Schubert: Klaviersonate B-Dur D 960 - Ein Überblick von "Zelenka"

  • "Das Hoffen auf die ultimative Aufnahme geht weiter , ebenso wie das Hoffen auf eine bessere lichte Welt , die es vielleicht geben mag und nach der sich Schubert so sehr sehnte" .


    - "Zelenka" ( verstorben 2008 ) in seinem phänomenalen Übersichtsaufsatz über Franz Schuberts Klaviersonate in B - Dur D 960 . London , 7. Juli 2007 -


    V O R B E M E R K U N G :



    Manfred Voss ("Zelenka" ) hatte nach mehr als sechs Monaten intensivsten Recherchen , Hörvergleichen , Korrespondenzen den nachfolgend abgedruckten Aufsatz am 7. Juli 2007 in London in das damalige Forum der "Klassikakzente" ( DG / Universal ) gesetzt .


    Dieser bahnbrechende Artikel in einem der Foren für klassische Musik ist von Manfred Voss damals bewusst in diesem Forum gepostet worden . Dieses Forum ist seit 2008 geschlossen und es sind kaum noch Beiträge daraus erhältlich . "ab" hat den Text dann für einen breiteren Leserkreis dankenswerterweise gerettet ( 10. März 2009 ) .


    Persönlich habe ich dieses halbe Jahr der immensen Vorbereitungs - Leistungen von Manfred ( Voss ) mit ihm durch wechselseitige Korrespondenz , Mitteilung mir bekannter Aufnahmen und wichtige Hinweise durch ihn sowie durch den Austausch von unseren vergleichenden Hörerfahrungen teilen können .


    Meinen eigenen vorgesehenen und fertigen kürzeren Aufsatz über diese letzte Schubert - Klaviersonate habe ich daher zurückgestellt und Manfred Voss zur Verfügung gestellt aus meiner Reihe "Meine 100 definitiven Werke und Interpretationen" ( Klassikakzente-Forum ab 2004 im Anschluss an die Edition druch Norman Lebrecht ab September 2004 - 2007) .



    Zu der von Manfred Voss noch in einem Hinweis geplanten eigenen Überarbeitung seines Übersichtsartikels in der grossen Tradition von "Gramophone" , "International Piano Quarterly" oder "Diapason" unter Einbeziehung neuer Aufnahmen ( etwa durch Gerhard Oppitz oder G. Wallisch ) sowie Tendenzen der Schubert - Forschung ist es nicht mehr gekommen .



    Leider ist Manfred Voss am 12. August 2008 plötzlich verstorben . In einer Widmung im Rahmen meines durch ihn mitangeregten Aufsatzes "Panthéon der Pianisten" ( Forum der Klassikakzente vom 29. Oktober 2008 ) sind auch gerade Pianisten enthalten , die von ihm hochgeschätzt und verehrt worden sind und auch wichtige Interpreten dieser Klaviersonate Franz Schuberts bis heute geblieben sind .



    Walter Tydecks ( http://www.tydecks.info ) , 2008 , sowie zuvor in einer Stellungnahme zu meinem Beitrag in dem Klassikakzente - Forum hat sich auch aus philosophischer Sicht auch mit der Frage der "Weisen des Klavierspiels im 20. Jahrhundert" befasst und ausdrücklich auf "Zelenka" / Manfred Voss hingewiesen und die Frage aufgegriffen , in welcher Form im Internet eines Verstorbenen gedacht wird und werden kann ( näheres bei Walter Tydecks , aaO ) .



    Grundsätzlich halte ich es für angemessen , dass wir eines sehr geschätzten Menschen auch dadurch gedenken , indem wir seine uns zugänglichen Publikationen erhalten und einem breiteren Leserkreis weiterhin zugänglich machen .



    Es gab zu keinem Zeitpunkt von Manfred Voss einen Hinweis , dass er mit dem http://www.Tamino-Klassikforum.at als Publikationsort nicht einverstanden wäre . Das Gegenteil ist eher der Fall , weil er - wohl aus privaten Korrepondenzen - einige der hier schreibenden Mitglieder auch persönlich sehr geschätzt hat .



    Meinerseits habe ich bewusst darauf verzichtet , als Anhang zu dem Aufsatz von Manfred Voss inzwischen erschienene neuere Aufnahmen der Klaviersonate von Franz Schubert in B - Dur D 960 vorzustellen und zu besprechen oder auf neuere Ergebnisse und Tendenzen in der Schubert - Forschung einzugehen . Dies soll der hoffentlich regen Diskussion hier überlassen bleiben .



    Da ich gut in Erinnerung habe , dass und wie sich Alfred Schmidt , Wien , als Begründer und Leiter dieses Forums in 2007 auch selbst aktiv in die Diskussion über diesen Artikel mehrfach und ausführlich eingebracht hat , habe ich ihn gefragt und gebeten , diesen Übersichtsaufsatz von "Zelenka" / Manfred Voss über Franz Schuberts letzte vollendete Klaviersonate hier quasi als Reprint publizieren zu können . In erster Linie , um die herausragende Leistung eines begeisterten Musikliebhabers , eines stets sehr besonnenen , weitsichtigen und klugen Mannes wie Manfred Voss für Musikkenner und auch an wissenschaftlichen Arbeiten interessierten Menschen weiterhin zugänglich zu machen .



    Frank G. Bechyna


    _______________________________________________

  • Liebe Schubert - Verehrer ,



    ich hatte nicht erwartet , dass direkt nach der Vorstellung dieses trotz seiner mit wissenschaftlicher Akribie und mit grossem Impetus geschreibenen Aufsatzes nun direkt Antworten kommen würden .


    Es wird von mir noch einiges zu schreiben sein zu einigen der von "Zelenka" zu recht besonders hervorgehobenen Aufnahmen wie auch der , für manche vielleicht überraschenderweise , trotz ihres berühmten Namens - z.B. Alicia de Larrocha oder Horowitz - nicht in die Spitzengruppe gewählten Interpretationen .


    Man muss einfach zugestehen , dass dieser zutiefst beindruckende Text auch mit sehr viel Herz und nicht nur Verstand , von Manfred Voss verfasst worden ist .


    Darin steckt sehr viel mehr Liebe zu dem unglaublichen Melodienreichtum Schuberts , der Struktur und Architektur in dieser Sonate , der Psychologie der Komposition als dies auf den ersten Blick deutlich zu werden scheint . Matthias Kornemann hatte in seiner Besprechung der Edition "Great Pianists of the Century" in "Rondo" anhand der Schubert - Deutungen durch Clara Haskil und Sir Clifford Curzon Grundsätzliches i hiblick auf die Seele der Kompositionen und somit auch die Seele des Komponisten dargstellt .


    Ganz wichtig scheint mir zu sein , dass Manfred Voss sich von jedem der leider noch immer bestehenden Schubert - Vorurteile und leider auch Urteile ferngehalten hat . Bedauerlicherweise ist diese Versachlichung in den beiden Schubert - Handbüchern noch immer nicht durchgängig zu finden .


    M. Uchida , jetzt London - Nottig Hill , hat in einem sehr analytischen Interview gesagt , dass Franz Schubert der "wienerischste aller Komponisten" gewesen sei . Dies ist von ihr im Hinblick auf die berühmte Wiener Klassik und ihrern eigenen Lebensjahren in Wien als junge Frau bewusst so formuliert worden .


    Manfred Voss hat dies vor Erscheinen des Interviews in dem vorstehenden Artikel ebenso gesehen .


