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der Lullist

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Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

1

Mittwoch, 16. Februar 2005, 23:51

Restoration - englische Barockmusik nach Sonnenkönig Art

Die englische Restorationsepoche wird zwar im allgemeinen als politischer Rückschritt in der Geschichte Englands gewertet, doch in Kultureller Hinsicht war es ein Segen.
Exkurs: Durch die etwas unglückliche Regierung Charles I. Stuart (auf dessen Hofmusik werde ich in einem gesonderten Thema eingehen) verlor der König seinen Kopf durch die Hand Cromwells, der eine Art Puritanerrepublik ins Leben rief. Für die Kunst eine absolute Katastrophe.
Von 1649 bis 1660 wurde es düster in England, keine Theater, keine Musik, keine Kunst nur protestantischer Religionswahn :rolleyes:

Die beiden Söhne von Charles I. (Charles und James) gingen ins Exil nach Frankreich, dort lernten sie die prunkvolle Hofhaltung ihres Vetters
Louis XIV kennen und dessen Musikmeister Lully.
Als dann endlich Cromwell das Zeitliche segnete und das Parlament Charles als neuen englischen König ausrief fing eine neue strahlende Epoche für England an, welche ersteinmal im großen Brand von London seinen Anfang nahm. Doch die Stadt wurde wieder aufgebaut, schöner als sie je zuvor war. Charles II. hatte zwar keine solche Bauleidenschaft wie Louis XIV doch in der Hofhaltung und den Ausschweifungen übertraf er wohl jeden anderen Monarchen.
Dennoch, durch seine freundliche Art, seinen Wohltaten und Reformen wurde er wohl zum beliebtesten König den die Engländer jemals hatten. Rochester schrieb: "Hier liegt ein hübscher, witziger Prinz, auf dessen Wort sich niemand verläßt. Er sagt niemals etwas dummes und tat auch niemals etwas gescheites."
Charles sagte darauf nur gelassen: "Das ist richtig. Meine Worte stammen von mir selbst, meine Taten von meinen Ministern."
Man nannte ihn auch "den fröhlichen Monarch".

Als er 1685 starb war die Trauer groß, denn seinen Bruder James verachtete man. Er war dann auch so dumm und wollte den Katholizismus als Staatsreligion durchsetzten - Revolution!
1689 verschwand er still und heimlich und floh nach einer Eskapade in Irland entgültig nach Frankreich, die Äre der Stuartkönige war beendet.

Die Musik dieser aufregenden Epoche ist nicht ganz so spärlich auf dem Markt vertreten wie man denken könnte. (Ich klammere jetzt mal Henry Purcell aus).
John Blow und Matthew Locke sind wohl die bekanntesten Komponisten dieser Ära.
Obwohl sich der Musikstil stark am frz. Vorbild orientiert, bleibt die Musik typisch britisch.

Hier einige Empfehlungen:

Four and Twenty Fiddlers
Music for the Restoration Court Violin Band
The Parley of Instruments Renaissance Violin Band / Holmann
Hyperion

The Enchanted Island
Music for a Restoration Tempest
Musicians of the Globe / Pickett
Philipps

John Blow

- Venus & Adonis
New London Consort / Pickett oder die Jacobs Aufnahme
L'oiseau Lyre bzw. HMF

-Awake my Lyre
Domestic Music by John Blow
The Parley of Instruments / Holmann
Hyperion


Charming Strephon (englische Barocklieder)
A Celebration of the Life and Times of John Wilmot 2nd Earl of Rochester
The Consort of Musicke

Pelham Humfrey - Verse Anthems
Choir of Clare College - Cambridge / Romanesca / McGeegan
HMF

Matthew Locke - Psyche
English Opera in five acts
New London Consort / Pickett
L'Oiseau Lyre
(eine der schönsten Barockopern überhaupt - ein Muss!)

BigBerlinBear

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Beiträge: 1 660

Registrierungsdatum: 11. August 2004

2

Donnerstag, 17. Februar 2005, 09:21

der Lullist schrieb:

Zitat

Die Musik dieser aufregenden Epoche ist nicht ganz so spärlich auf dem Markt vertreten wie man denken könnte.


Ja. das mag stimmen, aber auf dem deutschen Markt ist davon eher wenig zu spüren. Humphrey und Blow gelten als Lehrer Purcells und geniessen deshalb wohl auch ausserhalb des englischen Sprachraumes einige Bekanntheit. Hinweisen möchte ich hier noch auf Lockes Vertonung von Teilen des "Tempest", die den Stil jener Epoche, die Verschmelzung von nationalem und "internationalen" Musikgut besonders ohrenfällig kennzeichnet. Insgesamt befürchte ich jedoch, daß dieses "Ghetto" innerhalb des allgemeinen "Barock-Gartens" nur auf bedingtes Interesse stoßen wird, eben eine Sache für "Kenner und Liebhaber"...
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Blackadder

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Beiträge: 1 285

Registrierungsdatum: 24. März 2006

3

Montag, 11. September 2006, 13:39

Was man so auf Flohmärkten findet...



Die bereits vom Lullisten angesprochene Aufnahme der Verse Anthems des Pelham Humfrey unter Nicholas McGegan gefällt mir ausgezeichnet. Das Studium des Booklets verleitet mich zur Theorie, dass britische Barockkomponisten wahrscheinlich deswegen relativ unbekannt geblieben sind, weil sie nicht lange lebten. Zumindest Humfrey schlägt Purcell 28:36 :wacky:
[COLOR=darkred]Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig[/COLOR]

4

Freitag, 8. April 2011, 13:46

Die Musik dieser aufregenden Epoche ist nicht ganz so spärlich auf dem Markt vertreten wie man denken könnte. (Ich klammere jetzt mal Henry Purcell aus).
John Blow und Matthew Locke sind wohl die bekanntesten Komponisten dieser Ära.
Obwohl sich der Musikstil stark am frz. Vorbild orientiert, bleibt die Musik typisch britisch.

Hier einige Empfehlungen: (...)
John Blow
- Venus & Adonis
New London Consort / Pickett oder die Jacobs Aufnahme
L'oiseau Lyre bzw. HMF

Der Empfehlung der Philip Pickett-Aufnahme von Blows Masque "Venus & Adonis"

möchte ich mich anschließen und dabei insbesondere die Rollengestaltung der Venus durch Catherine Bott sowie den herrlichen Chorgesang hervorheben (den in dieser Aufnahme Sänger der Westminster Abbey School beisteuern).

Eine weitere schöne Aufnahme (mit Nancy Argenta, Lynne Dawson und Stephen Varcoe) hat Charles Medlam vorgelegt

und dann gibt es neben dem bereits erwähnten René Jacobs

auch noch weitere Einspielungen dieser sehr hörenswerten Masque

so dass man der CD-Industrie in diesem Fall wirklich keinen Vorwurf machen kann, das Repertoire des 17. Jahrhunderts sträflich zu vernachlässigen.