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Joseph II.

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1

Mittwoch, 11. Juni 2008, 00:14

Geeigneter Zugang zu Händels Opernschaffen

In Anlehnung an den Wagner-Thread kam mir ganz spontan der Gedanke, das gleiche Spielchen mit Händel zu versuchen - ein Gebiet, auf dem ich mich bisher (operntechnisch) quasi beinahe gar nicht auskenne (fast nur Oratorien).

Kann mir jmd. eine Händel-Oper als idealen Einstieg empfehlen? Vielleicht einen "Fahrplan" erstellen, wie man danach weiter vorgeht? (Mit einer unbekannten Oper wie "Ottone" sollte man wohl nicht anfangen, oder?)

Böse Zungen behaupten ja oftmals, eine Händel-Oper klänge wie die andere, die Arien wären beliebig austauschbar etc.
Stimmt das Klischee?

Liebe Grüße
:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

musicophil

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2

Mittwoch, 11. Juni 2008, 00:57

RE: Geeigneter Zugang zu Händels Opernschaffen

Zitat

Original von Joseph II.
Böse Zungen behaupten ja oftmals, eine Händel-Oper klänge wie die andere, die Arien wären beliebig austauschbar etc.
Stimmt das Klischee?

JEIN :D :D
ER hat oft Arien, Duette, usw in andere Werke neu verwendet. Aber das sind immerhin prächtige Musikstücke.

Das pompöste Werk von ihm, und zugleich auch die Oper mit den meisten musikalischen Schätzen, ist vielleicht sein Julius Ceasar.
Dennoch denke ich, daß Du bei Händel vielleicht mal erst den Judas Maccabäus, Theodore oder ein anderes Oratorium hören kannst.

Wenn ich zurückdenke an die Arie von Manoah (Vater Samsons)

How willing my paternal love
The weight to share
Of filial care,
And part of sorrow's burden prove!
Though wand'ring in the shades of night,
Whilst I have eyes he wants no light.

Dann bekomme ich wieder einen Gänsehaut, So ergreifend ist diese Arie.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Joseph II.

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3

Mittwoch, 11. Juni 2008, 02:17

RE: Geeigneter Zugang zu Händels Opernschaffen

Julius Cäsar bzw. Giulio Cesare klingt ja schon mal interessant - auch vom Thema her.

Von den HIP-Aufnahmen (die ich da bevorzugen würde) sind die beiden sicher nicht übel, wie ich Minkowski und Jacobs kenne:



P.S.: Die Trennung Oper-Oratorium bei Händel ist ja oftmals scheinbar sowieso ein wenig kompliziert: Hercules und Semele etwa werden ja oft als Oratorien geführt.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Elisabeth

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4

Mittwoch, 11. Juni 2008, 06:16

RE: Geeigneter Zugang zu Händels Opernschaffen

Majestät,

;)

meine ersten Begegnungen mit Händels Opernschaffen geschahen auf der Bühne. Anfang der achziger Jahre der RINALDO in Coburg und dann 1990 der XERXES in einer Aufführungsserie des Südostbayerischen Städtetheaters (heute Landestheater Niederbayern), die während des Umbaus des Passauer Theaters in der Salvatorkiche gegeben wurde.

Meine ganz persönliche Erfahrung: auf der Bühne ist der Zugang zu Händels Opern leichter als nur von der "Konserve" - bei de Opern sind aber sicher auch von dieser "einstiegsgeeignet".

LG, Elisabeth


PS und OT: Vielleicht kannst Du zu Deiner Avatar- und Namensänderung noch ganz kurz etwas im vorstellungsthread schreiben?

Fairy Queen

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5

Mittwoch, 11. Juni 2008, 06:54

Lieber Joseph,
Die grossen Händel-Opern nur zu hören und nciht gleichzeitig auch eine gute Inszenierung vor Augen zu haben, ist schon etwas für echte Freunde seiner Musik.
Wer dem Barock eher skeptisch gegenüber steht und romantische Tonsprache vorzieht, wird sich da tatsächlich schnell etwas langweilen und das ewige DA-Capo Schema A-B-A etwas über bekommen.
Ich selbst liebe Händels Oper sehr, habe aber mit meinem Mann(der wirklich keine musikalischer Anfänger ist) z.B. im Tamerlano die Erfahrung gemacht, dass bei einer lahmen Inszenierung und über dreieinhalb Stunden dann wirklich der Überdruss und Langeweile eintrat . Ich habe dann neulich einen neuen Versuch mit einer ganz phantastischen Theodora-DVD aus Glyndebourne( Christie/Sellars) gestartet und obschon diese Oper ein sehr schwieriges Sujet hat und ebenfalls sehr lang ist, war das dann ein durchschlagender Erfolg.
Es hängt eben Alles davon ab, wie die Musiker und der Regisseur dies Musik heutzutage rüberbringen.
Was ich Dir zum Einstieg empfehlen würde, wären ergo gute DVDs von Giulio Cesare und Alcina. Meine beiden Lieblingsopern mit ganz wunderschönen Melodien und wenn richtig inszeniert einer packenden Geschichte und vielen Protagonisten mit sehr eigener Charakterisierung.