    Kurz vor der endgültigen Niederscharft hat er noch geringe , aber nicht unbedeutende , Änderungen in der Wertung seiner herausgehobenen Interpretationen vorgenommen , die noch dargestellt werden sollen . Nach einiger Zeit der Disskussion , nachdem dieser Atikel publiziert worden war , hat er drei grundsätzliche Interpretationsansätze noch einmal zentral erörtert .


    Dies soll gegebenefalls gerne hier diskutiert werden .



    Beste Grüsse ,



    Frank

  • Danke Frank für diese gute Tat! :jubel:


    Eine sehr eindrucksvolle Leistung des leider verstorbenen Autors. Mir gefällt zudem, daß er nicht zu sachlich distanziert schreibt, vermeintlich >objektiv<, sondern aus einer persönlichen Perspektive. Das ist sehr lebendig und an manchen Wertungen kann man sich dann reiben.


    Ich persönlich würde Richter, Pollini, C. Haskil oder Lazar Berman anders bewerten. Auch die späte Horowitz-Aufnahme finde ich sehr hörenswert!


    Bei Schnabel muß man natürlich bedenken, daß es damals keine Möglichkeit gab, die Aufnahme durch Schnitte zu korrigieren - Direktschnittverfahren! Schnabel legte auf Perfektion nicht so großen Wert, was nicht heißt, daß er nicht technisch >potent< war. In dieser Zeit spielen die Pianisten bei der Aufnahme so wie im Konzertsaal, heute hat sich das umgekehrt: Dir Konzerte sind so perfekt, daß sie gleich mitgeshnitten werden können: man spielt im Konzert so wie im Studio! Kempff war nie einer der größten Techniker (was bei diesem Ausnahmemusiker kein Einwand ist!), aber mit dem Medium Schallplatten-Aufnahme viel besser vertraut als Schnabel.


    Lazar Berman erzählt sehr humorig die Umstände seiner Aufnahme bei der DGG. Die Sowjetunion kassierte die Gage ein und bezahlte die Musiker nach einer Minutenpauschale! Unfaßbar, aber wahr! Da dachte sich Berman: Warum spiele ich den 1. Satz der B-Dur-Sonate nicht noch langsamer als Richter? Dann müssen die mir in Moskau eine höhere Gage zahlen! Also wurde seine Aufnahme noch langsamer als die von Richter und die Kritik überschüttete ihn mit Lob ("Meilenstein der Schubert-Interpretation") - worüber er sich lustig macht. Er - ein sehr bescheidener Mensch - mochte wohl keine Lobhudeleien... :pfeif:


    Beste Grüße
    Holger

  • Zitat

    Original von Dr. Holger Kaletha
    Lazar Berman erzählt sehr humorig die Umstände seiner Aufnahme bei der DGG. Die Sowjetunion kassierte die Gage ein und bezahlte die Musiker nach einer Minutenpauschale! Unfaßbar, aber wahr! Da dachte sich Berman: Warum spiele ich den 1. Satz der B-Dur-Sonate nicht noch langsamer als Richter? Dann müssen die mir in Moskau eine höhere Gage zahlen! Also wurde seine Aufnahme noch langsamer als die von Richter und die Kritik überschüttete ihn mit Lob ("Meilenstein der Schubert-Interpretation") - worüber er sich lustig macht. Er - ein sehr bescheidener Mensch - mochte wohl keine Lobhudeleien... :pfeif:


    Beste Grüße
    Holger


    Hallo Holger, das ist ja eine interessante Anekdote, Zelenka bezieht sich oben aber offensichtlich auf eine andere Bermann-Einspielung, in der der erste Satz nicht länger als bei Richter ist:


    Berman (1980) Brilliant Historic Russian Archives 93006 22.05 10.04 4.31 8.52


    Ich kenne diese Aufnahme und schätze sie sehr, weil sie als eine der wenigen auch die beiden letzten Sätze in ein Licht zu rücken vermag, das zu den beiden ersten Sätzen passt. Der letzte Satz ist bei Bermann ein trauriger Abgesang - nichts bleibt von der sonst hier üblichen aufgesetzten Fröhlichkeit.


    Die von Dir erwähnte DG-Aufnahme ist mir völlig unbekannt, gibt es die noch irgendwo???


    Liebe Grüße,
    Christian


    PS: Frank, Danke für das Einstellen dieser Besprechung !


  • Hallo Christian,


    auch ich habe nur diesen tollen Konzertmitschnitt aus der Brilliant-Box. Ich ärgere mich schon seit langem, daß die DGG nicht endlich eine Box mit sämtlichen Berman-Aufnahmen herausbringt, wie sie das gerade bei S. Richter getan hat! Der Schubert ist wie so vieles andere, was er bei der DGG aufgenommen hat (Liszt h-moll Sonate, Rachmaninow, das Tschaikowsky-Konzert u.a.) nicht mehr zu bekommen!


    Beste Grüße
    Holger

  • Lieber Holger ,



    dies ist einer der fundiertestenb Beiträge ( die aus den grossen Zeiten von etwa Gramophone , International Piano Quarterly , Diapson , Classica Répértoire usw. eingschlossen ) , die ich kenne .



    Zwischen den ersten Plänen und der hier vorliegenden Endfassung vom 7. Juli 2007 sind interessante Diskussionen vergangen . In diesem Mittelpunkt stand die Frage des zur Verfüguing stehenden Materiales ( also einer sehr relativen "Objektivität" ) , des eigenen , also subjektiven Höreindruckes ( diesre hat sich bei "Zelenka" wie bei mir in Grundfragen teilweise modifiziert ) oder Frage des eigenen Bildes über den Komponisten ( auch im Wandel der Zeit ) wie die uns vorliegenden und zugänglichen Aufnahmen .



    Manfred ( Voss ) und ich hatten auch bezüglich der Auffassung , wie diese wundervolle Klaviersonate , eine der bedeutensten , die ich überhaupt kenne , überhaupt in ihrer grossen Architektur denn wohl am nächsten an den Vorstellungen , die Schubert vorgeschwebt haben könnten , orientiert sind , freundschaftlich ausdiskutierte unterschiedeliche Meinungen . Dies kam in meiner nicht veröffenltichten Fassung ebenso deutlich heraus wie auch in dem , was Manfred hier am Ende formuliert hat .


    Manfred und mir war immer bewusst , dass wir niemals alle Aufnahmen würden erreichen können , ws ich selbst im Falle von Freidrich Wührer als besonders schmezhaft empfunden habe , weil er der Weiner Klassik sehr nahe gewesen ist . Ja einer ihrer ganz grossen Repräsenentanten war . Einer meiner früheren Klavierlehrer war einer seiner Schüler .


    Vorab zu LAZAR BERMAN : Durch meine damlige Mitgliedschaft in der robert-Schumann-Gesellschaft e.V. , Düsseldorf , hatte ich das Glück persönlich mit Frau Kollegin Dr. Gisel Schäfer , ehamls geschäftsführendes Vortandsmitlied der gesellschaft , mit Maestro Beman einige Zeit in sehr kleinem Kreis sprechen zu können . Er war eine der beeindruckensten Menschen , die ich je kennengelrnt habe . Natürlich , offen , weitsichtig, von vielen Qualen gezeichnet - er erlitt wirklich viele mit seiner Familie als wie Gilels z. B. ständig gegänngelter , isolierter Künstler und Familienvater und auch als eben jüdischer Pianist - , ein pinaist , den selbst ein Vladimir Horowitz bewundert hat , ein Mann , der aussergewöhnlich bescheiden war , der sich für seine Kunst tatsächlich auch physisch wie psychisch aufgeopfert hat .


