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SchallundWahn

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  • »SchallundWahn« ist weiblich

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91

Dienstag, 12. Juni 2012, 18:42

Nun kann man zu Kestings Urteilen im Einzelfall sicher so oder so stehen - kaum widerlegbar ist, dass er sich mit Achtung über die von ihm beschriebenen Sänger äußert und dass sein Urteil sich stets als gereiftes zu erkennen gibt. Pubertäre Lust am schieren Bashing habe ich bei ihm noch nie gefunden.Das gefällt mir eigentlich ganz gut!
Ich habe zwar leider nur die gekürzte einbändige Version des Kesting-Schmökers, aber stimme dem auf jeden Fall zu.
Eine Eigenschaft, die ich Kesting hoch anrechne, ist, dass er sich nicht zu schade ist, Negatives als auch Positives über einen Sänger zu erwähnen, selbst wenn er einen Sänger eindeutig harsch kritisiert, er hat immer noch so viel Rückrad zuzugeben, wenn auch dieser etwas in seinen Augen Positives geleistet hat. Es gibt genug Leute, denen solches nicht möglich scheint. Das macht Kesting für mich glaubwürdig. Was hier auch schon mehrmals erwähnt wurde, ist, dass er stilistisch auf sehr hohem und trotzdem verständlichen und unterhaltsamen Niveau schreibt, sowie ein so schweres Feld wie die menschliche Stimme so wunderbar in Worte fassen kann. Und wenn er etwas enthusiastisch lobt, dann bekomme ich meist Lust, mir das anzuhören.
Ich bin auch niemand, der mit der Kritik an meinen Lieblingssängern nicht umgehen kann, ich finde, sowas gehört dazu, wer das nicht kann, wird zwangsläufig Probleme mit Kesting haben.
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

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92

Dienstag, 12. Juni 2012, 22:01

Es mag sein, dass auf dem "Rückrad" das "Rückgrat" Schaden nimmt, nachdem das Rückrad nicht in die Schablone "Freudscher Versprecher" passt - oder hab' ich das was nicht mitbekommen?

zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

SchallundWahn

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  • »SchallundWahn« ist weiblich

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93

Dienstag, 12. Juni 2012, 22:10

Stimmt, mein Fehler, sorry :P
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zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

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94

Mittwoch, 13. Juni 2012, 07:31

Ach, über solche Verschreiber kann doch geschmunzelt werden und ich (wahrscheilich nur ich) habe auch über mein Wortspiel geschmunzelt - Fehler? - würde ich das nicht bezeichnen, da gibt's Beiträge, die sind "voller Fehler".

zweiterbass
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La Roche

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  • »La Roche« ist männlich

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95

Mittwoch, 13. Juni 2012, 15:14

Nun kann man zu Kestings Urteilen im Einzelfall sicher so oder so stehen - kaum widerlegbar ist, dass er sich mit Achtung über die von ihm beschriebenen Sänger äußert und dass sein Urteil sich stets als gereiftes zu erkennen gibt.

Lieber Wolfram, endlich einmal kann ich Dir zustimmen!! Kesting ist der Reich-Ranitzki der Gesangeskunst!

La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

kalli

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  • »kalli« ist männlich

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96

Mittwoch, 13. Juni 2012, 19:53

Nun kann man zu Kestings Urteilen im Einzelfall sicher so oder so stehen - kaum widerlegbar ist, dass er sich mit Achtung über die von ihm beschriebenen Sänger äußert und dass sein Urteil sich stets als gereiftes zu erkennen gibt. Pubertäre Lust am schieren Bashing habe ich bei ihm noch nie gefunden.Das gefällt mir eigentlich ganz gut!
Ich habe zwar leider nur die gekürzte einbändige Version des Kesting-Schmökers, aber stimme dem auf jeden Fall zu.
Eine Eigenschaft, die ich Kesting hoch anrechne, ist, dass er sich nicht zu schade ist, Negatives als auch Positives über einen Sänger zu erwähnen, selbst wenn er einen Sänger eindeutig harsch kritisiert, er hat immer noch so viel Rückrad zuzugeben, wenn auch dieser etwas in seinen Augen Positives geleistet hat. Es gibt genug Leute, denen solches nicht möglich scheint. Das macht Kesting für mich glaubwürdig. Was hier auch schon mehrmals erwähnt wurde, ist, dass er stilistisch auf sehr hohem und trotzdem verständlichen und unterhaltsamen Niveau schreibt, sowie ein so schweres Feld wie die menschliche Stimme so wunderbar in Worte fassen kann. Und wenn er etwas enthusiastisch lobt, dann bekomme ich meist Lust, mir das anzuhören.
Ich bin auch niemand, der mit der Kritik an meinen Lieblingssängern nicht umgehen kann, ich finde, sowas gehört dazu, wer das nicht kann, wird zwangsläufig Probleme mit Kesting haben.

hallo,

auch ich habe nur die einbändige version und kann dir nur zustimmen, ich danke dir für diese worte !
mich freut natürlich, dass z.b. bergonzi sehr gewürdigt wird - als großer verehrer .

gruss

kalli

SchallundWahn

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  • »SchallundWahn« ist weiblich

Beiträge: 872

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97

Donnerstag, 12. Juli 2012, 18:41

Wer kennt die auch von Kesting häufig erwähnten Bücher von John B. Steane über Opernsänger?
Sind die empfehlenswert? Sind die ähnlich aufgebaut wie Kesting?
Andere Frage : Lohnt sich eigentlich die 4bändige Neuausgabe des Kesting-Schmökers?
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

La Gioconda

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  • »La Gioconda« ist weiblich

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98

Donnerstag, 12. Juli 2012, 20:27

Wer kennt die auch von Kesting häufig erwähnten Bücher von John B. Steane über Opernsänger?
Sind die empfehlenswert?
Die "Great Singers of the Century" 3 oder 4 Bände sind ein absolutes MUSS! Es sind soweit ich weiss weniger Sänger als bei Kesting, aber jene die dabei sind werden viel ausführlicher behandelt. Steane analysiert immer sehr treffend und legt auch treffsicher die Finger in die Wunden, aber (meistens) mit einem humorvollen Augenzwinkern.
Auch die Bücher von Michael Scott sind sehr empfehlenswert - der ist im Ton schärfer und noch weniger nachsichtig als Kesting.
"Man muß nicht fliegen können um ein guter Ornithologe zu sein."

"Stimm´ brauchst kane, SINGEN muasst können!!" Julius Patzak

"WIRKLICH gut singt man vielleicht EIN MAL im Jahr." Fernando De Lucia

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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99

Freitag, 13. Juli 2012, 08:37

Andere Frage : Lohnt sich eigentlich die 4bändige Neuausgabe des Kesting-Schmökers?

Danz abgesehen davon, dass in der vierbändigen Auflage viel mehr Sänger gehandelt werden, die Analysen und Urteile sind durchweg gründlich überarbeitet, teilweise ganz neu geschrieben. Bei einzelnen Sängern ist Kesting inzwischen zu deutlich revidierten Einschätzungen hekommen (Ligendza, Lorengar z. B.)!

Aber teuer ist die Auflage schon!

Gruß



Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

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Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

100

Freitag, 13. Juli 2012, 09:23

Jürgen Kesting: Die großen Sänger [Broschiert]



einen Hunderter wird man schon anlegen müssen, es sei denn man wird in einem Antiquariat fündig....
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

SchallundWahn

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  • »SchallundWahn« ist weiblich

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101

Freitag, 13. Juli 2012, 15:17

Werde demanch mal etwas für die broschierte Ausgabe von Kesting sparen...ode mir zu Weihnachten schenken lassen :D

Die "Great Singers of the Century" 3 oder 4 Bände sind ein absolutes MUSS! Es sind soweit ich weiss weniger Sänger als bei Kesting, aber jene die dabei sind werden viel ausführlicher behandelt. Steane analysiert immer sehr treffend und legt auch treffsicher die Finger in die Wunden, aber (meistens) mit einem humorvollen Augenzwinkern.
Auch die Bücher von Michael Scott sind sehr empfehlenswert - der ist im Ton schärfer und noch weniger nachsichtig als Kesting.

Scheint bei Steane ja nur noch Band 2 und 3 zu geben...1 ist wohl vergriffen, schade, aber werde mir auf jeden Fall erstmal band 2 zulegen.
Die erwähnten Bücher von Michael Scott habe ich gar nicht gefunden ?(
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  • »Antalwin« ist männlich

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102

Samstag, 14. Juli 2012, 17:55

Hallo,

auch ich habe kürzlich die Neuauflage von Kestings Opus "Die Großen Sänger" erstanden. Ich lese die Betrachtungen und Kritiken dieses Inquisitors häufig und möchte seine außerordentliche Fachkompetenz gar nicht in Zweifel ziehen, allerdings möchte ich mir erlauben, einige kritische Punkte herauszuarbeiten:

1.) So sinnvoll es auch gesangshistorisch sein mag, ausschließlich Tondokumente für seine Bestandsaufnahmen einer Stimme heranzuziehen, so problematisch ist es meiner Meinung nach, alles mit allem zu vergleichen. Live-Mittschnitt, Studio-Gesamtaufnahne, Querschnitt und Recital. Es ist einfach nicht fair, beispielsweise Taubers Studioaufnahme von "Winterstürne wichen dem Wonnemond" mit Gesamtaufnahme- oder Live-Mittschnitt-Leistungen von King oder Vickers, Bühnen-Siegmunden, zu vergleichen; oder Geddas im Rahmen einer Gesamtaufnahme von Euryanthe gesungenes "Unter blühenden Mandelbäumen" mit einer Uralt-Aufnahme von Urlus. Ich könnte hier noch mehrere solcher Beispiele anführen.

2.) Wir alle kritisieren ja hier immer wieder den Kommerz, der mit der Kunstform des Operngesanges einhergeht, was richtig ist! Aber Kesting fehlt der Sinn für Realitäten. Gerade als Historiker fällt mir auf, daß er in der Vergangenheit lebt. Sein Ideal scheint der "Hofopernsänger" zu sein, KünstlerInnen, die 24 Stunden am Tag an der Vervollkommnung ihrer Stimme arbeiten, jede Aufführung und jede Partie in langer Zeit vorbereiten, dann bei jedem Auftritt eine epochale Leistung vollbringen, die dann von einem Auditorium, das nur aus Kennern bestehen soll, erkannt und gewürdigt wird. Das ist, meiner Meinung nach, hanebüchen unrealistisch! Die "Nischen-Hochkultur" Oper kann nur durch behutsamen Kommerz überleben.

3.) Kesting ist eben nicht, wie die Meinung vertreten wurde, fair. SängerInnen, die er nicht schätzt, richtet er mit aller germanistischen Häme hin, seinen Lieblingen hingegen verzeiht er alles ! SängerInnen, die sich hocharbeiten mußten, wie beispielsweise Thomas Quasthoff oder Christine Schäfer, erregen offensichtlich seinen Unwillen, während er bei der Opernsänger-Tochter Cecilia Bartoli geradezu im kulturbürgerlichen Himmel zu schweben scheint. Seine grenzenlose Arroganz, seine Liebe zur eigenen Sonderstellung stoßen mich ab, ebenso wie sein mangelnder Respekt vor KünstlerInnen, die nicht seine Billigung erringen konnten!

Trotz allem, ich werde seine Bände weiterhin lesen, weil sie einfach größten Erkenntnisgewinn beinhalten!

Gruß,

Antalwin

Bernward Gerlach

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Registrierungsdatum: 19. November 2009

103

Samstag, 14. Juli 2012, 20:26

Trotz allem, ich werde seine Bände weiterhin lesen, weil sie einfach größten Erkenntnisgewinn beinhalten!
Genau aus den von Dir trefflich genannten Gründen ich nicht!!!