Und bei Händel in jedem Falle HIP, sei es auch gemäßigt. alles, was ich bisher anderes gehört habe, hat mich wirklich erschlagen, angeödet oder nur schwarz geärgert. Dann wird es wirklich zur Qual und man wünscht nur, dass nicht noch eine weitere Arie mit A-B-A kommen möge. :wacky:

Die oben empfohlene René-Jacobs Aufnahme vom Giulio Cesare finde ich ebenfalls vorzüglich. :jubel:

Hier noch die DVD/CD -Empfehlungen :

Theodora: William Christie Insz.: Peter Sellars ein ganz hervorragendes Sängerensemble mit David Daniels, Dawn Upshaw, Richard Croft etc live aus Glyndebourne



Musikalisch allererste Sahne, die Inszenierung ist eine kongeniale Übertragung des heute sehr schwierigen Stoffes, die dieser Oper ein ganz neues Leben verleiht und mich(und meinen händelkritischen Mann) restlos begeistert hat





Die für mich massstabsetzende Einspielung dieser Oper.
Nicht nur für Liebhaber herrlicher Stimmen, aber besonders fur Solche. was Renée Fleming, Natalie Dessay nd Susan Graham hier an rollenportraits Schaffen kann man nciht besser bekommen. Schierer Wohlklang gepaart mit hochintelligenter Musikalität. einfach nur umwerfend :jubel: :jubel: :jubel:


Was Giulio Cesare angeht, gibt es neben der René Jacobs Version noch etlcihe andere empfehlenswerte Versionen. Das ist dann wirklich Geschmackssache auch in puncto Sänger. Ich finde leider das Cover der McVicar Inszenierung auf DVD nicht. Selbige habe ich live (allerdings nicht unter Christie sondern von Emmanuelle Haïm dirigiert) gesehen und kann auch da nur sagen: begeisternd und fesselnd bis zum Ende-ein echtes Barockfest! :jubel: :jubel: :jubel:

Fazit: wenn Händel gut rübergebracht wird( vorzugsweise bzw m.E. obligatorisch HIP!!!) ist das ein wahrer Genuss auch für Barockeinsteiger und Skeptiker. Die Musik an sich ist ohnehin ein Ohrenschmaus und die Längen muss eben eine passende Inszenirung überbrücken.

Viel Spass beim Entdecken, ich bin auch noch dabei und von meinem letzten Erlebnis , der obigen Theodora , noch tief beeindruckt.

Fairy Queen
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

der Lullist

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6

Mittwoch, 11. Juni 2008, 07:29

wenn Dir Händels Musik sowieso liegt, dann sehe ich da erst Mal gar kein Problem.

Aber vorsicht, wenn die Opern schlecht interpretiert werden, dann geht wie bei den meisten Opern dieser Zeit das ganze Werk flöten.
Deshalb würde ich nicht historisch informierten Interpretationen tunlichst abraten.

Händels Alcina mit der Sutherland in der Hauptrolle und dem London Symphonie Orchestra kann ich Heute nur noch als Zumutung und Verunstaltung von Kunst bezeichnen. :no:


Ob eine Inszenierung weiter hilft um Händels Opern etwas abzugewinnen, wage ich (vor allem in Hinblick auf Deinen Geschmack) sehr zu bezweifeln, denn Händel ist eine lieblingszielscheibe des Regie Theaters :D

Kennst Du den Film "Farinelli" - der könnte auch ein netter Einstieg in diese Opernwelt sein, auf alle Fälle: angucken !

Zuerst würde ich folgendes versuchen, bevor Du Dich an ganze Opern heran wagst, kauf Dir mal ein Arien Recital.

ich würde folgendes vorschlagen:


James Bowman - Heroic Arias of Händel
King's Consort / Robert King


mit dieser CD begann meine Leidenschaft für seine Opern.

Danach würde ich Dir die 3 wichtigsten Opern Händels ans Herz legen:


Händel: Rinaldo, Drama per Musika (London 1711)
Vivica Genaux in der Hauptrolle :jubel: :jubel: :jubel:
Akademie für Alte Musik Berlin / René Jacobs

Vivica Genaux kommt mit ihrer Technik wohl am ehesten an die damaligen Kastraten heran, einfach unglaublich. Jacobs hat in der Aufnahme so ziemlich allen Schnick Schnack der Barockoper aufgeboten - sogar mit Selbsdarstellung des Cembalisten (damals Händel selbst) :D :D :D
Absolut fantastisch die Aufnahme

dann den schon mehrfach erwähnten Giulio Cesare


Händel: Giulio Cesare, Drama per Musica (London 1724)
Jeiffer Larmore in der Hauptrolle
Concerto Köln / René Jacobs

und schließlich Händels wichtigste Oper:


Händel: Alcina, Drama per Musica (London 1735)
Arleen Auger in der Hauptrolle
City of London Sinfonia / Richard Hickox



Alle drei Opern stellen den Höhepunkt der jeweiligen Schaffensperiode dar. Damals wie Heute gehören sie zu den erfolgreichsten und meistgespieltesten Werken Händels.
Mit Rinaldo wurde damals in London der Opernboom überhaupt erst ausgelößt, in dieser Oper wirst Du einige der schönsten Arien finden, die Du je gehört hast.
Giulio Cesare ist wohl Händels populärste Oper und die Arien sind ebenfalls wunderschön.