    Es gibt relativ viele Aufnahmen von ihm ( auch gerade Livemitschnitte aus Kanada 9 . Leider hat die DGG / uiversal es nicht für nötig befunden einige seiner epochalen Interpretationen neu aufzulegen . Dazu zählen die hier aufgeführten Werke ebenso wie die Wiedergabe des d-Moll-Klavierkonzertes von Johannes bRahms , die ich zuletzt 1996 im Radio noch einmal hören konnte . unter Kennern galt seine Wwiedregabe des Tschaikowsky - Klavierkonzertes Nr. 1 b - Moll lange als d i e Aufnahme schlechthin ( mit Herbert v. Karajan ) .


    Bermans Repertoire war deutlich breiter angelegt gewesen , als wir dies anhand der vorliegenden Aufnahmen möglicherweise annhemen .


    Bermans Interpretationen waren wohl insgesamt stärkeren Schwankungen ausgesetzt , was mit dem enormen Druck , dr auf ihm gelastet hat , zu erklären ist .


    Dies Schubert - Sonate B - Dur D 960 hat er selbstverständlich häufiger gespielt als dies angenommen werden könnte .


    Manfred hat ja ausdrücklich auf die Problematik hingewiesen , die jeder dieser noch so sorgfältig zusammengestellten Diskogarphien immanent ist .


    Es dürfte hier so sein , dass nicht wenige der besten , wichtigsten Aufnahmen / mitschnitte von Lazar berman leider in Archiven lagern oder in Privathänden sind .


    Die hier besprochene Aufnahme hat sowohl bei Manfred ( Voss ) als auch bei mir von Anfang an denselben Eindruck hinterlassen .



    Beste Grüsse ,



    Frank


    PS.: Ich muss noch einmal Alfred Schmidt sehr herzlich danken , dass er sein Forum bereitgestellt hat , um diesen Übersichtsaufsatz vor dem ewigen verlust zu retten .


    Der Versuch , Diskussionsmaterial aus 2007 zu retten für diesen Thread , sind leider nicht mehr möglich gewesen .


    Alfred Schmidt hat schon in einer ersten Antwort auf einen Kurkommenatr von mir weitsichtig notiert , dass dies einer der grossen Rezensionsleistungen sei ( KlassikAkzente.de / Forum , 2007 ) .


    Aus ganz persönlichen Gründen wollte Manfred Voss / "Zelenka" diesen Aufsatz zum damaligen Zeitpunkt eben in dem seit langem geschlossenen Forum schreiben . Dies ist auch von Alfred Schmidt so mit Respekt angemerkt worden . F.

  • Lieber Frank,


    neben Alfred, der diesem Thema und Zelenkas Aufsatz Raum gibt, danke ich Dir, daß Du diesen Text hier verfügbar gemacht hast.


    D 96o ist eine der mir liebsten Musikschöpfungen. Eine zeitlang war ich bemüht, das Werk immer in greifbarer Nähe zu haben. Bei der Arbeit, im Auto, Daheim (die mich Auto begleitende Cassette war übrigens gekoppelt mit Bruckner's "Te Deum").


    Ich fände es fabelhaft, wenn wir Zelenkas Aufsatz ergänzen würden. Und zwar um Einspielungen, die er -warum auch immer- vernachlässigen musste. Unter den Namen der ihm nicht greifbaren taucht Stein auf. Gemeint ist wohl Max Martin Stein. Ein 1911 in Jena geborener Pianist. Stein hat sich früh für die nachgelassenen Sonaten von Schubert eingesetzt; seit 1937 standen sie regelmäßig auf seinen Programmen. Eingespielt hat er sie für das Label "Motette" (muss nach 1979 gewesen sein). Auf LP. Als CD sind sie mir nie untergekommen.


    Wie nun lernt man Max Martin Stein kennen?


    Nun, in der Nachkriegszeit hat ein musikbegeisterter Manfred Wundram sich bei ihm ausbilden lassen. Wundram wurde allerdings dann doch nicht Musiker, sondern Kunsthistoriker (ein Renaissance-Fachmann von Graden). Und in den mittleren 1980ern mein akademischer Lehrer. Bei einem Besuch bei ihm zuhaus' setze er sich an seinen Blüthner-Flügel und bat mich um zweierlei: "Hör zu und blättere die Noten um, wenn ich nicke". Das war mein erster Kontakt mit D.960, mit dem Klavierwerk Schuberts. Ich war hin und weg. Und habe mir hernach die Platte von Wilhelm Kempff gekauft. Und das Werk nicht mehr wiedererkannt.


    Mit dem verehrten Lehrer und Freund stand ich damals in intesivem schriftlichen und fernmündlichen Austausch und hatte mich umgehend über die Diskrepanz zwischen Kempff und dem, was ich bei ihm gehört hatte beklagt. Und zu seiner nächsten Vorlesung brachte er mir die LP-Box "Max Martin Stein spielt Schubert" mit.


    Nein, es geht jetzt nicht um besser oder schlechter. Manfred Wundram war mein Erstkontakt. Und der hatte das Werk in sehr ruhiger Gelassenheit gespielt (so erinnere ich es jedenfalls). Alles war klar und sauber herausgespielt. Und Kempff wirkte in einigen Teilen unsauber, schien über Stellen, die mir wichtig waren hinwegzuspielen (fangen wir da ruhig bei den Baß-Trillern im ersten Sazt an).


    Max Martin Stein vollführt kein Spektakel, war ja auch nicht der Star, musste sich nicht beweisen. Er zerdehnt nirgends, treibt nirgends übermäßig an. Die Baß-Triller im ersten Satz werden sauber ausgespielt.


    Was an der Platte begeistert: es klingt, als spiele jemand für einen kleinen Kreis interessierter Freunde. Unvorstellbar beim Hören der Platte, daß da vor einem großen Publikum -sagen wir der ausverkauften Kölner Philharmonie- gespielt würde.


    Ich würde es sehr begrüßen, wenn diese Aufnahme allgemein zugänglich gemacht würde (ebenso wie der live-Mitschnitt ihrer Aufführung durch Aldo Ciccolini im April 2008 in Montpellier -wie ich nicht müde werden werde einzufordern).


    Und an Frank gerichtet: Hast Du die Aufnahme mit Wührer nicht? Da könnte ich Dir aushelfen. Melde Dich diesbezüglich gerne bei mir.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Beeindruckend, sehr beeindruckend.
    Was für eine Leistung auf den ersten Blick!!
    Auch wenn Fleishers Erstaufnahme(=Schnabel mit vollkommener Technik) fehlt, die ausgerechnet bei Classics Today Referenz ist.


    Doch beim Lesen kommen mir so seltsame Gedanken:


    Was suchte Herr Zelenka?: Etwa die ultimative Schubert D960 Aufnahme?.
    Und wenn man so stücka 20 Aufnahmen gehört und intus hat, geht das überhaupt noch?
    Ist das nicht ein faustisches Unterfangen?
    Ist nicht das Gehör irgendwann voreingenommen, will man nicht dann einen bestimmten Stil?
    Ärgert man sich nicht darüber, das man es nicht selbst machen kann?


