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Emotione

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Registrierungsdatum: 19. Mai 2007

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Samstag, 6. Oktober 2007, 00:53

OFFENBACH Jacques: LA BELLE HÉLÈNE

Jacques OFFENBACH

LA BELLE HÉLÈNE(Die schöne Helena)

Opéra bouffe in drei Akten
Text: Henri Meilhac und Ludovic Halévy

Uraufführung: Paris, 17.Dezember 1864, Théatre des Variétés
Deutsche Erstaufführung: Berlin, 1865, Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater


Personen

Hélène / Helena: Königin von Sparta (Sopran)
Paris: Sohn des Priamos (Tenor)
Ménélas / Menelaos: König von Sparta (Tenor)
Agamemnon: König der Könige (Bariton)
Calchas / Kalchas: Großaugur des Jupiter (Bass)
Oreste / Orest: Sohn Agamemnons (Mezzosopran oder Tenor)
Achille / Achilles: Griechischer Heros (Tenor)
Ajax I: König von Salamis (Tenor)
Ajax II: König von Locrien (Tenor)
Bacchis: Helenas Dienerin (Sopran)
Weitere: Volk, Priester, Adelige

Handlung
Sparta und Nauplia
Antike vor dem Trojanischen Krieg

1. Akt

In Sparta steht das Adonisfest bevor. Vor dem Tempel nimmt der Großaugur Kalchas die Opfergaben der Bevölkerung entgegen, die in diesem Jahr sehr spartanisch ausfallen. Statt der erwarteten Rinder und Schafe werden nur Blumen geopfert. Neidisch berichtet er von der Insel Kythera, dem Aufenthaltsort der Göttin Venus. Vom dortigen Großauguren werde berichtet, dass der Göttin Venus wahre Schätze geopfert würden. Derweilen beklagt sich Helena bei der Göttin Venus über ihren bereits etwas senilen Ehemann Menelaos, der sie in Bezug auf die ehelichen Pflichten sehr vernachlässige (amour divins/Oh göttliches Paar). Man bedenke, dass Helena als die schönste Frau der antiken Welt gilt. Sie ist die Tochter Ledas, was Helena etwas peinlich ist. Wer hat schon gerne einen Vogel zum Vater. Helena erscheint mit ihrem Gefolge vor dem Tempel. Sie befragt Kalchas nach dem Gerücht, die Göttin Venus habe in einem Schönheitswettbewerb gesiegt und einem Schäfer, namens Paris als Dank für sein Urteil die schönste Frau der Welt versprochen. Diese kann natürlich nur sie, Helena selbst sein. Sie geht mit ihren Damen in den Tempel, um dort für mehr Aufmerksamkeit der Männer den Frauen gegenüber zu beten. Orest betritt die Bühne mit zwei Halbweltdamen und besingt das schöne Leben, das er sich auf Staatskosten leisten kann (au Cabaret du Labyrinthe/im Labyrinth der großen Hallen). Sodann erscheint Paris, als Schäfer verkleidet und überreicht Kalchas einen Brief von Venus, in welchem diese Kalchas befiehlt, Paris und Helena zusammenzubringen. Er gibt sich Kalchas als Sohn des Priamos zu erkennen und gegen eine entsprechende Belohnung und genaue Schilderung des Schönheitswettbewerbs (au Mont Ida, evohé/um einer Göttin zu gefallen) verspricht der korrupte Kalchas ihm, sich einen Trick auszudenken. Als Helena den Tempel verlässt, sehen sie und Paris sich aus der Ferne und verlieben sich sofort ineinander. Es folgt die Eröffnung des Adonisfestes. Die griechischen Könige und alles was im antiken Griechenland Rang und Namen hat ziehen ein (ces Rois remplis de vaillance/ich bin Ajax Held im Kriege). Menelaos, der wieder einmal etwas schläfrig ist, überlässt Agamemnon den Vorsitz bei einem Intelligenzwettstreit. Die Fragen werden vom „Schäfer“ Paris alle richtig beantwortet, was die Anwesenden etwas verdrießt. Nachdem er sich jedoch als Sohn des Königs von Troja zu erkennen gibt, erhält er von Helena den Siegerkranz und wird von Menelaos zum Souper eingeladen. Kalchas besinnt sich auf sein Paris gegebenes Versprechen, lässt es kräftig donnern und verkündet das fingierte Orakel, die Götter hätten beschlossen, Menelaos müsse umgehend nach Kreta reisen. Bedrängt von Helena und dem Volk fügt dieser sich dem „Orakelspruch“, obwohl er eigentlich den Grund der Reise nicht kennt, wie übrigens auch alle anderen nicht. Hauptsache, er ist weg, denken Helena und Paris.

