Ist Tschaikowsky außer Mode ?

  • Liebe Forianer


    Soben habe ich gesehen, daß die Tschaikowsky-Sinfonien mehrheiltlich noch nicht durch einen Thread im Forum vertreten sind.


    Wärend ich noch überlegte, welcher Sinfonie ich den Vorzug geben soll, den nächsten Thread zu bestreiten kam mir die Idee zu einem völlig anderen Thema.


    Ich stelle mir (und somit auch Euch ) nämlich die Frage, ob Tschaikovsky derzeit "out" ist. Ich glaube mich erinnern zu können, daß er vor 2 oder 3 Jahrzehnten wesentlich mehr im Blickpunkt des Interesses der Klassikwelt gestanden hat.


    Ist das nur eine subjektive Sicht - oder ist das so ?


    Der Thread über die 5. Sinfonie folgt unabhängig von Ergenis in den nächsten Tagen.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Salut,


    also ich finde nicht, dass Tschaikowsky "zu wenig" präsent ist... sein Auftreten mag vielleicht derzeit etwas gedämpft sein, aber seine Ballette kann man hier im Umkreis [Nordbaden/Südpfalz] eigentlich fast immer zu sehen [und hören] bekommen.


    Cordialement,
    Ulli


    P.S. @Alfred: Interessant, dass Du innerhalb eines Thread gleich zwei Schreibweisen von Tschaikowsky benutzt. Wenn Eugen endlich mal schreiben würde, er könnte bestimmt eine astreine russisch-deutsche Version bieten... :yes:

  • @Alfred,


    was meine persönliche derzeitige Ausrichtung angeht muß ich feststellen, daß es wohl bei mir so ist!


    Was die russischen Komponisten angeht so orientiere ich mich eher Richtung Schostakovitsch, Skrijabin, Prokofiev und natürlich Rachmaninov.


    Auf "Entdeckungsreise" bei Tschaikowsky bin ich zur Zeit nicht!


    Gruß

  • Hallo Alfred,


    kann ich für mich eigentlich nicht behaupten. Tschaikowsky war einer der ersten "Klassiker" - und er kann sich auch noch heute auf dem Plattenteller behaupten, trotz starker Konkurrenz. Dabei höre ich die 4., 5. und 6. Sinfonie gleichermassen gerne - lediglich die ersten drei sind sehr unterrepräsentiert.


    Grüße aus Hamburg
    Uwe

  • Ich persönlich, bin nicht unbedingt ein Tschaikowsky-Fanatiker, finde auch nicht das er unterpresäntiert wird, im Konzertsaal gehören seine letzten 3 Sinfonien immer noch zum üblichen Repertoire, die Ballette erfreuen sich sowieso immer ihrer Beliebtheit, was ich nur schade finde ist das seine Opern ein bisschen vernachlässigt werden da ich darin eigentlich sein eigentliches Genie sehe ( :jubel: "Pique Dame" )

  • Hallo


    Ich denke Tschaikowsky hatte schon immer mit Ktitik zu kämpfen, nicht nur mit Hanslick und Adorno sondern auch mit Kritik einiger russischer Komponisten, denen Tschaikowsky nicht "russisch genug" klang. Klar kann man einiges kritisieren, vieles am Yewgeny Onegin ist mir viel zu süsslich, trotzdem mag ich auch dieses Werk insgesamt sehr gerne. Und welcher Komponist ist frei von Sünden, wie sie etwa die "1812" eine ist!? Und selbst diese Sünde tu ich mir gelegentlich an.
    Tschaikowskys Sinfonien sind nach wie vor beliebt, mögen gestrenge, emotionslose Kritiker schreiben, was sie wollen. Die Ballette sind mir ein großes Vergnügen, mit der Kammwermusik kenn ich mich leider nicht so gut aus. Ich kenne zwar einiges von Tschaikowsky, bin aber wohl nicht representativ vertraut mit seinem Werk. Pique Dame möchte ich mir schon seit Jahren auf DVD kaufen, aber man hat ja nicht unendlich viel Geld zur Verfügung.


