Unentdeckte Schätze der Barockmusik

  • Die meisten denken, wenn sie das Wort "Barock" hören automatisch an Bach und Händel - aber Bach und Händel waren zwar bedeutende Vertreter dieser Richtung, indes jedoch auch recht späte, Der Zeitraum beginnt weit früher und hat zahlreiche Komponisten - darunter etliche wenig bekannte - hervorgebracht.
    Ziel dieses Threads ist, daß Taminos auf "unentdeckte Schätze" oder - weniger theatralisch gesprochen - auf weniger bekannte Barockkomponisten und ihre Werke - mit Aufnahme als Empfehlung -- hinzuweisen.


    Damit es nicht eine wahllos getroffen Aufzählung von unbekannter Barockmusik wird, sollten 2 Spielregeln eingehalten werden:


    1) MAXIMAL 3 Werke


    2) nur Musik, die einem persönlich wirklich gefällt


    Das Wort "unentdeckt" muß indes nicht unbedingt wörtlich genommen werden, es genügt, wenn ein "weniger bekanntes" hier vorgestellt wird...


    Erläuternde Kommentare sind erwünscht - aber keine Bedingung


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Guten Tag


    1.)


    Johann Heinrich Schmelzer (1620 - 1680 )


    " Violinsonaten "


    Mit Helene Schmitt (Violine),J an Krigovsky (Cello), Stephan Rath (Theorbe) u.Jörg-Andreas Bötticher (Claviorganum).






    2.)


    Juan Bautista Cabanilles (1644 - 1712 )


    " Orgelwerke - Tientos, Pasacalles, Gallardas "


    Mit Leon Berben ( Orgel )






    3.)


    Giovanni Valentini ( 1582 - 1649 )


    " In bel giardino - konzertante Madrigale "


    Mit dem Orlando di Lasso Ensemble und
    dem Freiburger BarockConsort


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • o.k.


    dann mal eine Auswahl an absolut erstklassiger Musik. Zumindest gehörten die Komponisten im 17. Jahrhundert zu den beliebtesten und erfolgreichsten - schade, dass es nur wenig Heute davon zu hören gibt:



    No. I



    Pietro Antonio Cesti: Pasticcio
    Concerto Vocale - René Jacobs



    Eine Pasticcio mit Arien und Opernszenen von cesti aus seinen wichtigsten Werken, wie "il pomo d'oro" "L'Agia" "Il Tito" "L'Orontea" u.a.


    Auch mit aufgenommen, die Erläuterungen von Rene Jacobs beim Konzert. Außerdem gibts ein dickes Booklett dazu.


    No. II




    200 Jahre Musik in Versailles

    Es sind zwar 20 einzelne CD's - aber es geht grad nicht anders :pfeif:



    Meisterwerke von Boessett über Lully, Delalande, Campra und Rameau bis hin zu Piccinni, Gossec und Gretry.
    Besser kann man die frz. Musik des 17. und 18. Jahrhunderts kaum kennen lernen.


    Und No. III




    Johann Heinrich Schmelzer - La Margarita
    Armonico Tributo Austria - Lorenz Duftschmid



    die beste Schmelzer Cd die ich kenne.
    Allerding geht es hier allein um große besetzte Prunk-Werke, wie das pompöse Balletto a Cavallo und festliche Sonaten.
    Auch sehr schön die ganzen Balletti - eine faszinierende Cd mit keyserlicher Musick :yes:


    !!! die CD ist nur bei dem Ensemble zur Zeit erhältlich, die haben aber auch einen Online Shop wo man noch andere feine Sachen bekommt :D


    http://www.armonicotributo.com/

  • Meine drei unbekannteren Schätze, die zu meiner 'Wochenration' an Ohrennahrung gehören:



    Eine CD die ich musikalisch und interpretatorisch sehr schätze, IMO toll aufgenommen, toll gespielt - und die Edition vorbildlich. Julius Berger spielt auf dem Amati Cello Carlo IX von 1566, dem ältesten erhaltenen und auch spielbaren Cello. Er erklärt seine Instrumentensuche für beendet. (Wie original das Cello ist sei eine andere Frage, da ja im modernen Konzertsaal gespielt wird.) Die Musik sind die ältesten bekannten Solo Ricercar für Cello. Ich finde diese Stücke sehr schön interpretiert, der wunderbare, leicht süße Ton herrlich eingefangen und man spürt bei jeder Note die 'Liebesbeziehung' des Spielers mit seinem Instrument. Die Cello-solo-Literatur vor Bach.



    Da ich Laute und Gambe sehr mag, ist diese ungewöhnliche programmatische Zusammenstellung, mit mir teilweise vorher nicht bekannten Stücken mehr als empfehlenswert. Sehr abwechslungsreich, von den allseits bekannten Interpreten Ghielmi/Pianca großartig gespielt und filterlos in der üblichen - hier sehr feinen und präsenten - Winter&Winter-Qualität aufgenommen.



    Mein derzeitiges barockes Gesamtkunstwerk Nr. 1 stellt dieses Oratorium von Benedetto Marcello dar - JOAZ. Es wurde grandios vom ORF live an den Barocktagen in Stift Melk 2007 mitgeschnitten und als SACD (hybrid) veröffentlicht. So direkt, so lebendig, auf einem solchen Niveau habe ich sehr selten Barockmusik gehört.
    Die Handlung entstammt dem zweiten Buch der Könige, das Libretto wurde von Apostolo Zeno verfasst und ist stark von Racines Tragödie Athalia beeinflußt. Es ist ein sehr einheitliches und schlüssiges Libretto, darauf achtete das Verfasser Team, die Spezialisten nennen es geradezu mustergültig in der Disposition von Zeit-Raum-Handlungs-Einheit, im weiterdrängenden und dramatischen Fluss sowie vielen anderen Faktoren.
    Die von Marcello (der ziemlich hoher Politiker als Jurist war) angestrebte Opernreform (der Vorläufer, auf den sich dann später Calzabigi und Gluck beziehen) bringt viele Ansätze auch in seinem Oratorium zum Ausdruck.


    Sehr, sehr hörenswert, um nicht zu sagen für jeden Barockliebhaber und auch Audiophilen ein Muss!


    BECK ohne MESSER
    "Jeder Mensch ist eine Melodie. Lieben heißt: sie innehaben." (Franz Werfel)

  • Den Anfang macht der Maestro de la Capilla del Rey de Espana - Francisco Corselli. Die Arias und Lamentaciones werden hier ganz wundervoll von Nuria Rial interpretiert.



    Die Nummer 2 ist ein eine Cantata von Leornardo Leo - "Le nozze di Iole ed Ercole" - eine grossartige Aufnahme mit der Neuen Hofkapelle München unter Christoph Hammer.




    Zum Abschluss Ayrs for the violin von Nicola Matteis, grossartig interpretiert von Helene Schmitt:


  • Veracini ist ja eigentlich kein Unbekannter - oder doch ?
    Hand aufs Herz - wervon den "Nicht-Barockern" hat etwas von dem im Archiv ?
    Zu Lebzeiten war Veracini einer der bekanntesten Virtuosen seiner Zeit. Er spielte derart beeindruckend daß Tartini nachdem er ihn gehört hatte, seine Karierre unterbrach um sein eigenes Violinspiel zu verbessern.


