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MarcCologne

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Beiträge: 1 036

Registrierungsdatum: 4. Juli 2005

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Donnerstag, 17. Mai 2007, 16:56

Die Bachkantate (078): BWV128: Auf Christi Himmelfahrt allein

BWV 128: Auf Christi Himmelfahrt allein
Kantate zu Christi Himmelfahrt (Leipzig, 10. Mai 1725)



Lesungen:
Epistel: Apg. 1,1-11 (Prolog, letzte Verheißung, Himmelfahrt Jesu)
Evangelium: Mark. 16,14-20 (Missions- und Taufbefehl, Himmelfahrt)


Fünf Sätze, Aufführungsdauer: ca. 22 Minuten

Textdichter: Christiane Mariane von Ziegler (1695-1760)
Choräle: Nr. 1 Ernst Sonnemann (1661), nach Josua Wegelin (1636); Nr. 5 Matthäus Avenarius (1673)


Besetzung:
Soli: Alt, Tenor, Bass; Coro: SATB; Oboe, Oboe d’amore, Oboe da caccia, Horn I + II, Trompete, Violino I/II, Viola, Continuo




1. Choral SATB, Oboe, Oboe d’amore, Oboe da caccia, Horn I + II, Streicher, Continuo
Auf Christi Himmelfahrt allein
Ich meine Nachfahrt gründe
Und allen Zweifel, Angst und Pein
Hiermit stets überwinde;
Denn weil das Haupt im Himmel ist,
Wird seine Glieder Jesus Christ
Zu rechter Zeit nachholen.

2. Recitativo Tenor, Continuo
Ich bin bereit, komm, hole mich!
Hier in der Welt
Ist Jammer, Angst und Pein;
Hingegen dort in Salems Zelt
Werd’ ich verkläret sein.
Da seh’ ich Gott von Angesicht zu Angesicht,
Wie mir sein heilig’ Wort verspricht.

3. Aria + Recitativo Bass, Trompete, Streicher, Continuo
Auf, auf, mit hellem Schall
Verkündigt überall:
Mein Jesus sitzt zur Rechten!
Wer sucht mich anzufechten?
Ist er von mir genommen,
Ich wird’ einst dahin kommen,
Wo mein Erlöser lebt.
Mein’ Augen werden ihn in größter Klarheit schauen.
O könnt’ ich im Voraus mir eine Hütte bauen!
Wohin? Vergeb’ner Wunsch!
Er wohnet nicht auf Berg und Tal,
Sein’ Allmacht zeigt sich überall;
So schweig, verweg’ner Mund,
Und suche nicht dieselbe zu ergründen!

4. Aria Alt, Tenor, Oboe d’amore, Continuo
Sein’ Allmacht zu ergründen,
Wird sich kein Mensche finden,
Mein Mund verstummt und schweigt.
Ich sehe durch die Sterne,
Dass er sich schon von ferne
Zur Rechten Gottes zeigt.

5. Choral SATB, Oboe, Oboe d’amore, Oboe da caccia, Horn I + II, Streicher, Continuo
Alsdenn so wirst du mich
Zu deiner Rechten stellen
Und mir als deinem Kind
Ein gnädig’ Urteil fällen,
Mich bringen zu der Lust,
Wo deine Herrlichkeit
Ich werde schauen an
In alle Ewigkeit.



Anders als die Kantate, die Bach ein Jahr zuvor zu Christi Himmelfahrt komponiert hatte (BWV 37), ist die Instrumentierung der Kantate aus dem Jahr 1725 deutlich üppiger ausgefallen - schließlich ist heute ein hoher Kirchenfeiertag, dem angemessen Rechnung getragen werden musste!

Im Frühjahr 1725 scheint Bach eine Phase besonders enger Zusammenarbeit mit der Leipziger Dichterin Christiane Mariane von Ziegler gehabt zu haben: Die von ihm vertonten Kantatentexte der letzten Wochen (u. a. BWV 108 oder BWV 103 und auch die am Sonntag vor Christi Himmelfahrt erklungene Kantate BWV 87) wurden alle von ihr gedichtet.

Weil Frau von Ziegler diese Kantate mit einem Choraltext (von Ernst Sonnemann) beginnen ließ, ordnete Bach diese Kantate später seinen Choralkantaten zu (er stellte im Lauf seiner Leipziger Kantoren-Tätigkeit einen kompletten Jahrgang mit solchen Choralkantaten zusammen), obwohl diese "Gattung" sich eigentlich dadurch auszeichnet, dass sie sich pro Kantate nur auf jeweils einen Kirchenchoral bezieht, was in der hier vorliegenden Dichtung ja eindeutig nicht der Fall ist.

Immerhin rechtfertigt der großangelegte und festliche Eingangschoral, eine "klassische" Bach'sche Choralbearbeitung diese Bezeichung als "Choralkantate" durchaus!

Wie in den anderen Texten, die Bach von Frau von Ziegler vertonte, hat er auch hier wiederum eigene Textänderungen durchgeführt, so zum Beispiel die ungewöhnliche Zusammenfassung des eigentlich getrennten Arien- und Rezitativtextes zur kombinierten Nr. 3 seiner Kantate.
Es ergibt sich dadurch die originelle Form einer Arie, die von einem durch Trompeteneinsatz besonders herrschaftlich-festlich wirkenden Instrumentalvorspiel eingeleitet wird - dann erfolgt unmittelbar das Accompagnato-Rezitativ, das wiederum durch die wie eine Klammer wirkende Wiederholung des Trompeten-Vorspiels am Ende dieses Satzes in das Gesamtgebilde eingebunden wird.
Ein origineller Einfall und mal ganz was anderes :]

Das als "Aria" (Nr. 4) bezeichnete Duett zwischen Alt und Tenor dürfte übrigens Fans von Max Reger bekannt vorkommen: Seinen Bach-Variationen op. 81 für Klavier aus dem Jahr 1904 hat er das einleitende Instrumentalthema dieses Satzes zugrunde gelegt.
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)