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dr.pingel

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Montag, 3. Oktober 2016, 00:28

Dr. Pingel´s Faction - Ocean King


Das Buch von Slimane Kader erzählt von einem Bewohner der Pariser Banlieues, der auf einem Kreuzfahrtschiff namens "Ocean King" anheuert, wobei er von der Tristesse der Pariser Vororte in die Hölle eines Kreuzfahrtschiffes gerät. Für eine Kundschaft von 6000 überwiegend fetten Amerikanern schuften untertage bzw. unterdecks 2000 Angestellte, die man besser als Sklaven bezeichnen könnte Das Buch ist eine großartige Mischung von Heiterkeit und Tristesse, es beschreibt eine Welt, von der wir normalerweise nichts wissen.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

dr.pingel

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Montag, 3. Oktober 2016, 20:38

Dr. Pingel´s Faction - the Moon and Sixpence


Hier beschreibt Maugham das Leben Paul Gauguins, vor allem das auf der Insel Tahiti.
Hier vorgestellt habe ich schon früher das Buch von Somerset Maugham The Narrow Corner, eine verschlüsselte Autobiographie.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

dr.pingel

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Donnerstag, 6. Oktober 2016, 22:32

Faction - Das Treffen in Telgte

Dies ist das einzige Buch von Günter Grass, das ich nicht gleich wieder weggelegt habe. Ich habe es bestimmt schon 5x gelesen. Der Vorwand ist die Gruppe 47, die sich, glaube ich, zu Hans-Werner Richters 75.Geburtstag getroffen hatte. Dieses Treffen verlegt Grass in die Zeit des 30jährigen Krieges (1647). Es treffen sich alle berühmten Dichter der Zeit in Telgte. Einer ist noch berühmter als unsere Dichter: Heinrich Schütz. Er findet, dass die Texte seiner Kollegen hier doch nicht das Niveau der Bibel haben und will darum nur noch die Bibel in Musik setzen. Als das Buch erschien, gab es jede Menge Kritiken, auf die Grass dann geantwortet hat. Sein Clou: außer Marcel Reich-Ranicki hatte kein Kritiker die zentrale Bedeutung von Schütz im Text erkannt. Und meine Erfahrung mit Literaturkritikern ist die, dass außer Reich-Ranicki keiner von Musik einen blassen Schimmer hat.
Die Stadt Telgte bietet inzwischen Führungen nach dem Buch an.
Außer der normalen Ausgabe (man muss die Ausgaben ab der 2. Auflage nehmen, da sie die 80 Barockgedichte enthält, die Grass beigefügt hat)



gibt es eine Ausgabe mit einer CD mit 300 Minuten Musik, die vom Chor von Frieder Bernius bestritten wird.

(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

Uwe Schoof

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Donnerstag, 6. Oktober 2016, 23:23

Thomas Mann - Der Zauberberg


Zurzeit lese ich, nach ungefähr 10 Jahren, Thomas Manns "Der Zauberberg" zum zweiten Mal. Wahrscheinlich ist es mein Lieblingsroman.

Meine Freunde schauen mich schräg an, wenn ich von diesem Roman erzähle und schwärme. Aber ich liebe zum Einen die Atmosphäre dieser Krankenhausbeschreibung sehr, zum Anderen auch den "todernsten" Humor wie auch natürlich die äußerst elegante Sprache. Und, ehrlich gesagt: ich finde diesen Roman sehr spannend.

Ich habe den starken Eindruck, dass ich mich in 10 Jahren wieder an dieses großartige Werk heranmache...

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

Dieter Stockert

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Donnerstag, 6. Oktober 2016, 23:24

Und meine Erfahrung mit Literaturkritikern ist die, dass außer Reich-Ranicki keiner von Musik einen blassen Schimmer hat.

Joachim Kaiser?
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

michael74

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Freitag, 7. Oktober 2016, 06:44


Gruß
Michael

MSchenk

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Freitag, 7. Oktober 2016, 08:04

Und meine Erfahrung mit Literaturkritikern ist die, dass außer Reich-Ranicki keiner von Musik einen blassen Schimmer hat.
Joachim Kaiser?

