Komponisten und ihre Tasteninstrumente

  • Salut,


    Mozart [das derzeit neben "Nein!" meistgebrauchte Wort in meinem Wortschatz] - also:


    Mozarts Clavier hatte einen Tonumfang von F² bis f³, der "moderne" Flügel [meiner zumindest] hat einen Umfang von A³ bis c''''', und somit eine ganze Reihe mehr an Tasten, die für Mozart keine Verwendung finden. So fällt auf, dass in all seinen Klavierwerken die Maximalen ausgeschöpft werden [also F² bis f³] und Mozart teilweise musikalische Phrasen umkomponiert, wenn er über das f³ eigentlich hinaus müsste, was er [technisch eingesperrt] nicht konnte.


    Wie sieht das bei anderen Komponisten aus? Sind die Klavierwerke Chopins, Rachmaninovs, Liszts und anderer beispielsweise ebenfalls auf die eigenen Instrumente dieser Komponisten zugeschnitten? Haben sich diese Komponisten neue Erungenschaften in der Klavierbautechnik zu Herzen genommen und ausgekostet?


    Wenn ja, nennt doch bitte ein paar Beispiele evtl. mit Referenzaufnahmen.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Salut,


    es gibt z.B. folgende Einspielung der Mozartschen Klavierquartette auf einem 'zeitgenössischen' Instrument [Johann Schantz, Wien c1790]:



    Es spielen Mitglieder der Quatuor festetics zusammen mit Paul Badura-Skoda.


    Cordialement
    Ulli

  • Clara Schumann, und eines ihrer Klaviere


    Es gibt hier eine Aufnahme von Acanthus - in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien - Dependance Neue Burg - Sammlung alter Musikinstrumente, wo ein Flügel von Johann Baptist Streicher gespielt wird, welchen Clara Schumann im Eröffnungskonzert des "Kleinen Musikvereinssals" (heute "Brahmssaal")



    Eugenie Russo spielt Werke von Clara Schumann


    http://ecomm.khm.at/cgi-bin/kh…4206a6/Product/View/21167


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Der ORF hat eine CD mit dem Titel Haydns Klaviere herausgegeben:



    01 - Das Kaiserlied Hob. XXVIa Nr. 43
    02 - Variatonen über "Gott erhalte Franz den Kaiser" Hob. III Nr. 77
    03 - Sonate für Klavier B-dur Hob.XVI/2, 1. Satz
    04 - Jeder meint, der Gegenstand Hob. XXVIa Nr. 13
    05 - Sonate für Klavier E-dur Hob.XVI/13, 2. Satz
    06 - Cupido Hob. XXVIa Nr. 2
    07 - Sonate für Klavier B-dur Hob.XVI/2, 2. Satz
    08 - Die Verlassene Hob. XXVIa Nr. 5
    09 - Die Landlust Hob. XXVIa Nr. 10
    10 - Adagio für Klavier F-Dur Hob. XVII/9
    11 - Ein kleines Haus Hob. XVII Nr. 9
    12 - Adagio G-dur [aus Hob.XV/22]
    13 - 6 Variationen für Klavier C-dur Hob. XVII/5
    14 - Sonata II: "Hodie mecum eris in Paradiso" Hob. XX Nr. 1C
    15 - Dir nah ich mich Hob. XXVIa Nr. 17
    16 - Sonata VI: "Consumatum est" Hob. XX Nr. 1C
    17 - Als einst mit Weibes Schönheit Hob. XXVIa Nr. 4
    18 - Sonate für Klavier E-dur Hob. XVI/13
    19 - Trachten will ich nicht auf Erden Hob. XXVI Nr. 19


    Franz Zebinger, Tasteninstrumente
    Barbara Fink, Gesang


    Gespielt wird auf einem Hammerflügel von Anton Walter, befindlich in Eisenstadt [a = 416 Hz] sowie einem Hammerklavier, befindlich in Rohrau [a = 420 Hz]. Der Walterflügel war wohl Haydns Dienstklavier. Besonders reizvoll sind die authentischen Klavierfassungen der "sieben letzten Worte" Hob. XX Nr. 1C (leider nur in Auszügen, aber Immerseel und Brautigam machten ja eine GE), gespielt auf dem eisenstädter Instrument.


    Die CD dienst vielleicht eher dem ggfs. vorhandenen musikhistorischen Interesse - dennoch ist der Auszug aus der Klavierfassung der "sieben letzten Worte" ein Highlight!


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Travinius
    Als Souvenir aus dem Beethovenhaus (und um das Haus zu unterstützen)


    Ich glaube, Du hast damit eher die Betreiber des Shops unterstützt...


    :pfeif:


    Daß von dem Kaufpreis auch nur 1 Cent in den erhalt des Hauses fließt, glaube ich kaum.


    :hello:

  • Nach dem neusten Stand der Forschung könnte Mozarts Walter-Flügel durchaus Tangentenmechanik gehabt haben - näheres im Kommentar zu dieser ausgezeichneten Doppel-SACD:



    Und Clavichord hat er auch die ganze zeit gespielt, sein Reiseclavichord ist wenn ich mich nicht täusche, erhalten geblieben, sehr angemessen hier von Christopher Hogwood demonstriert und momentan sehr günstig zu haben:


  • Robert Schumann wohnte in Düsseldorf nur ein paar Ecken entfernt von den Werkstätten des Klavierbauers Johann Bernhard Klems, aber erst vor kurzem ist endlich eine Aufnahme seines späten Klavierwerks auf einem solchen Flügel erschienen, der ausgesprochen gut dazu passt:


  • Hallo,


    Hogwood vor ca. 20 Jahren die 5 Klavierkonzerte von Beethoven mit seiner Academy of Ancient Music und Steven Lubin als Solisten eingespielt, wobei bei jedem KK ein entsprechender Flügel mit entsprechendem Tonumfang verwendet worden ist.



    KK1: Rodney J. Regier 1980 (Anton Walter, Wien 1795)
    KK2: Derek Adlam 1987 (Anton Walter, Wien 1795)
    KK3: Christopher Clarke 1981 (Johann Fritz, Wien 1818 )
    KK4 & 5: Rodney J. Regier 1980 (Conrad Graf, Wien 1824)


    Viele Grüße
    John Doe

  • Nicht immer erweist sich der "historische Flügel" als Pluspunkt.



    Richard Fuller spielt hier auf Haydns Flügel im Haydn Geburtshaus in Rohrau 4 Klaviersonaten.


    Die Aufnahme hat - euphemistisch gesprochen - allenfalls "dokumentarischen Wert"


    mfg aus Wien


    Alfred


  • Ich kann mir kaum vorstellen, daß der Hammerflügel hier anders klingt, als auf der CD 'Haydns Klaviere'. Und Richard Fuller ist eigentlich eine Garantie für gute HIP-Interpretationen... allerdings kenne ich diese CD nicht.


    :hello:


    Ulli

  • Komponisten spielen eigene Werke am Klavier - 10 CDs



    Interpreten (Auswahl): Wolfgang Amadé Mozart, Franz Joseph Haydn, Franz Peter Seraphin Schubert, Ludwig van Beethoven, ...


    :pfeif:


    Tatsächlich befindet sich darunter eine Aufnahme von 1889, während welcher Joe Brahms einen seiner ungarischen Tänze spielt... auch die Aufnahmen von Mahler würden mich interessieren. Aber dafür gleich 10 CDs kaufen? Nö.


    :hello:


    Ulli

  • Hallo Ulli,


    im Falle Muzio Clementis ist dieser Punkt mit dem eigenen Klavier besonders interessant und wichtig, denn der Italiener war ja nicht nur Komponist, sondern auch Klavierbauer.


    Es gibt eine sehr schöne CD, die vom Pianisten Richard Burnett eingespielt wurde, auf der eine Sonate und die Monferrinas Opus 49 von Clementi auf einem Flügel von "Clementi & Co." erklingen...großartig :yes:


    Man kann im Falle Clementis also folgendes ermöglichen: Clementi auf Clementi :D




    Felix Mendelssohn-Bartholdy soll während seines ersten London-Aufenthaltes übrigens einen Clementi-Flügel als "himmlisch" bezeichnet haben.


    :hello:


    lg Helge

  • Zitat

    Original von Ulli
    Tatsächlich befindet sich darunter eine Aufnahme von 1889, während welcher Joe Brahms einen seiner ungarischen Tänze spielt...


    Die geistert bei mir irgendwo rum, aber das willst Du wirklich nicht gehört haben wollen... :no::no::no::no:

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Zitat

    ...... aber das willst Du wirklich nicht gehört haben wollen...


    in der Tat: Die Aufnahme ist schrecklich - das Thema nicht erkennbar.


    Das lag an zwei Dingen. Zum einen war Brahms an jenem Tag schlecht aufgelegt - und wollte nicht spielen, zum andern handelt es sich um eine Aufnahme die nachträglich - warum auch immer - "gelösch wurde - um die Walze erneut benutzen zu können. Dabei wurde die Wachsschicht - bei drehender Walze - mittels eines Messers heruntergeschabt.


    Im speziellen Fall war aber offenbar ein rest wachs auf der Walze verblieben, welche das "Abspielen" ermöglicht - Trotz Computereinsatz und anderer Kunstkniffe kann man das Ergebnis allenfalls als "desaströs" bezeichen, Edisons Aufnahem von "Little Mary had a Lamb" von 1878 (?)
    klingt dagegen wie "High End"


    In früheren Zeiten war die Aufnahme kostenlos im Internet abrufbar - Heute wird versucht dieses Ministück um knappe 8 Euro zu vermarkten - der Gratistrarack wurde vom Netz genommen.


    mfg aus Wien
    Alfred


    der die Phonogrraphen-Aufnahme (die mehr Geräusch als Klang ist - etwa wie das Wasser das eine Blechdachrinne herunterrint) mehrfach gehört hat.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    in der Tat: Die Aufnahme ist schrecklich - das Thema nicht erkennbar.


    Interessieren tät's mich natürlich dennoch, so wie ich mir auch die berühmt-berüchtigte Moreschiaufnahme angehört habe. Natürlich kann man daraus keine Rückschlüsse ziehen, wie Moreschi zu Spitzenzeiten gesungen oder Brahms gespielt hat, aber es sind ja die einzigen Zeitzeugnisse und deswegen natürlich unheimlich interessant (für mich).


    :hello:


    Ulli

  • Auf die Frage, welcher Komponist seine Werke auf "sein" Tasteninstrument zugeschnitten haben möge, und zwar derart, dass man dies in den Kompositionen nachweisen kann, fällt mir Joh. Seb. Bach ein. Das Tasteninstrument ist hier die Orgel.


    Beispiele:


    - Am Schluss der Fuge F-Dur (aus BWV 540) muss Bach den letzten Themeneinsatz im Sopran verbiegen, da seine Orgel nur bis c''' ging.
    - im Pedalexercitium gibt es seltsame Sprünge cis0 - D, die wohl dadurch zu erklären sind, dass Bach zur Zeit der Komposition keine Orgel mit Cis hatte.
    - die berühmte Toccata und Fuge in d-moll fängt wohl deswegen in Oktaven an (ein absoluter Sonderfall!), weil Bach keine hinreichend kräftigen 16'-Register zur Verfügung hatte. Orgeln mit solchen Registern hatte er aber in Norddeutschland kennen gelernt.


    Leider erfuhr der Orgelbau in Deutschland (wie überhaupt das Orgelspiel) nach Bach (und schon zu seiner Zeit) zunächst einen Niedergang, so dass Bachs Werk keinen unmittelbaren Einfluss auf den Orgelbau hatte. Das erst später, im 20. Jhd. ...

  • Zitat

    Interessieren tät's mich natürlich dennoch, so wie ich mir auch die berühmt-berüchtigte Moreschiaufnahme angehört habe


    Im Vergleich zur Brahms-Aufnahme ist jene von Moreschi HIFI pur.


    Aber das Tamino Klassikforum erfüllt gern die Wünsche seiner verdienten Mitglieder. Das die Aufnahmen von allen mir bekannten Seiten entfernt wurden, weil man sie ja jetzt verkaufen will - andrerseits aber kein wie immer geartetes Copyrigth bestehen kann, wasr mir klar, da0ß ich auf englischsprachigen Seiten zu suchen hatte. Und ich wurde fündig.


    Entsprechend der Zeit wurde VOR der Aufnahme der Titel angesagt, da die ersten Walzen keine Möglichkeit boten den Titel irgendwo schriftlich zu notieren.


    Danach setz die "Musik" ein.


    Die entsprechende seite ist eigentlich dazu da, die Restaurationstechnik und ihre verschiedenen Methoden zu demonstrieren, wie alte beinahhe unhörbare Tonaufnahem als Kunstgenuss der Nachwelt erhalten werden. Ein Triumph der Technik, vor dem ich mich in Demut verneige.


    Vel Spaß beim Hören


    Gruß aus Wien


    Alfred







    https://ccrma.stanford.edu/groups/edison/brahms/brahms.html