    Hier eine Aufnahme der Violinsonaten op 1. zum Kennenlernpreis
    (2 CDs zu 7.99 Euro - aufgenommen 2008 für Brilliant Classics )


    Der Solist dieser Aufnahme ist Enrico Casazza, begleitet von La Magnifica Comunitá



    mfg aus Wien


    Alfred

  • Ich verstehe den Thread jetzt einfach mal so, den Klassikhörern, für die Klassik vielleicht erst mit der Wiener Klassik beginnt, auch andere Barock-Komponisten nahezubringen, als Bach, Vivaldi oder Telemann. Den Barock und Alte Musik Hörern, werden daher meine Vorschläge nicht unbekannt sein; sie bitte ich um Nachsicht. :untertauch:


    Ich werde ja nicht müde, auf einen leider oft vergessenen Zeitgenossen von J.S. Bach hinzuweisen, auf den großartigen Lautenisten und Komponisten Silvius Leopod Weiss (1687 - 1750).


    Zu seiner Zeit einer der am besten bezahlten Musiker. Meine Empfehlung wären die Lautenstücke eingespielt von Robert Barto für Naxos:



    Es gibt noch viele andere Einspielungen, etwa von Michel Cardin (die ist aber in Deutschland leider nur schwer zu bekommen) aber Barto spielt schon sehr gut und um einen ersten Eindruck zu bekommen, ist diese Aufnahme durchaus geeigent.


    Gehört Giovanni Battista Pergolesi (1710 - 1736) zu den wieder zu entdeckenden Barock-Meistern ? Ich denke ja ! Ich habe eine Aufnahme seines Stabat Mater mit dem Countertenor Jochen Kowalski.



    Kowalskis Stimme ist schon herausragend gut und passt imo bestens zu dieser Musik.


    Und zum Schluss noch einen Italiener: Arcangelo Corelli (1653 - 1713). Ich finde, seine Concerti grossi gehören zu den schönsten Werken dieser Art.



    VG, Bernd

  • Ich nenne mal drei Komponisten, die hier nicht vorkommen und doch sehr bedeutend waren, z.T. von Bach geschätzt wurden. Ihre Werke sind meist Ouvertüren (also Sinfonien im heutigen Sinn). Sie sind meist nicht schlechter als die Ouvertüren Bachs und Telemanns.
    1. Johann Josef Fux
    2. Johann David Heinichen
    3. Johann Friedrich Fasch
    (Alles Johanns. Ich hoffe, ich hab mich da nicht vertan).
    Nachtrag: Im Radio hörte ich eine Ouvertüre von Christoph Nichelmann, der ein direkter Schüler von Bach war. Eine tolle Musik, die Telemann nicht hätte besser machen können.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Wie peinlich - einen weiteren Johann habe ich doch vergessen:
    Johann Caspar Ferdinand Fischer.
    Und wer hat alle diese Schätze immer ausgegraben? Der WDR.
    Und wer hat sie gespielt? Die legendäre Capella Coloniensis!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Zitat

    Original von dr.pingel
    Ich nenne mal drei Komponisten, die hier nicht vorkommen und doch sehr bedeutend waren, z.T. von Bach geschätzt wurden. Ihre Werke sind meist Ouvertüren (also Sinfonien im heutigen Sinn). Sie sind meist nicht schlechter als die Ouvertüren Bachs und Telemanns.
    1. Johann Josef Fux[...]


    Fux würde ich eher vor allem als Verfasser geistlicher Musik ansprechen. Siehe auch hier:
    Fux

  • Meine persönliche "Entdeckung" und mein Best Buy 2010 ist -


    BIBER - Rosenkranzsonaten
    in der Einspielung von Gunnar Letzbor


    Ich muss sagen, dass ich diese zur Zeit schon lieber als die BWV 1001-1006 höre....


    Ich denke, dass Heinrich Ignaz Franz BIBER sicherlich einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden sollte..