Ich hätte damit gerechnet, dass von Dir zuerst der Hinweis auf Hans Wollschläger kommt (hat der nicht sogar mal versucht zu komponieren?) :hello: Und mir fiele auch noch Hanjo Kesting ein.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

dr.pingel

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Freitag, 7. Oktober 2016, 11:49

Ich muss zugeben, dass meine Basis in Bezug auf Literaturkritiker doch beschränkt ist. Bei Joachim Kaiser und Hanjo Kesting bin ich mir unsicher, ob sie unter die Literaturkritiker zu rechnen sind. Da brauche ich Information von euch.
(Weisheit der Brahmanen)
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(Friedrich Rückert)

MSchenk

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Freitag, 7. Oktober 2016, 12:05

Ich muss zugeben, dass meine Basis in Bezug auf Literaturkritiker doch beschränkt ist. Bei Joachim Kaiser und Hanjo Kesting bin ich mir unsicher, ob sie unter die Literaturkritiker zu rechnen sind. Da brauche ich Information von euch.

Stimmt wohl, Kesting ist sicher kein Literaturkritiker im eigentlichen Sinne. Gleichwohl tauchen in der Menge seiner Publikationen reichlich Arbeiten zur Literatur, aber auch solche mit Bezug zur Musik auf.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Dieter Stockert

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Freitag, 7. Oktober 2016, 12:29

Ich hätte damit gerechnet, dass von Dir zuerst der Hinweis auf Hans Wollschläger kommt (hat der nicht sogar mal versucht zu komponieren?)

Hans Wollschläger war Autor, kein Kritiker. Außerdem mag ich ihn nicht besonders und ich halte ihn für überschätzt. Aber ja, er hat zumindest schöngeistige Literatur geschrieben und er hat Orgel gespielt ...
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

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Samstag, 8. Oktober 2016, 10:44

Kaiser wurde/wird mehr als Musikkritiker wahrgenommen, aber er ist wohl beides. Bei nicht ganz so prominenten Feuilletonisten gibt es etliche, die Musik und Literatur rezensieren (bei Lokalzeitungen typischerweise beides ahnungslos...). Die Musikrezeption und -rezension Ranickis beschränkte/konzentrierte sich meiner Erinnerung nach stark auf traditionelle Opern. (Ich weiß noch, wie beim Literarischen Quartett Löffler mal im Nebensatz losgelassen hat, dass doch kaum glaublich wäre, wie Strauss nach Elektra so was wie den Rosenkavalier hätte bringen können, und Ranicki hat leidenschaftlich widersprochen).

Wollschläger war (oder gerierte sich) als einer der Wiederentdecker von Rott und hat sowohl zu Rott als auch zu Mahler Beiträge in entsprechenden Musik-Konzepte-Heften. Meiner Erinnerung nach leidenschaftlich, aber ein bißchen zu hysterisch und sehr von der eigenen Leidenschaft/Wichtigkeit (oder noch mehr von der Perfidie und Dummheit des Establishments) überzeugt.

dr.pingel

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Montag, 10. Oktober 2016, 17:25

Faction - Verbrechen



Ein spannendes Buch, das die Aufzeichnungen aus seinen Verteidigungen literarisch umsetzt. Auch verfilmt, wobei ich trotz der Kenntnis des Buches den Filmen nicht folgen konnte, weil mal wieder ein Regisseur Kunst machen wollte statt eine anständige Geschichte zu erzählen.
(Weisheit der Brahmanen)
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Christian B.

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Montag, 10. Oktober 2016, 19:51

Wollschläger war (oder gerierte sich) als einer der Wiederentdecker von Rott und hat sowohl zu Rott als auch zu Mahler Beiträge in entsprechenden Musik-Konzepte-Heften. Meiner Erinnerung nach leidenschaftlich, aber ein bißchen zu hysterisch und sehr von der eigenen Leidenschaft/Wichtigkeit (oder noch mehr von der Perfidie und Dummheit des Establishments) überzeugt.

Hans Wollschläger war gewiss einer der intelligentesten und sprachmächtigsten Essayisten der zweiten Hälfte des 20 Jh. Er konnte sehr viel und kannte auch Entlegenes, was deswegen ja nicht weniger gut sein muss (wie bspw. Jean Paul). Seine Schrift TIERE SEHEN DICH AN hat mich sehr aufgerüttelt, in unserer Zeit hat dann erst wieder Johnathan Safran Foer so ein Buch geschrieben ("Tiere essen"). Es gibt von Wollschläger einen Essay über Mahlers 4. Symphonie, der eine so tiefe Durchdringung der Materie offenbart, dass für einen Laien der Zugang schwer bleiben muss. Er vereinfachte die Dinge nun mal nicht, sondern ging in die Tiefe. Am Ende einer Wollschläger-Lektüre fühle ich mich immer bereichert - man muss sorgfältig lesen, aber der Gewinn ist immens. Dass sich Wollschläger nicht gescheut hat, die Unfähigkeit des Feuilletons und des Kulturbetreibs beim Namen zu nennen, sollte man nicht hysterisch nennen, sondern ich sehe da eine große Streitlust in der Tradition eines Lessing oder Karl Kraus. Das Problem war schon eher, dass ihm kaum einer gewachsen war. Sein Buch über die BEWAFFNETEN WALLFAHRTEN ist auch ein großes Lesevergnügen. Bekannt war er vielen Lesern aber vor allem durch seine Übersetzungen, nicht nur des Ulysses (den wohl nicht so viele lesen), sondern vor allem von Krimis (Chandler, Hammet), die er sehr elegant übersetzt hat. Ich finde, unserer Zeit fehlt so eine streitbare Figur!