Alcina ist eine der letzten Opern die Händel komponierte, und die im Gegensatz zu anderen Werken aus dieser Zeit sehr großen Erfolg hatte.
Alcina ist der Höhepunkt von Händels Opernschaffen.
Allerdings erwartet Dich hier keine reine Opera Seria mehr, sondern Händel versuchte hier eine Art Synthese zwischen der italienischen und französischen Oper, es gibt viel Ballett und einige Chöre.

Ich möchte allerdings von der Einspielung von W. Christie abraten, das Werk ist in dieser Aufnahme massiv verstümmelt!
Denn gerade die von mir angesprochene Synthese, bleibt hier völlig auf der Strecke, durch die Inszenierung dieser Oper !
Zudem stören die Bühnengeräusche und der in die Musik reinfallende Applaus.
Mit der Hickox Aufnahme ist man wesentlich besser bedient, zumal das die einzige Aufnahme ist, die über die gesamte Musik verfügt - auch die sängerische Leistung wesentlich besser ist.


wenn Du das alles konsumiert hast und begeistert bist, dann wirst Du schnell auch die weniger bekannten Meisterwerke entdecken:
Riccardo Primo (Krönungs Oper für George II) / Orlando / Rodelinda / Ariodante / Amadigi / Giustino ... es gibt da noch so viel zu entdecken


:hello:

wimmus

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7

Mittwoch, 11. Juni 2008, 07:46

Kann mich vollinhaltlich anschließen!

Kleiner Tipp:
derzeit (noch ein paar Termine im Juni) gibt's im ZDF-Theaterkanal eine hinreißend musizierte 'Semele' mit Cecilia Bartoli als naive Zwitscherkehlchen.
Die Inszenierung macht die Story gut klar (heimtückische Göttin Juno, liebestoller Gott Jupiter).
Die Regietheaterfachleute mögen trefflich streiten, ob das eine gelungene Aufführung ist, aber als Einstieg und Anregung für tiefere Beschäftigung ideal!
Wimmus

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8

Mittwoch, 11. Juni 2008, 09:19

Ich bin zwar nicht sicher, ob man die drei vom Lullisten genannten als "wichtigste" Opern bezeichnen kann, aber ich würde ebenfalls genau diese drei empfehlen (auch in diesen Aufnahmen, die Alcina in klarer Präferenz zu der luxuriös, aber nicht immer adäquat besetzten unter Christie). Noch dramatischer, hervorragend besetzt, aber nicht so eingängig ist Minkowskis Aufnahme von "Ariodante". (Hörenswert jedenfalls auch noch "Tamerlano", "Orlando" und "Rodelinda")

Leider ist es heute schwierig bis unmöglich, die Werke völlig angemessen zu besetzen. Kastraten haben wir bekanntlich keine, die wenigsten männlichen Alte haben wirklich geeignete Stimmen und auch viele der nach einem puritanischen Reinheitsideal gezüchteten HIP-Damenstimmchen sind für die Seria-Helden und Heldinnen nur bedingt geeignet (wobei sich hier freilich im Studio einiges ausgleichen läßt, eine kleine, einfarbige Stimme bleibt aber klein und einfarbig). Überdies sind viele der Dirigenten tendenziell Langweiler...

Daher ist die Idee einer DVD-Aufzeichnung vielleicht auch nicht verkehrt. Aber meines Wissens zeigen fast alle guten DVDs (ich kenne nur zwei, die Münchner Rodelinda und Sellars' Theodora) moderne Inszenierungen.

Es ist auch nicht verkehrt, sich zuerst ein Recital anzuhören. Allerdings gewinnt man daraus natürlich eher den Eindruck, die Arien seien beliebig austauschbar.

Theodora, Semele usw. sind keine Opern, auch wenn sie mitunter inszeniert werden.

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
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Fairy Queen

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9

Mittwoch, 11. Juni 2008, 11:07

Lieber Lullist, deine musikalischen Auffassungen und Vorbehalte gegen die Christie Version kann ich nachvollziehen(ziehe René Jacobs da auch vor) und rate oben auch ebenfalls dringend von Nicht-HIP Händel ab.
Warum aber die Christie -Aufnahme sängerisch schlechter sein soll, erschliesst sich mir nun überhaupt nciht! ?(
Und das , obschon ich ausgesprochener Fan von Arleen Auger bin.
Das hat auch eine ganze Menge mit Stimmen-Mode zu tun, scheint mir......
Die Christie Damen machen m.E ihre Sache absolut heraussragend und ich möchte genre mal von Dir und Johannes Roehl hören, was es nun daran auszusetzen gibt? ?(8o

Dass Joseph keine modernen Inszeineirungen sehen will, ging aus seinem Posting nciht hervor. Wenn dem so ist, ist es mit der Sellars-Theodora leider ncihts... serh schade, das ist nämlich allererster Güte!