    Bei mir persönlich hat z.Zt. trotzdem Mussorgsky die Nase vorn. Er klingt authentisch russisch, da klingt in seinen Opern eine Welt, in der ich noch lange nicht heimisch bin, die aber eine ausserordendliche Anziehungskraft auf mich ausübt. Mussorgsky ist "der echte Russe", seine Musik ist wahre russische "Volksmusik". (Ihr versteht das Wort Volksmusik hier hoffentlich so, wie ich es meine, Volksmusik ist für mich ein positiv Besetztes Wort. Mussorgsky spricht Musik, die der russischen Seele abgeschaut ist.) Tschaikowsky klingt eben wesentlich westlicher. Es wäre schön, wenn Tschaikowsky die westlichen Formen aufgegriffen hätte und sie mit noch mehr russischer Melodik gefüllt hätte. Das hat er zwar freilich schon getan, aber nicht mit dem Mut zur Sprödikkeit, wie ihn Mussorgsky in seinen wunderbaren Lieder und Tänzen des Todes und den opern aufgebracht hat.


    Fazit: Bei mir ist Tschaikowsky nicht ausser Mode, er war es auch allgemein nie, im Gegenteil, man muß aufpassen, daß er den musikalisch echten Russen Mussorgsky nicht verdrängt.


    Markus

  • Hallo,


    für mich ist Tschaikowsky zu westlich für einen russischen Komponisten. Oder anders gesagt, vielleicht etwas zu heiter, zu fröhlich?


    Klar, das Violinkonzert und das 1. Klavierkonzert sind erste Sahne, die Ballette eine Liga für sich, aber sonst fühl ich mich bei Schosti, Rachmaninov, Mussorgsky, Glinka, Rimsky-Korsakov, Balakirev oder Glasunov mehr in der russischen Heimat.
    Ich mag an der russischen Musik dieses düstere, melancholische oftmals fast depressive, oftmals auch orientalische.
    So wie es Markus mit der russischen Seele genau definiert hat.


    Und Opern in denen die Love-Story zwischen Tenor und Sopran zur Nebensächlichkeit verkommt, weil vorallem die Bässe aber auch die Baritone/Mezzos die Szene beherrschen und die Handlungen kontrollieren...


    Gruss
    Christoph

  • Lieber Alfred ,
    ich habe diese Frage vor fünf Jahren Dr. Matthioas Kornemann ( damals RONDO ) in einem persönlichen Brief als Diskussionsgrundlage gestellt . Dasselbe galt übrigens für Brahms .
    Leider blieb die Diskussion darüber ohne weitere Ergebnisse, da Matthias Kornemann Rondo verlassen hat und jetzt irgendwo in Berlin "doziert" - üner Brahms Klaviermusik , wo er nur Katchen und ausgerechnet Gould kannte ( s. Rondo ) .
    Tschaikowsky wird s t r ä f l i c h s t vernachlässigt ( s. KOnzertprogramme ) . Und Ulrich Schreiber jubilierte vor ien paar Wochen hier , dass gottlob keine tschaikowsky-Symphonie aufgeführt worden sei !!!
    Das 2. Klavierkonzert wird völlig u n t e r schätzt 8 höre dagegen die aufnahme mit Emil Gilels ! ) .
    Ich verdanke dem Musikkenner AB ( ist nicht Alfred Brendel ! ) den Hinweis auf die Londoner Einspielung von 1961 durch Mravinsky mit denLeningrader Philharmonikern (DG ) der Symphonien 4 - 6 ! Grandios ohne Einschränkung .
    eine interessante Deutung der 5ten , e-Moll, ist die durch Stokowsky .
    Bernsteins 4te (CBS/Sony) ist die eindeutig spannenste seiner Tschaikowsky-Einspielungen .
    Giulini ist ausserordentlich packend mit der 6ten ( Philharmonia Orchestra London und in der Serie BBC Legends ).
    Markevitch , den ich sehr schätze , dirigiert die 4. bis 6. Symphonie fesselnd und mit einem herrlichen Orchesterklang .
    KArajan war einer der wenigen Nicht-Slawen , die slawisch-russische Musik innerlich und nicht nur intellektuell-analytisch verstanden und umgesetzt haben . DAher ist sein "Rach-2" mit Weissenberg auch die beste Aufnahme des Klavierkonzertes .
    Abbado ist viel zu glatt , technisch , kalt .
    Mutis 6te mit dem Philadelphia Orchestra ist sehr hörenswert . Nebenbei : Laut FAZ ovn gestern soll Muti nach Chicago oder New York gehen . Dies täte beiden Orchestern merh als gut !!!


    ich bin auf die Reaktion in den Stellungnahmen sehr gespannt !