  • Allerdings kann man mit den Rosenkranzsonaten in den letzten Jahren die Straßen pflastern... ;)
    "unentdeckt" sind die schon lange nicht mehr, aber inzwischen scheinen sie nach den Werken von Bach die mit Abstand populärsten Kammermusikwerke des Barock zu sein. Es gibt mehr Einspielungen als von Violin- oder Trio-Sonaten Corellis oder Händels, zu schweigen von weniger bekannten Komponisten oder von den anderen Kammermusikwerken Bibers.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Fux würde ich eher vor allem als Verfasser geistlicher Musik ansprechen. Siehe auch hier:
    Fux


    Danke, Kurzstueckmeister, für diesen Hinweis. Ich sehe, dass da bei Fux noch viel mehr zu entdecken ist, als ich bisher geschafft habe.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Ich bin kürzlich über folgende Empfehlung gestolpert:
    Es handelt sich um eine CD mit Musik von einem Komponisten, von dem ich vorher noch nie (bewusst) was gehört hatte:
    Frantisek Ignác Antonín Tuma (1704-1774).
    Die CD SONATE, PARTITE e SINFONIE



    ist meiner Meinung nach ein Hit.
    Die Musik ist extrem abwechslungsreich. Eine musikalische Idee jagt die andere und Concerto italiano spielt teilweise sehr einfühlsam und dann wieder sehr temperamentvoll.

  • Ich möchte hier Pietro Locatelli (1695-1764) nennen, der aus der Provinz Bergamo nach Rom reiste, um bei Arcangelo Corelli Unterricht zu nehmen.


    Von Locatelli ist nicht viel bekannt, außer sein Geburtsdatum, 3.09.1695, und daß er ein hervorragender Geigenvirtuose war. 1714, belegen Briefe, hielt er sich noch in Rom auf, von 1717 bis 1723 nahm er gelegentliche Verpflichtungen an der Basilika von San Lorenzo in Damaso an.


    1725 berief ihn Prinz Philipp von Hessen-Darmstadt in seine Hofkapelle in Mantua (dort war der Prinz Gouverneur). Es läßt sich auch belegen, daß Locatelli Kurfürst Friedrich August von Sachsen auf vielen Reisen begleitete. Vielleicht 1728 konzertetiert er mit Jean Marie Leclair in Kassel und traf, womöglich um die gleiche Zeit, Preußen-König Friedrich Wilhelm I. in Berlin. 1729 dann ließ sich Locatelli in Amsterdam nieder, wo er als vielgesuchter Geigenlehrer wirkte und einen Betrieb zum Verkauf von Saiten eröffnete; nebenbei korrigierte er Druckfahnen von Werken anderer Komponisten, darunter Tartini, Vivaldi und Leclair.


    Locatellis Tätigkeiten verschafften ihm ein ansehnliches Vermögen; er hinterließ eine Instrumentensammlung, eine kostbare Bibliothek und Gemälde, Kupferstiche und Radierungen.


    Seine Grabstätte ist in der englischen Kirche Begynhof in Amsterdam.


    Seine 12 Concerti grossi op. 1 stehen ganz unter dem Einfluß seines Lehrers Corelli. Sie sind vier- und fünfsätzig angelegt, oft fugiert und zeigen, daß Locatelli große kontrapunktische Fähigkeiten besaß.



    Die Naxos-Einspielung ist nicht das Nonplusultra barocker Concerti grossi, aber als ich die CD erwarb, war es eine Art Probekauf, die mir erst einmal die Musik Locatellis bekannt machen sollte.


    Ein weiterer Kaufversuch betraf einen Komponisten, der mir zunächst einmal nur durch Flotows Oper bekannt war:



    Stradella war äußerst produktiv. Er schuf Werke nahezu aller Gattungen und hat dabei oft die Grenzen der musikalischen Konvention seiner Zeit überschritten. So gehörte er zu den ersten Komponisten die in der Gegenüberstellung von Soloviolinen und Violinchören die Bezeichnung Concertino und Concerto Grosso anwandten.


    Seines abenteuerliches Lebens wegen mußte er sowohl Rom als auch Venedig verlassen. Sein Lebenswandel wurde ihm schließlich in Genua zum Verhängnis: hier wurde er vermutlich wegen einer Liebschaft ermordet.


