Das Chicago Symphony Orchestra in Referenzaufnahmen

  • Liebe Forianer, Liebe Mitleser


    dies ist nun nach zweijähriger Pause der 4 . Thread der Serie "Orchester in Referenzqufnahmen" wo besonders gelungene, bzw besonders typische Aufnahmen von Spitzenorchestern in ihrer Glanzzeit vorgestellt und gegebenenfalls auch diskutiert werden können


    Bereits in dieser Serie erschienen sind;


    Die Wiener Philharmoniker in Referenzaufnahmen
    Die Berliner Philharmoniker in Referenzaufnahmen
    Die Staatskapelle Dresden in Referenzaufnahmen


    Diesmal ist das Chicago-Symphony Orchestra an der Reihe, das in gewisser Weise einen Antipoden zu den bisher genannten darstellt, zum einen in Sachen Klangphilosophie, zum anderen natürlich auch, was die Programmschwerpunkte betrifft. Natürlich kann jedes gute Orchester alles spielen - Dennoch Vorlieben und spezielle Eignung für gewisses Repertoire ist in der Regel unüberhörbar.


    Daher: Das Thema ist eröffnet.....


    mfg aus Wien


    Alfred


  • Die Mahler-Integrale aus den Siebzigern unter Georg Solti.


    Besonders unumstritten scheint mir die pompöse Achte zu sein, aber auch der gnadenlosen Sechsten gelten viele Meriten. Die anderen Sinfonien werden wohl nicht im selben Maße höchstgehandelt.


    Ich schätze den geschärften, analytischen DECCA-Klang, auch wenn ihm bisweilen Künstlichkeit bescheinigt wird. Spannend sind die Aufnahmen allemal. In der Amazon-Bewertung wird auf die Zwischenposition zwischen Bernstein, dem Überemotionalen, und Boulez, dem Kalkulanten, hingewiesen. Dem würde ich mich anschließen - wobei mir ein intensiverer Einblick bei Boulez fehlt.


    Für mich als - auch im Vergleich zu so manchen hier im Forum - wahrlich nicht Mahler-Spezialisten, der seine große (jugendlich-naive) Mahler-Begeisterung vor Jahrzehnten hatte (vor allem Rundfunk-Konzerte etwa mit dem BR-Sinfonieorchester) eine Kaufentscheidung (vor zwei oder drei Jahren), die mir dieses tragische Genie des Fin de siècle wieder näher gebracht hat.


    (Freilich bewundere ich Rolo Betman für seinen Zeitaufwand, an dem es bei mir oft genug scheitert ... :yes:)


    Besten Gruß, Wolfgang

  • Dann können wir gleich mit Solti weiter machen.


    Denn Solti und das Chocago SO haben zusammen so manches referenzverdächtiges hervorgebracht - die Liste könnte bei mir lang werden.


    Ich beschränke mich aber zunächst mal auf seine TOP - Bartok - Einspielungen auf dieser Doppel-CD - natürlich von Decca:



    Bartok:
    Konzert für Orchester
    Tanz Suite
    Ungarische Skizzen
    Rumänische Volkstänze
    Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta
    Divertimento für Streichorchester
    Der wunderbare Mandarin op. 19

    Chicago SO / Solti
    Decca, DDD

  • Hallo zusammen,


    auch ich mache mit Solti weiter:


    Johannes Brahms (1833-1897)
    Symphonien Nr. 1-4; Akad. Festouvertüre; Tragische Ouvertüre
    Künstler: Chicago SO, Solti
    Label: Decca , ADD, 78


    Seit vielen Jahren meine liebste Aufnahme der Brahms-Symphonien!


    Viele Grüße
    Frank

  • Liebe Freunde des Chicago Symphony Orchestras !



    Zu den für mich herausragenden Interpretationen dieses 1891 gegründeten Klangkörpers gehören die Aufnahmen mit


    Carlo Maria G i u l i n i .