    Beste Grüsse
    Frank

  • Hallo Forianer und Tschaikowsky-Freunde,


    die ersten drei Komponisten mit denn ich in meiner Jugendzeit intensiv befaßt habe waren Beethoven, Liszt und Tschaikowsky.


    Von diesen dreien habe ich mir so nach und nach alles Wichtige auf LP gekauft und mit größtem Interesse kennengelernt.
    Bei Tschaikowsky waren das: Sinfonien, Ouvertüren, Sinf.Dichtungen, Ballettsuiten und komplette Ballettmusik der 3Ballette, Klavierkonzerte, Violinkonzerte.


    Von den Dreien ist bei meinen heutigen Hörgewohnheiten Tschaikowsky stark in den Hintergrund getreten, da mir vieles zu "abgenudelt", abgenutzt vorkommt und mich Tschaikowsky nicht mehr so anspricht wie damals. Das mag daran liegen, das Tschaikowsky der russ. Touch fehlt, wie es hier im Beitrag schon erwähnt wurde.


    Wenn es denn mal wieder Tschaikowsky sein soll, dann in diesen Aufnahmen:


    1.) Sinfonische Dichtungen:
    Francesca da Rimini, Hamlet, Der Sturm, u.a.
    (DECCA-Doppel-CD mit Antal Dorati)
    Diese Werke waren immer schon nicht groß beachtet worden, haben mich aber mehr begeistert als viele populären Tschaikowsky-Werke.
    Antal Dorati ist "der" Tschaikowsky - Dirigent und hat auch die effektvollste Aufnahme mit echen Kanonen der Ouvertüre 1812 auf Mercury-CD vorgelegt.
    Francesca da Rimini hat Bernstein in einer unglaublich energiegeladenen Aufnahme zusammen mit der Sinf.Nr.4 auf DG aufgenommen - da geht die Post ab.


    2.) Sinfonien:
    Nr.1-3 hatte ich schon auf LP in div.russ.Aufnahmen u.a. mit Svetlanow, aber die Karajan-Aufnahme der DG steht dieser meiner Meinung nach nicht nach und klingt auf CD hervorragend. Karajan konnte sich in diese Musik hineindenken und liefert eine TOP-Interpretation ab, die die Schwächen der Werke sinnvoll aufwertet und große Sinfonik daraus macht - toll !


    Nr.4 Eine der energiegeladensten Aufnahmen ist die Bernstein/NewYorker PH auf DG und da mir so etwas liegt ist das natürlich mein Favorit.
    Aber auch Karajan/Berliner PH (DG) und Maazel/Cleveland Orchester (CBS) sind hörenswerte Aufnahmen zu denen ich auch gerne greife, wenn es mal wieder Tschaikowsky sein soll.


    Nr.5 Unter meinen ersten LP´s war damals die Solti-Aufnahme mit einem franz.Orchester aud Decca (mein erster Kontakt mit Solti). Das war die Tschaikowsky-Aufnahme und hat mich viele Jahre begleitet.
    Erst später auf CD dann Karajan auf DG(1960) und dann die Neuaufnahme mit Solti/Chicago SO auf Decca --- hier legt Solti gegenüber der alten Decca-Aufnahme nochmal zu und bietet auch Klanglich das non plus ultra. Das ist Tschaikowsky !!!
    (Ich bin gespannt auf den Tschaikowsky-Thread der Sinf.Nr.5)


    Nr.6 Bei der Pathetique bin ich mit der Karajan/Berliner PH auf DG (1960) groß geworden, die ich dann sobald es diese grandiose Aufnahme auf CD gab auch hatte.
    Bis heute habe ich viele unterschiedliche Interpretationen gehört (Maazel, Bernstein, Muti, Swetlanow,u.a., auch Karajan´s Aufnahme aus den 70er-Jahren), aber für meinen Geschmack muß dieses Werk so klingen wie Karajan-DG-1960.
    Einen anderen aber sympatischen Interpretationsansatz bietet Solti/Chicago SO auf Decca. Der dritte Satz Scherzo klingt so wie es sein soll: straff und nicht zu langsam, wie bei Karajan.


    Manfred-Sinfonie Diese Sinfonie habe ich mit Swellanow auf Eurodisc-LP in einer TOP-Interpretation, die man in dieser Qualität heute nicht mehr auf CD bekommt. Meine Muti-EMI-CD kommt da nur teilweise heran, ist aber dafür klanglich erste Wahl.


