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Emotione

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Registrierungsdatum: 19. Mai 2007

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Mittwoch, 17. Oktober 2007, 20:28

OFFENBACH, Jacques: LA VIE PARISIENNE (PARISER LEBEN)

Jacques OFFENBACH
La Vie Parisienne (Pariser Leben)

Opéra bouffe in fünf Akten
Text: Henri Meilhac und Ludovic Halévy

Uraufführung: Paris, 31.10.1866, Théâtre du Palais Royal
deutschsprachige Erstaufführung: Wien, 31.01.1867, Carltheater

Entstehung
Für die Weltausstellung in Paris im Jahr 1867 war eine große Opéra bouffe von Offenbach, Meilhac und Halévy, la Grande Duchesse de Gerolstein, bereits in Arbeit, als Offenbach vom Direktor des Théâtre du Palais Royal den Auftrag für ein weiteres Werk erhielt. Erstmals sollte eine Gesellschaftssatire im zeitgenössischen Ambiente entstehen. Offenbach selbst nannte das Werk weder Operette noch Opéra bouffe sondern „Stück in fünf Akten mit Gesang“. Bedingung war, dass das Stück nur mit Ensemblemitgliedern des Théâtre du Palais Royal besetzt werden solle, also mit Schauspielern. Wir haben somit das erste Werk auf der Bühne mit singenden Schauspielern. Offenbach gelang es zwar, für die gesanglich schwierige Rolle der Gabrielle eine ausgebildete Sängerin durchzusetzen sowie einige Choristen/innen. Die übrigen Darsteller waren jedoch durchweg in erster Linie Schauspieler.


Personen
Baron von Gondremarck
seine Ehefrau, Baronin Christine/ ein wohlhabendes schwedisches Ehepaar
Raoul de Gardefeu
Bobinet/ zwei Pariser Lebemänner
Metella / Halbweltdame
Gabrielle/Handschuhmacherin
Frick/ Schuhmacher
Baronin de Quimper-Karadec/Tante Bobinets
Julie de Volle-Verdure/ Nichte der Baronin de Quimper-Karadec
Pompa de Matadores/ ein reicher Brasilianer
Urbain/ Diener der Baronin/Oberkellner im Café Anglais
Joseph/Alphonse/Fremdenführer/Diener bei Gardefeu
Pauline/Stubenmädchen bei der Baronin Quimper-Karadec
Leoni, Louise und Clara/Nichten des Portiers der Baronin Q.


Handlung
Paris im Jahre 1866


1. Akt: Gare de L’Ouest
Gardefeu und Bobinet treffen sich zufällig am Bahnhof (Gare de L’Ouest, früher Straßburger Bahnhof, heute Gare Montparnasse), sie sind zerstritten wegen Metella, ihrer gemeinsamen Geliebten. Nun will jeder Metella abholen, die von einer Reise zurück erwartet wird. Metella erscheint auch, jedoch in Begleitung eines neuen Verehrers. Sie leugnet, Gardefeu und Bobinet zu kennen. Diese Zurückweisung lässt die beiden ihre Streitigkeiten vergessen. Sie überlegen, was sie zur Zerstreuung unternehmen könnten. Da trifft Gardefeu auf seinen ehemaligen Diener, der jetzt als Fremdenführer arbeitet. Dieser wartet auf den Baron Gondremarck mit Gattin. Er hat den Auftrag, das Ehepaar während des Paris-Aufenthalts zu betreuen. Schnell ist ein Plan entwickelt, der Diener wird von Gardefeu wieder eingestellt und Gardefeu schlüpft in die Rolle des Fremdenführers. Als die Schweden erscheinen und die Baronin dazu auch noch attraktiv ist, kann der Spaß beginnen. Gardefeu preist seine Qualitäten als Fremdenführer an. Es folgt der Auftritt des Brasilianers, der Paris in den höchsten Tönen besingt. Jetzt kann er endlich wieder sein Vermögen verprassen. Der Akt endet mit einem Chor der Reisenden aus aller Herren Länder, die mit Schiffen und Zügen nach Paris kamen, um sich wie Verrückte in das Vergnügen zu stürzen.

