Stimmen von heute - Juan Diego Florez - Endlich mal wieder ein kompletter Tenor?

  • Hallo zusammen,



    Was ist eigentlich ein kompletter Tenor ? Nun, ich meine damit jemanden, bei dem Musikalität, individuelles Timbre, Technik, darstellerisches Talent und natürlich die stimmliche Substanz - das Instrument! - alle auf höchstem Niveau entwickelt sind. Flórez ist aus meiner Sicht jemand, der viele dieser Kriterien erfüllt - lediglich der Nachweis seiner darstellerischen Fähigkeiten ist noch nicht auf Konserven festgehalten und für mich insofern nicht voll beurteilbar.
    Ich wurde auf diesen Sänger eher zufällig aufmerksam: Ein Freund bekam Auszüge aus obiger CD mittels eines kostenlosen Samplers zu hören und empfahl Sie mit enthusiastisch weiter. Eher skeptisch hörte ich im Laden mal rein. Zu sehr enttäuscht haben mit die gepushten Tenöre der letzten Jahre. Alle sicher nicht schlecht, aber mich bei weitem nicht so faszinierend wie ein junger Pavarotti, ein Wunderlich oder - um jemanden zu nennen, der gewisse stimmliche Defizite durch große Musikalität ausgleichen konnte - Corelli. Alagna z.B. ist mir zu klossig, Villanzon etwas zu hart im Ton.


    Nun aber Florez: Vor allem beeindruckt mich die akribische Artikulation, aus jeder Silbe wird Musik gemacht. Die langsamen Tempi aus der obigen CD mit Arien von Bellini und Donizetti lassen dafür breiten Raum. Er singt unglaublich einfühlsam. Zu dieser Musikalität gesellt sich nun glücklicherweise auch eine wundervolle naturgegebene Stimmausstattung: mit einem sehr individuellen, strahlenden Timbre voll jugendlicher Kraft. (so z.B. in der Arie ´Allegro io son´ hörbar). Vom Sängertypus erinnert er an Alfredo Krauss, jedoch ist er diesem an Stimmumfang weit überlegen. Mühelos wird ein hohes Des gesungen. Die hohen Töne dieser CD sind grandios, nur sind sie zum Glück nicht das Wesen seiner Kunst, sondern man nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass - ähnlich wie bei einem Musiker vom Schlage Sviatoslav Richters- einfach genug Reserven da sind, um alle technischen Schwierigkeiten zu bewältigen, so dass man sich wieder der Musik zuwenden darf.
    So beeindrucken mich bezeichnender Weise gar nicht so sehr die wie selbstverständlich an den Stimmumfangshimmel genagelten fünf hohen C´s der Arie ´A mes Amis´, sondern der einnehmend gestaltete lyrische Anfangsteil.
    Die Zukunft wird zeigen, wie sich dieser hervorragende erst 31jährige Sänger enwickelt. Im Moment ist er ein typischer ´tenore di grazia´. Als Aufnahmen liegen bei Decca neben der oben genannten CD noch eine CD mit Rossini-Arien und eine mit Rossinis Cantaten vor. Gespannt darf man sein, ob und wann dieser Sänger Verdi singen wird (oder Oratorien von Hadyn, Mozart - während seiner Ausbildung hat er diese einstudiert) und wann die ersten Operngesamtaufnahmen erscheinen, an denen man seine Fähigkeit, komplexe Rollen zu gestalten, messen kann.


    Ich bin jedenfalls sehr erwartungsvoll und hoffe auf eine großartige Entwicklung. Potential ist reichlich vorhanden und er scheint seine eigene Entwicklung behutsam beraten vorzunehmen.


    Fasziniert Euch dieser Sänger ebenfalls ? Hört Ihr den Namen grad zum ersten Mal ?


    Auf Stellungnahmen wartet gespannt
    der Anti

  • Hallo Anti,


    Da hast Du mir einen geplanten Thread weggenommen- und ich freue mich darüber.


    Über Sänger wird man nicht gerne schreiben, jeder fürchtet sich zu blamieren. Aber ich will mich hier gar nicht auf Feinheiten einlassen.