    3.) Klavierkonzerte:
    Die Aufnahme mit Werner Haas/Inbal auf Philips bietet alle drei Konzerte in einer mustergültigen Aufnahme, die sich vor meinen alten Eurodisc-LP´s mit Igor Shukow oder Shura Cherkassky (DG-LP) nicht zu verstecken braucht.
    Das Klavierkonzert Nr.1 sollte man aber unbedingt auch in der Richter/Karajan-DG-Aufnahme auf CD besitzen. So umstritten diese auch sein mag (Thread in diesem Forum), sie ist so wie es sein soll (finde ich).


    4.) Violinkonzert:
    Wer könnte es besser spielen als David Oistrach. Die CBS-Aufnahme mit Eugene Ormandy/Philadelphia Orch. ist zwar klanglich wegen des Rauschteppichs nicht das Tollste, aber die Interpretation .......


    5.) Ballettmusiken:
    Nachdem ich die Orchestersuiten und auch die gesamten Ballette auf LP hatte (mit Ansermet und Swetlanow eine TOP-Wahl) liegt mir die CBS-Aufnahme auf CD mit Eugene Ormandy am meisten, da diese Kurzweiliger ist. Ormandy hat drei große Ballettsuiten aus den drei Balletten zusammengestellt, die über Tschaikowsky´s Ballettsuiten weit hinausgehen. Der Philadelphia-Sound mit einem Schuß amerikanismus tut den Werken gut und macht sie äußerst interessant und hörenswert.
    Wann hat man Lust und Zeit ein ganzes Tschaikowsky-Ballett (drei LP) zu hören - ich nicht.

  • Da es die Meinung von mehreren Teilnehmern ist, möchte ich mich entschieden dagegen stellen: Tschaikowsky ist ein der großen russischen Komponisten und sollte nicht dafür kritisiert werden, daß er kein Mussorgsky oder Strawinsky ist.


    Die Vorstellung von der russischen Seele, die hier skizziert wird, stammt vermutlich aus Boulevardromanen, die Beschreibung der Musik Tschaikowskys entspricht der Realität kaum. Z.B. im Vergleich Tschaikowsky-Glasunow - wessen Musik ist fröhlicher bzw. düsterer? Es gibt ja bei Tschaikowsky heitere Stücke, aber was ist mit solchen wie der Erste Satz der Manfred-Symphonie, mit letzten Liedern, mit der Sechsten Symphonie undundund?


    Sowohl charakteristische Züge als auch sprachlicher Duktus, die Melodik sowie die kommunikative Ausrichtung sind bei Tschaikowsky russisch geprägt. Er steht zwischen Glinka und Strawinsky geschichtlich verankert, neben Mussorgsky - und nicht gegen ihn.


    Genauso fehlerhaft ist die Gegenüberstellung der russischen und nichtrussischen Interpreten bei der Beurteilung seiner Musik. Toscanini und Furtwängler haben da nicht weniger verdient als Mrawinsky oder Rachlin, Celibidache oder Fricsay nicht weniger als Swetlanow oder Roshdestwensky usw.


    Gruß

  • Zitat

    Original von teleton
    Nr.6 Bei der Pathetique bin ich mit der Karajan/Berliner PH auf DG (1960) groß geworden, die ich dann sobald es diese grandiose Aufnahme auf CD gab auch hatte.
    Bis heute habe ich viele unterschiedliche Interpretationen gehört (Maazel, Bernstein, Muti, Swetlanow,u.a., auch Karajan´s Aufnahme aus den 70er-Jahren), aber für meinen Geschmack muß dieses Werk so klingen wie Karajan-DG-1960.
    Einen anderen aber sympatischen Interpretationsansatz bietet Solti/Chicago SO auf Decca. Der dritte Satz Scherzo klingt so wie es sein soll: straff und nicht zu langsam, wie bei Karajan.


    Soltis Interpretationsansatz der 6. Sinfonie als "sympathisch" zu bezeichnen, finde ich höchst interessant.
    Gerade im Scherzo ist keine "Sympathie" zu spüren, da ist nur Brutalität. In keiner anderen mir bekannten Einspielung wird der bisweilen marschartige, öfter gespentische und wild herausfahrende Charakter dieses Satzes, in einem Beiheft heißt es "Entfesselung dunkler Kräfte", mehr betont als bei Solti.