    Diese sind vollständig bei EMI veröffentlicht worden .


    Viele Grüsse ,


    Frank

  • :yes: Brahms mit Solti/Chicago SO, da kann ich Frank nur zustimmen.



    Aber lassen wir auch mal den Altmeister des Chicago SO Fritz Reiner ran.


    *** Da können wir auch direkt nochmal bei Bartok bleiben:
    Seine Aufnahmen des Konzert für Orchester und IMO noch besser seine Spitzen-Aufnahme der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta müssen hier unbedingt hinein:



    RCA, 1955/58, ADD




    *** Weiterhin gehören die beiden Sinfonischen Dichtungen von Respighi
    Pini di Roma und Fontane di Roma
    zu den besten Aufnahmen dieser Tondichtungen.
    8) Leider fehlt bei Reiner das Beste: Feste di Roma :stumm:
    Ich wage mir nicht auszumalen wie diese mit Reiner geworden wäre; allerdings weis ich das darüber viele anders denken, die Die Feste weniger schätzen als ich.



    RCA, 1960, ADD




    *** Eine der schönsten Aufnahmen der Sheherazade von Rimsky-Korsakoff auch mit Reiner und dem Chicago SO:
    Die RCA-CD bietet zudem die Kopplung mit Strawinsky´s Gesang der Nachtigal in vollendeter nie besser gehörter Interpretation.



    RCA, 1960, ADD

  • Lieber Wolfgang ,



    ich stimme Dir uneingeschränkt zu , dass wir mit Fritz Reiner eine der ganz prägenden Persönlichkeiten des us-amerikanischen Musiklebens gehabt haben .


    Seine Aufnahmen sind von aussergwöhnlichem und bleibenden Rang !


    Leider sind einige der füheren Aufnahmen woh auf CD nicht ( mehr ) vorhanden .


    Sie zu kaufen , wie Deine hervorragenden Empfehlungen , ist geradzu ein Muss !


    Danke also für diese Hinweise .


    Beste Grüsse ,


    Frank


  • Gemeint ist diese Box:



    Besonders Mahlers 1., Bruckners 9. und Brahms' 4. sind sehr empfehlenswert. Beethovens 7. ist imo eine sehr gute, aber nicht herausragende Aufnahme.
    Lediglich die Orchestermusik aus Berlioz' "Roméo et Juliette" gerät für mich etwas betulich langsam.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Liebe Norbert ,


    richtig , genau diese CDs meine ich .


    Die 7. Symphonie von Beethoven hatte ich als Lp und konnte seinerzeit überhaupt keinen Zugang zu dieser Interpretation finden . C M Giulini ist sich jedoch auch hier treu geblieben , wenn man seine späteren öffentliche Interpretationen ( auch mit andern Orchestern heranzieht ) .


    Die Interpretationen von Symphonien von Brahms , Bruckner und Mahler gehören zu den ganz intensiven Musierlebnissen bei mir .


    Viele Grüsse ,


    Frank

  • Es stimmt, Frank, Giulini ist sich "auch hier treu geblieben", aber Giulinis eher ruhig-bedächtiger Ansatz paßt imo zu Beethovens 7. nicht sonderlich gut. Er nimmt der Sinfonie einigen Schwung, einiges "brio", wenngleich er die Orchesterstimmen, wie bei ihm üblich, sehr gut "ausleuchtet".

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Lieber Norbert ,



    C M Giulinis Interpretation ( damals als LP ton- und klangtechnisch sehr gut bei der EMI ) war für mich regelrecht fremd im Vergleich zu Toscanini , Furtwängler oder Bruno Walter .


    Die Liste völlig anderer Wiedergaben ist sehr lange ; etwa mit Reiner , Szell , William Steinberg , Carlos Kleiber . Selbst der feinsinnige Klangästhet Riccardo Muti hört in dieser A-Dur-Symphonie viel von dem , was Du als "brio" bezeichnet hast und auch dem , was Richard Wagner als "Apotheose des Tanes" beschrieben hat .