MCVicar ist m.E allerdings traditionalistenkompatibel. und ein echter Augenschmaus-schon allein wegen der Tanzchoreographien und Kostüme.

F.Q.
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Andrew

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10

Mittwoch, 11. Juni 2008, 13:57

Ich kann die Empfehlung der James Bowman-CD durch den Lullisten nur dick unterstreichen. Das ist ein toller Quereinstieg, der Lust und Interesse auf mehr weckt. Die CD behält auch ihren Reiz, wenn man dann die eine oder andere Oper als Gesamtaufnahme hat. James Bowman ist einfach großartige englische Händel-Tradition mit feinstem HIP!

Ähnlich empfehlenswert sind als Quereinstiege die CDs der von mir sehr verehrten Emma Kirkby. Im Thread über die Sänderin sind sie teilweise näher beschrieben, das will ich hier nicht wiederholen. Es gibt die drei CDs jetzt zusammen als günstiges Händel-Kraftpaket:




Emma Kirkby singt Händel-Arien (3 CDs)

aus Almira, Rodrigo, Rinaldo, Amadigi, Julius Caesar, Tamerlano,
Scipione, Rodelinda, Alessandro, Admeto, Riccardo Primo, Siroe,
Tolomeo, Lotario, Partenope, Ezio, Sosarme, Arianna in Creta,
Alcina, Berenice, Deidamia
+Ouvertüren zu Lotario, Atalanta, Deidamia, Silla, Tamerlano,
Scipione, Almira (2.Version)
Künstler: Emma Kirkby, Catherine Bott, Brandenburg Consort, Roy Goodman
Label: Hyperion , DDD, 1995-99


Hier behalten die Aufnahmen durchaus auch dann ihren Reiz, wenn man die Gesamtaufmnahmen der Werke hat. Emma ist nun mal die Queen!!!

Für mich war Christies Alcina ein guter Einstieg. Sie hat ihre Mängel, das wurde auch hier und an anderen Stellen angesprochen. Die Aufnahme ist trotzdem wunderbar. Ich halte mit Fairy Queen die Sängerinnen für Top! Außerdem - das nur nebenbei - ist die Aufnahme als Einstieg auch günstig zu bekommen. Ein anderer günstiger Einstieg ist die NAXOS-Aufnahme von Rinaldo (Mallon). Es gibt hier natürlich auch andere, z.T. bessere Rinaldos (Jacobs, Hogwood), aber diese günstige Aufnahme ist ein prima Einstieg.

Ansonsten will ich hier nicht wiederholen, was andere schon geschrieben haben. Lieber Joseph (Warst du nicht schon mal jemand anders? Habe ich da etwas nicht mitbekommen ?( ), du stehst vor einer wunderbaren musikalischen Entdeckung, die dich sicher sehr bereichern und faszinieren wird.

Viel Freude an der glory of Handels opera wünscht dir Andrew :hello:
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

der Lullist

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11

Mittwoch, 11. Juni 2008, 14:09

Liebe Fairy Queen,

es sind auch weniger musikalische Punkte die ich an der Aufnahme auszusetzen habe. Aber Arleen Auger ist in der Titelrolle einfach ergreifender.
Auch die übrige Besetzung empfinde ich bei Hickox als viel idealer.

Nein worum es mir geht sind die massiven Kürzungen - da wird aus diesem Werk, das ja eben eine der ersten Opern "der neuen Generation" (Verbindung zwischen Opera Seria und Tragèdie Lyrique) mit Gewalt eine reine Opera Seria gemacht. Diese Verbindung wird von Jommelli, Traeta und schließlich Gluck und Kraus ja fortgeführt.
Höhepunkt dieser Synthese ist dann ohne Zweifel Mozarts Idomeneo.

Und ob man unbedingt die ganzen Nebengeräusche haben möchte ist auch noch so eine Sache. Hickox Aufnahme ist im Studio gemacht worden. Selbst gestrichene Passagen sind als Apendix mit dabei.

Wäre die Hickox Aufnahme nicht noch einmal aufgelegt worden, dann wäre Christies Aufnahme ganz sicher die Referenz.

Gegen William Christie habe ich jedenfalls keine direten Vorbehalte, auch wenn er vieles nicht so macht, wie ich mir das vorstelle.
Händel ist aber meiner Meinung nach nicht so sehr Christies Gebiet, das merkt man sofort, wenn man seine Händel Einspielungen mit denen von Rameau oder Charpentier vergleicht.
Bei den Franzosen ist viel mehr Liebe zum Detail zu hören, das ist einfach seine Welt.

:hello:

Joseph II.

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12

Mittwoch, 11. Juni 2008, 15:19

RE: Geeigneter Zugang zu Händels Opernschaffen

Lieber Forianer,

ich danke euch herzlichst für die zahlreichen Antworten! :jubel:

Es ist wohl in der Tat eine gute Idee, mit einer Arien-Recital-CD zu beginnen.

Auf dieser, vom Lullisten empfohlenen, finden sich ja sogar Arien aus der recht unbekannten Oper "Ottone".



