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Registrierungsdatum: 22. Januar 2007

1

Montag, 28. Mai 2007, 09:44

Franz Völker - kritisch gesehen

Liebe Freunde,

in einem anderen Thread über den besten Lohengrin habe ich mehrmals den Namen Franz Völker gelesen, natürlich nicht zu meiner Überraschung, denn Franz Völker wäre auch der Lohengrin meiner Wahl gewesen. Aber: An einer Stelle wurden zwei Aufnahmen Völkers empfohlen, die berühmte 1936-er Studio-Produktion aus Bayreuth sowie der 1943er Mitschnitt aus der Statsoper Berlin. Letztere Aufnahme halte ich allerdings für so problematisch, daß ich ihr, bzw. dem rapiden stimmlichen Niedergang Völkers gerne einen kleinen Thread widmen möchte.

Franz Völker verfügte, so meint man es auf seinen frühen Aufnahmen (Ende 1920er, frühe 1930er Jahre) herauszuhören, über eine gesunde und sattelfeste Technik. Die Stimme war schlank, kernig, durchschlagend und wurde mit betörendem Legato geführt. Einige seiner Aufnahmen zähle ich zum besten, das jemals von einem Sänger auf Tonträgern festgehalten wurde. So entstand dann auch der grandiose Lohengrin aus dem Jahre 1936 unter Tietjen, und Ausschnitte unter Furtwängler aus demselben Jahr bestätigen, daß Völker anscheinend in der Lage war, konstant derartige Leistungen zu bringen.

Der Lohengrin aus dem Jahre 1943 hingegen spricht eine ganz andere Sprache. Völkers Stimme wirkt, nach nur etwas über 10 Jahren auf der Bühne, abgesungen, angestrengt und überansprucht. Schon ein Siegmund aus Bayreuth von 1941 klingt so, und Liedaufnahmen der RRG (Anfang 1940er Jahre) bestätigen diesen Eindruck. Ohne Zweifel: Anfang 1940 war Völker nur noch ein Schatten seiner selbst. Nach lediglich 10 Jahren im "lyrischen Heldentenorfach" war von der einst so gesunden Stimme nicht mehr viel übrig!

Woran lag das? Hat sich Völker überansprucht? War schon der Lohengrin zu viel für seine Stimme? Oder lag es an einer mangelhaften Technik? Ich habe den Mangel jedenfalls auch bei genauem Hören nicht ausmachen können.

Franz Völker war gewiß ein wunderbarer Sänger, wenn auch nur in der kurzen Zeit, in welcher seine Stimme intakt war. All seine Kollegen im außerdem schwereren Fach - Melchior, Laubenthal, Svanholm, Althouse, Maison, Lorenz etc. - haben bedeutend länger durchgehalten. Oder um es provokant zu sagen: Stimmlich war Franz Völker irgendwie (man verzeihe den etwas schiefen Vergleich) wie Peter Hofmann ein Strohfeuer.

Meinungen?

:hello:
M.
Mein Wort hörtest Du... hüte Dich wohl.

Barockbassflo

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2

Montag, 28. Mai 2007, 10:03

Lieber Mengelberg,

ich teile Deine Ansicht (in meinen laienhaften Verständnis), allerdings auch die Ratlosigkeit hinsichtlich der Ursachen - "Kunde gewänn' ich des gern"...

LG,
BBF
"Dekonstruktion ist Gerechtigkeit." (Jacques Derrida)

heldenbariton

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Registrierungsdatum: 4. April 2005

3

Montag, 28. Mai 2007, 10:16

Hallo Mengelberg,

deinen Ausführungen stimme ich in sofern zu, dass im 1943er Lohengrin Völker sich durch die Partie "kämpft"; ich glaube aber, dass auch die Zeitumstände dabei eine Rolle spielen.
Der Hauptgrund seines stimmlichen Abgangs dürfte in einer schweren Diabetis zu finden sein, der er 1965 erlag.
Sein Siegmund von 1947 aus München finde stimmlich achtbar, interpretatorisch ohne Tadel.

:hello:Heldenbariton
Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
GB

Herbert Henn

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Registrierungsdatum: 24. März 2006

4

Montag, 28. Mai 2007, 10:17

RE: Franz Völker - kritisch gesehen

Hallo Mengelberg,
ich bin der selben Meinung wie Du. Völker war ein"A-Tenor",
Er hatte in der Höhe zu wenig Reserven. Das heißt: Er mußte
dauernd bis an seine stimmlichen Grenzen gehen, wenn er
Lohengrin oder Stolzing sang.Das heißt nicht, daß er nicht
auch schon mal ein B in einer Arie singen konnte.Ich glaube
auch, daß seine schöne Stimme durch häufiges singen
der Wagner-Partien, die eine kräftige Mittellage verlangen,
vorzeitig gelitten hat.Seine Stimme war nicht so robust, wie
z.B.die Stimme von L.Melchior.

:hello:Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

Antracis

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5

Montag, 28. Mai 2007, 12:12

Ein sehr interessanter Thread!

Obwohl Vergleiche immer schief sind, halte ich den Bezug auf Peter Hofmann doch aus zwei Gründen für nicht angebracht.

Hofman verfügte von Anfang an über eine Technik, deren Probleme sich durchaus nicht nur dem Ohr des ausgewiesenen Fachmannes mitteilten, während ich bisher noch niemanden finden konnte, der diesbezüglich Kritik am offenbar tadellosen Techniker Völker geübt hätte.

Weiterhin hat Hofmann sicher am Anfang seiner Karriere durchaus hörenswerte Leistungen abgeliefert, sie waren aber aus meiner Sicht niemals maßstabsetzend, ganz im Unterschied zu denen Völkers.

Dennoch, die Karriere war extrem kurz, der stimmliche Niedergang unüberhorbar. Im 43er Lohengrin, den ich trotz der immensen stimmlichen Probleme aufgrund der immer wieder aufblitzenden Phrasierungs- und Legato-Qualitäten für durchaus kennenswert halte, fällt der Niedergang Völkers vor allem im 3. Akt auf, da fehlte eindeutig das Durchhaltevermögen. Interessant auch in der Gralserzählung die Spitzentöne - siehe den Hinweis Herberts - die Völker mit grotesk anmutender Kraftanstrengung produziert. Man meint förmlich zu erleben, wie er die Worte "der Gral" mit aller Kraft durch die Stimmritze zwängt, der Ton sich erst nach immenser Stauung entfaltet.

Ich tue mich schwer mit Spekulationen, zumal ausgewiesene Fachleute offenbar ratlos vor dem Phänomen der kurzen Karriere stehen. Gestattet sei dennoch eine Vermutung: Ich befürchte, die gerade zu Beginn der Karriere faszinierende Mühelosigkeit seines lyrischen Singens war eine geschickte Täuschung eines sehr begabten Sängers. Offenbar hat es von Beginn an sehr angestrengt, nur hats keiner gemerkt. Das scheint mir die größte Leistung gewesen zu sein. Nicht umsonst war er sozusagen unter allen lyrischen Heldentenören der lyrischste...und somit auch der anfälligste.
Die von Heldenbariton erwähnte Krankheit könnte natürlich auch Ihren Tribut verlangt haben.

Gruß
Sascha

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Registrierungsdatum: 22. Januar 2007

6

Montag, 28. Mai 2007, 21:40

Also dann meint Ihr, daß Völker trotz einwandfreier Technik entweder wegen Überbelastung oder Krankheit eine längere Karriere versagt blieb? Inwieweit beeinflußt Diabetes denn den Körper bei entsprechender Behandlung und wie hinderlich ist das beim Singen? Kennt sich da jemand genauer aus? Gab es andere berühmte Sänger die mit und trotz Diabetes gesungen haben?

:hello:
M.
Mein Wort hörtest Du... hüte Dich wohl.

vitelozzo-tamare

Fortgeschrittener

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7

Mittwoch, 30. Mai 2007, 15:02

Hallo Mengelberg,

Diabetes ist eine Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft, er führt zu allgemeiner Schwäche, Herzproblemen, Konzentrationsstörungen, Überwässerung durch Nierenfunktionsstörungen, Nervenschädigung, Erhöhung des Risikos von Gefäßerkrankungen wie Schlaganfällen oder Herzinfarkt, Sehstörungen und und und.

In den 60er Jahren steckte die Therapie noch in den Kinderschuhen, ob Insulin damals überhaupt schon zur Verfügung stand, kann ich aktuell nicht sagen, entdeckt und in Studien angewendet war es bereits, aber in den Anfängen war die Therapie noch durchaus problematisch, da Tierinsuline (aus Schweinen oder indern gewonnen) in der Verträglichkeit größere Probleme bereitet und die Dosierung in den Anfängen auch schwierig war. Geringste Abweichungen von der individuellen, vom Blutzuckerspiegel abhängigen Dosis, können zu lebensbedrohlichen und für die Betroffenen äußerst unangenehmen Unterzuckerungen führen, oder zu ebenfalls lebensgefährlichen Überzuckerungen.

Dass eine solche Krankheit mit derartig dramatischen Komplikationen sich auf die Leistung eines "Hochleistungsängers" auswirkt, ist, denke ich, klar.


Gruß aus Lübeck,
Dieter

Antracis

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8

Mittwoch, 30. Mai 2007, 20:50

Bezüglich des Diabetes bräuchte man natürlich für eine sinnvolle individuelle Bewertung einfach mehr Fakten. Das diese Krankheit, vor allem auch beim damaligem Behandlungsstandard, gravierende Probleme bei einem Sänger verursachen kann, steht außer Frage.
Jedoch stimmen mich, auch ohne genauere Kenntnisse des individuellen Krankheitsverlaufes, die zeitlichen Dimensionen skeptisch. Völker starb 1965, im Alter von 66 Jahren, die Stimmprobleme sind jedoch seit Anfang der 40er Jahre dokumentiert, also begannen also gut 25 Jahre vor dem Tod und bis 1952 stand er ja immerhin auch noch auf der Bühne. Wenn die Krankheit also schon Anfang der 40er Jahre derartige Probleme verursacht haben sollte, passen dann noch gut 10 Jahre Bühnenkarriere und insgesamt ein halbes Jahrhundert weiteres Leben nicht so ganz ins Bild, vergegenwärtigt man sich die beschränkten medizinischen Möglichkeiten. Aber wie gesagt, alles Spekulation.


Ich beziehe mich wie gesagt gerne auf die merkwürdig produzierten Spitzentöne im 43er Lohengrin, wo ich den Eindruck habe, dass Völker die Töne unter extremer Stauung produziert, was mangels Kraftreserven nicht recht gelingen will. Eine Vermutung wäre deshalb, dass Ihm das auf dem Karrierehöhepunkt im Vollbesitz seiner Kräfte und Lockerheit so gut gelang, dass niemandem auffiel, dass die Töne eigentlich mit problematischer Technik gebildet wurden. Mit der Zeit forderte das Ganze dann seinen Tribut.

Gruß
Sascha

musicophil

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9

Mittwoch, 30. Mai 2007, 21:28

Zitat

Original von vitelozzo-tamare
In den 60er Jahren steckte die Therapie noch in den Kinderschuhen, ob Insulin damals überhaupt schon zur Verfügung stand, kann ich aktuell nicht sagen, entdeckt und in Studien angewendet war es bereits, aber in den Anfängen war die Therapie noch durchaus problematisch

1921 entdeckten Banting und Best Insuline. Um 1960 wurde mein Großvater mit Insuline gespritzt bis seinem Tode 1962.
Und eine Tante von mir mußte in den 60. Jahre tagtäglich sich selbst mehrfach spritzen. Es war also damals schon üblich als Medizin.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Antracis

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10

Donnerstag, 5. Juni 2008, 22:38

Hallo zusammen,

Franz Völker hat hier ja seinen eigenen Thread, wobei ich gestehen muss, dass mir die Konzeption nicht sonderlich gefällt.
Eine kritische Auseinandersetzung mit den großen Sängern ist von meiner Seite zwar nicht nur geduldet, sondern sogar ausdrücklich erwünscht, aber eine Solche sollte dann doch in eine Gesamtwürdigung integriert werden - gerade bei einem Sänger, der sicher zu den größten Wagnertenören des letzten Jahrhunderts zu zählen ist.

Ich würde deshalb vorschlagen, dass ich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Einführungstext zum Schaffen Völkers verfasse, der dann den Posts dieses Threads vorangestellt wird, auch mit neuem Titel. Denn wie gesagt, eine kritische Würdigung ist ja in jedem Sängerthread erwünscht.
Falls eine "Zusammenlegung" nicht gewünscht ist, gibt es halt bald zwei Threads zum selben Thema - was ich aber für die schlechtere Lösung halte.

Anlass für die Erneute Beschäftigung mit Völker ist übrigens seine Interpretation des Preisliedes, die ich heute erstmals ausführlich hören konnte.
Nicht nur als Lohengrin und Siegmund ist er nahe dem Ideal, sondern auch als Stolzing. Die Aufnahme ist ein echter Ohrenöffner. Tonbildung, Phrasierung und Legato sind Musterbeispiele für lyrisches Singen. Und auch, wenn es sicher richtig ist, dass Völker in der Höhe begrenzt war: Die Stimme wird hier mühelos durch die unangenehme Tessitura des Preisliedes geführt, die Spitzentöne strahlen wie die besungene Morgensonne.

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Nach meiner bisherigen Hörerfahrung spielt nur noch Tauber in dieser Klasse, der zwar vor allem in der Höhe nicht so souverän agiert, aber dennoch mit seiner gewohnt eigenwilligen musikalischen Finesse lyrischen Zauber versprüht. Alle anderen sind deutlich distanziert. Melchior liegt die Partie nicht wirklich und Konya wirkt mit seiner allzu brustig produzierten Höhe doch eher kraftmeierisch denn lyrisch. Auch James King und Kollo können weder mit stimmlichen Mitteln, noch mit der sängerischen Finesse mithalten. Und die wackeren Recken des aktuellen Bühnengeschehens, Seifert und Heppner schlagen sich in der Szene achtbar, aber auch nicht mehr.

Gruß
Sascha

operus

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11

Mittwoch, 18. Juni 2008, 10:20

Lieber Sascha,

ich stimme Dir zu, dass bei der Beurteilung von Sängerleistungen nicht die Schwächen und Fehler im Vordergrund stehen dürften . Der Sänger und seine gesanglichen Leistungen sollten ganzheitlich gewürdigt werden.
Zum "Fall" Franz Völker ist bereits viel richtiges ausgesagt worden. Er hatte rund ein Jahrzehnt eine herrliche für mich trotz großer Strahlkraft lyrische Stimme, die ihn geradezu für den Lohengrin und andere Partien prädestinierte. Entsprechende Aufnahmen wurden genannt. Genau im Lyrismus der Stimme könnte das Problem liegen. Bei den heldischen Anforderungen besonders in Wagnerpartien müssen solche Sänger sehr oft forcieren und über ihr eigentliches Fach hinaussingen, Dadurch sind die Stimmen offensichtlich einem größerem und früheren Verschleiß ausgesetzt. Gewisse Parallelen können sicherlich zu Rudolf Schock, Peter Anders, Anton Dermota (besonders als Florestan), ja selbst Josef Traxel gezogen werden.
Ich erinnere mich gut daran, dass ich als junger Spund (50er Jahre) in Bad Mergentheim in einem Kurcafé ein repräsentatives Bild des großen Franz Völker mit Widmung und Lob für die Heilwirkung entdeckte. Offensichtlich kurte der Sänger in diesem für Stoffwechselkrankheiten spezialisierten Badeort regelmäßig.
Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

hart

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12

Donnerstag, 20. Januar 2011, 20:44

Lieber Operus,
bei der Nennung von Peter Anders habe ich gestutzt ...
Wo ist da eine Abnutzung zu hören?
Ich kenne zwar die Aussage von Clara Ebers, aber Hans Knappertsbusch war da ganz anderer Meinung - er dachte 1954 an einen Parsifal mit Peter Anders.

9079wolfgang

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13

Donnerstag, 20. Januar 2011, 22:17

Hallo!

Ich lese gerade diesen Thread. Abnutzungserscheinungen bei Peter Anders? Unsinn! Er stand auf dem stimmlichen Höhepunkt und hätte problemlos ins leichte Heldentenor-Fach wechseln können. Ich hörte in vorgestern erst als Radames. Keine Abnutzungserscheinungen!

Anders verhält es sich mit meinem "Lieblings-Lohengrin" Franz Völker. Prädistiniert meiner Meinung nach für viele Wagnerpartien gab es tatsächlich Verschleißerscheinungen, deren Ursache ich nicht kenne. Vielleicht hat er wirklich Siegmund und Siegfried zu oft gesungen. Gott sei gedankt besitze ich sehr viele Aufnahmen von diesem Ausnahmetenor, Opern, Operetten und auch Lieder. Von der Schönheit seiner Stimme können sich einige der oben aufgeführten Tenöre wie Althouse, Suthaus und Lorenz einige Scheiben abschneiden.



Gruß Wolfgang
W.S.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

14

Donnerstag, 20. Januar 2011, 22:42

Unterschiede bei Stimmen und im Fach

Lieber 979wolfgang,

Peter Anders war mit einer herrlichen Stimme begabt gerade auf dem Weg ins heldische Fach. Die altgediienten Recken Lorenz und Suthaus usw. waren längst bewährte Heldentenöre. Genau in dieses Fach hätte Peter Anders und auch Fritz Wunderlich hineinwachsen müssen. Alle Voraussetzungen waren gegeben. Nur das Schicksal wollte es anders.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Bernward Gerlach

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  • »Bernward Gerlach« ist männlich

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15

Freitag, 21. Januar 2011, 13:24

Unterschiede bei Stimmen und Fach

Peter Anders war mit einer herrlichen Stimme begabt gerade auf dem Weg ins heldische Fach. Die altgediienten Recken Lorenz und Suthaus usw. waren längst bewährte Heldentenöre. Genau in dieses Fach hätte Peter Anders und auch Fritz Wunderlich hineinwachsen müssen. Alle Voraussetzungen waren gegeben. Nur das Schicksal wollte es anders.
Was heißt denn hier Abnutzungserscheinungen? Ich habe über 80 CD mit meinem Lieblingssänger, durch den ich überhaupt erst Anfang der 60er zur klassischen Musik gestoßen bin. Wenn eine Stimme sich vom jugendlich-lyrischen weiter entwickelt hin zum heldischen, ist dies ein Prozess, den jeder Sänger durchmacht. Im Laufe dieses Prozesses verändert sich für uns Höher der Klang, den wir vernehmen, wenn wir frühe oder spätere Aufnahmen hören, und gerade bei ein und denselben Stücken. Aber es bleibt immer die Stimme von Peter Anders. Die von Jonas Kaufmann klang vor 10 Jahren auch anders als heute.
Im Gegensatz zu operus, unserem Profi unter den Stimm-Kennern, bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob Wunderlich auch diesen Weg gegangen wäre, oder aber wie Patzak, Erb, Haefliger, Schreier, Simoneau und Burrows ein "Lyriker" geblieben wäre.

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


hart

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16

Freitag, 21. Januar 2011, 22:02

Lieber Bernward,
also Karl Erb hat schon Wagner gesungen: Tannhäuser, Lohengrin, Das Rheingold.
Warum er später zum reinen Lied-Sänger wurde, ist ja allgemein bekannt, aber ich möchte das hier nicht weiter ausführen, denn es geht ja hier eigentlich um Franz Völker.

  • »Antalwin« ist männlich

Beiträge: 321

Registrierungsdatum: 10. Januar 2011

17

Sonntag, 30. Januar 2011, 12:17

Franz Völker-Ein genuiner Wagnertenor ?

Hallo,

eines zu Beginn: Auch mir steht nicht an, die Stimmtechnik und Stimmschönheit von Völker zu kritisieren, die ihm sicher in außerordentlichem Maße zur Verfügung standen. Wenn ich jetzt auch gegen meinen Lokalpatriotismus als Hesse argumentieren muß, Franz Völkers Geburtsstadt liegt nur 80 km von meiner Heimat entfernt, so bin ich doch froh, daß hier einmal kritische Stimmen laut werden. Fakt ist offensichtlich: Völker hat sich stimmlich überanstrengt und abgenutzt, was auch ich bei der Lohengrin-Aufnahme vom Beginn der 40iger deutlich hörte. Das ist verwunderlich bei jemand, dem Stimm-Großinquisitor Kesting als einem von dreien, neben Urlus und Melchior, das Prädikat Wagnertenor zuerkannte. Ich habe es mit der Zuteilung dieser Einordnung immer so gehalten, daß ein genuiner Wagnertenor für mich nur ist, wer neben den "leichteren" Partien Erik, Lohengrin, Stolzing, Loge, Siegmund und Parsifal, mindestens eine der "schweren Hämmer" also Siegfried, Tannhäuser, Tristan, ständig im Repertoire hat. Alle anderen sind für mich "Tenöre, die auch Wagner singen". Genau hier liegt, meines Erachtens, das Problem von Völker: In den Quellen, die ich zur Verfügung hatte, kann nur sicher belegt werden, daß er Erik, Lohengrin, Stolzing, Siegmund und Parsifal gesungen hat ! Völker als Siegfried, Tannhäuser und Tristan fand ich nicht. Welche Quellen haben andere Forianer ? Ich lasse mich gerne aufklären ! War Franz Völker am Ende "nur" ein jugendlich-dramatischer Tenor, der in den "leichteren" Wagnerpartien für eine Zeit besonders reüssieren konnte und einige besonders gelungene Aufnahmen hinterließ ?

Gruß,

Antalwin

m.joho

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Beiträge: 1 201

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

18

Sonntag, 30. Januar 2011, 13:29

Hallo Antalwin,

Selbstverständlich hat Völker weder Siegfried, noch Tristan je gesungen; auch den von Kesting erwähnten Tannhäuser konnte ich nie finden. All diese Partien wären wohl auch ausserhalb seiner stimmllichen und besonders darstellerischen Möglichkeiten gelegen.

Ich nehme an, dass Du mit diesem Sänger dieselben "Schweirigkeiten" hast, wie mit Windgassen. Es ist eine Stimme, die sich aus dem rein lyrischen Fach entwickelt hat, über keinerlei baritonale Färbung verfügte (wenn auch nicht so extrem wie beim heute viel gelobten K.F.Vogt), und die im Gegensatz zu Windgassen auch bei den lyrischen Wagnerpartien "stecken geblieben" ist. Dies allerdings mit einer traumhaften Schönheit.

Das technische Problem dürfte bei ihm in der nicht organisch entwickelten Höhe gelegen haben. Schon ab dem a'' musste er sich auch bei den Aufnahmen der 30er-Jahre in Vokalverfärbungen retten, was letztlich zum relativ frühen Verschleiss geführt haben dürfte. Trotzdem scheint mir z.B. sein Lohengring und sein Stolzing bis heute, was die rein stimmliche Gestaltung betrifft bis heute unübertroffen. Ein Gegenbeispiel ist für mich der Stolzing von Max Lorenz, der für mich absolut unanhörbar ist.

Mit freundlichem Gruss

Herbert Henn

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  • »Herbert Henn« ist männlich

Beiträge: 2 889

Registrierungsdatum: 24. März 2006

19

Sonntag, 30. Januar 2011, 14:34

Es wird in diesem Thread so getan, als wäre es das höchste Ziel für jeden Tenor, im Lauf seiner Karriere zum Heldentenor zu mutieren. Ist es denn eine Schande ein lytrischer Tenor zu sein ? Warum hätte Fritz Wunderlich eiin Wagnersänger werden sollen? Nicolai Gedda war sein Leben lang ein lyrischer-spinto Tenor, Jussy Björling auch, sollen wir deswegen traurig sein

:hello: Herbert
Tutto nel mondo è burla.

  • »Antalwin« ist männlich

Beiträge: 321

Registrierungsdatum: 10. Januar 2011

20

Sonntag, 30. Januar 2011, 15:13

Vielen Dank !

Nein, ich habe keinerlei Schwierigkeiten damit, daß Völker kein baritonaler Heldentenor war. Ich finde seine Stimme wunderschön und höre sie selbst gerne ! Ich bin nur dagegen, daß Kesting ihn, neben Urlus, Schubert und Melchior, auf einen Podest stellt ! In einem Fach, was nicht gut für seine Stimme war, auch bei Richard Schubert nicht. Lyrische Tenöre haben ihr eigenes Betätigungsfeld, sie zu überreden, ihn einem schweren Fach zu singen, wirkt sich meist für die Stimme ruinös aus. Nicht jeder soll Heldentenor werden. Ich bin ein großer Wunderlich-Fan, der sich in Bayreuth nie für Wurzen engagieren lassen wollte, weil er in einigen Jahren "eine richtige Partie aus Richards großem Werk" singen wollte. Lohengrin, Stolzing, Parsifal ? Ich wünsche mir jedenfalls genauso einen Hoffmann, Herzog von Mantua, Don Carlos oder Werther von Wunderlich auf Platte, wie einen Lohengrin ! Leider hat es nicht sollen sein ! Übrigens, auch Björling überlegte, den Stolzing zu singen, er nahm aus Vorsicht Abstand davon. Ich bin mal so frei, Klaus Florian Vogt den stimmlichen Ruin vorherzusagen, wenn er weiter so viel in diesem Fach singt.

Gruß,

Antalwin

Harald Kral

Erleuchteter

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Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

21

Montag, 31. März 2014, 12:16

zum 115. Geburtstag

Heute vor 115 Jahren geboren:



Franz Völker (* 31. März 1899 in Neu-Isenburg; † 5. Dezember 1965 in Darmstadt) war ein deutscher Sänger (Tenor).
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)