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Andrew

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Beiträge: 1 994

Registrierungsdatum: 4. März 2006

1

Montag, 19. Januar 2009, 10:06

Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 31 D-Dur »Mit dem Hornsignal«

Haydn verfügte in seiner Hofkapelle über hervorragende Hornsolisten. Und statt der üblichen zwei Hornisten gab es im Esterházyschen gleich vier. Vielleicht schätzte Fürst Nicolaus Esterházy dieses Instrument besonders. Die vier Hornisten waren zu jener Zeit herausragende Virtuosen: zeitweilig bildeten Carl Franz, Thaddäus Steinmüller, Johann May und Franz Stamitz die Horngruppe.

Das war nicht nur für Haydn, sondern ist auch für uns heutige Hörer/innen ein glücklicher Umstand, dem wir so wunderbare Musik wie z.B. das Hornkonzert Hob. VIId:3 in D-Dur aus dem Jahr 1762 und viele andere Orchesterwerke und kammermusikalische Stücke verdanken, in denen die Hörner eine herausragende Bedeutung spielen.

In diesem Zeitraum entstanden u.a. die Kassation in D-Dur für vier Hörner, Violine, Viola und Bass (Hob. deest), das verschollene 2. Hornkonzert, das Divertimento a tré und die 31. Symphonie, die die beiden Beinamen „Mit dem Hornsignal“ und „Auf dem Anstand“ hat, und die wie Horn-Konzert und die Kassation (sowie die Sinfonie Nr. 73 „La Chasse“/ „Die Jagd“ aus den frühen 1780er Jahren) in der festlichen Tonart D-Dur komponiert wurde.

Die Sinfonie D-Dur Hob.I:31 „Mit dem Hornsignal“ komponierte Haydn im September 1765. Erst kurz vorher war er zum Vizekapellmeister am Hof von Fürst Nicolaus Esterházy berufen worden. Man kann davon ausgehen, dass Haydn diese Komposition bewusst an den Fähigkeiten seiner überragenden Hornisten orientiert hat.



Schmetternde Hornakkorde und darauf folgende Hornsignale eröffnen die Sinfonie Nr. 31 D-Dur und geben ihr gleichzeitig den Beinamen „Mit dem Hornsignal“ oder durch die Assoziation zur Jagd „Auf dem Anstand“. Bei dem Hornsignal handelt es sich vielleicht um eines, das dem Typus der Jagdsignale aus dem Bereich Südungarn – Kroatien-Rumänien entspricht. Andere Forscher vermuten im Hintergrund ein militärisches Signal oder ein Postsignal. Die Sinfonie Nr. 31 wird in den ersten Ausgaben „Sinfonia concertante“ bezeichnet (1786 bei Forster in London und zur selben Zeit bei Siebert in Paris.). Als Soloinstrumente spielen neben den Hörnern auch andere Instrumente eine hervorgehobene Rolle.

Das Hornquartett prägt die Eröffnung und den ersten Satz der Sinfonie. Der zweite Satz wird neben den Hörnern auch von Solovioline und Solovioloncello geprägt. Hier kommt der konzertante Ausdruck der Sinfonie besonders gut zum Ausdruck. Im dritten Satz sind die Hörner wieder tonangebend. Im vierten Satz übernehmen sie eine der Variationen, in denen auch z.B. Flöte, Violoncello und Violine solistisch hervortreten. Besonders interessant ist die siebte Variation für den Kontrabass. Danach kommt ein überraschender Schluss, der noch einmal den Anfang der Sinfonie aufnimmt.

Es gibt eine Reihe sehr schöner Aufnahmen dieser Sinfonie. Eine möchte ich besonders empfehlen. Sie gefällt mir sogar noch etwas besser als die herausragend gute Einspielung mit dem Concentus musicus.



Anthony Halstead hat die Sinfonie mit der Hanover Band unter Leitung von Roy Goodman aufgenommen. Auf der CD sind ebenfalls wunderbare Aufnahmen von Haydns erstem Hornkonzert in D-Dur und Michael Haydns Hornkonzert in D-Dur. Halstead spielt ein Naturhorn.

Freundliche Grüße, Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

Bernhard

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Beiträge: 3 511

Registrierungsdatum: 26. Februar 2007

2

Montag, 19. Januar 2009, 10:25

Guten Tag

interessanterweise wurde Haydns Sinfonie No. 31 auf den Titelblättern der ersten Notenausgaben
( 1786 bei Forster in London u. um 1785 bei Sieber in Paris ) als Sinfonia concertante bezeichnet.
Das namensgebende Hornsignal ist vom Typ her ein
"südungarisch-kroatisch-rumämisches" Jagdsignal, das früher wohl auf Tierhörnern geblasen wurde.

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

Pius

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  • »Pius« wurde gesperrt

Beiträge: 3 644

Registrierungsdatum: 11. Mai 2005

3

Montag, 19. Januar 2009, 20:26

RE: Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 31 D-Dur »Mit dem Hornsignal«

Hallo Andrew!

Zitat

Original von Andrew
In diesem Zeitraum entstanden u.a. die Kassation in D-Dur für vier Hörner, Violine, Viola und Bass (Hob. deest), das verschollene 2. Hornkonzert, das Divertimento a tré und die 31. Symphonie, die die beiden Beinamen „Mit dem Hornsignal“ und „Auf dem Anstand“ hat, und die wie Horn-Konzert und die Kassation (sowie die Sinfonie Nr. 73 „La Chasse“/ „Die Jagd“ aus den frühen 1780er Jahren) in der festlichen Tonart D-Dur komponiert wurde.


... nicht zu vergessen die Symphonie Nr. 72, die ja falsch einsortiert ist und ebenfalls Mitte der 60er Jahre entstand (weiß man eigentlich, ob Nr. 31 oder Nr. 72 zuerst fertig war?) !
Ich habe heute die Nr. 31 gehört und habe gedacht, ich höre doppelt (die Nr. 72 hatte ich ja vor einigen Tagen vorgestellt). Größter Unterschied ist wohl, daß bei Nr. 31 die Hörner auch im 2. Satz spielen, bei Nr. 72 nicht (zudem hat Nr. 31 kein Fagott). Ansonsten scheint mir die eine eine Stilkopie der anderen zu sein.

Viele Grüße,
Pius.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 505

Registrierungsdatum: 12. August 2005

4

Montag, 19. Januar 2009, 21:19

RE: Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 31 D-Dur »Mit dem Hornsignal«

Zitat

Original von Pius

Zitat

Original von Andrew
In diesem Zeitraum entstanden u.a. die Kassation in D-Dur für vier Hörner, Violine, Viola und Bass (Hob. deest), das verschollene 2. Hornkonzert, das Divertimento a tré und die 31. Symphonie, die die beiden Beinamen „Mit dem Hornsignal“ und „Auf dem Anstand“ hat, und die wie Horn-Konzert und die Kassation (sowie die Sinfonie Nr. 73 „La Chasse“/ „Die Jagd“ aus den frühen 1780er Jahren) in der festlichen Tonart D-Dur komponiert wurde.


... nicht zu vergessen die Symphonie Nr. 72, die ja falsch einsortiert ist und ebenfalls Mitte der 60er Jahre entstand (weiß man eigentlich, ob Nr. 31 oder Nr. 72 zuerst fertig war?) !
Ich habe heute die Nr. 31 gehört und habe gedacht, ich höre doppelt (die Nr. 72 hatte ich ja vor einigen Tagen vorgestellt). Größter Unterschied ist wohl, daß bei Nr. 31 die Hörner auch im 2. Satz spielen, bei Nr. 72 nicht (zudem hat Nr. 31 kein Fagott). Ansonsten scheint mir die eine eine Stilkopie der anderen zu sein.


Lessing vermutet, daß 31 die spätere (weil bessere ;)) ist ca. 1765, 72 wohl schon 1763, sieht hier aber auch klar den Fall einer "Zweitversion" eines Stücks. (Das scheint mir hier auch noch plausibler als in einigen anderen Fällen, in denen er das auch meint.) Die erste mit 4 Hörnern, bei der sich diese aber noch zurückhalten, ist Nr.13. Dagegen scheint strittig, ob 39 tatsächlich auch schon 1765 (eigentlich eher 1768) komponiert wurde, denn die hat auch 4 Hörner.

Ich liebe die Nr. 31 sehr (ist einer meiner Favoriten der Sinfonien vor 39) und finde sie wesentlich effektiver als 72. Das schmetternde Signal am Anfang ist sehr mitreißend und alle Sätze gefallen mir ein wenig bis deutlich besser als die entsprechenden in Nr. 72.

Es handelt sich, wie bei den Tageszeiten, um eine konzertante Sinfonie, auch die Flöte und Solostreicher werden ja entsprechend eingesetzt, insofern ist diese Bezeichnung durchaus nachvollziehbar. Ein besonderer Gag, der auch schonmal in den Tageszeiten auftritt, scheint das Solo für Violone/Kontrabaß gewesen zu sein...

Raffiniert ist z.B., wie im Kopfsatz die Reprise sofort mit "Signalthema" einsetzt und die schmetternde Fanfare für den Schluß aufgehoben wird. Die Durchführung ist vielleicht ein bißchen zu lang geraten, aber auch interessant, weil ja nur "Nebenmotive", die schwungvolle Melodie der Streicher, die nach dem Fanfaren/Hörner-Beginn folgte und Motive aus der Schlußgruppe (wieder mal der allgegenwärtige tatata-taa-taa 3-8-Auftakt) verarbeitet werden und die Hörnermotivik weitgehend ausgespart bleibt.

Der Anfang des adagio mit dem Violinsolo und dann den Hörnern ist klanglich äußerst berückend, das ist schon ein Schritt gegenüber 72. Im Verlauf ist der Satz vielleicht ein wenig repetitiv, gefällt mir aber trotzdem.

Im Trio hat man dann Holzbläser und Hörner zusammen, auch sehr hübsch.
Der Variationensatz ist auch ein wenig zu lang und die Variationen eben hauptsächlich durch Instrumentation und Figurationen bestimmt; das Ende zuerst mit dem beschleunigten "Marschmotiv" und dann mit dem Wiederaufgreifen des Hornsignals aber ein überzeugender Abschluß

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)