    Obwohl ich eher zurückhaltend bin , Interpretationen wie im Sportduell miteinander zu vergleichen , so doch mein bis heute bleibendstes Erlebnis mit dieser Symphonie :


    Seiji O z a w a mit der Staatskapelle Dresden Ende 1990 in Dresden live ( mit der Möglichkeit , an der Generalprobe dabei sein zu können ) .


    Leider gibt es keinen Mitschnitt .


    Insgesamt wäre mein Kauftipp : Fritz Reiner , Chicago Symphony Orchestra .



    Viele Grüsse ,


    Frank

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Obwohl ich eher zurückhaltend bin , Interpretationen wie im Sportduell miteinander zu vergleichen , so doch mein bis heute bleibendstes Erlebnis mit dieser Symphonie :


    Seiji O z a w a mit der Staatskapelle Dresden Ende 1990 in Dresden live ( mit der Möglichkeit , an der Generalprobe dabei sein zu können ) .


    Lieber Frank,


    auch wenn es off-topic ist: Es gibt eine Aufnahme von Beethovens 7. mit Seiji Ozawa vom Oktober 1993.



    Wegen Schuberts 8. muß man sich imo die Einspielung nicht kaufen, aber Beethovens 7. hat sehr viel Schwung und sprüht geradezu vor Spielfreude.
    Ich höre Ozawas Interpretation sehr gerne.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Eine Aufnahme mit dem CSO unter Fritz Reiner, die ich ewig in Ehren halten werde, ist die Folgende:



    R. Wagner (1813-1887): Die Meistersinger von Nürnberg - Vorspiel zum 1. Aufzug, Vorspiel zum 3. Aufzug, Tanz der Lehrbuben, Aufzug der Meistersinger; Götterdämmerung - Siegfrieds Rheinfahrt, Siegfrieds Tod und Trauermarsch
    R. Strauss (1864-1949): Don Juan op. 20


    Chicago Symphony Orchestra,
    Fritz Reiner


    Rec.: Orchestra Hall, Chicago, 1959-60
    Produzent: Richard Mohr


    Die Wagner-Orchesterauszüge sind m.E. bis heute unerreicht geblieben. Der strahlende, ausgewogene, transparente und beseelte Orchesterklang, den Reiner hier erreicht, ist wirklich einmalig. Man hört im Meistersinger-Vorspiel wirklich Alles - das schafft kein anderer Dirigent. Natürlich tut auch die fantastische, zeitlose RCA-LS-Aufnahmetechnik ein Übriges, um den Hörgenuss zu perfektionieren.



    Gruß,
    Agon

  • Liebe Forianer,


    ihre Hoch-Zeit hatte das Orchester unter dem Dirigenten Fritz Reiner. Zu dessen Zeiten entstanden die prägnantesten Aufnahmen. Neben den bereits genannten Einspielungen sind unbedingt noch zu erwähnen:




    Jascha Heifetz, Chicago SO, Fritz Reiner
    Label: RCA , ADD, 1955/1957




    Chicago SO, Fritz Reiner
    Label: RCA , ADD, 1954




    Gilels, Chicago SO, Reiner
    Label: RCA , ADD, 55/59




    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Wenn das CSO erwähnt wird, muss unbedingt auch Pierre Boulez genannt werden!






    Wobei man natürlich einwenden könnte, dass Boulez ein Dirigent ist, dessen Stil zwar die Fähigkeiten selbst des letzten Bratschisten hörbar macht, aber die Möglichkeiten des musikalischen Kollektivs leider nur im technischen Bereich (der Feinabstimmung usw.) verdeutlicht.
    Den CSO/Boulez-Bartok habe ich zwar lange nicht mehr gehört, aber ich hatte damals den Eindruck, dass genau dieser Einwand hier ganz zutreffend ist - und so habe ich mich meist eher für Solti, Reiner, Mrwanisky entschieden.

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • wie sieht es hiermit aus ? :



    Haitinks Mahler-Aufnahmen ... mir sagen sie sehr zu.

    Der Mutter die mich nie geboren, habe ich heute Nacht geschworen,
    ich werde ihr eine Krankheit schenken, und sie danach im Fluss versenken.
    Rammstein

  • Hallo,
    auch ich würde die Reiner Zeit zur Referenzzeit erklären.
    Ohne Fritz Reiners Aufbauarbeit wäre später Solti kaum denkbar gewesen und die oben genannten Giulini Aufnahmen ebenfalls.
    Deshalb freue ich mich über jede Wiederveröffentlichung des CSO mit Fritz Reiner.
    Dabei ragt natürlich Bartoks Konzert für Orchester heute immer noch heraus.
    Gruß S.

  • Nach dem ich diese Aufnahme nun kenne, ist sie für mich ganz klar eine Referenzaufnahme - aber nicht die einzige - von Mahlers 9. Sinfonie:



    Chicago Symphony Orchestra,
    PIERRE BOULEZ
    Rec.: Chicago, Medinah Temple, 12/1995
    DG 457 581-2


    Besonders der erste Satz -für mich das Herzstück von Mahlers Sinfonik- wird hier in einer unvergleichlichen Art und Weise dargeboten. Ich denke, ich kenne nahezu sämtliche Aufnahmen von Mahlers Neunter und eine dermassen interpretatorisch wie aufnahmetechnisch perfektionistische ist mir noch nicht untergekommen. Auf mich hat diese Aufnahme eine regelrechte Schockwirkung ausgeübt. Diese trostlose Brutalität in den Zusammenbrüchen im ersten Satz, das regungslose Sich-Abfinden mit Tod und Zerfall im vierten Satz - Boulez und das CSO realisieren dies vollkommen zwangsläufig und unausweichlich.
    Die Klangwucht des Orchesters spricht für sich - bei voller Wahrung der strukturellen Transparenz wird man hier fast umgeblasen in den Ausbrüchen.
    Aber das kann man nur schlecht in Worte fassen. Man muß es selber hören und erleben.



    Agon

  • Zitat

    Original von Norbert
    Es stimmt, Frank, Giulini ist sich "auch hier treu geblieben", aber Giulinis eher ruhig-bedächtiger Ansatz paßt imo zu Beethovens 7. nicht sonderlich gut. Er nimmt der Sinfonie einigen Schwung, einiges "brio", wenngleich er die Orchesterstimmen, wie bei ihm üblich, sehr gut "ausleuchtet".


    "Ruhig-bedächtig" würde mir eigentlich zu dieser Interpretation überhaupt nicht einfallen. Das passt eher auf die späte Einspielung mit dem Scala Orchester.
    Kraftvoll, rhythmisch, etwas rauh und auch etwas heroisch würde ich sie nennen.


    Von den schnelleren Einspielungen haben die meisten wegen des kleineren Orchesters viel weniger "Power", die aber bei der Siebten m. E. sehr angebracht ist. C. Kleibers Interpretation mit den Wienern ist wohl auch deshalb so beliebt, denke ich. Aber Giulini mit dem CSO hat bei mir die Nase noch ein gutes Stück vorne. SO muss das klingen. :-) Nicht so schnell, dass nicht viel mehr als Virtuosität übrig bleibt, aber auch nicht so langsam, dass es langatmig wird. Und dazu halt die famose Leistung der Chicagoer.


    Nur, dass er die erste Wiederholung im Scherzo ausgelassen hat... :motz:

  • Volle Zustimmung zu:


    - Mahler 5. + 8./Solti
    - Bartok: div. Orchesterwerke/Solti
    - Bartok: Musik für Saiteninstr. etc./Konzert für Orchester/Reiner
    - Bartok: Div. Orchesterwerke/Boulez
    - Respighi: Pini + Fontane/Reiner - es gibt davon auch eine hörenswerte Koppelung mit Débussy: La mer
    - Strauss: div. Orchesterwerke/Reiner
    und natürlich:
    - Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1/Gilels/Reiner - trotz Horowitz und Argerich und van Cliburn ist das doch die Aufnahme des Werkes schlechthin, oder??


    Noch eine weitere Referenz-Klavierkonzerteinspielung möchte ich nennen, mein liebstes "2. Brahms" (sicher nicht nur meins):



    In der Kombination CSO/Reiner gäbe es noch:



    In Sachen "Sibelius Violinkonzert" gehört die Kombination Heifetz/Hendl in jede Basisdiskothek dieses viel zu selten zu hörenden Werkes. Die Zugaben sind ebenfalls Marksteine in der jeweiligen Interpretationsgeschichte, aber nicht mit dem CSO, darum hier off topic.


  • Ich persönlich kann die o.g. Giulini-EMI-Aufnahmen wirklich nicht als "Referenzaufnahmen" im engeren Sinne bezeichnen. Dafür sind sie klangtechnisch unzureichend und besonders die Neunte Bruckner klingt einfach zu pauschal und unidiomatisch. Man höre dagegen den späten Wiener Livemitschnitt auf DG - kein Vergleich.


    Mit Fritz Reiner auf jeden Fall noch Debussys "La Mer" - habe ich nie mehr besser gehört als in dieser Living Stereo-Aufnahme:




    Agon

  • Lieber Agon :


    Recht gebe ich Dir insoweit, dass man mit der Etikettierung "Referenzaufnahme " doch zurückhaltend sein sollte .


    Daher lieber " Besonders empfehelswerte Aufnahme " ( BEA ; die britische Fluggesellschaft heisst nicht mehr Bea , sondern BA , do das namensrechtliche Gründe dem Kürzel nicht entgegenstehen dürften ).


    Ein QUERVERWEIS sei hier gestattet auf das letzte Konzert ( mit Mitschnitt ) von LLEONARD BERNSTEIN und dem Bosteon Symphony Orchestra ( Tanglewood , 1990 ; P: 1992 , DGG ) .


    Es ist schon mehr als nur hörenswert, wie i n n i g der so als extrovoertiert und explosiv etikettierte Bernstein gerade den 1. Satz dirigiert und mit welcher Zurücknahme dieser angebliche n "Apotheose des Tanzes" ( R. Wagner ) hier das Boston Symphony Orchestra dem Dirigenten folgt . Eine ganz beeindruckend e Interpretation .


    So habe ich in ganz hungen Jahren auch Carlo Maria GIULINI in seiner frühen Interpretation gehört und verstanden . Eben als interpretatorisch möglich Gegensatz zu Toscanini, Brino Walter .


    Carlos Kleiber bedient eine Optimalvorstelleung , die so jedenfalls nie bestanden hat . Da ist Fritz Reiner überzeugender, weil zwingender .
    Dasselbe gilt auch für S. Ozawa !


    Wir sollten sehr dankbar sein, dass es diese Vielfalt an Interpretationsnasätzen überhaupt gibt ) ; ich zähle etwa Gardiner ausdrücklich dazu , auch wenn ich seine Beethoven-Interpretationen nicht mehr so spannend empfinde wie zu dem Zeitpunkt ihres Erscheinens .


    Viele Grüsse


    Frank

  • Ja klar, Frank, es gibt i.d.R. mehrere sehr gute Aufnahmen eines Werks, und es hängt eben auch meistens mit dem persönlichen Geschmack zusammen. Insofern führt eine Verabsolutierung einer Aufnahme zu gar nichts.
    Gerade bei Mahlers Erster oder Neunter...da muss man sich erstmal durch die Massen durchhören, um seine(n) Favoriten zu finden bzw. zunächst einmal das Werk zu erfassen, wenn möglich zu verstehen - aber ob das bei Mahler jemals gelingen wird, weiß ich nicht.
    Giulini ist ein exzellenter Dirigent, aber seine Mahler-Aufnahmen gehen nicht so richtig an mich. Ich bedauere das sehr. Vielleicht werde ich sie irgendwann verstehen und/oder lieben, aber im Moment nicht.



    Agon

  • Zitat

    Dafür sind sie klangtechnisch unzureichend und besonders die Neunte Bruckner klingt einfach zu pauschal und unidiomatisch. Man höre dagegen den späten Wiener Livemitschnitt auf DG - kein Vergleich


    Es mag ja sein, dass ich die "alte Quadro Platte" habe und die DGG Aufnahme nur als CD:
    Aber der Unterschied:
    Hier in Chicago genau, alert und präzise, dort weihevoll, getragen und LANGWEILIG ist enorm spürbar.
    Man merkt es ja auch an anderen Giulini Bruckner 9 Aufnahmen, dass die Wiener Aufnahme ein Fehltritt war.
    Puhhh! Scheint aber sehr beliebt zu sein.
    Seis drum. Das Spektrum ist groß.


    Gruß S.

  • Zitat

    Original von s.bummer
    Aber der Unterschied:
    Hier in Chicago genau, alert und präzise, dort weihevoll, getragen und LANGWEILIG ist enorm spürbar.
    Man merkt es ja auch an anderen Giulini Bruckner 9 Aufnahmen, dass die Wiener Aufnahme ein Fehltritt war.


    Die Aufnahme mit den Wienern ist schon alleine wegen des unglaublichen Klanges, der alle Instrumentengruppen perfekt eingefangen hat und zudem über mächtige Dynamik verfügt hervorzuheben.


    Präzise, getragen definitiv. Dass Giulini den sakralen Charakter des Werkes betont ("weihevoll") finde ich jedoch nicht. Er verschafft der Neunten lediglich den ihrer Größe angemessenen Raum. ;)
    Mystisch zu Beginn, gesanglich in der Gesangsperiode, mit der gebotenen Weihe im dritten Themenkomplex, drastisch in den Höhepunkten. Und das Adagio ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. :yes:


    Aber es ist natürlich in der Tat sehr langsam und ich kann schon verstehen, dass das nicht jedem gefällt. Für mich ist diese Einspielung jedoch DIE Referenzaufnahme schlechthin. Bei keinem anderen Werk hat eine Aufnahme so eindeutig die Nase vorn wie Giulini bei Bruckners Neunter. Ich finde daran einfach alles vollkommen gelungen. :jubel:


    Liebe Grüße
    honigschlecker

  • Danke, ich sehe es genauso.


    Ich verstehe nicht, wie man ernsthaft die Chicago-Breitwandsound-Fassung dieser Sinfonie der interpretatorisch-orchestral-klangtechnisch haushoch überlegenen Wiener Fassung vorziehen kann. Aber man lernt nie aus und muss eben auch abweichende Meinungen akzeptieren.


    Aber mir geht es einfach wie "honigschlecker":
    Ich kenne keine mich überzeugendere, überwältigendere und packendere Aufnahme der Neunten Bruckner als mit den Wiener Philharmonikern unter C.M.Giulini. Hier stimmt alles: der klangliche Fluss, die Übergänge, die Innigkeit, die Ausbrüche, die Transparenz...


    Nur eines ist sie nicht: langweilig.



    Agon

  • Ich muss meine gestrige Auslassung an einer Stelle revidieren, weil Giulini doch beim mehrfachen Lesen arg schlecht weg kommt.
    Es sollte eher heißen. "Im Vergleich langweilig".
    Nach den Einwänden der Kollegen habe ich die CD Version aus Chicago gehört.
    Die klingt in der Tat erheblich schlechter als die LP.
    Aber was auch hier klar rauskommt ist, das CMG die Ecken der Sinfonie besser und unversöhnlicher herausarbeitet.
    Die CSO 9 klingt viel rauer und schroffer (Das Blech macht eben viel aus!), die aus Wien geradezu versöhnlich.
    Und eben das Versöhnliche gefällt mir nicht so gut, auch wenn es prima gemacht ist.
    Aber 29:35 Minuten für das Adagio finde ich schon arg extrem.


    Zur Info: Ich habe die EMI LP (Quadro, wer kennt das noch??) von 1976 mit einem fast noch jugendlichen CMG in einer Strickjacke auf dem Cover, dann die 4 CDs mit dem CSO von EMi und, klaro, die DGG CD aus Wien.


    Aber ich war beim CSO und bei Giulini.
    1977 kam Schubert 9 mit CMG und dem CSO heraus. eine Aufnahme, die eine der ersten war, die den Beginn in zügigem Tempo gestaltete und den Übergang zum Hauptthema nicht furtwänglerhaft bobbahnmäßig beschleunigen musste.
    Damals haben sich die Kritiker vor Freude überschlagen und ich bin froh, diese Aufnahme als LP zu haben.
    Ebenso die 1978 entstandene Aufnahme der Sinfonien Nr. 4 und 8 von Schubert mit dem CSO und CMG.
    Wunderbare Aufnahmen.
    Aber seltsamerweise auf einmal bei der DGG!!


    Gruß S.


    PS. Alternative Bruckner 9 findet man bei Herrn Wand, bitte aber nicht die Aufnahmen aus dem Lübecker Dom, die sind zu sehr verhallt, bei Schuricht EMI und Volkmar Andreae (Leider muss man alle neune + Te Deum kaufen).
    Andreae hat auch die richtigen Tempi.
    20.59, 9:58, 19:57
    So mal als Idee

  • Zitat

    Original von s.bummer
    ...
    1977 kam Schubert 9 mit CMG und dem CSO heraus. eine Aufnahme, die eine der ersten war, die den Beginn in zügigem Tempo gestaltete und den Übergang zum Hauptthema nicht furtwänglerhaft bobbahnmäßig beschleunigen musste.
    Damals haben sich die Kritiker vor Freude überschlagen und ich bin froh, diese Aufnahme als LP zu haben.


    Ich kann mich noch gut daran erinnern. Aber ich habe Schuberts große C-Dur mit Böhm kennengelernt und konnte die Lobeshymnen für den vergleichsweise breiten und bedächtigen Giulini gar nicht verstehen...




    Zitat

    PS. Alternative Bruckner 9 findet man bei Herrn Wand, bitte aber nicht die Aufnahmen aus dem Lübecker Dom, die sind zu sehr verhallt, bei Schuricht EMI und Volkmar Andreae (Leider muss man alle neune + Te Deum kaufen).
    Andreae hat auch die richtigen Tempi.
    20.59, 9:58, 19:57
    So mal als Idee


    Andreae's Bruckner ist ohnehin einer der bestgehütetsten Schätze der Schallplattengeschichte. Schon die Aufführung aller Symphonien innerhalb weniger Wochen ist aufsehenerregend, und dass der Rundfunk dabei war, ein Glücksfall. Nur schade, dass das so wenige kennen. So gesehen passt das "leider" gar nicht zu dieser wunderbaren Box, leider ist sie etwas teuer....


    ;)

  • Zitat

    Original von Theophilus


    Andreae's Bruckner ist ohnehin einer der bestgehütetsten Schätze der Schallplattengeschichte. Schon die Aufführung aller Symphonien innerhalb weniger Wochen ist aufsehenerregend, und dass der Rundfunk dabei war, ein Glücksfall. Nur schade, dass das so wenige kennen. So gesehen passt das "leider" gar nicht zu dieser wunderbaren Box, leider ist sie etwas teuer....


    ;)


    Ist Andreae nicht Mono? Das dürfte eben doch viele abschrecken, mich eingeschlossen, zumal bei dem sehr stolzen Preis für die "Neune". ;)