    Diese wirklich WUNDERBARE Sammel-REZENSION ist auch ein Dokument des großen Scheitern, des Scheitern an der Aufgabe, sich diesem Werk durch alternierendes Hören so zu nähern, dass man eine Rezension schreiben kann.
    Es ist sehr schwer; die zunehmende Vertrautheit mit dem Werk steht neuen Aufnahmen zunehmend im Wege, bis sie schließlich diesen Aufnahmen den Zugang komplett versperrt. Von spezifischen Tagesbefindlichkeiten des Rezensenten mal ganz abgesehen.
    Daher bleibt Zelenka angreifbar, die Fülle des Materials ist nur ein bedingt hilfreich.
    Da werden von anderen als hervorragend bezeichnete Aufnahmen von Brendel oder Serkin mit einem Satz abgefertigt, die spez. Richtersche Dimension der Interpretation (U.Schreiber) wird ignoriert und zu einem Torso mit drei anhängenden Sätzen verkürzt.
    DAS kann man so sehen, aber muss man das??
    Ist Zelenka nach der x-ten Aufnahme betriebsblind geworden?


    Ich denke an all die Kollegen, die jeden Tag 20 Winzer durchprobieren, weil es ihr Beruf ist, Wein zu verkosten.
    Und die dann freudigst ein Bier zischen, um die Geschmacksnerven zu neutralisieren.
    Und an den Lehrer, der 30 Arbeiten zu korrigieren hat und weiß, dass er den ganzen Kram nochmals lesen sollte, weil sich beim Korrigieren die Maßstäbe unmerklich verschieben.


    Am Ende bleibt dann für mich nur eine kommentierte Diskographie mit Hinweisen
    Sorry!


    Und sollte der Herr Berman, sehr lustig übrigens und schlau gemacht, nach Minuten bezahlt worden sein, es hat meines Erachtens keinerlei Einfluss auf die Rezeptionsgeschichte, dazu ist die von Zelenka angeführte Fülle von Aufnahmen viel zu groß und Berman für Schubert viel zu klein.


    Wichtig ist für mich mich die Konklusion, dass es keine beste Aufnahme jemals geben wird, sondern nur eine, wie wir Mathematiker sagen, Bestapproximation, die wiederum jeweils in der aktuellen Perspektive geschuldet ist.
    So erinnere ich mich an meine erste Begegnung mit diesem Werk in Neumünster mit Steven de Groote zum SH Festival. Beeindruckend.
    Ich habe ca. 10 weitere Einspielungen zuhause, doch dieses Erlebnis klingt immer noch nach.
    Leider ist De Groote tot und es gibt meines Wissens keine Aufnahme dieses Werkes von ihm.
    Und so geschieht es, dass ich, wenn ich ne CD dieses Werkes auflege, immer wieder zu der schlichten Aufnahme von Frau Haskil aus der Great Pianist of the Century Serie greife.
    Sie lässt mir meine Träume mit der Musik. Oder die Version von (4-Hands) geändert: 2 Hands natürlich mit Fleisher von 2004.
    Gruß S.

  • Lieber Christian ,



    Danke für Deine Deutung des Schlusses durch Lazar Berman .


    Die meisten Interpreten scheinen sowohl mit dem Übergang vomn 2. zum 3. Satz nichts rechtes anzufangen wissen wie auch besonders mit dem Schlussatz .


    Ich selbst hate ( 2004 - 2007 ) diesen Schluss so gedeutet , als ob jemand , eie höhere Kraft uns regelrecht hinunterzieht . Festgemacht habe ich dies voer allem an der Interpretation durch Sir Clifforfd ( Cuzon ) in Salzburg ( ORFEO ) .


    E gibt vom psychologischen Aspekt her , nicht einem gewollten Psychologisieren ! , eine Parallele in dem Schluss von Chopins b-Moll-Klaviersonate Opus 35 oder auch seinem h - Moll - Scherzo Opus 20 .


    Da Lazar Berman ja als Neuhaus - Schüler S. Richter auch persönlich gut kannte , ist es schon erstaunlich wie drei der Neuhaus - Schüler ( der dritte ist Radu Lupu ) dieses Werk so unterschiedlich auffassen .


    Dies beweist natürlich auch die grosse Kunst von heinrich Neuhaus , seine Schüler nicht in ein starres Konzept einer bestimmten "Schule" zu pressen .


    Neuhaus hat dazu Kluges in seinem Buch , das auf Deutsch vorleigt , geschrieben . Sehr lesenswert .


    Beste Grüsse ,


    Frank

  • Lieber holger ,


    lieber Christian ,



    es erscheint mir sehr sinnvoll , in einem g e m e i n s a m e n Breif an die Geschäftsleitungder Universal Group auf diesen doch ärgerlichen und dramtischen Misstand hinzwiesen !


    Sonst wir man niemals etwa erreichen ( falls man überhaupt eine Antwort bekomt ) .


    Diese Geschäftspoltik ist mit ein Grund dafür , dass soviel Kopien hergestellt werden ! Der fianzielle Verlust der DGG / universal dürfte erheblich sein .


    Der "Fall der Klassikindustrie" ( Norman Lebrecht , 2007 ) ist hausgemacht und hat gerade im Klassikbereich auch mit den enttäuschungen der vieljährigen , treuen Käufer der Produkte von grossen Labels zu tun .


    Beste Grüsse ,


    Frank

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Die meisten Interpreten scheinen sowohl mit dem Übergang vomn 2. zum 3. Satz nichts rechtes anzufangen wissen wie auch besonders mit dem Schlussatz .


    Ich selbst hate ( 2004 - 2007 ) diesen Schluss so gedeutet , als ob jemand , eie höhere Kraft uns regelrecht hinunterzieht . Festgemacht habe ich dies voer allem an der Interpretation durch Sir Clifforfd ( Cuzon ) in Salzburg ( ORFEO ) .


    Hallo Frank,


    ja das ist wohl die Krux dieser Sonate: die fröhliche Hemdsärmeligkeit vieler Interpreten im 3. und 4. Satz führt automatisch zu einem Zerfall. Die ersten beiden Sätze und die letzten beiden Sätze passen dann nicht mehr zusammen und wirken unhomogen. Vielleicht muss diese Sonate auch gar nicht homogen sein, vielleicht ist gerade dieses Auseinanderfallen das Signum eines eigentlich romantischen Fragments, das eben gerade noch vollendet wurde. Man kann da auch an Schubert 8. Symphonie denken, von der ja gesagt wird, dass sie eben gar nicht mehr zu vollenden gewesen sei. Insofern wäre dann D. 960 ein Kompromiss, den Schubert noch einmal eingegangen ist, in dem er sich doch noch zu einem Ende durchgerungen hat.


    Das ist nur eine These - der ich aber nicht folgen will. Denn es gibt schon ein paar wenige Aufnahmen, denen es gelingt, die Homogonität einer klassischen Sonate auch hier herzustellen. Meines Erachtens sind das aber nicht die Aufnahmen, die die ersten beide Sätze zügig nehmen, so dass der Bruch dann nicht so groß ist, sondern eher Aufnahmen, die die letzten beiden Sätze im Licht der vorhergehenden Ereignisse deuten, Berman gehört da m.E. dazu.


    Eine der schönsten Wiedergaben habe ich in einem Konzert von Anne Queffelec erlebt - sie spielte den letzten Satz wie eine sphärische Wanderung und plötzlich passte dann alles zusammen. Leider gibt es von ihr keine Aufnahme der Sonate.