    Die CD gibt einen kleinen Einblick in Stradellas Kantatenwerk, ist aber, wie auch die Naxos-Aufnahme keine Offenbarung.


    Beide Komponisten muß ich noch in besseren Einspielungen komplettieren.

  • In der Antwort Nummer 14 stimmt der Link zu JPC nicht mehr. Das ist schade, da das Cover doch sehr originell ist.
    (Vielleicht kann das auch ein Moderator korrigieren, so dass der erste Teil dieser Antwort überflüssig wird).
    Der richtige Link:


    Zu Musikwanderers Entdeckung Stradella: Ich überlege mir diese CD anzuschaffen:


    .


    Das Begleitheft zur CD gibt es hier - leider nur in englisch und italienisch.
    Demnach soll sich sogar Händel bei Stradella bedient haben. Die Hörproben klingen sehr vielversprechend.
    Kennt jemand die CD ? Es wäre meine erste Barock-Oper-CD :S

  • Ich habe von Stradella:

    San Giovanni Battista
    ein Oratorium/eine Kirchenoper, die sehr früh (vor 1680) concerto-grosso-Elemente in Arien integriert und das ich gerne höre
    und

    La Susanna
    aber noch nicht gehört. Ferner ein Trompetenkonzert auf einer Sammel-CD.
    Händel hat sich doch gerne bei älteren Komponisten bedient, dass Stradella dabei war, finde ich nicht so verblüffend, gehört der doch zu den wichtigsten Komponisten seiner Generation.

  • Hallo kurzstueckmeister,
    ich bin schon einmal über eine Empfehlung für dieses sehr dramatische Oratorium gestolpert.
    Sie stammte aus der gleichen Quelle wie die Empfehlung für die Oper Amanti , olà olà! (siehe Beitrag 16).
    Da wurde allerdings folgende Aufnahme besprochen:


    Und dies ist wohl die neueste Aufnahme:


    Eine Kritik der ersten CD findet man hier. Wie üblich gibt es ein sehr informatives Begleitheft - auch auf deutsch - für die zweite CD bei Hyperion (Man muss "View sleeve notes/artwork (PDF)" anklicken).
    In der neuen Aufnahme hat man Instrumentalstücke von Lelio Colista (1629-1680) und Carlo Ambrogio Lonati (c1645-c1710/15) eingebaut.
    Im Begleitheft dazu steht, dass diese beiden Herren sowie Bernardo Pasquini (1637-1710) bei der Uraufführung im heiligen Jahr 1675 mitgewirkt haben – und vielleicht auch Corelli. Dagegen ist sich der Autor der CD-Kritik sicher, dass Archangelo Corelli am ersten Violin-Pult saß. Dass Corelli zumindest zugehört hat, klingt plausibel; denn - wie bereits erwähnt - in diesem Oratorium wurde "erstmals für die Arienritornelle die brandneue Concerto grosso-Technik, die Aufteilung in Solistengruppe (Concertino) und Tutti verwendet" (Zitat Dr. Franz Gratl).
    Dass Stradella, Lonati, Colista und Corelli gemeinsam in Erscheinung treten, trifft heute noch zu, wie diese beiden schönen Sammel-CDs beweisen: ;)


  • Ein hübsches Stück Stradellas, aus dem Händel einige Motive (allerdings in ziemlich verändertem Zusammenhang) für "Israel in Egypt" übernommen hat, ist die Serenata a 3 "Qual prodigio". Einige ähnliche Stücke komponierte Händel in Italien (die umfangreichste ist "Aci, Galatea e Polifemo"); Stradellas Werk dürfte aus den 1670ern stammen.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Johann Caspar Ferdinand Fischer, 1656-1746, also 90 Jahre alt geworden (oder annähernd), und in weiten Strecken ein Zeitgenosse Bachs.


