Mein Lieblingskomponist des 20. Jahrhunderts

  • Das ist ja auch mal eine etwas pikante Umfrage und die Beschränkung auf 3 Komponisten verlangt schon etwas Zeit, zum Nachdenken.


    1. Dmitri Schostakowitsch - da gibt es nicht viel zu Überlegen. Er hat meisterhaftes vollbracht und dabei ständig den Spagat aus erzwungener Anpassung und Auseinandersetzung mit dem verhassten Regime betreiben müssen. Ich will eigentlich ausser der 14., die ich noch nicht kenne, keine der Sinfonien missen, denn jede hat in ihrem Sinne etwas zu sagen, offen oder verschlüsselt. Herausragend sicher die 8., 10. und 15. Sinfonie.


    2. Paul Hindemith - wegen der Weber-Metamorphosen und Mathis der Maler



    3. Arthur Honegger - Sinfonien Nr. 2, 3 und 5


    Also so richtig Modernes ist zu Recht nicht dabei, und Komponisten wie Mahler, Strauss oder Puccini gehören für mich doch weitestgehend ins 19. Jahrhundert.


    :hello:

  • ...tja was sollte ich - dem das letzte Jhrdt. so nah ist wie vielen von Euch das vorletzte - da wohl antworten...


    einige Bemerkungen vorab...


    - RAVEL (Debussy kenne ich zu wenig) gehört für mich jedenfalls in Teilen ins letzte Jhrdt., evtl. ab dem "Tombeau de Couperin", spätestens ab dem Klavierkonzert (die Anfangstakte des "Tombeau" könnten imo durchaus von Hindemith, die des Klavierkonzerts von Shostakovich sein)


    - f r e u t mich, daß ADAMS mittlerweile mal erwähnt ist: Seine "Harmonielehre" hörte ich erstmals vor ca. 3 Jahren vom "Bundesjugendorchester" fulminant live im Radio; auf ein Wiederhören (die Aufnahme mit Rattles Birmingham-Orch. ist just vorgestern eingetroffen) bin ich riesig gespannt !


    - neben den bereits erwähnten Janacek und Webern haben mir nicht zuletzt IVES und BOULEZ das (musikalische) Tor zum letzten Jhrdt g e ö f f n e t;
    ihre Nominierung sei hiermit nachgeholt !!


    - nachzuholen bleibt ferner, aus zweierlei Gründen, die große Einzelgängerin USTVOLSKAYA:
    (A) Unser Favorit Shosta hielt diese seine Schülerin offenbar für herausragend...soll er ihr doch seinerseits eigene späte Kompositionen zur Begutachtung vorgelegt haben (sogar heiraten wollte es sie Gerüchten zufolge / nix da, abgeblitzt ;))
    (B) die erste vollstdg. öffentl. Wiedergabe ihrer "Komposition I.-III." (vom "Schönberg Ensemble Amsterdam" unter Reinbert de Leeuw) auf irgendwelchen "Wittener Tagen für neue Kammermusik" ist schließlich bis hier und heute das mich b e w e g e n d s t e LIVE-Erlebnis eines Werkes des verg. Jhrdts....


    - meinen boarischen Landsmann ORFF schätze ich durchaus; ggb. seiner "Carmina" bevorzuge ich allerdings die kurz danach enstandene Oper
    "Der Mond", die eine ganz ähnliche Thematik ungleich verhaltener behandelt...


    - und noch mein G e h e i m t i p (...ist mir vor Unzeiten anläßlich des ausgedehnten Duisburger Festivals "Ives and Company" besonders aufgefallen...seitdem, Asche auf mein Haupt, allerdings nie wieder was von gehört):
    Ruth CRAWFORD-SEEGER (soll übr. in der Tat die Mutter von Pete Seeger sein)


    - - - genug kluggepfiffen; da ich, müßte ich mich für e i n Konzert mit klass.Musik entscheiden, wohl einen Streichquartett-Abend besuchen würde, beschränke ich Don Alfredos Eingangsfrage hiermit auf "Meine Lieblings-Streichquartette des 20.Jhrdts"
    Voila...
    - Bartok IV.
    - Shostakovich III. (beide ja auch von JR herausgehoben :))
    - Lutoslawski
    ..........Letzteres eine w i l d e Schönheit..........
    ...Interpretationen mit dem Widmungsträger La-Salle Quartett sind da wohl am authentischsten - die alte LP-Aufnahme irgendwann aus den 60ern klang mir da irgendwie frischer als der Live-Mitschnitt aus Salzburg von `76. Leider scheint nur letzteres auf CD erhältlich :(



    bis die Tage...


    micholskaya

  • @Micha


    Zitat

    - und noch mein G e h e i m t i p (...ist mir vor Unzeiten anläßlich des ausgedehnten Duisburger Festivals "Ives and Company" besonders aufgefallen...seitdem, Asche auf mein Haupt, allerdings nie wieder was von gehört):
    Ruth CRAWFORD-SEEGER (soll übr. in der Tat die Mutter von Pete Seeger sein)


    Fast ein Volltreffer: Sie ist die Stiefmutter von Pete Seeger, der im Mai 90 wurde.
    Seine Mutter hieß Constance und war eine sehr gute Violinistin (und später Geigenlehrerin).


    Ruth ist allerdings die Mutter von Mike Seeger, dem Halbbruder von Pete und ebenfalls berühmten Folksänger (New Lost City Ramblers) , der kürzlich im Alter von 75 Jahren gestorben ist.


    Ruth Crawford-Seeger lebte vom 3. Juli 1901 bis 18. Nivember 1953. Wissenswertes über sie und ihr musikalisches Werk findest Du hier.. Keine Ahnung, was damals von ihr in Duisburg gespielt wurde, ich kenne nur ein Streichquartett (aus 1931 - ihrer "mittleren" Schaffenszeit).


    LG


    :pfeif:

  • Das Voting wird immer schwieriger...


    Aber den ersten, den absolut wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts auszuwählen ist für mich einfach: Béla Bartók. Ich möchte am liebsten eine lange Liste von seinen Kompositionen aufzählen - dies hat aber JR oben schon getan. So halte ich mich an die magische Zahl drei und nenne drei Werke, die mir sehr wichtig und sehr lieb sind:
    -- die Klavierwerke, vor allem das dritte Klavierkonzert und nicht zuletzt die Stücke des Mikrokosmos
    -- das Concerto, immer und immer wieder
    -- Cantata Profana. Die Geschichte von den neun Zauberhirschen, die erst die Söhne eines alten Vaters waren, die aber zu Hirschen geworden sind, die nur noch in Freiheit leben und aus reiner Quelle trinken wollen. Der Text, der natürlich metaphorisch zu verstehen ist und viel mehr sagt als meine dürftige Beschreibung, wurde von Bartók selbst aus den Texten von rumänischen Kolinden zusammengestellt und übersetzt. In der alten ungarischen Bartók-Gesamtausgabe (SLPX11510) wird ein Teil des Textes von Bartók selbst vorgelesen. Das Stück war ihm sehr wichtig. Ich habe irgendwo gelesen, dass er das als erstes Stück einer Reihe geplant hat, zur Darstellung der vielerlei Verknüpfungen in der Musik der Völker im Karpatenbecken. Wie der Tenor die letzten Sätze singt, wie seine Stimme bei "nur aus reiner Quelle" immer höher und kristallklarer klingt, kann ich nie ohne Rührung hören.


    Nun wird die weitere Wahl für mich aber schwierig. Es wäre leichter, einzelne Stücke zu nennen, die man kennt und mag...
    Aber wenn es sein muss, muss es sein.


    An zweiter Stelle denke ich an Prokofjew, an seine eher avantgardistischen früheren Werke, das zweite und das dritte Klavierkonzert. Aber auch an die Klaviersonaten, aus den dreißiger Jahren, Nr. 6 vor allem.


    Und weil mich in letzter Zeit einige postmoderne Stücke auch angesprochen haben, nenne ich noch György Ligeti, dessen Klaviermusik mir zuerst durch den Rhythmus aufgefallen ist. Ich bin neugierig und möchte noch mehr von ihm hören.


    Und nun können die Gewissensbisse kommen...


    :hello: KP

  • Liebe Taminas(+nos), der bisgerige Verlauf zeigt, dass es hier mehr Mitglieder gibt, die einen ähnlichen Musikgeschmack wie ich haben, als ich gedacht habe.


    Dmitri Schostakowitsch
    an der Spitze, wie sollte es anders sein.
    Eines meiner Lieblingswerke von ihm ist das VC Nr.1 aber auch fast alle Sinfonien - wie Thomas Pape nenne ich heute gerne mal die Sinfonie Nr.5, aber auch die Nr.8 in einem Atemzug als dem derzeitigen Favoriten.


    Bela Bartok
    mit seinem Konzert für Orchester und die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, die darf dann auch nicht fehlen.



    Weitere Nennungen sind nicht schwer. Die decken sich mit timmiju, WolfgangZ, Wolfram, JohannesR., flotan, HerbertH., Andreas ......... Schwer ist die Auswahl für den dritten Komponisten:
    Ich wähle für diesen Thread heute mal einen weiteren Russen (aus Armenien)
    Aram Khatchaturian mit seinem und meinem Lieblings-Klavierkonzert des 20.Jhd.

  • kopiroska :

    Zitat


    Aber den ersten, den absolut wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts auszuwählen ist für mich einfach: Béla Bartók



    Ja du hast so Recht, Bartók ist zweifelsohne einer der ganz Großen des letzten Jahrhunderts. Was soll man machen, wenn man nur drei auswählen darf. Ich hatte Bartók auch auf meiner Liste, und besonders wegen des 3. Klavierkonzertes und des Konzerts für Orchester. Die Wertschätzung für ihn ändert aber nichts an der Wertschätzung für die anderen Genannten.


    Interessant ist aber, was für völlig unbekannte Namen sich unter den "Lieblingskomponisten" befinden.
    Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.


    In diesem Sinne bin ich gespannt auf weitere Nennungen.


    :hello:

  • Hier einmal meine "Lieblingskomponisten" aus dem Bereich Oper von heute


    Leos Janacek 1854 - 1928 (Jenufa, Die Reisen des Herrn Broucek, Katja Kabanová, Das schlaue Füchslein, Die Sache Makropulos, Aus einem Totenhaus)

    Alban Berg 1885 - 1935 (Wozzeck, Lulu)


    George Gershwin 1898 - 1937 (Blue Monday, Porgy and Bess)


    Warum nicht Richard Strauss, Hans Pfitzner, Carl Orff, Paul Hindemith, Gottfried von Einem, Giacomo Puccini, Francesco Cilea, Pietro Mascagni, Ruggiero Leoncavallo, Gian Carlo Menotti, Bela Bartok, György Ligeti, Benjamin Britten, Michael Tippet, Thomas Ades, Dimitri Schostakowitsch, Igor Strawinski, Claude Debussy, Maurice Ravel, Francis Poulenc, Philipp Glass, Andre Previn ... Nun heute einmal die oben genannten - sorry und:


    Freuen wir uns an der Vielfalt dieses Jahrhunderts, denn:
    Madama Butterfly und Der Rosenkavalier sind genauso Werke des 20. Jahrhunderts wie etwa Powder her Face (Ades) oder A Streetcar Named Desire (Previn)


    Giovanni

  • ...freilich haben noch ein Karl Amadeus Hartmann, ein Allan Pettersson, ein Isang Yun parallel zu (oder sogar nach) Shosta ihre Sinfonien geschrieben
    - es mag aber sein, daß (im Gegensatz zu vgl.weise sehr leicht fassbaren "Ruhephasen" bei Shosta - viele Scherzi etwa) Hartmann/Pettersson (Yun kenne ich zu wenig) gar zu ausufernd tiefernst bzw. hochemotional daherkommen als daß viele sie zu hören bereit sind...


    ...und wenn wir mal außen vor lassen, daß wohl die Meisten Komponisten ab Haydn nur dann akzeptieren können, wenn diese auch ein gehörig Maß an großorchestraler Musik vorzuweisen haben...


    ...einer Gubaidulina würde ich durchaus zugestehen, daß sie eher, sozusagen, "versöhnen statt verstören" will - aber ich wüßte da keine hochpopulären Interpreten (wie Oistrach u. Rostropovich bei Shosta), die sich mal wirklich dauerhaft für sie einsetzen würden...
    ...Schlüsselwerken (nicht nur für mich I hope) wie Lutoslawskis Streichquartett, wie B.A. Zimmermanns "Photoptosis" würde ich durchaus eine "wilde Schönheit" zugestehen - es mag aber sein, daß diese Empfindung ein gewisses Maß an Hörerfahrung mit AvantgardeMusik vorraussetzt... ...und zudem müßte man sich da von der (natürlich völlig legitimen) Einstellung freimachen, daß Harmonik a la JSB-Mozart-Bruckner DER einzig mögliche Maßstab für das Musikalisch-Schöne ist...


    - - - bloß einige sporadisch-ergänzende Gedanken zum eben Ausgeführten
    für mehr wird mir in den nächsten Tagen die Zeit fehlen...


    bis denne ;)
    micha

  • Die zitierte Textstelle wurde gemeinsam mit einem Text über die Auswirkung der Nazizeit und des 2. Weltkrieges in einen eigenen Thread ausgegliedert
    KSM

    Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Man sollte vielleicht kleine Einschränkungen machen: Der Komponist muss auch im 20. Jht. geboren worden sein. Sonst fallen die beliebten Spätromatiker wie Mahler :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:, Strauss :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:, Puccini :jubel: :jubel: :jubel: eben auch unter "20. Jht.".


    Tja, Mahler ist ganz klar ein Komponist des 20. Jahrhunderts. Debussy fehlt mir hier auch. Aber bei 3 Komponisten ist das Ergebnis doch ziemlich zufällig.


    Schostakowitsch ist ein typischer "Anfängerkomponist" (bezüglich Musik nach Mahler). Das liegt bei mir lange zurück (diese Schostakowitsch-Präferenz).


    Offenbar bleibt der heutige Klassik-Liebhaber bei Schostakowitsch stecken, weshalb dieser dann hier die meisten Nominierungen erhält.


    Klingt arrogant, ist aber so. Hartmann und Pettersson sind dann schon "zu schwierig". Ob die je beliebter sein werden als z.B. Schönberg? Vielleicht fällt ja irgendwann einmal dieser "Tonalitäts-Fetischismus" des Klassik-Liebhabers, und dann hat Hartmann wahrscheinlich gegen Schönberg keine Chance mehr. Und bislang ist er eben noch zu ungemütlich, zu rauh, zu wenig eingängig.


    Bei Gubaidulina habe ich eher den Eindruck, dass sich viele für sie einsetzen. Aber vielleicht ist die Zeit der größten Popularität schon vorbei? Ist sie je gegen Schnittke angekommen, was die Präsenz im Konzertleben betrifft?


    Im Grunde geht es hier ja überhaupt nicht um "Bedeutung" oder "Qualität" sondern um "Beliebtheit" (Lieblingskomponist).


    Debussy scheint im deutschsprachigen Raum ja erstaunlich unbeliebt zu sein ...
    :pfeif:

  • Zitat

    Original von Giovanni Bertati
    Hier einmal meine "Lieblingskomponisten" aus dem Bereich Oper von heute


    Leos Janacek 1854 - 1928 (Jenufa, Die Reisen des Herrn Broucek, Katja Kabanová, Das schlaue Füchslein, Die Sache Makropulos, Aus einem Totenhaus)

    Alban Berg 1885 - 1935 (Wozzeck, Lulu)


    George Gershwin 1898 - 1937 (Blue Monday, Porgy and Bess)


    Wow, "heute" ist also vor 1940, gefällt mir, Dresden ist noch nicht zerbombt ...
    Es war noch niemand auf dem Mond, der Computer ist noch nicht erfunden.
    Unter den lebenden Autoren weilen Thomas Mann und Alfred Döblin.
    In den Kinos kommen die neuesten Filme von Chaplin heraus.
    :beatnik:

  • Ich habe mal ein bisschen gezählt.
    Ich lasse alle fort, die nur 1x genannt wurden.


    2 - Janacek
    2 - Humperdinck
    3 - Puccini
    4 - Mahler
    4 - Strauss
    2 - Schönberg
    7 - Bartók
    3 - Strawinsky
    3 - Berg
    4 - Prokofieff
    3 - Orff
    2 - Hindemith
    2 - Chatschaturjan
    12 - Schostakowitsch
    2 - Ligeti
    2 - Reich

  • Ich habe vorhin nicht angegeben, wieviele Taminos abgestimmt haben:


    28 Stimmabgaben mit 3 oder 2 Nennungen.


    12 x Schostakowitsch
    7 x Bartók


    alle anderen je unter 5x


    Das heißt, dass jeder 4. Bartók genannt hat und beinahe jeder 2. Schostakowitsch.


    Ich hätte das nicht voraussehen können, insofern Gratulation an Alfred, der Schostakowitsch vorhergesehen hat.
    :hello:


  • Es war sehr leicht vorherzusehen. Dein Problem war, daß Du die Musik des 20. Jhds. zu gut und die Taministen (anscheinend) zu schlecht kennst.


    (ich weiß auch schon die ersten beiden im 19. Jhd. :D)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die berühmten Tamino-Listen.. :rolleyes: :P


    Aber seis drum, hier ist meine Liste der mir persönlich wichtigsten Komponisten des 20. Jh., sogar mit einer kleinen Begründung:


    Steve Reich
    Seine Werke wie "Six Pianos" oder "Musik for 18 musicians" waren wegweisend. Zugleich hat er gezeigt, das Minimal Music keine musikgeschichtliche Einbahnstraße ist sondern vielmehr die Musikgeschichte und folgende Werke mehr oder weniger stark beeinflusst. Nicht zuletzt seine (insbesondere) rhythmischen Experimente haben der elektronischen Unterhaltungsmusik oder auch der Filmmusik den Weg geebnet.


    Arvo Pärt
    Man kann über ihn sagen was man will, aber er hat es geschafft, geistliche Musik zu schaffen, welche von Musikschaffenden wie Zuhörenden gleichermaßen gut angenommen wird und zu der auch Laien einen Zugang finden. Damit hat er aus meiner Sicht der klassischen Musik allgemein, aber auch vor allem dem Gengre der geistlichen Musik, einen sehr großen Dienst erwiesen. Was nützt den Menschen eine Musik, die nach intellektuellen Maßstäben in der aber die niemand versteht?



    Mir fallen noch zahlreiche Komponisten ein, aber keiner der mir als so wichtig erscheint dass ich ihn hier aufführen möchte.


    Liebe Grüße. :hello:

  • Zitat

    Die berühmten Tamino-Listen.


    Ja, an denen wurde des öfteren Kritik geübt - sie wurden belächelt und verhöhnt (und natürlich ich als deren Urheber... :D )


    Aber mit Listen ist es wie mit Statistik:
    Wenn man sie nicht interpretieren kann, sind sie langweilig.
    Kennt man aber den Schlüssel dazu, dann eröffnen sich einem ungeahnte Möglichkeiten.......


    Sie sind mir ein unverzichtbares Werkzeug um die Wirkung von Threads abschätzen zu könne - und selbst das ist nicht eindeutig..




    Zitat

    Es war sehr leicht vorherzusehen. Dein Problem war, daß Du die Musik des 20. Jhds. zu gut und die Taministen (anscheinend) zu schlecht kennst.


    Chapeau !!
    So treffend und kurz hätte ich es nicht formulieren können.


    Schostakowitsch hat den Bonus, daß er mit seinen Zitaten stets noch eine Rückbindung an vergangene Zwiten zulässt. Das macht ihn auch für Nostalgiker wählbar.


    Das träfe an sich auch auf Strawinsky zu, aber der ist nicht mehr "modern genug". Zudem war genau zu sehen, daß die Threads über Strawinsky eher schwach frequentiert waren.....


    Mit Schostakowitsch im Wahlgepäck outet man sich als aufgeschlossen, ohne sich allzusehr aus dem Fenster zu lehnen...


    weitere Parameter bleiben mein Geheimnis...


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Chapeau !!
    So treffend und kurz hätte ich es nicht formulieren können.


    Die Frage ist vor allem, warum Maler, Strauss und Puccini so selten genannt wurden. Das hat wohl nichts mit deren mangelnder Beliebtheit zu tun.


    Das betrifft also eher eine ungenaue Denkweise und das nicht-Befolgen von Thread-Vorgaben. Insofern muss ich die Taministen noch genauer studieren.
    :baeh01:

  • Zitat

    Jedes Taminomitglied darf DREI Lieblingskomponisten nominieren deren Werke hauptsächlich im 20. Jahrhundert geschrieben wurden.


    Ich wüßte nicht, wie man es klarer ausdrücken könnte?
    Vielleicht "deren Hauptwerke hauptsächlich im 20. Jahrhundert geschrieben wurde".

  • Mahler Strauß und Puccini wurden nicht genannt, weil es Komponisten gab die bessere "Kenndaten" aufweisen.


    Puccini wird von einigen als "Kitschfabrikant" gesehen - so jemandem gibt man nich unbedingt öffentlich seine Stimme wenn eindrucksvollere Kandidaten bereitstehen


    Richard Strauß hat ja in gewisser Hinsicht ein ähnliches Image - zudem stört manche seine politische Vergangenheit (die in Wahrheit nicht relevant war, Strauß interessierte nur seine Musik und sein Wohlstand)


    Gustav Mahler hingegen schwankt zwischen Kitsch und Moderne, wird von vielen als idem 19. Jahrhundert zugehörig empfunden und von manchen generell abgelehnt.


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Möglicherweise. Vielleicht meinen viele, dass Mahler, Strauss und Puccini dann doch mehr im 19. Jht tätig waren. Oder die mag eben doch keiner - außer mir.


    Warum? Alle drei haben den überwiegenden Teil ihres kompositorischen Werks im 20. Jahrhundert geschrieben. Bei Mahler mag dies vielleicht überraschen, aber nur zwei Symphonien sind im 19. Jahrhundert unraufgeführt worden!


    :hello:

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Und die mögen dann Schostakowitsch?
    Also ich weiß nicht ...


    Das wäre jedenfalls ziemlich pervers, aber wie sagte Wilde/Twain/Shaw (?) sinngemäß: Konsistenz ist für Kleingeister.


    Und die Ergänzung zu meiner Bemerkung neulich, die ich aus Höflichkeit nicht explizit gemacht habe, ist natürlich, daß es Alfred und vielen anderen genau umgekehrt geht: Sie kennen die Taministen, aber fast nichts aus dem 20. Jhd.! :D


    Mahler schwankt auch noch zwischen ein paar mehr Polen als "Kitsch" und Moderne" (Strauss auch).
    Bei mir persönlich kommen Puccini und Strauß auf keine Bestenliste, aber Mahler habe ich hauptsächlich rausgelassen, weil ich ihn doch irgendwie noch dem 19. Jhd. zurechnete (mancher rechnet ja das 19. von 1789-1914 :D), selbst wenn die wichtigsten Werke sicher 1900-1911 enstanden sind.


    Wen ich bisher auf den Listen wirklich vermißt habe, wäre eher Strawinsky, Ravel, Prokofieff (und Debussy, wenn er zählt), die Komponisten, die völlig unbestritten zum Kernrepertoire gehören, während Schostakowitsch sich m.E. erst in den letzten 20-30 Jahren so richtig etabliert hat.
    Und angesichts seines sehr umfangreichen Oeuvres werden m.E. relativ wenige Werke häufig gespielt. Ich mag mich irren, weil ich damals das noch nicht so recht mitbekommen habe, aber als ich Mitte/Ende der 80er Jahre Klassische Musik kennenlernte, spielte Schostakowitsch im Ggs. zu den vorstehend genannten (oder auch Hindemith, Orff) kaum eine Rolle in typischen Überblickssammlungen zur Klassischen Musik bis zur Moderne (oder Konzertführern). Vielleicht auch, weil er unabhängig von stilistischen Erwägungen eigentlich zu jung ist. Oder weil diese Sammlungen alle von Leuten zusammengestellt wurden, die was gegen sowjetische Komponisten hatten oder was auch immer...


    :hello:


    JR (der hier wirklich seine Lieblingskomponisten nennt, sofern er sich für welche entscheiden kann, nicht die, von denen er meint, das es opportun wäre, sie zu nennen)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Und die mögen dann Schostakowitsch?
    Also ich weiß nicht ...


    :hahahaha:



    Zitat

    Wen ich bisher auf den Listen wirklich vermißt habe, wäre eher Strawinsky, Ravel, Prokofieff (und Debussy, wenn er zählt), die Komponisten, die völlig unbestritten zum Kernrepertoire gehören, während Schostakowitsch sich m.E. erst in den letzten 20-30 Jahren so richtig etabliert hat.


    Aber bei nur drei Kandidaten wird es eben schwer.


    Zitat

    Bei mir persönlich kommen Puccini und Strauß auf keine Bestenliste, aber Mahler habe ich hauptsächlich rausgelassen, weil ich ihn doch irgendwie noch dem 19. Jhd. zurechnete (mancher rechnet ja das 19. von 1789-1914 großes Grinsen ), selbst wenn die wichtigsten Werke sicher 1900-1911 enstanden sind.


    Meinst du da wen bestimmten? :boese2:


    Ich liebe Mahler. Ich bin begeistert von Mahler. Und hatte eben auch das Problem, ob ich Mahler nun angeben darf oder nicht. Er lebte überiwegend im 19. Jht. (1860-1911), schrieb aber vornehmlich ab 1900. Das war dann schwierig.

  • Bei Mahler ist's wirklich knapp; die Symphonien bis einschließlich der vierten sind, soweit ich weiß, im 19. Jahrhundert komponiert, wenngleich später uraufgeführt worden, und damit ist die Grenzziehung denkbar knapp: Einerseits 4 Symphonien und Klagendes Lied vs. 5 und Lied von der Erde, andererseits bei den Liedern wohl ein deutliches quantitatives Übergewicht im 19. Jahrhundert.
    Da ich ihn nicht im 19. Jahrhundert genannt habe, nenne ich ihn jetzt:


    Gustav Mahler wegen vor allem der 2., 3., 9. Symphonie,


    und bin damit auch vorerst am Ende meiner Aufzählung angekommen. Halbwegs viele Werke gehört habe ich auch von Schostakowitsch, aber mit dessen Symphonien konnte ich mich bisher nicht anfreunden; ich fand da einiges furchtbar plakativ und manches ziemlich langatmig. Ein paar Sachen kenne ich dann noch von Schönberg: Verklärte Nacht gefällt mir gut, die erste Kammersymphonie finde ich sehr interessant, an's Violinkonzert gewöhne ich mich langsam, Peleas und Melisande ist mir zu schwülstig ( :untertauch: ); für einen Listenplatz langt das nicht. Ähnlich sieht es bei Bartok aus, und von Strauß kenne ich außer Elektra nichts aus dem 20. Jahrhundert.



    Gruß,
    Frank.

  • Arnold Schönberg <ironie>and his lovely music</ironie>... :untertauch: Bei Schönberg mag ich sowohl die mehr dem 18.Jahrhundert verhafteten expressionistischen Werke wie Pelleas und Melisade, als auch echte 'Zwölftöner' wie das Violinkonzert.


    Dann Schostakowitsch, wenn ich mal auswerte, welche Komponisten ich wie oft höre.


    Jetzt könnte ich viele Namen parallel nennen, will mich aber an die Regeln halten und nenne einfach mal: Paul Hindemith (ganz eng mit Bartok bei mir, der hier leider hintenüber fällt...)


    Mahler und Strauss habe ich im entsprechenden Thread dem 19.Jahrhundert zugeschlagen. Auch Kitsch kann hohe Kunst sein, wenn mit Kunstfertigkeit und Geschmack ausgeführt.