2. Akt

Paris hat seinen Besuch bei Helena angekündigt. Diese bittet die Göttin Venus um Rat, wie sie sich verhalten solle, sie möchte ihre Würde als Königin wahren, zum anderen sei ein Abenteuer mit dem feschen Paris eine schöne Abwechslung (on me nomme Hélène la Blonde, dis moi Venus/des Gatten Ehre zu bewahren). Paris wird zunächst einmal abgewiesen und sinnt über Tricks nach, die Helena in seine Arme führen könnten. Die Könige, die zum Glücksspiel eingeladen sind, marschieren ein (Marche de l'oie, le voici le Roi des Rois/Gänsemarsch, wahre Lust und Heiterkeit)was Helena gar nicht passt, sie lässt sich durch Bacchis entschuldigen. Es wird nach Strich und Faden falsch gespielt, da ist Kalchas in seinem Element. Er kann sich gerade noch retten, indem er den erschwindelten Gewinn teilt. Dann zieht die betrunkene Horde weiter. Jetzt hat Helena Gelegenheit, mit Kalchas zu besprechen, wie sie es anstellen könne, Paris zu sehen, ohne sich zu kompromittieren. Ein Traum erscheint ihr am sinnvollsten. Sie bittet Kalchas, ihr diesen Traum zu schicken. Helena begibt sich in ihr Schlafgemach. Paris, von Kalchas entsprechend unterrichtet, erscheint und da es ja nur ein Traum ist, könnte sie, wenn sie nur wollte. Zunächst will sie aber von Paris erst einmal die Bestätigung, dass sie tatsächlich die schönste Frau auf Erden ist (c’est le ciel qui m’envoie/ja ein Traum, ein schöner Traum). So kommt es nicht zum Äußersten, denn Meneloas kehrt überraschend zurück. Was er vorfindet, erscheint ihm eindeutig. Er ist empört, alle Könige werden als Zeugen herbeigerufen, Helena erklärt, sie habe nur geträumt, daher könne sie auch kein Unrecht begangen haben und macht Menelaos Vorwürfe. Ein Mann von Welt melde seine Rückkehr vorher an, um seine Ehefrau nicht zu kompromittieren. Im allgemeinen Aufruhr verschwindet Paris, nicht ohne bekannt zu geben, dass ihm schon noch eine List einfalle, Helena zu entführen.

3. Akt

Helena ist sich nach wie vor keiner Schuld bewusst. Was sie erlebt hat, war ja nur ein Traum. Sie mag die Vorwürfe von Menelaos nicht mehr hören und hat sich an den Strand von Nauplia begeben. Menelaos und die gesamte antike Prominenz einschließlich Kalchas folgen ihr dorthin. Es wird tüchtig gefeiert, heute würde man es Beach-Party nennen (danson, aimons, buvons/nur Tanz und Lust). Helena kann Menelaos überzeugen, dass er mit seinen Anschuldigungen Unrecht habe. Schließlich habe seine verfrühte Rückkehr ja das Schlimmste verhindert. Jetzt versucht aber Agamemnon zusammen mit Kalchas Menelaos zu überzeugen, dass es zum Wohle des Volkes sei, dem Gebot der Göttin Folge zu leisten. Menelaos lehnt es ab, Helena freizugeben und besteht darauf, den Großaugur der Göttin Venus selbst um Rat zu bitten. Dieser erscheint auch sofort mit einer Galeere. Es ist kein anderer als der als Großaugur der Venus verkleidete Paris, der einen weiteren „Befehl“ der Göttin Venus verkündet. Helena soll zu der Insel Kythera reisen, wo die Göttin derzeit weilt, um ein Sühneopfer zu bringen. Als Helena an Bord ist, gibt Paris sich zu erkennen. Das Schiff nimmt Kurs Richtung Troja. Die Griechen bleiben empört an Land zurück.
Fazit: „Brush up your Homer“.

ENDE

Zum Werk:


Nach dem triumphalen Erfolg von „Orphée aux enfers (Orpheus in der Unterwelt) lieferte die antike Sagenwelt Griechenlands wieder den geeigneten Stoff, Gesellschaftskritik zu üben. Was bei Orphée noch Persiflage war, nach dem Motto „ die da oben sind auch nur Menschen“, ist die schöne Helena eine beißende Satire auf Personen und Zustände im Frankreich des zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. Offenbach versteht es meisterhaft, das Leben der Oberschicht mit ihrem Materialismus, der Vergnügungs- und Genusssucht zu karikieren. Die Gesellschaft taumelt in den Untergang zu Offenbachs zauberhafter, berauschender Musik. Ein Zitat von Viktor Klemperer, Geschichte der französischen Literatur sei hier eingefügt: „Ein Ganzes, in dem alle Worte, alle Töne zusammengehören, eine Handlung, worin die Stimmung eines verwegenen Materialismus, einer schamlosen und kindlich unbefangenen Genusssucht, einer gemütsruhig unschuldigen Verworfenheit schwingt, eine Oper, deren Verworfenheit zugleich verherrlicht und verspottet, zugleich unterstreicht und künstlerisch verklärt. Die Seele der materialistischen Oberschicht des damaligen Frankreich wird durch die Belle Hélène karikiert und im lyrischen Rauschzustand gemalt.“

Emotione
Glück ist ein Stuhl, der plötzlich dasteht, wenn man sich zwischen zwei andere setzen will.
George Bernard Shaw