    Eine wirklich schöne CD ist



    Als SACD klanglich über alle Zweifel erhaben beinhaltet sie 3 größere Stücke von Fischer:
    - Suite Nr. 1 für Orchester
    - Missa Sancti Michaelis Arcangeli
    - Missa in Contrapuncto


    Für alle Barockaffinen: verschärfte Empfehlung


  • Ganz richtig wurde als Intention des Threads genannt auch andere Komponisten als jene des Spätbarock vorzustellen.
    Daher zeige ich folgerichtig 2 verschiedene Aufnahmen der "Sinfonies pour les Soupers du Roy", von Michel-Richard Delalande (1657-1726) die heute wahrscheinlich bekannteste Komposition dieses Komponisten. Die Aufnahmen sind im Budget-Bereich angesiedelt und sollten somit für fast jedermann, der sich dafür interessiert, erschwinglich sein. Sie sind bombastische - repräsentative Werke von angenehmer Melodik, geeignet um seine Majestetät , König Ludwig XIV zu verherrlichen - diesen gottgleichen Monarchen an dessen Geschmack sich damals die gesamte Welt orientierte...


    Gemessen an der Anzahl seiner Kompositionen - viele davon sind geistlicher Natur - gibt es heute nicht allzuviel von Delalande in den Klassikkatalogen....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Hallo,



    das Cover täuscht, es handelt sich tatsächlich "nur" um Musik auf Tasteninstrumenten, allerdings auf 4 unterschiedlichen Gattungen: Regal, Clavichord, Cembalo und Orgel. Das Booklet ist sehr gut gemacht, mit Infos zu den Nürnberger Komponisten und den bespielten Instrumenten. Es handelt sich (meist) um kurze, sehr vergnügliche, kurzweilige Stücke. Davon weicht - nur in der Dauer des Stücks - die 15-minütige Choralpartita über "Freu dich sehr o meine Seele" von Johann Pachelbel ab, die ich, neben Anderem, sehr empfehlen kann und auf dem Cembalo gespielt ist.

    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hier nun mein 3. Beitrag: Es handelt sich um eine erst 2013 gemachte Aufnahme mit 6 Konzerten des venezianischen Komponisten Giacomo FACCO (1676-1753) welche unter dem Namen PENSIERI ADRIARMONICI veröffentlicht wurden.
    Es handelt sich hierbei um den ersten Teil - der Rest soll folgen.Gelegentlich erinnert Faccos Tonsprache an Vivaldi - aber eben nur gelegentlich und oberflächlich. Wie dem auch sei - Auf jeden Fall eine lohnenswerte Ausgrabung des englischen Labels TOCCATA CLASSICS

    mfg aus Wien
    Alfred


    PS Nachdem der Thread nun schon geraume Zeit läuft erhöhe ich das Kontingent pro interessiertem Mitspieler um weitere 3 Werke - wenn irgend möglich auf mehrere Tage als Einzelveröffentlichungen verteilt und mit einem kurzen Kommentar versehen.

  • Wirklich sehr nachdrücklich empfehlen möchte ich die Violinsonaten von Pisendel:




    Hier wird auf äußerst attraktive Weise Bachsche Kontrapunktik mit italienischem Virtuosenstil kombiniert. Ich höre die CD sehr oft.

  • Die Pisendel-CD hätte ich neulich beinahe bestellt; zum Glück vorher noch mal im Regal nachgesehen und, siehe da, sie stand schon da...


    Ich habe heute eine CD erhalten, die ich lange auf der Merkliste hatte, seit sie Seicento vor längerer Zeit empfohlen hat: Albinonis op.2, Sinfonie e Concerti a 5, bestehend aus 6 Sonaten in der Kirchensonatenform und 6 Concerti, jeweils a 5, d.h. 2 Violinen, Alto, Tenore (also zwei Bratschenstimmen) und Bass, gedruckt 1700. Ein Vorbild, das ich allerdings nicht kenne ist, Torellis op.5 (1692). Neu ist bei Albinoni u.a. die 5-Stimmigkeit, die besonders in den Sonaten in recht kontrapunktischer Setzweise genutzt wird. Die Concerti werden im Beiheft als eine Art Zwischending zwischen Concerti grossi a la Corelli und Solokonzerten a la Vivaldi bezeichnet. Sie sind lockerer als die Sonaten; man darf aber kein solistisches Feuerwerk wie bei Vivaldi einige Jahre später erwarten. Eine mit 78 Min. randvolle CD sehr hörenswerter Musik.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Bei Albinoni habe ich unlängst eine äußerst positive Überraschung erlebt (soll meine zweite Empfehlung werden). Ich muss zugeben, vielleicht nicht der größte Fan von Albinonis Oboenkonzerten zu sein und hab mir aus eher oberflächlicher Neugier sein Triosonaten op. 1 gekauft:



    Und das sind wirklich wunderschöne Werke: tiefsinnig, kontrapunktisch dicht mit guten Themen. Die Stimmung ist eher düster, selbst in den Dur-Werken. Das "Allerwelts-Tralala", das mir oft den italienischen Spätbarock verleidet fehlt hier völlig. Die Werke entstanden noch vor 1700 und sind daher noch stark von der polyphonen italienischen Schule von Legrenzi geprägt (dessen Werke kommen vielleicht als dritte Empfehlung).

  • Dieser Thread ist wahrlich eine Fundgrube für wenig bekannte Werke des Barock - sogar ich kann hier immer wieder noch nicht in meiner Sammlung befindliches entdecken. Damit die Fundgrube nicht austrocknet muß man sie natürlich gelegentlich füttern. Das tue ich hiermit. Maurice Green (1696-1755) ein bekannter Meister des Spätbarock, war eher für geistliche und weltliche Vokalkompositionen bekannt - umso erfreulicher diese Veröffentlichung von 6 Ouvertüren (Sinfonien) und einigen Lehrstücken für Cembalo

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ein besonderes Schmankerl habe ich Euch heute zu bieten: Barockmusik aus Ecuador. Dreihundert Jahre lag sie ungespielt in den Archiven, nun wurden sie durch eine schwedisches (!!) Ensemble wieder zu neuem Leben erweckt. Vieles klingt tänzerisch-rhythmisch, wenngleich es sich - von einer Ausnahme abgesehen - um geistliche Texte handelt .Manches davon klingt wie Musik "Los Paraguaos" oder "Los Incas" - und völlig daneben läge man mit dieser Einschätzung nicht, wie das sehr gut gemachte Booklet erläutert....

    mfg aus Wien
    Alfred

  • Inzwischen ist auch der zweite Teil der Konzerte von Giacomo Facco erschienen. Wenn man länger hineinhört kristallisiert sich der Unterschied zwischen Vivaldi und Facco doch immer stärker heraus. Ist schon Vivaldi angenehm zu hören, so ist Facco gegebenenfalls noch eine Spur verbindlicher, er macht dem Hörer schöne Augen ..äähhh Ohren.Der Thread ist - gemessen an seinem Thema - relativ gut frequentiert - aber nicht überlaufen - sodaß ich ihn frei gebe. Soll heissen Jeder Mitspieler darf so viele Beiträge schreiben, wie es ihm gefällt, allerdings bitte pro Beitrag nur eine vorgestellte CD. Mitleser werden schon durchschaut haben, daß auch mein 2. Kontingent von 3 Beiträgen bereits ausgeschöpft ist - und ich einen Kunstkniff anwenden musste um hier weiter schreiben zu dürfen. Und Neuerscheinungen mit Werken weniger bekannter Barockkomponisten gibt es in den letzten Jahren in Hülle und Fülle.....

    mfg aus Wien
    Alfred

    clck 4855