Also "Rinaldo", "Giulio Cesare" und "Alcina" - dachte ich mir fast schon, daß die drei die wichtigsten sind.

Würdet ihr meinen, daß es auch einige mißlungene Händel-Opern gibt, mit welchen man sich den Zugang zu ihm verbaut?

:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Fairy Queen

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13

Mittwoch, 11. Juni 2008, 15:26

Lieber Joseph, der Mann hat Soviel komponiert....
Aber verbauen kann dir eigentlich nur schlechte Wiedergabe den Zugang, also etwa ein Julius Câsar in deutsch mit einem Bass als Cäsar, grossem Symphonieorchester und allem Getöse drumherum. Habe ich vor einiger Zeit mal bei Peter zur Abschreckung gehört und bin für alle Zeiten kuriert.(unter Leitner mit FiDi als Caesar) :no: :faint: :motz:

Ganz reizend zum Einstieg ist übrigens auch Acis und Galathea oder später die Mischformen aus Oratorium und Oper.

Wenn wir schon bei Recital-Cds sind:
Neben der Emma Kirkby-Sammlung, in deren Bewertung ich mich Andrew nur vollstens anschliessen kann, gibt es auch eine tolle Händel-Cd von Natalie Dessay (nein, ich stehe nicht unter PR vertrag bei ihr :D)

:jubel: :jubel: :jubel:


Ausserdem empfehle ich noch diese Duett-Cd für Händel-Gourmets! Wirklich vom Feinsten!!!!!


Lieber Lullist und lieber JR, ich habe immer noch kiene Idee, warum ihr die Hickocks Sänger besser (besetzt) findet als Dessay, Fleming und Graham ?(

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14

Mittwoch, 11. Juni 2008, 15:53

Riccardo Primo

Ich habe grad bei JPC eine der ganz unbekannten Händel-Opern gefunden, die scheinbar kürzlich referenzreif eingespielt wurde:



Das Reinhören klang schon sehr vielversprechend!

P.S.: Diese (ältere) Einspielung ist laut einer Amazon-Rezension sogar noch besser:



Kennt jemand eine oder gar beide?
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der Lullist

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15

Mittwoch, 11. Juni 2008, 17:15

Ich meinte ja auch, dass es mehr eine persönliche Sache ist, mir liegt die Besetzung von Kickox einfach mehr.
Für mein Empfinden ist da mehr Sinnlichkeit drin.
Seit dem ich Hickox habe, höre ich die Christie Aufnahme gar nicht mehr.


Wegen "Riccardo Primo"

die neue Einspielung kenne ich nicht, seltsamer Weise wurde sie aber vor Kurzem noch als "Weltpremiere" angepriesen ... aber da war Christophe Rousset Jahre vorher schon schneller. :D
Seine Einspielung habe ich und die kann ich nur empfehlen.
Ebenso die anderen Händel Einspielungen (Scipione ist aber wohl nicht mehr erhältlich)

Die neue Einspielung spare ich mir, allein schon deshalb, weil ich keine Countertenöre mehr in den Opern von Händel haben möchte - schon gar nicht in der Titelpartie und weil die Rousset Aufnahme schwerlich zu überbieten ist.

Ob das Kammerorchester Basel überhaupt ein "richtiges" Alte Musik Ensemble ist, weiß ich nicht, aber die Bezeichnung "Kammerorchester" macht die Aufnahme für mich nochmal mehr uninteressant.
Paul Goodwin ist allerdings ein toller Musiker, seine Barock-Oben-Aufnahmen gehören zu dem Besten was in dieser Richtung gibt.


Bei den Arien Recitals sind Counter Tenöre aber für mich o.K.
Ein ziemlicher Wiederspruch .... :D
Nein mir ist einfach aufgefallen, dass die meisten Countertenöre über eine ganze Oper die Qualität nicht halten können, irgendwann kommen Arien in der Partie, denen sie einfach nicht gerecht werden.
Außerdem ist es historisch falsch, Händel ersetzte ausgefallene Kastraten ausschließlich mit Sängerinnen.

Aber bei den Arien Recitals suchen sich die Countertenöre Arien aus, die sie gut singen können, die auch zur Stimme passen.
Deshalb höre ich die James Bowman CD auch nach wie vor sehr gerne.

Damals ein wunderbarer Einstieg, Heute einfach eine wunderschöne Platte.




Klar gibt es schwächere Werke, meist sind das auch Opern die damals schon durchgefallen sind.
Ganz abraten würde ich von "Tamerlano" da gibts eine Einspielung von Gardiner (ultra langweilig)
oder auch fatal "Poro, Re dell'Indie" die Einspielung stammt von Fabio Biondi, wer die erste Cd durch hält ist schon wirklich hart im Nehmen.....
Mit Sicherheit liegt das aber an den Interpretationen.
Die deutschen Versionen sind in der Tat zum gruseln. Fritz Wunderlich als Julius Cäsar ist nicht mehr als eine Karikatur.
Auf alle Fälle immer drauf achten, dass sich wirkliche Experten der Sache annehmen.

