Riccardo Muti - Neapolitanisches Feuer?

  • Zitat

    Am 1. Januar 2000 wurde er einem Millionenpublikum bekannt, als er die Wiener Philharmoniker zur Begrüßung des neuen Jahres und des neuen Jahrtausends dirigierte, was weltweit im Fernsehen übertragen wurde.


    Beinahe wie blanker Hohn klingt dieser Text, gefunden bei WIKIPEDIA, denn selbstverständlich war Riccardo Muti auch schon lange vorher einem "Millionenpublikum" bekannt - und noch dazu dem "richtigen"


    Geboren am 28.7. 1942 in Neapel, erlernte er das Dirigentenhndwerk von Antonio Viotti, bzw Komposition bei Bruno Bettinelli.


    Als Preisträger des Dirigentenwetbewerbs Guido Cantelli 1967 war seine Karriere nicht mehr aufzuhalten. Es folgten Engagements als Musikalischer Leiter ans Teatro Communale Florenz und als Direktor Maggio musicale Fiorentino.
    Nach iOtto Klemperers Tod, übernahm er 1973 das Philharmonia Orchestra London , 1981-1992 wirkte er als Chefdirigent des Philadelphia Orchestra.
    Man kann Mutii durchaus als Universaldirigenten bezeichen, er dirigierte Mozart, Schubert ,Mendelssohn, Mahler, italienische Opern und sogar Wagner - die Liste ist nur ein Auszug.


    Er ist besonders mit der Mailänder Scala und der Wiener Staatsobper verbunden und nahm auch zahlreiche Werke mit den Wiener Philharmonikern auf für EMI auf.


    Eigenartigerweise gibt es in meiner Sammlung leine einzige Aufnahme, die ich als "Referenz" bezeichnen würde, die deutsche Kritik ist ziemlich zurückhaltend, die britische indes streut ihm Rosen (Gramophone)


    Was sind in Euren Augen die besoneren Kennzeichen dieses Dirigenten, seine stärken, seine Schwächen, und wer hat eine Lieblings-CD.


    Wer hat Muti schon live erlebt, was war Euer Eindruck ?


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Lieber Alfred :


    ein verdienstvoller Thread .


    Maestro Muti galt nicht umsonst auch als d e r Nachfolgekandidat von Karajan an der Spitze der Berliner Philharmoniker .


    Der geschäfsttüchtigere , netzwerkintensivere und PR - Künstler Claudio Abbado , Mutis Dauerrivale , wurde es dann .


    Muti gehört zu den genz grossen Stlisten unter den sog. Stardirigenten . Äusserst kultiviert , bescheiden im Auftreten hat er inzwischen mehrere Jahrzehnte lang Grosses vollbracht . Mit akribischer Präzison des Notentextes , einer nie unkontrollierten Leidenschaft . Einem grossartigen Gespür für den legendären "Philadelphia Klanbg" , der selbst der sehr konservativen "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" i9n einem Artikel über das Philadelphia Orchestra entgangen ist bzw. dem Verfasser des schwachen Artikels .


    Muti hat Stokowskys und vor allem Eugen Ormandys Werk in Philadelphia mit eigenen Akzenten fortgesetzt . Hörbar auch auf seinen ausseramerikanischen Tourneen .


    Was , bitte , ist Referenz ?


    Im Falle von Riccardo muti vor allem seine gleichbleibend sehr hohe Qualität seiner Interpretationen . Er hat nicht bereits ausgetretene interpretatorische Pfade weiter verfolgt , sondern ist konsequent seinen logischen Weg gegangen .


    Schmerzhaft für viele war dies im "Verdi - Jahr" in Zusammenhang mit seinen beiden grossen Interviews in der "Neuen Zürcher Zeitung" ( immerhin einem Weltblatt des Journalismus ) . Auch bei den Sängerinnen und Sängern wagte er grosse Routine ( etwa Leo Nucci 9 mit jungen Stimmen kongenial zu vermengen .


    Muti war sicherlich nie ein Magier des musikalischen Übereichnens .


    Seine interpretatorische Kraft und Überzeugungskunst kam aus sein er konsequenten Beschäftigung mit den Partituren in seinem sehr kultivierten Heim .


    Muti ist in vilen seiner aufnahmen so gut , ja herausragend , dass jede dieser Aufnahmen als "Referenz" bezeichnet werden muss .


    Maestro Muti hat nie ein Klischee des musikalischen Boulevards bedient ! Das schon ist selten genug .


    Ein Star, Giulini in vielem nicht unähnlich , der aus sich selber wirkt !


    Aufnahmen :


    Beethoven : Symphonie Nr. 6 - 8


    Brahms : Symphonie Nr. 3 & 4


    Klavierkonzert Nr. 1 , d -Moll , ( mit Weissenberg ; EMI)


    Klavierkonzert Nr. 2 , B-Dur , (Live ; New York ;


    Carnegie Hall ; mit Alexis Weissenberg ; Privater Mitschnitt;
    New York 1982 )


    Berlioz : Symphonie fantastique ( auch live erlebt )


    Schubert : "Unvollendete" Symphonie


    Tschaikowsky : "Pathétique" - Symphonie


    Ein Mozart Violinkonzert mit einer sehr überzeugenden A S Mutter ( EMI ) .


    Ich bin gespannt auf die "Ergenisse" von Muti in seiner neuenn Aufgabe !


    Eine beeindruckende und faszinierende Persönlichkeit


    ist er wohl für alle , die direkt mit ihm zu tun hatten .


    Beste Grüsse



    Frank

  • Ich werde niemals ein Konzert mit Riccardo Muti und dem Philharmonia Orchestra London in der Alten Oper vergessen. Ein derart fantastisch klingendes Orchester habe ich davor und danach nicht mehr gehört.
    Es gab die Wilhelm Tell-Ouvertüre von Rossini, die Feuervogel-Suite von Stravinsky und die Sinfonie Nr. 6 "Pathétique" von Tchaikovsky. Ich gehe nicht davon aus, daß ich diese Werke einmal besser gespielt und klingender hören werde.



    Agon

  • Lieber Agon :


    Mein vollste Zustimmung !



    Noch unter dem alten Maestro Ormandy , der auch in Wien ein phantstischen Eindruck um 1970 mit Beethovens 8ter und Tschaikowskys "Pathétique" mit den Wiener Philharmonikern hinterlassen hatte , konnte ich den legendären Philadelphia Klang live erleben .



    Für mich der beste Klangkörper der Welt . Ohen Skandale ( die offensichtlich als Leistung immer häufiger anerkannt und erwartet werden ) .


    Muti war der wunschnachfolger von Ormandy . Eine exzellente Wahl !


    Ich konnte Muti eher zufällig bis zu seier letzten Saison in Philadelphia hören . es gab keine Annutzungserscheinungen .


    Die Homogenität des Orchesters war noch - subjektiv - für mich besser als die des Chicago S o oder des szellgeformten Cleveland Orchestras .


    Nur das Boston Symphony Orechestra hatte auch seit etwa meiner frühen Studienzeit als etwa gleichrangig empfunden ( insbedondere wegen des wundervollen Konzertmeisters Joseph Silverstein , der auch das Brahms - Violinkonzert grossartig eingespielt hat ) .


    Muti hatte eine Masststab gesetzt , den Sawallisch nicht wirklich halten konnte .


    Wolfgang Sawallisch schätze ich ( wie seine Gattin ) sehr , was ich ausdrücklich betonen möchte . Den Vorwurf , Sawallisch sei "erzkonservativ" als Musiker kann ich leider ( oder doch Gott seis gedankt ) nirgendwo hören .



    RICCARDO MUTI bleibt für mich einer der grossen Dirigentenpersönlichkeiten überhaupt .


    Beste Grüsse ,


    Frank

  • Lieber Frank,


    leider konnte ich Muti nie mit dem Philadelphia Orchestra live hören, da ich erst 1976 geboren wurde und zur Klassik "erst" ca. 1995 fand, und da war er, glaube ich, nicht mehr Chef dort. Aber es muß eine goldene Ära gewesen sein, selbst im Vergleich zur Ormandy-Ära, die ja allein schon wegen ihrer Dauer legendär ist.
    Ich beneide Dich etwas, daß Du Ihn noch in Philadelphia hören konntest.
    Im Herbst kommt er mal wieder nach Frankfurt und spielt die "Italienische" von Mendelssohn und die "Eroica" von Beethoven mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Wenn ich eine günstige Karte bekommen kann, werde ich wohl trotz des zu populären Programms hingehen. Muti ist einfach ein so qualitativ hochwertiger Dirigent, daß es sich eigentlich immer lohnt, Ihn zu hören, auch wenn man mit seiner Interpretation nicht übereinstimmt.
    Vor einigen Jahren hörte ich Ihn bei einem italienisch-russischen "Gipfeltreffen" in Norditalien in einer riesigen Halle. Er dirigierte das Scala-Orchester gemeinsam mit dem Mariinsky-Orchester in Beethovens Neunter. Es war beeindruckend, aber mir waren die Tempi damals zu schleppend. Nichtsdestotrotz: ein einmaliges Erlebnis (besonders die Nationalhymnen zu Beginn ;)).



    Es grüßt
    Agon

  • Es ist irgendwie schon merkwürdig, daß Muti hier im Forum eine doch sehr untergeordnete Rolle spielt, obwohl er höchste Wertschätzung zu genießen scheint. Seit dem Daheinscheiden Giulinis dürfte er vermutlich der bekannteste italienische Dirigent sein. Dennoch werden hier selten Referenzaufnahmen Mutis genannt. Ich selbst kenne eigtl. aus dem Stegreif auch nur eine einzige, und zwar "Romeo und Julia" von Tschaikowsky, das hat mir doch ausnehmend gut gefallen.

  • Das war vor über 30 Jahren meine erste Begegnung mit Ricardo Muti als Operndirigent - die Aufnahme gehört bis heute zu meinen liebsten dieser Oper - nicht nur wegen der vorzüglichen Sänger-Besetzung, der Maestro hat sicher auch einen großen Anteil daran:



    Giuseppe Verdi (1813-1901)
    Nabucco

    Manuguerra, Luchetti, Ghiaurov, Scotto,
    Philharmonia Orchestra,
    Dirigent: Ricardo Muti
    Label: EMI , ADD, 77


    LG


    :hello:

  • Wir dürfen nicht vergessen, daß die Wertschäzung eines Dirigenten imnner ein wenig mit dem Programm zusammenhängt, das er dirigiert - und auch mit dem Publikum WO er dirigiert.


    Als Beispiel: Die hochanständige, aber deutschn Kritikern zufolge ein wenig "zu brave" Einspieluing der Schubert Sinfonien mit den Wiener Philharmonikern wurde von EMI einst in den Budget-Bereich verbannt.
    Englische Kritiker loben die Aufnahme jedoch in den höchsten Tönen.


    Fast eine Demütigung ist es jedoch, daß die GESMTAUFNAHE aller Schubert -Sinfonien nun an Brillant Classics lizenziert wurde, wo man sie nun für 9.99 Euro erwerben kann( !!!)



    Die Aufnahme ist weniger dramatisch als klangschön. Sie würde dem Wiener Geschmack entsprechen und tut das auch sicher - jedoch stehen seine Aufnahmen mit jenen von Karl Böhm in Konkurrenz....


    Wer diese Aufnahmen jedoch noch nicht besitzt und das Klangkonzept mit seinem Geschmack zusammenpasst - der sollte zugreifen..


    Wie zumeist kann auch hier durch Klick auf das Cover Zugang zu den jpc Musiksamples erreicht werden.....


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Lieber Agon ,



    ich habe Muti mit dem Philadelphia Orchestra auch etwa 1992 in FFM live erleben können .


    Die #konzertpreise haben mich längere Zeit zweifeln lassen , ob sich das "lohnt" . immerhin nach FFM fahren , übernachten usw, die Karten ( zwei ) .


    Nichts bereue ich . Man muss sich darüber im klaren sein , was man erwartet und dafür breit ist zu zahlen .


    In diesem konkreten Fall hat es sich wieder einmal mehr als gelohnt . Dann muss man halt ggf. Abstriche auf anderem Gebiet machen .


    Die Kombination mit dem Israel Philharmonic Orchestra und Muti ist mir neu .
    Wenn Du einen relativ günstigen Platz bekommen solltest : gehe bitte hin ! Du wirst es nicht bereuen .


    Wenn das Konzert nach dem 20. oktober 2009 stattfinden sollte , würde ich versuchen , selbst dorthin zu fahren . Vorher geht es leider nicht .


    Beste Grüsse ,


    Frank

  • Wie gestern zu lesen war, soll Riccardo Muti musikalischer Leiter des Teatro dell’Opera di Roma werden. Die Aufgabe soll er zusätzlich zu seinem Engagement in Chicago im Dezember 2010 übernehmen.


    Die Pressemeldungen basieren wohl auf Mitteilungen aus dem Rathaus der italienischen Hauptstadt. Demnach hat Gianni Alemanno, der Bürgermeister der Stadt Rom, die Verhandlungen zum Engagment mit Muti am Rande der Salzburger Festspiele geführt und zum Abschluß gebracht.


    Ricardo Muti hat 2005 die Mailänder Scala im Streit verlassen und wird 2010 musikalischer Leiter des Chicago Symphony Orchestra. In den 1980er-Jahren war er Chefdirigent des Philadelphia Orchestra.


    (Quelle: cf)


    LG

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    ...
    Als Beispiel: Die hochanständige, aber deutschn Kritikern zufolge ein wenig "zu brave" Einspieluing der Schubert Sinfonien mit den Wiener Philharmonikern wurde von EMI einst in den Budget-Bereich verbannt.
    Englische Kritiker loben die Aufnahme jedoch in den höchsten Tönen.


    Mir war schon aufgefallen, dass Mutis Schubert hier verschiedentlich eher mäßig eingestuft wurde. Mangels Kenntnis konnte ich dazu keine Meinung haben. Dann drehte ich vor einigen Monaten am Mittwoch Abend zum Philharmonischen Ö1-Termin das Radio auf und landete mitten in einer Schubert-Symphonie (ich glaube die 5.). Und was ich da hörte, gefiel mir sehr gut. Zwar großes Orchester, aber dennoch federnd, leichtfüßig und sehr klangschön musiziert. Etwas überrascht erfuhr ich danach, dass es sich um den Mitschnitt aus einem Konzert mit Riccardo Muti handelte.


    Wenn die Plattenaufnahmen einigermaßen Ähnlichkeit mit dieser Aufführung haben, verstehe ich ehrlich gesagt nicht, was die Leute daran auszusetzen haben.



    Zitat

    Fast eine Demütigung ist es jedoch, daß die GESMTAUFNAHE aller Schubert -Sinfonien nun an Brillant Classics lizenziert wurde, wo man sie nun für 9.99 Euro erwerben kann( !!!)
    ...


    Nun übertreibe nicht! Die Dummheit der EMI-Manager hat schon ganz andere Perlen des Katalogs an Brilliant verscherbeln lassen (siehe Kempe-Strauss). Darüber kann man ohnehin nur den Kopf schütteln und zur Tagesordnung übergehen. Außerdem gibt es Schnäppchen für die Musikliebhaber!


    :hello:

  • Das Thema "Riccardo Muti" macht mich ratlos.


    Ich habe nur wenige CDs mit ihm (ein Querschnitt des Don Giovanni mit William Shimell in der Titelpartie, eine Box mit 2 Messen und den beiden Requien von Chérubini, die 3. und 4. Sinfonie von Mendelssohn-Bartholdy, die Violinkonzerte von Schumann und Sibelius mit Gidon Kremer, die Sinfonien von Scriabin, das Rom-Triptychon von Respighi und zwei Romeo-und-Julia-Suiten von Prokofieff.


    Außer dem Rom-Triptychon, das ich nach dem Kauf einige Male hörte, um das Klangbad zu genießen, und dem Schumann-Violinkonzert (wegen Kremer ... ) ist mir nichts bleibend in Erinnerung geblieben. Beim Don Giovanni gibt es zig bessere Aufnahmen, bei Mendelssohn würde ich Abbado und (sic!) Karajan weit vorziehen, beim Schumann-Violinkonzert ist mir die Aufnahme mit Kremer/Harnoncourt lieber, bei den Scriabin-Sinfonien und bei Prokofieff die Aufnahmen mit Ashkenazy.


    Somit schließe ich mich vorsichtig der im Start dieses Threads genannten Einschätzung, Muti habe keine Referenz-Aufnahmen geliefert, an. Mir ist in Erinnerung, dass er eine formidable Aida eingespielt haben soll, die kenne ich aber nicht.


    Vielleicht ist Muti wirklich der unspektulärste unter den lebenden Dirigenten-Stars, um es höflich zu sagen.

  • Riccardo Muti ist wahrscheinlich zu seriös, um hier im Forum gesteigerte Aufmerksamkeit zu erregen.
    Er ist keine schwule und eitle eskapistische Zicke wie Thielemann, kein machtgeiler Allesdirigierer wie Barenboim und auch keine Zeitgeisterscheinung wie Rattle.
    Er ist einfach nur ein verdammt guter Dirigent, der ein gewisses Qualitätsniveau nie unterschreitet und seine ganz eigenen aber seriösen Vorstellungen von den Werken, die er dirigiert, hat.
    In den USA wird er dafür geschätzt, in Deutschland ignoriert. Das spricht für sich.
    Aus heutiger Sicht ist es sogar als gut zu bezeichnen, daß er damals nicht Chefdirigent der Berliner Philharmoniker geworden ist. Sonst wäre er heute genauso ausgebrannt und ausgezehrt wie Abbado. Das ist er aber zum Glück nicht, sondern er wirkt so vital und stark wie immer und hat seine Eigenwilligkeit nicht verloren.


    Es existieren folgende Referenzaufnahmen mit Ihm:


    - I. Stravinsky: Le Sacre du Printemps (Philadelphia Orchestra, EMI)
    - N. Rimsky-Korsakov: Scheherazade (Philadelphia Orchestra, EMI)
    - G. Mahler: Sinfonie Nr. 1 (Philadelphia Orchestra, EMI)
    - S. Prokofiev: Ivan der Schreckliche (Philharmonia Orchestra, EMI)
    - G. Verdi: Macbeth (Philharmonia Orchestra, EMI)
    - P. I. Tchaikovsky: Sinfonien Nr. 1-6, Manfred (Philharmonia Orchestra, EMI)
    - R. Schumann: Sinfonien Nr. 1-4, Ouv. (Philharmonia Orchestra, EMI)



    Agon

  • Mir fallen zu Muti noch Ernani, Attila und Forza ein. Bei Mozart muss man an den legendären Da-Ponte-Zyklus im Theater an der Wien erinnern (dazu müsste man aber den ORF beklauen). Und schließlich hat Riccardo Muti Nino Rota im Konzertsaal hoffähig gemacht!


    :hello:


  • Vielen Dank, lieber Agon, für diesen Beitrag, den ich ohne Einschränkungen unterschreiben kann - auch und vor allem, was die genannten Einspielungen betrifft!!! :jubel: :jubel: :jubel:


    :hello:
    Johannes

  • Gerne geschehen, lieber Guercoeur!


    Für Riccardo Muti und seine Aufnahmen breche ich gerne immer wieder eine Lanze, weil ich von seinen Fähigkeiten als Dirigent überzeugt bin.


    Offenbar hat das Chicago Symphony Orchestra diese Fähigkeiten auch erkannt, denn sonst würde er dort nicht ab der Saison 2010/11 Chefdirigent werden.



    :hello:Agon

  • Zitat

    Original von Agon
    Riccardo Muti ist wahrscheinlich zu seriös, um hier im Forum gesteigerte Aufmerksamkeit zu erregen.
    Er ist keine schwule und eitle eskapistische Zicke wie Thielemann, kein machtgeiler Allesdirigierer wie Barenboim und auch keine Zeitgeisterscheinung wie Rattle.


    Ich lerne stets gerne hinzu. Daß die vermeintliche oder tatsächliche sexuelle Orientierung ein Qualitätskriterium eines Dirigenten darstellt, wußte ich bis dato noch nicht.


    Die Kategorisierung macht aber bei näherer Betrachtung Sinn.


    Thielemann hat bisher nichts dirigiert, was mich "vom Hocker gerissen hätte". Logisch, u.a. schwul!


    Bernstein wird ja nachgesagt, er sei bisexuell gewesen. Von Bernstein gefallen mir einige Aufnahmen, andere wiederrum gar nicht. Das würde ja bedeuten, immer wenn Bernstein schwul war, hat er schlecht dirigiert, wenn er heterosexuell war, dann gut.


    Folglich heißt es, daß er bei drei Sätzen von Mahlers 9. heterosexuell war und beim Finale schwul.


    Oha, ich fürchte, es wird kompliziert...



    Von den "Referenzaufnahmen" kenne ich die vom Macbeth. Ich halte Leinsdorf für "referenzwürdiger", aber das nur am Rande. "Referenz" liegt ja immer im Auge des Betrachters.


    Mahlers 1. hat bei mir keinen dauerhaft bleibenden Eindruck hinterlassen. Rafael Kubelik, Sir Colin Davis, Sir Georg Solti, Michael Gielen und Herbert Kegel sind mir erheblich prägnanter in Erinnerung geblieben. Die müßten dann ja, Deiner "Logik" folgend, noch weniger schwul gewesen sein (bzw. sind es) als Muti...


    Zum Chicago Symphony Orchestra: Dort folgt Muti dem "machtgeilen Allesdirigierer" Barenboim.


    Es dürfte uns beiden mit tiefer Freude erfüllen, daß endlich "Seriösität" beim CSO einkehrt. Haben die doch glatt 15 Jahre gebraucht, um das zu kapieren...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Lieber Norbert,


    es ist ja wirklich zu auffällig, daß Du Dich an dem Wörtchen "schwul" so hochziehst bzw. abreagierst. Aber es sei Dir gegönnt.


    Für mich jedenfalls war es nur ein Adjektiv, um die Persönlichkeit von Christian Thielemann zu beschreiben.



    :hello:Agon

  • Ich "ziehe mich weder hoch", noch "reagiere ich mich ab". Ich nehme Dich lediglich beim Wort.


    Ferner dachte ich, daß man im 21. Jahrhundert so aufgeklärt sein kann, um zu wissen, daß "schwul" keine diskriminierende Beschreibung einer Persönlichkeit darstellt.


    Ich sehe aber ein, daß es mein Fehler war. In sofern sorry.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Der italienische Dirigent Riccardo Muti ist bei einer Probe des Symphonieorchesters von Chicago ohnmächtig zusammengebrochen. Nach Auskunft einer Sprecherin des Orchesters wurde der 69-Jährige in ein Krankenhaus gebracht und unter anderem wegen einer Schnittwunde im Gesicht versorgt. Mittlerweile befinde er sich in einem stabilen Zustand. Riccardo Muti leitet das Symphonieorchester von Chicago seit dem vergangenem Jahr. Zuvor war er unter anderem als Musikdirektor an der Mailänder Scala tätig.


    (Quelle: WDR)


    LG

  • Ich "ziehe mich weder hoch", noch "reagiere ich mich ab". Ich nehme Dich lediglich beim Wort.


    Ferner dachte ich, daß man im 21. Jahrhundert so aufgeklärt sein kann, um zu wissen, daß "schwul" keine diskriminierende Beschreibung einer Persönlichkeit darstellt.

    Ich denke, Muti hat hervorragende Einspielungen hinterlassen. Dass er in Chicago einen Schwächeanfall erlitten hat tut mir leid und ich hoffe nur das Beste für ihn. Dass Thielemann homo ist, hätte ich nicht vermutet. Vor dem Orchester macht er mir einen völlig andern Eindruck, aber das kann ja täuschen. Furtwängler war sein Vorbild, aber der hatte ja einige u.e. Kinder. Das kann ja nun bei Thielemann nicht passieren. Ich dachte, nach der Diskussion über Bernstein wäre dieses Thema endgültig ad akta gelegt und da soll es auch bleiben. Wir sollten die Künstler um der Kunst willen ernst nehmen, bei aller unterschiedlichen Auffassung über Interpretation und Geschmack. Die Nebenkriegsschauplätze lenken vom Wesentlichen ab. Jeder nach seiner Fason...das gilt auch für alle User im forum, sonst müsste Alfred ja seine Telefonate mit Interessierten noch erweitern. Aber das will ihm ja wohl keiner zumuten. Beitrag darf auch wieder gelöscht werden.


    LG, Bernward
    (glücklich verheiratet seit 28 Jahren)


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Er ist keine schwule und eitle eskapistische Zicke wie Thielemann (...)
    Aus heutiger Sicht ist es sogar als gut zu bezeichnen, daß er damals nicht Chefdirigent der Berliner Philharmoniker geworden ist. Sonst wäre er heute genauso ausgebrannt und ausgezehrt wie Abbado.


    Zur ersten Äußerung hat Norbert schon die passende Antwort gegeben. Die zweite Äußerung kann aber auch nicht einfach so stehen bleiben. Claudio Abbado erkrankte während seiner Chefdirigentenzeit bei den Berliner Philharmonikern an Krebs, den er glücklicherweise besiegte. Sein Kampf gegen die schreckliche Krankheit hat erhebliche Spuren in seinem äußeren Erscheinungsbild hinterlassen. "Ausgezehrt" ist vielleicht gar keine falsche Beschreibung seines heutigen Aussehens. Aber zu behaupten, dass Riccardo Muti, wenn er denn damals statt Abbado Chefdirigent der Berliner Philharmoniker geworden wäre, das gleiche Schicksal wie Abbado erlitten hätte und heute genauso aussähe, ist ja wohl der Gipfel an Geschmacklosigkeit.


    Zum Thema Homosexualität noch eine Anmerkung: Riccardo Muti hat viel mit meinem absoluten Lieblingsmusiker zusammengearbeitet,

    der bekanntlich homosexuell war. Zum Glück hatte Muti nicht das Denken, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen irgendetwas mit seinen Qualitäten als Interpret klassischer Musik zu tun hat.

  • Also, ich weiß wirklich nicht, was diese überflüssigen Reaktionen auf meinem im Jahre 2009(!) geschriebenen Beitrag hier sollen.


    Offenbar sucht Herr Swjatoslaw dringend nach Punkten, an denen er sich reiben kann. Bitteschön.


    Tatsache ist, daß die Berliner Philharmoniker Claudio Abbado zerstört haben. Ende Gelände.


    Und Du als "aufgeklärter" Gutmensch, Swjatoslaw, der mit seinem Furtwängler-, Richter- und Rattle-Verehrungsgeschwätze hier nur noch noch rumnervt, sollte schon gemerkt haben, daß die Berliner Philharmoniker ein arrogantes Scheißorchester sind, denen die PR mittlerweile wichtiger ist als Seriosität.


    Und daß Richter schwul war, ist mir völlig unbekannt gewesen, allerdings auch scheißegal, genauso wie bei Thielemann, den ich in jedem Fall zum Kotzen finden würde...



    Allerherzlichste Grüße,
    Agon

  • Und Du als "aufgeklärter" Gutmensch, Swjatoslaw, der mit seinem Furtwängler-, Richter- und Rattle-Verehrungsgeschwätze hier nur noch noch rumnervt, sollte schon gemerkt haben, daß die Berliner Philharmoniker ein arrogantes Scheißorchester sind, denen die PR mittlerweile wichtiger ist als Seriosität.


    Ich bitte um Mäßigung im Tonfall, sonst muss ich meinen dicken Radiergummi auspacken. Wenn dir die Auffassung anderer Schreiber nicht zusagt, dann ignoriere sie. Aber dir steht es nicht zu, sie zu bewerten oder gar ihre Einstellung zu kritisieren. Und deine Meinung zu eurem angesagten Orchester numero uno ließe sich wohl auch etwas aussagekräftiger und sprachlich geschliffener formulieren...


    :hello:

  • Und Du als "aufgeklärter" Gutmensch, Swjatoslaw, der mit seinem Furtwängler-, Richter- und Rattle-Verehrungsgeschwätze hier nur noch noch rumnervt, sollte schon gemerkt haben, daß die Berliner Philharmoniker ein arrogantes Scheißorchester sind, denen die PR mittlerweile wichtiger ist als Seriosität.

    O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen. Und freudenvollere! Das wärs!


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo!


    Zu Ricardo Muti als DIRIGENTEN möchte ich Folgendes sagen: Er ist, was Verdi betrifft, nicht mein Lieblingsdirigent. Ich besitze zwei Gesamtaufnahmen mit seinem Dirigat: Die Opern "Nabucco" und "Macbeth". Beidemale werden Orchester, Sänger und Chöre getrieben, als wäre "Die wilde Jagd" hinter ihnen her. Ich glaube kaum, daß Verdi so hohe Tempi gefordert hätte. Obwohl ausgezeichnete Besetzungen (in "Nabucco" Manuguerra und Ghiaurov), aber das ist nicht mein Geschmack.



    Gruß Wolfgang