• Hallo,


    Sei es, um eine populäre Oper noch populärer zu machen, oder eindrucksvolle Musik in möglichst gewaltiger Umgebung einzubetten oder einfach nur um schöne Opern-Musik in ihrem originalen, geschichtlichen Umfeld darzustellen, die Gründe sind manigfaltig! Schön ist dabei meistens jedoch das Produkt.
    Opernfilme sind nicht nur Regie und Musik wie auf der Bühne, sondern sie zeigen auch wo die Handlung orignal spielt und in welchem sozialpolitischem Umfeld die Handlung angesiedelt ist. Viele Informationen, welche normalerweise nur im Programmheft nachzulesen sind, können in einem Opernfilm viel besser in Szene gebracht werden, als dies eben auf der Bühne möglich ist.


    Ein Meister dieses Genre ist Franco Zeffirelli, welcher sich (wie Otto Schenk) mehr für realitätsbezogene, harmonische Inszenierungen stark macht. 3 seiner Opernfilme welche ich hier abbilde, sind zugleich meine 3 Lieblings-Opernfilme.


    Nebst der schönen und farblich sehr gut gemachten "La Traviata" ist mein Liebling die "Cavalleria Rusticana"! Bühnenszenen vermischen sich mit realem Hintergrund, gewaltige Aufmärsche zum feierlichem Gottesdienst...


    Es gibt noch viele andere Opernfilme: "Carmen", "Tosca", "Eugen Onegin" etc.


    Was haltet ihr von Opernfilmen?



    Gruss
    Christoph

  • Sagitt meint:


    wenn sie gut gemacht sind, großartig. Die verschiedenen Ponelle-Inscenierungen sind ja eigentlich Verfilmungen, vom Monteverdi-Zyklus angefangen bis hin zum Tristan und seiner letzten Arbeir, Cosi mit Harnoncourt. Dann der Carmen-Film von Rosi, Tosca mit Pappano ( was für eine Aufführung!!), die Zauberflöte von bergmann verfilmt ( mit dem grandiosen Regieeinfall zur Ouvertüre- Menschengesichter als Ausdruck des Humanen).


    Der Vorteil gegenüber den abgefilmten Auffühurngen ist, dass es eine richtige Bildregie geben kann und das Bild einen eigenen Kunstwert gewinnt.


    Leider gibt es viel zu wenige davon ( wahrscheinlich zu teuer)

  • Hallo sagitt,


    ja die Ponelle Inszenierungen des Monteverdi-Zykluses sind eine Klasse für sich! ich hoffe schwer, dass sie schon bald auf DVD auf den Markt kommen.


    Vielleicht werden auch deswegen zu wenig Opernfilme gemacht, weil das potenzielle Kinopublikum, das sich solche Kulturfilme anschaut, zahlenmässig schwach besetzt ist und nicht die erwarteten Einnahmen einspielen würde. Zudem wollen die meisten Leute - wenn Oper dann live.
    Und DVD's zu erstellen von vorhandenen Bühneninszenierungen ist auch einfacher und billiger.


    Tja, wir werden wohl damit leben müssen, dass die dramaturgischen Gewalten einer Opernstory nicht mehr den Bedürfnissen des Actionverwöhnten Publikums genügen kann.



    Gruss
    Christoph

  • Sagitt meint:


    Ich bin da ganz pessimistisch. Die Inscenierungen von Ponelle sind ja teilweise Jahrzehnte alt.Die Rechte liegen bei Unitel. Ich habe verschiedentlich versucht, davon Titel zu bekommen, was mir in Deutschland nie gelang. Tristan mit Barenboim zB. Premiere classica hat offensichtlich Senderecht. Tristan zB kommt nun nach Jahren diesen Samstag bei classica.
    Da ist auch der Monteverdi-Zyklus gezeigt worden, aber auf dem freien Markt waren diese Aufnahmen m.W. zuletzt als Laser-Disc.

  • Lieber Sagitt,
    die Problematik der rechte ist ja bekannt .
    Aus kommerziellen Erwägungen wären Opernfilme angesichts des extrem dürftigen Angebotes ( gerade auch im ROT-Grün-TV !!! ) meiner Meinung nach lohnend . Die Kinos sind heute doch kleiner als die schrecklichen Säle von früher .
    Hier in Düsseldorf gibt es das Kleinkino ( quantitaiv ) "Bambi" , das schon in den 1960er Jahren z.B. "Rosenkavalier" zeigt eoder eine grossartige "Tosca"mit Corelli als Cavaradossi und Guelfi als Scarpia und Lucine Amara als Tosaca . In schwaz-weiss .
    Aber ich möcht equalitativ hochwertige OOpernaufnahmen hören und sehen . Es geht .. Wenn ein Wille da ist .
    Die DVDs laufen teilweise doch auch gut !
    Besste Grüsse
    Frank

  • Opernfilme sind für mich Grenzgänge, da sie zwei Dinge zusammenführen, die eigentlich nicht zusammengehen: absoluten Realismus und die Kunstform Oper. Besonders wichtig sind dabei schauspielende SängerInnen, da idR mit Playback gearbeitet werden muss. Nicht umsonst findet sich in diesen Verfilmungen ja auch ständig Placido Domingo auf dem Besetzungszettel.


    Sehr gelungen finde ich diesbezüglich "Carmen" und "Otello". Auch der Traviata kann ich durchaus etwas abgewinnen, auch wenn ich sie etwas biedermeierlich empfinde. Der Bajazzo mit seinen verkitschten Studiokulissen ist für mich nur bedingt erträglich.


    Herausragend finde ich die "Tosca" mit Alagna/Georghiu/Raimondi - hier wird nicht versucht, photorealistisch am Schauplatz zu agieren sondern direkt für die Kamera inszeniert. Hochästhetisch und unheimlich packend zugleich.
    Nicht unerwähnt möchte ich noch den "Macbeth" mit Leo Nucci und Shirley Verrett lassen, nicht zuletzt Dank dieser vielleicht furchteinflößendsten aller Ladies ein Ereignis.

  • Sagitt meint:


    Die Kinos- in der Krise- merken, dass es ein Publikum gibt, Opernfilme zu sehen. Im Januar,Februar waren verschiedene Mozart-Produktionen zu sehen und die Beitreiber haben sich aufgrund des Erfolgs, auch mit dem Ring von Wagner, entschlossen, dies jetzt regelmäßig zu machen,bekommen sie doch Sonntag morgen den Saal voll.


    Diesen Sonntag läuft Meistersinger,mit Weikl als Hans Sachs.


    Leider entspricht die akustische Umsetzung oft nicht dem schön grosseen Bild, weil die meistens Produktion schlicht Stereo sind und dies klingt im Kino eher popelig.

  • Ich hatte vor einiger Zeit Franco Zeffirelli's Inszenierung der Aida, 2001 in Busseto aufgeführt, im TV gesehen.
    Mir gefiel die Produktion sehr gut.
    Schade, das die Lieferzeiten für die DVD derzeit bis ca. 6 Wochen betragen, sonst würde diese sofort in meinen Einkaufskorb landen.

  • Sehr pikant finde ich auch Opernfilme, wo - meist - optiosch attraktive Schauspieler den Gesangspart markieren:


    Gelungen z.B. beim "Eugen Onegin" und "Romeo und Julia" von Petr Weigl oder bei dem legendären Film "Tales of Hoffmann" aus den 50er Jahren. Weniger geglückt bei der "Rusalka" von Weigl - is manchmal ein bisserl unfreiwillig komisch, wenn z.B. die Plastikblümlein sich in den Gewändern verhaken.


    Opernverfilmungen mit den Gesangsinterpreten gibt's viele, teilw. auch noch in s/w:


    "Tosca", "Carmen" , "Traviata" mit Domingo, "Bohème" mit der Hendricks und eine mit der Freni, einen unsäglichen "Rigoletto" mit Pavarotti. "rosenkavalier" mit der Schwarzkopf. Als Kind habe ich mal "Das Rheingold" als Fernsehfilm von Karajan inszeniert gesehen. Gibt's das eigentlich auf DVD? Und "Hänsel und Gretel" in Everdings Lebkuchen. Herrlich auch - wenn auch sehr frei - "Die verkaufte Braut" mit dem Karl Valentin. Und ich bilde mir auch ein, in den 70ern eine wunderschöne Verfilmung mit der Strata als Marie gesehen zu haben. Mir sind so Bilder mit wogenden Feldern und Finale auf einem Kettenkarussell in Erinnerung. Weiss da jemand noch näheres zu?


    Dann die Livemitschnitte von der Bühne - echte Leckerbissen teilweise. Und dann natürlich die vielen Spielfilme, wo zwanglos irgendwelche Opernszenen eingeschnitten sind. Von "Pretty Woman" über die Mario Lanza-Hollywoodschinken bis hin zu den Spielfilmen mit Elisabeth Schwarzkopf, von denen ich leider noch keinen einzogen gesehen habe. Stehen die auf dem Index?

  • Für mich haben Opern-Spielfilme etwas unfreiwillig komisches, wenn in realistischen Studiolandschaften oder auch in noch realistischeren Außenaufnahmen Sänger, die es einem schon auf der Bühne schwer machen, sie mit den dargestellten Rollen zu identfizieren, imPlaybach den Mund mehr oder weniger synchron auf und zu machen. Als besonders furchtbares Beispiel fällt mir eine Macneth-Aufführung ein, in der Leo Nucci hoch zu Ross singend hereingeritten kommt, es gibt aber sicher noch grauseligere Beispiele. Getoppt wirds allerdings, wenn Schauspieler noch weniger synchrone Mundbewegungen zur Musik machen (etwa Sophia Loren als Aida).


    Ein Genre, das ich meide!


    Gruß aus Lübeck,
    Dieter

  • Zitat

    Als Kind habe ich mal "Das Rheingold" als Fernsehfilm von Karajan inszeniert gesehen. Gibt's das eigentlich auf DVD?


    Nö, dürfte zur Zeit nicht erhältlich sein.



    Zitat

    Und ich bilde mir auch ein, in den 70ern eine wunderschöne Verfilmung mit der Stratas als Marie gesehen zu haben.


    Auch die scheint zur Zeit nur als CD erhältlich zu sein. Mit Teresa Stratas, René Kollo, Walter Berry und Heinz Zednik.


  • Hallo Knusperhexe!


    Ich beantworte das einfach mal:
    Es blieb beim Rheingold. Auf DVD ist die Verfilmung (di ich aus dem Gedächtnis)übrigens für einen durchaus gelungenen Opernfilm halte) nie erschienen, es gab sie allerdins (von der DGG) auf LaserDisc.


    Gruß aus Lübeck,
    Dieter

  • Nein (d.h. ich weiß, dass es nicht so war ;) ). Auch Herbert von Karajan konnte nicht alles realisieren, was er sich vorgenommen hat.


    Eigentlich hätte es ja eine Art Verfilmung für seine Platteneinspielung werden sollen (und so auch eine Konservierung der Salzburger Produktionen). Aber schon das Rheingold brauchte relativ lange und ich vermute, dass er für die restlichen Teile die ursprüngliche Besetzung nur mehr teilweise - wenn überhaupt - zur Verfügung gehabt hätte. Dazu kamen nicht gerade freundliche Rezensionen der Kritiker bezüglich der (ach so konservativen!) Inszenierung und vor allem der Jahrhundert-Ring aus Bayreuth, der in seiner völlig neuen Ästhetik sicherlich auch ein Bremsklotz für die Weiterführung des Karajan-Projekts war.

  • Schade! In einem meiner Opernführer sind viele Produktionsfotos aus diesem Film. Da wurden gleich Erinnerungen wach. Mich hatten damals die Esther Williams-ähnlichen Rheintöchter fasziniert - und natürlich der riesenwurm in Nibelheim.


    Und wisst Ihr was über die div. Spielfilme der Schwarzkopf? Habe mal Ausschnitte in einem Porträt gesehen? Als Mimi war die echt 'ne Wucht. Gar nicht so geziert, wie ich sie später oft empfand.


    Danke Euch und Gruß aus Köln,


    Knuspi

  • einen oder zwei Ausschnitte des Karajan-Rheingolds kann man sich bei youtube anschauen. Finde ich nicht uninteressant, würde ich mir vielleicht als DVD zulegen. Leider scheint Loge im Film/Soundtrack nicht von Gerhard Stolze gesungen zu werden und FiDi wurde auch umbesetzt...?


    p.s.: nachdem ich grad nochmal reingeguckt habe, muß ich sagen, daß diese "star treck" inszenierung doch recht befremdet...

  • Hallo Theophilus,


    die, rein musikalisch gesehen (vom Szenischen will ich hier schweigen), sehr gute Rheingold-Verfilmung von 1974 blieb deswegen ein Unikat, weil sich die Umsetzung als äußerst kostspielig erwies und Partner Leo Kirch weitere Investitionen angesichts ungewisser Einspielergebnisse scheute. Auf DVD ist sie nicht erhältlich, sie läuft aber gelegentlich auf Premiere Classica.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    einen oder zwei Ausschnitte des Karajan-Rheingolds kann man sich bei youtube anschauen. Finde ich nicht uninteressant, würde ich mir vielleicht als DVD zulegen. Leider scheint Loge im Film/Soundtrack nicht von Gerhard Stolze gesungen zu werden und FiDi wurde auch umbesetzt...?


    Peter Schreier war Loge, Alberich wurde von Zoltan Kelemen gegeben. Thomas Stewart sang den Göttervater.


  • Aha. Danke. Also spielte auch hier das Geld eine große Rolle. Möglicherweise war es einfach etwas zu früh dafür. Ein paar Jahre später haben einige Opernfilme auch im Kino reüssiert, aber da war es für den Karajan-Ring bereits zu spät.

  • Zitat

    Original von Christoph_Glaus
    Hallo sagitt,


    ja die Ponelle Inszenierungen des Monteverdi-Zykluses sind eine Klasse für sich! ich hoffe schwer, dass sie schon bald auf DVD auf den Markt kommen.


    Gruss
    Christoph


    Hallo, den Züricher Monteverdi-Zyklus von Penelle gibt's seit kurzem auf DVD!
    lg Severina

  • Irre ich mich, oder ist hier tatsächlich noch nicht jene berühmte "Don Giovanni" genannt. Walter Berry spielte darin mit; ob er Leporello oder Masetto darstellte, weiß ich wirklich nicht mehr. Furtwängler hatte das Dirigat.



    LG, Paul

  • Opernfilme machen für mich nur Sinn,wenn sie Erinnerungen


    an große Sänger und Dirigenten darstellen,z.B. :


    Don Giovanni (Salzburg 1554 Furtwängler)


    Cosi fan tutte (1969 Böhm)


    Fidelio(1970 Böhm)


    Otello (1973 Karajan)


    La Boheme(1967 Karajan)


    Mehr kenne ich nicht,und lehne im übrigen solche


    Playback-Filme ab.Die oben erwähnten sind Ausnahmen.


    :hello:Herbert.

  • Ja Walter Berry war der Masetto.
    Diesen Opernfilm sah ich das erste Mal in einem Berliner Kino
    am Kurfürstendamm als Matinee am Sonntag Morgen und ich
    erinnere mich gut das Kino war AUSVERKAUFT!!!
    Eine sehr schöne Erinnerung an Furtwängler
    und die Sänger.
    Inzwischen hab ich auch die Videokassette.
    :yes::yes::yes:

  • Bei dem Don Giovanni Film wundert mich, dass es offenbar nur ein oder zwei Einstellungen von Wilhelm Furtwängler gibt. Bei seinem Dirigierstil war ja eh schwer zu sagen, was er tat. Ansonsten würde ich diese Verfilmung (die ja eher die Verfilmung einer Aufführung ist) zu denen rechnen, die mir gefallen, aus den gleichen Gründen, die Herbert anführte.


    Ich habe mir in letzter Zeit eine ganze Reihe von Opern-DVDs gekauft, komme allerdings kaum zum Anschauen. Bevorzugt (natürlich) Mitschnitte von Aufführungen.


    Karajans Rosenkavalier (den mit Schwarzkopf) ist sicher absolut klassisch, das Spiel der Sänger wirkt auf mich nur leider z.T. schrecklich gestelzt und übertrieben.


    Den Otello von Karajan finde ich grauenvoll: Jon Vickers ist für mich die Erfüllung des Otellos - stimmlich. Seine Darstellung in diesem Film wirkt auf leider lächerlich.


    Eine Kostbarkeit (wenn auch bisweilen unfreilwillig komisch) ist die Verfilmung von Boris Godunov aus der UdSSR Anfang der 50er, der die Schallplatteneinstpielung von 1948 mit Pirogoff zugrunde liegt: Wie ein sozialistischer Propagandafilm, edles Volk, dekadente Adelige und gaaaanz lange Bärte.


    Gruß aus Lübeck
    Dieter

  • Hallo Dieter,
    ich unterscheide hier zwischen Aufführungsverfilmungen,
    und Playback-Produktionen.Der Furtwängler-Don Giovanni
    ist genau ,wie die oben von mir genannten Filme eine
    Playbackoper.Bei dem Rosenkavalier mit Karajan, E.Schwarzkopf
    handelt es sich auch um einen Film vom Produzenten Paul Czinner.


    :hello:Herbert.

  • An fuer sich finde ich die Absicht Opern zu verfilmen sehr gut.
    Es gibt auch genuegend gute Beispiele, u.a. die obengenannten Produktionen mit Ponnelle als Regisseur. Diese Produktionen, wie so viele andere, sind meist wenig aktuell. Man sollte also nicht die gleichen Erwartungen wie an eine Theaterinszenierung stellen. Vor allem auch mit dem Hintergrund, dass nach Ausstrahlung in Kinos, diese Filme auf Video und neuerdings als DVD erscheinen.
    Persoenlich moechte ich mir keinen Film kaufen, in dem ich eine allzu aktuelle Inszenierung vorgesetzt bekomme, es sei denn, sie ist wirklich sehr sehr gut, oder es sind ausserordentlich gute Protagonisten am Werk.
    Fuer zuhause bevorzuge ich eher "zeitlose" Produktionen, die ich mir auch gerne wieder mit gewissem Abstand ansehe, ohne mich zu aergern.
    Es gibt so einige Opernfilme, eben vorwiegend von Unitel produziert (im nachhinein muss man den seinerzeit so gescholtenen Kohl-Spezi Leo Kirch doch ein grosses Engagement fuer Kulturproduktionen bescheinigen), die ich nicht missen moechte.
    Natuerlich koenen Opernfilme auch auf Theaterproduktionen beruhen, wenn man nur die entsprechende Kamerafuehrung moeglich ist.
    Hier eine Liste von Film- und Fernsehrproduktionen, die ich fuer sehr gut halte
    (die Reihenfolge ist kein Indiz fuer einen Rang):
    Haensel und Gretel unter Solti,
    Rossinis Figaro unter Abbado (Ponnelle)
    Mozarts Figaro unter Boehm (Ponnelle)
    Cenerentola unter Abbado (Ponnelle)
    Der Monteverdi-Zyklus unter Harnoncourt (Ponnelle)
    Zauberfloete (Trollfloeten) unter Bergmanns Regie
    Don Giovanni unter Maazel (Losey) und unter Furtwaengler
    Macbeth, BBC-Produktion mit Patricia Johnson, Ghiaurov, Bailey, Shicoff
    Der Wildschuetz, BR-Produktion unter Leitner mit Berry und Krenn
    Der Liebestrank, 2 RAI-Produktionen aus den 40er und 50er Jahren mit Tajo/Gobbi/Sinimberghi und Taddei/Capecchi/Valetti/Noni
    Otello auf Deutsch aus Ost-Berlin (Felsenstein)
    Tosca mit Kabaivanska, Domingo und Milnes


    Beste Gruesse,
    Stefan

  • Ich finde die Gattung Opernfilm reizvoll aber auch problematisch.
    Reines playbacksingen in akustisch nicht dazu passender Umgebung finde ich recht langweilig. Da gefällt es mir, wenn zum Beispiel in Weigls Eugen Onegin die Tatjana tagträumend mit geschlossenem Mund gezeigt wird, obwohl sie eigentlich gerade singt. Ganz klar also, daß das sozusagen ein "innerer Monolog" ist [Germanistenmodus aus]. Da solche inneren Monologe ja aber in fast jeder Oper exzessiv häufig vorkommen, wäre es auch wieder doof, das permanent mit geschlossenem Mund zu verfilmen...


    Als ich heute das Rheingold sah (Boulez/Chereau), viel mir auf, daß die Kamera dort oft genau zwischen Bühne und Zuschauerraum postiert gewesen sein muß oder auch mal mitten auf der Bühne... ging die Aufführung komplett ohne Publikum über die Bühne oder bastelte man in aller Ruhe zu einem Livesoundtrack noch mal den Film... Fragen über Fragen.


    Der Vollständigkeit halber sei auch hier erwähnt, daß ich begeistert von Böhms/Friedrichs Elektra-Film bin! link:


    STRAUSS/HOFMANNSTHAL: ELEKTRA


  • Ich glaube, wir haben Christophs eingangs gestellte Frage etwas aus den Augen verloren, denn ihm ging es doch um "echte" Verfilmungen, also nicht um TV-Aufzeichnungen einer normalen Aufführung, aus der dann später eine DVD gebastelt wurde/wird. Das ist für mich ein großer Unterschied, weil viele Inszenierungen einfach nicht TV-tauglich sind und nur eine sehr unzureichende Vorstellung vermittelt. Unser neuer "Werther" (an der WSO) gefällt mir z.B. live recht gut, würde ich nur die DVD kennen, wäre ich entsetzt. Besonders wenn man eine Inszenierung gut kennt, leidet man oft regelrecht bei einer Aufzeichnung, weil man ja weiß, was man gerade NICHT sehen kann. Das fällt bei einem "richtigen" Opernfilm weg, da gibt's keine Handlung außerhalb des Bildes.
    Wichtig ist mir beides, denn auch eine unzulängliche DVD konserviert doch schöne ERrinnerungen oder eben unwiderbringlice Momente, Besetzungen etc. etc. Ich wünsche mir allerdings mehr Opernfilme und glaube schon, dass sie ihr Publikum finden, wenn sie dementsprechend promoted werden. Zeffirellis opulente "Traviata" mit Domingo /Stratas wurde in Wien geradezu gestürmt, auch von Leuten, die nie oder nur selten in die Oper gingen. Ich erinnere mich noch gut an die Schlangen vor der Kinokasse, ohne Reservierung war man in der ersten Woche chancenlos.
    lg Severina


    PS: THomas Bernhard, habe dir im "Faust"-Thread geantwortet!!

  • Zitat

    Als ich heute das Rheingold sah (Boulez/Chereau), viel mir auf, daß die Kamera dort oft genau zwischen Bühne und Zuschauerraum postiert gewesen sein muß oder auch mal mitten auf der Bühne... ging die Aufführung komplett ohne Publikum über die Bühne oder bastelte man in aller Ruhe zu einem Livesoundtrack noch mal den Film... Fragen über Fragen.


    Es handelte sich hierbei um Vorstellungen ohne zahlendes Publikum. Es gab lediglich eine Heerschar bezahlter Techniker, und auf diese brauchten die Kameras keine Rücksicht nehmen und konnten sich sehr frei bewegen...