Mikhail Pletnev: Der Pianist

  • Hallo Forumsmitglieder,


    sieht man einmal in den Thread der Lieblingspianisten, so ist M. Pletnev wohl eher
    als eine Randerscheinung zu betrachten und zumindestens auf der Basis dieses
    Threads scheint er nicht unbedingt sonderlich geschätzt.


    Desweiteren gab es in letzter Zeit einige Bemerkungen zu Pletnev bzw. zu seinen Aufnahmen,
    die eher kritscher Natur waren. (sieh z.B. Rachmaninov's Klavierkonzerte)


    Selber habe ich auch gewisse "Probleme" mit Pletnev, oder genauer gesagt ich habe ein Problem damit ihn für mich einzuordnen bzw. seine Eindrücke auf mich zu werten. ?(
    Jedenfalls gelingt es mir nicht ihn in eine Schublade zu stecken, was ihn für mich schon wieder interessant macht. :D


    Deshalb starte ich nun eine Thread um zu ergründen wie Pletnev's Standing innerhalb des Forums ist.
    Ob hinsichtlich seiner Qualitäten eine gewisse Einigkeit im Forum existiert oder ob er eher polarisiert.
    Hat er nicht das "Zeug" zum Liebling ?


    Wie immer sind gezielte positiv bzw. negative Bemerkungen zu Aufnahmen von ihm gerne gesehen.


    Freue mich auf eine konstruktive Auseinandersetzung.............. :yes:

  • Hallo


    ich habe Pletnev (solo am Klavier) zwei mal live gehört, und war jeweils sehr angetan, genaues kann ich jetzt aus der Distanz allerdings nicht mehr sagen.
    Auch als Dirigent, fällt es mir genau so schwer wie dir, ihn" einzuordnen". Ich habe die "Toteninsel" und die "Manfredsymphonie" und das unten abgebildete Stravinsky-Album, das mir von den dreien am sympatischsten ist. Pletnev wagt als Dirigent keine extravaganten Experimente, er ist kein "Klangmagier" - aber das Ergebnis ist solide Arbeit und wer wollte die verschmähen!? Das russische Nationalorchester wurde 1990 von ihm "gegründet"


  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Das russische Nationalorchester wurde 1990 von ihm "gegründet"


    ... und das ist vielleicht ein Grund, warum es manch einem so schwer fällt, ihn als Pianisten einzuordnen. Bis Ende der 1980er war er primär Pianist, danach vorrangig Dirigent, erst in den letzten Jahren scheint der Pianist wieder mehr in den Vordergrund zu geraten.


    Ich finde, dass er in den letzten Jahren einen gewaltigen Schritt als Klavierinterpret gemacht hat. Hat er früher vor allem als reiner Virtuose brilliert, der im Sinne der russischen Klavierschule, primär seine technische Fähigkeiten und die Möglichkeiten der Klanggestaltung in den Vordergrund gestellt hat, stellt er diese Fähigkeiten nun in den Dienst der künstlerischen Interpretation. Bei Rach 3 wird es kein rein muskolöser Kraftakt, er zaubert die feinsten Nuancen am Flügel hervor, und das im Zusammenspiel mit dem Orchester. Dabei mag ihm auch seine Erfahrung als Dirigent (und als arrangierender Komponist) zugute kommen. Auch bei der Coproduktion mit Argerich werden alle enttäuscht, die *nur* Hochglanzvirtuosen ohne musikaischen Inhalt erwarten. Hier wird musiziert und das auf einem technischen Niveau, das 99 Prozent der anderen Pianisten *nicht* erreichen.


    Ob er das Zeug zu einem Liebling hat? Er ist wahrscheinlich nicht so zu vermarkten wie Li oder Bang Bang, die DG weiß aber, was sie an ihm hat: einen Künstler, der auch ohne großartige Vermarktung, die Hallen zu füllen und CDs zu verkaufen mag.


