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Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 923

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Sonntag, 13. Februar 2005, 03:42

Große Beethoven Pianisten auf Schellack

Liebe Taminoianer,

Während ich im Bereich der historischen Aufnahmen von Stimmen einigermaßen akzeptabel sortiert bin, und auch etliches gehört habe, was ich (noch) nicht besitze, ist das Klaviersegment auf diesem Gebiet Neuland für mich. Natürlich kenne ich die meisten großen Namen, wie Edwin Fischer, Artur Schnabel, Walter Gieseking und Solomon Kutner.
Aber gehört hab ich davon kaum je etwas.

[ . . .

Zum einen war ich in meiner Jugend ein Technikfreak, zum anderen kosteten diese Schallplatten auf Vinyl überspielt, fast so viel wie eien Stereoplatte....

Nun aber ist es soweit, ich möcht zumindesten einige "Jahrhundereinspielungen" aus der Schellackzeit in meine Sammlung retten, und zwar möglichst solche, die sich interpretationsmäßig von heutigen Einspielungen derart unterscheiden, daß man mit Fug und
Recht behaupten kann es gäbe heute nichts vergleichbares.......

Es können hier sowohl Beethoven-Sonaten als auch Klavierkonzerte erwähnt werden.

Beste Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Gerrit_Stolte

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Registrierungsdatum: 7. Dezember 2004

2

Sonntag, 13. Februar 2005, 08:56

Lieber Alfred,

zunächst zwei Anmerkungen: Die meisten historischen Aufnahmen unterscheiden sich nicht so drastisch von der heutigen Interpretation der Beethoven-Sonaten. Glenn Gould oder Olli Mustonen sind wesentlich "einzigartiger" im Vergleich zu Brendel/Richter/Gilels etc. als Schnabel/Gieseking etc. Das ist auch nicht sonderlich verwunderlich, da manche der heute aktiven Pianisten bei vergangenen Größen oder deren Lehrern studiert haben. Zudem kann man Solomon getrost aus den Empfehlungen aussparen, da seine großen Beethoven-Interpretationen ja nach 1950 entstanden sind.

Wenn ich mich Recht entsinne (IIRC :D ) magst Du keine Gesamteinspielungen. Die würde ich Dir dennoch empfehlen, wenn es um Schnabels Beethoven geht. Dieser Zyklus, der erste als komplett vertriebene, war einfach bahnbrechend. Auf Naxos Historicals sind mittlerweile zehn Teile der Edition für günstig Geld und gut restauriert erhältlich. Wenn es dennoch nur eine oder zwei Scheiben sein sollen, empfehle ich folgende:



Ein wenig anders als die meisten Interpretationen ist Schnabels Weg schon: er spielt schneller als der Durchschnitt - wenn Du Dich mit einer Partitur hinsetzt wirst Du wahrscheinlich auch ein paar fehlende oder falsche Noten bemerken. Hier war der Eifer des Gefechts "Schuld".

Benno Moiseiwitsch war, wie Schnabel, ein Schüler des großen Theodor Leschetizky. Seine Karriere spielte sich vor allem im Großbritannien der Vorkriegs- und Kriegszeit ab, wobei vorrangig konzertierte und relativ selten ins Studio einkehrte. Empfehlen kann ich eine Scheibe mit dem 3. und 5. Klavierkonzert (3. mit Sargent/1950, 5. mit Szell von 1938 ).



Als letztes Arthur Rubinstein, der zwar alle Sonaten und Konzerte Beethovens spielen konnte, jedoch nur die Konzerte komplett eingespielt hat. 1944 trat er mit dem Schwiegervater seines großen Rivalen Horowitz, Arturo Toscanini, auf. Herausgekommen ist eine feurige Aufnahme des 3. Konzerts. Komplettiert wird die Scheibe mit zwei nicht minder dramatischen Einspielungen von op. 31/3 und der Appassionata:



Einzigartig ist vor allem der Hintergrund der Aufnahme des 3. Konzerts. Es war die einzige Kooperation von Rubinstein und Toscanini und gleichzeitig Toscaninis erste Aufführung des 3. Beethoven-Konzerts. Es ist ein Livemitschnitt eines der Konzerte die Toscanini wöchentlich mit dem NBC Symphony Orchestra machte und die landesweit im Radio übertragen wurden. Nach dem Konzert ist Rubinstein nicht nach Hause sondern in die Carnegie Hall gegangen - da hatte er noch ein komplettes Chopin-Rezital zu bestreiten.
Gruß,
Gerrit

Antracis

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Beiträge: 1 471

Registrierungsdatum: 11. August 2004

3

Freitag, 25. Februar 2005, 13:41

Hallo zusammen, ich hätte da mal eine Frage zu Schnabels Gesamtzyklus. Bei "Zweitausendeins" gibt es aktuell den kompletten Zyklus mit allen 32 Sonaten, 10 CDs für 9,90€.
Label ist "History".

Genaue Beschreibung:

MAESTRO ESPRESSIVO VOL. 1 Beethoven/
Die kompletten Klaviersonaten Nr. 1-32 u.a. Artur
Schnabel/Klavier. Aufnahmen 1932-1937. ADD. History.
10 CDs 9,99 € Nummer .


Ist das "DER" Zyklus von Schnabel, wobei ich denke, dass man zu diesen Zeiten nicht mehrere Zyklen hintereinander eingespielt hat. ;)
Weiterhin: Wie ist es mit der Tonqualität, wobei ich jetzt speziell diese Ausgabe meine ?. Gibt es bessser remasterte, oder sollte ich, zumal bei diesem Preis zugreifen ? Oder lieber zu den restaurierten Naxossen schielen ?

Gruß
Anti

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
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Beiträge: 18 923

Registrierungsdatum: 9. August 2004

4

Freitag, 25. Februar 2005, 14:20

Hallo Anti,


Gut daß dieses Thema aufgergriffen wird, fast hätte ich es vergessen.

Ich habe mit eine Schnabel-Aufnahme aus der Naxos Edition gekauft.
Bevor ich nun mein schonungsloses Urteil über die Restaurationstechnik auslasse, möchte zwei Dinge feststellen:

1) Klaviermusik gehört zu den heikelsten Aufnahmeobjekten überhaupt.

2) Ich habe nie eine originale Schnabel-Schellack gehört.


Was dann aber aud den Kopfhörern kam (mit Lautsprechern wars nicht so arg) war schllechtweg enttäuschend. Viel werden dieses Urteil nicht teilen, weil sie ja von Tonaufzeichniungen, die etwa um 1935 herum gemacht wurden, nichts anderes erwarten.

Tatsächlich waren die guten Aufnahmen der 30iger, mit richtigem Equipment wiedergegeben einigermaßen tanfarbentreu, und nur in seltenen Fällen stumpf. Jedoch waren sie immer von einem sehr vernehmlichen sehr hellen Rauschen beglkeitet.
Dieses hat man, alter Restauratorentradition entsprechend stark reduziert, und sich damit einen stumpfen Klang eingekandelt, der (auf mich) ziemlich leblos wirkt.
Ich empfehle allen, die sich mal ein Bild machen wollen, wie eine Schellack der 30iger im Optimalfall klingen kann, sich die Björling-Aufnahme die ich im entsprechenden Thread gepostet habe zuzulegen, und sei es nur als Referenz für Schellackklang. Dabei ist auch hier eine ganz geringe FIlterung vorgenommen worden, im Original klirren die Aufnahmen etwas mehr, eine Verzerrung, ich weiß, aber sie täuscht dann doch gelegentlich mehr Brillanz vor.

Ich besitze die CD mit der "Mondscheinsonate", vielleicht kann jemand mein Urteil zu dieser Edition bestätigen oder ihm widersprechen.

An sich ist der Besitzer der Originalmatrize im Vorteil - so er sie noch hat und so er über ein erstklassiges Restauratorenteam verfügt.

Um all das zu untermauern möchte ich hier auch mein Credo posten:
Es ist IMO wünschenswert, arge Knacker alter Schellacks zu entfernen (die Originalmatrize weis solche übklicherweise erst gar nicht auf).
Von allem anderen sollte man tunlichst die Finger lassen, das Rauschen ist zwar unangenehm, aber immer noch besser, als der "Watteklang" "entrauschter" Aufnahmen

Gruß aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Theophilus

Administrator

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Beiträge: 10 824

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

5

Donnerstag, 7. April 2005, 20:54

Hallo

Ich habe mich aufgerafft und geschaut, was ich von Schnabel und Beethoven habe. Es fand sich die zweite von 5 Seraphim-LP-Kassetten mit den Sonaten 11-17, bingo!
Um mich ein wenig einzuhören, habe ich die Plattenseite von Anfang an gehört und so die Sonate Nr. 13 gleich mitgenommen. Diese wurde im Unterschied zur Nr. 14 (1934) schon 1932 aufgenommen.
Sehr interessant der klangliche Eindruck. Der Flügel ist nicht in Lautsprecherebene platziert, sonder deutlich zurückgesetzt. Ähnlich als sitzt man in einem Saal und "schaut" auf den Flügel. Rauschen ist geringfügig vorhanden, auch etwas Laufgeräusche (Rumpeln). Beides jedoch so gering, dass man sich schnell adaptiert und auf den Klavierklang konzentriert. Der Flügel klingt in der Mittellage etwas blechern, der Bass ist schlecht durchzeichnet, aber auch hier kann man sich nach ein paar Minuten darauf einstellen. Generell auch für 1932 kein Top-Sound, aber durchaus akzeptabel (für häufige Lauscher historischer Platten!). Beim Übergang zur Sonate Nr. 14 ist der Zeitsprung deutlich hörbar. Hier gesellt sich ein deutlich hörbares Schleifgeräusch dazu, das speziell im ersten Satz naturgemäß etwas stört, bei den beiden folgenden Sätzen fällt es weniger auf. Seraphim hatte also für Nr. 14 qualitativ schlechtere Matrizen als für Nr. 13!

Danach wechsle ich zur CD-Box aller Sonaten in der EMI-Références-Serie. Erste Überraschung: wesentlich mehr Rumpelgeräusche als auf der alten LP! Auch klanglich ändert sich einiges. Der Flügel rückt merklich näher heran, hat aber seinen blechernen Charakter fast vollständig verloren und der Bass ist wesentlich besser durchzeichnet. Ab dem zweiten Satz ist das Rumpeln fast völlig weg, und das ändert sich auf dem Rest der CD nicht mehr wesentlich. Der Flügel klingt rund und füllig, lediglich in den Höhen deutlich stumpf.

Fazit: die Qualität ändert sich unter Umständen von Satz zu Satz und ist für die dreißiger Jahre kein Referenzniveau, aber zumindest guter Durchschnitt. Allerdings ist die Aufnahme nur für jemandem geeignet, der bereit ist, sich auf historische Aufnahmen einzulassen.

Das ganze Gerede um die Tonqualität relativiert sich aber sehr schnell, wenn es um den interpretatorischen Wert der Aufnahmen geht: Wie bei Friedrich Gulda habe ich bei Artur Schnabel das Gefühl, aus dem Klavierspiel spricht mehr der Komponist als der Pianist. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen! Und obwohl ich kein Generalist bin, neige ich zur Ansicht, dass man bei Beethoven einen kompletten Zyklus der Symphonien und Klaviersonaten als Ausgangspunkt einer sich langsam entfaltenden Sammlung von Einzel-CDs haben sollte. Bei den Sonaten gibt es für mich mehr als nur einen Grund, Friedrich Guldas dritte Einspielung der Beethoven-Sonaten (bei Amadeo) als Grundstock einer Sonatensammlung wärmstens zu empfehlen. Aber fast ebenso empfehlenswert ist es für die ernsthafte Auseinandersetzung, Schnabels Einspielung als zweiten Zyklus zu besitzen. Sie hat zwar nicht ganz den gleichen Stellenwert, den Pablo Casals Einspielung der Bach'schen Cello-Suiten besitzt, dennoch kann man mit ihr den Beginn modernen Beethoven-Spiels datieren.
Man braucht nun nicht zu glauben, dass hier antiquiertes Spiel zu hören sei, im Gegenteil! Beethoven ganz ohne Zopf, wenn nötig kraftvoll, zupackend, männlich. Aber auch zart und verträumt (1. Satz Mondschein). Gerrit meint, er spiele schneller als der Durchschnitt, ich formuliere es anders: mehr als der Durchschnitt spielt zu langsam! Schnabels Tempi sind an Natürlichkeit schwer zu übertreffen, Dehnübungen sind seine Sache nicht und es ist nicht Schnabels Problem, wenn heute ein seltsamer Wettstreit darüber entbrennt, wer ein Adagio noch langsamer als sein Vorgänger zustande bringt, ohne dass das ganze Satzgebäude zu Bruch geht.
Dass Schnabel ein paar falsche Noten einbaut, ist nicht zu überhören (auch für mich nicht, und sie müssen schon sehr falsch sein, damit ich das mitbekomme ;) ; es dürften also in Wahrheit sehr viel mehr sein). Interessanter finde ich, dass nicht zu überhören ist, dass Schnabel gelegentlich mehr will als er kann. Und das macht er nicht verschämt, sondern voll Selbstbewusstsein! Er spielt mit Risiko und opfert der Idee gelegentlich die Präzision. Das ist heute vollkommen undenkbar, eine Einspielung muss heutzutage manuell perfekt sein, was zur Folge hat, dass man oft nicht genau weiss, was an einer Interpretation gewollt oder nur gekonnt ist. Bei Schnabel kann man mithören, was er will, und das gibt dem Ganzen etwas Spontanes, das in dieser Form bei modernen Aufnahmen nicht mehr existiert.

Für Liebhaber der Beethoven-Sonaten, die sich gelegentlich historische Aufnahmen antun können, absolute Pflichtlektüre!!!


Uff und Ciao

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Theophilus

Administrator

  • »Theophilus« ist männlich

Beiträge: 10 824

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

6

Donnerstag, 7. April 2005, 21:32

Hallo Antracis

Zitat

MAESTRO ESPRESSIVO VOL. 1 Beethoven/
Die kompletten Klaviersonaten Nr. 1-32 u.a. Artur
Schnabel/Klavier. Aufnahmen 1932-1937. ADD. History.
10 CDs 9,99 € Nummer .


Ist das "DER" Zyklus von Schnabel, wobei ich denke, dass man zu diesen Zeiten nicht mehrere Zyklen hintereinander eingespielt hat.

Ja, dass ist sicherlich DER Zyklus. Schnabel hat nur eine Gesamteinspielung gemacht. Nichts wie kaufen (du würdest nicht einmal zehn schillernd glänzende Untersetzer für das Geld bekommen; also keine Fehlinvestition, wenn es dir wider Erwarten nicht gefallen sollte! :D )

Ciao

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Martin

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Beiträge: 202

Registrierungsdatum: 14. Mai 2005

7

Samstag, 14. Mai 2005, 17:59

Hallo,

ich habe mir diesen billigen Schnabelzyklus auch geholt ( bei Wohlthat und nicht bei 2001, Kostenpunkt 8 Euro) und bin bisher sehr davon angetan. Natürlich hört man den Aufnahmen ihr Alter an. Aber ich bilde mir ein, daß das beim Klavier eine geringere Rolle spielt als bei der Klangfarbenpalette eines Orchesters, wo der Klangverlust noch stärker ins Gewicht fällt.

Allerdings hatte ich bisher nur Einzeleinspielungen gewisser Sonaten und da überlege ich mir denn in Zukunft doch, mir mal einen neueren Zyklus zu holen. John Lill auf Brilliant ist natürlich sehr billig, aber über diesen Zyklus habe ich bisher nur Negatives gehört. Vielleicht hole ich mir mal den Kempff ( aber der hat den Zyklus ja mehrmals eingespielt). Vorläufig setze ich mich erst mal mit dem Schnabel auseinander.

Gruß Martin