    Karajan (ich besitze seine letzte Aufnahme des Werkes von 1985) und Solti trennen im Scherzo knapp 30 s, aber vom Interpretationsansatz eine Welt.
    Karajan liefert eine Einspielung mit erheblich mehr "gebremster Zügellosigkeit" als Solti und hätte imo deswegen eher die Charakterisierung "sympathisch" verdient (als Meinung, nicht als Kritik zu verstehen).

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Was ich von Tschaikowsky halte, dürfte hinlänglich bekannt sein,
    ich habe meine Begeisterung für ihn auch schon in einem anderen Thread erläutert.


    Da ich russische Musik sehr mag und natürlich auch die Musik aus dem romantischen Westeuropa, und Tschaikowsky für mich so ein Bindeglied dessen ist, gehört er bei mir eindeutig zum Favoritenkreis.


    Überragendes Werk für mich ist sein Violinkonzert, natürlich auch das Schlachtross im Ruhestand. Desweiteren war ja Tschaikowsky in ziemlich allen Genres unterwegs und hat dort hervorragende Arbeit geleistet.




    Gruß, Peter.

  • Hallo Norbert,


    Du verstehst das Wort "sympatisch" auf die Sinfonie und insbesondere den 3.Satz bezogen.
    Das habe ich so nicht gemeint: Ich wollte nur sagen, daß ich Karajans DG 60er-Aufnahme absolut ideal für die Pathetique finde und mir die Solti-Aufnahme auch sehr gut gefällt, sodaß ich für diese natürlich auch eine Sympatie empfinde und diese gerne höre.


    ;) Karajan´s Aufnahme von 1985 mit den Wiener Philharmonikern habe ich auch mal gehabt um mal zu testen wie Karajan die Sinfonie Nr.6 mit den Wiener PH bestreitet. Diese habe ich weiterverschenkt, weil mir diese im Vergleich zu seinen älteren Aufnahmen unsympatisch war. Gerade der 3.Satz wird nicht so gepeistscht wie früher.
    Ich habe beide Vorgängeraufnahmen:
    1. Mein Favorit DG 60er als Einzel-CD
    2. Die Karajan-DG-Gesamtaufnahme aller 6Sinfonien von DG 1975-78

  • Lieber Teleton ,
    das Violinkonzert ja und die 4te mit Bernstein in New York . Bzgl Karajan sind wir völlig d'accord .
    Das b-Moll-Konzert mit Argerich/Kondrashin . Die Cherkassky-interpreationen sind bei beiden Konzerten (DG ) hervorragnd ,
    Die "Rome-und-Juila"-Fantasie gefällt mir mit Abbado sehr gut .
    Grüsse ins schöne Bonn
    Frank

  • Hallo!


    Ich muss vorweg schicken, dass Tchaikovsky einer meiner Lieblingskomponisten ist und ich somit etwas von ihm voreingenommen bin.


    Jedoch muss ich sagen, dass für mich das letzte Jahr irgendwie hier in Wien zum Teil sehr Tchaikovsky-Lastig war. Ich habe zwei Abos im Wiener Musikverein und es waren dieses Jahr überaus sehr verstärkt Tchaikovsky und Brahmsstücke vorzufinden. Im neuen Programm für die Saison, die mit Herbst beginnt muss ich feststellen, dass Tchaikovsky eher kaum bis gar nicht vorkommt - dafür aber Mahler, Shostakovich und auch ein paar moderne Stücke des 20. Jahrhunderts, auf die ich mich schon jetzt freue.


    Im Herbst 2004 gab es ja im Wiener Musikverein die Live-Einspielung der großen Symphonien 4. - 6. unter den Philharmonikern mit Gergiev, die ja erst jetzt im März erschienen sind. (Ich habe sie in einem anderen Thread schon erwähnt). Ich habe sie mir einstweilen bereits besorgt, aber ich möchte vorerst keinen Vergleich mit anderen Aufnahmen wagen, da ich von den Symphonien nur die von Karajan (DG Karajan Gold-Edition) und den Wr. Philharmonikern gut kenne.


    Grüße,
    Andi

  • Lieber Fuchur ,
    Tu felix Vienna !
    Zuviel exquisiten Tschaikovsky und Brahms kann es eigentlich nie geben .
    Dass in der kommenden Saison soviel Schostakowitsch und wieder muss man wohl sagen Mahler im Programm ist , scheint mir ein nicht nachvollziehbarer Gegensatz zu sein .
    Aber sicherlich gibt es - wie fast immer in Wien - auch sonstige hervorragende Konzerte ( auch Solistenkonzerte und Recitals ) . Kannst Du darüber bitte das Wesentliche berichten ? Besten Dank
    Frank

  • Für alle Tschaikowsky-Freunde ein Hinweis (falls Ihr die Platte nicht ohnehin schon im Schrank haben solltet:


    Tschaikowsky
    18 Stücke für Klavier, op. 72
    Pletnev
    DG


    Nun ist Pletnev einer meiner Lieblingspianisten und wahrscheinlich bin ich deswegen ein wenig voreingenommen, aber trotzdem: Eine wunderbare Platte, mit selten eingespieltem Repertoire. Kennt jemand die CD?


    Herzliche Grüße,


    Christian


  • @Christian,


    noch nicht, aber bald sollte die Zustellung per Post erfolgen!
    Pletnev schätze ich auch sehr :jubel:

  • Salut,


    wie ich bereits behauptete, ist Tschaikowsky bei "uns" nicht außer Mode:


    Das Festspielhaus Baden-Baden bietet diesen Sommer:

    Sommerfestspiele 11. - 17. Juli 2005
    Mariinsky-Theater St. Petersburg, Valery Gergiev


    11. Juli Tschaikowsky: "Die Zauberin"
    12./15. Juli Tschaikowsky: "Eugen Onegin"
    14./16. Juli Tschaikowsky: "Pique Dame"

    Ist doch was, oder?


    bien cordialement
    Ulli

  • Hallo Ulli,


    vielen Dank für die Ankündigungen zu den Tschaikowsky-Opernaufführungen!!!


    Hast Du auch Informationen darüber, ob z. B. 'Die Zauberin' aufgezeichnet und im Radio ausgestrahlt wird? Ist ja eine Ultra-Rarität, die man unbedingt mitschneiden müßte!!! :yes:


    Herzliche Grüße
    Johannes

  • Salut Guercoer,


    Freude über die Resonanz. In der Ankündigung steht nichts von einer Aufzeichnung - es ist ein Gastspiel des Mariinsky-Theaters St. Petersburg. Du kannst aber hier weiteres nachlesen.


    bien cordialement
    Ulli

  • Unser Chef Alfred hat es trefflich formuliert "außer Mode".
    Ich sehe es auch so, daß Tschaikowsky im Vergleich zu vergangenen Dezennien in Konzertprogrammen unterrepräsentiert ist.


    Ohne auf Interpretationen von Tschaikowsky einzugehen, glaube ich,
    daß es sich
    a) um eine Modeerscheinung handelt (Man will doch nicht nur Populäres bieten, das "Gott soll abhüten" den Leuten womöglich noch gefallen würde; wie würde das Feuilleton über das altmodische, reißerische Programm schreiben?)


    b) glücklicherweise auch und dank der "Schallplatte" Komponisten wie Schostakowitsch entdeckt und mehr gespielt werden und daher anderen "Marktanteile" wegnehmen.


    Ich bin überzeugt, daß sich das Ganze wieder auf ein normales Niveau einpendeln wird.
    Persönliche Anmerkung: Tschaikowsky ist einer meiner Lieblingskomponisten und der bringt mich auch dazu, ein Ballett zu genießen (Prokoffief übrigens auch)

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Hallo,


    es läuft zwar gerade Was bedeutet uns Schumann Heute ? , aber ich denke auch zu Tschaikowsky kann man sich die Frage der Aktualität weiterhin stellen.



    Bei mir persönlich ist er aktuell.
    Ich meiner sehr kleinen Sammlung ist er, wenn ich es recht im Sinn habe, mit seinem Klavierkonzert Nr.1, dem Violinkonzert und dem Streichsextett vertreten.
    Ach, natürlich noch die Ballettsuiten zu Schwanensee.


    Es hört sich ziemlich wenig an, wenn man das so hört und sieht.
    Ist es sicherlich auch, aber man sollte es daran messen, wie groß (klein) meine Sammlung bisher ist.
    Und von der Seite aus betrachtet, ist das absolut okay.


    Zudem lege ich das VC und KK sehr gerne ein!
    Tschaikowsky gehört auf alle Fälle zu meinen wichtigen Komponisten. Seine Werke fesseln mich! Sie sind fast immer bombastisch und mit Feuer gefüllt!
    (ich habe mehr als nur die vier, in meiner Sammlung befindlichen, Werke von Tschaikowsky kennen gelernt)



    Wie es in der Allgemeinheit aussieht, inwiefern Tschaikowsky dort repräsentiert ist, weiß ich nicht.
    Aber im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt ist es okay.
    Zufällig haben Peter und ich auch noch zwei Konzerte mit ihm im Abo. Oder hatten.
    Eines, die 4.Symphonie, ist ja schon Vergangenheit und das andere wäre Freitag mit der 6.Symphonie (wir können ja nicht hingehen).


    Ich habe jetzt das Konzertangebot nicht im Kopf, aber ich bin mir sicher, dass es nicht die einzigen Konzerte mit Tschaikowsky Werken waren.



    Für meine Sammlung gilt, dass ich mir Stück für Stück seine Symphonien zulegen werde und sicher auch noch das ein oder andere Werk...
    Einige wurden ja schon angeführt. Da findet sich schon was.


    Gruß, Maik

  • Wenn es zwei Werke gibt, die auf Tonträger, im Radio und im Konzert ad nauseam überrepräsentiert sind, sind das Tschaikowskys Violin- und erstes Klavierkonzert. Dito für einige kürzere Werke und vielleicht auch die drei letzten Sinfonien. Das führt einerseits dazu, dass (wie bei einigen Stücken Beethovens oder Mozarts), man die Stücke kaum mehr unabhängig von den mit ihnen verbundenen Klischees wahrnehmen kann, andererseits, dass andere Werke ziemlich unbekannt und unterrepräsentiert bleiben. Die Opern kenne ich leider noch gar nicht, aber vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal Schwanensee komplett gehört und war sehr positiv überrascht (man ist sich kaum bewußt, wieviel mehr Musik es da gibt als die Suiten ahnen lassen). M.E ist Tschaikowsky meist besser, wenn er nicht Schicksalsmächte (und die Tradition von Beethoven u.a.) schultern will, wie in den Sinfonien, sondern etwas ganz anderes macht, wie im Ballett oder den fast unbekannten, aber eleganten, melodischen, teils auch witzigen Orchestersuiten oder den "sinfonischen Dichtungen" Romeo&Julia oder Francesca da Rimini. Auch die Kammermusikwerke lohnen sich (u.a. weil den Schmalz&Bombast-Möglichkeiten eines Trios oder Quartetts sich in recht enge grenzen gesetzt sind :D).
    Insgesamt habe ich also den Eindruck, dass Tschaikowsky sehr einseitig und bezüglich dieser Seite eher zu breit vertreten ist, während andere Aspekte seines Schaffens im zu Unrecht im Schatten stehen.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo zusammen,


    ich habe auch festgestellt,daß Tschaikowsky in letzter Zeit zu wenig angeboten wird,sei es auf der Opernbühne oder im Konzertsaal.
    Meine Lieblingswerke des Komponisten sind: Die 5.Symphonie,das 1.Klavierkonzert,das Violinkonzert,Capriccio Italien sowie die Oper Eugen Onegin.

  • Hallo,
    ich bin zwar noch nciht so bewandert wie viele meiner Vorredner, meine ich bin erst 19 Jahre alt und höre erst seit 3 Jahren intensiv Klassik. Ich muss ganz erhlich gestehen, dass ich außer Tschaikovskys erstem Klavierkonzert, dem Ballet Nussknackersuite und seinen Jahreszeiten für Klavier noch gar nichts von ihm kenne. Hierbei sei angemerkt, dass ich insbesondere seine Balletmusik sehr schätze, das Klavierkonzert allerdings mag ich nicht so gerne, es ist mir zu gewaltig und wirkt ein wenig wie geklimper, ich mag ihn lieber filigraner so wie er sich in seinen Balletten zeigt. Unterrepräsentiert ist er, da empfinde ich wie Johannes, bzw. besonders sein erstes Klavierkonzert keinesfalls, es ist allerdings auch ein Werk was meiner Meinung nach zwar hoch virtuos jedoch wenig musikalisch ist, so dass es, anders als beispielsweise die Chopin Etüden jeder Virtuose damit aufnehmen kann, wie es in den Konzertsälen aussieht kann ich allerdings nicht sagen, da bin ich nicht so bewandert.