    Gespannt bin auch auf die nächsten Veröffentlichungen:


    Im April eine Scheibe mit Tchaikovskys 18 Klavierstücken, op. 72 und einer Chopin-Nocturne sowie (vor allem) im Juni eine Aufnahme mit Kammermusik von Tanajev:


    Klavierquintett, op. 30 und Klaviertrio op. 22 (mit Vadim Repin, Ilya Gringolts, Lynn Harell und Nobuko Imai)

  • Hallo Taminoaner,


    vor ein paar Tagen las ich hier ihm Forum eine positive Äußerung über Mikhail Pletnev, der ich nur innerlich zustimmen konnte.


    Mir geht es in diesm Thread aber "lediglich" um Pletnev als Pianisten und nicht in seiner Rolle oder Funktion als Dirigenten.


    Pletnev gewann 1978 mit 21 Jahren den Tchaikovsky Wettbewerb und konnte aufgrund der politischen Lage auch eine Karriere außerhalb Russlands starten.


    Für mich gehört Pletnev zu den bedeutensten Pianisten unserer Zeit.


    Sein Spiel ist so unglaublich sauber! Seine Dynamik und seine Ausdruckkraft auf höchstem Niveau.


    Man höre nur seine Aufnahme der Scarlatti Sonaten, sein Rachmaninov 3 oder auch die "Cinderella" Concert Suit für 2 Klaviere, die er selbser mit M. Argerich eingespielt hat.


    Alles vom Feinsten.


    Würde mich freuen eure Meinung zu erfahren....... :D

  • Zitat

    Original von Richard
    Man höre nur seine Aufnahme der Scarlatti Sonaten, sein Rachmaninov 3 oder auch die "Cinderella" Concert Suit für 2 Klaviere, die er selbser mit M. Argerich eingespielt hat.


    Nur kurz: Von diesen Aufnahmen kenne ich ihn auch. Je mehr ich mich im Laufe der Zeit für Richters sehr „sauberes“ Klavierspiel begeisterte, umso mehr gefiel mir auch Pletnev vor allem mit seiner Rach3. Allerdings fehlt mir bei aller Klarheit ein ganz klein wenig der rechte Biss, das Drängende… irgendetwas eben, das ich nicht genau benennen kann. Die Pletnev/Argerich-Aufnahme ist m.E. aber auch einfach phantastisch – die beiden sind ein echtes Dream-Team.


    Gruß, Cosima


    Korrektur: Ich sehe gerade, dass ich nicht Scarlatti von ihm kenne, aber dafür einige Grieg-Klaviersonaten. Müsste ich mal wieder reinhören...

  • Lieber Richard,


    Pletnev ist einer meiner absoluten Lieblingspianisten. Inzwischen hatte ich zweimal das Vergnügen ihn im Konzert zu erleben- und das war fast noch umwerfender als auf Platte. Besonders gut erinnere ich mich an "seine" Händelvariationen. Er saß völlig entspannt am Flügel, nur die Hände flogen, scheinbar ohne jede Mühe, als wäre das überhaupt kein Problem. Aber dabei eben nicht nur technisch perfekt, sondern von einer unglaublichen Musikalität. Er vermittelte das Gefühl vollkommener Souveränität.


    Bei einem anderen Konzert spielte er die Symphonischen Etüden. Ich hatte Sie zuvor in Mannheim mit Pogorelich gehört. Und wenn ich mich entscheiden müßte: Pletnev hat mir gefallen, sein Spiel war bei gleicher Virtuosität "klarer" und weniger manieriert, dabei schätze ich Pogorelich sehr- zumindest wenn er nicht Beethoven auf dem Programm hat ....


    Besonders gut gefallen haben mir von seinen Platten der Mitschnitt aus Carnegie-Hall und die Schumann-Platte. Aber auch sein Scarlatti oder sein Chopin .....


    Was mich wirklich unglaublich fasziniert ist die Tatsache, das er beide Tätigkeiten, als Pianist und als Dirigent unter einen Hut bringt, ohne dass sein Spiel darunter leidet.


    Herzliche Grüße,


    Christian

  • Zitat

    Original von Caesar73


    Bei einem anderen Konzert spielte er die Symphonischen Etüden. Ich hatte Sie zuvor in Mannheim mit Pogorelich gehört. Und wenn ich mich entscheiden müßte: Pletnev hat mir gefallen, sein Spiel war bei gleicher Virtuosität "klarer" und weniger manieriert, dabei schätze ich Pogorelich sehr- zumindest wenn er nicht Beethoven auf dem Programm hat ....


    @Christian,


    kannst Du etwas zu Pletnev's Aufnahme der Etüden sagen?
    Ggf. im Vergleich zu Sofronitsky! :D

  • @Christian,


    kannst Du etwas zu Pletnev's Aufnahme der Etüden sagen?
    Ggf. im Vergleich zu Sofronitsky!


    Lieber Richard,


    Sofronitsky kenne ich leider nicht. Ich habe den Namen in den letzten Tagen wiederholt im Forum gelesen, kann ihn aber nicht einordnen. Bei welchem Label ist er denn zu finden?


    Soweit ich weiß, hat Pletnev die Etüden auf Platte noch nicht eingespielt. Gehört habe ich ihn damit nur in besagtem Konzert. Das war kurz nach dem Pogorelich-Konzert in Mannheim.


    Pogorelich´s Version habe ich zwar auf CD, aber die mit meinen damaligen Höreindrücken zu vergleichen traue ich mir dann doch nicht zu. Dazu liegt das Konzert schon zu lange zurück. Sorry! :( :(


    Herzliche Grüße,


    Christian

  • Zitat

    Original von Caesar73
    Sofronitsky kenne ich leider nicht. Ich habe den Namen in den letzten Tagen wiederholt im Forum gelesen, kann ihn aber nicht einordnen. Bei welchem Label ist er denn zu finden?



    Es gibt verschiedene Aufnahmen bei unterschiedlichen Labels!
    Schicke Dir einen Link!


    Zitat


    Soweit ich weiß, hat Pletnev die Etüden auf Platte noch nicht eingespielt. Gehört habe ich ihn damit nur in besagtem Konzert. Das war kurz nach dem Pogorelich-Konzert in Mannheim.


    doch...


    Zitat


    Pogorelich´s Version habe ich zwar auf CD, aber die mit meinen damaligen Höreindrücken zu vergleichen traue ich mir dann doch nicht zu. Dazu liegt das Konzert schon zu lange zurück. Sorry! :( :(


    Schwach ........ :D

  • Zitat

    Schwach ........ :D


    Absolut peinlich ich weiß, erstens dass ich diese Aufnahme nicht habe und zweitens dass mein Gedächtnis so schlecht ist (Ich werde doch wohl noch nicht unter Alzheimer leiden?) Immerhin: Dem ersten Mangel kann ich relativ rasch abhelfen, mit einem Gang zu meinem Klassikhändler, nur bei Alzheimer ist der gute Mann wie ich fürchte überfordert. Gelobe aber Besserung! ;) ;) ;)


    Vale,


    Christian


    P.S.: Link an amun0573@web.de


  • Hast Du bereits hier als PN!


    Immerhin erinnerst Du Dich an das Konzert an sich :stumm:

  • Auf die Gefahr hin, dass Du mich jetzt steinigst: Wer oder was ist PN? Hast Du den Tschaikowsky eigentlich schon?


    Herzliche Grüße und erholsame Pfingsten, :beatnik:


    Christian


    P.s.:


    Morgen werde ich reuiger Sünder zu Hochstein gehen und die Lücke in meinem Regal füllen! :] :]

  • Zitat

    Original von Caesar73
    Auf die Gefahr hin, dass Du mich jetzt steinigst: Wer oder was ist PN? Hast Du den Tschaikowsky eigentlich schon?


    PN = Post Nachrichten!
    Gucke mal an den unteren Rand des Hauptfensters!!!!!!
    Steinige DIch nicht, da warte ich bis nach Deiner Etüden besprechung!
    Tschaikovsky kommt wohl nächste Woche!


    Zitat


    Herzliche Grüße und erholsame Pfingsten, :beatnik:


    dito
    Und nur kaufen was Dir gefällt.
    Oder steht Pletnev auf "auto buy" ?

  • Und nur kaufen was Dir gefällt.


    Mache ich. Allerdings gehört Pletnev zu den Künstlern, die ich fast immer ohne reinschnuppern kaufe (Prokoviev war eine Ausnahme). Irgendwie ist da ein gewisses Vertrauen einfach da.


    Dir auch erholsame Pfingsten! :yes: :yes:


    Herzliche Grüße,


    Christian


    P.s.: Die Besprechung kommt, kann allerdings einige Tage dauern, am Dienstag ist Lehrprobe X( X( (Du hast also genügend Zeit zum Steine sammeln) :]

  • hallo,


    ich habe pletnev zweimal live erlebt. beim erstenmal mit chopins scherzi und tschaikowskys großer g-dur klaviersonate (top of the top) und später mit schumanns symph. etüden und eigener tschaikowsky-transkription. der schumann war etwas 'schlampig' vorgetragen, schade.


    schon vor 25 jahren hatte ich ihn im rundfunk mit haydn und einer großartigen gould vergleichbaren darstellung von j.s. bachs e-moll partita (nr. 6) gehört.


    eigentlich kenne ich keine schlechte pletnev-aufnahme ! er spielt sehr transparent. sein spiel wird besonders dann sehr stark, wenn es auf dissoziation übereinandergeschichteter linien sowie um anschlagsdifferenzierung geht. er ist ein 'tüftler'. das wiederum schadet einigen wenigen interpretationen, da dadurch der große impetus etws verloren geht.


    die aufnahmen bei virgin, die ich kenne, sind sehr stark: scriabin (preludes, sonate nr. 4 und 10), haydn-sonaten, scarlatti.


    ab mitte der 90er jahre dann bei der DG. ich persöhnlich finde seine liszt-platte sehr stark (apres une lecture de dante, funerailles, gnomenreigen), die h-moll sonate aber zu detailverliebt. sehr gelungen: grieg (klaviersonate, lyrische stücke), hommage a rachmaninov. die klavierkonzerte nr. 3 von prokofiev/rachmaninov sind leider akustisch nicht vorteilhaft aufgezeichnet. das carnegie-recital ist außerordentlich stark.


    aber meine absoluten renner sind die von Cosima erwähnte cinderella-platte und seine auswahl von klavierwerken c.p.e. bachs. hier konnte pletnev seine anschlagskunst und seine lust an tüftelei voll ausspielen.



    gruß, siamak

  • hallo,


    ich habe aus aktuellem anlass pletnevs carnegie-mitschnitt der DG vom 01.11.2000 mehrfach gehört. es handelt sich hierbei um den mitschnitt von pletnevs debut in der new yorker carnegie hall. zunächst einmal bravo an die tontechniker und an die disziplin der zuhörer.


    die bearbeitung der bachschen chaconne für solo-violine durch busoni ist wieder in mode gekommen. über jahrzehnte war benedetti-michelangelis platten-version (mono) eine referenz die klangliche abstufung und formale entwicklung betreffend. in letzter zeit kamen beeindruckende aufnahmen hinzu, kissin und oppitz. während die beiden letztgenannten sich am kompakten zugriff orientierten, erinnert pletnevs darbietung in der klanglichen differenzierung und kantabilität eher an benedetti michelangeli, vielleicht etwas weniger pedalgebrauch.