    Eines Tages las ich die Geschichte seiner Entdeckung, ich weiß nicht ob Du sie kennst, es war ebenfalls ein Zufall und begann mich für Florez zu interessieren.
    Eigentlich war ich ursprünglich mehr als skeptisch, weil blendend aussehende Sänger mit herausragenden Stimmen sind mir weitgehend unbekannt, ich kann mich jedenfalls an keinen erinnern.
    Via Internet (wahrlich keine optimale Informationsquelle)verschaffte ich mir einen ersten Eindruck. Der war so, daß ich die (erste) CD haben musste. Hiezu sei einschränkend gesagt, daß ich ein glühender Anhänger des BelCanto bin, daher ein wenig positiv vorgeprägt.
    Dennoch: Ich war von dieser Stimme vom ersten Augenblick an fasziniert !!
    Allerdings dürfte ein Teil dieser Faszination auch darauf zurückzuführen sein, Florez IMO auf volles Risiko singt, damit meine ich an die Grenzen der Belastbarkeit der Stimme geht, und gelegentlich drüber hinaus. Das führt einerseits zu geringen (nicht störenden) Unsauberkeiten, andererseits zu einer unerreichten Leuchtkraft und Spontanität. Ob das der Stimme auf die Dauer gut tut ist eine andere Frage.


    Wie auch immer, diese Stimme ist unverwechselbar und ein Glücksfall für alle Rossini- Bellini- und Donizetti-Liebhaber


    Freundliche Grüße aus Wien
    Alfred

  • Sagitt meint:


    Heute lief ein Porträt über Florez bei classica.Einer der wenigen Gesegneten, die praktisch keine Kopfstimme brauchen, weil ihre Stimme ohnehin so hell ist. Florez wurde von seinem peruanischen Hintergrund beleuchtet- der Vater, ebenfalls Tenor, aber mit peruanischer Musik.
    So wie es aussieht, ist dieser Tenor intelligent genug, die Grenzen seiner Stimme zu kennen,wenngleich viel Material vorhanden ist, auch andere Partien als diejenigen von Donizetti oder Rossini zu singen.
    Außerdem vermittelt der junge Mann einen künstlerisch sehr verantwortungsvollen Umgang mit seiner Begabung Es ist nicht nur die Stimme da, sondern auch viel Fleiß, die Technik zu beherrschen, die von Rossini durchaus eingefordert wurde- zu seiner Zeit gab es noch technisch äußerst versierte Kastraten-
    Momentan erkenne ich auf diesem Niveau keinen Konkurrenten für ihn- aber ein Nachfolger von Pavarotti wird er sicher nicht, eher von Gedda oder Alva.

  • Hallo


    Ich sehe ihn derzeit überhaupt niemandem mit dem ich ihn vergleichen könnte. Auch nicht Gedda und Alva.
    Gedda singt meiner Meinung nach zu kontrolliert um mit ihm verglichen zu werden, Alva hat mit ihm lediglich gemeinsam, daß auch er fast ausschließlich mir Rossini verbunden wird.


    Die eine CD die ich von Florez bisher habe, vermittelt mir jedoch ein völlig anderes Bild: Ein junger Sänger, der sehr oft an die Genzen des für ihn möglichen, und niemals auf "Nummer sicher" geht.


    Das ist zwar für den Zuhörer beeindruckend, wirkt spontan und beeindruckend, könnte aber durch eine äußerst kurze Karriere erkauft werden.


    Man wird sehen (und hören)


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Sagitt meint:


    Ich möchte eine Lanze für Alva brechen( Gedda hat dies wohl nicht nötig). Alva- man muss die Stimme ja nicht mögen- hatte ein leichtes, sehr flexibles Organ, er war ein großartiger Rossini-Interpret.Man muss halt in die Vergangenheit gehen.
    Ich möchte nicht den Vergleich mit Florez anstellen, ich glaube, ihm wird ein größeres Repertoire zur Verfügung stehen.


    Es ist immer interssant, wie lange sich Karrieren gestalten. Ich habe Florez über seinen Gesang reden hören und den Eindruck, er weiss sehr genau über die Möglichkeiten und Grenzen seiner Stimme Bescheid.
    Wenn er sich an diese Erkenntnisse hält, könnte es mit einer längeren Karriere schon klappen.

  • Hallo,


    ich würde Herrn Florez raten, solange wie möglich im klassischen Belcanto-Fach zu bleiben und den Schritt bspw. zu Verdi (da kommt für ihn ja eigentlich nur der "Rigoletto"-Herzog in Frage) wenn überhaupt, dann sehr zögernd und sehr überlegt zu wagen. Als warnendes Beispiel der Selbstüberschätzung fiele mir hier Francisco Araiza ein, der ebenfalls bei Rossini und Mozart begann (und dort große Erfolge hatte), sich dann aber verhängnisvollerweise an Verdi-Partien und gar an Wagner herantraute und so seine schöne Stimme ruinierte.


    Gerade die Qualitäten, die den Gesang von Florez so anziehend machen - Elastizität, Geschmeidigkeit, stupende technische Kontrolle der Stimme - würden Schritt für Schritt verloren gehen, ohne daß er im Gegenzug etwas gewönne. Was die Wahl der Rollen angeht, sollte er sich tatsächlich Alfredo Kraus zum Vorbild nehmen. Schuster, bleib bei deinen Leisten!


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo!
    Ich orientiere mich nichtmehr an Studioaufnahmen, sondern an meinen live-Eindrücken. Und die sind bei Florez inzwischen reichlich.
    Der Vergleich mit Alva hinkt, da dieser keine brauchbare Höhe hatte.
    Gedda sng meines Wissens nur den Almaviva und leider den Arnold von Rossini, Nemorino und Edgardo von Donizetti aber keine Mörderpartien wie in Matilde di Shabran und La donna del lago. Extra für Florez wurde auch in Wien die zweite Almaviva-Arie aufgemacht(ich glauber Siragusa hat das nunmehr auch gemacht). Der Vergleich mit Gedda kommt jetzt mit den Puritanern. Das war eine der Parade-Rollen von Gedda.
    In Las Palmas sang Florez bereits den Arturo und das beeindruckend.
    Die lange Phrase ist aber noch nicht seine Stärke und das kann beim Arturo schon "in die Hose" gehen.
    Aber am Samstag hörte ich eine Regimentstochter aus Genua und das war einfach irre. Der hat die Cabaletta wiederholt und dann im zweiten Akt noch ein sagenhaftes Des gesungen(Hat Pavarotti eigenartiger Weise nie gemacht, Kraus schon) und ich gebe den "Vorschreibern"(blödes Wort) recht nicht im Stile einer Zirkusnummer(wie gelegentlich bei Pavarotti)....
    Hoffentlich hält er den Angeboten stand, die schon Duca, Alfredo, Rudolfo usw.von ihm hören(oder sehen) wollen.
    Barbiere, Italiana, Sonnambula gab es schon an der Staatsoper und es war jedesmal eine Offenbarung.
    Ich freue mich schon auf die Puritaner.
    Übrigens sang er ja im Vorjahr wieder in Pesaro Matilde da Shabran, diese Irrwitz-Partie die er bei seinem Debut innerhalb weniger Tage lernte. Wenn man diese beiden Mitschnitte vergleicht(bei seiner Jugend sind diese 8 Jahre geradezu unglaublich) stellt man schon die Wandlung vom Talent zum Star fest.
    Übrigens muß das damals in Pesaro(der vorgesehene Tenor "erkrankte" - er konnte ganz einfach die Partie nicht) so ähnlich gewesen wie Ferdinand Leitner gestaunt haben muß, als für eine Alcina Aufführung die Tenöre Alva und Wunderlich dieselbe Partie einstudiert hatten. Wunderlich schaffte dann während der Proben die zweite Partie vom Blatt.
    Also werden wir Die Karriere von Florez weiterbeobachten und hoffen, dass er weiterhin so klug an sich arbeitet wie bisher
    manrico

  • Hm, ein kompletter Tenor? Meiner Meinung nach - und da stimme ich absolut mit Herrn Schmidt überein - ist Herr Florez für Belcanto-Fans eine Glücksache. Ich hoffe sehr, daß er nicht auch der Unart verfällt, sich in das "schwere" Fach drängen zu lassen. Alfredo Kraus hat es vorgemacht, wie man mit sorgfältiger Repertoireauswahl sehr lange mit guter Stimme singen kann. Im Juni wird Herr Florez in Düsseldorf auftreten. Dort werde ich mir dann den zweiten Liveauftritt gönnen. Zum ersten mal sah und hörte ich ihn vor einigen Jahren in Pesaro. Schon damals erstaunlich, wie er mühelos in die höchsten Höhen stieg und Koloraturläufe darbot. Hoch-Zeit für den Belcanto.


    Gruß


    belcantofan

  • Hallo,


    Seit dem ersten Beitrag hat sich nun doch einiges getan, inzwischen ist (im November 2004) bereits die 3. Arienplatte mit Florez erschienen.
    Eigenartigerweise hab ich das erst vor einigen Tagen so richtig realisiert.


    Als ich dann auf dem Programm "La Donna e mobile" entdeckte, war ich skepisch. Ich hatte die CD mehrfach in der Hand und hab sie dann doch wieder ins Regal zurückgelegt, weil ich mir hier vor dem Kauf Feedback holen wollte.


    Inzwischen habe ich aber in den kurzen Ausschnitt, bei jpc hineingehört (bei Amazon klingt die Hörprobe leider wie aus dem Trichter, und ist daher kontraproduktiv !!)


    Das was ich hörte hat mich begeistert. Vielleicht hat aber doch jemand bereits diese CD und möchte näheres dazu sagen.


    BTW:


    Die Aufnahme gibt es wahlweise als CD und als SACD.
    Um dem Kunden auf via Internet auf die "großen Klangunterschiede" hinzuweisen, hat man fürsorglich die CD Version als mp3 File mit 32kbps
    gesendet, die SACD jedech mit 128 kbs. Man schreckt wirklich vor keinen Tricks zurück um das ungeliebte Format durchzusetzen X(



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Nach dem Einverleiben der 3.Produktion"Operatic Arias" bin ich davon überzeugt,daß in Juan Diego Flórez ein ganz Großer seines Fachs heranreift.Er scheint gut beraten zu werden,nur passende Rollen zu singen und abzuwarten,wie sein Volumen wächst.Der Rigoletto-Gassenhauer "La donna è mobile" und eine Arie aus "Un giorno di regno" lassen ahnen,daß Verdis lyrische Rollen durchaus seiner Tessitura liegen.Weitere Ausflüge scheinen wohl nicht geplant.Die weiteren Beispiele von Gluck,Rossini,Donizetti und auch "Avete torto!..." aus Gianni Schicci zeigen,wo sich die Spielwiese Flórez' befindet.
    Schlank und ansatzlos höhensicher ohne jegliche Forcierungsnot ist diese Stimme reines Labsal und stellt für mich derzeit ein Unikat dar.Die Frauen werden ihn deswegen besonders mögen.

  • hallo, da stehe ich wohl mal wieder alleine auf der weiten flur ... aber ich fand das, was ich von ihm bislang gehört habe überhaupt nicht ansprechend, um es gelinde auszudrücken. :(
    die stimme finde ich viiiel zu dünn: ich fand, er sang auch sehr angestrengt auf seinen recitals ... fazit: nach mehreren hörversuchen habe ich entnervt abgebrochen ...
    da hier aber so viel geschwärmt wird, werd ich es nochmals vorurteilsfrei versuchen


    grüße an einem großen tag
    jörg

  • ich habe ihn das erste mal in puccinis - gianni schicchi in der wiener staatsoper
    gehört. ich kannte bis dahin den namen nicht mal. er ist mir aber sofort besonders
    aufgefallen und ich habe mir den namen gemerkt. habe ihn dann noch zweimal
    (bellini / somnambula und rossini / italienerin in algier) gehört. sein gesang klingt
    so natürlich und unangestrengt, als ob es aus ihm einfach herausfliesst.


    cd aufnahmen kenne ich bisher keine von ihm.


    faun

  • Er war auf dem "Prinsengracht-Konzert 2004(?)" in Amsterdam.
    Fast 20.000 Menschen auf dem Prinsengracht, in Boote im Kanal, zuschauend aus den Fenster der Häuser hörten atemlos zu. Die Hintergrundgeräusche - mit Ausnahme der Kircheglocke und der Straßenbahn - waren von ihm überstimmt.
    Er erreichte sie mühelos alle, dieser von Gott begnadigten Sänger.

  • Was bitte ist ein "kompletter Tenor"?


    Das müsste wohl einer sein, der genreübergreifend alle Tenorpartien zumindest tadellos singen kann - und das halte ich für ausgeschlossen. Vielleicht kommt Domingo diesem Begriff noch am nächsten, der zumindest seine Rollen weitgehend nach den stimmlichen Möglichkeiten ausgesucht hat (und aussucht), wobei viele mit der Zeit einfach gestrichen wurden.


    Viele großartige Tenöre hatten nur eine Handvoll Partien - was aber über die Qualität des Sängers nichts aussagt. Florez gehört für mich eher in diese Kategorie und sollte versuchen so lange wie möglich in seinem aktuellen Genre zu bleiben; da ist er fast konkurrenzlos.


    Leider glauben viele Intendanten/Manager/Hörer (und leider auch Sänger) man müsse aus einem großartigen Belcantisten einen mittelmäßigen Dramatiker machen, weil das die "ruhmreicheren" Partien sind.

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Weitere Ausflüge scheinen wohl nicht geplant.


    Hallo Siegfried,


    Ich entnahm das Einlageheft seiner Bellinini/Donizetti-CD das folgende Zitat:


    Er ist der Belcanto-Tenor unserer Zeit, ein lyrischer "tenore di grazia" oder "tenore lirico-leggero"...


    "Wissen Sie", sagt er, "zu Zeiten von Kraus hatten die Tenöre keine große Auswahl. Kraus hätte eine herrliche Donna del lago gesungen. Ich würde ihn liebend gerne in einer solchen Oper hören, aber damals hatte man nicht die Gelegenheit, viel Rossini und Donizetti zu singen, so dass am Ende alle den Duca in Rigoletto und Edgardo in Lucia und Alfredo in Traviata sangen, selbst die Leggero-Tendre. Heute ist es anders. Wir sind strikter. Ich habe noch nicht einmal anfangen müssen, Verdi zu singen. Ich habe das Privileg, meine eigenen Sachen zu singen die ich liebe und die meine Stimme besser schonen."


    So weit, so schön. Wir werden also noch eine Weile warten müßen, bis er z.B. Alfredo abgibt.


    LG, Paul Musicophil



    Hallo Paul,
    Blau ist Moderatorenfarbe,deshalb bitte NICHT benutzen!
    Habe es in Schwarz gefärbt.
    LG Maik
    Moderator

  • Na, hat noch keiner diese CD? Die habe ich ja schon ein Jahr bei mir im Schrank.
    Diese Rossini-CD ist wirklich eine heiße Tip.



    Flórez singt so schön (oder wäre elegant besser?) die Koloraturen. Und seine Stimme hat noch die jugendliche Klang. Und die hohe Noten klingen bei ihm so unbeschreiblich klar.
    Es ist, alsob es ihm überhaupt keine Mühe kostet.


    LG, Paul

  • Zitat

    Was bitte ist ein "kompletter Tenor"?


    Gute Frage,
    ich meine, daß derjenige komplett ist, der seine Möglichkeiten gut kennt und voll ausschöpft, sein Repertoire kennt und auslotet...


    für unvereinbar halte ich z.B: "schwere" Singweise und leichte Koloraturen...
    ein Kalaf muß kein Evangelist sein und umgekehrt...

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Zitat

    Original von Antracis


    Was ist eigentlich ein kompletter Tenor ? Nun, ich meine damit jemanden, bei dem Musikalität, individuelles Timbre, Technik, darstellerisches Talent und natürlich die stimmliche Substanz - das Instrument! - alle auf höchstem Niveau entwickelt sind.


    Daraus lässt sich indirekt schließen, dass ich in der Tat damit nicht meinte, dass jemand gleichzeitig ein Tamino und ein Tristan ersten Ranges ist. Selbstverständlich steht es aber natürlich jedem frei, das anders zu meinen. Mir ging es nur um die von Alfred gewünschten blumigen Aufhänger zu einem Thread über Florez. Leider verselbstständigen sich die Titel manchmal aus der Diskussionsfreude der User heraus.


    Ich hätte den Thread also doch: Juan Diego Florez - jemanden, bei dem Musikalität, individuelles Timbre, Technik, darstellerisches Talent und natürlich die stimmliche Substanz - das Instrument! - alle auf höchstem Niveau entwickelt sind ? nennen sollen.



    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    Ich hätte den Thread also doch: Juan Diego Florez - jemanden, bei dem Musikalität, individuelles Timbre, Technik, darstellerisches Talent und natürlich die stimmliche Substanz - das Instrument! - alle auf höchstem Niveau entwickelt sind ? nennen sollen.


    :D Ja, das wäre auf alle Fälle einprägsamer gewesen. Soll ich ihn umbenennen :D

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • musicophil , Anti und Rest der Welt



    Ja, auch habe diese CD (schon seit einiger Zeit) im CD-Schrank.


    Manchmal habe ich mich wirklich schon gefragt, ab ich denn wirklich schon ein verbitterter alter Mann bin, der an jetzigen Künstlern kein gutes Haar lässt - immer auf die Vergangenheit hinschielend - das Schöne der Gegenwart negierend.


    Aber der Sänger Juan Diego Flores und seinen Aufnahmen beantwarten diese Fragen eindeutig mit NEIN.
    Wenn etwas hervorragend ist, dann erkenne ich es auch und geniesse es. Bei Flores passt einfach alles: Da singt nicht nur ein schöner Jüngling aber schwach auf der Brust - oder ein Fass, das man sich in gewissen Rollen gar niucht vorstellen kann oder will, oder eine Schöne Stimme, die nach 3 Minuten ermüdet, oder eine vorzüglich geführte Stimme, die leider ein wenig unschön ist, geschickt durch die Technik kaschiert....
    Nein - da passt einfach ALLES. Eine von Natur aus schöne, um nicht zu sagen betörende Stimme, absolut rollendeckend eingesetzt, elegant und höhenstark, jagt mir wohligen Schauer über den Rücken sooft ich sie höre. Ich kenne eigentlich in Bezug auf Rossini niemanden (auch in der jüngeren Vergangenheit nicht) der Flores das Wasser reichen kann !!! Perfekt !!!


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    zitat klingsor
    hallo, da stehe ich wohl mal wieder alleine auf der weiten flur ...


    Nein, tust Du nicht!
    Das ist eine sehr kleine Stimme, die sehr sauber geführt wird und leicht anspricht. Aber absolut kein Sänger für mich. Ein Sänger für die Plattenstudios - aber in einer großen Rolle auf der Bühne?
    Ich breche aber noch nicht den Stab - abwarten tu' ich.

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Das ist eine sehr kleine Stimme, die sehr sauber geführt wird und leicht anspricht. Aber absolut kein Sänger für mich. Ein Sänger für die Plattenstudios - aber in einer großen Rolle auf der Bühne?


    Hallo Edwin,


    Inzwischen habe ich von ihm "La Favorite" und "I Puritani". Beide Bühnemittschnitte. Ich kann nur dazu sagen: Er ist auch auf der Bühne ganz groß.


    Was meinst Du außerdem mit "kleine Stimme"? Umfang des Registers? Ich kenne aus dem 20. Jhdt. kein lyrischer Tenor der solche hohe Note sang.
    Zweifelsohne gab es sie, aber dan lange, lange her.


    Meinst Du dünn? Kein Volume? Seine Stimme ist so pregnant, hell und klar, daß manch Heldentenor eifersüchtig sein muß.


    LG, Paul

  • Ich meine es ist eine Frage der Definition.


    SEIN Spezialfach BelCanto meistert er IMO perfekt - wenn man so etwas von einer Stimme überhaupt sagen darf.
    Es ist überhaupt ein Problem mit der Beurteilung von Stimmen:
    Auch erfahrene Kritiker geraten sich oft drüber in die Haare,
    was "gut" sei und was nicht.....
    Hier spielen persönliche Präferenzen eine große Rolle


    LG


    Alfred

  • ..heute habe ich ihn diese Arie 10 x singen lassen, bei einer längeren Autofahrt. Ich konnte mich nicht satthören!


    das ---- pensiäääääääääär am Ende habe ich noch nie so rein und ohne ein Flackern der Stimme mit so einer Leichtigkeit singen gehört. Nicht einmal Jussi bekam das so schön hin!

    WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
    TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
    THEN IT HAS MISSED ITS POINT
    (Maria Callas)

  • J.D. Florez ist vieleicht als "Tenore di grazia"ein perfekter Tenor.
    Aber ein kompletter Tenor,wäre ja ein Tenor,der alles,von Bach
    bis Wagner singt.Ich kenne nur enen Tenor der nahe dran war.
    Es war der Ungar, Koloman von Pataky,der die Evangelisten von
    Bach sang,sowie Mozart,Verdi (Radames)bis Puccini.Das soll keine Wertung sein.
    Es muß ja keine kompletten Sänger geben.


    Herbert Henn.

  • Ich hörte vor einer Stunde bei "Youtube" Florez als Tamino. Ein schreckliches Dirigat, denn viiiiiiiiiiiieeeeeel zu langsam. Und über Florez' Akzent schweige ich.
    Trotzdem hörte ich auch ein richtiger Mozarttenor.
    Und vielleicht weil es so langsam war, und die Qualität übers Internet nicht optimal, hörte ich auch eine gewissene Ähnlichkeit mit Leopold Simoneau.


    LG, Paul

  • Verglichen mit Marcelo Alvarez, der in soeben in München einen fulminanten Werther gesungen hat, klingt Juan Diego Florez schon recht dünn. Als Rossinitenor überzeugte er mich noch am ehesten. Diesem Genre sollte er auch verbunden bleiben.