Allzu früh verstorbener lyrischer Bariton: WOLFGANG ANHEISSER

  • Jahrelang hat uns Paul beim Warten auf diesen Thread vertröstet - jetzt ist er weg - also fange ich mal an:


    Anheisser, Wolfgang, lyrischer Bariton, * 1.Dezember1929 Köln, † 5.Januar 1974 Köln. (Bühnenunfall).
    Wolfgang Anheisser studierte bei seiner Mutter, die ebenfalls Sängerin war, sowie in Freiburg und 1955–60 in Johannesburg/Südafrika bei Anni Hartmann. Nach seinem Debüt als Nardo (La finta giardiniera) in München 1961 sang er in Gelsenkirchen und ab 1965 als erster lyrischer Bariton an der Kölner Oper, auch in Berlin (Staatsoper).
    Als einer der führenden lSänger seiner Generation war er gesucht als Rossinis Figaro, als Papageno, Masetto, Graf Eberbach u.v.m. Auch war er ein gefragter Gast in den Schallplatten- und Rundfunk-Studios. Davon zeugen sehr viele Aufnahmen mit seiner Mitwirkung.


    Er war ein hoch geschätzter Konzert- und Oratoriensänger, hatte aber auch bedeutende Erfolge auf dem Gebiet der Operette.
    Der Künstler fiel einem tragischen Bühnenunfall zum Opfer:
    In der Neujahrsvorstellung 1974 von Millöckers »Bettelstudent« in Köln stürzte er von einem nicht hinreichend gesicherten Balkon auf die Bühne und erlag wenige Tage später seinen schweren Verletzungen.


    Hier ist eine schöne Recital-Platte, die einen breiten Querschnitt durch sein Repertoire bringt. Darauf sind auch weniger bekannte Bariton-Arien enthalten, nicht nur die üblichen "Schlachtrösser":



    LG


    :hello:

  • Wolfgang Anheisser hatte, wie Harald ausführt, auf Grund seiner vielseitigen stimmlichen Möglichkeiten nicht nur in der Oper und der Operette große Erfolge. Er war auch ein ausgezeichneter Sänger stimmungvoller, wertvoller Volkslieder, bis hin zum musikalischen Tafelkonfekt.
    Sein tragsicher Tod sollte auch eine bleibende Warnung für moderne Regisseure sein, nicht allzu schwierige akrobatische Leistungen von ihren Akteuren zu verlangen. Zum einen ist das gefährlich. Zum anderen hat der Sänger nur einmal Luft, was er bei artistischem Schnick-Schnack verbraucht, fehlt ihm für den Gesang.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Harald!


    Wolfgang Anheisser ist mir, leider - oder zum Glück, nur durch die Schallplatte bekannt.


    Denn ich kann mich nicht erinnern, dass er in Wien auftrat. Zumindest nicht in der Oper, in Liederabenden oder Oratorien schon eher.


    Lieber Operus!


    Ich kann Deinen Beitrag nur voll unterstreichen, akrobatische Übungen eines Sängers sind mir immer suspekt. Ganz richtig,man verliert an Stimme, denn man braucht die anderswo.


    Ich selbst hatte mich schon immer gefürchtet, wenn ich, mit meinen Sängerknaben - Kollegen, schon in luftiger Höhe herschwebte, da ich nicht höhensicher - in diesem Fall - war, beim Stimmlichen eher schon, da hat mir Erna Berger Tips gegeben.


    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus, dem heute fast frühlinghaften, Wien. :hello: :hello:

  • Wolfgang Anheisser hatte eine Stimme, die in der Oper vor allem für komische Rollen prädestiniert war, das heißt: Papageno, Guglielmo, Rossini - Barbier. Das heißt aber nicht, daß er nicht auch rein lyrische Partien in seinem Repertoire hatte, z.B. : Vater Germont, Wolfram, Spielmann in "Die Königskinder", Ottokar im "Freischütz" u.v.a.
    Ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich einmal einen Beckmesser in seiner Inerpretation gehört hätte; aber soweit ist es durch seinen tragischen Tod leider nicht mehr gekommen.
    Durch sein komödiantisches Talent war er dann auch ein sehr gefragter Sänger in Operetten. Für mich war Anheisser aber der ideale Interpret der Lieder und Balladen von Carl Loewe und hier waren es vor allem,die humoristischen Lieder, die er mit vorbildlicher Textdeutlichkeit und einer natürlichen,nie übertriebenen Komik gestaltete.

    :hello:Herbert.

  • Hier ein Beispiel für die Operetten-Aufnahmen von Wolfgang Anheisser:



    Johann Strauss II (1825-1899)
    Der Zigeunerbaron

    Prey, Anheisser, Gedda, Böhme, Streich,
    Orch. der Bayerischen Staatsoper,
    Allers
    (EMI , ADD, 69 )


    LG


    :hello:

  • Für die Freunde deutschsprachiger Operaufnahmen gibt es einige schöne Querschnitte mit Wolfgang Anheisser:



    ein beindruckender Giorgio Germont:


    Giuseppe Verdi (1813-1901)
    La Traviata (Ausz. in dt. Spr.)


    Rothenberger, Anheisser, Ridder, Ude,
    Staatskapelle Dresden, Patane
    Label: Berlin , ADD, 71




    vom Escamillo ist leider nur der Auftritt aufgenommen:


    Georges Bizet (1838-1875)
    Carmen (Ausz.)

    (in deutscher Sprache)


    Spiess, Anheißer, Neukirch, Fassbaender, Hoff,
    Staatskapelle Dresden, Patane
    Label: Berlin , ADD, 72




    Kanzler Ping:


    Giacomo Puccini (1858-1924)
    Turandot (Ausz. in dt. Spr.)


    Bjoner, Anheißer, Rothenberger, Spiess,
    Staatskapelle Dresden, Patane
    Label: Berlin , ADD, 72




    LG, Elisabeth

  • Und nicht zu vergessen sollen einige hervorragende Lied-Platten sein, die leider noch nicht auf CD erschienen sind. Maßstäbe setzte ein Pfitzner-Recital mit Eichendorff-Liedern, daneben eine Loewe-Platte mit eher unbekannten humoristischen Balladen, eine Platte mit Reger-Liedern und eine mit Balladen verschiedener Komponisten. Erschienen sind sie seinerzeit bei EMI und Acanta. Sie sollten unbedingt auf CD wiederveröffentlicht werden.

  • Zu seinem 80. Geburtstag am 1. Dezember letzten Jahres erschien eine CD zum Gedenken an den früh verstorbenen Sänger. Leider ist diese CD nicht einzeln erhältlich, sondern nur im Paket mit 5 andern Klassik-CDs aus dem Kölner WDR-Archiv. Die Box ist im Verlag des "Kölner Stadtanzeiger" erschienen und nur dort erhältlich:



    Es handelt sich hier um eine Bonus-CD, die sozusagen „außer Konkurrenz“ läuft. Sie dokumentiert in Auszügen das Wirken des großen Kölner Baritons Wolfgang Anheisser – sämtliche Aufnahmen diverser Opernszenen und –arien mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (unter Ralf Weikert) und dem Kölner Rundfunk-Orchester (unter Curt Cremer) liegen im Archiv des Senders und wurden bislang größtenteils nicht veröffentlicht. Sie zeigen einen lyrischen Bariton mit beträchtlichen tenoralen Qualitäten, exemplarischen Legato und bester Textverständlichkeit. Ein kleiner Beitrag zum Gedenken an einen wenig bekannten Sänger!


    Hörproben gibt es hier.


    LG


    :hello:

  • Hallo Forianer,


    Anheisser wirkte auch mit in den Gesamtaufnahmen Freischütz und den Operetten-Ges.Aufn. Csardasfürstin und Walzertraum. Er sang auch volkstümliches und Melodien von Robert Stolz.


    Ein heller angenehmer Bariton mit tenoralen Höhen. Schade. Von ihm wäre wohl noch sehr viel zu erwarten gewesen.


