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Walter Krause

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31

Mittwoch, 29. August 2007, 15:52

Zitat

Original von pbrixius

ich glaube, dass AS es geschafft hat, gleichzeitig eine brillante Arbeit über Karl May zu schreiben und gleichzeitig das benutzte Analyseinstrument zu parodieren. Dieses Ineins von nachvollziehender Interpretation und haarsträubender Persiflage gehört für mich zum Besten, was ich von AS kenne!



Lieber Peter,

Ich bin mir nicht sicher, wo bei AS' "Sitara und der Weg dorthin" der Übergang zwischen Parodie und Ernst liegt. Nachdem ich seinerzeit lange mich über seine Hintergründigkeit amüsiert hatte, blieb mir das Lachen irgendwann im Hals stecken, weil ich das Gefühl bekam, irgendwann entglitt ihm die Regie über sich selbst. Und seine Manierismen anderswo sind bei aller Genialität oft schwer auszuhalten (ich denke an seine Übersetzungen, bei denen er manchmal höchstes Sprachgefühl mit unverständlichen Mätzchen paarte).
Psychoanalyse ist, da stimme ich H.v.Ditfurth zu, doch sehr wesentlich eine Sache der Intuition und leider ein Feld, auf dem einiges Unkraut den Weizen schwer kenntlich macht.

LG

Waldi
Homo sum, ergo inscius.

raphaell

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32

Mittwoch, 29. August 2007, 16:17

Hallo,

Wie es der Lullist schon angedeutet hat, ist die Technik der Travestie in der Barock-Oper gang und gebe. Auch hat er auf den Fakt hingewiesen, dass, besonders in der Renaissance, nur Männer Theater spielen durften - also ist es nicht verwunderlich, dass Shakespeare in seinem Sommernachtstraum auch nur männliche Handwerker das Drama von Pyramus und Thisbe aufführen lässt.

Da Brittens "Sommernachtstraum" sich stark an die Textliche vorlage Shakespeares hält, treten natürlich auch hier die Handwerke auf, und die Szenen mit ihnen nehmen in der Oper einen wirklich großen Teil ein. Britten spielt auch extrem mit der Travestie der Thisbe und lässt den Tenor falsettieren...

LG
Raphael

pbrixius

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33

Mittwoch, 29. August 2007, 16:48

Zitat

Original von Walter Krause
Ich bin mir nicht sicher, wo bei AS' "Sitara und der Weg dorthin" der Übergang zwischen Parodie und Ernst liegt. Nachdem ich seinerzeit lange mich über seine Hintergründigkeit amüsiert hatte, blieb mir das Lachen irgendwann im Hals stecken, weil ich das Gefühl bekam, irgendwann entglitt ihm die Regie über sich selbst. Und seine Manierismen anderswo sind bei aller Genialität oft schwer auszuhalten (ich denke an seine Übersetzungen, bei denen er manchmal höchstes Sprachgefühl mit unverständlichen Mätzchen paarte).


Diese Regie entgleitet AS in vielen seiner Werke, was auch an der Unvereinbarkeit seiner Prämissen liegt. Deswegen wird er immer eine Gemeinde haben - und nicht mehr ...

Zitat

Psychoanalyse ist, da stimme ich H.v.Ditfurth zu, doch sehr wesentlich eine Sache der Intuition und leider ein Feld, auf dem einiges Unkraut den Weizen schwer kenntlich macht.


Der langjährige Kammerchor-Leiter (Preisträger!) Oberhoff mag ja seinen Chor ...

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
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Fairy Queen

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34

Mittwoch, 5. September 2007, 08:35

Da ich soeben intensiv mit dem Don Carlos zugange bin und gerade Schillers Drama erneut und ziemlich erschûttert wieder-beendet habe:
die Beziehung zwischen Carlos und Posa könnte mir zumindest seitens des Letzteren eine sehr umfassende Liebe einschliessen.
Karlos liebt Elisabeth, das ist ein Argument, wenn auch kein Hinderungsgrund ,natürlich. Aber seine erotischen Neigungen liegen recht klar zutage. Posa aber liebt bei Schiler ausser der Gedankenfreiheit und dem flandrischen Volk nur Karlos und zwar so leidenschaftlich und bedingungslos, dass er ihm alles opfert. Für mich schlôsse eine solch intensive Liebe zumindest erotische Gefühle(wenn auch nciht unbedingt Handlungen ) mit ein. Ab einer bestimmten Intensität von bezeihung fidne ich es fast absurd, da noch klare Trennungslinien ziehen zu sollen oder zu müssen, egal um welches Geschlecht es sich handelt. Ich würde daher nciht die Linie bei Homo-Erotik ziehen, sondern ganz klar bei Homo-Sexualität. Erotik gehört in meinen Augen zu jeder sehr innigen Beziehung, Sexualität dagegen nciht ziangsläufig sondern dann wirklich als Willensakt und Grenze, die man überschreitet oder eben nicht.
Was nun Homo- Sexualität betrifft, sehe ich eigentlich im Monent keine Oper vor meinem geistigen Auge , wo das ganz klar und explizit von Mann zu Mann oder Frau zu Frau(ausser bei Lulu) thematisiert ist.
Erotik dagegen gibt es zuhauf und imgrunde überall, wo ganz enge Beziehungen herrschen.

Fairy Queen :angel:
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

pbrixius

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35

Mittwoch, 5. September 2007, 21:18

Zitat

Original von Fairy Queen
Ich würde daher nciht die Linie bei Homo-Erotik ziehen, sondern ganz klar bei Homo-Sexualität.


Liebe Fairy Queen,

das sehe ich auch so. Zu Schillers Zeiten hat man Männerfreundschaften auf jeden Fall noch emphatischer gesehen als heute - und Verdi hätte sicher nicht an ein homosexuelles Verhältnis Don Carlos/Posa gedacht.

Zitat

Erotik gehört in meinen Augen zu jeder sehr innigen Beziehung, Sexualität dagegen nciht ziangsläufig sondern dann wirklich als Willensakt und Grenze, die man überschreitet oder eben nicht.
Was nun Homo- Sexualität betrifft, sehe ich eigentlich im Monent keine Oper vor meinem geistigen Auge , wo das ganz klar und explizit von Mann zu Mann oder Frau zu Frau(ausser bei Lulu) thematisiert ist.