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


SchallundWahn

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  • »SchallundWahn« ist weiblich

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104

Samstag, 14. Juli 2012, 22:42

Ich finde man kann auch mit Kesting sehr oft konträer Meinung sein und ihn trotzdem mit Gewinn lesen. Man muss sich doch seine Meinung nicht aufzwingen lassen, aber trotzdem an seinen Einschätzungen interessiert sein.
Jedenfalls geht das mir so.
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Strano Sognator

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  • »Strano Sognator« ist weiblich

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105

Samstag, 14. Juli 2012, 23:38

Seine grenzenlose Arroganz, seine Liebe zur eigenen Sonderstellung stoßen mich ab, ebenso wie sein mangelnder Respekt vor KünstlerInnen, die nicht seine Billigung erringen konnten!

Bravo! Besser hätte ich es nicht sagen können. Vor einiger Zeit hatte ich mal Mailkontakt zu Stefan Zucker, einem New Yorker Kritiker, Autor zahlreicher Bücher und - im Unterschied zu Kesting - auch selbst Sänger. Hier einges zu seiner Person. Er erzählte mir, dass er vor Jahren mit Kesting zusammen an der Sendereihe "Belcanto - Die Tenöre der Schellack-Zeit" gearbeitet hat und ihn dabei diese geradezu absurde, schmalspurige Arroganz Kestings sehr genervt hat.
"Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

Mme. Cortese

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106

Sonntag, 15. Juli 2012, 00:01

Seine grenzenlose Arroganz, seine Liebe zur eigenen Sonderstellung stoßen mich ab, ebenso wie sein mangelnder Respekt vor KünstlerInnen, die nicht seine Billigung erringen konnten!
Bravo! Besser hätte ich es nicht sagen können. Vor einiger Zeit hatte ich mal Mailkontakt zu Stefan Zucker, einem New Yorker Kritiker, Autor zahlreicher Bücher und - im Unterschied zu Kesting - auch selbst Sänger. Hier einges zu seiner Person. Er erzählte mir, dass er vor Jahren mit Kesting zusammen an der Sendereihe "Belcanto - Die Tenöre der Schellack-Zeit" gearbeitet hat und ihn dabei diese geradezu absurde, schmalspurige Arroganz Kestings sehr genervt hat.

Ich habe durch Kestings Bücher und Sendungen im NDR viele Sänger kennengelernt, von denen ich sonst - im Vor-Internet_Zeitalter - nie gehört hatte, und er hat auch meine Ohren "geschärft". Dennoch muss man ja nicht jedem seiner Urteile folgen. Übrigens hat er viele seiner Formulierungen von den noch schärfer urteilenden angelsächsischen Kritikern übernommen, z.B. John B. Steane (The grand Tradition). Was Stefan Zucker angeht ("The worlds higest tenor") - mag sein, dass er eine Gesangsausbildung hatte, aber wer hat je eine ernstzunehmende Aufnahme von ihm gehört? Ich habe ihn ein- oder zweimal im Fernsehen gesehen, und er erschien mir reichlich selbstverliebt - kein großer Unterschied zu Kesting, wenn man so will.

Viele Grüße

Mme. Cortese
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

operus

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107

Sonntag, 15. Juli 2012, 11:11

Jürgen Kesting wurde im Jahr 2000 für seine Verdienste um das Andenken an Sängerlegenden mit der Gottlob-Frick-Medaille in Gold ausgezeichnet. In diesem Zusammenhang hatte ich mehrere Begegnungen mit ihm. Egal ob man mit seinem Vorgehen, nur nach Tondokumenten zu urteilen und seinen Sängerbeurteilungen einverstanden ist. Kesting ist ein eminenter Kenner der Opernwelt und versierter Stimmenfachmann. Dieses Könnens ist er sich auch bewußt und er schlägt auch eine scharfe Klinge in Diskussionen, besonders dann, wenn der Partner oder dessen Beitrag nicht seinem erwarteten Niveau entspricht. Arrogant habe ich nicht empfunden; höchstens sehr selbstbewußt und souverän, dabei aber durchaus sympathisch.
Auch ich bin der Meinung, dass neben Kesting der bereits zitierte John Steane besonders hohe Aussagekraft hat. Er hat für die Zeitschrift "Opera Now" die 100 bedeutendsten Opernsängerinnen und Opernsänger ausgewählt. Die Begründungen für seine Wahl zu lesen war Erkenntnis und Vergnügen pur.
Zur Zeit beeindruckt mich von den aktuellen Kennern der Szene besonders der kenntnisreiche, sprachgewandte Thomas Voigt. In der neuesten Ausgabe des Fono Forum, August 2012, bespricht er sämtliche zur Zeit verfügbaren Aufnahmen von Richard Wagners "Parsifal". Diese umfassende analytische Rezension haben meine Frau und ich mit großem Gewinn gelesen. Chapeau!

Herzlichst
Operus

Rheingold1876

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108

Sonntag, 15. Juli 2012, 12:03

Vor einiger Zeit hatte ich mal Mailkontakt zu Stefan Zucker, einem New Yorker Kritiker, Autor zahlreicher Bücher und - im Unterschied zu Kesting - auch selbst Sänger. Hier einges zu seiner Person. Er erzählte mir, dass er vor Jahren mit Kesting zusammen an der Sendereihe "Belcanto - Die Tenöre der Schellack-Zeit" gearbeitet hat und ihn dabei diese geradezu absurde, schmalspurige Arroganz Kestings sehr genervt hat.

Ich frage mich, wer da wohl wen genervt hat. Kesting mit dem Worten von Zucker "schmalspurige Arroganz" zu unterstellen, ist nicht sehr liebenswürdig und sagt nichts aus über seine fachliche Kompetenz. Es ist Klatsch. Sonst nichts. Die erwähnte Sendereihe kann ich nur wärmstens empfehlen. Es gibt nach meinem Eindruck nichts vergleichbares. Wer immer sich für Oper und Gesang interessiert, sollte die Anschaffung nicht scheuen. Ich ziehe diese umfangreiche Dokumentation oft zu Rate und staune immer wieder über diese sinnliche Fülle an Informationen, Filmausschnitten und Urteilen. Sie hat mein eigenes Urteilsvermögen gestärkt, ich habe viel gelernt.

Um auf Stefan Zucker, der im Unterschied zu Kesting auch Sänger ist (ich greife das Zitat oben auf) zurückzukommen: Hat ihn jemand je singen hören? Bei allem Respekt vor diesem Mann, seine Sing-Stimme ist eine Zumutung. Seine Sprech-Stimme hat auf mich auch immer so gewirkt, als hätte er sie sich zugelegt, sie klingt künstlich. Aber darüber habe ich nicht zu befinden.

Es gibt diesem ganz wunderbaren Film "Opera fanatic", für den ich genau so die Trommel rühren möchte wie für die beiden "Belacanto"-Dokumentationen.

Er hält Begegnungen mit den letzten italienischen Operndiven fest. Das ist sehr bewegend - wenn da nicht die Nervensäge Stefan Zucker wäre, der die Damen immer wieder zu Aussagen über die Brustimme zwingen will anstatt sie über das reden zu lassen, was ihnen wichtig ist. Einige Sängerinnen hatten in dem Film tatsächlich ihren letzten öffentlichen Auftritt. Trotzdem macht er den Film nicht kaputt. Ihn trennen Welten von Kesting, den ich sehr schätze. Gewiss, auch ich teile manche Auffassung nicht, amüsiere mich gelegentlich, wenn er wie ein Fremdwörterbuch redet und vermisse etliche Namen in seinen Büchern. Aber es gibt nun mal kein vergleichbares Werk in deutscher Sprache als seine "Großen Sänger" - egal in welcher Ausgabe.

Es grüßt Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

SchallundWahn

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109

Sonntag, 15. Juli 2012, 19:31

Na auwei!
Nach diesen Tipps von rheingold wird meine Brieftasche jetzt auch nicht mehr voller :S ...aber was soll ich sagen, die muss ich haben! ^^
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Strano Sognator

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110

Sonntag, 15. Juli 2012, 21:02

Um auf Stefan Zucker, der im Unterschied zu Kesting auch Sänger ist (ich greife das Zitat oben auf) zurückzukommen: Hat ihn jemand je singen hören? Bei allem Respekt vor diesem Mann, seine Sing-Stimme ist eine Zumutung. Seine Sprech-Stimme hat auf mich auch immer so gewirkt, als hätte er sie sich zugelegt, sie klingt künstlich. Aber darüber habe ich nicht zu befinden.
Hallo Rheingold, ich habe nicht gesagt, dass Zucker für mich die Alternative zu Kesting sei, oder dass ich seine Stimme, egal ob Sprech-oder Singstimme als angenehm empfinde, aber viele seiner Urteile sind durchaus realistischer und brauchbarer. Allerdings glaube ich nicht, dass es sich bei Zuckers Urteil nur um "Klatsch" handelt. In anderen Worten ist es das, was ich ebenfalls beim Lesen der "Großen Sänger" empfunden habe und was mir sehr unangenehm aufgefallen ist. Die von dir vorgestellten Sendereihen kenne ich und habe jede der Folgen gesehen und genossen, allerdings nur aufgrund der vorgestellten Sänger und deren Biographien. Die Kommentare Kestings dazwischen hätten gern fehlen können.

Aber wie gesagt, ich teile Antalwins Einschätzung zu Kesting und Bernwards Schlussfolgerung in folgendem:
Genau aus den von Dir trefflich genannten Gründen ich nicht!!!
Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich sage es nochmal: Von einem Kritiker, egal, wieviele Bücher er schreibt, wieviele Medaillen er erhält und wieviele Papsttitel er verliehen bekommt, erwarte ich vor allem Objektivität und keine Einseitigkeit. Genau das vermisse ich beim sogenannten "Papst" Kesting.
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Sonntag, 15. Juli 2012, 22:18

Hallo Strano Sognator, ich hatte aus Deinen Bemerkungen wirklich nicht herausgelesen, dass Du in Zucker eine Alternative zu Kesting siehst. Wenn der Eindruck entstanden ist, tur es mir leid. Wir haben nur ganz unterschiedliche Meinungen zu Kesting, das ist alles. Und damit können wir doch leben. :) Nach meiner Erfahrung kann ein Kritiker - und das belegen viele prominente Beispiele und Namen dieser Zunft in Verganhenheit und Gegenwart - gar nicht objektiv sein, weil er selbst ein Mensch ist, ein Subjekt mit eigenen Empfindungen beim Hören von Musik usw. Wollte er es sein, hätte Kesting eine Art Brockhaus über Sänger schreiben müssen, ausschließlich an Fakten orientiert. Lob und Tadel müssten sich dann bei der Bewertung von sängerischen Leistungen stets die Wage halten und als Zitat referiert werden oder als gesicherte Erkenntnis wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Mir wäre das zu langweilig, zu trocken. Persönlich habe ich von Kesting auch deshalb gelernt, weil ich seinen Bewertungen immer streng hinterfrage. Oft bin ich zu ganz anderen Urteilen gelangt, an deren Stellen fand ich von ihm genau in Worten ausgedrückt, was ich zuvor nur vage ahnte. Er ist ungemein anregend auch in seiner Zwiespältigkeit. Er will anecken, will polarisieren, Dinge auf die Spitze treiben. Und Papst würde ich ihn zu allerletzt nennen.

Mit Grüßen verbleibt Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Rheingold1876

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112

Sonntag, 15. Juli 2012, 22:30

...aber was soll ich sagen, die muss ich haben! ^^


Du wirst diese Filme sehr mögen, liebe SchallundWahn. Und wenn Du genug Wasser und Brot zu Dir genommen hast und noch ein paar Euros übrig sind, dann gönne Dir noch diesen Film, der auf eine ganz andere Art großartig und sehr bewegend ist: Sara Scuderi, die "letzte" Tosca, im Altersheim - in der vom Meister noch höchstselbst gestifteten "Casa Verdi" in Mailand.

Herzlich grüßt Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Strano Sognator

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113

Sonntag, 15. Juli 2012, 23:00

Hallo Strano Sognator, ich hatte aus Deinen Bemerkungen wirklich nicht herausgelesen, dass Du in Zucker eine Alternative zu Kesting siehst.
Lieber Rheingold, du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Ganz genau: wir können gut mit unterschiedlichen Meinungen leben, so ist es. :hello:


Zitat

Wollte er es sein, hätte Kesting eine Art Brockhaus über Sänger schreiben müssen, ausschließlich an Fakten orientiert. Lob und Tadel müssten sich dann bei der Bewertung von sängerischen Leistungen stets die Wage halten und als Zitat referiert werden oder als gesicherte Erkenntnis wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Mir wäre das zu langweilig, zu trocken.
Aber genau das hätte ich erwartet, sachliche Information, wie beim Brockhaus. Mir persönlich wäre das nicht zu langweilig, denn ich kann mich ja dann selbst näher mit bestimmten Stimmen beschäftigen, und als "gesicherte Erkenntnis" würde ich sowieso keine Kritikermeinung auffassen. Kein Kritiker kann gänzlich objektiv sein, das ist natürlich richtig, aber Lob und Tadel müssen sich bei einem guten Kritiker in der Tat die Waage halten. Ich möchte weder realitätsferne Lobeshymnen ergo Heiligsprechungen noch Verdammungen lesen.


Zitat

Persönlich habe ich von Kesting auch deshalb gelernt, weil ich seinen Bewertungen immer streng hinterfrage.
Gut, das kann man natürlich so sehen. Kann ich auch nachvollziehen, denn es erinnert mich an Caruso, der auch schlechte Lehrer als positive Erfahrungen auffasste, weil er von ihnen lernte, wie man es nicht zu machen hat. Im Bezug auf Kesting stellt sich aber die Frage, ob diese kluge, differenzierte Herangehensweise alle so praktizieren. Und da habe ich so meine Zweifel. Ich habe in Gesprächen mehrfach erlebt, dass viele Kestings Urteile für allgemeingültig halten und seine - oftmals regelrecht falsche - Auffassung einfach kritiklos übernehmen, weil sie glauben es mit einem absoluten "Experten" zu tun zu haben. Darin besteht für mich die Problematik dieses "Papstes". (Aber ich finde Päpste sowieso problematisch :) )
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Sven Godenrath

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114

Montag, 16. Juli 2012, 09:21

Bezogen auf Jürgen Kesting sollte man sowohl seine dreibändige sowie auch seine vierbändig Fassung kennen, da sie unterschiedliche Aufnahmen einzelner Sänger behandelt.
Bestes Beispiel hierfür ist Eleanor Steber, in seiner ersten Sammlung wird diese Sängerin anhand ihrer Studioaufnahmen sehr kritisiert, wofür er sich später in einem Porträt über diese im Radio entschuldigte.
In seiner Neuauflage ( 4 Bände ), entschied er sich dann zu einem Kunstgriff, er schrieb durchgehend positiv über sie, allerdings ließ er dabei ihre Studioaufnahmen beinahe vollständig aus vor und konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Livemitschnitte.
So kann man es natürlich auch machen.

Lohengrin

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115

Sonntag, 1. Dezember 2013, 15:08

Kein Beitrag, eine Frage: Ich habe von Herrn Kesting nichts mehr gehört, weiß jemand, ob er noch tätig ist?
Lohengrin

Sven Godenrath

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116

Sonntag, 1. Dezember 2013, 17:24

Herr Kesting hält regelmäßig Vorträge in Hamburg, meist im Zusammenhang mit dort stattfindenden Auführungen.
Ich hatte ihn einmal in einer Pause aus der ferne erlebt.
Es war interessant, alle schienen zu reden, der einzige der nichts sagte sondern interessiert zuhörte war Herr Kesting.

Ich habe von Ohrenzeugen schon von ganz anderen Auftritten anderer Musikkritiker erfahren müßen, die waren da um es vorsichtig zu formulieren verbal weniger dezent.

La Gioconda

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117

Sonntag, 1. Dezember 2013, 20:40

Kein Beitrag, eine Frage: Ich habe von Herrn Kesting nichts mehr gehört, weiß jemand, ob er noch tätig ist?
Lohengrin
schreibt auch ab und zu Nachrufe und wie immer sehr fundierte und interessante Artikel (zb anlässlich des Verdi-Jahres) in diversen Musikzeitschriften.
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