    Gruß Gerlach


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo, Taminos!


    Es gibt von Wolfgang Anheisser, den ich noch erleben durfte, noch eine schöne Recital-Platte "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde". Darauf singt er "Mädel ich bin dir so gut", "Vor meinem Vaterhaus", "Rosemarie", "Grün ist die Heide", "Aus der Jugendzeit", "Waldandacht", "Vom Rhein der Wein", "Auf der Straße", "Herzliebchen mein unterm Rebendach", "Rosenmarienheide zur Maienzeit", "Auf der Heide blühn die letzten Rosen", "Die roten Blätter rauschen", "An der Weser" und "Grüß mir das blonde Kind vom Rhein".



    Gruß Wolfgang

  • Das ist der Beginn eines Operettenliedes - aus "Das Sonntagskind" von Carl Millöcker - "..ich bin nämlich Photograph" so geht es weiter (das Lied des Photographen).


    Das ist der erste Titel einer Langspielplatte von Electrola, die Wolfgang Anheisser mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter Willy Mattes aufgenommen hat:




    (Ausschnitt LP-Cover)


    Hierauf sind Arien und Lieder aus Operetten der "goldenen" Operetten-Aera um 1870, Melodien von Suppé, Johann Strauß, Zeller, Ziehrer, Heuberger, Millöcker, Fall und Offenbach. Die einzelnet Titel für die Plattenaufnahme hat Anheisser seinerzeit selbst ausgesucht und zusammengestellt.


    Schade, dass sie nie auf CD erschienen sind, das sind echte Kleinodien der guten alten (Operetten-) Zeit.


    LG


    ;)

  • Hallo!


    Ich höre gerade WOLFGANG ANHEISSER mit "Romantischen Balladen" von Loewe, Schubert, Schumann, Pfitzner, Wolf u. A.. Eine herrliche Liedstimme eines hohen lyrischen Baritons. Hervorragend gesungen sein "Erlkönig", "Heideröslein", "Der Nöck" und besonders gefällt mir "Die Uhr". Da weiß man erst wieder, welch großer Verlust uns durch seinen "unnötigen" Tod entstanden ist.


    Eine Kritikerin schrieb über seine "Eichendorff-Lieder": Gleich seine erste Platte mit seinen "Pfitzner-Eichendorff-Liedern" war ein in Fachkreisen alarmierender Talentbeweis. Daß diese Debut-Platte den Deutschen Schallplattenpreis des Jahres 1969 erreicht hat, darf im Nachhinein als Qualitätsbeleg verraten werden.


    (Herta Piper-Ziethen in FONO-FORUM 3/74)




    Gruß Wolfgang

  • Zweiundzwanzig verschiedene CD stehen im Regal, wo Wolfgang Anheisser mitwirkt. Nicht nur Oper, Operette und Lied, nein auch Volksmusik und Musical. Von BASF gerettet: Vor meinem Vaterhaus ... Ein wunderbarer Bariton mit tenoralen Höhen. Leider viel zu früh von uns gegangen.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)



  • Diese Aufnahme halte ich für die schönste Interpretation der heiteren Loewelieder und Balladen


    die es gibt. Sie erscheint am 14.3. wieder auf dem CD Markt (Doppel CD, bei Amazon 11,99 €). Ich habe sie schon bestellt.


    Danke an den Initiator!


    :hello: Herbert aus Troisdorf

  • Danke, lieber Herbert, für diesen Hinweis!
    Hier noch ein paar Ergänzungen von der EMI-Webseite:



    Carl Loewe (1796-1869)
    Der heitere Loewe - Balladen & Gesänge

    Humoristische Balladen, heitere Gesänge, heitere und besinnliche Tier- und Fabelballaden.


    Mädchen sind wie der Wind;Der Apotheker als Nebenbuhler;
    Bauernregel;Die Pfarrjüngferchen;Hinkende Jamben;Der Zahn;
    Wie war vor Cölln es doch vordem;Der Papagei;Wer ist Bär;
    Rüberettich;Findlay;Beim Maitrank;Der junge Herr und das
    Mädchen;Frau Twardowska;Der verliebte Maikäfer;Der Kuckuck;
    Vogelgesang;Die Katzenkönigin;Zeislein;Der Gesang;Kleiner
    Haushalt;Ich und mein Gevatter;Schwalbenmädchen;Die Zugvögel;Der heilige Franziskus;Der Feind;
    An die Grille;
    St. Johannes und das Würmlein;Trommelständchen;Prinz Eugen;
    Abendlied


    Wolfgang Anheisser (Bariton),
    Günther Weissenborn (Klavier)


    Label: EMI , ADD, 1970-1972 / 2 CDs


    [Ergänzt wird die Sammlung durch fünf Erstveröffentlichungen, die seinerzeit wegen der begrenzten LP-Spielzeit gestrichen wurden: Die Grille, St. Johannes und das Würmlein, Trommelständchen, Prinz Eugen und Abendlied]


    Zitat

    »Musikalität, gestalterisches Vermögen, innere Beteiligung und die sensible Einfühlung« ist das, was dem Opernsänger Wolfgang Anheisser schon zu Beginn seiner (tragisch kurzen) Karriere bescheinigt wurde und was ihn zu einem der interessantesten Loewe-Interpreten gemacht hat. Der Bariton, der vor allem durch seine Operninterpretation bekannt wurde, fand eine wunderbare Verbindung zwischen dem er-zählenden Ausdruck der episch angelegten Texte und den dramatischen Momenten des »Tonpredigers« Loewe.


    LG aus Düsseldorf!


    :hello:

  • Heute habe ich die Dopper CD "Der heitere Loewe" bekommen.


    Ich möchte darauf hinweisen, daß diese Einspielung mit 31 Balladen und Liedern ein muß ist, für jeden der sich für Liedgesang, speziell für Lieder und Balladen von C.Loewe interressiert. Wolfgang Anheisser ist in diesem Genre nicht zu erreichen, oder gar zu übertreffen. Natürliche, wortdeutliche, stimmschöne, humorvolle Darbietung machen jedes einzelne Lied zu einer fesselnden Interpretation. Ich habe die CD-Einspielung (die 1973 auf Vinyl erschien) auf die ich schon viele Jahre gewartet habe heute erhalten. Vielen Dank an EMI.


    :hello: Herbert Henn aus Troisdorf








    https://www.amazon.de/Heitere-…TF8&qid=1301047078&sr=1-1

  • Heute mittag angekommen:




    Ich möchte darauf hinweisen, daß diese Einspielung mit 31 Balladen und Liedern ein muß für jeden der sich für Liedgesang, speziell für Lieder und Balladen von C.Loewe interressiert

    Und ob Herbert, mich hat schon op. 9 Nr. 4 "Mädchen sind wie der Wind" vom Hocker gerissen, so schnell und trotzdem so textverständlich, wie seine Figaro-Aufnahme aus dem Barbier, hervorragend ! Hoffentlich wird noch mehr von ihm veröffentlicht.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo, Bernward!


    Wolfgang Anheisser war ein wundervoller Bariton, noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Es lohnt sich bestimmt noch mehr seiner Aufnahmen zu veröffentlichen, bzw. zu sammeln. Ich bin froh, einiges von ihm auf Platte zu haben. Ich höre ihn gerade als Vater Germont in einem Ausschnitt aus "La Traviata". Sehr eindrucksvoll!



    Gruß Wolfgang

  • Es handelt sich hier um eine Bonus-CD, die sozusagen „außer Konkurrenz“ läuft. Sie dokumentiert in Auszügen das Wirken des großen Kölner Baritons Wolfgang Anheisser – sämtliche Aufnahmen diverser Opernszenen und –arien mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (unter Ralf Weikert) und dem Kölner Rundfunk-Orchester (unter Curt Cremer) liegen im Archiv des Senders und wurden bislang größtenteils nicht veröffentlicht. Sie zeigen einen lyrischen Bariton mit beträchtlichen tenoralen Qualitäten, exemplarischen Legato und bester Textverständlichkeit. Ein kleiner Beitrag zum Gedenken an einen wenig bekannten Sänger!