Ich für meinen Teil habe folgende Werke (+ Dirigent) als besonders herausragend empfunden:

Alcina (Hickox)
Rinaldo (Jacobs)
Amadigi (Minkowski)
Riccardo Primo (Rousset)
Giulio Cesare (Jacobs)
Ariodante (Minkowski)
Orlando (Hogwood)


alle anderen Opern die ich bisher von Händel gehört habe (es waren einige :D ), kamen da nicht mehr dran.
Aber das ist alles meine persönliche Meinung :lips:

:hello:

Joseph II.

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16

Mittwoch, 11. Juni 2008, 17:21

RE: Riccardo Primo

Ist die 1995er-Rousset-Aufnahme also in der Titelpartie mit einer Mezzosopranistin besetzt, die 2007er-Goodwin-Aufnahme mit einem Countertenor, wenn ich das richtig verstanden habe?
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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17

Mittwoch, 11. Juni 2008, 18:36

Jepp

Sara Mingaro singt bei Rousset die Titelpartie.

Bei Goodwin ist es Lawrence Zazzo (Countertenor)


:hello:

severina

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Mittwoch, 11. Juni 2008, 18:54

Zitat

Original von wimmus
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Kleiner Tipp:
derzeit (noch ein paar Termine im Juni) gibt's im ZDF-Theaterkanal eine hinreißend musizierte 'Semele' mit Cecilia Bartoli als naive Zwitscherkehlchen.
Die Inszenierung macht die Story gut klar (heimtückische Göttin Juno, liebestoller Gott Jupiter).
Die Regietheaterfachleute mögen trefflich streiten, ob das eine gelungene Aufführung ist, aber als Einstieg und Anregung für tiefere Beschäftigung ideal!


Diese Empfehlung unterstreiche ich! Ich habe diese Aufführung live in Zürich gesehen, sie ist in jeder Beziehung großartig, sowohl was Regie als auch Besetzung betrifft. (Auch Charles Workman als Jupiter ist wunderbar, ebenso wie alle anderen!) In zwei Wochen werde ich - wieder in Zürich - den "Rinaldo" zum ersten Mal auf einer Bühne erleben und freue mich schon sehr darauf!
lg Severina :hello:

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19

Mittwoch, 11. Juni 2008, 19:12

Liebe Severina, wie so oft beneide ich Dich wieder einmal..... :hello:

Lieber Lullist, ich würde mich nicht festlegen wollen, ob ich Arleen Auger oder Renée Fleming lieber als Alcina höre. Es gibt für Beides gute Argumente.-SINNLICHER ist aber allemal die Fleming! Höre dir bitte nochmal ihr "Ah mio cor" an-da zieht es einem doch wahrlich die Schuhe und mehr aus! Gerade bei den tiefen Tönen :jubel:
Was Morgana und Ruggiero angeht fidne ich allerdings eindeutig die Christie Damen besser. Natalie Dessay und Susan Graham sind einfach nciht zu toppen-darauf muss ich leider beharren :D

Musikalisch hast du aber sicher mit Hickox Recht, ich habe mir heute eigens nochmal die ganze Aufnahme angehört.
Hat Wunderlich etwa auch den Caesar gesungen??? 8o Mon dieu..... :faint:

Vom Tamerlano als Einstieg wûrde ich auch abraten. Meinen Mann hat das so angenervt, dass er dann anschliessend den phantastischen Giulio Cesare boykottiert hat und es bitter bereute. Also nciht von Tamerlano abschrecken lasssen! Es gibt Besseres :D

Was aber ganz süss ist, ist "Acis und Galathea".



Liebe hândelselige Grûsse, hier wird man immer so schön motiviert, seien Cds auszukramen und wieder zu hôren! :]
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Mittwoch, 11. Juni 2008, 19:45

wegen Alcina bin ich leider vorgeprägt, denn in exakt dieser Sänger - Besetzung - aber mit William Christie am Pult :D
habe ich damals als 15jähriger diese Oper (zwar nur am Bildschirm) erlebt.

Und das war auch meine erste Oper überhaupt.
Deshalb hänge ich wohl besonders an gerade diesem Ensemble.

Aber Flemings "Ah mio Cor" ist wirklich toll, da will ich Dir gar nicht wiedersprechen.
Eine Arie aus der Alcina, die ich aber am meisten schätze ist "Ombre pallide"
Man kann durch Händels überirdische Musik fast die beschworenen Geister sehen.... :faint:


Zitat

Hat Wunderlich etwa auch den Caesar gesungen??? 8o Mon dieu..... :faint:

ja..leider... manchen Leuten ist nichts heilig :stumm: :untertauch:

der Lullist

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21

Mittwoch, 11. Juni 2008, 20:20

noch ein Tipp
auch wenn die 4 CD Box nicht ganz billig ist, so lohnt sie sich doch auf alle Fälle (wenn man Blut geleckt hat, muss man diese Box sowieso haben :D )


Händel: Arias for.....
- Cuzzoni
- Senesino
- Durastanti
- Montagnana

Philharmonia Baroque Orchestra / Mc Geegan


Und zwar handelt es sich hier um ein extremes Arien Recital über 4 CD's
Aber auch von 4 verschiedenen Sängern, die Repertoire der 4 wichtigsten Sänger die Händels damals verpflichtete, aufgenommen haben:

Die erste CD ist der Sopranistin Cuzzoni gewidmet und wirklich wunderschön von der Sängerin Lisa Saffer interpretiert.
Arien aus Rodelinda, Riccardo Primo, Giulio Cesare, Ottone, Scipio u.a.

Die zweite CD ist der Prima Donna Durastanti gewidmet, mit der Händel am längsten zusammenarbeitete.
Die leider verstorbene Lorraine Hunt singt Arien aus Agrippina, Radamisto, Giulio Cesare, Ottone u.a.
...einfach traumhaft
Aber furchtbar, dass Madame Hunt so früh gestorben ist ;(

die 3 CD ist dem Kastraten Senesino gewidmet.
Drew Minter singt hier. Seine Stimme ist sicherlich Geschmackssache, ich empfinde ihn als zu "weinerlich" aber die ausgesuchten Arien aus Orlando, Tolomeo, Riccardo Primo und Rodelinda sind ganz ordentlich.

die 4 CD gehört dem Bass Montagnana, furios gesungen von David Thomas.
Arien aus Acis & Galatea, Orlando, Sosarme, Ezio u.a.


Das Begleitmaterial ist vorbildlich (ein kleines Buch), alle Opern werden kurz vorgestellt (die Texte der Arien sind auch abgedruckt) und man erfährt allerhand über die damaligen Sänger und das was damals hinter den Kulisse ablief.
Eine tolle Box, die ich nicht mehr missen möchte.

:hello:

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22

Mittwoch, 11. Juni 2008, 21:14

Die meisten Partien in der Alcina unter Christie sind sehr gut besetzt (Morgana z.B.), das ist wahr. Aber Fleming paßt halt nicht. Und die hat zufällig die Hauptrolle ;) Und Hickox dirigiert etwas kerniger als der mir häufig etwas zu softe Christie. Da Auger/Hickox wieder problemlos erhältlich ist (ich habe jahrelang auf Ebay danach gejagt), spricht einfach alles für diese.

Stimmen wie Bowman oder Kirkby haben allerdings meiner Ansicht nach in Händel-Opern nichts verloren. Bei geistlicher Musik und Kammerkantaten o.k., aber in der Oper fehlt es dort wirklich überall an Farbenreichtum, Ausdrucks- und Durchschlagskraft. Kastratenpartien sollten möglichst von Frauen wie Mingardo oder der erstaunlichen Ewa Podles gesungen werden. Countertenöre sind ein problematischer Kompromiß (und historisch falsch, sie haben nie in opere serie gesungen). Dennoch sind natürlich manche Aufnahmen mit solchen Sängern akzeptabel oder besser als die Konkurrenz.

Acis ist zwar auch keine Oper, aber ein sehr schönes Stück. Gardiners Aufnahme gab es immer mal wieder um ca. 10 EUR (in der Archiv Blue Reihe)

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Caesar73

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23

Donnerstag, 12. Juni 2008, 06:43

Zitat

Original von Johannes Roehl
Die meisten Partien in der Alcina unter Christie sind sehr gut besetzt (Morgana z.B.), das ist wahr. Aber Fleming paßt halt nicht. Und die hat zufällig die Hauptrolle ;)



Lieber JR,

könntest Du das ein wenig ausführen? Das "paßt halt nicht".

Meinst Du Renee Fleming kann ihrer Stimme wegen keinen Händel singen, meinst Du sie solle nur von der Alcina die Finger lassen? Das die Fleming sehr wohl und sehr gut Händel singen kann, belegt für mein Empfinden ihr vor einigen Jahren erschienenes Recital mit Händel Arien.

Herzliche Grüße,

Christian:hello: :hello:
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Fairy Queen

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24

Donnerstag, 12. Juni 2008, 10:45

Lieber Caesar,
ich hatte dieses Recital erst mit grosser Skepsis probegehört, weil ich ihre Belcanto-Cd so schrecklich finde und dachte, bei Händel würde sie eine ähnlcih stillose amerikanische Candy-Sosse drübergiessen.
Aber mir gefällt die Händel- CD auch sehr und was die Alcina angeht: "Ah mio cor" ist wirklich der Höhepunkt der Aufnahme und hat mich schwerst beeindruckt. :jubel:
Daher auch mein Insistieren.
Was ich mir evtl vorstellen kann, ist, dass den echten HIPs diese Stimme schon zu lyrisch und zu "sahnig" fürs Barocke ist. Arleen Auger hat ja ein deutlich leichteres Timbre.
Ich finde beide auf ihre Weise sehr gut, wobei ich eine verführerische Zauberin sehr wohl mit den sinnlichen Qualitäten à la Flemingstimme SEHR passend finde. :yes:

F.Q.
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epiphaneia

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Freitag, 13. Juni 2008, 02:58

Einen schoenen guten Morgen,

die meisten "klassischen" Empfehlungen wurden ja bereits ausgesprochen und ausdiskutiert, ich koennte mich da bestenfalls mit eigenen Nuancen einbringen.