2. Akt : Stadtwohnung von Gardefeu
Der Schuhmacher Frick und die Handschuhmacherin Gabrielle treten auf und wollen ihre Arbeiten liefern. Sie werden vom Diener, der sich jetzt Alphonse nennt, in einen Nebenraum gebracht, da inzwischen Gardefeu mit den Schweden erscheint. Diesen hat er vorgeschwindelt, das Grandhotel sei überfüllt, man befinde sich in einer Dependance desselben. In seiner eigenen Behausung erscheinen ihm die Umstände günstiger, mit der schönen Schwedin ein Liebesabenteuer zu haben. Die Gondremarcks sind mit der Unterbringung zufrieden. Während Baronin Christine sich auf das Einkaufen und die Theaterbesuche freut, möchte der Baron nur möglichst schnell Metella kennen lernen. Ein Freund in Schweden hat ihn bei ihr empfohlen. Gardefeu verspricht, den Brief an Metella zuzustellen. Da taucht Metella auf, die sich mit Gardefeu versöhnen will. Erstaunt stellt sie fest, dass eine fremde Person ihr Zimmer bezogen hat. Gardefeu erklärt ihr die Umstände, überreicht ihr den Brief und macht sie mit Gondremarck bekannt. In Metella ist jetzt Eifersucht auf die Schwedin erwacht. Sie vertröstet den Baron auf ein Treffen in nächster Zukunft und zieht sich zurück, nicht ohne die Feststellung, dass Gardefeu für diese List büßen müsse. Der enttäuschte Baron wünscht nun, in großem Rahmen zu speisen. Ein Glück für Gardefeu, dass Gabrielle und Frick zugegen sind. Gardefeu veranlasst sie, einige Freunde und Freundinnen einzuladen, um zum Essen zu erscheinen und vornehme Gäste zu spielen. Die Gäste treffen zum Essen ein. Gabrielle als trauernde Witwe eines Oberst, Frick als Major. Das Benehmen der Gäste befremdet den Baron. So hat sich Gondremarck die Pariser Gesellschaft nun doch nicht vorgestellt. Dem wird jedoch von Bobinet abgeholfen. Er lädt Gondremarck in das Palais seiner Tante, der Baronin Quimper-Karadec ein, die zur Zeit auf Reisen ist. Dort soll zu Ehren Gondremarcks ein großer Ball stattfinden, zu dem die Crème de la Crème der Pariser Gesellschaft erscheinen werde. Baronin Christine plant derweil einen Besuch der Oper, Gardefeu macht sich Hoffnungen mit ihr alleine zu sein.

3. Akt: Palais der Baronin Quimper-Karadec
Bobinet hat das Personal der Tante zusammengerufen und verteilt die Rollen. Er selbst tritt als Admiral auf, das Stubenmädchen Pauline als seine Frau. Die Nichten des Portiers sind Marquisen und Comtessen, die Diener Generäle und andere Würdenträger. Die Garderobe besorgt man sich im Fundus der Hausherrin, zum Erlernen der Umgangsformen hatte man ja Zeit, die Herrschaften zu beobachten. Natürlich ist auch Gabrielle als trauernde Witwe eingeladen. Alles wird daran gesetzt, Baron Gondremarck beim Ball aufzuhalten, damit Gardefeu Baronin Christine nach der Oper verführen kann. Probleme gibt es nur in einem Punkt. Wer bedient, wenn die Diener die Herrschaften spielen? Gondremarck erscheint und ist entzückt, endlich bei der wirklichen Pariser Gesellschaft angekommen zu sein. Es wundert ihn zwar, dass die Uniformjacke des Herrn Admirals zerrissen ist, was von den anderen Anwesenden jedoch ignoriert wird. Außerdem muss man sich selbst bedienen. Das ändert aber seine gute Laune nicht, zumal das Stubenmädchen Pauline alias Gattin des Admirals ihm Avancen macht. Alles Sinnen und Trachten der Gesellschaft zielt darauf, Gondremarck völlig betrunken zu machen, was auch gelingt. Der Akt endet in tobender Ausgelassenheit und der Erkenntnis, dass das Leben rosig erscheint, wenn man nur genügend berauscht ist.

4. Akt: Stadtwohnung von Gardefeu
Baronin Christine Gondremarck kehrt aus der Oper zurück, sehnsüchtig erwartet von Gardefeu. Zu dumm, dass es gerade läutet und der Diener die Ankunft von Baronin Quimper-Karadec zusammen mit ihrer Nichte Julie meldet. Julie kennt die Baronin Gondremarck und wollte ihr einen Besuch abstatten. Im Grandhotel hat man ihr die Anschrift von Gardefeu mitgeteilt. Baronin Quimper erzählt empört, sie sei verfrüht von ihrer Reise zurück und habe festgestellt, dass in ihrem Hause eine wilde Horde Orgien veranstalte. Sie habe die Polizei verständigt. Christine hat keine Ahnung, dass zu der wilden Horde auch ihr Ehemann gehörte. Sie ist noch ganz benommen vom Opernbesuch. Außerdem hat man ihr ein Briefchen zugesteckt, wohl von einem Verehrer. Auf Drängen der Baronin Quimper liest sie den Brief vor. Es ist ein Schreiben von Metella, die sie über die Identität des „Fremdenführers“ aufklärt. Das „Hotel“ sei die Wohnung von Gardefeu, der so versucht habe, sich Christine zu nähern, ferner erhoffe sich der Baron ein Abenteuer mit ihr, Metella. Die Damen schwören Rache. Jetzt sollen Gardefeu und der Baron einen Denkzettel erhalten. Christine tauscht mit Baronin Quimper die Kleidung und entfernt sich mit Julie. Gardefeu macht jetzt der Falschen Avancen, merkt den Irrtum jedoch sehr bald. Baronin Quimper macht ihm klar, dass er zu weit gegangen ist und verschwindet im Zimmer von Christine. Als Baron Gondremarck endlich erscheint und sich noch im Rausch in Christines Zimmer begibt, findet er statt seiner Frau Baronin Quimper vor, die ihn mit einem Feuerhaken vertreibt.