    Hallo Harald,


    vielen Dank für den Tip, habe ich erst jetzt richtig wahrgenommen und sofort in Köln unter 30 Euronen bestellt habe. Nachdem ich den heiteren Löwen mit Anheisser ganz gehört habe (2 CD), merke ich erst jetzt richtig, was wir mit ihm verloren haben.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Das genaue Jahr weiß ich leider nicht mehr (1971 oder 1972), und zwar in der Berliner Staatsoper in der Hauptrolle im "Barbier von Sevilla".


    Wir waren damals mit der Schulklasse in der Oper (gehörte zum Pflichtprogramm). Ich war allerdings eine der wenigen, die die Oper schon damals liebte. Erinnern kann ich mich aber gut daran, dass mir das Bühnenbild nicht gefallen hat (die Kulisse war wie mit Kohle- bzw. Bleistiftzeichungen dargestellt). Aber der Barbier hat mir besonders gut gefallen, daher habe ich mir den Namen gemerkt. :)


    Von dem traurigen Unfall habe ich später auch gehört. Ein großer Verlusst für die Opernwelt (erinnert an die Tragik bei Fritz Wunderlich).

  • in der Hauptrolle im "Barbier von Sevilla".

    Im Netz kursiert ein privater Mitschnitt des "Barbier von Sevilla" (in deutscher Sprache) aus der Kölner Oper, in der Wolfgang Anheisser die Titelrolle singt. Leider ist die Aufnahmequalität so schlecht, sodaß dieser Mitschnitt keine Chance zur Veröffentlichung hat.
    Hier ist die Besetzung:


    Rossini
    IL BARBIERE DI SIVIGLIA


    Rosina: Lucia Popp
    Figaro: Wolfgang Anheißer
    Almaviva: Hermann Winkler
    Bartolo: Carlos Feller
    Berta: Maura Moreira


    Kölner Opernchor
    Gürzenich-Orchester
    Dirigent: György Fischer


    Opernhaus Köln, 7. Januar 1972
    (in deutscher Sprache)


    LG


    :hello:

  • Wolfgang hat uns von der Vinyl-Platte mit Balladen vorgeschwärmt.
    Nachdem diese Aufnahmen viele Jahre als verschollen galten, gibt es die Balladen wieder, auf einer Doppel-CD von "acanta" (bei Membran):



    Wolfgang Anheisser - Romantische Balladen
    Lieder von Loewe, Schubert, Schumann, Jensen, Mendelssohn, Rubinstein, Wolf, Pfitzner


    Wolfgang Anheisser, Bariton
    Julius Severin, Klavier
    Acanta 1973, 2 CDs.


    LG


  • Hallo,


    man kann die Aufnahme aus Amerika bekommen (z.B. operapassion, premiere opera) Tonqualität naja, aber Popp und Anheisser sind schon hervorragend.


    Schöne Grüße
    wega

  • Das genaue Jahr weiß ich leider nicht mehr (1971 oder 1972), und zwar in der Berliner Staatsoper in der Hauptrolle im "Barbier von Sevilla".


    Ja, das war die legendäre Berghaus-Inszenierung, welche die Commedia-dell'arte-Tradition des Stoffes wunderbar herausarbeitete und lauf Joachim Herz "der perfekte Anti-Felsenstein" war. Die Inszenierung läuft immer noch am Haus bzw. aktuell eben im Schiller-Theater.


    1971, also genau zu der Zeit Ihres Besuches, gab es auch eine Fernsehaufzeichnung dieser Produktion. Im Rahmen einer Peter-Schreier-Nacht auf 1-festival wurde vor einigen Jahren der (längere) 1. Akt übertragen, leider nicht auch der herrliche zweite Akt mit der "Musikstunde".


    Unter Otmar Suitner sangen neben Peter Schreier (Almaviva) eben Wolfgang Anheisser (Figaro), Renate Krahmer (Rosina), Reiner Süß (Dr. Bartolo) und Siegfried Vogel (Don Basilio).


    Ihre damalige Besetzung beim Schulbesuch dürfte weitgehend identisch gewesen sein.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Es gibt von Wolfgang Anheisser, den ich noch erleben durfte, noch eine schöne Recital-Platte "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde". Darauf singt er "Mädel ich bin dir so gut", "Vor meinem Vaterhaus", "Rosemarie", "Grün ist die Heide", "Aus der Jugendzeit", "Waldandacht", "Vom Rhein der Wein", "Auf der Straße", "Herzliebchen mein unterm Rebendach", "Rosenmarienheide zur Maienzeit", "Auf der Heide blühn die letzten Rosen", "Die roten Blätter rauschen", "An der Weser" und "Grüß mir das blonde Kind vom Rhein".


    Lieber Wolfgang, mich packt der blanke Neid! Seine Stimme ist wie geschaffen für diese Lieder. Gibt es die noch irgendwo? Ich hab gesucht und nicht gefunden, wobei ich keine große Geduld habe.


    Mit Anheisser verbinde ich die Bekanntschaft mit dem Spielmann, eine Arie, die ich nicht oft genug hören kann. Dagegen gefällt er mir als Georg Germont nicht so gut, da scheint mir die Stimme zu jung!


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.



  • Wolfgang Anheisser (* 1. Dezember 1929 in Köln; † 5. Januar 1974 ebenda) war ein deutscher Opernsänger in der Stimmlage Bariton.
    Anheisser starb 1974 nach einem Unfall in der Kölner Oper.
    Er stürzte bei einer Aufführung der Operette Der Bettelstudent, wo er den Oberst Ollendorff sang, von einer Balkonkulisse auf die Bühne.
    Auf dem Melaten-Friedhof in Köln fand er seine letzte Ruhe.

  • Ich höre gerade die wundervolle, verklungene Stimme von Wolfgang Anheisser. Leider gibt es diese oft gehörten, wunderschönen Lieder nur auf einer LP:

    (Bitte auf den Punkt gehen, dann erscheint das Cuver.)


    Einige Lieder davon gibt es auf folgender Doppel-LP:
    .


  • https://www.youtube.com/watch?v=J_mn2aOQtdA&t=257s

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Dieser "Barbier" in deutscher Sprache war eine der hinreißendsten Opernaufführungen, an die ich mich erinnere. Diese Leichtigkeit, Duftigkeit und Fische! Und dieser Witz, der niemals ins billig-drastische abglitt. Der von Stimmenliebhaber zitierte Joachim Herz brachte es mit dem "Anti-Felsentein" auf den Punkt. Während dieser mir heute bis auf ganz wenige Ausnahmen in seinen Verfilmungen altmodisch und unerträglich erscheint, hat sich diese Berghaus-Inszenierung tatsächlich in die Gegenwart gerettet. Sie ist nach meinem Eindruck wirklich zeitlos. Das spricht für ihre Qualitäten. In der Premiere am 21. November 1968 in der Berliner Staatsoper sang Sylvia Geszty die Rosina, Anheisser, dessen tragischen Tod ich auch immer noch beklage, aber schon der Figaro. Die Geszty hatte natürlich anderes Format als Renate Kramer in dieser TV-Aufzeichnung, die ich immer als etwas hausbacken empfand. Die Geszty war sehr erotisch. Sie ging dann in den Westen, wo sie durch harte Konkurrenz nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal hatte wie in der DDR. Rainer Süß als Bartolo mit seinem flachen und quäkenden Bass erschien mir immer der Zumutung nahe. Auch darstellerisch. Er übertrieb. Offenbar konnte ihn auch die Regisseurin Berghaus nicht zähmen. Es ging immer mit ihm durch. In Opern ihres Mannes Paul Dessau war er hingegen sehr beeindruckend.