... zumindest bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ...

Zitat

Erotik dagegen gibt es zuhauf und imgrunde überall, wo ganz enge Beziehungen herrschen.
/quote]

So sehe ich das auch

Liebe Grüße Peter
:angel:
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

severina

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36

Mittwoch, 5. September 2007, 21:52

Zitat

Original von Fairy Queen
Da ich soeben intensiv mit dem Don Carlos zugange bin und gerade Schillers Drama erneut und ziemlich erschûttert wieder-beendet habe:
die Beziehung zwischen Carlos und Posa könnte mir zumindest seitens des Letzteren eine sehr umfassende Liebe einschliessen.
Karlos liebt Elisabeth, das ist ein Argument, wenn auch kein Hinderungsgrund ,natürlich. Aber seine erotischen Neigungen liegen recht klar zutage. Posa aber liebt bei Schiler ausser der Gedankenfreiheit und dem flandrischen Volk nur Karlos und zwar so leidenschaftlich und bedingungslos, dass er ihm alles opfert. Für mich schlôsse eine solch intensive Liebe zumindest erotische Gefühle(wenn auch nciht unbedingt Handlungen ) mit ein. Ab einer bestimmten Intensität von bezeihung fidne ich es fast absurd, da noch klare Trennungslinien ziehen zu sollen oder zu müssen, egal um welches Geschlecht es sich handelt. Ich würde daher nciht die Linie bei Homo-Erotik ziehen, sondern ganz klar bei Homo-Sexualität. Erotik gehört in meinen Augen zu jeder sehr innigen Beziehung, Sexualität dagegen nciht ziangsläufig sondern dann wirklich als Willensakt und Grenze, die man überschreitet oder eben nicht.
Was nun Homo- Sexualität betrifft, sehe ich eigentlich im Monent keine Oper vor meinem geistigen Auge , wo das ganz klar und explizit von Mann zu Mann oder Frau zu Frau(ausser bei Lulu) thematisiert ist.
Erotik dagegen gibt es zuhauf und imgrunde überall, wo ganz enge Beziehungen herrschen.

Fairy Queen :angel:


Hallo Fairy,
da brenne ich jetzt auf einen Gedankenaustausch im Thread Schiller - Verdi - Don Carlos, denn ich sehe das ganz anders!! Posa liebt nur seine Ideen von Freiheit und "Menschenglück", und Carlos ist ein Werkzeug, mit dem er seine Ideale realisieren kann - er stirbt NICHT für den Freund Carlos, Carlos muss weiterleben, damit seine, Posas, Träume weiterleben und realisiert werden können. Carlos überschwängliche Freundschaftsbeteuerungen haben auf den ersten Blick durchaus homoerotische Komponenten, sind aber aus seinem typischen "Sturm-und-Drang-Charakter" heraus zu erklären. Und Elisabeth? Ich warte auf den Regisseur, der endlich einmal meine Sicht der Dinge umsetzt, dass sie nämlich nicht den grünen Jüngling Carlos, sondern Posa liebt. (Andrea Breth hat das am Burgtheater ansatzweise versucht, für mich aber nicht konsequent genug durchgeführt) Aber "der Gegenstand reißt mich dahin", wie's so schön heißt, wir sind hier völlig OT!!!!
lg Severina :hello:

Ulrica

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37

Mittwoch, 5. September 2007, 22:57

Liebe ForianerInnen,

ich weiß, dass ich jetzt eine Spitzkehre drehe - obwohl on- topic -, aber das Thema beschäftigt mich höchstpersönlich und daher muss ich meinen Senf noch loswerden.

Mit der Don - Carlos - Geschichte bin ich ja leider nur sehr peripher bewandert. Als ich jedoch diesen Thread gesehen habe, stand mir doch sehr spontan der "Rosenkavalier" vor Augen. Die Oper ist ja in einer Zeit entstanden, wo man sich in der Gesellschaft besonders über abweichendes und eben auch gleichgeschlechtliches Sexualverhalten echauffiert hat und wo es mit Sicherheit einen unglaublichen Skandal gegeben hätte, wenn in einem Film oder Sprechtheaterstück zwei Frauen so in den Betten herumgeturnt hätten wie Rosenkavalier(in) und Marschallin, und wenn man noch so sehr, wie es ja vordergründig im Libretto steht, den Rosenkavalier als jungen Mann verkauft. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man dies in der Entstehungszeit anders inszeniert hat.

In der Oper ging das zu Richard Strauss´ Zeiten aber genauso ohne Aufreger wie schon davor. Und das, obwohl die Homoerotik gar nicht übersehen werden kann und das Libretto sogar bewust durch den Rollentausch Oktavian/Mariandl zumindest mit Travestie spielt.

Die Argumente, die ihr vorher gebracht habt (Übernahme von Kastratenrollen und die Vorstellung von der Reinheit der Knaben, ausgedsrückt durch die Frauenstimme) können hier eigentlich nicht mehr greifen, denn sie passen nicht mehr zu den Vorstellungen der Entstehungszeit.

Wie kann es sein, dass die Oper etwas als Gut der Hiochkultur "durchbringt", was in einer anderen Kunstform zeitgleich mit Sicherheit als Schweinskram verdammt worden wäre?

LG

Ulrica
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Fairy Queen

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38

Mittwoch, 5. September 2007, 23:22

Liebe Severina, ich fange den Thread nun andernorts an, denn mich reisst es auch hin! Ic habe den Don Karlos seit der Schule nciht mehr gelesen und war jetzt quasi ganz frisch nach 20 Jahren total erschüttert. Also los gehts. Leider habe ich die Konwitschny Inszenirung bislang nur Akt 1 und 2 gesehen. Fangen wir also mit Schiller und Verdi an. :yes: :yes: :yes:
Hier uberlassen wir dann das Feld der Homoerotik, was ich dazu in Bezug auf Oper meine, habe ich ja bereits gesagt. Homoerotik gibt es allerorten, HomoSEXUALITÄT ist fast komplett tabu.
Und liebe Ulrica: ich verliebe mich immer ein bisschen in meine Duettpartnerinnen in Hosen und finde das vollkommen natürlich und gewollt. Man schaue sich nur Cherubino an. Susanna und Contessa lieben ihn beide und Mozart hatte kein Problem damit. In den entsprechenden Konventionen geht in der Oper alles. Beim Rosenkavalier nciht anders. Das ist eben das Wunderbare an der Kunst: sie darf alles und ist dabei KEIN Schweinkram und wirkt auch nciht so. Sublimierter "Schweinkram" wird zur Schönheit. Zur Kunst.

