des Observators Cembalo-CD-Sammlung

  • durch die rege anteilnahme namhafter kompetenzler an meinen naiven versuchen, die welt zu verstehen, erlebe ich zur zeit einen motivationsschub im zupfclavierbereich, der mich dazu bringt, diesen thread zu eröffnen.


    ich werde heute und demnächst -auch zur ehre von euch angesprochenen, aber nicht ausgeschriebenen, ich hab viel von euren beiträgen gelernt- meine cembalocds vorstellen. naja, eher auflisten.
    (das hat auch den praktischen nebeneffekt, dass ulli weiß, mit welchen geschenken er mich nicht mehr überraschen kann, allerdings ist das jetzt eh nicht so sein gebiet...)


    fallweise werde ich die bildchen mit beobachtungen subjektiver art versehen.
    geschmacksberichtigungen und erhellende kommentare von seiten der hardcorefraktion sind ausdrücklich erwünscht -selbst demaskierendster art ("das ist jetzt aber kein cembalo sondern ein hackbrett").


    einige -oder auch viele- der aufnahmen mögen an anderen stellen schon vorgestellt und abgehandelt sein, darum geht es ja nicht.
    man könnte eher meinen, ich wolle das forumsgeschehen wieder auf das niedere niveau des musikgenießens senken, wo es anfangs einmal war...
    und vielleicht gibt es ja den einen oder die andere leserIn, welche auch lust bekommen.


    das cembalo, früher in diesem forum auch chemballo genannt, ist kein virginal und kein clavichord.
    dennoch nehme ich die mit und damit einen geringen verschmutzungsgrad von ca. 7,14% in kauf, sprich 5 von ca. 70 scheiben.
    und 2 sind gar gemischte compilationen. o graus! -die freude jedes aufrechten verwalters...


    beginne ich also gleich mit diesen beiden:



    vox virginalis
    werke aus dem zeitalter der tudors und stuarts, also in dem fall von ca. 1525 bis ca.1650.
    eingespielt wurden die stücke abwechselnd auf virginal und cembalo vor 10 jahren beim québecoisen label atma von rachelle taylor, einer kanadischen musikologin, die anscheinend gelähmt ist, wie ich an einem bildrand zu beobachten glaube -erwähnt wird es nirgends.
    die instrumente sind ruckers-nachbauten.
    sie spielt irgendwie "bedächtig", was zwar meiner hörkonzentration entgegenkommt, aber mich auch nicht sehr erregt.



    pavana/the virgin harpsichord
    skip sempé, olivier fortin, pierre hantai


    und obwohl mit bull, byrd, gibbons, tomkins, usw. die selben komponisten vertreten sind wie zuvor, decken sich die stücke nicht (1,2 zum interpretationsvergleich hätt' mir nichts ausgemacht).
    hauptakteur ist skip sempé aus new orleans, die beiden anderen dürfen auch reinhauen, jedoch nie solo. manches stück spielen sie zu dritt, keine ahnung wie historisch informiert das ist, es klingt jedenfalls hip
    die 3 instrumente sind vom berühmten martin skowroneck aus bremen z.t. schon vor 50 jahren gebaut worden. dieser pionier war ja quasi erstausstatter von leonhardt und harnoncourt und wird im beiheft von sempé ordentlich gewürdigt.
    [ich weiß, ich komme mir ein wenig wie der eulenhändler in piräus vor, aber vielleicht verirren sich ja auch fremde in dieses reservat]
    die aufnahme ist von 2001, das label ist astrée.



    :hello:

  • Zitat

    Original von observator


    pavana/the virgin harpsichord
    skip sempé, olivier fortin, pierre hantai


    Eiwarummdennnitt?


    Die Sempé würde bei mir jederzeit mit gehen auf einsame Inseln, vorausgesetzt es gibt dort Strom und 'ne gute Anlage.