    beethovens letzte klaviersonate wird im ersten satz analytisch zerlegt, die pathetische geste wird manchem wohl fehlen, dafür wird der arietta-satz herrlich klanglich entwickelt, wie wir es von benedetti michelangeli oder pogorelich kannten.



    der pianistische höhepunkt: chopins scherzi ! wenig pedalgebrauch, dissoziation der übereinandergeschichteten linien und traurig-sonorer klaviergesang werden hier zur interpretatorischen wünschelrute. ich habe ihn mit diesen stücken in köln auch live erlebt, phantastisch, wie er das macht. erstmalig bekommt das letzte scherzo seinen sinn. dieses scherzo ist gestalterisch am schwierigsten, typisches spätwerk.


    die zugaben auf der bonus-cd sind vom feinsten: rachm., scriabin, scarlatti, moszkowski und


    balakirevs islamey, prüfstein für vollgriffigen satz und ausdauer. so entfesselnd und gleichzeitig makellos kenne ich es nur noch von einer live-demonstration pogorelichs.


    gruß, siamak :angel:


  • Was Balakievs Islamey angeht sollte man unbedingt beachten WANN Pletnev diese Zugabe gespielt hat und welche Leistung er bereits vorher erbracht hat.
    Alleine die nötige Konzentration aufzubringen und die nötige Kraft ist fantastisch.

  • hallo,


    mozarts späte sonate b-dur kv 570 mit dem sehr jungen pletnev:



    die aufnahme ist von 1984 (melodiya, DDD).


    interpretation: 8/10 (IMO)
    klang: 7/10 (IMO)


    diese sonate gehört zu meinen favoriten. kennengelernt hatte ich sie damals in einer späten arrau-aufnahme. das adagio wird hier noch 'romantischer' als beim alten arrau zelebriert. der finalsatz kommt noch 'witziger' und 'luftiger' als bei friedrich gulda. man muss hier pletnev einfach bescheinigen, dass er dem späten gulda anschlagstechnisch überlegen ist.


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von Richard
    PN = Post Nachrichten!



    Eigentlich: Private Nachrichten (Englisch: PM = Private message)

    "Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

  • Hallo Allerseits,


    ich schreibe zu diesem Thread, um ihn in der Liste nach oben zu holen und somit wieder ins Bewusstsein zu rufen. Es kann doch eigentlich nicht sein, dass sich zu Pletnev, von dem die Argerich sagte, er wäre einer der Begabtesten überhapt, nur drei Forianer geäußert haben - offenbar ist er wirklich kein Liebling...


    Liegt es daran, dass man über seine freilich makellose Pianistik hinaus das persönliche Engagement vermisst?


    Ich finde durchaus, dass er ein ziemlich kühler Interpret ist. Manchmal führt das aber zu sehr schönen, weil geradlinigen und unsentimentalen Interpretationen: Rachmaniniows "Paganin-Rhapsodie" ist in Pletnevs fulminanter (und auch schon in die Jahre gekommenen) Version für mich kaum zu toppen. Auch Tschaikowsky Nr.1 ist richtig gut.


    Und die Haydn-Sachen und seine Scarlatti-Sonaten finde ich absolut in Ordnung...


    Naja, ich merke gerade selber, dass sich meine lobenden Aüßerungen wirklich nicht besonders flammend anhören - zugegeben, ich schätze Pletnev mehr, als dass ich ihn verehre...


    Schöne Grüße!
    Daniel

  • Zitat

    Original von Daniel Behrendt


    Ich finde durchaus, dass er ein ziemlich kühler Interpret ist. Manchmal führt das aber zu sehr schönen, weil geradlinigen und unsentimentalen Interpretationen: Rachmaniniows "Paganin-Rhapsodie" ist in Pletnevs fulminanter (und auch schon in die Jahre gekommenen) Version für mich kaum zu toppen. Auch Tschaikowsky Nr.1 ist richtig gut.


    Ich habe Mikhail Pletnev zweimal im Konzert erleben dürfen- und es stimmt: Kennzeichnend für ihn ist ein gewisses Understatement- er wirkt auch beim Spielen der vertracktesten Passagen so als würde ihn das überhaupt nicht anstrengend, als könnte er jedezeit noch zulegen- aber das ist nun mal sein Personalstil und ändert nichts daran, dass Mikhail Pletnev einer der faszinierendsten Künstler ist den ich kenne.


    Herzliche Grüße,:hello:


    Christian

  • Werte Forianer,


    habe gestern die Pletnev-CD "Hommage à Rachmaninov" billig erworben.
    Sie gehört eindeutig zu seinen starken Scheiben. Beethovens "Les Adieux"-Sonate muss man zwar nicht zwingend mit P. haben, aber der Rest ist toll und sogar verhätnismäßig temperamentvoll in die Tasten geklotzt - und loderndes Feuer gehört bei Herrn P. ja nicht zwangsläufig zum Repertoire...
    Nach der großen Enttäuschung meiner letzten Pletnev-Erwerbung (die superlangweilige Beethoven-Variationen/Bagatellen-Doppel-CD...) war eine derartige Wiedergutmachung aber auch dringend nötig!


    Beste Grüße!
    danile

  • Prosit Neujahr an alle Taminos, Klavier-Enthusiasten und Pletnev-Fans! :)


    Sicher habt Ihr bereits die am 13. Jan. erscheinende Mozart-Klaviersonaten-CD von Mikhail Pletnev vorbestellt? Ich jedenfalls habe.
    Um gleich eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, setze ich hier eine Rezension rein (von Carsten Dürer, nachzulesen in einer bekannten Zeitschrift, die so ähnlich wie „Klavier-Nachrichten“ heißt). Es muss zwar nichts heißen, aber es sei erwähnt, dass die Aufnahme volle Punktzahl in Sachen Interpretation und Klang erhielt.


    "Exzentrisch? Mit viel Freiheit interpretiert? Eigenwillige Akzente und Phrasierungen? Diese Fragen könnten sich bei den Sichtweisen von Mikhail Pletnev auf die Sonaten Mozarts ergeben, die er auf dieser Neueinspielung interpretiert; und alle Fragen müssen mit „ja“ beantwortet werden. Und das ist gut so, denn im Kanon der gerade in diesem Jahr so zahlreich vorbereiteten Mozart-CDs muss es auch solch spannungsgeladene wie vielleicht auch polarisierende geben wie die von Pletnev. Dabei nimmt er sich nicht viel mehr Freiheiten, als der Text es erlaubt oder nicht erlaubt, aber er lotet diesen Notentext deutlich zwischen den Zeilen und dem Niedergeschriebenen aus – eigentlich eine selbstverständliche Pflicht für Werke der Wiener Klassik. Diejenigen, die dies nicht in vollem Maße auskosten, bleiben oftmals an der Oberfläche und absolvieren ausschließlich die Noten.


    Und da ist als Erstes die Sonate C-Dur KV 330, die Pletnev mit markigen Akzenten belebt, den Mittelsatz aber alles andere als ruhig schreitend nimmt, sondern ihn dem forschen wie tänzerisch humorvollen Gesamteindruck der Sonate angleicht. Pletnev ist nicht an verklärter Klanglichkeit bei Mozart interessiert, will nicht den witzigen, den von Kindshumor gekennzeichneten Mozart in den Vordergrund spielen, sondern den großartigen Komponisten dieser Zeit zum Gegenstand seiner Spielweise machen. Und dabei wirken seine Melodiezeichnungen dann auch manchmal ein wenig zu stark auf den Fluss der natürlichen Schreibweise reduziert, bleibt es bei der eigenständigen Aussagekraft mehr, als dass „Schönheit“ als Ausdrucksmittel zum Selbstzweck wird. Die Schönheit in Pletnevs Spiel ergibt sich aus der genauen Strukturierung, aus der feinsinnigen Agogik, mit intelligent und spannungsgeladenen zum Teil durch Miniatur-Rubati gesetzten Feinheiten. So ergeben sich auch in den folgenden Sonaten Einblicke in die Kompositionsweise Mozarts und in das musikalisch intensiv strukturierte Denken des Mikhail Pletnev. Da gibt es zahlreiche andere Interpreten, die weit oberflächlicher in ihrer schönen Klangvorstellung verharren, aber weniger Ausdruckskraft entwickeln.


    Pletnev liegt darüber, setzt mit dieser Einspielung einen positiven Akzent für das Mozart-Jahr, die zeigt, wie zeitlos energiegeladen dessen Musiksprache ist. Und letztendlich zeigt Pletnev auch, dass man Mozarts Musik als absolut ansehen muss, getrennt von all den Geschichten über seine Person. Es ist eine großartige Einspielung, die Pletnev hier vorlegt, eine, die Maßstäbe setzt."



    Bin sehr gespannt auf die Einspielung. Wir sprechen uns nach dem 13.1. wieder, eigene Eindrücke folgen dann.


    So sieht übrigens das Cover aus:



    Gruß, Cosima

  • Zitat

    Original von Cosima
    Prosit Neujahr an alle Taminos, Klavier-Enthusiasten und Pletnev-Fans! :)


    Sicher habt Ihr bereits die am 13. Jan. erscheinende Mozart-Klaviersonaten-CD von Mikhail Pletnev vorbestellt? Ich jedenfalls habe.
    Um gleich eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, setze ich hier eine Rezension rein (von Carsten Dürer, nachzulesen in einer bekannten Zeitschrift, die so ähnlich wie „Klavier-Nachrichten“ heißt). Es muss zwar nichts heißen, aber es sei erwähnt, dass die Aufnahme volle Punktzahl in Sachen Interpretation und Klang erhielt.


    Gruß, Cosima


    Liebe Cosima,


    danke für den Hinweis! Ich habe die Platte noch nicht vorbestellt- werde das jetzt aber schleunigst nachholen. Besagte Zeitschrift lese ich zwar auch relativ regelmäßig, nur kenne ich das neueste Heft noch nicht. Bei solch Jubelarien bin ich immer ein wenig skeptisch- aber kaufen werde ich mir die CD denn doch.


    Herzliche Grüße,


    Christian

  • Tag,


    in den letzten Tagen hatte ich bei den Mozart-Sachen eine Platte von 1985 in der Hand, russische Aufnahme, westdeutsche Pressung, damals lautete der Name (noch?) 'Pletnov'. Ja es ist der M.P. Auf dem Cover ein junger Mensch am Flügel. Die Platte mit fünf weniger schwierigen Mozart-Sonaten (KV 570 und so, 'für anfänger' - für die Mozart doch gar nie etwas notieren wollte?).


    Und, wie war's? Belanglos, normal, nicht gut oder schön, wie Literatur. Wahrscheinlich wegen der allerfeinsten Nuancen aber doch etwas für hellhörige Pianisten (ich nicht).


    Freundlicher Gruß!
    Albus

  • Zitat

    Original von Albus
    in den letzten Tagen hatte ich bei den Mozart-Sachen eine Platte von 1985 in der Hand,


    Nun ja, schauen (oder besser: hören) wir halt mal, ob sich nach gut 20 Jahren mehr geändert hat als nur der Name. Ich gehe eigentlich davon aus...


    Gruß, Cosima

  • Zitat

    Original von Moritz
    Ich sehe Pletnev im April live in der Philharmonie mit KV 330 und KV 332 :D:D:D:D


    Dann schuldest Du uns aber einen Exklusivbericht- mit allen Details ... :D :D :D :D


    Herzliche Grüße,


    Christian