    Danke für den Curzon-Hinweis, kenne die Aufnahme noch nicht.


    :hello:


    Herzliche Grüße,
    Christian

  • Lieber Thomas :




    Es ist sehr interessant , was Du schreibst ..


    Die Frage der Aufführungspraxis und der Aufführungsorte von Schubertsonaten hat "Zelenka" ja kurz betont . Franz Schubert selbst hat an einem Abend ja seine letzten drei Klaviersonaten in einem Freundeskreis selbst gespielt . Möglicherweise wurde daraus , fälschlicherweise ! , abgeleitet , dass dies eine Art "Hausmusik" sei . Das sehe ich nicht so .


    Du nimmst auf diese Problematik auch direkt Bezug ( Absatz : "Was an der Platte begeistert:....." ) . Die fast intime Deutung in der von Dir beschriebenen Interpretation , die ich leider nicht kenne , aber ich kann mir sehr gut vorstellen , welchen persönlichen Eindruck gewonnen hast .


    Bei den ganz unterschiedlichen Interpretationen , die "Zelenka" und ich gehört haben , gibt es alleine technisch bedingt sehr grosse Unterschiede , wie diese Interpretationen klingen .


    Glenn Gould hat dies Problem für seine eigene Konzertätigkeit in den USA in der Serie "Denkansösse" ( Reihe im Piper - Verlag ; 1998 ) dargestellt . Eben welch ein immenser Unterschied gerade auch für den Interpreten besteht , ob er etwa in einem Saal für Kammermusik dasselbe Werk spielt wie in einem umgebauten Saal , der früher einmal für Pferdeauktionen gedient hat ( Fassungsvermögen bis zu 20 000 Zuhörer ; das entspricht etwa der KölnArena oder dem New Yorker Madison Square Garden ) .


    Ich selbst denke , dass sich im Vergleich zu Franz Schuberts Klaviersonaten manche der Beethoven - Sonaten so leicht durchgesetzt haben , weil sie mit irreführenden "Titeln" dem Publikum so etwas wie ein ( nicht ) zugrunde liegendes Programm geradezu plakativ vorgeben . Besonders in den sog. Namenssonaten . Gerade noch habe ich eine Rezension über die Klaviersonate c - Moll , also der "Pathetique" -Sonate gelesen . Darin wird für eine Interpretation des Werkes eines 29jährigen alles Bedienen der Beethovenklischees überhaupt gefordert , um eine "richtige" (!) Interpretation zu spielen . Ziel einer Werkanalyse muss es auch sein , diese unrichtigen ( Wunsch- ? ) Vorstellungen zu beseitigen .


    Leider hat auch Alfred Brendel sich nie die Mühe gemacht , auch die frühen Schubertsonaten aufzunehmen . Das halte ich für mindestens grob fahrlässig .


    F a z i t : ich selbst halte die Schubert - Klaviersonaten für absolut geeignet , auch in Deinem Beispiel der "Kölner Philharmonie" gespielt zu werden .


    KEMPFF . Er war, was möglicherweise ein wenig hier aus "Zelenkas" Text herauskommt , sein ganz bevorzugter Pianist .


    Einzelheite hier darzustellen würde zu weit führen .


    Eines scheint mir aus der Fülle der von ihm besprochenen Aufnahmen ersichtlich zu werden . Dass wir doch dann am Ende eine langen Hörerlebens in den interpretationen eines Pianisten auch Teile unsere Persönlichkeit wiederfinden .


    ( Der beste Text über Wilhelm Kempff stammt übrigens von Alfred Brendel aus einem Booklet zu einer Kemppff - CD mit Werken von Robert Schumann bei 'BBC Legends' . Und Brendel war glühender bewunderer der kunst von Wilhelm Kempff gewesen . )



    DEINE ANREGUNG , Zelenkas Aufsatz zu ergänzen finde ich grossartig . Dadurch würde sein ursprünglicher Text nicht verändert , sondern es würden , dann etwa durch Beispiele , die Du hier kenntnisreich beschreibst , Fortsetzungen erfolgen , in denen der jeweilige neue , ergänzende Verfasser klar erkennbar wäre .


    CICCOLINi wie der von Dir erwähnte Max Martin STEIN wären sicherlich hervorragende Beispiele verschiedener Interpretationskulturen . Bei Aldo Ciccolini ( Du bist bekanntemassen ein profunder kenner seiner Kunst ) liegt das Problem auch darin , dass leider viele seiner Aufnahmen in Deutschland nicht ( mehr ) zugänglich sind . Ich wäre Dir daher sehr dankbar , wenn Du Dich entschliessen könntest , mehr zu gerade seiner Aufnahme aus 2008 ( montpellier ) etwas zu schreiben . Und Zu M M STEIN bitte auch !


    FRIEDRICH WÜHRER war, aus meiner Erinnerung heraus , auch in den grossen Musikbliotheken nur mit alten ( Tonband ? ) Schnipseln zu hören ( etwa in London ) . Zu meiner Gymnasialzeit mit etwa 15 , 16 Jahren war Wührer einer der bedeutenden Beethoven- oder Brahms-Interpreten gewesen . Er scheint dann leider in der Plattenindustrie nicht mehr die nötigen Lobbyisten gehabt zu haben , um zu erreichen , dass seine Kunst weiterhin zu erreichen ist .


    Du erwähnst im Zusammenhang mit M M Stein das interessante Phänomen , dass hier jemand sich nichts zu beweisen braucht und auch nicht einem starsüchtigen Publikum . Stein brauchte wahrscheinlich nie eine ganz bestimmte Erwartungshaltung eines bestimmten Publikums zu erfüllen .


    Es gibt von Alexis Weissenberg eine Analyse der Pianisten , die direkt auf das Publikum zugehen und eben andeer Interpreten , die das Publikum zu sich förmlich aufs Podium zu ziehen scheinen . Er hatte dies an seinen Kollegen Arthur Rubinstein und Vladimir Horowitz dargestellt .


    Kempff , den ich selbst Anfang der 1970er jahre noch in Soloabenden erleben konnte , hinterliess rein pianistisch einen nachhaltigen Eindruck , aber auch eine nie gekünstelte Distanz .


    Beste Grüsse ,



    Frank

  • Lieber S. ,



    Du reflektierst diesen Text von "Zelenka" berechtigt kritisch hinterfragend mit dann doch einem konstruktiven Ergebnis der
    "Bestapproximation" .


    Ich bin nun nicht "Zelenka" und daher kann ich auf Deine Einzelpunkte nicht angemessen antworten .


    Die Probelem , die er mit einigen Interpretationen wie Interpreten grundsätzlich hatte , hat er in der Endfassung des textes zusammenfassend dargestellt .


    Bei S. Richter hat er seine grundsätzlichen Bedenken klar formuliert .
    Und es wäre sicherlich einen eigenen Artikel wert gewesen , sich nur mit den verschiedenen vorliegenden AUfnahmen Richters näher zu befassen . Den n , so meine ich , man kann auch i n den Wiedergaen durch S. Richter Unterschiede heraushören . Auch Pianisten haben Tagesstimmungen . Und von Richter wissen wir , dass er manche frühen Interpretatione später zumindest in ihrer Aussagegültigkeit relativiert hat .


    Ich denke , das es Zelenkas ergebnisoffenes Ziel und Streben war , sich dieser Sonate am Ende aus ihr selbst heraus zu nähern in seinen Aussagen .


    Damit ist schon viel gewonnen .


    Manfred Voss hat nie , dies lag ihm auch völlig fern , einen Anspruch auch nur angedeutet , das seine Gewichtungen unveränderbar seien .


    Zu seiner von ihm selbst im Sommer 2007 angekündigten Überarbeitung dieses Artikel ist es leider nicht gekommen .


    Deine Stellungnahme hier halte ich für sehr nachdenkenswert , weil Du mehrere Kernprobleme ansprichst .


    Beste Grüsse



    Frank

  • Lieber Christian :



    an die "Unvollendete" von Franz Schubert habe ich auch zeitweise denken müssen . Aber Schubert hat sich in der Klaviersonate genau so entschieden , das die Sätze 3 und 4 Bestandteil der Komposition sind und auch so gespielt werden müssen .


    Ich selbst habe bezüglich der Tempi genau auf das hingewiesen , was Du besonders herausstreichst : Die Wahl der tempi in der grossen Architektur .
    Mir sagen daher etwa die Interpretationen durch Rafael Orozco ( Auvidis Valöous ; also seine späte Einspielung ) oder Zhu Xiao-Mei deswegen beonsder szu , weil sie die Sonate als Ganzes verstandne haben ; bei ihnen gibt es kein Abbrechen nach dem zwieten Satz .


    Bei der wundervoll spielenden Anna Malikova ( sie habe ich wahrschienlich am häufigsten neben Clifford Curzon gehört ) ist ebenfalls eine grosse innere Dichte und Darstellung des Sonatenzusmamenhanges hörbar , auch wenn sie die Wiederholungen , wie Curzon , nicht spielt .


    Als RADU LUPU seinen Londoner Schubert - Zyklus Anfang der 1970er Jahre gespielt hat , gab es sicherlich auch einen Mitschnitt der letzten Schubert - Klaviersonate . Er ist aber leider nicht mehr erhältlich .


    Die späte Aufnahme durch Lpu ist eine der pinaistisch feinsinnigsten Interpreattionen , die ich kenne . Man mag anmerken , dass sie nicht die "Tiefgründigkeit" , die inner Trauer , die eine Clara Haskil so erschütternd darzustellen vermochte , hörbar macht . Aber auch bei Clara Haskils Interpretationen der Sonbate stürzen sich alle mir bekannten Rezensenten auf die Sätze ein und zwei . Schubert hat danach nichts "hinzugefügt" , um einem Sonatenanspruch zu genügen , sondern diese Sätze sin d für mich Teil eines in sich geschlossenen Ganzen .


    Daher möglicherweise auf Deine Bewunderung der Interpretation ,die leider nicht zu kaufen zu sein scheint .


    Bedauert und nachgefragt wurde immer , warum Emil GILELS nicht mehr Schubert gespielt hatte ( dies zumal nach seiner Salzburger Interpretation von D 784 ; ORFEO ; lLivemitschnitt ) ? Niemand weiss dies . Vielleicht hat er sehr viel mehr Schubert gspielt als uns bekannt geworden ist . Auch Emil Gilels stand ja zeitlebens unter strenger Kontrolle des Regimes der UdSSR .


    Herzliche Grüsse ,


    Frank

  • Lieber Holger ,



    jeder hat seine wie auch immer begründete bevorzugten Interpreten .


    SVJATOSLAV RICHTERs Schubert ist eine vieljäjrige Auseinandersetzunmg mit den wichtigsten Sonaten Schuberts .
    Aufgrund meiner Hörerfahrungen auch anderer Komposition hat Richter doch einen ganz eigenen Zugang zu Schubert ; und er schreibt oder sprach nicht nur darüber ( etwa wie Gottlieb Wallisch , NAXOS ) , sondern er setzt dies auch in seinen Interpretationen um .



    MAURIZIO POLLINIs Interpretationen halte ich für technisch - manuell perfekt . Es fehlt ihnen dann für mich doch das unter der Oberflächliche Hineinblicken in die Tifen der Seele Franz Schuberts .
    Mir sind diese Interpretationen, ähnlich wie seine Aufnahmen der späten Klaviersonmaten Beethovens , wahrscheinlich auch zu früh in seiner langen Karriere gekommen .



    CLARA HASKIL hat wahrscheinlich drei Aufnahmen hinterlassen , wobei die beiden von "Zelenka" genannten sich sehr ähnlich sind .
    Matthias Kornemann ( RONDO , Heft 03 / 199 ) spricht hier von einem "zarten heroismus" in dieser Interpetation . Hier ist mit grosser Konseqeunez das tradierte liebliche Schubertbild beiseite gespielt worden . Clara Haskil vermag es auch , nach meiner Sicht auf diese Sonate , die beiden letzten Sätze lückenlos an die gewichtigen ersten beiden anzufügen . Hier wird die grosse Gesamtarchitektur hörbar . Bei Haskil läme wohl niemand auf den Gedanken , die Sonate könnte schon nach dem zweiten Satz aufhören . Das straffe Spiel von Clara Haskil finde ich interpretatorisch überzeugender als das von Artur Schnabel oder Edurd Erdmann .



    VLADIMIR HOROWITZ' Interpretation ist für mich wie aus dem Chemielabor zusammengesetzt : auf einer aussichtlosen Suche nach der richtigen "Interpretationsformel" .



    HÖCHST INTERESSANT ist für mich die Frage geblieben , die E. Büning in der "FAZ" ( 2008 ) aufgegriffen , aber leider nicht zu Ende gedacht hat : Wie spielen Pianisten Schubert , die vielleicht nur eine Sonate ( offiziell ) aufgenommen haben ? Ich denke hier besonders an Arturo Bendetti MICHELANGELI ( Zusammenstellung von D 537 mit den Brahms - Balladen ; DGG /Ubiversal ) .


    Dies möchte ich unbedingt hier zur Diskussion stellen .


    Über Antworten würed e ich mich freuen .



    Beste Grüsse ,



    Frank

  • Lieber Frank,


    nach den sehr gelungenen Einspielungen sämtlicher Beethoven-Sonaten bei Hänssler soll Gerhard Oppitz im Reitstadel in Neumarkt das gesamte Klavierwerk von Franz Schubert aufnehmen. Weißt Du oder einer der anderen Tamino-Klavierexperten etwas über den Stand dieses Projekts?
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Hallo Frank,


    das mit Horowitz und dem Chemielabor ist wirklich gut! Mein ehemaliger Klavierlehrer und Freund F.-J. würde sagen: da geht einer mit der Wünschelrute durch die Partitur. Trotzdem bereitet Horowitz unnachahmlich facettenreiches Spiel besonders in der späten Aufnahme dann doch ein wirkliches Hörvergnügen - trotz des fehlenden Sinnes für großformale Architekturen!


    Pollinis Sternstunde ist für mich seine frühe Aufnahme der großen a-moll Sonate und der Wanderer-Fantasie. Eine ideale und zeitlos gültige Aufnahme, die Joachim Kaiser finde ich zu Recht sehr bewundert. Für mich absolut unerreicht! Die spätere Aufnahme der Sonaten D 958-960 kommt da vielleicht nicht ganz heran. Ich habe die D 960 schon lange nicht mehr gehört, aber in Erinnerung, daß er den 1. Satz sehr melodisch-organisch spielt. Dadurch bekommt der 2. Gewicht, wird vom 1. eben nicht erdrückt, indem er ihn sehr expressiv gestaltet - deutlich expressiver jedenfalls als Kempff.


    Es stimmt natürlich, daß der Kopfsatz bei Richter überdominant wird. Aber das kann man vertreten, denn die letzten Sätze sind wohl als Aufhellungen der beiden ersten gedacht, das Finale steht in der klassischen Tradition eines "lieto fine", eines erleichternden Kehraus-Finales, bei dem allerdings Heiterkeit nicht so recht aufkommen will, eher ein überdrüssiges "Ich muß immer so in der Welt weiter laufen".


    Klar, daß die Haskil nicht plakativ aufträgt, aber ihre Hintersinnigkeit wirkt um so eindringlicher!


    Bei Brendels Schubert - besonders der den frühen Aufnahmen - fällt auf, daß er betont gegen das Klischee des holden Liedsängers Schubert angeht, oft sehr forsch zupackend gestaltet. Diesbezüglich muß ich mir seine B-Dur-Sonate noch einmal anhören - es könnte also Methode dahinter stecken! Manchmal fehlt ihm so etwas wie einfaches, natürlich-fließendes Melos. Sehr merkwürdig - auch der langsame Satz der "Pathetique" ist ja sehr spröde und wenig gesanglich!


    ABMs unglaublich tiefsinnige Aufnahme der D 537 finde ich singulär, gerade weil er keinen vermeintlich einheitlichen "Schubert-Stil" kultiviert. Das ist eine frühe Sonate, und nur bei ABM merkt man, wie schwer es Schubert hatte, einen eigenen Stil erst einmal zu finden, sich vom großen übermächtigen Vorbild - Übervater Beethoven - endgültig zu lösen. Die meisten Interpreten nivellieren die von Schubert in dieser Soante auch so notierten sehr unromantisch >klassischen< Kontraste, nur ABM meißelt sie mit aller Schärfe heraus! Und seine Anschlagsakribie im langamen Satz ist dermaßen ausgekocht, daß selbst ein Alfred Brendel dagegen grobschlächtig wirkt.


    Beste Grüße
    Holger

  • Lieber Operus ,



    die Leute bei Hänssler ins eigentlich immer sehr kooperativ .


    Wenn es tatsächlich ein solches fast gigantisches Projekt geben sollte , dann müsste man dies bei HÄNNSSLER direkt erfragen .


    Von Gerhard Oppitz wäre dies das dritte immense projet .


    Es ist sehr schade , dass Gerhard Oppitz , ein stilller Könner , so vernachlässigt wird .



    Herzlichst ,


    Frank

  • Der Reichtum an Informationen ist überwältigend! Einerseits wirkt das deprimierend - wann wird man das alles nachholen können... Andererseits ist das auch ermunternd: es gibt noch so viel schönes, was man vielleicht einmal erleben wird...
    __________________________


    Ich hätte nur zwei Fragen. Vielleicht hat jemand etwas da hinzuzufügen.


    Mir gefällt die Sonate in der Interpretation von Andras Schiff auch sehr gut. Wird das auch von anderen (wie von "Zelenka") für etwas langweilig gehalten? (Zwar ist von den leider nur drei Varianten, die ich (stolz!) besitze, mein "Liebling" auch nicht die Aufnahme mit Schiff, sondern die mit Radu Lupu. Er spielt für mich "geheimnisvoller" - schlimm, dass man als Laie immer nur nach Metaphern greifen muss/kann... )


    Die zweite Frage bezieht sich auf das "Wienerische" bei Schubert. Der Hinweis darauf, dass es hier um die Wiener Klassik (und nicht etwa um das "Gemütliche" usw. ...) gehen könnte, war für mich wichtig. Denn "Wienerisch" im Sinne, wie es mir von meinem ungarischen Geschichtsbewusstsein eingegeben wird (vielleicht ganz falsch...!) hat für mich nichts mit Schubert zu tun.


    An Frank:
    Vielen Dank für den Hinweis auf Anna Malikova - inzwischen ist es mir gelungen, eine CD mit ihr zu hören, hat mir sehr gut gefallen, eine Entdeckung, dank TAMINO und Frank. :jubel:


    Gruss
    Piroska

  • Liebe Piroska :



    Danke für Deine Hinweise wie Deine fragende Anmerkung /( "wienerisch" ) .


    Dazu folgendes :



    (1) . Unter der Bezeichnung , Schubert sei der "wienerischste" aller Komponisten gewesen hat Frau M. Uchida Schubert etwa im Vergleich zu Haydn , Beethoven , Mozart usw. gemeint . Dieser Formulierung hat nichts mit "gemütlich" in dem Dir bekannten Sinn zu tun .



    (2). Andras Schiff .


    Als "Zelenka" seinen Artikel schrieb , gab es meines Wissens keine einzige Aufnahme hier auf dem Markt .


    Und auch keine etwa in der "Bristish Library" ( Abteilung Musik , London ) war kein Tondokument von Schiff erreichbar .


    es wäre sehr schön und auch hilfreich , wen Du uns mitteilen könntest , wo mindestens eine der Aufnahmen von A. Schiff erschienen ist ( Bestell-Nummer ; Plattenfirma ) .


    Dafür im voraus ganz herzlichen Dank !


    Beste Grüsse Dir ,



    Frank

  • Lieber Holger :



    Deine Ausführungen über Richters Interpretation(en) teile ich .


    Und persönlich kann ich mit gutem Gewissen sagen : Gäb es keine andere Aufnahme , so könnte ich mit den Richter - Interpretationen alleine besser leben als mit fast allen anderen Einspilungen zusammen .


    ( Herausnehmen würde ich Lupu , London ca. 1971 ud 1991 , Richard Goode , CD und 2009 in der londoner "Wigmore Hall" , Zhu Xiao - Mei , Rafael Orozco - beide Einspielungen - Anna Malikova - auch wenn sie die Wiederholungen leider nicht spielkt - und aus grundsätzlichen Überlegungen Clifford Curzon - vor allem die Salzburger Aufnahme - und die durch Clara Haskil .



    Michelanglis Spiel ist einfach etmebraubend beeindruckend !



    Beste Grüsse ,



    Frank

  • Zitat

    [i]...
    (2). Andras Schiff .


    Als "Zelenka" seinen Artikel schrieb , gab es meines Wissens keine einzige Aufnahme hier auf dem Markt .


    Und auch keine etwa in der "Bristish Library" ( Abteilung Musik , London ) war kein Tondokument von Schiff erreichbar .
    ....


    Andras Schiff hat D.958-D.960 Anfang der 90er eingespielt.




    :hello:

  • Lieber Theophilus :




    herzlichen Dank für diesen Hinweis .


    Dem Aufdruck auf der CD entnahme ich , dass diese beiden CDs wohl für den anglo - amerikanischen Markt herausgegeben hat .


    Kennst Du diese Interpretationen ?


    Beste Grüsse ,



    Frank

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    ..
    Dem Aufdruck auf der CD entnahme ich , dass diese beiden CDs wohl für den anglo - amerikanischen Markt herausgegeben hat .


    Kennst Du diese Interpretationen ?
    ...


    Schiffs Schubert-Aufnahmen waren sehr wohl bei uns erhältlich. Hat er doch alle Sonaten auf 7 CDs eingespielt. D.960 kenne ich von ihm nicht, andere Schubert-Aufnahmen waren nicht so mein Ding. Allerdings hat er mit seiner Frau eine wirklich sehr schöne Phantasie D.954 aufgenommen. Diese Platte ist höchst empfehlenswert.


  • Lieber Frank,


    es geht um die CD-, die hier von Theophilus auch schon abgebildet wurde. Die Angaben sind die folgenden:


    Schubert: Piano Sonatas D9.58, D.960, D.959, Impromptus D.899


    Label Decca
    All Time Sales Rank 64991
    CD Universe Part number 6649296
    Catalog number 475184
    Discs 1
    Release Date Sep 02, 2008
    Mono/Stereo Stereo


    im Youtube gibt es eine Aufnahme der Sonate mit Maria Yudina - tatsächlich sehr kurios! (Natürlich wirken auch die Aufnahmequalität plus die YouTube-Geräusche auch recht verfremdend). Aber wenn jemand neugierig ist, ist das wohl auch eine Möglichkeit...


    Grüsse :hello:
    Piroska

  • Liebe piroska ,


    lieber Theophilus !



    Zu Euren freundlichen Hinweisen folgendes :


    (1) Andras Schiff :


    Ich habe keine Stelle gefunden , in der "Zelenka" oder ich über eine oder gar die GA durch Andra Schiff miteinander korrespondiert haben.


    Der Preis für die GA ( Heute ; etwa bei amazon.de ) ist ..... ) .


    Es gab auch in den Fachzeitschriftemn, die "Zelenka" zitiert hat und soweit ich diese auch kenne , keinen einzigen Hinweis auf Schiffs Schubert .


    Die letzte drei Klaviersonaten werde ich mir dennoch besorgen .




    (2) Marua Yudina .


    Über sie ist hier im TAMINO-KLAAIKFORUM.at schon mehrfach gerschrieben worden .


    Ihre Interpretationen sehr unterschiedlicher Werke sind selten sofort "eingängig" .


    Dadurch unterscheidet sie sich von ihren grossen russischen Kolleginnen Maria Grinberg , Nadia Reisenberg oder Nina Milkina .


    Und bis zum Erscheinen der beiden CDs in der Edition "Great Pianist of the Century" dürfte kaum jemand Aufnahmen von ihr präsent gehabt haben . Für diese Edition war sie eine wirkliche Bereicherung als "Great Pianist " . Meiner Meinung nach über das 20. Jahrhundert hinaus .


    Übrigens wie die erwähnten N. Reisenberg , N. Milkina oder M. Grinberg .


    Es lohnt sich schon , abseits vom Jubel in den Zeitschriften der grossen Labels nachzusehen und vor allem nachzuhören .


    Ich könnte mir vorstellen , dass , liebe Piroska , dass es in Ungarn unter Umständen noch mehr Aufnahmen gerade von Milkina oder Reisenberg gibt .


    Beste Grüsse ,



    Frank

  • Schiff und die großen Pianistinnen Yudina, Reisenberg, Milkina, Grinberg

    Lieber Frank,
    Schiff spielt soweit ich es beurteilen kann wirklich etwas zurückhaltend-träumerisch, jedoch nicht ohne Spannung. Deswegen meine Fragerei, in bezug auf den folgenden Satz von "Zelenka" (Zitat aus dem Artikel unter der Kopfzeile "Die 90er):


    "Schiff (1993 ) zeichnet auf seinem Bösendorfer leider zu weich und ist einfach zu zurückhaltend, um nicht zu sagen, langweilig."

    Seine Schubert-Aufnahmen sind auf jeden Fall zu empfehlen.


    Die großen Pianistinnen muss ich mir noch entdecken. Leider kann man die Produkte der sowjetischen Plattenfirme "Melodia" nicht mehr so ohne Weiteres wiederfinden... Auch war jene Produktion etwas "zufällig" zusammengestellt... Über Yudina gibt es auch einen interessanten Konversationsfaden, den habe ich gerade entdeckt.


    :hello:

  • Liebe Piroska ,




    einen sehr interessanten Aspekt lese ich in Deinem letzten Beitrag hier :


    Spielen Interpretinnen Franz Schubert , allgemein und die letzten drei Klaviersonaten im Besonderen , anders als ihre männlichen Kollegen ?


    "Zelenka" hat ja wohl alle damals ihm zur Verfügung stehenden Aufnahmen hier aufgelistet .


    Nach meiner hier im Forum auch früher mitgeteilten Meinung sind auf jeden folgende Pianistinnen aus den doch vielen Interpreten ( allgemein ) herausragend :


    > Anna Malikova


    > Zhu Xiao - Mei u n d


    > Clara Haskil .



    Alle drei Aufnahmen möchte ich selbst n i c h t missen !


    Dir beste Grüsse und einen schönen Sonntag



    Frank

  • Liebe Schubert - wie Richter - Bewunderer !



    Zelenka jhat darauf hingewiesen , dass S Richter bei der interpretation von D 960 seine eigenen Weg geganbgen ist , der deutlich von allen übrigen ihm ( und mir ) bekannten Interpretationen abweicht .


    Im Mittelpunkt der Analyse steht das ( extrem ) breite Tempo des ersten Satzes bzw. die Verscheibung dadurch der Architektur der ganzen Klaviersonate .



    In der Klaviersonate a - Moll D 958 scheint mir dies im direkten Vergleich etwa zu den herausragenden Interpretationen durch Radu Lupu , John Ogdon oder Richard Goode genauso zu sein . Erwähnt werden müssen Artur Schnabel wie auch Eduard Erdmann.



    Wer den - nach aussen hin - so melodischen Zugang durch Anna Malikova ( dieselbe CD wie die ihrer vorzügliche Deutung von D 960 )
    als Masstab nimmt , der findet etwa bei Richters Konzertmitschnitt vom 01. Februar 1979 in Tokyo ( Label : Olympia ) dieselbe durchgängige Schwermütigkeit ( etwa gegenüber Solomon - "Testament" - oder der Deutung durch Radu Lupu - "DECCA" oder im Konzert - .


    Bei Richter bleibt , wie mindestens in dem ersten Satz von D 960 , diese Seite der Persönlichkeit von Franz Schubert als Lebenskonstante erhalten .


    Richter hatte also nicht nur einen singulären Blick auf Schuberts letzte Klaviersonate , sondern auch , und vor allem auf alle anderen von ihm uns bekannten eingespielten Klaviersonaten einen ganz persönlichen Blick . Es mag vielleicht zu spekultaiv klingen , aber ich persönlich bin zutiefst überzeugt , dass Richter in Schuberts einzigartigen Kompositionen eine Teil seiner eigenen Persönlichkeit für sich entdeckt hat und uns diesen inneren Blick durch seine Interpretationen hat mitteilen wollen .


    Beste Grüsse ,




    Frank

  • Zitat

    "Schiff (1993 ) zeichnet auf seinem Bösendorfer leider zu weich und ist einfach zu zurückhaltend, um nicht zu sagen, langweilig."


    In der Tat ist das oft auch mein Eindruck bei Aufnahmen von Schiff.
    Jedoch bin ich der festen Überzeugung, daß dies auch der Aufnahmetechnik anzulasten ist.
    Flügel klingen auf Konserve oft weicher als im Original, was den Gesamteindruck doch sehr verändert.
    Manches, das in der Natur besonders zart und nuanciert ist, wird durch die Aufnahmetechnik - trotz aller angeblichen Naturnähe - dennoch verfremdet.
    Eigenartigerweise gibt es nur wenige Aufnahmen wo das Wunderbare eines Bösendorfer zum Tragen kommt, beispielsweise fast bei allen Aufnahmen mit Paul Badura Skoda.


    mfg aus Wien
    Alfred