  • thomas tallis
    complete keyboard works
    rachelle taylor 2005 ATMA


    noch eine misch-cd.
    diesfalls nur die instrumente betreffend, wobei die 2 orgeln (nachbauten vorreformatorischer alter engländerinnen) weitaus über virginal und cembalo dominieren.


    das besondere am cembalo (nachbau aus dem 21. jht.) ist, dass es auf ein claviorganum, also eine kombination aus orgel und cembalo zurückgeht, welches lodewijk theewes 1579 gebaut hat und das auch das einzige übergekommene nordeuropäische aus jener zeit ist.


    tallis (vielleicht 1505 - sicher 1585), unter hobbyköchen legendär für sein rezept mit 40 zutaten, spam in allium (also gewürzschinken in knoblauchsoße), ist auf dieser cd mit hauptsächlich liturgischen stücken mit beziehungsvollen namen wie "o ye tender babes" oder "fond youth is a bubble" (-wohl über kaugummikauende jugendliche) vertreten. wobei ein teil der musikhistorikerfraktion um sir blackadder auch hiebei von eher küchentechnischen texten ("zarte keulen" bzw. "der fond muss blasen werfen") ausgeht.

  • bei den nächsten beiden cds verneige ich mich gerne vor bbb und miguel54.
    sind beide nicht mehr zu haben...



    william byrd
    john come kiss me now
    andreas staier 2001
    teldec das alte werk


    das instrument ist nach florentinischen vorbildern des 17.jhts gebaut.


    und byrd ist auch das bindeglied zur 2., weil dort seine "battell" in einer 22-minütigen langversion vertreten ist:




    batailles à versailles
    jean-patrice brosse
    1985
    disques pierre verany


    aber auch die anderen stücke von girolamo frescobaldi, johann-kaspar kerll, johann kuhnau, francois couperin und jean-francois d'andrieu kommen meinem friedfertigen charakter sehr entgegen.


    brosse spielt abwechselnd auf einem ruckers von 1628 und einem blanchet von 1746 in 5 verschiedenen stimmungen.
    mir zirpts ein wenig zuviel auf dieser scheibe, so als ob der hochtonbereich künstlich hervorgehoben worden wäre.


    2 kleine editorische fehler: was für ein kerl kerll war, weiß ich nicht, jedenfalls schreibt man ihn nicht so sondern so. und die flämischen ruckers instrumente spricht man in frankreich sicher rückers aus, aber das dort unübliche ü zu schreiben ist zuviel des bösen...

  • nicht mal mein lieblingsmoderator schreibt hier, dass der titel so nicht geht, und sorgte damit für ein bisschen verkehr. ich werde also in mich gehen und einen anderen suchen. (in kenntnis meines charakters befürchte ich allerdings, dass sich nicht viel verbessern wird...)




    peter philips pièces de clavecin
    emer buckley


    das ist eine meiner ersten cembalocds, vor über 20 jahren bei hm france erschienen und sie ist ein wenig der grund, warum mich cembalo musik jahrelang wenig interessiert hat. ich hab sie immer wieder probiert, sie war mir immer wieder fad.


    die zweite, heute, habe ich auch schon sehr lange:



    jan pieterszn. sweelinck


    pieter-jan belder spielt auf instrumenten des hager stadtmuseums, nämlich einem ruckers aus 1639 und einem venezianischen spinett, das giovanni celestini 1589 gebaut hat. dieser zeitgenosse hat mir immer schon besser gefallen. die scheibe hat erasmus muziek producties 1993 herausgebracht.


  • hans ruckers
    the musical legacy
    north west classics


    wieder eine von den bei archivaren so beliebten sammelcds:
    mehrere komponisten, mehrere instrumente. zum glück nur ein interpret:
    jos van immerseel.
    der war ja zuerst cembalist, bevor er mit seinem immerseelorchester richtig bekannt wurde.
    das ist jedoch eine neuere einspielung von ihm, ich schätze von 2000. das dicke begleitheft gibt zwar fast die polung der stecker und die namen der beteiligten bits bekannt, aber kein aufnahmedatum.


    khampans lieblingsingenieur ist übrigens auch wieder mit von der immerseelpartie.


    3 instrumente aus dem vleeshuismuseum in antwerpen kommen zum einsatz:
    ein dulcken von 1747
    ein couchet virginal von 1650
    und eine rekonstruktion von bédard 1974 nach dem ruckers von 1644.


    die cd ist mit hans ruckers betitelt, das ist der dynastiebegründer, er lebte bis 1598.
    das vorhin erwähnte cembalo hat sein sohn andreas d.ä. gebaut.
    joannes couchet ist der enkel von hans.
    der deutsche johannes dulcken war nicht verwandt, baute seine instrumente aber auch in antwerpen.


    das label heißt wie ein guter hitchcockfilm, ist aber nur aus niederem lande.
    im schon erwähnten beiheft, das auch die geschichte der kielflügelrestauration ab den 1960ern abhandelt, wird behauptet, das bédardinstrument sei die einzige rekonstruktion, welche die originaldisposition (8' und 4') bewahrt hat.


    immerseel spielt 18 stücke von 14 komponisten aus 3 jahrhunderten, wobei a. non. mit 4 werken am häufigsten vertreten ist.
    mir persönlich gefallen natürlich duphly und forqueray am besten.
    und überhaupt ist von den bisher vorgestellten cds diese meine liebste.

  • Dieses Instrument ist eine prähistorische Entwicklungsstufe der Musikgeschichte, die bereits überwunden ist.
    Warum sollte man sich damit beschäftigen, wenn es schon die Komponisten "danach" nicht mehr taten?

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Zitat

    Original von Rienzi
    Warum sollte man sich damit beschäftigen, wenn es schon die Komponisten "danach" nicht mehr taten?


    Das ist (leider) falsch, Geschätzter - so gerne ich Dir Recht geben würde:




    Besonders das Rondo - trés gai aus Poulencs Cembalokonzert ist recht witzig.


    8)


    Ulli

  • Mon très cher Ulli,


    Poulenc und Ligeti als Gegenargument seit der Obsolenz dieses Instruments kann es doch nicht ausmachen.
    Ich gebe zu, daß mein subjektives Empfinden da sehr mitspielt: Beim Klange dieses Instruments denke ich zumeist an bewährte Verkleinerungsintrumente-


    Bonne nuit

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Zitat

    Original von Rienzi
    Dieses Instrument ist eine prähistorische Entwicklungsstufe der Musikgeschichte, die bereits überwunden ist.
    Warum sollte man sich damit beschäftigen, wenn es schon die Komponisten "danach" nicht mehr taten?


    Dann können wir ja auch alle Gemälde aus der Zeit verbrennen und die Kirchen niederreißen ...

  • Neben Poulenc und Ligeti fallen mir auf Anhieb auch noch sehr überzeugende Werke von Frank Martin und Iannis Xenakis ein, um nur bei den Altmeistern :D zu bleiben. Denn Kompositionen für dieses schöne Instrument sind sogar eher wieder am Kommen.


    :hello: Matthias

  • oha!
    kaum ist man im krankenhaus, basteln sie auch hier an einem herum...
    sei's drum, meine vorstellung zur titelverbesserung wär zwar viel exakter gewesen ("aus meinen sammlungen: abteilung k, einteilung i, gruppe c, modus wc")


    dafür leiste ich mir heute aus gesundheitlichen gründen eine bequemlichkeit, einen verweis nämlich,
    nur das bildchen stelle ich doch hier ein, wegen der ästhetik.



    und beim dr. rienzi vermute ich, dass er höheren ortes dazu aufgefordert worden ist, eine seiner üblichen provokationen loszulassen um den thread zu beleben -die waren ja in den gründungszeiten der pfeffer des forums.
    oder er versucht gar, auf diese umständliche weise kontakt mit seiner großen geheimliebe mairy gwien aufzunehmen. es soll ja genug perverse hier im land geben.


    :beatnik:

  • Lieber Osservatore venexiano,
    diesmal muss ich dich leider enttäuschen: Fred Feuerstein(welcome back!!!! :angel:) und die Maddy Quinn provozieren im Duett: ich finde das Cembalo zwar nciht obsolet, aber ich kann seinen Klang als Soloinstrument leider nciht länger als maximal 30 Minuten ertragen, ohne Kopfschmerzen zu bekommen.


    Ich fürchte, das ist eine genetische Mutation meienr Spezies , vielleicht gibt es ein Mittel dagegen? :untertauch:


    Und was lese ich hier von Krankenhaus?
    Ich hoffe doch sehr , du bist bis zum nächsten Cicchetti-Essen wieder fit! :hello:


    Eins muss man den Cembali jedoch neidlos lassen: schönere Instrumente hat die Welt wohl noch nicht gesehen!
    Liebhaber derselben müssen also ausgewiesene Ästheten sein- oder?



    Bon courage!

  • Zitat

    Original von Matthias Oberg
    Neben Poulenc und Ligeti fallen mir auf Anhieb auch noch sehr überzeugende Werke von Frank Martin und Iannis Xenakis ein, um nur bei den Altmeistern :D zu bleiben. Denn Kompositionen für dieses schöne Instrument sind sogar eher wieder am Kommen.


    :hello: Matthias


    Hallo,


    darf ich fortsetzen? Erwähnt werden muss da unbedingt noch de FALLAs Cembalokonzert! Auch von H. DISTLER gibt es mind. zwei Werkefür Cembalo und (Kammer)orchester!



    Und ich glaube, es war im Beiheft dieser CD, wo die folgende Situation beschrieben wurde:
    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als man begann die Werke der Barockzeit wieder auf dem Cembalo zu spielen, tat man dies zuerst auf Nachbauten, die nur wenig mit den alten Cembalos gemein hatten,. Vielleicht könnte man sie "Konzertsaal-Cembalos" nennen. Nun die Wiedergabe dieser Musik, durch Interpreten, wie z.B: W. Landowska inspirierte dann Komponisten wie POUELNC oder de FALLA zu ihren Werken für dieses Instrument. Heute aber spielen diese Cembalonachbauten, zur Wiedergabe der Barockmusik (aus verständlichen Gründen) keine Rolle mehr, könnte also wieder aus der Musizierpraxis als Zwischenstufe verschwinden. Aber sie sind die historisch richtigen Instrumente für die Wiedergabe der Werke von POULENC, MARTIN, de FALLA, etc....
    :rolleyes: :D


    Auf der ersten oben abgebildeten CD kann man übrigends sogar de FALLA selber am Cembalo hören (und POULENC und FRANCAIX am Klavier!)


    DEBUSSY wollte übrigends die vierte seiner sechs geplanten Solosonaten für Oboe, Horn und Cembalo schreiben. Leider konnte er nur die ersten drei Sonaten verwirklichen, diese wäre sicher ein weiterer Höhepunkt geworden!


    Gruß pt_concours


    Ich hatte soagr mal über einen eigenen Thread zu den Cembalokonzerten des 20. Jahrhunderts nachgedacht...

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • ja, und ich hab eigentlich gedacht, dass man "meine" cds diskutiert. aber bei der herrschenden realität in diesem universum muss man schon froh sein, wenn irgendein hund an den thread pinkelt...
    und à propos, bevor sich der neandertaler und die wilmafee vor lauter übereinstimmungsfreude in diesem meinem thread noch öffentlich vereinen, muss ich boshafterweise auf diese aussage verweisen (wenn ich mich recht erinnere, hat ihre erste heftige liebesbeziehung mit einer ähnlichen aussage über beet begonnen...)

  • Zitat

    Original von observator
    ja, und ich hab eigentlich gedacht, dass man "meine" cds diskutiert.


    Danke für die Aufforderung, werde ich in Zukunft gerne tun. Ich dachte, das wäre so ein Präsentationsthread wie in den "Unverzichtbaren", wo Kommentare anderer eher fehl am Platz sind. aber Cembaloaufnahmen diskutiere ich natürlich gerne ....

  • Zitat

    Original von observator
    geschmacksberichtigungen und erhellende kommentare von seiten der hardcorefraktion sind ausdrücklich erwünscht


    ... diesen Satz hatte ich überlesen und erklärt des Observateurs Verwunderung


    Zitat

    -selbst demaskierendster art ("das ist jetzt aber kein cembalo sondern ein hackbrett").


    ... und dieser Satz provoziert die Negativstatements - anscheinend gebietet die allgegenwärtige contenance, sie in anderen threads herunterzuschlucken, wogegen hier die Hemmungen, sie auszuspucken, wegbeobachtet wurden.
    Aber ich posaune ja auch nicht überall herum, daß ich Wagner einen schrecklichen Nazi finde und die ständige Vibriererei mindestens ebenso nervig wie andere die Zupfclaviere.


    Back to topic!

  • genau!


    vermutlich ist auch das dechiffrieren meiner ausdrucksweise (fast alles handgedrechselt, wenig konfektion) zu mühsam.
    mir ist zur zeit das aufsuchen von internetcafés auch zu mühsam, vielleicht gibt's wieder eine pause. das hier probiere ich noch auf- und einzustellen:



    warum die heutigen beiden komponisten zusammenauftreten müssen, liegt am gleichen geburtsdatum: 1583. sonst gibt's für mich wenig gemeinsam.



    orlando gibbons
    musik for harpsichord and virginals
    james johnstone 1998 asv


    gibbons, den glenn gould wohl geschätzt hat, wird hier wieder auf cembalo und virginal interpretiert.
    [einschub: virginals ist ja im englischen ein pluralwort, d.h. auch wenn es sich nur um 1 instrument handelt, wird das als the virginals bezeichnet. in deutsch übersetzten booklettexten liest man immer wieder von virginalen. ich vermute da einen übersetzungsfehler, so auch bei dieser cd.]
    klang und interpretation sagen mir übrigens sehr zu (kein vergleich zu dem peter philips von oben).
    produziert wurde diese cd von carole cerasi, die soll später noch vorkommen...




    girolamo frescobaldi
    toccate e partite d'intavolatura di cimbalo et organo. libro secondo
    sergio vartolo 1987 tactus


    hier wird eine kopie von bartêlêmy formentelli gespielt, deren original wo, ja wo, liebe fairy queen und cassiodor, steht?
    -genau: in der ca' rezzonico!


  • jacques champion de chambonnières (1602-72)
    pièces de clavecin
    pan classics
    2003


    mich erinnert dieser name immer an ein lieblingscomic meiner kindheit: spirou et fantasio (in der deutschen übersetzung damals: pit und pikkolo). da gibt es den grafen von champignac, der alles mögliche aus pilzen produzierte...


    gut, champion de chambonnières, der begründer der 1. französischen cembaloschule, war zu lebzeiten hochgerühmt um später wieder vergesen zu werden.
    der anklingenden kulinarik (jambon) nicht genug wohnte er in einem käsedorf namens chaumes-en-brie und gilt als entdecker louis couperins, welcher durch ihn nach paris gelangte und dort in saint gervais(!) die organistendynastie begründete.
    champion, der am hofe sogar mit lully und louis quatorze ballettierte, wurde mit seinen 1670 herausgegebenen stücken, inkl. genauer ornamentikanleitungen zum modelleur der französischen cembalosuite.
    francoise langellé spielt hier allerdings nach manuskripten und auf einem 1681 gebauten instrument von vincent tibaut aus toulouse, 2-manualig, 3-registrig, nie ravalisiert. aufgenommen wurden die köstlichkeiten 2003 auf einem schloss in calvados (-jetzt reicht's aber!)

  • die Musik von Chambonnieres fasziniert mich auch besonders. Ähnliches findet man ja noch bei Froberger oder später bei d'Anglebert.


    Ich habe bis jetzt aber nur die CD mit Sempe (die ich von all meinen Cembalo CD's besonders schätze) und eine CD die ich erst mit der Zeit zu mögen begann:





    ich glaube die habe ich damals für eine D-Mark gekauft, war ein Sonderangebot meines CD Händlers.


    Besonders witzig der nervige Fandango von Soler :D



    Was ich bei der frühen frz. Cembalomusik sehr mag, ist der gehörige Schuss improvisatorischer Momente in den Preludes, das findet man ja auch in den Lautensuiten.
    Das ist ein schöner Kontrast zu den eher strengen Tänzen.
    Ich würde ja gerne mal das Experiment wagen, was mal Richard Strauss mit Cembalowerken Couperins getan hat - die Stücke instrumentieren lassen, allerdings für ein Barockensemble.... das hätte was :beatnik:

  • Zitat

    Original von observator


    jacques champion de chambonnières (1602-72)
    pièces de clavecin
    pan classics
    2003


    Da ist die vom Lullisten erwähnte von Skip Sempé aber um Klassen besser, oder die ausführlichere Auswahl auf einer Doppel-CD von Olivier Baumont.



    (Nicht das Original-Cover; das sah so aus:

    ... übrigens im Freien in Paris auf der Place des Vosges aufgenommen, einen Steinwurf von der Kirche St.Gervais, wo die Couperins Dienst taten ... )



    Baumont spielt die Musik des Maître dermassen liebevoll und lebendig, das muß man gehört haben, und verkauft dann wie ich die CD von Mme. Lengellé - pardon, madame! (Über amazon.fr übrigens problemlos zu bekommen!)

  • ja, danke michel, jetzt hamma uns verstanden. =)
    (das motiviert wieder zum herumhocken an den hotspots)
    die deutschen (dein letzter link) verkohlen den schinken übrigens, -aber zu früh triumphiert: dafür schreiben die franzosen(!) wieder lengellée...
    billig ist der beaumont allerdings auch dort nicht.


    :hello:

  • Zitat

    Original von miguel54
    Da ist die vom Lullisten erwähnte von Skip Sempé aber um Klassen besser,


    zumal hier wie anno dazumal ab und an eine Theorbe mitspielt.
    Sempé verfällt hier außerdem nie in Raserei, sondern gibt der Poesie sehr viel mehr Raum.
    Obendrein spielt er ein wunderbares flämisches Original von 1680.
    Und zu guter Letzt gibt es als Schlussstück das Tombeau de Mr. de Chambonnières von d'Anglebert.


    Gesamtergebnis: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Zitat

    oder die ausführlichere Auswahl auf einer Doppel-CD von Olivier Baumont.


    Die kenne ich leider (noch) gar nicht.


    Zitat

    und verkauft dann wie ich die CD von Mme. Lengellé


    Täte ich nicht, denn die Aufnahme ist ein schlagendes Beispiel dafür, wie man mit ungenügender Intonation und unsauberer Stimmung ein auch noch so gutes Instrument hinrichten kann. :D
    Dabei spielt Madame eigentlich gar nicht so schlecht.

  • na super, jetzt flutscht's ja! (wenn sogar derda ;) mich wahrnimmt...)



    bei meinen versuchen immer irgendwelche -und seien sie auch noch so weit hergeholt- konnexe zwischen meinen präsentierten cds herzustellen, bin ich wieder auf ein gleiches geburtsdatum der komponisten gestoßen. allerdings gibt nur die cd dasselbe für matthias weckmann mit 1616 an. mein (altes) mgg sagt 1621, wikipedia legt sich gar nicht fest. in dem chüstaf-leonart-ziegel hat man zwar die originalhüllen nachgedruckt, aber bis auf ein interview weitere angaben eingespart. so weiß ich auch kein aufnahmedatum und das instrument ist nur vermutlich ein skowroneck.
    zurück zum weckmann: wenn er schon vielleicht nicht im gleichen jahr wie froberger geboren ist, so verbindet die beiden zumindest ein legendärer orgelwettstreit in dresden (welcher aber auch quellenkundlich nicht sehr gesichert ist, sagma also, die gemeinsamkeit besteht in der ungewissheit derselben, damit meine arme seele endlich ruh gibt und ich zum wesentlichen kommen kann)



    kurfürstliche cembalomusik aus dresden
    gustav leonhardt
    sony


    viel hat weckmann eh nicht geschrieben.
    umso mehr johann jacob froberger (1616-1667). der war auch europaberühmt und vielgereist. geboren in stuttgart lernte er 4 jahre bei frescobaldi in rom (he, ein konnex zur vorvorigen cd!) und war viele jahre am kaiserhof in wien angestellt. in paris schrieb er ein tombeau auf seinen verunglückten lautenistenfreund blancrocher, welches hier auch eingespielt ist, und das verbindet ihn wieder mit louis couperin, der dasselbe gemacht hat (womit schon der konnex zu meinem nächsten beitrag freigelegt ist, was will ich denn...).
    vorerst aber noch zu meiner 2. froberger-cd:



    the strasbourg manuscript 14 suites
    ludger rémy 1999 cpo

    ( das ist natürlich beim hausversand um 70% billiger zu haben)


    obwohl froberger in seiner bedeutung als modellbauer der "deutschen" suite durchaus champion gleichzusetzen ist, wollte er keine druckverbreitung seiner kompositionen.
    der deutsche mit dem französischen namen spielt aus einer dresdner sammlung, welche wenige jahre nach frobergers tod von einem liebhaber angelegt wurde. dieser lebte übrigens in durlach, heute karlsruhe :hello:
    das instrument ist diesfalls sicher ein martin skowroneck von 1992.

  • louis couperin (1626-1661), der onkel vom "grand" (-sie sind sich nie begegnet), wurde schon angekündigt. vielleicht hätte er einen ähnlichen beinamen bekommen, wären seine werke nicht erst fast 300 jahre nach seinem tod in einer gesamtausgabe vorgelegen. er war auch als organist und gambist gut in die bessere pariser gesellschaft integriert, wurde aber kaum 35 jahre alt.
    unter seinen ca. 130 piècen für cembalo sind vor allem die préludes non mensurés, also taktfrei, bemerkenswert.


    meine 3 lccds:



    suites et pavane
    gustav leonhardt 1980?
    deutsche harmonia mundi



    pièces de clavecin vol2
    bob van asperen 2006
    aeolus



    cinq suites pour clavecin
    huguette grémy-chauliac 2005
    ligia


    b v a verwendet ein instrument aus der pariser manufacture vaudry mit der jahreszahl 1681, das in einem londoner museum restauriert worden ist. g l wird wohl wieder eines seiner skowronecks bedienen, während h g-c vor dem pierre donzelague 1716 sitzt, einem wahren prachtkasten mit 9" (füßen), die auf lyoner museumsboden stehen.


    in den suiten überlagern sich manche piècen, manche nicht, da damals wie heute die zusammenstellung der suiten den interpreten überlassen ist.
    eines haben alle 3 gemeinsam: das schon erwähnte tombeau de monsieur de blancrocher, für den nach treppensturz quasi in den armen frobergers verstorbenen freund. und da asperen für seine einspielung noch insgesamt 5 kompositionen anderer meister transkribiert und eingefügt hat ("nach art d'angleberts"), darunter auch wieder ein tombeau de m. blancrocher eines gewissen francois dufault, verfügt der gute weißenfels quasi über einen ganzen grabsteinpark.
    von den 3 couperintombeauinterpretationen gefällt mir die lehrerin von scott ross am besten, die das ganz anschaulich gestaltet, während der lehrer von bob van asperen den fall so -irgendwie: verträumt- spielt, dass er mir zuerst gar nicht aufgefallen ist. bei asperen fällt vor allem das hintergrundgeräusch auf (entweder war's die tube oder das mikrophon war an einem nasenflügel des interpreten angeklemmt). der lautstärkepegel ist jedenfalls viel höher, aber das instrument klingt mir ganz toll.



    Zitat

    "...mit ungenügender Intonation und unsauberer Stimmung.."


    à propos verstimmung: die höre ich auf der froberger/rémy-cd, v.a. auf der 2., track 25,26. oder wollte das der werckmeister so?

  • Zitat

    Original von observator
    à propos verstimmung: die höre ich auf der froberger/rémy-cd, v.a. auf der 2., track 25,26. oder wollte das der werckmeister so?


    Und ob! Sind Dir die hs zu tief? :D
    Mein Gemecker oben bezieht sich auf eine Intonation, bei der benachbarte Töne zu unterschiedlich klingen, und auf eine Stimmung, bei der der 4' mit dem 8' nicht übereinstimmt.


    Mein Gegenvorschlag bei Louis Couperin:



    Moroney auf drei wunderbaren Originalen.

  • Zitat

    Original von Hildebrandt
    Mein Gegenvorschlag bei Louis Couperin:



    Moroney auf drei wunderbaren Originalen.


    Die und Moroneys Byrd sind wohl seine besten Darbietungen ... Bei dieser Couperin-Aufnahme hatte ich erst meine Probleme, die klingt auf manchen Anlagen ziemlich hart, erst auf meiner aktuellen Kombination ist die Schönheit der Instrumente richtig wahrnehmbar. Man sollte Hifi-Geräte nur mit Cembalomusik probehören.

  • Zitat

    Original von miguel54
    Die und Moroneys Byrd sind wohl seine besten Darbietungen


    Einem überleitungswütigen Beobchter würde es gefallen, wenn ich jetzt noch einen Verwandten ins Spiel bringe:



    Auch die finde ich hervorragend gelungen, wie ich sowieso ziemlich große Stücke auf Moroney halte.

  • na, die gibt's ja wenigstens! 8)


    -aber natürlich trotzdem danke an die beiden pueurs mit den pleinen culotten, die leicht mit den besten empfehlungen herumwerfen können, weil sie wohl alles haben, das es nicht mehr gibt...
    (damit ich nicht fälschlicherweise der offensivbeleidigung bezichtigt werde: ich beziehe mich völlig impersonell auf das hierzulande geläufige "mit voller hose ist gut stinken")


    :beatnik: