Jean Cox - Inbrunst im Herzen

  • Mit einigem Erstaunen stellte ich fest, dass es bei Tamino noch keinen Thread für Jean Cox gibt. Deshalb soll dieser Sänger, der als die Zuverlässigkeit in Person galt, nun in unserem Forum gewürdigt werden.
    Jean Cox wurde am 16.1.1922 in Gadsden/Alabama einer Provinzstadt im Süden der USA geboren. Die Eltern Kell und Nell Clark Cox föderten die stimmliche Begabung, die man bereits als Jean 12 Jahre alt war, entdeckt hatte. Nach einem Studium in Tuscalosa bestand er den "Bachelor of Music". Weitere aufbauende Studien folgten in Boston. Nach zweijährigem Studium legte Cox sein Konzertexamen als Opernsänger, Master of Arts, mit Auszeichnung ab. Einige Zeit reiste er dann mit der Operngruppe des New England Consevatory durch Amerika . In dieser Zeit profilierte er sich auch als Oratoriensänger. Auf Grund seiner Begabung und seines Könnens erhielt Cox ein Fulbright-Stipendium für ein Studium in Rom bei Luigi Ricci, dem Gesangslehrer von Benjamino Gigli.
    Im Jahr 1954 begann die eigentliche Karriere in Kiel. Cox wurde als lyrischer Tenor engagiert. In der Provinz erarbeitete er sich viele Partien, u.a. Xerxes, Cavaradossi, Stewa, Matteo, Lyonel usw. In Braunschweig 1955 - 1959 erroberte sich der Sänger eine Vielzahl weiterer Partien, darunter auch Lohengrin und Othello. Cox paßte sein Singen klug an den Entwicklungsstand seiner Stimme an. Er wurde durch die Wandlungen seiner Stimme erst nach und nach zum Heldentenor.
    Dann kam der bodenständige Sänger an die Mannheimer Oper, die ihm von 1959-1980 die künstlerische Heimat bot. In den langen Jahren seiner Tätigkeit sang er dort praktisch das gesamte Tenorfach, vom Rudolfo über Radames, Kalaf, Max, Herzog, Othello, Florestan. natürlich mit Schwerpuntk auf den Wagner-Partien. Mannheim war klug genug, seinen Spitzensängern Hannelore Bode, Franz Mazura und Jean Cox großzügige Freiheiten für ihre internatinalen Karrieren zu gewähren. Cox, der durch sein strahlendes, metallisches Timbre, mit ungemeiner Leuchtkraft und dem lyrischen Schmelz, den er sich bis ins reife Sängeralter erhalten konnte, war weltweit einer der gesuchtesten Tenöre und feierte an fast allen großen Opernhäusern und Festspielplätzen Triumphe. Außerdem beendruckte er durch eine glänzende Erscheinung. Es gibt die nette Legende: Anja Silja sei in ihrer Jugend unsterblich in Jean Cox verliebt gewesen. Neun Jahre lang wurde Jean Cox auf dem Grünen Hügel in Bayreuth zusammen mit Caterina Ligendza als das Traumpaar im Ring gefeiert. Siegfried ist sicherlich die Partie, in der Cox Unsterblichkeit erreicht hat.
    Verheiratet ist er mit Anna Reynolds, einer berühmten Altistin, die neben ihrer Opernkarriere vor allem als gefregte Oratoriensängerin beeindruckte. Reynolds und Cox wirken heute in der Nähe von Bayreuth als geschätzte Gesangslehrer. Humorig wurden die beiden in einer Opernzeitschrift " als die größte erfolgreichste Reperaturwerkstätte für Sänger" bezeichnet.
    Einen umfassenden Überblick über die große Karriere von Jean Cox gibt das Buch "Ein Leben für die Oper" erschienen als Festgabe zum 80. Geburtstag des Sängers. Dieses Werk ist fast ein "Who is Who" der damaligen Opernzeit, weil fast alle damaligen Prominenten dem großen so beliebten Jean Cox huldigen. Manchmal auf originelle Weise: Franz Mazura stellt seine Malkunst unter Beweis, Gottlob Frick versucht es mit Reimen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Cox als Siegfried im "Ring" (1970)