Viele Grüße,
Christian

Andrew

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Mittwoch, 12. Oktober 2016, 10:10

Es war schon länger angekündigt, aber nun ist es da:



Gardiner, John Eliot:
Bach
Musik für die Himmelsburg
Originaltitel: Music in the Castle of Heaven. A Portrait of Johann Sebastian Bach
Übersetzung: Martin Pfeiffer

Zitat

(Klappentext)
Mit Johann Sebastian Bach ist John Eliot Gardiner seit seiner Kindheit verbunden: Auf dem Weg ins Kinderzimmer begleitete ihn von einem Bild herab stets der strenge Blick des Thomaskantors. Heute ist Gardiner der bedeutendste Bach-Interpret unserer Zeit, kaum einer hat sich mit solcher Leidenschaft und solchem Kenntnisreichtum mit dem großen Komponisten beschäftigt. Nun legt der weltberühmte Dirigent ein Porträt des Komponisten und Menschen Bach vor einem großen Panorama der damaligen Zeit vor. Bachs Musik kommt aus einer Welt großer Ängste und großer Hoffnungen - Erfahrungen, die auch einem heutigen Hörer nicht fremd sind. Gardiner gelingt es auf einzigartige Weise, Bachs Welt des Barock mit unserer Gegenwart zu verbinden.

Ich möchte eigentlich vorher noch die Biografie von Christoph Wolff über Bach lesen. Die liegt hier schon seit Weihnachten, aber es hat sich noch nicht ergeben:



Freundliche Grüße, Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

michael74

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Samstag, 15. Oktober 2016, 00:42


dr.pingel

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Samstag, 15. Oktober 2016, 10:46

Bob Dylan bekommt den Literatur-Nobelpreis

:hahahaha:

Innerhalb dieser Rubrik möchte ich eine neue Sparte einführen. Sie heißt: Was lese ich bestimmt nicht zur Zeit? Ein Freund hatte mir den Band (2001?) mit allen Texten von Bob Dylan vor die Tür gelegt, er bekam ihn postwendend zurück.
Es gab viel Kritik, aber ich finde, wenn Heinrich Böll, Günter Grass und Elfriede Jelinek nobelpreiswürdig waren, dann kann man die Wahl von Bob Dylan verstehen. Als nächster Kandidat im Quartett der Talentlosen fehlt noch Martin Walser. Zum Schluss noch ein Rätsel: welche "Musiker" außer Bob Dylan können auch nicht singen? Herbert Grönemeyer und Leonard Cohen.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
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MSchenk

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Samstag, 15. Oktober 2016, 10:49

Zum Schluss noch ein Rätsel: welche "Musiker" außer Bob Dylan können auch nicht singen? Herbert Grönemeyer und Leonard Cohen.

Lou Reed
mfG Michael

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Helmut Hofmann

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Samstag, 15. Oktober 2016, 11:28

Ich war gespannt, ob - und wie - man auf diese Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Bob Dylan hier im Forum reagieren würde. Nun lese ich, was dr. pingel schreibt, - und glaube, dass er - er möge mir das nicht verübeln - mit seinem Urteil der Sache nicht gerecht wird. Ich bin allen Ernstes der Meinung, dass die Songs von Bob Dylan musikalisch bedeutsame Werke darstellen, in denen die heutige Zeit in den Fragen und Problemen, mit denen sie sich auseinanderzusetzen hat, in der ihr gemäßen musikalischen Sprache gültigen Ausdruck findet. Die zugrundeliegenden Texte stellen ohne Zweifel poetische Lyrik dar, in der auf höchst kunstvolle Weise relevante Aussagen getroffen werden.
Wenn man die Stellungnahmen in der seriösen Presse verfolgt, dann stellt man fest, dass die Entscheidung des Nobel-Komitees überwiegend gutgeheißen wird, - wie ich finde zu Recht.