5. Akt: Café Anglais
Der Brasilianer Pompa di Matadores, der sich inzwischen Gabrielle geangelt hat oder umgekehrt, hat alle Ballbesucher in das Café Anglais zu einem Maskenfest eingeladen. Urbain, der von der Baronin Quimper entlassen wurde, ist bereits wieder in Diensten und zwar als Oberkellner des Cafés. Baron Gondremarck tritt auf. Er hat inzwischen den üblen Scherz, den man mir ihm trieb, durchschaut und ist sehr entrüstet. Diese Entrüstung hielt ihn aber nicht davon ab, Metella zu einem Rendezvous in das Café zu bestellen. Als Metella erscheint, bittet sie um Verständnis. Zur Zeit stehe sie nicht zur Verfügung, da sie ihr Herz für einen jungen Mann entdeckt habe, dessen Name ihr gerade nicht einfiele. Sie bittet Gondremarck, sich einer jungen maskierten Dame anzunehmen, die sie für ihn ausgesucht habe. Es erscheint zu den Klängen von Mozarts Masken-Menuett aus Don Giovanni das rachsüchtige Damenterzett Christine, Baronin Quimper und Julie. Zunächst machen sie Gondremarck klar, wie sehr er sich blamiert hat, dann erscheint auch noch Metella und teilt mit, dass ihr der Name des jungen Mannes eingefallen sei, er hieße Gardefeu. Das ist zuviel für Gondremarck, er schwört seinerseits Rache. Die Maskengesellschaft erscheint und mit ihnen Gardefeu und Bobinet. Gondremarck sieht seine Ehre nur durch ein Duell gerettet. Der Brasilianer mischt sich ein indem er fragt, worüber sich Gondremarck beklagt.
Sei er schlecht untergebracht gewesen, habe er zuviel zahlen müssen, habe er sich gelangweilt? Alle diese Fragen muss der Baron verneinen. Auf die Frage, ob er sich amüsiert habe, kann er nur antworten „und wie“. Gondremarck sieht ein, dass er keinen Grund hat, sich zu beklagen, es tritt Christine auf, die sich als eine der drei Masken zu erkennen gibt. Das Ehepaar versöhnt sich, ein Duell findet nicht statt, Bobinet verträgt sich wieder mit seiner Tante, Metella ist bis auf weiteres wieder die Geliebte von Gardefeu und der Brasilianer ist froh, dass man endlich soupieren und die Champagnerkorken knallen lassen kann. Das Finale ist eine Hymne an das Vergnügen, die Liebe, die Lebenslust, eben an das Pariser Leben der damaligen Zeit, an dem nicht nur der Adel und die Bourgeoisie sondern in diesem Fall auch die Dienstboten teilhaben konnten.

ENDE

Wirkung
Außer Offenbach selbst, zweifelten die Librettisten und die Darsteller am Erfolg des Stückes. Die Darsteller witzelten, man brauche die Texte des vierten und fünften Aktes gar nicht zu studieren, da der Vorhang wegen Misserfolg bereits früher fallen würde. Angeblich sollen sich Meilhac und Halévy noch am Abend der Premiere verzweifelt verkrochen haben.
„Zitat Alain Decaux: Am Abend der Premiere gab es tatsächlich beinahe einen Zusammenbruch – insofern, als das Theater unter den Beifallsstürmen zusammenzubrechen drohte. Das Publikum missverstand die Satire größtenteils, wie nicht anders zu erwarten war. Es bejubelte die berauschende Hymne auf die wunderbare Stadt, das erregende Glück des Pariser Abenteuers, die unbekümmerte Lebenslust der pittoresken Gestalten des Stücks. Das Ganze, vom Prolog am Gare de L’Est bis zum blendenden Finale, schien wie in Champagner getaucht. Das Stück wurde 1 Jahr lang ensuite gespielt.“

Zur Musik
Hier einzelne Titel hervorzuheben ist so gut wie unmöglich. Jede einzelne Melodie ist ein Hit. Neben den berauschenden Finali des ersten, dritten und fünften Aktes, seien jedoch zwei Arien der Metalla besonders erwähnt; und zwar im zweiten Akt die Briefarie, die eigentlich Sprechgesang ist, untermalt von einer zauberhaften Melodie sowie den melancholischen Walzer im fünften Akt. Offenbach und seine Librettisten haben bei der zweiten Pariser Inszenierung im Théâtre des Variétés im Jahr 1873 den vierten Akt zusammengestrichen, Teile in den fünften Akt übernommen und die Rollen mit ausgebildeten Sängern besetzt. In der heutigen Aufführungspraxis wird zumeist die letzte Fassung verwendet.

Emotione
Glück ist ein Stuhl, der plötzlich dasteht, wenn man sich zwischen zwei andere setzen will.
George Bernard Shaw