hatte er viele Qualitäten, die andere Kollegen nicht hatten. Sonst hätte man für ihn wohl keine Rollen geschrieben.
Nur: Mir gefällt sein Ausdruck nicht, weil er mir permanent zu nobel daherkommt. Das ist eine ähnliche Kritik, die Fischer mal gegenüber Franz Völker geäußert hat - nicht, daß Fischer etwas gegen Völkers Stimme gehabt hätte - bloß gegen seine unzerstörbare Noblesse. Die, fand Fischer, paßte überhaupt nicht zum Otello - und ich finde, daß Tibbetts Belcantoton nicht unbedingt zum Jago paßt. Jago hat, ein Blick in die Partitur zeigt es, viele Elemente, die bei Tibbett zu kurz kommen. Um ein konkretes Beispiel zu nehmen: Tibbetts Era la notte ist herrlich und stimmschön gesungen. Aber wo ist das parlando, das Verdi über weite Teile ausdrücklich fordert? Tibbett singt, er spricht nicht. Und die Voce cupa? Da singt Tibbett schön leise, aber nach Voce cupa klingt das nicht. Tibbett erinnert mich ein bißchen an viele seiner Tenorkollegen, die den Otello gesungen haben: Viele, so unterstelle ich mal, hatten nicht den Mut, den Schönklang zu durchbrechen und das Publikum mit der Voce soffoccata zu konfrontieren, die Verdi ausdrücklich forderte. Jimmy McCracken hat es sich in der Studioaufnahme getraut und hat dafür groteskerweise viel Kritik einstecken müssen.
Also: Natürlich konnte Tibbett mit seiner Stimme spielen, aber es war in einigen Rollen für meinen Geschmack eben nicht genug. Ich mag allerdings seinen Germont (mit Ponselle). Eine sehr schöne Aufnahme.

:hello:
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Herbert Henn

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12

Samstag, 2. Juni 2007, 15:02

Tibbett

Lieber Mengelberg,
ich weiß ja nicht, was Du für eine Partitur von Otello hast. In meiner ist das ganze "Era la notte" im Legato zu singen.Am Anfang steht bei mir: "avvicinandosi molto ad Otello e sottovoce".In Takt 17 steht ppp und in Takt 20 pppppp, in Takt 27 "sempre sotto voce".Das ganze ist ja eine Traumerzählung, eine suggestive Beschwörung Otellos. Das macht Tibbett genau so wie sein Nachfolger Warren.Beim "Credo" sieht die Sache natürlich anders aus. Das ist vorwiegend ein Parlandostück. Das meistert Tibbett auch bravourös.

:hello:Herbert.
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13

Samstag, 2. Juni 2007, 19:34

RE: Tibbett

Zitat

Original von Herbert Henn
Lieber Mengelberg,
ich weiß ja nicht, was Du für eine Partitur von Otello hast. In meiner ist das ganze "Era la notte" im Legato zu singen.Am Anfang steht bei mir: "avvicinandosi molto ad Otello e sottovoce".In Takt 17 steht ppp und in Takt 20 pppppp, in Takt 27 "sempre sotto voce".Das ganze ist ja eine Traumerzählung, eine suggestive Beschwörung Otellos. Das macht Tibbett genau so wie sein Nachfolger Warren.Beim "Credo" sieht die Sache natürlich anders aus. Das ist vorwiegend ein Parlandostück. Das meistert Tibbett auch bravourös.

:hello:Herbert.


Lieber Herbert,

ich habe die Partitur von Dover, Ausgabe 1986. Da steht ab "Desdemona soave!" Sottovoce parlate, dann ab der chromatischen Figur auf "l'estasi del ciel" wieder legato. "E disse poscia" wieder im parlando, das folgende cupo. Daß Jago da auf dem C verharrt (übrigens auch auf dem ersten parlando), scheint das Sprechen geradezu zu fordern. Das größte geforderte Pianissimo ist bei mir ein pppp auf "seguia più vago". Ich habe leider keine Taktzahlen. Benutzt Du einen Klavierauszug?

:hello:
M.
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Herbert Henn

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14

Sonntag, 3. Juni 2007, 08:37

RE: Tibbett

Lieber Mengelberg,
ich habe einen Klavierauszug von Riccordi, aber alle Anweisungen sind eigentlich überflüssig. Der Text und die Musik sprechen ja für sich. Außerdem ist Jago kein plumper, grober Kerl alla "Freischütz-Kaspar".
Er soll vornehm und vertrauenserweckend daherkommen. Verdi schrieb, wie eine Art "Don Giovanni".Nur im "Credo", wenn er alleine ist, offenbart er sein wahres Wesen. Wenn Jago sich so gäbe, wie manche Interpreten ihn darstellen, würde Otello wohl kaum auf seine Intrige hereinfallen.

:hello:Herbert.
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15

Sonntag, 3. Juni 2007, 22:59

RE: Tibbett

Lieber Herbert,

also, nach einem "plumpen, groben Kerl" wurde nun wirklich nicht verlangt! Welche Interpretationen des Jago findest Du denn "unmöglich", also in dem Sinne, daß Jago für das Anstiften Otellos zu grob dargestellt wird?

Grüße -

M.
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Herbert Henn

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16

Montag, 4. Juni 2007, 08:51

RE: Tibbett

Lieber Mengelberg,

unmöglich will ich es garnicht nennen, aber außergewöhnlich manieriert. Da wären einige Italiener, z.B. Aldo Protti, Giangiacomo Guelfi, Carlo Guelfi. Dann gibt es die "Brunnenvergifter-Stimmen", z.B. Gino Bechi, oder Tito Gobbi. Die outen sich mit dem ersten Ton als Bösewicht. Einige deutschsprachige interpretieren den Jago auch sehr plakativ. Ich nenne mal Paul Schöffler, Hans Reinmar, oder Ferdinand Franz. Alles hervorragende Sänger und zu Pizarro oder Kaspar z.B. paßt sie ja auch, diese plakative Interpretation.

(T. Gobbi hat allerdings 1948 ein traumhaftes "Era la notte" für die Schallplatte gesungen.)

:hello: Herbert.
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SchallundWahn

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17

Freitag, 15. Juni 2012, 16:22

Ich stieß auf Lawrence Tibbett durch youtube, wo ich den herrlichen - hier schon einmal erwähnten - Abschied des Wotans hörte und erstmal ganz überrascht war von dem Sprachempfinden des Amerikaners Tibbett. Danach habe ich gleich ein paar der anderen Videos angesehen, die dort existieren; sein Escamillo, sein Jago usw.
Es hört sich sicherlich komsich an, aber ich war überracht (bis dahin hatte ich noch nicht allzu viel Oper gehört) wie gut dieser Mann singen konnte, der vor so vielen Jahren gelebt hat :) , das hat mich zu der Zeit wirklich erstaunt. :P
Als Fan der tiefen Männerstimme schloss ich auch Tibbett ins Herz.
Vor kurzem habe ich mir dann endlich mal eine CD von ihm geleistet (gebraucht)

Da ich oft gelesen habe, dass er besonders in den Rollen als Simon Boccanegra, Rigoletto und Ford zu Berühmtheit gelangt ist, war ich zuerst etwas enttäuscht, dass sich gerade auf dieser CD keine dieser Rollen befinden.
Letztlich bin ich aber trotzdem mehr als zufrieden damit, da Tibbett es geschafft hat mir die Wolfram-Arie aus Wagners "Tannhäuser" endlich nah zu bringen, die ich bis dahin nie richtig schätzen konnte (warum auch immer).
Vor allem gefallen mir auch die Sachen aus "Porgy und Bess", die sich ebenfalls darauf befinden. Sein Sporting Life finde ich einfach Spitze! :jubel:
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

9079wolfgang

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18

Freitag, 15. Juni 2012, 16:30

Hallo, Schall und Wahn!

Das ist jetzt aber Zufall! Gestern Abend hatte ich mir folgende CD von Tibbett zum Hören hingelegt, war aber unterbrochen worden und hörte danach etwas Anderes. Dafür wird sie gleich in den Player wandern. Ein hervorragender Querschnitt durch sein großes Repertoir:

W.S.

SchallundWahn

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19

Freitag, 15. Juni 2012, 16:35

Das nenne ich wirklich Zufall, lieber Wolfgang!
Finden sich auf dieser CD von dir die von mir erwähnten Rollen, Simon Boccanegra und Co.?
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

9079wolfgang

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20

Freitag, 15. Juni 2012, 16:45

Hallo, SchallundWahn!

Ja, Simon Boccanegra u. A. sind drauf. Du brauchst nur auf das Cuver zu gehen und auf Amazon, dann landest du genau bei unserem Werbepartner. Dann findest du auch sämtliche Angaben zu der CD.



Gruß Wolfgang
W.S.

Gregor

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21

Mittwoch, 18. Juli 2012, 23:22

Diese CD ist mir vor kurzem auch untergekommen. Welch ein fantastischer Sänger das war. Renato, Jago, Boccanegra, Rigoletto - alles Paraderollen von ihm.
Unbedingt hörenswert ist sein Live-Rigoletto aus der MET. Alleine schon die vielen Gilda-Rufe, nachdem er erkennt, dass seine Tochter entführt wurde. Wie er da von einem Gilda!!! zum nächsten immer mehr Verzweiflung in die Stimme legt ist erschütternd und gleichzeitig phantastisch. Da kommt einem förmlich die Gänsehaut. Ein richtiger Sängerdarsteller. Der Mann muß bei Live-Auftritten eine Wucht gewesen sein.

Habt ihr gewußt, dass Tibbett in den 30er Jahren eine recht erfolgreiche Filmkarriere gemacht hat? Für seinen ersten Film The Rogue Song von 1930 erhielt er sogar eine Oscar-Nominierung als Bester Schauspieler.

Als (singender) Schauspieler im Film Under your spell von 1936 - hier hört man im Dialog mit seiner Schauspielkollegin auch seine Sprechstimme:



Bei Youtube gibt es noch viel mehr Ausschnitte aus seinen Filmen.

Gregor

William B.A.

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22

Mittwoch, 15. Juli 2015, 00:18

Lawrence Tibbet, der am 16. November 1896 geboren wurde, starb am 15. Juli 1960. Zu seinem heutigen Ehrentage habe ich dies ausgesucht:



Heute ist sein 55. Todestag.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

9079wolfgang

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23

Sonntag, 19. Februar 2017, 20:32

Nach Tancredi Pasereo folgt bei mir nun ein anderer, großartiger Bariton. Lawrence Tibbett gehört auch zu den unvergessenen Baritonen.

W.S.

Herbert Henn

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24

Montag, 20. Februar 2017, 09:12

Lieber Wolfgang,

Tancredi Pasero war allerdings ein Bass.

:hello: Herbert
Tutto nel mondo è burla.

Siegfried

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25

Montag, 20. Februar 2017, 09:34

Lieber Wolfgang,

Tancredi Pasero war allerdings ein Bass.

:hello: Herbert


Hallo Herbert,

schön, von dir zu lesen. Hoffe, dir geht es gut. :hello:
Freundliche Grüße Siegfried

9079wolfgang

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26

Montag, 20. Februar 2017, 10:52

Mein lieber Herbert!

Danke, sehr aufmerksam. Ich habe mich hier etwas unglücklich ausgedrückt. Ich meinte, daß ich nach dem hören der CD mit Tancredi Pasero später nachfolgend Lawrence Tibbett hörte. :hello:

Gruß Wolfgang
W.S.

Rheingold1876

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27

Montag, 20. Februar 2017, 21:26

Den seltsamsten Fund, Lawrence Tibbett betreffend, machte ich dieser Tage auf Youtube:



Tibbet singt "Edward" von Carl Loewe in englischer Fassung. Berühmt ist die schottische Ballade hierzulande durch Herder geworden, der sie 1774 ins Deutsche übersetzte und in eine seiner Liedsammlungen aufnahm. "Edward" ist die erste von drei Balladen, die Loewe als Opus 1 komponierte, neben "Erlkönig" und "Der Wirtin Töchterlein". Was für ein Wurf! Sind die Vorlagen gut, ist auch Loewe ganz auf der Höhe. Der Text - daran besteht für mich kein Zweifel - kann sich mit Shakespeare messen lassen. Tibbett betont in seiner Aufnahme vom Beginn der 1930er Jahre das Dramatische und treibt es sogar auf die Spitze. Dadurch trott aber die Wucht des Stückes besonders deutlich hervor. Die Einspielung verdient einen herausragen den Platz in der langen Liste der "Edward"-Aufnahmen.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Rheingold1876

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28

Dienstag, 21. Februar 2017, 07:33

"Goin Home": Noch eine Aufnahme mit stimmgewaltigen Lawrence Tibbett - wie sie wohl noch in den USA denkbar ist:


Ein Lied, inspiriert vom zweiten Satz der 9. Sinfonie von Dvorak "Aus der neuen Welt". Dvorak hatte darin seine Eindrücke vom Aufenthalt in Amerika verarbeitet.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Sixtus

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Samstag, 4. März 2017, 15:43

Kleine Ergänzung zu einem niveauvollen Disput

In der über Jahre geführten Diskussion um Lawrence Tibbett, die ich grade mit großem Interesse gelesen habe, spielte sein konsequentes Schönsingen eine wichtige Rolle. Zwischen dem Gesang auf Linie und dem Ausdrucksgesang gibt es, grade bei Verdi, eine Bemerkung des Meisters, die oft missverstanden wird:

Es geht um Verdis Kritik an der Uraufführungs-Sängerin der Lady Macbeth, die ihm zu schön gesungen habe. Sie müsse nach Verdi überhaupt nicht singen! Das ist oft missverstanden worden, glaube ich. Denn: Die Sängerin, die das wörtlich nimmt, wird nicht nur der Partie nicht gerecht, sondern blamiert sich auf der ganzen Linie, weil der Eindruck entsteht, sie könne es nicht!

Was Verdi meint, kann nur heißen: Sie muss mit extremem Ausdruck singen; aber (was damals selbstverständlich war) im Rahmen der Grammatik des Belcanto! Es muss so klingen, als sänge sie nicht, gleichsam ein Singen wie gesprochen, aber trotzdem auf Linie. Alles andere bedeutet ja den baldigen Ruin der Stimme!

Analog zu dieser Partie müssen auch Otello und Jago gesungen werden. In diesem Sinne ist Macbeth eine Vorwegnahme von Otello. Das Schwerste daran ist, die beiden extremen Aspekte zu verschmelzen. Und ich glaube, das können nur wenige Sänger. Tibbett gehörte zweifellos zu ihnen - meint Sixtus