    Jean Cox, oh ja! :jubel:


    Eine der Tenor-Stimmen, die ich sehr gerne mag. Ich kenne ihn als Walther von Stolzing (Varviso 1974) und als Parsifal (Jochum 1973). In letzterer Aufnahme – übrigens die letzte einer Wieland-Wagner-Inszenierung und wirklich toll! – gefällt er mir an der Seite von Martin (Kundry), Mazura (Gurnemanz), McIntyre (Amfortas), Nienstedt (Klingsor) und Sotin (Titurel) ausnehmend gut.


    Könnte mir aber gut vorstellen, daß er ein genialer Siegfried ist. Auch optisch passte er, finde ich, wie etwa auch Jess Thomas. Für Parsifal und Stolzing ist er vielleicht etwas reif.

  • Erlaubt mir den Hinweis auf eine Recital-CD mit Jean Cox, die in keinem Plattenschrank fehlen sollte:



    Jean Cox singt Beethoven, Weber, Wagner
    RBM (RBM 463 120)


    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    aus "Fidelio":In des Lebens Frühlingstagen


    Carl Maria von Weber (1786-1826)
    aus "Der Freischütz": Durch die Wälder, durch die Auen


    Richard Wagner (1813-1883)
    aus "Tannhäuser": Inbrunst im Herzen
    aus "Die Meistersinger von Nürnberg": Fanget an! So rief der Lenz
    aus "Parsifal": Nur eine Waffe taugt
    aus "Götterdämmerung": Siegfrieds Tod


    Jean Cox - Tenor
    Orchester des Nationaltheaters Mannheim
    Dirigent Frank Shipway


    Der Titel "Durch die Wälder..." auf dieser CD wurde als Einzel-Auskopplung Teil von Opern-Samplern weltweit vermarktet und ist auf vielen von "Best of Opera.. CDs" zu hören.


    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++


    Die zweite Recital-CD enthält ein reines-Wagner-Programm, Hans Wallat hat sie mit Jean Cox seinerzeit in Mannheim eingespielt:



    Jean Cox singt Wagner
    RBM (RBM 3018 )


    Richard Wagner (1813-1883)
    aus "Siegfried":
    Notung! Notung! Neidliches Schwert! /
    Hoho! Hohoj Hohei! Schmiede mein Hammer, ein hartes Schwert
    (Schmelz- und Schmiedelieder)


    aus "Die Walküre":
    Winterstürme wichen dem Wonnemond / Ein Schwert verhieß mir der Vater


    aus "Götterdämmerung":
    Mime hieß ein mürrischer Zwerg...
    Brünnhilde, heilige Braut! (Siegfrieds Tod)


    aus "Die Meistersinger von Nürnberg":
    Morgendlich leuchtend im rosigen Schein (Walters Preislied)


    Jean Cox - Tenor
    Orchester des Nationaltheaters Mannheim
    Hans Wallat - Dirigent


    ++++


    Meine persönliche Lieblingsplatte von Jean Cox ist leider im Handel nicht erhältlich. Sie wurde im Jahre 2002 als Jahresgabe an die Abonnenten der Zeitschrift "Opernwelt" verschickt und enthält seltene Aufnahmen des Bayerischen Rundfunks, gottseidank nicht nur Wagner!


    LG


    :hello:

  • Wie ich feststellte, ist mittlerweile auch der zweite und zeitlich frühere Parsifal-Auftritt von Jean Cox und somit die dritte frühe Boulez-Aufnahme dieser Oper aus Bayreuth (neben 1966 und 1970) erhältllich:



    Amfortas: Thomas Stewart
    Titurel: Karl Ridderbusch
    Parsifal: Jean Cox
    Gurnemanz: Franz Crass
    Klingsor: Donald McIntyre
    Kundry: Amy Shuard


    Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
    Pierre Boulez
    1968

  • Jean Cox war ein Ausnahmetenor. Wer singt heute noch am Vorabend seines ersten "Stolzings" in der Staatsoper einen "Barinkay" in der Volksoper ?


    Erich, der Opernernhörer

  • Hallo, Taminos!


    Ich hatte auch schon vor, etwas über Jean Cox zu schreiben. Da aber an anderer Stelle zu dem Thema "Wagner-Tenöre" Jean Cox sehr schlecht wegkam, habe ich davon abgelassen. Meiner Meinung nach war er ein sehr guter Siegmund und Siegfried. Auch an der Aussprache kann man nicht viel rummäkeln. Ich besitze auch die oben schon von Harald angezeigte Wagner-CD unter Wallat. Sie zeigt, das Cox bei "Brünnhilde, heilige Braut" auch zu lyrischem Ausdruck fähig ist. Eine wunderbare Aufnahme.



    Gruß Wolfgang

  • Unser Freund Prof. Gottfried Cervenka hat in seiner Sendung am letzten Dienstag an den 90. Geburtstag des Sängers erinnert.


    In "Apropos - Musik" bei Ö1 vom 17. Jänner spielte er seltene Aufnahmen aus dem Archiv der Wiener Volksoper, u.a. Ausschnitte aus der Österreichischen Erstaufführung von Verdis Schiller-Oper "Die Räuber" mit Jean Cox an der Seite von Christiane Sorell und Marcel Cordes, unter der kompetenten Leitung des italienischen Maestros Argeo Quadri.


    Vielleicht kann man die Sendung im Netz noch nachhören.


    LG


    :hello:

  • Er konnte auch Robert Stolz !!!


    "Cox, Jean, Tenor, * 16.1.1922 Gadsden (Alabama); er nahm am Zweiten Weltkrieg als Pilot bei der amerikanischen Luftwaffe teil. Gesangstudium an der Alabama University bei William Steven, dann am New England Conservatory Boston bei Marie Sundelius, schließlich bei Wally Kirsamer in Frankfurt a.M., bei Luigi Ricci in Rom und bei Max Lorenz in München.
    Debüt 1951 an der New England Opera Boston als Lenski im »Eugen Onegin«. Er sang 1954 beim Festival von Spoleto den Rodolfo in »La Bohème« und war 1954-55 am Theater von Kiel engagiert. 1955-59 sang er am Staatstheater Braunschweig und war seit 1959 Mitglied des Nationaltheaters Mannheim, wo er 1961 an der Uraufführung von P. Hindemiths Oper »Das lange Weihnachtsmahl« teilnahm. Bereits 1956 begann seine Karriere bei den Bayreuther Festspielen: 1956 sang er dort den Steuermann, 1969-70 den Erik im »Fliegenden Holländer«, 1968-70 und 1974-75 den Walther von Stolzing in den »Meistersingern«, 1968 und 1973 den Parsifal, 1967-68 den Lohengrin, 1970-71, 1973-75 und 1978 den Siegfried. 1983 übernahm er in Bayreuth nochmals den Siegfried in der »Götterdämmerung«, 1984 den Walther in den »Meistersingern«. Durch einen Gastspielvertrag war er mit der Wiener Volksoper verbunden; 1958-73 regelmäßige Gastspiele an der Staatsoper von Hamburg. An der Wiener Staatsoper trat er 1963-77, u.a. als Stewa in Janáceks »Jenufa« und als Sergej in »Lady Macbeth von Mzenskz« von Schostakowitsch, auf, er gastierte an der Staatsoper von Stuttgart, in München und Frankfurt a.M.. Bei den Festspielen von Bregenz sang er u.a. 1961 in »Fra Diavolo« von Auber und in der Operette »Die Trauminsel« von Robert Stolz. 1961 Gastspiel am Teatro San Carlos Lissabon, 1966 bei den Festspielen von Aix-en-Provence (als Bacchus in »Aradne auf Naxos« von R. Strauss), 1974 am Deutschen Opernhaus Berlin. 1964, 1970 und 1973 war er an der Chicago Opera zu hören, 1971 und 1972 an der Grand Opéra Paris als Siegmund in der »Walküre«. 1975 Debüt an der Covent Garden Oper London als Siegfried, den er auch 1975 an der Mailänder Scala vortrug. Im April 1976 sang er als Antrittsrolle an der Metropolitan Oper New York den Walther von Stolzing in den »Meistersingern«. Auch Gastspiele an den Opern von San Antonio, New Orleans, Houston (Texas) und Pittsburg, an der Königlichen Oper Stockholm, an den Opernhäusern von Zürich, Genf und Mexiko City, in Barcelona, Brüssel, Bordeaux, Nizza und Genua.
    Seine Karriere dauerte sehr lange; noch 1989 hörte man ihn in Mannheim als Captain Vere in »Billy Budd« von Benjamin Britten. Neben den Wagner-Heroen sang er ein heldisches Tenor-Repertoire von großem Umfang (über 75 Rollen) mit Höhepunkten wie dem Alvaro in »La forza del destino«, dem Herodes in »Salome«, dem Bacchus in »Ariadne auf Naxos«, dem Kardinal in »Mathis der Maler« von Hindemith, dem Max im
    »Freischütz«, dem Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky und dem Prinzen in »Rusalka« von Dvorák; er wurde in all diesen Partien als großer Darsteller gerühmt. Verheiratet mit der bekannten englischen Altistin Anna Reynolds (* 1936).


    Schallplatten: BASF (Querschnitt durch »Die Trauminsel« von
    Robert Stolz), RBM (Szenen aus Wagner- Opern), Philips (vollständige
    »Meistersinger«), Accord (vollständige »Iphigénie en Tauride« aus
    Lissabon, 1961), Melodram (»Fliegender Holländer«, Bayreuth 1956)."



    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)




  • R. I. P.

  • Lieber Harald, nicht nur, dass Du der zuverlässigste Informant im Forum bist. Noch weit mehr, Du bist immer bereit, Beiträge noch durch Bilder zu ergänzen, so wie jetzt bei Franz Crass und Jean Cox. Ganz herzlichen Dank für diese kollegiale Hilfsbereitschaft. Ich selbst werde das Einstellen von Bildern wohl nicht mehr lernen. Aber ich kann mich ja auf Dich verlassen.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Jetzt ist KS Jean Cox (16. Januar 1922—24. Juni 2012) am selben Tag wie Franz Crass gestorben.


    Das erinnert an den fast gleichzeitigen Tod der beiden berühmten Dirigenten Sir John Barbirolli und George Szell am 29./30. Juli 1970.


    R.I.P.

  • Jean Cox wird mir durch seine großartigen Abende sowohl durch seine jugendlich-strahlende Gestalt als auch seine auratisch-silbrige Stimme stets in Erinnerung bleiben!

  • Harald Kral hat die Todesanzeige von Jean Cox original im englischen Text eingestellt. Zwei Anfragen bei mir verdeutlichen, dass Ablauf und Zeitpunkt der Trauerfeier offenbar nicht wahrgenommen wurden. Damit interessierte Taminos teilnehmen können also nochmals:


    Die Trauerfeier für Kammersänger Jean Cox findet am Dienstag 1o. Juli um 13.45 Uhr in der Ordenskirche zu Bayreuth, St. Georgen 50 statt.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Aus gegebenem Anlass möchte ich an Jean Cox erinnern. Heute würde er seinen 93. Geburtstag feiern. Ich höre ihn jetzt mit Aufnahmen, die überwiegend aus seiner Anfangszeit stammen:


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano