A Star was born - Neuere Klassiklabel und was wir durch sie gewonnen haben

  • Dies ist gewissermaßen das Gegenstück zum Thread


    Requiescat in pace - Verblichene Klassiklabel und was wir mit ihnen verloren haben


    Die einzige Frage die ich mir stelle ist: Wie alt darf ein Klassiklabel sein um als "neu" durchgehen zu können - ich würde großzügige 20-25 Jahre ansetzen - aber auch in neuerer Zeit ist etliches entstanden - oder auch das würde ich bewerten - hat sich erst richtig zum Renner entwickelt..
    Wir sollten uns diese Label - speziell die ganz jungen - vor Augen führen, zum einen damit wir sehen was sie für uns leisten, zum anderen, damit auch andere es sehen und somuit das Austrocknen dieser Label verhindern.
    Und letztlich auch um uns bewusst zu machen, daß immer wenn ein rennomiertes Label von seinen momentanen Eigentümern absichtlich oder aus Unfähigkeit ruiniert wird - ein neues entsteht, daß neue Künstler, neue Werke entdeckt und manchem Star anderer Label ein neues Zuhause bietet..


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Die einzige Frage die ich mir stelle ist: Wie alt darf ein Klassiklabel sein um als "neu" durchgehen zu können - ich würde großzügige 20-25 Jahre ansetzen -


    Da es die CD, die nunmal Hauptbestandteil der Disussionen des Forum ist, gerade seit rund 30 Jahren gibt und Label und Musikkonsum sich ja insbesondere durch die CD entwickelt haben, würde ich für Super Novae maximal 5 Jahre ansetzen. 5 Jahre ist ein Zeitraum, der eine Beurteilung zu- und auch die Behauptung auf dem Markt einigermassen darstellen lässt, wenn ich auch persönlich als 'neu' eher 1 bis anderthalb Jahre ansetzen würde.


    Labels, die 20 bis 25 Jahre am Markt sind, kann ich schwerlich als 'neu' betrachten - schon eher als alt... aber ehrwürdig. Aber vielleicht liegt das auch im Auge des Betrachters - gegen Dich bin ich auch neu :D


    Ricercar z.B. dürfte so etwa vor 25 Jahren gegründet worden sein, gehört für mich eher zum eisernen Bestand der Klassiklabels. Im Mittelfeld läge z.B. Winter&Winter (gegründet 1997), neu hingegen wäre Phoenix, wobei dies ja bekanntlich quasi aus Capriccio hervorging. Das Label war auch lange Jahre tapfer am Markt und ist jetzt trotz der Neugründung auch wieder präsent.


    :hello:


    Ulli

  • Ich akzeptiee natürlich die Ansicht, daß ein 20 Jahre altes Label "Alt" ist - nachempfinden kann ich es allerdings nicht.
    "Alte" Label sind die Deutsche Grammophon, die Archiv Produktion, die EMI (His Masters Voisce oder Angel, Capitol), RCA, DECCA, Erato, CBS (Columbia Broadcasting System -heute Sony) . Philips - Telefuncen, Teldec, Supraphon, allenfalls noch Harmonia Mundi...


    Persönlich sehe ich alle Label als "NEU " an die den Niedergang der Majors in die Wege geleitet haben, und der begann vor etwa 20 Jahren.


    Irgendwie habe ich natürlich den Artikel einer Klassikzeitschrift - nach meiner Erinnerung war es Fonoforum - im Hinterkopf, wo die Meinung vertreten wurde, das Sterben der Kleinlabels wäre nun nicht mehr aufzuhalten, der Markt würde ab jetzt unter den paar Majors aufgeteilt, und diese bestimmten das Programm.


    Vielleicht habe ich hier einen inneren Trennstrich zwischen Neu und alt gezogen, der aber vermutlich heute nicht mehr aktuell sein dürfte.


    In gewisser Weise ist dieser Thread aber dennoch nützlich.
    Immer wieder wird das Sterben von "Raritätenlabeln" beklagt, während andere - ebenso gute - im Forum totgeschwiegen werden - vermutlich weil man sie gar nicht kennt. Wenn also solch ein eher unbekanntes Label hier erwähnt wird, dann ist es de fact für den Klassikfreund eine "Neuentdeckung" - wenn vielleicht auch nicht mehr wirklich ganz neu...


    An dieser Stelle möchte ich Brilliant Classics erwähnen.
    Lange Zeit (wann wurde das Label eigentlich wirklich gegründet ?) erschien es mir als "billiger Resteverwerte" mit zweifelhaftem Repertoire und uninteressanten weil von anderen weggeworfenen Interpreten. Inzwischen hat es sich nicht nur durch eigenen (oft sehr gute) Aufnahmen profiliert, sondern fungiert oft als "Retter" von interessanten Nischenaufnahmen, welche von den Großen verstoßen wurden. Diese Entwicklung hat indes Jahre gebraucht....


    Heute halte ich Brilliant Classics für unverzichtbar, einen hellen Stern am Hmmel der "neueren" Labels.Ich kaufe hier oft interessante Aufnahmen von Werken, die ich bereits nehrfach habe


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Während der Thread:
    Requiescat in pace - Verblichene Klassiklabel und was wir mit ihnen verloren haben
    zumindest einigermaßen auf Interesse stieß (Nostalgie ist halt gar zu schön) ist es hier relativ still geblieben. Dabei wurden gerade in den letzten Jahren zahlreiche Label geründet - mit den unterschiedlichsten Repertoirebereichen und Zielsetzungen. Nicht nur Brilliant Classics verwertet derzeit von anderen Labeln "aufgebene Aufnahmen", nein diesem Trend haben sich auch andere angeschlossen. Einige davon haben bereits einen eigenen thread bei Tamino. Dennoch ist die Erwähnung in diesem Thread hier wichtig (am Besten nur ein Label pro Beitrag) damit Name und Programm besser im Gedächtnis bleiben.
    PIANO CLASSICS hat bereits einen eigenen Thread,
    Piano Classics - "Nachwuchs" bei Pieter van Winkel (Brilliant Classics)
    daher hier nur 2 Beispielveröffentlichungen - mehr im Spezialthread, der von Zeit zu Zeit (hoffentlich) ergänzt wird.

    Entgegen ersten Vermutungen werden hier nicht nur "Albestände" gerettet (an sich schon das eine erfreuliche Sache) sondern man produziert auch selbst - teilweise mit Künstlern die bislan auf CD nicht oder kaum auftauchten - und bereichert auf diese Art den Interpretenpool.


    mfg aus Wien
    Alfred


    daher hier nur in aller Kürze:


  • Das CD-Label "Naive" wurde 1997 in Frankreich gegründet.
    Wo findet man sonst noch eine Aufnahme mit Instrumentalwerken des nahezu unbekannten böhmischen Komponisten Franz Tuma (der es bis an den Kaiserhof in Wien schaffte), die von Rinaldo Alessandrini mit dem Concerto Italiano eingespielt wurden?
    Unter dem neuen Label "Naive" kommen u.a. auch ältere Aufnahmen der Labels "Astree Auvidis" und "Opus111" heraus.


  • Anima Eterna mit Jos van Immerseel haben ihre Heimat beim Label "Zig Zag Territoires" (mit dem Zebra) gefunden. Das Label wurde 1997 gegründet und bietet inzwischen mehr als 100 CDs an. Selbst Aufnahmen, die vor 10 Jahren noch bei Sony erschienen waren - wie die Schubert Sinfonien - erscheinen nun wieder, aber diesmal beim Zig Zag Label.



    Poulenc: Konzert für zwei Klaviere



    Berlioz: Symphonie Fantastique

  • Ich möchte die Bedeutung des von Schneewittchen bereits vorgestellten Label NAIVE aus Frankreich nur noch einmal ganz deutlich bekräftigen. Die Einspielungen, die aus diesem Hause auf den Markt geworfen werden, sind in der Regel musikalisch und interpretatorisch 'erste Sahne', wie man so schön salopp sagt. Höchst verdienstvoll ist sicherlich die VIVALDI-EDITION, die bei NAIVE seit mindestens 10 Jahren Stück um Stück wächst. Abgesehen davon, dass dort jede Menge Ersteinspielungen vorgelegt werden, bewegen sich nahezu alle Veröffentlichungen der Reihe (und ich habe bestimmt zwei Drittel davon hier im Regal) in der interpretatorischen Spitzengruppe. Es ist nur weniges dabei, was man vielleicht als eher durchschnittlich bezeichnen würde. Es werden die gegenwärtigen Spitzenensembles aus der Alte-Musik-Szene engagiert.


    Hier eine der letzten Veröffentlichungen aus dem Februar:



    Über die Covergestaltung mag man nun unterschiedlicher Meinung sein. Aber mittlerweile sind die Frauenköpfe, nennen wir sie mal kreativ gestaltet, (nur selten sind Männer abgebildet) sicher zum Erkennungszeichen der Vivaldi-Reihe geworden.


    Grüße,
    Garaguly


  • Neu ist auch das CD-Label "Phi" = Philippe Herreweghe, der 2010 sein eigenes Label gründete und mit der Aufnahme von Mahlers 4. Sinfonie an den Start ging.



    Mit seinen Ensembles Collegium Vocale Gent und Orchestre des Champs Elysées erschienen bisher 8 CD-Alben, im Mai 2013 wird eine CD mit Mozarts Sinfonien 39, 40 und 41 erwartet.


  • Frans Brüggen hat sich beim Label "Glossa" eingefunden. Dort erschien zuletzt seine Aufnahme der kompletten Beethoven-Sinfonien auf SACDs. Das spanische Label "Glossa" wurde 1992 gegründet und feiert heuer seinen 21.Geburtstag.



    Georg Friedrich Händel
    Wassermusik/Feuerwerksmusik



    Carl Friedrich Abel
    Das Drexel Manuscript


    Werke für Viola da Gamba


  • Sir John Eliot Gardiner gründete 2005 sein eigenes CD-Label "Soli Deo Gloria".
    Da die großen CD-Label nicht mehr bereit waren,in Neuproduktionen zu investieren,entschloß sich Sir John dazu,die Sache selbst in die Hand zu nehmen.Mit seinem eigenen Label steht es ihm frei,welche Werke und wieviele CD-Alben er pro Jahr veröffentlicht.
    Die CD-Alben sind besonders aufwendig ausgestattet,als Hardcover-Booklet in schwerer Papierqualität erfreuen sie auch das Auge.
    J.S. Bach: Brandenburgische Konzerte
    J.S. Bach: Weihnachtskantaten


  • J.S. Bach: Sonaten für Gamba und Cembalo


    Jordi Savall schuf sein eigenes Label 1998.
    Die CDs und SACDs befinden sich in aufwendigen Alben und teils sogar in noch aufwendigeren Büchern, in denen sich auch noch zusätzliche DVDs befinden können. Neben Neuaufnahmen erscheinen in einer extra dafür vorgesehenen Serie "Heritage" Aufnahmen, die Savall für Astree-Auvidis eingespielt hatte. Neu remastered kommen sie auf SACDs von Alia Vox heraus.



    G.F. Händel
    Wassermusik/Feuerwerksmusik

  • Ich möchte die Bedeutung des von Schneewittchen bereits vorgestellten Label NAIVE aus Frankreich nur noch einmal ganz deutlich bekräftigen. Die Einspielungen, die aus diesem Hause auf den Markt geworfen werden, sind in der Regel musikalisch und interpretatorisch 'erste Sahne', wie man so schön salopp sagt. Höchst verdienstvoll ist sicherlich die VIVALDI-EDITION, die bei NAIVE seit mindestens 10 Jahren Stück um Stück wächst. Abgesehen davon, dass dort jede Menge Ersteinspielungen vorgelegt werden, bewegen sich nahezu alle Veröffentlichungen der Reihe (und ich habe bestimmt zwei Drittel davon hier im Regal) in der interpretatorischen Spitzengruppe. Es ist nur weniges dabei, was man vielleicht als eher durchschnittlich bezeichnen würde. Es werden die gegenwärtigen Spitzenensembles aus der Alte-Musik-Szene engagiert.


    Ich kann diese Aussage nur unterstreichen, dem Label naïve verdanken wir wirklich eine Reihe herausragender Aufnahmen. Besonders verdienstvoll ist die schon gewürdigte Vivaldi-Edition "Tesori del Piemote", die sich Einspielungen des gesamten Bestands der Turiner Bibliothek zum Ziel gesetzt hatte, darunter viele noch unveröffentlichte Werke. Um herauszufinden, ob diese Edition schon abgeschlossen ist, wollte ich vor einigen Tagen die Internet-Präsenz von naïve besuchen, musste aber feststellen, dass diese dauerhaft offline ist. Mir schwante Übles, und eine kurze Recherche hat es bestätigt: das Label stand kurz vor der Insolvenz und wurde zum Verkauf angeboten. Offenbar hat auch Sony ein Angebot abgegeben, den Zuschlag für ca. 10 Mio. Euro bekam aber der Musik-Vertreiber Believe Digital. Er scheint sich verpflichtet zu haben, die 25 Mitarbeiter(innen) zu übernehmen und will wohl auch das Programm weiterführen. Hoffen wir das Beste.


    Hier sind meine Quellen:


    http://www.musicbusinessworldw…ndependent-naive-for-12m/
    http://themusicnetwork.com/new…al-acquires-frances-naive
    http://www.hypebot.com/hypebot…die-label-na%C3%AFve.html


    Weiß jemand, ob die Vivaldi-Edition schon abgeschlossen war?

  • Plattenlabel »Canary Classics«


    … ist das Plattenlabel von Geiger Gil Shaham. Gil Shaham gegründet Canary Classics als eigenes Label (auch einer der ersten Künstler) im Jahr 2003, was ihm die künstlerische Freiheit zur Zusammenarbeit ermöglicht, wo er fühlt »es ist eine künstlerische und musikalische Synergie«.


    Warum Canary Classics?


    Der Name ist im Wesentlichen ein Wortspiel, sowohl die Singvogel und 'Canar', welche das hebräische Wort für Geiger aufrufen.


    Mehr als 10 Jahren war Gil Shaham ein produktiver Musiker für die Deutsche Grammophon. Mit Canary Classics ist Gil Shaham nun in der Lage, zu erfassen – wählen und lassen, was er will. "Freiheit ist von unschätzbarem Wert" sagt er und fügt hinzu: "Ich hatte immer ein Problem mit Autorität."


    http://www.canaryclassics.com/recordings


    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Zitat

    Hoffen wir das Beste.


    Ich würde mich vor allem freuen, wenn die Naive-Veröffentlichung der Streichquartette von Darius Milhaud wieder greifbar gemacht werden würde.


    "Neue" Label:


    In letzter Zeit haben mich vor allem Produktionen von Alpha sowie Challenge-Records überzeugt.
    Bei beiden habe ich herausragende Interpretationen gepaart mit einer ästhetisch ansprechenden Aufmachung sowie hervorragender Klangtechnik vorgefunden.
    Die Landschaft wäre ohne die beiden genannten Plattenfirmen deutlich ärmer und weniger spannend.


    Zig Zag, Alpha und PHI sind übrigens mittlerweile weitestgehend eins.


    Viele Grüße
    Frank