So gestaende ich der Hickox-Alcina durchaus hohe Qualitaet zu -Herr Hickox hat oftmals ein gutes Haendchen fuer Haendel-, halte die Christie-Alcina aber gerade in ihrer Sanftheit fuer "musikalischer" und nicht zuletzt gerade wegen der Straffungen fuer "einsteigertauglicher". Naja, und allein Frau Dessay ist fuer mich einfach nicht zu ersetzen.

Den Minkowski-Cesare mag ich aus einem einzigen Grund mehr als den unter Jacobs: Der Gesang klingt nicht nach Dosentelephon - das Va Tacito ist in letzterer Aufnahme fuer mich gar nicht zu ertragen. Musikalisch tun sich beide nicht viel: Minkowski ist halt wie gehabt schwungvoll, stellenweise regelrecht "fetzig" (L´Aure...), Jacobs gediegen, feinst ausdifferenziert, da haben beide ihre Berechtigung.

Meine Tips jenseits von Cesare und Alcina:



Ich stehe sicherlich noch ein wenig unter dem Eindruck des vor wenigen Stunden Gehoerten, aber fuer ein Fruehwerk ist der Rodrigo sehr gelungen. Noch oft recht einfach in der Orchestrierung und Harmonik (man koennte es die "Hamburger Schule" nennen, deren Einfluss noch sehr hoerbar ist), mit noch nicht wirklich tiefgruendig gezeichneten Charakteren... aber schon mit viel erkennbarem Potential und eingaengigen Melodien, an denen Haendel sich unter anderem im Trionfo und dem Rinaldo fleissig bedient hat. Sehr kurzweilig.

Und die Minkowski-Ariodante kann man meiner Ansicht nach auch nicht oft genug empfehlen:



Wunderschoene Arien, bravouroes eingespielt, gutes Gesangsensemble.
Eine der besten Haendel-Opern, definitiv ganz oben mit Rinaldo, Alcina, Cesare.

Wenn es auch Werke sein duerfen, die offiziell unter die Oratorien fallen, empfehle ich den Belshazzar (Einspielung Pinnock), die Semele (Einspielung Gardiner) und den "Trionfo del Tempo e del Disenganno" (so ungern ich das, liebe Fairy Queen, sage, bitte nicht die Einspielung unter E. Haim, ihr fehlt meiner Ansicht nach an vielen Stellen der Sinn fuer das richtige -also auch mal ein unvirtuoses, gefuehlvolles, langsames- Tempo, ich empfaehle hier die Martini-Einspielung).

Viele Gruesse
Epiphaneia
In the beginning the universe was created. This has made a lot of people very
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Freitag, 13. Juni 2008, 08:51

Lieber Epiphaneia, keine Sorge, ich habe auch die Martini-Einspielung :D Und wenngleich Emmanuelle Haïm hier an unsrer Opéra tolle Arbeit leistet, bin ich ihren Aufnamhen nicht unbedingt verfallen!

ihr habt mich animeirt weider alle meine Händel-Cds auszukramen und gerade höre icH "L'Allegro, im Penseroso ed il Moderato".
Auch so ein Wunderwerk in dem eine herrliche Arie der Nächsten folgt. Ich kenne nur folgende Einspielung und bin begeistert. Falls es eine noch Bessere geben sollte, nur raus damit!

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27

Montag, 16. Juni 2008, 14:24



Kennt jemand diese beiden alternativen "Rinaldo"-Aufnahmen?

Inkl. der von Jacobs gibt es ja scheinbar drei auf CD. Welche ist die beste? (Mir wäre eine mit Countertenören am liebsten.)

:hello:
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Montag, 16. Juni 2008, 14:27

Zitat

Original von Joseph II.
(Mir wäre eine mit Countertenören am liebsten.)


Da bist Du bei David Daniels schonmal an der richtigen Adresse.

Interessant könnte dann auch diese sein:



Rinaldo (Version für Countertenor & Instrumentalensemble)
Ensemble Hypothesis

:hello:

Ulli
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epiphaneia

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Montag, 16. Juni 2008, 14:39

Zitat

Original von Joseph II.
Kennt jemand diese beiden alternativen "Rinaldo"-Aufnahmen?
Inkl. der von Jacobs gibt es ja scheinbar drei auf CD. Welche ist die beste? (Mir wäre eine mit Countertenören am liebsten.)


Den Mallon kenne ich nur vom "mal drueberhoeren" - die Aufnahme fand ich nicht schlecht, insbesondere fuer die Preisklasse, aber ich habe den Hogwood und den Jacobs und dem konnte der Mallon nichts hinzufuegen.

Die meiner Ansicht nach deutlich ueberlegene Aufnahme ist die von Jacobs: Daniels hat zwar eine angenehme, aber fuer diese Rolle zu weiche Stimme - Frau Genaux ist da ein ganz anderes Kaliber. Und Jacobs bietet musikalische Spitzenleistung und feinst ausdifferenziertes Spiel, Hogwood "nur" Solides.

Gruesse
epiphaneia
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Montag, 16. Juni 2008, 14:40

Hallo,

wie darf man das

Zitat


Version für Countertenor & Instrumentalensemble

genau verstehen?

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»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid