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Alfred_Schmidt

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1

Donnerstag, 28. Juni 2007, 22:48

Ist Mozart überschätzt?

Liebe Taminoianer

Das Phänomen Mozart wurde zu verschiedenen Zeiten völlig verschieden beurteilt - Es gab immer Phasen, da wurde er in den Olymp gehoben, welche mit Phasen der relativen Geringschätzung abwechselten.

Dies war auch sicher davon abhängig, wie die Musik des 19. Jahrhunderts eingeschätzt wurde. Über eines war man sich jedoch zumeist klar: Mozart ist mehr oder weniger unvergleichlich.

Ist er das wirklich ?

Gab es nicht Zuschreibungen an Mozart von Werken Rosettis, Johann Christian Bach und anderen ? Gibt es nicht heute noch Werke, deren Autorschaft ungewiss ist, wo Mozart aber ein guter Kandidat wäre - jedoch auch andere Namen im Spiel sind.

Ist es nicht oft so, daß "jegliche" Musik des späten 18. Jahrhunderts mit Mozart in Verbindung gebracht werden kann, weil Mozart nämlich lediglich ein führender Vertreter dieser Epoche (aber beileibe nicht der einzige führende) war.

ist Mozart quasi "blind" zu erkennen - oder nicht ?

Wieso hatte Mozart vor der Konkurrenz Angst, wenn er so einzigartig war
(Er selbst schwankte in seiner Eigenbeurteilung - teis war er selbstbewusst bis zur Überheblichkeit - teils fürchtete er -zum Teil sicher auch durch seinen Vater beeinflusst - die Konkurrenz von Komponisten, welche heute zumeist als "Kleinmeister" abgetan werden.....


mfg
aus Wien

Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

Ulli

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

2

Donnerstag, 28. Juni 2007, 23:57

RE: Ist Mozart überschätzt ?

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
[...] teils fürchtete er -zum Teil sicher auch durch seinen Vater beeinflusst - die Konkurrenz von Komponisten, welche heute zumeist als "Kleinmeister" abgetan werden.....


...und noch immer eine zumindest bemerkenswerte Konkurrenz darstellen. Jedenfalls dann, wenn einem der "complete Mozart" tierisch auf den Geist geht.

Was die diversen Zuschreibungen betrifft, so handelt es sich fast ausnahmslos um Werke, die in einer Zeit und einem Kompositionsstil verfasst wurden, die für Mozart "Übungsstil" waren. Mozart hat ja bekanntlich Joh. Chr. Bach als großes Vorbild gehabt - so ist es nicht weiter wunderlich, wenn hier Werke "verwechselt" werden. Spätestens aber ab 1780, als Mozart seinen eigenen Stil gefunden hatte, werden Verwechslungen definitiv ausgeschlossen - Mozart ist ab da unvergleichlich oder besser: unvergleichbar. Ab diesem Zeitpunkt kommt aber das Phänomen ins Spiel, dass jetzt Mozart imitiert wird... :D - das Problem ist also wieder das gleiche, nur diesmal andersherum aufgerollt. Man könnte Mozart als eine Art Prisma verstehen, das zunächst die Vergangenheit [also Joh. Chr. Bach, Schobert usw.] absorbiert und dann später "spektralisiert", also das Erlernte, Ver- und Erarbeitete wieder abgibt, wovon andere Zeitgenossen wiederum profitiert haben und [mit teilweisem Erfolg!] versuchten, das Ergebnis zu kopieren.

Zu diversen Zuschreibungsversuchen konnte es überdies auch nur kommen, da ja die Werke von Mozarts Zeitgenossen lange Zeit überhaupt nicht bekannt waren. Es gab ja ausser Mozart, Haydn und Beethoven - vielleicht Schubert am Rande - garnichts Vergleichbares. So blieb den Werkschubladisierern ja nichts anderes übrig, als eine der genannten Kategorien [M, H, B oder S] zu wählen.

Wäre Mozart bei seinen Salzburger Werken hängen geblieben, wäre er vermutlich nicht mehr bekannt, als Rosetti & Co. - das Besondere ist doch nur der "Spätstil", abgesehen von einigen bemerkenswerten Frühwerken, die aber ohne die großartigen Spätwerke gar nicht bekannt wären oder [à la Vivaldi - einstmals] als Einzelstücke verloren in der Ecke stünden.

Natürlich wurde "Mozart" auch zum Sinnbild der Wiener Klassik - alles, was eine Perücke mit Pferdeschwanz und Bandl trägt, wird gleich als "Mozart" qualifiziert. Interessanter Weise assoziiert man mit einem solchen Erscheinungsbild eher seltener bis gar nicht Joseph Haydn. Mozart wurde im Gegensatz zu ebenso bedeutenden Komponisten wie Gluck oder Haydn "privatisiert" - quasi ein Spielgefährte des täglichen Lebens. Man nennt ihn auch - was ich als ziemlich unangenehme und respektlose Marotte empfinde - auch beim Vornamen. In der Literatur ist soetwas m. W. nicht passiert!?

Ob Mozart überschätzt wird, vermag ich nicht zu beantworten und eine Antwort auch nicht zu verantworten. Es gibt allerdings eine Reihe von Werken, die ich persönlich für überschätzt halte - darunter aber sicherlich nicht die "kleine Nachtmusik". Wahrscheinlich aber ist Mozart eher noch unterschätzt: Jeder Pimpfling versucht sich daran, seine Werke zu spielen [inkl. mir].

Nächtliche Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

raphaell

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3

Freitag, 29. Juni 2007, 00:25

Hallo Ulli,

Was hältst du denn z.B. für überschätzt?

Ich möchte mich auch mal als "Nicht-Moazart-Fan" zu wort melden und kurz mein, wenn auch ich allzu fundierte meinung kundtun:

Ich halte Mozart in vielen Werke einfach als unbestreitbar gransios und nicht überschätzbar. Allerdings gibt es auch eine Menge "Müll". Wenn man in Bachs Oevre schaut, siehts einfach flächendeckend (bis auf vielelicht einige frühe Orgelwerke) besser aus.

Unbestreitbar ist auch, dass es viele "Konkurrenten" und Zeitgenossen gibt, die auch großes geschaffen haben! - Alledings ist es einfach auch ein Hype und Personenkult um Mozart - der zum Mozartjahr nochmal ordentlich angefeuert wurde. Die Legenden und Mysterien ranen sich und machen Mozart einafach zu einer Ikone - und jeder, und interessiert er sicha uch noch so wenig für Klassik, kennt Mozart - "das Wunderkind"!

Die Musik ist in der regel auf Anhieb leicht zugänglich und weiss zu gefallen. Mozart hinterlässt mit der Zauberflöte eine der meißtgespielten Opern überhaupt - jedes Kind hat sie fast schon einmal gesehen! Wo sind denn die anderen Klassischen Opern auf den Spielplänen? - Fidelio...ok....und natürlich Der Figaro, Don Givanni, die Entführung und Cosi - im Klassischen Opern - Sektor ist Mozart einfach dominierend - Auch wenn es unbestreitbar andere sehr gute Opern der Klassik gibt! Das Requiem gefällt auch leuten, die ansonsten wenig mit Klassik anfangen und das "Dies Irae" leiben auch Hardrocker... :D

Mozart ist, unter die oberflächlich Betrachtung des heiter - fröhichen extrem wandelbar. Das zeichnet ihn zum einen qualitativ aus, zum anderen erreicht er dadurch eine ganze Menge Publikum!

Die "Repertoirelieblinge" die jeder kennt und die fast jeder im Plattenregal hat, auch wenn er sonst eher die Charts hört sind einfach Ohrwürmer im besten sinne...Nachtmusik, Zauberflöte, Requiem, Krönungsmesse, Symphonien Nr.25 und 40....wer kennt sie nicht?
Solche Ohrwürmer hat Haydn z.B. spärlich.. oder besser: sie sind nicht bekannt - Mozart bleib also in aller Munde!

Ich denke das hohe Ansehen Mozarts rührt neben einigen sicher brillianten Werken hauptsächlich vom Personenkult und der Medialen vermarktung her!
Überschätzt halte ich ihn im prinzip nur insofern, als dass er den Blick auf andere, tolle Komponisten der Zeit versperrt!
Eine Mozart-Gesam-Edition hätte es (obwohl ich ie habe) normalerweise nicht gebraucht! 50 CD's hätten icke gereicht, um die wichtigsten und besten Sachen zu vereinen!

LG
Raphael

musicophil

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4

Freitag, 29. Juni 2007, 01:21

Ich glaube eher, daß Mozart unterschätzt wird. :D

Warum sage ich das? Ganz einfach. Wenn man die langsameren Teile in Werken von Mozart hört, finde ich es auffällig, daß viele eigentlich so gesungen werden können. Bei schnelleren Teilen ist das nicht so deutlich, aber dennoch habe ich manchmal auch da das Gefühl "Da hätte er so eine Arie aus machen können".
M.M.n soll man Mozart vom Sängerstandpunkt betrachten. Also "Wie würde ich es bringen, wenn es gesungen würde". Welche Tempi, welche Akzente. Kein großes Orchester.
Und weil gerade negiert wird, daß Mozart so genial Musik für Sänger schrieb, wird seine Musik nicht bzw nie so klingen, wie sie hätte können.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Fairy Queen

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5

Freitag, 29. Juni 2007, 07:13

Lieber Paul, ich versteh nicht, wie du auf den Satz kommst:
"Und gerade weil negiert wird, dass Mozart so genial für Sänger schrieb...."

NEGIERT? Wo und von wem?????
Mozart war ein ausgesprochener Sänger-Komponist und vom Gesangsschüler-Anfänger bis zur grossen Primadonna ist er in aller Kehle. :yes:
Er liebte die Sänger vor allem die - INNEN :D, einschliesslich seiner eigenen Gattin, die als Solistin z.B. in der c-moll Messe von ihm eingesetzt wurde und daher auch eine gute Sängerin gewesen sein MUSS. Aus seinen Briefen geht hervor, dass er zu Hause mit ihr zusammen seine Werke GESUNGEN hat und sie sind auch, wie du ja schreibst wunderbar singbar.
(Vielleicht mag ich deshalb die Symphonien nciht, weil ich da nciht mitsingen kann???? ?()
Mozart ist auf den ersten blmick einfach zu singen, und wird daher auch von Gesangslehrern bevorzugt eingesetzt. Seine Lieder und Arien hat wohl niemand NICHT gesungen, der je Unterricht hatte. :pfeif:
Gleichzeitg ist er aber auch SEHR schwierig zu singen: wenn man ihn GUT singen will...... :rolleyes:
Anders als bei den romantischen Opern-Komponisten gibt es da stimmlich kein Pardon.Es ist nichts durch"veristischen" Ausdruck zu vertuschen, Unsauberkeiten, Druck, mangelndes Legato fallen viel schneller und brutaler ins Gewicht, und ein schönes angenehm lyrisches Timbre ist existentiell .
Man stelle sich etwa Callas mit Mozart vor. So sehr ich sie verehre, aber Sänger ihrer Sorte haben bei Mozart ncihts verloren. Gut, dass sie das wusste und mir ausser ihrer italienischen Constanze nichts bekannt ist. :D

Ich würde daher viel eher sagen, dass Mozart zwar unterschätz wird: aber NUR im Schwierigkeitsgrad!(Ich nehme jetzt mal bewusst die richtig virtuosen Koloratur- Sachen aus, da weiss wohl jeder, wie schwierig sie sind)

Das was leicht und anmutig klingen soll, ist doch oft das Schwierigste und das zeigt sich nirgends so deutlich wie bei Mozart.
Ich habe mir gerade wieder für ein Konzert-Programm zum Thema Liebe eine seiner angeblich kinderleichten Arien vorgenommen, die Barbarina aus der Nozze. (l'ho perduta) Obschon die Noten kein Problem sind, keine virtuosen Fallen darinnen, ncihts was abschrecken könnte und so mancher das Stück"ridicul" findet: EINFACH und LEICHT ist ein Riesenunterschied!

Auchin den Konzertarien-Aufnahmen, lieber Paul, die du mir liebenswürdigerweise geschickt hast, wird ja die Mozarttauglichkeit auf einen harten Prüfstand gestellt. Hier kommt dann nämlich auch noch die geforderte Virtuosität dazu, die niemals angestrengt klingen darf. Bei Verdi oder Puccini und vor allem den Veristen kann man sich allerhand erlauben und das als Ausdruck "tarnen" bei Mozart geht das wahrlich nciht! (Bei Haydn und Gluck genausowenig!) :no:


Als Komponist insgesamt ist er meiner Ansicht nach keinesfalls überschätzt. Ein Genie kann man NIE überschätzen. :angel:


Fairy Queen
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

pbrixius

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6

Freitag, 29. Juni 2007, 07:51

Zitat

Original von raphaell
Ich möchte mich auch mal als "Nicht-Moazart-Fan" zu wort melden und kurz mein, wenn auch ich allzu fundierte meinung kundtun:


Lieber Raphael,

vielen Dank für Deine mutige Meinung. In Zeiten der Mozart-Hype gegen dieselbe anzustinken, findet durchaus meine Unterstützung, weil die Hype mehr den Blick auf Mozart verstellt, als ihn ermöglicht. Deine Meinung zu Mozart, soweit es Deinen Geschmack betrifft, ist nicht zu widerlegen. Sobald sich aber daraus Werturteile ergeben, möchte ich Einspruch erheben.

Zitat

Ich halte Mozart in vielen Werke einfach als unbestreitbar gransios und nicht überschätzbar. Allerdings gibt es auch eine Menge "Müll". Wenn man in Bachs Oevre schaut, siehts einfach flächendeckend (bis auf vielelicht einige frühe Orgelwerke) besser aus.


Zunächst fehlt uns hier wieder eine "Legaldefinition" (was für ein Wort!) für Müll. Ich übersetze es das Wort einfach mal in "nicht mehr Benötigtes". Da wird einem unbehaglich zumute, denn was man selbst nicht zu benötigen scheint, kann für einen anderen ja eine Not mildern oder sogar beheben. Ähnliche Gefühle habe ich bei Versuchen wie "überflüssiges" (für wen?) oder "Veraltertes". Setzen wir aber "Schwaches" für "Müll", sind wir meiner Meinung nach nicht in einer besseren Lage als zuvor. Warum man Äußerungen von renommierten Leuten findet, wie "Bach hat kein schwaches Werk geschaffen", ist einer eigenen Überlegung wert. Häufig haben solche Äußerungen etwas damit zu tun, dass man seine (zeitgenössische) Auffassung der Kunst aufgrund des Oeuvres eines Meisters formuliert, dann wird aus "so wie Bach schreibt, ist es gut" logischerweise ein "alles, was Bach schrieb, ist gut".

Wir sind ja eigentlich froh, dass von einem Meister wie Mozart das Schaffen so gut dokumentiert ist (bei Bach gibt es große Lücken). Bei Mozart können wir die musikalische Entwicklung eines Genies von der Nachahmung zeitgenössischer Muster bis zur Eigenständigkeit (Bruchlinie ist für mich etwa bei den Lambacher Sinfonien, wo Mozart die Augenhöhe seines Lehrers Leopold erreicht hat). Dass man die Schülerwerke aufführt, mag man für eine Überschätzung halten - solange man ihnen nicht aufmerksam lauscht. Dann entdeckt man schon in den ersten Sinfonien bei aller Nachahmung eigene Töne - und gar dem berühmten Thema der Jupiter-Sinfonie begegnet man schon. Schlecht komponiert ist da nichts, da sei Leopold vor! Es ist schon mehr als erstaunlich, welchen Ton Mozart etwa bei dem immer noch frühen "Bastien und Bastienne" findet (inklusive Eroica-Thema in der Ouvertüre). Nein,Müll ist da nichts, die Frage ist nur, ob man die Musik nun jedem Liebhaber auch aufdrängen muss. Da ist die Antwort klar: Nein!


Zitat

Unbestreitbar ist auch, dass es viele "Konkurrenten" und Zeitgenossen gibt, die auch großes geschaffen haben! - Alledings ist es einfach auch ein Hype und Personenkult um Mozart - der zum Mozartjahr nochmal ordentlich angefeuert wurde. Die Legenden und Mysterien ranen sich und machen Mozart einafach zu einer Ikone - und jeder, und interessiert er sicha uch noch so wenig für Klassik, kennt Mozart - "das Wunderkind"!


So sehr ich Dir auch in Sachen Hype zustimme - kennen tun die wenigsten Mozart, die Hype lässt sie nur mit dem falschen Gefühl zurück, dass sie Mozart kennen.


Zitat

Die Musik ist in der regel auf Anhieb leicht zugänglich und weiss zu gefallen.


Und das ist die am meisten verbreiteste Unwahrheit. Für seine Zeitgenossen war Mozart schwierig und gar dissonant. Ich habe gestern in einem anderen Zusammenhang eine nach Mozarts Tod geschriebene Wertung zitiert, die repräsentant ist für die Mehrheitsmeinung: Zunächst stellt sie fest, was die Meisterschaft eines Dittersdorf und eines y Soler ausmacht, dann resumiert sie in Bezug auf Mozart:

"[...], so ist ein solcher sicher ein großer Mann für Zeit und Nachwelt. Aber welcher würkliche Kenner wird wohl behaupten, daß dies alles auf Mozart passe. Sein Gesang wird durch häufige Harmonien überladen, Begleitungen und schwer zu treffende Intervallen, oftmals für die Sänger zum Behalten und Intoniren sehr schwer. Seine Instrumentalbegleitungen [...] worin man freylich die harten Modulationen, unreinen Nachahmungen und verworrenen Begleitungen nicht billigen darf." Der Autor im vielgelesenen Journal des Luxus und der Moden schließt, dass Mozart sicher noch die Eigenschaften eines großen Mannes erlangt hatte, hätte er nur weiter gelebt. In der Fußnote nimmt er von der Kritik "Die Zauberflöte" aus, wo es "große Muster eines schönen, edlen und einfachen Gesanges giebt".


Zitat

Mozart hinterlässt mit der Zauberflöte eine der meißtgespielten Opern überhaupt - jedes Kind hat sie fast schon einmal gesehen! Wo sind denn die anderen Klassischen Opern auf den Spielplänen? - Fidelio...ok....und natürlich Der Figaro, Don Givanni, die Entführung und Cosi - im Klassischen Opern - Sektor ist Mozart einfach dominierend - Auch wenn es unbestreitbar andere sehr gute Opern der Klassik gibt!


Wenn man mal von der Zauberflöte absieht, so sind Mozarts Opern bei weitem nicht so häufig auf der Bühne zu sehen als die Werke von Wagner bis Puccini. Welche "klassischen" Werke möchtest Du dann auf der Bühne häufiger sehen (außer den Opern Gluck selbstverständlich, da stimme ich sofort zu!) - Cherubinis "Wasserträger"?

Zitat

Das Requiem gefällt auch leuten, die ansonsten wenig mit Klassik anfangen und das "Dies Irae" leiben auch Hardrocker... :D


Auch im Hardrock ist Mozart ein seltener Gast, da hält man sich lieber an Beethoven bis Mussorgski.

Zitat

Die "Repertoirelieblinge" die jeder kennt und die fast jeder im Plattenregal hat, auch wenn er sonst eher die Charts hört sind einfach Ohrwürmer im besten sinne...Nachtmusik, Zauberflöte, Requiem, Krönungsmesse, Symphonien Nr.25 und 40....wer kennt sie nicht?
Solche Ohrwürmer hat Haydn z.B. spärlich.. oder besser: sie sind nicht bekannt - Mozart bleib also in aller Munde!


Deine Vorstellung von Repertoirekenntnis ist schon einigermaßen optimistisch! Die Krönungsmesse? Die Sinfonie Nr. 25 ? Als Klingelton mag ja noch einiges von Mozart bekannt sein, aber sonst ...

Zitat

Ich denke das hohe Ansehen Mozarts rührt neben einigen sicher brillianten Werken hauptsächlich vom Personenkult und der Medialen vermarktung her!


Meiner Meinung nach kommt es von der totalen Unkenntnis Mozarts, von oberflächlicher Rezeption, von einer umfassenden Verharmlosung.

Zitat

Überschätzt halte ich ihn im prinzip nur insofern, als dass er den Blick auf andere, tolle Komponisten der Zeit versperrt!


An wen dachtest Du denn da?

Zitat

Eine Mozart-Gesam-Edition hätte es (obwohl ich ie habe) normalerweise nicht gebraucht! 50 CD's hätten icke gereicht, um die wichtigsten und besten Sachen zu vereinen!


Das lässt mich den Beitrag ja schon sehr friedlich schließen. Wenn Dir bei all Deiner Skepsis 50 CDs gereicht hätten - von immerhin 180 - steht es mit Deiner Mozartliebe schon zum Besten. Das sind schon schätzungsweise 40 CDs mehr als der Durchschnitt kennt.

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

Ulli

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7

Freitag, 29. Juni 2007, 08:53

Salü,

Zitat

Original von raphaell
Ich halte Mozart in vielen Werke einfach als unbestreitbar gransios und nicht überschätzbar. Allerdings gibt es auch eine Menge "Müll". Wenn man in Bachs Oevre schaut, siehts einfach flächendeckend (bis auf vielelicht einige frühe Orgelwerke) besser aus.


das ist natürlich eine Sache des Blickwinkels. ;)

Zitat

Die Musik ist in der regel auf Anhieb leicht zugänglich und weiss zu gefallen.


Schade, dass diese Meinung noch immer nicht ausgestorben ist! Ich empfehle diesen Thread:

Mozart jenseits von "Heiter" und "Fröhlich"

Zitat

Überschätzt halte ich ihn im prinzip nur insofern, als dass er den Blick auf andere, tolle Komponisten der Zeit versperrt!


Das stimmt allerdings!

:hello:

Ulli
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pbrixius

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8

Freitag, 29. Juni 2007, 09:08

Zitat

Original von Ulli

Zitat

Überschätzt halte ich ihn im prinzip nur insofern, als dass er den Blick auf andere, tolle Komponisten der Zeit versperrt!


Das stimmt allerdings!



Hallo,

ich frage wieder einmal - auf wen versperrt er den Blick? Ich bin nicht der Meinung, dass ein Myslivecek, so sehr ich ihn schätze, bekannter wäre, wenn es Mozart nicht gäbe. Ohne Mozart würde für die meisten eben die Geschichte des Violinkonzerts bei Beethoven anfangen.

Um ein weiteres Feld zu eröffnen, die Oper - welche Oper würde wohl "Die Zauberflöte" ersetzen, wenn es sie nicht gäbe. Ich vermute einmal, der Platz bliebe leer. "Der Stein der Weisen" zeigt den kümmerlichen status quo.

Klavierkonzerte à la Kozeluch hört man neben Mozart, gäbe es ihn nicht, hörte man sie neben Beethoven - aber nicht einmal mehr als vorher.

Just my 10 cts ...

Peter
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Padre

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9

Freitag, 29. Juni 2007, 09:42

RE: Ist Mozart überschätzt ?

Ich halte- sofern ich mir eine Meinung erlauben darf- nicht für überschätzt.
In "Mozart und die Nachwelt", habe ich schon einige Stimmen zur Wort kommen lassen. Manche halten Mozart für "Göttlich". Ein göttliches Wesen kann man nicht unterschätzen. Ich habe vielmehr den Eindruck, wenn die diese Nachrufe lese, dass hier ein gewisses, kollektives Schuldbewusstsein zum Ausdruck kommt.
Etwa so :"Zu Lebzeiten hast du nicht die Anerkennung erfahren, die du verdient hättest, deswegen erfährst du sie jetzt.
Aus diesen Nachrufen, geht nur Hochschätzung hervor.Richard Wagner schreibt beispielsweise......."Dieser Deutsche, dieses größte und göttliche Genie war Mozart."
Alle überschlagen sich regelrecht und klopfen Mozart symbolisch auf die Schultern.
Wenn Mozart überschätzt wäre, hätten sich seine Bewunderer, gründlich getäuscht, und daran mag ich nicht glauben. :hello:
Padre

10

Freitag, 29. Juni 2007, 09:46

Zitat

Ohne Mozart würde für die meisten eben die Geschichte des Violinkonzerts bei Beethoven anfangen.


Äh....angeblich soll ein gewisser J.S. Bach auch ein paar ganz brauchbare Violinkonzerte geschrieben haben (von Vivaldi, Telemann etc. usf. gar nicht zu reden).

Auf die Frage, ob Mozart überschätzt wird, kann ich eigentlich nur mit einer Gegenfrage reagieren: Von wem? Von Hinz, Kunz, mir (bestimmt nicht - ich höre selten Mozart), Ulli, Paul, dem Musikwissenschaftler Dr. Müller oder wem auch immer?
Ich bin bislang auf sehr unterschiedliche Mozartbilder gestoßen. Aber daß Mozart einer der wichtigsten Komponisten überhaupt ist, hat noch nie jemand auf ernstzunehmende Weise bestritten, oder?

Viele Grüße

Bernd

pbrixius

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11

Freitag, 29. Juni 2007, 09:51

RE: Ist Mozart überschätzt ?

Zitat

Original von Padre
Ich habe vielmehr den Eindruck, wenn die diese Nachrufe lese, dass hier ein gewisses, kollektives Schuldbewusstsein zum Ausdruck kommt.
Etwa so :"Zu Lebzeiten hast du nicht die Anerkennung erfahren, die du verdient hättest, deswegen erfährst du sie jetzt.
Aus diesen Nachrufen, geht nur Hochschätzung hervor.Richard Wagner schreibt beispielsweise......."Dieser Deutsche, dieses größte und göttliche Genie war Mozart."
Alle überschlagen sich regelrecht und klopfen Mozart symbolisch auf die Schultern.


Es ist leider wie so oft, erst den toten Künstler beginnt man zu schätzen. Die Bach-Renaissance hat auch Carl Philipp Emanuel nach dem Tode seines Vaters eingeleitet - mit einer deutlichen Replik auf den Tod (und einer Mystifizierung der "Kunst der Fuge").

Bei Mozart war der dem Romantischen angemessene Mythos der des zu früh verstorbenen "apollinischen Jünglings". Dabei lobte (fast) jeder möglichst die Musik, in der er nicht mit ihm konkurrierte, aber es wurde nur ein schmaler Kanon rezipiert - da, wo das Zerrbild zutraf. Die Hochschätzung Wagners ist mir immer etwas verdächtig, der versucht Mozart so zu vereinnahmen und als (unvollendeten) Vorläufer darzustellen wie Gluck.

Wenn man von wenigen Ausnahmen einmal absieht, setzt die ernsthafte Rezeption seines Werkes erst im 20. Jahrhundert ein. Dass Mozart einem anderen Komponisten den Ruf verdunkelte, möchte ich mal gerne nachgewiesen haben ...

LG Peter
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12

Freitag, 29. Juni 2007, 09:54

Zitat

Original von Bernd Schulz
Äh....angeblich soll ein gewisser J.S. Bach auch ein paar ganz brauchbare Violinkonzerte geschrieben haben (von Vivaldi, Telemann etc. usf. gar nicht zu reden).


Wobei die Rezeption dieser Violinkonzerte nun auch mehr eine Sache des 20. Jahrhunderts ist. Die Verdunkelungsgefahr hatte ich eigentlich etwas früher geortet :yes:

LG Peter
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Padre

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13

Freitag, 29. Juni 2007, 10:02

RE: Ist Mozart überschätzt ?

Da gebe ich dir gerne recht ,Peter.Allerdings sind es ja nicht nur Komponisten, die sich geäußert haben, sondern beispielsweise auch Franz Grillparzer. Vielleicht sind diese Stimmen neutraler.
:hello:
Padre

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14

Freitag, 29. Juni 2007, 10:07

RE: Ist Mozart überschätzt ?

Zitat

Original von Padre
Da gebe ich dir gerne recht ,Peter.Allerdings sind es ja nicht nur Komponisten, die sich geäußert haben, sondern beispielsweise auch Franz Grillparzer. Vielleicht sind diese Stimmen neutraler.


So ist es. Und E.T.A. Hoffmann sollte man da auch nennen!

LG Peter
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Michael

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15

Freitag, 29. Juni 2007, 10:12

Zitat

Original von pbrixius
.......................
Peter


Ich würde mal zum Bekanntheitsgrad von Mozarts "Zauberflöte" meinen, daß diese Oper im nicht deutschsprachigen Raum keineswegs so bekannt ist.

Und zur leichten oder weniger leichten Zugänglichkeit zu Mozart: sein "Don Giovanni" war ja das Vorbild der Komponisten in der Romantik, und Mozart war für seine Zeitgenossen durchaus nicht leicht verständlich.
Das einzig Wahre daran ist sicher, daß Mozart der Letzte war, der noch rein nach den Regeln des Kontrapunkts komponiert hat.

Michael

pbrixius

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16

Freitag, 29. Juni 2007, 10:30

Zitat

Original von Michael
Ich würde mal zum Bekanntheitsgrad von Mozarts "Zauberflöte" meinen, daß diese Oper im nicht deutschsprachigen Raum keineswegs so bekannt ist.


Vielen Dank für den Hinweis. Er entspricht meinem Eindruck. Natürlich gibt es Aufführungen. Ich habe eine mit Karajan auf Italienisch - da fehlt doch meiner Meinung nach viel von dem, was die Zauberflöte für uns ausmacht: Wie will man das Idiom Papagenos in eine andere Sprache übertragen?

Zitat

Und zur leichten oder weniger leichten Zugänglichkeit zu Mozart: sein "Don Giovanni" war ja das Vorbild der Komponisten in der Romantik,


Wobei mir in Sachen Oper nicht viel einfällt, da gibt es nur den Lortzing nach Grabbe (und bei Lortzing noch diese faszinierenden "Szenen aus Mozarts Leben" gar mit Musik aus dem Requiem!). Ansonsten sind es doch eher Variationswerke über "Là ci darem la mano".

Zitat

und Mozart war für seine Zeitgenossen durchaus nicht leicht verständlich.
Das einzig Wahre daran ist sicher, daß Mozart der Letzte war, der noch rein nach den Regeln des Kontrapunkts komponiert hat.


... zumindest von den Großen ...

LG Peter
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17

Freitag, 29. Juni 2007, 10:34

Ohne alles gelesen zu haben:
Mozart ist einer der ältesten Komponisten die stets zu den Bedeutendsten gezählt wurden, woran sich nie etwas geändert hat.
Werke mit unklarer Zuschreibung sind überhaupt nichts Besonderes - warum soll das ein Argument betreffend einer fraglichen Größe Mozarts sein?
Ich halte die Fragestellung für eine ziemlich realitätsfremde Konstruktion.
:(

pbrixius

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18

Freitag, 29. Juni 2007, 10:36

Meiner Meinung nach sollte man die Frage stellen können. Die Nachfrage wäre sicherlich die: Worin überschätzt?

LG Peter
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Ulli

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19

Freitag, 29. Juni 2007, 10:40

Zitat

Original von pbrixius

Zitat

Original von Ulli

Zitat

Überschätzt halte ich ihn im prinzip nur insofern, als dass er den Blick auf andere, tolle Komponisten der Zeit versperrt!


Das stimmt allerdings!



Hallo,

ich frage wieder einmal - auf wen versperrt er den Blick? Ich bin nicht der Meinung, dass ein Myslivecek, so sehr ich ihn schätze, bekannter wäre, wenn es Mozart nicht gäbe. Ohne Mozart würde für die meisten eben die Geschichte des Violinkonzerts bei Beethoven anfangen.


Die Frage lässt sich nur auf bestimmte Zeiten bezogen beantworten. Heute "schadet" Mozart sicherlich weder Myslivecek noch Rosetti oder anderen Zeitgenossen, da es Gott sei Dank einen Zeitgenossenboom gab. Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts war dies noch ganz anders, da kannte man definitiv nur einen sehr kümmerlichen Anteil aus diesem schier unendlichen Musikfundus der Mozartzeitgenossen. Mozart galt damals unumstösslich als "das Beste" - was sollte man also nach anderem graben? Zum Glück wurde durch die Hartnäckigkeit einiger Ensembles, denen vermutlich das ewige Mozartgedudel auf den Sender ging, einiges zu Tage gefördert, das zumindest für mich zum nicht mehr wegdenkbaren Repertoire gehört.

Zitat

Um ein weiteres Feld zu eröffnen, die Oper - welche Oper würde wohl "Die Zauberflöte" ersetzen, wenn es sie nicht gäbe. Ich vermute einmal, der Platz bliebe leer. "Der Stein der Weisen" zeigt den kümmerlichen status quo.


Hänsel und Gretel? ?(

Zitat

Klavierkonzerte à la Kozeluch hört man neben Mozart, gäbe es ihn nicht, hörte man sie neben Beethoven - aber nicht einmal mehr als vorher.


Hier bin ich nicht so sicher - das ist sehr spekulativ, wie auch meine Gegenbehauptung: man hat ja wohl bewußt nach Mozartzeitgenossen gegraben und nicht nach solchen von Beethoven. Letztgenannte tauchen erst in der jüngeren Zeit allmählich aus dem Dunkel wieder auf.

Viele Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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20

Freitag, 29. Juni 2007, 11:06

Zitat

Original von Ulli
Die Frage lässt sich nur auf bestimmte Zeiten bezogen beantworten. Heute "schadet" Mozart sicherlich weder Myslivecek noch Rosetti oder anderen Zeitgenossen, da es Gott sei Dank einen Zeitgenossenboom gab. Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts war dies noch ganz anders, da kannte man definitiv nur einen sehr kümmerlichen Anteil aus diesem schier unendlichen Musikfundus der Mozartzeitgenossen. Mozart galt damals unumstösslich als "das Beste" - was sollte man also nach anderem graben?

Ich muss pbrixius rechtgeben: Man hätte ebensowenig gegraben (oder ebensoviel), wenn es Mozart nicht gäbe. Dann wären eben Haydn und Beethoven die Größen, die im Weg sind.
Es ist ja nicht so, dass in Generationen ohne so beliebt-prominentem "Superkomponisten" wie Mozart man lieber graben würde. Sind die Komponisten zwischen Gluck und Haydn flächendeckender präsent?
:hahahaha:

Padre

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21

Freitag, 29. Juni 2007, 11:21

RE: Ist Mozart überschätzt ?

Es geht hier, wenn ich das richtig verstanden habe , um eine Einschätzung, also um eine subjektive Beurteilung, eines bestimmten Sachverhalts.
Diese kann richtig, oder eine Fehleinschätzung sein. Deshalb wird man in dieser Frage keinen Konsens erzielen können, obwohl die Frage spannend bleibt.
Padre

Wulf

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22

Freitag, 29. Juni 2007, 11:22

Zitat

Original von Bernd Schulz

Auf die Frage, ob Mozart überschätzt wird, kann ich eigentlich nur mit einer Gegenfrage reagieren: Von wem? Von Hinz, Kunz, mir (bestimmt nicht - ich höre selten Mozart), Ulli, Paul, dem Musikwissenschaftler Dr. Müller oder wem auch immer?

Bernd


Eine sehr gute, berechtigte Frage. Wer kann sich ein Urteil erlauben, eine Schätzung vornehmen? Die Frage ist durchaus ernst gemeint. Ich, der ein paar Werke Mozarts kennt, ein Bruchteil dessen, was Paul oder Ulli kennen, darf ich mir ein Urteil erlauben? Dürfen überhaupt Leute, die "nur" hören sich ein Urteil erlauben? Muß man nicht schon strukturelle Kenntnisse haben? Die Frage nach dem "wer" ist berechtigt. Wer tut das?

Überschätzung kann auch nur im Vergleich geschehen. Man müßte also noch fundierte Kenntnis der Zeitgenossen haben.

:hello:
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pbrixius

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23

Freitag, 29. Juni 2007, 11:25

Zitat

Original von Ulli
Die Frage lässt sich nur auf bestimmte Zeiten bezogen beantworten. Heute "schadet" Mozart sicherlich weder Myslivecek noch Rosetti oder anderen Zeitgenossen, da es Gott sei Dank einen Zeitgenossenboom gab.


Nun, das ist ja mal gut, dass da Namen fallen. Bei aller Wertschätzung der genannten - Mozart können sie nicht das Wasser reichen. Man kann es meiner Meinung nach schon hören, aber ein Blick in die Partitur überzeugt da umso mehr!

Die Rezeption Mozarts sieht im 19. Jahrhundert von ein paar Hauptwerke abgesehen eher kümmerlich aus. Sehr schnell wurden Mozart, Beethoven (und Haydn) zusammen gesehen - mit der Folge, dass vor allem Beethoven rezipiert wurde. Wie rezipiert wurde, nur einige wenige Beispiele:

Schumann sprach etwa der g-Moll-Sinfonie KV 550 jeglichen leidenschaftlichen Zug ab, er beschrieb sie mit "griechisch-schwebende Grazie". Bei Wagner ist die Sache klar: "Auf Haydn und Mozart konnte und mußte ein Beethoven kommen; der Genius der Musik verlangte ihn mit Notwendigkeit, und ohne auf sich warten zu lassen, war er da ..." Mit derselben Notwendigkeit hob Wagners Werk natürlich das von Beethoven auf. Von Mahler gibt es das Zitat: "Nur wenn man begreift, welcher Unterschied zwischen der Mozartschen g-Moll-Symphonie und der Neunten ist, kann man überhaupt beurteilen, was er [i.e. Beethoven] geleistet hat."

Vorgezogen wurden etwa die Werke von Cimarosa (etwa dessen "Il matrimonio segreto"), so von Goethe oder von Delacroix.

Dass Mozart also den Blick auf andere verstellte, ist eine Legende. Eher kann man sagen, dass Beethoven den Blick auf Mozart verstellte.

Zitat

Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts war dies noch ganz anders, da kannte man definitiv nur einen sehr kümmerlichen Anteil aus diesem schier unendlichen Musikfundus der Mozartzeitgenossen. Mozart galt damals unumstösslich als "das Beste" - was sollte man also nach anderem graben?


Da wären mir Belegstellen aber sehr lieb. In der mir erreichbaren Literatur sieht es anders aus. Da ist das Beste vor Wagner Beethoven und davor Bach - und die Mozart-Rezeption kümmerlich. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann eine Mozart-Renaissance, aber eben mit Mozart auch die Entdeckung seiner Zeitgenossen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus ...

Zitat

Zum Glück wurde durch die Hartnäckigkeit einiger Ensembles, denen vermutlich das ewige Mozartgedudel auf den Sender ging, einiges zu Tage gefördert, das zumindest für mich zum nicht mehr wegdenkbaren Repertoire gehört.


Nun ja, jedem seine Vorurteile ;)


Zitat

das ist sehr spekulativ, wie auch meine Gegenbehauptung: man hat ja wohl bewußt nach Mozartzeitgenossen gegraben und nicht nach solchen von Beethoven. Letztgenannte tauchen erst in der jüngeren Zeit allmählich aus dem Dunkel wieder auf. i


Der genannte Kozeluch ist aber eher Zeitgenosse (und erfolgreicher Konkurrent) Mozarts, nicht Beethovens.

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

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24

Freitag, 29. Juni 2007, 11:40

Zitat

Original von pbrixius
Vorgezogen wurden etwa die Werke von Cimarosa (etwa dessen "Il matrimonio segreto"), so von Goethe oder von Delacroix.

Aber das wird sich doch relativ bald geändert haben, oder?
Diese "Dreigestirnsicht" kam doch recht bald und hartnäckig.
Und kein Generationsgenosse rüttelt auch nur im entferntesten heute daran - Gluck und Schubert zähle ich jetzt nicht als Generationsgenossen.
:hello:

Syrinx

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25

Freitag, 29. Juni 2007, 11:43

HAllo,
Ich finde MOzart dann überschätzt, wenn er quasi vor alle anderen grossen Komponisten gestellt wird. Im Mozartjahr haben sich auch grosse Musiker wie Muti, Harnoncourt, Barenboim in Fernsehinterviews überboten MOzart als einzig wahren, eben "göttlichen" darzustellen.
Auch wenn Mozart "nur" sein KLarinettenkonzert komponiert hätte, würde er für mich zu den ganz Grossen zählen, aber ich sehe keinen Grund ihn über Beethoven und Schubert zu stellen.
Ansonsten muss ich sagen, dass ein Zugang zu Mozart nicht nur für die Zeitgenossen schwierig war, sondern mitunter Heute noch ist.
Einem jungen Geiger steht z.B. im NOrmalfall ein Sibeliuskonzert viel näher, als ein Mozartkonzert, diese Musik braucht sowohl als Zuhörer, wie auch als Interpret eine gewisse Reife.
Ich kann nur sagen, dass ich als kleines Kind gern Mozart gehört habe (BAstienne, Nachtmusik, Zauberflöte) und dann erst wieder mich 30 GEschmack daran gefunden habe, als ich zufällig den Don Giovanni im Fernsehen sah und einfach nicht mehr abschalten konnte. Die Streichtrios verstehe ich aber z.B. immer noch nicht wirklich, obwohl ein befreundeter Geiger mir versucht hat zu erklären, wieso das KV 563 zu den besten Kammermusikstücken überhaupt gehören soll.

Gruss :hello:

Syrinx
Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt.
Goethe, Faust 1

raphaell

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26

Freitag, 29. Juni 2007, 11:52

Hallo Peter,

Danke für die ausführliche Analyse meines Beitrags! - Natürlich war ich darauf gefasst, dass ich mit meiner Meinung hier nicht so einfach davon komme...also versuche ich auf die meisten Antworten jetzt nochmal zu "gegenantworten"... :D

Zum "Müll": Das ist sicher ein sehr knappes, überspitztes Wort, was bei genauerer Betrachtung nicht zutrifft. Es gibt unbestreitbar keinen Komponisten, von dem wir ein solch frühes und zugelich qualitätsvolles Frühwerk haben! Ich möchte vielelicht nur sagen, dass z.B. Mozarts erste Symphonie (welche ich wirklich NETT finde - nicht mehr) gegen z.B. so manche Kraus Symphonie verliert - meiner Ansicht nach. Da mögen die Experten natürlich wieder Altersunterscheide und die Musiktheoretische Analyse als Gegenargument bringen - ich will ledigleich sagen, dass ich z.B. viele der frühen Symphonien eher entbehrlich finde! Ein Frühwerk ist, obwohl unglaublich beeindrucken das ein so junger Mensch schoon sowas tolles schaffen kann, doch meist immer noch ein frühwerk - Einige tolle Ansätze, aber noch nichts ganz großes, weltbewegendes. Für mich ist das keine "Entschuldigung" oder Argument.

Zitat

...kennen tun die wenigsten Mozart...

Nunja - KENNER gibt es natürlich generell sehr wenige...von jedem Komponisten. Aber es gibt ja nunmal (wie du sagst) die vom Hype mit Pseudokennertum beglückten...
Wenn "Müll" nicht erlaubt ist, was ist denn dann der "Kenner"? Wo beginnt er?...alles ist sehr relativ, ich weiss aber was du meinst!

Nun steinigen du und Ulli mich, weil ich wieder einmal pseudokennerhaft gesagt habe, Mozart sei einfach zu hören. Ich weiss, dass Mozart auch viele düstere Werke geschrieben hat (das sind oft meine Favoriten) und in sachen Harmonik seinen Zeitgenossen oft vorraus war - jedoch: WEnn ich im vergleich eine 5-Stimmige Bachfuge, Wagners Ring oder was dodekaphonisches von Schönberg höre, dann ist Mozart doch (im großteil) seines Werkes sehr Fidel, leicht zugänig und ästhetisch (Letzteres wird mit hoffentlich kein Mozart-Fan abspenstig machen wollen ! ). Natürlich sollte man auf der Basis der Zeitgenossen verleichen - da von denen aber kein Schwein was gehört hat, ziehen sich die meißten Ottonormalhörer halt den sagenumwitterten Superstar Mozart rein und stellen fest - das ist sehr schöne, zugängliche und heiter (meistens jedenfalls - ich weiss :D) Musik!

Zitat

Welche "klassischen" Werke möchtest Du dann auf der Bühne häufiger sehen (außer den Opern Gluck selbstverständlich, da stimme ich sofort zu!) - Cherubinis "Wasserträger"?

Nein, Nein - Ich gestehe Mozart im Operntechnischen bereich sicher eine, wenn nicht DIE Hauptrolle zu. Nun kenne ich leider zu wenige klassische Opern, um das unbedingt beurteilen zu können - aber hier im Forum werden docu imemr wieder auch andere klassische Opern mit brennender Begeisterung gehört und bewertet - selbst wenn sie möglichwereise musikalische oft weniger Qualität haben mögen - gefallen tun si ja offenbar doch!

Zitat

Deine Vorstellung von Repertoirekenntnis ist schon einigermaßen optimistisch! Die Krönungsmesse? Die Sinfonie Nr. 25 ?


Naja...die Krönungsmesse war wohl wirklich etwas hochgegriffen - aber Die 25.? Der Anfang ist sogar bei "Johann Lafer - Genissen auf gut Deutsch" zu hören...und eben als Handy-Klinglton...wenn das keine mediale Verbreitung ist?!

Zitat

Zitat

Ich denke das hohe Ansehen Mozarts rührt neben einigen sicher brillianten Werken hauptsächlich vom Personenkult und der Medialen vermarktung her!


Meiner Meinung nach kommt es von der totalen Unkenntnis Mozarts, von oberflächlicher Rezeption, von einer umfassenden Verharmlosung.


Nunja...was ist denn dann angebracht? - Alle sollen Mozart genau hören und zu "Kennern" werden um dann wieder zu der Erkenntnis kommen: "Mozart ist Brilliant!" oder sollen die neuen Experten zu der Erkenntnis kommen: "Mozart ist Schrott!" ?(. Irgendwie klingt dein Einwand so nach letzterem. Praktisch wie: "Würden die Leute unter ihre oberflächliche Betrachtung schauen, dann würden sie erkennen, dass das Hohe Ansehen unangebracht ist!..."

Zitat

An wen dachtest Du denn da?


Ich dachte in der Tat an z.B. die hier schon öfter erwähnten Kraus, Koscheluch und y Soler - aber auch italienische Kolelgen (natürlich mag man ihnen einiges an Qualität aberkennen - aber die Bekanntheit und das Gefallen?!) kommen oft zu kurz!

Naja...ich will mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen - Ich schätze Mozart durchaus hoch - aber halt nicht für alles was er verzapft hat!
Hören tu ich ihn kaum (mehr)...seitdem ich ander Komponisten kenne. Mozart war ein guter Einstieg, auch für mich, aber jetzt wende ich mich halt anderen Bereichen zu...(wieder so eine oberflächliche Phrase... :stumm: :D

Ich erteile das Wort eider den Freunden und Kennern...und vertricke mich nicht weiter in den Sumpf meiner scheinheiligen Argumente... :D

LG
Raphael

Wulf

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27

Freitag, 29. Juni 2007, 12:04

Zitat

Original von Syrinx
HAllo,
Ich finde MOzart dann überschätzt, wenn er quasi vor alle anderen grossen Komponisten gestellt wird. Im Mozartjahr haben sich auch grosse Musiker wie Muti, Harnoncourt, Barenboim in Fernsehinterviews überboten MOzart als einzig wahren, eben "göttlichen" darzustellen.


Echt, und diese ganzen bekannten Dirigenten haben sich darin ereifert Mozart vor alle anderen zu stellen??
ICh meine, wer tut das? (außer Bach-Fans mit Bach??)

Zitat


Einem jungen Geiger steht z.B. im NOrmalfall ein Sibeliuskonzert viel näher, als ein Mozartkonzert, diese Musik braucht sowohl als Zuhörer, wie auch als Interpret eine gewisse Reife.


Ist das so? Das Reifeargument klingt immer ein bisschen überheblich. Was soll ich davon halten, wenn ich Musik eines Menschen spiele oder auch anhöre, der keine 36 Jahre alt geworden ist und dann gesagt bekomme, lass ma Junge, da fehlts Dir noch an Reife?
Ich weiß nicht....bin ich unreif, wenn ich Mozart sehr schätze aber in Sachen VK dann doch Sibelius vorziehe?


:hello:
Wulf
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pbrixius

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28

Freitag, 29. Juni 2007, 13:15

Zitat

Original von Kurzstueckmeister

Zitat

Original von pbrixius
Vorgezogen wurden etwa die Werke von Cimarosa (etwa dessen "Il matrimonio segreto"), so von Goethe oder von Delacroix.

Aber das wird sich doch relativ bald geändert haben, oder?
Diese "Dreigestirnsicht" kam doch recht bald und hartnäckig.
Und kein Generationsgenosse rüttelt auch nur im entferntesten heute daran - Gluck und Schubert zähle ich jetzt nicht als Generationsgenossen.
:hello:


Hallo KSM,

mit meinen Bordmittel kann ich den genauen Zeitpunkt jetzt nicht nennen, aber das Dreigestirn hatte doch mehr die Eigenschaft, dass der Brillant Beethoven umso heller strahlte Für die Zwanziger, Dreißiger und Vierziger des letzten Jahrhunderts gilt das auf jeden Fall noch immer. Ich hatte mich vor einiger Zeit eingehender mit der Rezeption von Mozart im Dritten Reich beschäftigt, da stand der Donnerblitzbub "Mozart" als Beispiel da, wie schwer es deutsche Kunst hatte, sich durchzusetzen, während der Titan Beethoven sich durchtankte. Mit Mozart konnte man in Salzburg zwar feiern, aber doch keine Massenaufmärsche musikalisch begleiten.

Vorher war Mozart in den Händen der "Rokoko"-Fraktion, was einer Verharmlosung des Werkes Mozarts bedeutete. Es gab zwar schon eine gegenläufige Tendenz (sehr wichtig Balet/Gerhard), aber die war auf eine Minderheit beschränkt.

LG Peter
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Ulli

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29

Freitag, 29. Juni 2007, 13:20

Zitat

Original von pbrixius

Zitat

Original von Ulli
Die Frage lässt sich nur auf bestimmte Zeiten bezogen beantworten. Heute "schadet" Mozart sicherlich weder Myslivecek noch Rosetti oder anderen Zeitgenossen, da es Gott sei Dank einen Zeitgenossenboom gab.


Nun, das ist ja mal gut, dass da Namen fallen. Bei aller Wertschätzung der genannten - Mozart können sie nicht das Wasser reichen. Man kann es meiner Meinung nach schon hören, aber ein Blick in die Partitur überzeugt da umso mehr!


Namen sind hier relativ unwichtig. Zudem kommt es sicherlich einfach auf den Geschmack oder die Intention des Hörers an. Wie bereits erwähnt wurde, war Mozart für sein Publikum zu kompliziert - seine Werke zu virtuos, als dass sich das "Volk" damit vergnügen konnte. Da war leichtere Kost doch angenehmer - und das wiederum konnte bzw. wollte Mozart zumindest ab c1780 nicht mehr bieten. Also konnte er seinen Zeitgenossen ebenfalls nicht mehr das Wasser reichen. Es ist halt immer nicht gar so einfach, Äpfel mit Birnen zu vergleichen - sei's drum: Mozarts Mithridate kann Joh. Chr. Bachs Clemenza [di Scipione] durchaus das Wasser reichen - eigentlich sind die Werke beinahe identisch. Vielleicht ist Bach sogar [wegen der Chöre] noch einen Tick besser? Dann nehmen wir eben den Silla zum Vergleich. Die Opern wären musikalisch und künstlerisch deckungsgleich. Ganz im Gegenteil zu diesem Blödelstück mit der Gärtnerin...

Zitat

Dass Mozart also den Blick auf andere verstellte, ist eine Legende. Eher kann man sagen, dass Beethoven den Blick auf Mozart verstellte.


Dann formuliere ich es nochmals - aber anders: Wie gesagt konnte man ja außer Mozart gar nichts hören, Mozart hat neben Haydn, Schubert und Beethoven alles überwuchert, wobei Haydn sicher die unbedeutendere Rolle spielte. Wenn also dem Publikum - warum auch immer - Zeitgenossen Mozarts nicht geboten wurden, dann stand "Mozart" bzw. seine Musik dem Publikum im Wege [ohne freilich, dass es davon wusste].

Zitat

Da wären mir Belegstellen aber sehr lieb. In der mir erreichbaren Literatur sieht es anders aus. Da ist das Beste vor Wagner Beethoven und davor Bach - und die Mozart-Rezeption kümmerlich. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann eine Mozart-Renaissance, aber eben mit Mozart auch die Entdeckung seiner Zeitgenossen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus ...


Dann zeig mir doch einfach die Unmengen an Schallpaltten mit Werken von D. Cimarosa, Joh. Chr. Bach, J. M. Kraus, Jos. Mylivecek, A. Rosetti, A. Eberl, G. Ferlendis, A. Salieri, Uttini, Vanhal, Wranický... :rolleyes:

Zitat

Zitat

Zum Glück wurde durch die Hartnäckigkeit einiger Ensembles, denen vermutlich das ewige Mozartgedudel auf den Sender ging, einiges zu Tage gefördert, das zumindest für mich zum nicht mehr wegdenkbaren Repertoire gehört.


Nun ja, jedem seine Vorurteile ;)


Was hat das bitte mit Vorurteilen zu tun? ?(


Zitat

[...] Kozeluch [...]


Wäre aber vielleicht ohne die Existenz eines Mozart gänzlich unbekannt.

:hello:

Ulli
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observator

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30

Freitag, 29. Juni 2007, 13:25

Zitat

Original von Fairy Queen

Ich habe mir gerade wieder für ein Konzert-Programm zum Thema Liebe eine seiner angeblich kinderleichten Arien vorgenommen, die Barbarina aus der Nozze. (l'ho perduta) Obschon die Noten kein Problem sind, keine virtuosen Fallen darinnen, ncihts was abschrecken könnte und so mancher das Stück"ridicul" findet


welcher ork wagt es ?! :angry:

aber ein gutes beispiel für ignorante unterschätzung. :yes:

[warum steht der thread nicht im mozartforum?]
erkenntnis braucht oft lange -selbst für selbsterkenntnis ist es nie zu spät

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