Christian B.

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Samstag, 15. Oktober 2016, 13:08

:hahahaha:

Innerhalb dieser Rubrik möchte ich eine neue Sparte einführen. Sie heißt: Was lese ich bestimmt nicht zur Zeit? Ein Freund hatte mir den Band (2001?) mit allen Texten von Bob Dylan vor die Tür gelegt, er bekam ihn postwendend zurück.
Es gab viel Kritik, aber ich finde, wenn Heinrich Böll, Günter Grass und Elfriede Jelinek nobelpreiswürdig waren, dann kann man die Wahl von Bob Dylan verstehen. Als nächster Kandidat im Quartett der Talentlosen fehlt noch Martin Walser. Zum Schluss noch ein Rätsel: welche "Musiker" außer Bob Dylan können auch nicht singen? Herbert Grönemeyer und Leonard Cohen.

Bölls Werk ist ja schon ein wenig verblasst, Jelinek kenne ich nicht besonders gut. Aber der Nobelpreis für Grass war meiner Einschätzung nach sehr wohl gerechtfertigt, das wird auch international so gesehen - nicht nur der Blechtrommel wegen, einer der besten dt. Romane der zweiten Hälfte des 20 Jh. Allein für dieses Buch hat er ihn verdient, finde ich. Gibt aber noch andere Romane von ihm, auf die das zutrifft. Sein Werk wird bleiben, da er trotz manch politischer Einlassung und fragwürdiger tagesaktueller Stellungnahme auf ästhetischer Ebene immer eigene Wege gegangen ist und hier auch unausrechenbar blieb. Zu Walser kann man viel sagen und einwenden, aber Talentlosigkeit würden ihm gewiss selbst seine Gegner nicht vorwerfen. Auch seine letzten Bücher - die ich persönlich nicht besonders mag - sind blendend geschrieben. Ob man nun mitgehen kann und will, wie ein alter Mann noch einmal die Liebe erkundet, ist was anderes.

Viele Grüße,
Christian

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Samstag, 15. Oktober 2016, 13:24

Dylan war anscheinend schon seit Jahrzehnten immer mal wieder im Gespräch.
Mir ist der Preis im Grunde egal, aber ich finde es einen problematischen Präzedenzfall. Nicht in erster Linie wegen der literarischen Qualität, da sind vermutlich schon schwächere Schriftsteller ausgezeichnet worden. Aber wenn man nun Liedtexte, die praktisch nur als solche bekannt sind, berücksichtigt warum nicht demnächst auch Filmdrehbücher? Oder wieviele andere Songwriter kommen dann noch in Frage? Cohen, Biermann, Bono usw.
Dylan hat auch einzelne Gedichte veröffentlicht, die freilich weit weniger begeisterte Aufnahme gefunden haben als seine Platten/Songs; es finden sich schon "frei assoziative Prosagedichte" als Beitexte zu Platten in den 1960ern.

Ich kenne auch zu wenig zeitgenössische Lyrik um sagen zu können, wie genau Dylan da abschneidet. Mir ist aber, als anderswo einige der bekanntere Texte umfangreich zitiert worden sind, wieder aufgefallen, wie eng hier doch die Kopplung an die Musik (und manchmal seltsamerweise tatsächlich an Dylans tonlos nasales Genöle) ist, um die Wirkung zu erzielen. Ähnlich wie bei Wagner ;)

Was ich außerdem noch bezeichnend finde: Anscheinend wird teilweise begrüßt, dass ein Künstler der Populärkultur, der außerdem als (auch politische) Identifikationsfigur diente, gegenüber dem "hochkulturellen Establishment" ausgezeichnet wird. Das ist natürlich lächerlich. Es ist 40 Jahre her, dass Dylan ein (politisch nicht allzu eindeutig positionierte) Identifikationsfigur gewesen ist. Die Auszeichnung eines millionenschweren Superstars ist ungefähr so provokant wie ein Warhol-Kunstdruck im Wohnzimmer. ;)

Bertarido

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Samstag, 15. Oktober 2016, 13:35

Bob Dylan ist zweifellos ein bedeutender Musiker gewesen, der eine ganze Generation mitgeprägt hat. Und ich stimme Helmut zu, dass seine Texte auch literarische Qualität haben. Insofern ist der Vergleich mit Herbert Grönemeyer völlig abwegig (den ich als Jugendlicher auch gerne und oft gehört habe, aber niemals in einem Atemzug mit Dylan nennen würde). Die Frage ist allerdings, ob Dylans Songtexte literarisch so bedeutend sind, dass sie den Nobelpreis verdient haben. Da habe ich doch meine Zweifel, gerade auch angesichts all der anderen Kandidaten, die wieder einmal leer ausgegangen sind. Aber man muss sehen, dass bei der Vergabe des Nobelpreises für Literatur oft auch politische Motive eine Rolle gespielt haben.

Dass Günther Grass den Nobelpreis zu Recht bekommen hat, steht für mich außer Frage, schon für die "Blechtrommel" hätte er ihn verdient gehabt, aber er hat auch noch andere bedeutende Romane und Novellen geschrieben und außerdem noch exzellente Lyrik. Für Böll gilt das auch, obwohl ich diesen Autor nicht so schätze und weniger von ihm gelesen habe. Bei Elfriede Jelinek kann man geteilter Meinung sein, aber vertretbar ist ihre Auszeichnung allemal. Bei Dario Fo habe ich da schon eher meine Zweifel.

Helmut Hofmann

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Samstag, 15. Oktober 2016, 17:09

Zit. Bertarido: "Da habe ich doch meine Zweifel, gerade auch angesichts all der anderen Kandidaten, die wieder einmal leer ausgegangen sind."

Das ist ein berechtigter Einwand, lieber Bertarido. Denn nach den Gepflogenheiten der Preisvergabe, kommt nun lange kein amerikanischer Autor mehr für den Preis infrage. Und man kann dem Komitee durchaus vorhalten, dass es, wenn schon endlich mal ein Amerikaner als Preisträger anstand, durchaus literarisch bedeutendere Autoren hätte nehmen können, Philip Roth etwa.
Aber Bob Dylan war schon lange im Gespräch, und offensichtlich wollte das Komitee ein Zeichen setzten im Sinne einer Ausweitung des Literaturbegriffs. Das war ja schon bei der vorangehenden Preisvergabe geschehen.

rodolfo39

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Samstag, 15. Oktober 2016, 18:59

Lese grade die Bruce Springsteen Biographie Born to run. Sehr empfehlenswert und gut geschrieben.

Helmut Hofmann

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Samstag, 15. Oktober 2016, 19:48

"Lese gerade..."
Und ich höre "Like a Rolling Stone" von Bob Dylan ...
https://www.youtube.com/watch?v=dxLMr784l0Q

...und bin mir sicher, dass dieser tatsächlich singuläre "Singer and Songwriter" (wir haben dafür im Deutschen das dämliche Wort "Liedermacher") den Literatur-Nobelpreis tatsächlich verdient hat.
Wer übrigens auf die Schnapsidee kam, dessen Lyrik mit dem grauslichen sprachlichen Zeug von Herbert Grönemeyer in einen Topf zu werfen, der hat "keine Literatur im Leibe" (Thomas Mann).

allegro_assai

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Samstag, 15. Oktober 2016, 21:33

Peter Brem - Ein Leben lang erste Geige


Meine Zeit bei den Berliner Philharmonikern

Ein spannender Blick hinter die Kulissen eines der besten Orchester der Welt: der Berliner Philharmoniker. 1970, gerade 18-jährig, bestand Peter Brem das Probespiel für die Berliner Philharmoniker. Seitdem spielte er als erste Geige neben den besten Solisten und unter den bedeutendsten Dirigenten - 46 Jahre lang. Die Geschichte des Orchesters ist die Geschichte seines Lebens. Karajan, Abbado, Rattle, Barenboim, Bernstein - Brem berichtet von der alltäglichen Arbeit mit diesen Stars, aber auch von der besonderen, selbstorganisierten Struktur der Philharmoniker. Charmant und mitreißend erzählt er von Konzertabenden mit der japanischen Kaiserin, von der einmaligen Zusammenarbeit mit den Scorpions und von Tennispartien mit Seiji Ozawa. Sein Buch macht das Glück greifbar, ein Leben lang Teil dieses herausragenden Orchesters zu sein.
Ein Musikerleben, das beeindruckt.
Quelle: http://www.rowohlt.de

dr.pingel

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Sonntag, 16. Oktober 2016, 13:51

"Lese gerade..."
Und ich höre "Like a Rolling Stone" von Bob Dylan ...
https://www.youtube.com/watch?v=dxLMr784l0Q

Wer übrigens auf die Schnapsidee kam, dessen Lyrik mit dem grauslichen sprachlichen Zeug von Herbert Grönemeyer in einen Topf zu werfen, der hat "keine Literatur im Leibe" (Thomas Mann).

Da meinst du ja wohl mich, lieber Helmut; dazu muss ich sagen, dass mein Vater Bibliothekar war und 5000 Bücher hatte, die ich bis 16 alle mal in der Hand hatte. Zudem hast du nicht genau genug gelesen. Meine Rätselfrage betraf nicht die Texte, sondern den nicht-vorhandenen Gesang.

Jetzt möchte ich doch die Tonlage verschärfen. Ein Musiker, der nicht singen kann und auf seiner Gitarre nur herumschrammelt (wobei die Schrammeln aus Wien besser sind) kann ja nicht mal als Provinzmusiker durchgehen.
Mit den Texten ist da so eine Sache, da scheiden sich die Geister, genauso, wie sie sich bei Böll, Grass (beide sind jetzt schon total zu Staub und Asche geworden wie ihre Werke auch) und Jelinek (keine Texte, sondern "gebrüllte Textflächen") scheiden. Ich nenne hier mal drei Amerikaner, die vor Dylan in die Wahl hätten kommen müssen: John Updike (schon tot), Don deLillo und Richard Ford.
Aber damit ist für mich die Sache abgeschlossen, da der Literaturnobelpreis ja doch etwas sehr Peripheres ist und den Kenner von Literatur meist nicht interessiert.
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Helmut Hofmann

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Sonntag, 16. Oktober 2016, 16:39

Zit. dr. pingel: "Da meinst du ja wohl mich, ..."

Um Himmels willen!
Mit meiner Bemerkung "Wer übrigens auf die Schnapsidee kam, dessen Lyrik mit dem grauslichen sprachlichen Zeug von Herbert Grönemeyer in einen Topf zu werfen,..." meinte ich auf gar keinen Fall Dich, lieber dr. pingel. Du hattest diesen deutschen Pop-Sänger ja unter dem Aspekt des Nicht-singen-Könnens mit Bob Dylan verglichen, nicht unter dem seiner Texte. Dieser Vergleich ist mir in den vielen Presse-Artikeln begegnet, die ich zu diesem Thema gelesen habe. Du solltest eigentlich wissen, dass ich mich über Mitglieder des Forums nicht in diesem flapsigen Ton äußere, selbst wenn ich mit ihnen überhaupt nicht übereinstimmen sollte.

Da die Sache für Dich jetzt abgeschlossen ist, betrachte ich sie für mich ebenfalls so. Es tut mir sehr leid, dass Du dich in dieser Weise von mir angerempelt fühltest. Aber das war tatsächlich ein Missverständnis!

dr.pingel

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Sonntag, 16. Oktober 2016, 18:16

Lieber Helmut, ich hatte es so tragisch gar nicht genommen, denn ich weiß natürlich, dass du nicht nur sehr kompetent bist, sondern auch respektvoll. Es gibt bei mir hier eine Tradition, dass ich neben den Sachthemen auch Themen aufgrund des Names der Verfasser lese, Bertarido gehört dazu, musikwanderer, Willi, Caruso und du auch. Also hängen wir die Sache tief bzw. ganz weg.
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Helmut Hofmann

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Sonntag, 16. Oktober 2016, 18:46

"Also hängen wir die Sache tief bzw. ganz weg."
Sehr, sehr gerne, lieber dr. pingel. Dieses Thema "Nobel-Preis für Bob Dylan" ist es nicht wert, dass man sich darüber zerstreitet.
Ich bin ohnehin in meinem Urteil ein wenig schwankend geworden, - heute, nach der Lektüre des Artikels von Tobias Rüther in der FAS.
Aber lassen wir die Sache ruhen. Man müsste ja, um zu einem wirklich fundierten Urteil zu gelangen, einen gründlich-analytischen Blick in die Songs von Bob Dylan werfen. Dazu bin ich weder in der Lage, noch willens.

moderato

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Sonntag, 16. Oktober 2016, 19:16

Im Jahr 2011 erhielt der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer (1931-2015) den Nobel-Preis.

Ich kenne und schätze ihn seit den 80er Jahren und habe mir immer seine schmalen Gedichtbänden gekauft, wenn eines in deutscher Übersetzung erschien. Schön, dass es sein Werk in zwei Büchern Sämtliche Gedichte (bis 1997) bzw. Gesammelte Gedichte (bis 2013) gibt.
Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
.

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