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pbrixius

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39

Mittwoch, 5. September 2007, 23:46

Zitat

Original von Ulrica
Als ich jedoch diesen Thread gesehen habe, stand mir doch sehr spontan der "Rosenkavalier" vor Augen. Die Oper ist ja in einer Zeit entstanden, wo man sich in der Gesellschaft besonders über abweichendes und eben auch gleichgeschlechtliches Sexualverhalten echauffiert hat und wo es mit Sicherheit einen unglaublichen Skandal gegeben hätte, wenn in einem Film oder Sprechtheaterstück zwei Frauen so in den Betten herumgeturnt hätten wie Rosenkavalier(in) und Marschallin, und wenn man noch so sehr, wie es ja vordergründig im Libretto steht, den Rosenkavalier als jungen Mann verkauft. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man dies in der Entstehungszeit anders inszeniert hat.


Liebe Ulrica,

es war schon eine sehr eigentümliche Zeit. Mit dem Jugendstil war auch das Rokoko neu entdeckt worden, die Così wurde rezipiert - und Strauss schrieb seinen Rosenkavalier in eben diese Rokokozeit hinein. Dieser historische Bezug machte einiges möglich. Die Szene lässt sich übrigens recht dezent inszenieren. Noch der (später entstandene) Rosenkavalier-Film macht deutlich einen Unterschied zwischen dem derben Landleben (bei Baron Ochs) und dem sehr vom zeremoniellen Ablauf bestimmten Leben am Hof. Und diese Stilisierung, die gleichzeitig ja eine Distanz bedeutete, machte es für die Bühne (gerade noch) möglich. Illustratoren wie Bayros gingen da deutlich weiter - auch dieser mit Bezug auf das Rokoko.


Zitat

In der Oper ging das zu Richard Strauss´ Zeiten aber genauso ohne Aufreger wie schon davor. Und das, obwohl die Homoerotik gar nicht übersehen werden kann und das Libretto sogar bewust durch den Rollentausch Oktavian/Mariandl zumindest mit Travestie spielt.


Nun, zwischen der Andeutung von männlicher und weiblicher Homoerotik wurde deutlich unterschieden. Man kann es auch im Rosenkavalier sehen, während - wie Du richtig beobachtest - das (faktische) Zusammensein zweier Frauen in einer verfänglichen Situation über die Stilisierung "gerettet" wurde, wird auch jeder Anschein an Kontakt in der Szene Oktavian/Ochs im 3. Akt vermieden - im ersten Fall eine betont dezente höfische Gesellschaft, im zweiten ein Beisl mit kräftigen und derben Tönen (etwa wenn der scheinbar angetrunkene Oktavian laut zu weinen anfängt!)

Bei Interesse werde ich gern noch en wenig recherchieren.

LG Peter
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Jacques Rideamus

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40

Donnerstag, 6. September 2007, 00:06

Die lesbische Marschallin?

Ich finde diese Spekulationen ja ganz interessant, aber im Falle des ROSENKAVALIER irren sie wohl im Objekt.

Es gibt einen ziemlich intensiven Briefwechsel zwischen Hofmannsthal und Strauss, der bei der Rolle des Komponisten in ARIADNE AUF NAXOS wieder aufgegriffen wurde.

Beide Male hat sich Hofmannsthal, der immerhin den Text dieser "verfänglichen" Menage á quatre zu verantworten hatte, ziemlich heftig gegen die Hosenrollen gewehrt, aber Strauss, der einfach lieber für Frauenstimmen komponierte, hat sich beidemale durchgesetzt - zum Glück für die Musik, wie ich finde, aber dezidiert zum Nachteil der von Hofmannsthal intendierten Männlichkeit der beiden Rollen.

Deswegen würde ich aber Strauss nicht gleich Sympathien oder gar lüsterne Spekulationen um lesbische Verhältnisse unterstellen. Und wenn, dann gälte das eher für den Flirt zwischen der Sängerin und dem Komponisten in ARIADNE, denn sie hat wohl die sehr unmännliche Natur des Komponisten durchschaut. Wahrscheinlich wollte aber auch sie von ihm nur eine besonders schöne Rolle geschrieben haben.

Man sollte auch nicht vergessen, dass die sehr explizite Darstellung der Liebesszene zu Beginn der Oper (von der sehr bildhaften ejaculatio praecox im Vorspiel ganz zu schweigen) für die damalige Zeit schon gewagt genug war.

Man kann natürlich homoerotische Schwingungen aus fast jeder Geschichte heraushören, in der gleichgeschlechtliche Freundschaften eine Rolle spielen, und es gibt bekanntlich eine ganze Reihe von Librettisten und Komponisten, denen das auch nicht fremd gewesen sein dürfte. Was die Geschichte der Oper bis Mitte des letzten Jahrhunderts betrifft, so scheinen mir derartige Entdeckungen vor allem Früchte des Wunschdenkens zu sein.

Aber auch dazu wird der lustige Herr Oberhoff aus dem FREISCHÜTZ-Thread sicher einiges besser wissen. :D

:hello: Rideamus
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pbrixius

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41

Donnerstag, 6. September 2007, 09:05

RE: Die lesbische Marschallin?

Zitat

Original von Rideamus
Ich finde diese Spekulationen ja ganz interessant, aber im Falle des ROSENKAVALIER irren sie wohl im Objekt.

[...]

Deswegen würde ich aber Strauss nicht gleich Sympathien oder gar lüsterne Spekulationen um lesbische Verhältnisse unterstellen.


Lieber Rideamus,

da sind wir uns einig, was die Autoren des "Rosenkavaliers" angeht. Die Frage habe ich auch mehr hinsichtlich der Rezeption verstanden. In den künstlerischen Kreisen war sowohl die implizite wie die explizite Erotik der Oper willkommen, in den Kreisen des liberalen Großbürgertums sicher auch. Aber auf der anderen Seite erschütterten die unheilvollen Nachwirkungen der Harden-Eulenberg-Affäre die Öffentlichkeit nachhaltig. Es ist da schon interessant, die Korrelation näher anzusehen, aber meine Bordmittel reichen dafür im Moment nicht, Dass aber Kunst an den Rand des noch (gesellschaftlich) Sagbaren geht, macht ihre Stärke, im Falle des Rosenkavaliers sicher auch einen großen Teil des riesigen Erfolges der Oper aus.