    LG
    Sebastian

  • Zitat von Seb:

    Zitat

    das Klavierkonzert allerdings mag ich nicht so gerne, es ist mir zu gewaltig und wirkt ein wenig wie geklimper, ich mag ihn lieber filigraner so wie er sich in seinen Balletten ....... es ist allerdings auch ein Werk was meiner Meinung nach zwar hoch virtuos jedoch wenig musikalisch ist


    Hallo Seb,


    ich glaube Du mußt noch viel lernen :D :beatnik: :D.


    Das Klavierkonzert Nr.1 ist hochmusikalisch und ein Ohrwurmreisser der Extraklasse. Viele Tschaikowsky-Hörer werden durch Deine Aussagen, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
    Es gibt von Tschaikowsky jede Menge wichtige und wertvolle Werke, die weit über Deinen derzeitigen Kenntnisstand hinausgehen.
    ?(Wenn Dir allerdings das Klavierkonzert schon zu gewaltig vorkommt, dann wirst Du mit Tschaikowsky´s Sinfonien und erst Recht den Sinf.Dichtungen aber Deine Schwierigkeiten haben.

  • Hi,
    naja Musik von Bach oder Beethoven empfinde ich als hoch musikalisch, sofern man musikalisch definiert als "stellt hohe Ansprüche an das Interpretationsvermögen des Interpreten". Natürlich ist es hoch musikalisch, schließlich ist Tchaikowsky einer der ganz großen, ich mag es jedoch nicht, da es og. Merkmal absolut nicht erfüllt. Es mag hohe Ansprüche an die Technik des Künstlers stellen, sein "musikalischer" Gehalt ist jedoch gering. Und deshalb habe ich auch die Chopin Etüden - zumindest einige bspw. Op.10 Nr.4,7 oder 9 - als kontrapunkt genannt, sie setzen eine hohe Virtuosität voraus - ähnlich wie Tschaikowskys Werk - klingen jedoch - anders als Tschaikowskys Werk - nur bei wenigen Interpreten wirklich gehaltvoll. Das mag vielleicht daran liegen, das es sehr eindeutig ist und wenig ermessens Spielraum lässt, ich bin allerdings mit der Partitur nicht vertraut, kann dies also nicht beschwören. Nenne mir doch mal eine Referenzaufnahme des ersten Klavierkonzertes, ich bin sicher du wirst es schwer haben, da es so viele hochkarätige Aufnahmen dieses Werkes gibt.


    Es ist von epochalem Wert, seine Gewaltigkeit ist Makel und Trumpf dieses Werkes. Und ich gebe zu, dass ich mich manchmal auf einen Höhenflug begebe, wenn ich mir eine Aufnahme dieses Werkes anhöre. Von demher denke ich, dass ich mich durchaus mit seinen Symphonien anfreunden kann, jedoch kann ich mir so etwas nicht so oft anhören wie bspw. die Brandenburgischen Konzerte, das WTK Bachs oder die Mozart Klaviersonaten oder auch die Chopin Etüden.




    Achja die Wertigkeit dieses Stückes oder anderer Stücke von ihme bestreite ich gar nicht, ich hoffe das wird durch meine erläuternden Ergänzungen klar und vielleicht kannst du meine Kritik an diesem Werk jetzt ein wenig nachvollziehen.

  • hallo Sebastian,


    ich verstehe teletons ärger über deine ausführungen, jedoch auch deine einwände. tschaikowskys 1. klavierkonzert hat sich mit den einführenden takten des ersten satzes zum 'klassikschlager' gemacht. jeder klaviermusikliebhaber hat phasen der liebe und auch des überdrusses bezgl. dieses werkes. die interpreten sind da auch nicht ganz unschuldig. zuviele aufnahmen gibt es, die nach dem motto sehr schnell und sehr laut verfahren. welche differenziertheit und gestaltungsmöglichkeiten in diesem werk schlummern, erfährt man erst bei wenigen interpreten, z.b. ivo pogorelich oder josef bulva. die entwicklungen in der durchführung des ersten satzes, die bizzarerie des trios im mittelsatz und der folkloristische schwung im letzten satz. dabei ist der orchesterpart ebenbürtig und so handelt es sich um ein echtes 'sinfonisches konzert', das sich vor z.b. beethovens 5. und brahms' 2. nicht zu verstecken braucht ! da du schon chopin ansprachst: in seinen konzerten dient das orchester im wesentlichen als auffangteppich, als klangrahmen. der rein musikalisch-motivische gehalt des tschaikowsky-konzertes liegt deutlich über dem der chopin-konzerte !


    gruß, siamak