Zitat

Man kann natürlich homoerotische Schwingungen aus fast jeder Geschichte heraushören, in der gleichgeschlechtliche Freundschaften eine Rolle spielen, und es gibt bekanntlich eine ganze Reihe von Librettisten und Komponisten, denen das auch nicht fremd gewesen sein dürfte. Was die Geschichte der Oper bis Mitte des letzten Jahrhunderts betrifft, so scheinen mir derartige Entdeckungen vor allem Früchte des Wunschdenkens zu sein.


vollkommen d'accord ...


Aber auch dazu wird der lustige Herr Oberhoff aus dem FREISCHÜTZ-Thread sicher einiges besser wissen. [/quote]

Da verspreche ich die nächste Folge, wenn es geht, noch heute.

LG Peter
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Joseph II.

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42

Mittwoch, 25. März 2009, 16:29

Wagner sen. und Wagner jun.

Neulich gelesen, fand es köstlich formuliert, daher hier für alle:

Zitat

siegfried-wagner.org
Richard Wagners Opern haben schon immer schwule Männer fasziniert. T. R. Witomski erwähnt dieses Phänomen ganz lustig in seinem humorvollen Roman Kvetch (1989): »Manche Opern ziehen mehr Schwule an als andere. Opern auf deutsch, Opern länger als vier Stunden, Opern mit verblühenden Divas werden favorisiert. Und wenn man all diese Kriterien zusammen nimmt, dann ergibt sich Parsifal, und dort verbringen auch alle netten Tunten den Karfreitag.«


Daß man "Tannhäuser" so deuten kann, fand ich auch interessant:

Zitat

siegfried-wagner.org
Bei seiner allerletzten Inszenierung, dem »Tannhäuser« seines Vaters, lehnte Siegfried sich an eine Idee von Aubrey Beardsleys homoerotisch geprägten Die Geschichte von Venus und Tannhäuser (1895) an; wenn nach seiner Pilgerreise nach Rom Tannhäuser zum Venusberg zurückkehrt, strecken auch halbnackte Jünglinge in suggestivem Rotlicht ihre Arme nach dem Ritter aus.
"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten." – Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette

ThomasBernhard

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43

Mittwoch, 25. März 2009, 17:17

RE: Die lesbische Marschallin?

Beim überfliegen des thread ist mir die lesbische Gräfin noch nicht aufgefallen.

Alban Bergs Lulu bietet das anrührende Portrait der Gräfin Geschwitz, die der Lulu in selbstaufopfernder Weise verfallen ist. (Jack: Das ist nicht deine Schwester. Sie ist in dich verliebt. Armes Tier.)

In den Genuß dieser Szene kommt man freilich nur in der vervollständigten Fassung von Cerha. Also nicht in der Böhm-Aufnahme.

Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Kurt Fischer

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44

Montag, 30. März 2009, 23:05

Ich habe da eine Weile nachdenken müssen, aber in Donizettis Lucrezia Borgia scheint mir die Beziehung zwischen Lucrezias Sohn Gennaro und seinem Freund Maffio Orsini zumindest unterschwellig homoerotisch angehaucht zu sein, wobei Letzterer eine Hosenrolle darstellt und von einem Mezzo verkörpert wird.

Ich denke da z.B. an die zweite Szene im zweiten Akt. Gennaro wurde gerade noch dank der Hilfe seiner Mutter, von der er aber bis dato noch nicht weiß, dass er ihr Sohn ist, vor dem Gifttod gerettet, den Lucrezias Gatte ihm aus Eifersucht zugedacht hatte und trifft nun Orsini, als er Ferrara in Richtung Venedig verlassen will. Hier scheint mir das Verhältnis der beiden deutlich über die Freundschaft zwischen Männern hinauszugehen.

Beide haben sich einst die Treue geschworen, nachdem Gennaro Orsini das Leben gerettet hatte, und jetzt angesichts der bevorstehenden Trennung beschwören beide dieses Versprechen wieder herauf und beschließen schließlich, doch zusammenzubleiben und gemeinsam nach Venedig zu gehen, allerdings erst noch das Fest der Negroni zu besuchen, was dann letzlich beiden zum Verhängnis wird.

Natürlich gibt es da zwischen den beiden keine sexuell getönten Handlungen, obwohl, wer kann schon sagen was passiert, wenn ein mit entsprechender Phantasie begabter Regisseur das Stück in die Mangel nimmt. :D

Auf jeden Fall deutet alles in der Szene auf sehr tiefe Zuneigung zwischen den beiden hin, das betrifft sowohl den Text, wie auch die abschließende Umarmung. Als ich die Szene das erste Mal bewusst hörte und von der Handlung noch nichts wusste, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass es sich hier um ein Duett zwischen Männern handeln könnte, und das nicht nur, weil den Orsini eine Frau sang.

Textprobe:
Teco sempre ... o viva, o mora.
Qual due fiori a un solo stello,
Qual due fronde a un ramo sol,

Ah! mio Gennaro! sempre insieme,...


Übersetzung sinngemäß:
Immer mit dir zusammen, lebend oder tot.
Wie zwei Blumen an einem Stiel(müsste wohl eigentlich "stelo" heißen)
wie zwei Blätter an einem Ast
Ah, mein Gennaro, immer zusammen...

Also für mich klingt das schon irgendwie sehr schwülstig und "unmännlich", gerade auch durch die blumigen Ausdrücke. Okay, spielt alles in einer Zeit in der so eine Sprache auch unter Männern üblich gewesen sein mag, aber in den wenigsten Opern wird das so dick aufgetragen.

Ich meine, welcher halbwegs normale Mann will schon immer mit einem anderen Mann zusammen sein ("sempre insieme"), das will ich ja ehrlich gesagt nicht mal mit einer geliebten Frau, so ein paar Erholungspausen dazwischen müssen schon drin sein. :D

Aber gut, ich will da weder dem Gennaro noch Orsini was unterstellen, Gennaro liebt ja immerhin auch die Frauen, vor allem unbekannterweise seine Mutter und auch Lucrezia hat es ihm irgendwie angetan, sie sagt ihm ja auch erst kurz vor seinem Tod, als es für ein Gegengift bereits zu spät ist, dass er ihr Sohn ist.

Klingt jetzt vielleicht etwas verwirrend, wirkt in der Oper selbst aber vergleichsweise schlüssig, zumindest wenn man die Handlung einigermaßen kennt. Ansonsten kann man sich immer noch auf die Musik konzentrieren, was gerade im Falle dieses Duettes sehr anzuraten ist, besonders wenn es von Shirley Verrett und Alfredo Kraus gesungen wird. Meisterhaft und sehr mitreißend, wie ich finde. Dazu noch Montserrat Caballé und Ezio Flagello, und fertig ist meine Traumbesetzung, völlig unabhängig von sexuellen Präferenzen. :D

Joseph II.

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45

Dienstag, 31. März 2009, 01:51

Lieber Kurt,

für mich klingt Deine Schlußfolgerung, daß es sich in "Lucrezia Borgia" bei den beiden um mehr als freundschaftliches Verhältnis handelt, in sich sehr schlüssig und fundiert begründet.

Eine moderne Inszenierung, die eben diesen Gedanken berücksichtigen würde, wäre ja mal eine interessante Variante von Regietheater.

Von dieser Oper kenne ich bislang nicht mehr als den Namen, aber es scheint sich wohl zu lohnen, da mal reinzuhören. :D

Überhaupt wäre es ja gerade bei einem Stoff wie dem der berüchtigten Borgias, angesiedelt in der "verruchten" Renaissance, nicht mal so abwegig, wenn derlei Anspielungen vorhanden wären.

:hello:
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Ulli

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46

Dienstag, 31. März 2009, 18:57

...nicht nur auf der Bühne eine praktische Alternative...

Durchaus in, aber insbesondere nach der Oper...

Aus den Memoiren des Giacomo Casanova über die Begegnung mit (vermutlich) dem Kastraten Giovanni Osti "Giovanni di Borghese" 1761 im Teatro Aliberti (Rom):

[...] Und wenn man es den Frauen verbietet, sich auf der Bühne zu zeigen, weil man die Sinne nicht erregen und zu Opfern ihrer Reize machen will, warum sucht man dann Männer, die mit den gleichen Reizen ausgestattet sind, die die Sinne täuschen und verführen und viel schuldhaftere Begierden erwecken als die natürlichen, die echte Frauen erregen. Die, die sich in jene künstlich veränderten Wesen verlieben, sind weit davon entfernt, es zu bereuen, wenn es zur Aufklärung kommt. Sie geben sich vielmehr mit Vergnügen der Sache hin und finden schließlich die Nachbildung so angenehm, daß viele Leute mit Geist und Verstand diese Herren den schönsten Mädchen Roms vorziehen. Denn man könnte eine schöne Sängerin nicht zu einem vertraulichen Zwiegespräch zum Souper einladen, ohne daß es einen Skandal gäbe, wogegen man dies mit einem Kastraten tun kann. Natürlich schläft man anschließend mit ihm, aber niemand wil das wissen [...]

Zitiert nach Hubert Ortkemper: Engel wider Willen - Die Welt der Kastraten (Eine andere Operngeschichte), dtv/Bärenreiter

:beatnik:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Fairy Queen

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47

Dienstag, 31. März 2009, 20:21

Das Thema Kastraten und Erotik hatten wir hier im Forum schon bei einer heissen Diskussion um den Film Farinelli.
Das war noch zu seligen Padres Zeiten....... und ich erinnere mch so mancher "kastrierter" Postings. :wacky: :D

Erotische Beziehungen zu Kastraten hatten zumindest den zu damaligen Zeiten unschätzbaren Vorteil, dass frau nciht schwanger werden konnte.

Ausserdem kursierten immer wieder Gerüchte, das homosexuelle, bisexuelle uind "kastrierte" Männer angeblich besonders einfühlsam sein sollen.

Honi soit qui mal y pense.

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48

Dienstag, 31. März 2009, 20:30

Zitat

Original von Fairy Queen
Ausserdem kursierten immer wieder Gerüchte, das homosexuelle, bisexuelle uind "kastrierte" Männer angeblich besonders einfühlsam sein sollen.


Liebe Fairy Queen,

für Wilhelm Rode, mit dem ich mich im Moment beschäftige, und seinen Freund Stabschef Röhm scheint das nicht ganz zuzutreffen. Es sind eben Gerüchte ...

Liebe Grüße Peter
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49

Dienstag, 31. März 2009, 20:35

Kastraten haben schon einen recht feminen Touch. Allerdings wäre es weit hergeholt, daraus zu folgern, sie wären allesamt homophil gewesen.
Daß sie allerdings von weiblichen und männlichen "Fans" angehimmelt wurden, leuchtet mir ein.
"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten." – Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette

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50

Dienstag, 31. März 2009, 21:22

Zitat

Original von Joseph II.
Kastraten haben schon einen recht feminen Touch. Allerdings wäre es weit hergeholt, daraus zu folgern, sie wären allesamt homophil gewesen.


DAS steht ja auch mit keinem Wort da (aber ich dachte mir schon, daß das so rüber kommen würde...). Allerdings beschäftigt sich Ortkemper in dem sehr empfehlenswerten Buch [leider z. Zt. nicht unter 45 € zu bekommen] im Kapitel 10 Geschlechtertausch sehr ausgiebig mit der Thematik dieses Threads - wenn auch nicht explizit auf die Handlung der Oper bezogen, so doch indirekt durch die handelde(n) Person(en) - nämlich die Kastraten.

Zitat

Original von F.Q.
Erotische Beziehungen zu Kastraten hatten zumindest den zu damaligen Zeiten unschätzbaren Vorteil, dass frau nciht schwanger werden konnte.


Wie auch...? Die Kastraten hatten offensichtlich ganz andere Kundschaft... ;)

:angel:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Fairy Queen

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Dienstag, 31. März 2009, 22:08

Eine Projektionsfläche für beide Geschlechter sein zu können, ist vielleciht ein nicht unwesentlicher Trost für das gewesen, was diesen Mânnern als Kindern gewaltsam geraubt wurde?

Ich denke von Seiten der Frauen spielte tatsächlich neben der Sicherheit, nciht schwanger zu werden, auch ein Illusionsgebäude bezüglich des erotischen Verhaltens der Kastraten im Gegensatz zu manch schlechter Erfahrung mit "unkastrierten Männern" eine Rolle.
Die Imagination einer weiblchen Seele in einem männlichen Körper oder umgekehrt beschreibt doch einen uralten Menschheitstraum und hat sogar mythischen Charakter.
Wie das dann in realiter aussah.. keine Ahnung.....in mich hat sich leider noch kein Kastrat verliebt ;( :stumm:
F.Q.
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Joseph II.

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Dienstag, 31. März 2009, 22:20

Lieber Ulli,

ich bezog mich nicht auf Deinen - sehr schönen! - Text, ich habe es allgemein in den Raum gestellt.

:hello:



Liebe Fairy Queen,

vielleicht erbarmt sich ja noch mal einer, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

:angel:
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Fairy Queen

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Dienstag, 31. März 2009, 22:31

Lieber Joseph, dieser Provokation kann ich nciht widerstehen:


Freiwillige vor!


Wird morgen gelöscht...... :untertauch:
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Ulrica

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Dienstag, 31. März 2009, 23:21

:D :D :D

Zu spät!!!



Ist schon ins virtuelle Ewigkeitsgedächtnis eingedrungen!!!!


:hahahaha:

:hello:
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Dienstag, 31. März 2009, 23:53

Zitat

Original von Fairy Queen
Eine Projektionsfläche für beide Geschlechter sein zu können, ist vielleciht ein nicht unwesentlicher Trost für das gewesen, was diesen Mânnern als Kindern gewaltsam geraubt wurde?

Durchaus denkbar, ich als Kastrat würde mich aber vermutlich durch die Annäherungsversuche von Männern eher belastet oder zumindest belästigt fühlen. Ist aber zum Glück nur eine theoretische Erwägung. :D

Zitat

Ich denke von Seiten der Frauen spielte tatsächlich neben der Sicherheit, nciht schwanger zu werden, auch ein Illusionsgebäude bezüglich des erotischen Verhaltens der Kastraten im Gegensatz zu manch schlechter Erfahrung mit "unkastrierten Männern" eine Rolle.

Vor allem aber wohl auch, dass Kastraten zu ihrer Zeit so etwas wie die Stars von heute waren. Und Berühmtheiten konnten sich noch nie über einen Mangel an Fans beklagen, die nicht selten bereit waren/sind, sich gemeinsam mit ihrem Idol in die Kissen zu werfen.


Zitat

Die Imagination einer weiblichen Seele in einem männlichen Körper oder umgekehrt beschreibt doch einen uralten Menschheitstraum und hat sogar mythischen Charakter.


Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob eine Seele überhaupt ein Geschlecht besitzt. Ich wage es zu bezweifeln, vor allem aber kann ich mir nicht vorstellen, dass sich dieses Geschlecht - so vorhanden - durch einen chirurgischen Eingriff verändern ließe.

Aber ich frage mich an dieser Stelle - angeregt durch Fairy Queens Gedanken - wieso es der eigentlich sehr draufgängerische Cherubino bei den Damen am Hofe des Grafen so leicht hatte. Kann es sein, weil er von der Statur und seinem Wesen her eher als weiblich und somit als (noch) ungefährlich eingeschätzt wurde?

Susanna fällt bei der Anprobe-Szene ja auf, wie zart und weiß seine Hände und wohl auch sein übriger Körper ist. Und die harte Männerwelt scheint ja insgesamt seine Sache nicht zu sein, kommt ja in der Szene um Figaros Arie "Non piu andrai....", "Nun vergiss leises Fleh'n, süßes Kosen..:" sehr gut zum Ausdruck.

An seinem Verhalten kann es jedenfalls nicht gelegen haben, das kann man zum Teil ja nur als notgeil bezeichnen, dennoch reagieren die Frauen eher amüsiert und geschmeichelt und fühlen sich offensichtlich nicht von ihm bedroht.

Weil sie ihn nicht ernst nehmen? Die Männer, allen voran der Graf, jedenfalls tun es. Ebenso Barbarina, die ihn sich entschlossen unter den Nagel reißt. Irgendetwas scheint sie sich ja wohl von ihm zu versprechen.


Zitat

Wie das dann in realiter aussah.. keine Ahnung.....in mich hat sich leider noch kein Kastrat verliebt ;( :stumm: F.Q.

"Leider"? Zum Glück, kann ich da nur sagen. Das waren doch alles verfettete und launische Diven, eitel und unausstehlich, das weiß doch jeder. Greife lieber zu einem soliden Bass, da weißt du was du hast. Operus meint ja auch, dass die Bässe am pflegeleichtesten von allen sind. Und sooo empfindsam... :D

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Mittwoch, 1. April 2009, 07:12

Liebe Ulrica, nun, wenn das so ist, dann muss frau eben auch zu ihren Peinlichkeiten stehen :untertauch:


Lieber Kurt, der Aspekt des Starkults spielt sicher eine nicht unwesentlcihe Rolle.
Wenn man sich heute (oder eher gestern) einen androgynen Star wie Michael Jackson ansieht, kann man vielleicht ähnliche Phänomene beobachten?

Was Cherubino angeht, ist das eine von Mozarts spannendsten Figuren.
Warum verlieben sich alle Frauen in ihn?

Bei Barbarina finde ich die Sache am einfachsten. Sie ist eine Gleichaltrige, die sich eben in einen charmanten und draufgängerischen Gleichaltrigen verliebt- bei ihr wird er sich auch vollkommen anders verhalten haben als bei Susanna und der Contessa. Vielleicht hat er da sogar gräflcihe Verhaltensmuster nachgeahmt, um sich zu produzieren? Barbarina war jedenfalls leichte Beute für ihn, nachdem er seinen unwiderstehlcihen Charme bereits bei den älteren Damen getestet hatte.

Folgende Gründe könnten aus Sicht von Susanna und der Contessa eine Rolle spielen:

Er appellliert an den Mutterinstinkt, ist aber glecihzeiitg kein Kind mehr.

Einer , der diese unglaublichen Arien "Non so più" und Voi che sapete" singt, schreit doch geradezu danach, in die Arme genommen und getröstet , beruhigt, aufgebaut, liebevoll und zärtlich unterwiesen zu werden

Er schmeichelt auf spielerische Weise der Eitelkeit der Damen und lenkt sie von diversen Kümmernissen ab,insbesondere im Fall der betrogenen Contessa.

Er verpflichtet zu ncihts. Die Frauen können sich einen folgenlosen Flirt erlauben, was ja mit den übrigen Herren dieser Oper mehr als ein Spiel mit dem Feuer ist.
Überhaupt ist es der gegensatz zum Grafen und zum Figaro, der Cherubino u.A. so reizvoll macht.
Er lenkt nciht, sondern er muss und will gelenkt werden.
(Das mûssen Figaro und der Conte zwar auch , aber sie wollen und dürfen ncihts davon wissen)

Er erlaubt den Frauen, eine andere, nämlcih die überlegene Position einzunehmen und das sogar noch mit liebevoller Zärtlichkeit zu verbinden.
Echte Sexualität wird ihm bei seinen zarten, mädchenhaften Formen wohl eher nicht zugetraut, was die Sache noch spielerischer und reizvoller für Susanna und die Contessa macht.
Und den Gegensatz zum Conte noch eklatanter.

Dass die Männer ihm da sehr viel mehr zutrauen und ihn als echten Rivalen ernstnehmen, liegt wohl auch daran, dass sie selbst mal ein Cherubino waren und sich noch allzu gut daran erinnern können......

Vielleicht ahnen sie auch , dass dieser Knabe etwas von den Frauen bekommt, dass sie nicht mehr bekommen können oder wollen: spielerische Zärtlcihkeit. Und aus solchen Fünkchen kann dann eben aus Sciht der erfahreneren Herren sehr schnell ein echtes Feuer werden.

Homoerotik sehe ich im Figaro in einer doppelbödigen (weiblichen) Variante im Spiel. Den Figuren sicher unbewusst, aber durch die Hosen-Rolle des Cherubino von Mozart/da Ponte in die Oper eingeschleust und vom Zuschauer sehr leicht zu projizieren.

F.Q.

Lieber Kurt, fette und verwöhnte Diven sind ja nciht nur in der Kastraten-Welt zu finden. Aber waren und sind sie in der weiblcihen Variante genauso attraktiv für beiderlei Geschlecht?
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Kurt Fischer

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57

Mittwoch, 1. April 2009, 09:28

Zitat

Original von Fairy Queen



Lieber Kurt, der Aspekt des Starkults spielt sicher eine nicht unwesentlcihe Rolle.
Wenn man sich heute (oder eher gestern) einen androgynen Star wie Michael Jackson ansieht, kann man vielleicht ähnliche Phänomene beobachten?

Ich denke schon, liebe Fairy Queen, da hat sich wohl prinzipiell gar nicht so viel geändert. In George Michael gibt es ja auch einen Weltstar, der sich mittlerweile ganz offen dazu bekennt.

Die Künstlerwelt stand ja immer schon im Ruf(Ruch?) besonders attraktiv auf Homosexuelle zu wirken,vielleicht weil einem Künstler von seiner Umwelt doch etwas mehr Freiheit in der Lebensgestaltung zugestanden, vielleicht sogar erwartet wird, natürlich auch, um sich dann über die echte oder nur aus eigenen (verdrängten) Gelüsten projizierte Unmoral zu echauffieren.

Nun kann aber zunächst mal niemand etwas dafür, auf wen er anziehend wirkt, erst in der Art und Weise, wie ich auf die Avancen reagiere, zeigt sich, wo meine eigenen Leidenschaften liegen. Und Stars jeglicher Coleur stehen nun einmal stärker im Mittelpunkt des Interesses und können daher unter einer sehr viel größeren Zahl an Verehrern auswählen als normale Menschen, von daher ist vielleicht auch die Versuchung größer, mal etwas auszuprobieren, das ihnen unter anderen Umständen gar nicht in den Sinn käme, à la "Gelegenheit macht Diebe".

Vielen Dank für deine interessanten Gedanken zu Cherubino. Gerade das mit dem Ansprechen des Mutterinstinkts finde ich sehr interessant, den Gedanken hatte ich nämlich auch. Gerade diese Mischung aus seiner unverhohlener Leidenschaft bis fast hin zur Gier auf der einen, und der noch etwas kindlichen Naivität und Unbefangenheit auf der anderen Seite kann ich mir durchaus sehr reizvoll für reife Frauen vorstellen. Gerade auch für die Gräfin, deren Mann zwar sehr eifersüchtig reagiert, seine sexuellen Gelüste aber vorwiegend auf andere Frauen zu konzentrieren scheint.

Dieses unverhüllte Begehren eines jungen, zwar etwas femininen aber dennoch knackigen Verehrers hat sicher etwas sehr Reizvolles für sie und sie geht dabei ja auch weiter, als sie sich das üblicherweise zugestehen würde.

Hier trifft sie sich meiner Meinung nach eindeutig mit der Feldmarschallin aus dem Rosenkavallier, und die Parallele zwischen Octavian und Cherubino wird für mich offensichtlich, auch wenn das Paar bei Strauss einige Schritte weiter geht.


Zitat

Einer , der diese unglaublichen Arien "Non so più" und Voi che sapete" singt, schreit doch geradezu danach, in die Arme genommen und getröstet , beruhigt, aufgebaut, liebevoll und zärtlich unterwiesen zu werden

Klar, Mozart und seine Musik sind schuld. Du machst es dir wirklich sehr einfach, liebe Fairy Queen. :D
Aber im Ernst: Du hast natürlich Recht und grundsätzlich ist es so, dass Mozarts Melodien jede Handlung in gewisser Weise veredeln. Selbst eher absurde Ereignisse wie etwa in "Cosi fan tutte" werden dabei menschlich und verständlich, keine Spur von Vorwürfen oder moralischem Zeigefinger.


Zitat

Lieber Kurt, fette und verwöhnte Diven sind ja nciht nur in der Kastraten-Welt zu finden. Aber waren und sind sie in der weiblcihen Variante genauso attraktiv für beiderlei Geschlecht?

Das Klischee mit den Diven war natürlich nicht allzu ernst gemeint, auch wenn auch hier manchmal ein wahrer Kern dahinterstecken wird.

Ich bin allerdings nicht besonders gut geeignet, deine Frage zu beantworten, da Diven - egal welchen Geschlechts und welcher Statur - auf mich nicht besonders reizvoll wirken, zumindest ganz allgemein gesprochen. Sobald man dann Gelegenheit hat, hinter die Fassade zu schauen und den Menschen näher kennenzulernen, kann die Sache anders aussehen.

Grundsätzlich aber finde ich Menschen wesentlich attraktiver, die sich auch dann selbst treu bleiben, wenn sie Erfolg haben und berühmt werden, auch wenn sie damit bestimmte, sensationslüsterne Teile des Publikums enttäuschen und so auf einen möglichen Zuwachs an noch mehr Publicity verzichten.
:hello:

Kurt Fischer

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58

Mittwoch, 1. April 2009, 16:49

Sexuelle Assoziationen von Hosenrollen und ihre Vermarktung

Nochmal zum Thema Hosenrollen und ihre Wirkung auf die (sexuellen) Phantasien des Publikums, das Fairy Queen ja gerade angesprochen hat. Die Amazon-Werbung für die Neuaufnahme von I Capuleti e i Montecchi scheint mir ein anschauliches Beispiel dafür zu sein, wie eine Plattenfirma ganz gezielt nicht nur den optischen Reiz der Protagonistinnen Anna Netrebko und Elina Garanca vermarktet, sondern gleichzeitig auch sehr geschickt mehr oder weniger lüsterne (homoerotische) Phantasien anspricht.

Klar, schuld ist immer derjenige, der diese Phantasien hat und die DG wird sicherlich ihre Hände in Unschuld waschen, es ist aber doch bezeichnend, dass gleich beiden bisherigen Rezensenten diese Art der Präsentation aufgefallen ist.

Ich selbst finde die Fotoserie der beiden attaktiven Damen durchaus ansprechend und professionell gemacht, dennoch verspüre ich dabei schon ein leichtes Unbehagen, weil ich dabei den Eindruck habe, das Käuferpublikum soll da mit etwas geködert werden, das mit der Gesangeskunst der beiden nicht unbedingt etwas zu tun hat. Zumindest ein Rezensent ist der Meinung, dass es vom Sängerischen her bessere Aufnahmen gibt, Netrebko mit zu schwerer, technisch nicht perfekter Stimme und Garanca zu kühl und unbeteiligt. Bei Bellini ja bekanntermaßen eine Todsünde.

Habe selbst nur kurz reingehört und kann mir deshalb noch kein eigenes Urteil erlauben, ich finde es aber schon seltsam, wenn da offensichtliche gesangliche Unzulänglichkeiten durch optische Reize und "verbotene" Assoziationen ausgeglichen werden sollen. Nach dem Motto: "Männer können besser schauen als hören." :D

Insofern würde mich natürlich besonders die Meinung der weiblichen Schreibenden hier interessieren, da sie dem Thema ja etwas distanzierter gegenüberstehen dürften. Reagiere ich überempfindlich und sollte mich einfach auf den musikalischen Aspekt der Aufnahme konzentrieren und das optische Beiwerk ignorieren? Fällt mir in diesem Fall ehrlich gesagt ziemlich schwer, denn so ganz kalt lassen mich die beiden nicht, und das ist jetzt nicht auf den Gesang bezogen.

"Sex sells" also auch in der Klassik? Wobei der Sex hier natürlich nur sehr unterschwellig angesprochen wird, aber was kommt als nächstes? Operaufnahmen mit "Pin-up"-Kalendern der Sängerinnen als Beilage? Oder sehe ich schon Gespenster?

Ulli

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59

Mittwoch, 1. April 2009, 17:03

RE: Sexuelle Assoziationen von Hosenrollen und ihre Vermarktung

Zitat

Original von Kurt Fischer
"Sex sells" also auch in der Klassik? Wobei der Sex hier natürlich nur sehr unterschwellig angesprochen wird, aber was kommt als nächstes? Operaufnahmen mit "Pin-up"-Kalendern der Sängerinnen als Beilage? Oder sehe ich schon Gespenster?


Sex Sells - auch in der Klassik?

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60

Mittwoch, 1. April 2009, 17:43

Lieber Kurt, Bellinis Capuleti sind besonders am Ende der Inbegriff der verschwimmenden Geschlechter- ein solches Duett ist wirklcih einzigartig. Man weiss manchmal nicht, ob Romeo oder Giulietta singt, die Stimmen kreuzen sich mehrfach und das ist einfach ein geniales Liebestodfinale. :jubel:
Die absolute Einheit, zwei Hälften die sich gefunden haben und untrennbar verbunden sind- ein Geneistreich von Bellini und der einzige dieser Ort in seinen Opern (normalerweise sind seine Liebhaber Tenöre und keine Hosenrollen).
M.E. geht es Bellini aber nciht um Hohmoerotik, sondern um das Symbol der Einheit in der Liebe und der Jugend der beiden Liebenden.

Garanca und Netrebko sind sowohl schöne Frauen wie auch gute Sängerinnen-auf diesen werbewirksamen Photos und dem Kurzvideo einmal mehr in Szene gesetzt.
Die Traumbesetzung der Capuleti sind sie für mich aber wahrlich nicht. Vesselina Kasaravoa und Eva Mei überholen mit Abstand!
Und strahlen weniger Sex-Appeal aus, was keinesfalls störend wirkt.

Der Anklang von Homoerotik lässt sich bei solchen Szenen aber nciht verhindern, wenn da wirklich etwas Authentisches rüberkommen soll.

Das hat meiner Meinung nciht unbedingt immer etwas mit "Sex sells" zu tun, sondern mit der Suggestionskraft der Musik und der Personen der man als Sänger in solchen Szenen ausgesetzt ist.
Ich singe selbst häufig Liebesszenen(u.A. auch diese aus den Capuleti) mit einer weiblichen Partnerin "in Hosen" und empfinde das sehr stark.
Ich finde es vollkommen normal, sich in einer solchen Rolle (auch als Sophie oder Servilia oder Eurydike) vorübergehend in eine Frau zu verlieben und das auch nach aussen widerspiegeln zu können.

Dass das im Falle von Garanca/Netrebko wahrscheinlich übermässig vermarktet wird, ändert nichts an der Tatsache als Solcher.

Das Spiel mit den Phantasien der Zuschauer gehört bei Hosenrollen dazu und sollte weder übertrieben werden noch einem Reinheitsgebot zum Opfer fallen.

F.Q.
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