Felix MENDELSSOHN - Die Sinfonien

  • Anlässlich des 200. Geburtstages von Felix Mendelssohn in diesem Jahr ist mir ein Thread über sein sinfonisches Schaffen im Allgemeinen lieb.


    TAMINO hat natürlich bereits Threads, in welchen die berühmten Sinfonien des Meisters (die übrigens alle einen Werkbeinamen tragen) besprochen wurden und weiterhin besprochen werden können und sollen:


    Sinfonie Nr. 2: Felix Mendelssohn Bartholdy: 2. Sinfonie B-Dur op. 52 "Lobgesang"
    Sinfonie Nr. 3: Felix Mendelssohn-Bartholdy: 3. Sinfonie a-moll op. 56 "Schottische"
    Sinfonie Nr. 4: Felix Mendelssohn-Bartholdy: 4. Sinfonie A-Dur op. 90 "Italienische"
    Sinfonie Nr. 5: Felix Mendelssohn-Bartholdy: 5. Sinfonie d-moll op. 107 "Reformation"


    Dieser Thread hier soll einen allgemeinen Überblick verschaffen und im Anschluß können hier ggfs. Gesamteinspielungen und diverse Boxen sowie Einzelwerke besprochen werden, die keinen separaten Thread haben (wie z.B. die Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 11 oder die Streichersinfonien).


    Bei meinen Recherchen fand ich zunächst heraus, daß die heutige Zählung der Mendelssohnschen Sinfonien nicht der Chronologie ihrer Entstehung entspricht, sondern vielmehr der Erstveröffentlichung. Seinen 'offiziellen' Sinfonien gingen zunächst die 12 Streichersinfonien voraus (Nr. 1 C-Dur, Nr. 2 D-Dur, Nr. 3 e-moll, Nr. 4 c-moll, Nr. 5 B-Dur, Nr. 6 Es-Dur, Nr. 7 d-moll, Nr. 8 D-Dur, Nr. 9 C-Dur, Nr. 10 h-moll, Nr. 11 f-moll und Nr. 12 g-moll). Eine weitere (heute gelegentlich als Nr. 13 gezählte) in c-moll bleibt einsätzig quasi unvollendet.


    Mendelssohn tat sich offenbar schwer, die Streichersinfonien als 'vollwertige' Sinfonien anzusehen. So existiert zur 8. Streichersinfonie noch eine Fassung mit Bläsern, seine später als Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 11 veröffentlichte Sinfonie zählte er zunächst noch als 13. Sinfonie.


    In chronologischer Folge sind die Sinfonien wie folgt aufzuzählen:


    1 Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 11 (1824)
    2 Sinfonie Nr. 5 d-moll op. 107 (1829/1830) Reformation
    3 Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 (1833) Italienische
    4 Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 (1840) Lobgesang
    5 Sinfonie Nr. 3 a-moll op. 56 (1842) Schottische


    (wobei Mendelssohn sich mit der a-moll-Sinfonie bereits seit 1829 beschäftigte).


    Die Chronologie ist vielleicht beim Hören der Reihe nach nicht ganz unwichtig.


    Ich habe mir mal folgende Brilliantbox angeeignet:


    Sie enthält alle 12 Streichersinfonien inkl. des c-moll-Satzes (Nr. 13), der 'Vollversion' der 8. Streichersinfonie sowie die 5 'offiziellen' Sinfonien. Besonderer Anreiz an dieser Box ist eine Aufnahme der a-moll-Sinfonie op. 56 unter Leitung von Arnold Östman (man bekommt von ihm selten sinfonisches auf CD, wie z.B. die 5. Sinfonie von Ferdinand Ries) sowie der D-Dur-Sinfonie op. 107, geleitet von Jos van Immerseel. Sehr gut gefällt mir auch, was Frans Brüggen mit der c-moll und A-Dur-Sinfonie macht. Die restlichen Werke wurden von Kurt Masur dirigiert (Gewandhausorchester, selbstredend).


    Ich werde mich in den nächsten Tagen und Wochen mal quer durch dieses Ungetüm hören und gelegentliche Berichte abwerfen.


    Nicht unerwähnt bleiben darf folgende Einspielung der Sinfonien Nr. 1 c-moll und 5 d-moll für Klavier vierhändig, Violine und Violoncello nenbst der Hebriden-Ouvertüre und Ruy Blas. Die Bearbeitungen stammten zum Teil von Mendelssohn selbst:


    Es spielen Gerald Fauth & Olga Gollej (Klavierhändig), Andreas Seidel (Violine), Matthias Moosdorf (Violoncello).


    Es handelt sich bei dieser CD um eine Einzelausgabe aus der Streichquartettbox mit dem Leipziger Streichquartett.


    Durch diese Arrangements erst kam ich überhaupt auf den Geschmack mendelssohnscher Sinfonien :] Die beiden hier eingespielten Sinfonien für vier Personen auf drei Instrumenten stehen auch in chronologischer Abfolge und gefallen mir vermutlich deswegen bisher auch noch am besten.


    :hello:


    Ulli

  • Darf ich mich hier einmal ranhängen; aber das Weihnachtsfest fordert seinen Tribut und ich habe keinen Thread zu Gesamtaufnahmen von Mendelssohn-Bartholdys Sinfonien gefunden; ich selbst habe sie alle einzeln, brauche aber einen vernünftigen Zyklus, möglichst mit den Streichersinfonien.

  • Ich glaube nicht, Meister Yorick, dass Du mit der vom (ehemals) Erleuchteten oben empfohlenen Brillant-Gesamtaufnahme falsch liegst. Ich besitze sie auch (und höre sie eher sehr gelegentlich).


    Aus LP-Zeiten habe ich die großen Sinfonien mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Christoph von Dohnanyi im Regal stehen. Die gibt es auch als CD-Set, allerdings nicht gerade preisgünstig (1).


    Szell wirst Du möglicherweise mit der "Italienischen" besitzen. Herausragend! Eine Gesamteinspielung scheint es da nicht zu geben.


    Aber wie schon gesagt: Mir reicht die Integrale, die Ulli anführt, vollauf.


    Jetzt warten wir noch auf Felix Meritis, obwohl ich von Mendelssohn immer noch mehr verstehe als von Nietzsche. ;)


    :hello: Wolfgang


    (1) Stimmt ja gar nicht:


  • Keine Gesamtaufnahme, "nur" die 3. und 4., aber für mich absolut begeisternd ist diese Einspielung von 2011:



    Enthält zudem die Zweitfassung der Vierten.



    Zitat

    «Mendelssohn hatte wahrscheinlich zusammen mit Mozart und Debussy das musikalisch schärfste Ohr, das es je gegeben hat.» Das sagt Heinz Holliger, der nun ja auch nicht gerade mit grobem Hörsinn ausgestattet ist. Und er redet Klartext, wenn’s darum geht, festzustellen, weshalb Mendelssohn selbst heute noch eher als eineinhalbklassiger Komponist gilt. Richard Wagner habe alles musikalisch Brauchbare von ihm geklaut, um ihn anschliessend völlig zu verneinen und ihn als Komponistenfigur auch menschlich zu zerstören, so Holliger.


    Das Gespräch mit dem brillanten Oboisten, Komponisten und Dirigenten im Booklet zu dieser CD ist etwas vom Besten und Anregendsten, was man in Booklets bisher gelesen hat – nicht nur zu Mendelssohn. Holliger spricht auch über die Tempi, die Mendelssohns Musik verlangt: Nicht schleppen! Und darüber, wie man sie runieren kann, drückt man auf die Tränendüsen. Diese Musik vertrage «weder Gefühlsduselei noch Bombast».


    http://www.codexflores.ch/popular.php?art=148


    Beste Grüße


    Christian

  • vom (ehemals) Erleuchteten oben
    ;)

    Wieso ehemals erleuchtet?



    Zitat

    Jetzt warten wir noch auf Felix Meritis, obwohl ich von Mendelssohn immer noch mehr verstehe als von Nietzsche.

    Und ich weiß von Mendelssohn auch viel zu wenig, zumindest von seinen Orchsterwerken und Konzerten; mein Interesse galt bislang den Oratorien, der Kammermusk und besonders "Lieder ohne Worte"!



    Zitat

    (1) Stimmt ja gar nicht:


    Na, die wird es wohl gleich werden! :) Danke!



    Zitat

    Keine Gesamtaufnahme, "nur" die 3. und 4., aber für mich absolut begeisternd ist diese Einspielung von 2011:



    Enthält zudem die Zweitfassung der Vierten.

    Schon faszinierend, was man hier für wertvolle Hinweise erhält: Auf die Aufnahme wäre ich im Leben nicht selbst gekommen! Auch hier besten Dank! :)

  • Hallo Yorick,


    :hello: mit der Dohnanyi-GA machst Du auch nichts falsch = ausgewogene präzise und zügige Interprertionen + beste Decca-Klangqualität.
    :thumbsup: Die Italienische ist mit Dohnanyi ;) nach Szell (SONY) die Beste im ganzen Katalog.


    Ich habe noch die Karajan - GA, die für mich wegen der Sinfonien Nr.1, 3 und 5 interessant ist. Die Nr.4 Italienische ist bei Karajan schlichtweg zu langsam; :angel: dafür hat der Rest aussergewöhnliche Tiefe.
    **** Szell hat übrigens nur die Nr.4 - Italienische eingespielt --- aber wie ... der Wahnsinn !!!!



    OT:
    Mit "Ehemals erleuchtet" mein WolfgangZ, das unser lieber Ullli (ich kenne ihn persönlich von letzten Tamino-Treffen) leider nicht mehr dabei ist.


  • Ich würde noch eine ganz große Empfehlung für den frühen Bernstein aussprechen. Eigentlich tendiere ich immer eher zu seinen späteren Aufnahmen, aber was er in den späten 50ern in New York eingspielt hat, ist einfach fabelhaft. Dagegen verblassen die Aufnahmen mit dem Israel PO, auch klanglich. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich nur die Italienische wirklich gut kenne. Ob es überhaupt einen kompletten Zyklus unter Bernstein gibt, weiß ich nicht genau.

  • Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich nur die Italienische wirklich gut kenne. Ob es überhaupt einen kompletten Zyklus unter Bernstein gibt, weiß ich nicht genau.


    Hallo Josef,


    Du weist ja, dass ich mir als Bernstein-Fan auch Mendelssohn mit ihm nicht durch die Lappen gehen lassen würde.
    *** Bernstein hat mit den New Yorker PH die Sinfonien Nr. 3 - 5 aufgenommen (keine GA) !
    Diese Doppel-CD war mal megapreiswert (für 5DM) von DUETT (steht kleingedruckt SONY drauf) im Programm. Die Sinfonien Nr. 3 und 5 finde ich mit Bernstein ganz gut - Dohnanyi und Solti (Nr.3) und Karajan (Nr.3 und 5) ziehe ich unbedingt vor; aber verwunderlich ist dann schon bei der Nr.4 Italienischen, dass ihm da die ansonsten gewohnte emotionale Puste ausgegangen ist. Das hat mir zu wenig italienisches Temprament. Sicherlich verwunderlich für Dich, zumal Du diese Aufnahme in deiem Beitrag ausdrücklich empfiehlst. Erst im Finale kommt bei Bernstein etwas Feuer auf.
    Die Hebriden-Ouv hat dann das Temprament drauf, das der Italienischen bei ihm fehlt !


    :!: Vergleiche dagegen mal (bei der Italienischen) Szell (SONY) und ebenso exqusit auch Dohnanyi (Decca) --- dann weist Du was ich meine.

  • Auch meiner Meinung nach ist der Dohnanyi Zyklus insgesamt der empfehlenswerteste. Vor allem die Schottische möchte ich hier herausheben. Das Scherzo habe ich noch nirgendwo knackiger gehört als hier (inkl. meiner Lieblingseinspielung dieses Werks von Peter Maag mit dem LSO). Zyklen mit Streichersymphonien inklusive gibt es meines Wissens nur mit Masur und Fey, wobei ich ersten in Ordnung finde, zweiten aber nicht empfehlen kann. Es gibt auch eine neue Gesamtkopplung bei BIS (große Symphonien unter Litton, Streichersymphonien unter Lev Markiz ) - diese ist auch gut bis sehr gut, aber noch nicht im günstigen Paket erhältlich. Allerdings sind hier auch die Konzerte mit berühmten Interpreten enthalten.


  • Auch bei der Einspielung der MENDELSSOHN-Sinfonien ist es problematisch, immer ganze Zyklen en bloc zu vergleichen und kommentieren, da einem Dirigenten oder Orchester naturgemäß nicht immer sämtliche Werke optimal gelingen können. Auch gibt es Einzelaufnahmen von Sinfonien, die dann oft übersehen werden.


    So gibt es z. B. von der Vierten eine wunderbare, sehr individuelle Live-Aufnahme des MARLBORO FESTIVAL ORCHESTRA unter PABLO CASALS , die ein hochinteressantes Dokument von CASALS als Dirigenten darstellt. Diese Aufnahme, die bei Columbia erschien, enthält auch noch BEETHOVEN's Achte. Die Aufnahme entstand kurz vor CASALS' 90. Geburtstag!


    Das Orchester besteht aus 50 Einzelkünstlern, Konzertmeistern bedeutender Orchester, namhaften Kammermusikern, Hochschulprofessoren, Solisten, die sich zu Ehren von PABLO CASALS zusammengefunden haben, darunter berühmte Namen wie ZIVI ZEITLIN, JAIME LAREDO, Violine, Herman BUSCH + LYNN HARRELL, Cello, MYRON BLOOM, Horn. Die große Technik dieser z. T. illustren KÜnstler tritt nicht aufdringlich in den Vordergrund, sondern ihr Spiel bildet trotz der wenigen Proben eine so erstaunliche Einheit, daß man meint, daß diese schon jahrlang zusammen spielen. Die immer noch erstaunliche Frische, spontane Lebendigkeit, Leidenschaft, Eindringlichkeit und das Gefühl für Rhythmik des greisen PABLO CASALS wurde in bewundernswerter Weise auf die zusammengewürfelten Einzelkünstler übertragen. Eine sehr wertvolle Momentaufnahme aus dem Leben dieses großen Künstlers!

    Oder auch von der Sinfonie Nr. 5 von MENDELSSOHN gibt es eine ältere Einzelaufnahme, die verdient, besonders hervorgehoben zu werden, und zwar die Einspielung durch das vorzügliche AMSTERDAMER KAMMERORCHESTER, das unter MARINUS VOORBERG dieses Werk herrlich schlank und transparent gestaltet und spielt.


    Viele Grüße


    wok

  • Keine Gesamtaufnahme, "nur" die 3. und 4., aber für mich absolut begeisternd ist diese Einspielung von 2011:

    Gerade gestern habe ich auf einem meiner Weihnachtseinkauftrips die von Hasiewicz vorgestellte CD gesehen und gleich gekauft. Ich hatte zwar schon eine Einspielung der Zweitversion der Italienischen (unter Statsenko) aber die fand ich so schlecht, dass ich mich nicht weiter mit dem Thema befasst habe. Bei Holliger hört sich das gleich ganz anders an! Tatsächlich bekommt die vierte Symphonie durch die Umarbeitung ein völlig neues Gepräge - sie wirkt nun schwerer, "deutscher". Das Andante gefällt mir nun viel besser, eigentlich auch das Menuett. Nur der Finalsatz sprüht leider nicht so viele Funken. Ich denke daher, dass die Überarbeitung der Italienischen Musikwissenschaftler mehr begeistern wird als das Publikum. Auf jeden Fall aber sehr, sehr hörenswert. Die Aufnahme der Schottischen ist auch exzellent - aber hier ist die Konkurrenz beinahe erdrückend.

  • Aus "gerade gehört":


    Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
    Symphonien Nr.1-5

    Sibylla Rubens, Claudia Mahnke, Christoph Pregardien, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Christoph Poppen
    Oehms, DDD, 2005, 3 CDs


    Eine sehr ordentliche Aufnahme, die mich dennoch nicht vollends befriedigt. Am stärksten erscheinen mir die 2. Sinfonie (die mir allerdings als Werk nicht so sehr liegt) und insbesondere die 5. Sinfonie. In Summe wirkt diese Gesamtaufnahme auf mich aber etwas "grobkörnig". Weder scheinen die Interpretationen im Detail vollends ausgeformt, noch packen sie mich so richtig. Ganz ähnlich erging es mir allerdings bereits mit Andrew Littons Zyklus für BIS. Vielleicht liegt es an Mendelssohn selbst? Andererseits mag ich die Sinfonien 3 bis 5 durchaus sehr gerne... ?(
    Wirft man einen Blick in die Datenbanken von Amazon und jpc, dann herrscht nach wie vor zumindest kein Überangebot an (aktuellen) Gesamtaufnahmen. Bei Zeiten werden ich wohl noch mal Dohnanyi und Abbado - oder auch HvK - "befragen".


    Viele Grüße
    Frank

  • Bisher hat mir die nobel tiefgehende und in jeder Beziehung ausgezeichnete Karajan - GA (DG) für die Mendelssohn-Sinfonien ausgereicht.
    Nur von den Sinfonien Nr. 3 und 4 habe ich Ergänzungen mit Solti (DEcca), Dohnanyi (DEcca), Bernstein (SONY; Nr.3,4,5), Szell (SONY; Nr.4).


    Von der Sinfonie Nr.1 C-moll op.11 gibt es keinen eigenen Thread bei Tamino ! :huh: Scheint diese den Klassikhörer nicht so zu interessieren ?
    Ich kannte bisher auch "nur" die Karajan-Aufnahme !


    Interessant, dass Dohnanyi für dieses frische und schöne Werk in den schnellen Sätzen gut eine Minute weniger Spielzeit erfordert ... und mir gefällt seine Aufnahme äusserst gut, denn die flotten Spielzeiten passen noch besser zu diesen positiven Meisterstück !
    Karajan ... = 8:14 - 6:26 - 7:01 - 8:31
    Dohnanyi = 7:18 - 6:40 - 5:23 - 8:03


    Die Sinfonie Nr.5 "Reformationssinfonie" D-Dur op.107 kann ich unter Karajan in den Sätzen 1 und 4 noch mehr Tiefe bescheinigen. Trotzdem finde ich auch hier Dohnanyi´s zügigere Herangehensweise auf eine andere Art ebenfalls sehr hörenswert.
    Karajan ... = 12:57 - 6:54 - 4:25 - 8:53
    Dohnanyi = 11:31 - 5:27 - 3:53 - 8:23


    *** Mein Neuzugang hat sich gelohnt:

    Decca, 1976-1980, ADD/DDD



    Die chronologische Reihenfolge, die von der Nummerierung deutlich abweicht und die Ulli in Beitrag 1 postete, möchte ich hier noch einmal in Erinnerung bringen:


    Zitat

    1 Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 11 (1824)
    2 Sinfonie Nr. 5 d-moll op. 107 (1829/1830) Reformation
    3 Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 (1833) Italienische
    4 Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 (1840) Lobgesang
    5 Sinfonie Nr. 3 a-moll op. 56 (1842) Schottische

  • Nachdem ich mir den späten Zyklus der fünf Mendelssohn-Symphonien unter Peter Maag in den letzten Tagen durchgehört habe, möchte ich eine ganz nachdrückliche Empfehlung für diese Gesamtaufnahme aussprechen. Maag galt als einer der Interpreten dieses Komponisten, und hier kann man auch nachvollziehen, wieso. 1960 spielte er für Decca die "Schottische" ein, die fortan einen legendären Status erlangte und noch heute als die Referenz angeführt wird. In den 80er Jahren folgten Einspielungen der "Schottischen" und "Italienischen" mit dem Berner Symphonieorchester (dem er damals als Chefdirigent vorstand) für MCA. Eine wirkliche Gesamtaufnahme kam indes erst kurz vor seinem Ableben 2001 auf dem Label Arts zustande. Es spielt das hierzulande wenig bekannte Orquesta Sinfónica de Madrid, immerhin das älteste spanische Orchester ohne Opernbezug, und soviel darf vorweg geschickt werden: Die Madrider meistern ihre Aufgabe bravourös.


    Das Projekt begann im Februar 1997 mit dem "Lobgesang". Maag standen drei erlesene Solisten (Valentina Valente, María José Suárez und Santiago Calderon) und ein großartiger Chor (Orfeón Donostiarra, geleitet von José Antonio Sainz Alfaro) zur Verfügung. Die deutsche Diktion der Sänger/innen ist nicht zu beanstanden. Der Dirigent wählt dem Werkcharakter angemessene breite Tempi und kommt insgesamt auf eine Spielzeit von 75:33. Die einleitende, dreisätzige Sinfonia dauert hier 29 Minuten. Der Chor meistert sowohl die subtilen als auch die prunkvollen Parts beeindruckend. Es stellt sich insgesamt der Eindruck eines feierlichen Pathos ein.


    "[...] his performance of Symphony No. 2, the “Lobgesang” written to celebrate the 400th anniversary of Gutenberg’s invention of the printing press—the best I’ve heard of that work [...]" (classicalcdreview.com)


    Auf der zweiten CD sind die beiden berühmtesten Symphonien enthalten: Die "Schottische" und die "Italienische" (Aufnahme: Juli 1997). Erstere erfährt eine noch etwas gewichtigere Darstellung als in der alten Decca-Einspielung (dort ist lediglich das Adagio etwas länger). Der Hauptunterschied liegt wohl im Finalsatz, dessen Qualitäten Maag herausstellt und ihn keineswegs als angebliche Schwachstelle des Werkes wirken lässt. Die viel kritisierte Coda dirigiert er langsamer als in seiner früheren Aufnahme und generell in den meisten Interpretationen. Das Ergebnis spricht schlichtweg für sich. Hier treten die im gesamten Zyklus sehr prominent auftretenden Pauken markerschütternd in Erscheinung, wie ich das so in keiner anderen Aufnahme gehört habe. Die "Italienische" ist genauso gelungen. Maag stellt die Kontraste zwischen den vier Sätzen heraus und verleiht dem Werk neben italienischer Lebensfreude im Kopfsatz auch Seriosität in den anderen Sätzen. Auch dieses Werk kommt insgesamt "größer" herüber als man es gemeinhin gewohnt ist. Maags Betonung der Pauken fällt im ersten Satz besonders auf, wo sie vielfach total untergehen; im Schlusssatz erzielt er gar etwas Bedrohliches.


    "As for the “Scottish” Symphony [...] No one, I’ll risk the opinion, has played the “Allegro maestoso assai” coda of the finale with such inevitable “rightness.”" (classicalcdreview.com)
    "[...] a superlative reading of the “Italian” made at the same time [...]" (classicalcdreview.com)


    Die dritte Disc umfasst schließlich die "Reformationssymphonie" und die im Konzert selten gespielte Erste (Aufnahme: Juni 2000). Die Fünfte ist sehr gut, erreicht aber nicht ganz die Intensität meiner Referenzaufnahme von Sir Colin Davis mit dem BR-Symphonieorchester, bei der einfach alles stimmt. Es ist auch im Finale der "Reformation", wo das Madrider Orchester das einzige Mal in dieser Gesamtaufnahme an seine Grenzen stößt. Ich habe die Coda auch gern noch etwas zelebrierter. Gleichwohl ist das Kritik auf hohem Niveau. Dafür liefert Maag hier für mich die beste Aufnahme der Ersten ab, die ich je gehört habe. Sehr großorchestral, sehr romantisch ist seine Lesart, die dieses frühe Werk m. E. stark aufwertet. Im Finale nimmt er sich mehr Zeit als andere. In der feurigen Coda bremst er etwas ab und erzielt einen Gänsehauteffekt, wiederum unterstützt vom auftrumpfenden Paukisten.


    "an excellent modern choice in this repertoire" (classicstoday.com)
    "Allein wegen der sehr gut gespielten Sinfonie Nr. 1 lohnt sich der Kauf." (amazon.de)


    Fazit: Eine sehr überzeugende Gesamteinspielung. Besonders die Erste und die Zweite dürfen Referenzstatus beanspruchen. Die "Schottische" und die "Italienische" haben natürlich viel hochkarätige Konkurrenz, vor der sie aber problemlos bestehen können. Gewisse Einschränkungen bei der "Reformation", die zwar nicht ausgezeichnet, aber immer noch sehr gut ist. Die Klangqualität ist durch die Bank hervorragend und lässt kein Detail untergehen. Aufnahmeort war in allen Fällen das Auditorio Nacional de Música in Madrid.


    Spielzeiten:


    Nr. 1: 10:40 - 7:06 - 7:03 - 8:55
    Nr. 2: {13:31 - 7:09 - 8:20} - {5:12 - 2:55} - 3:20 - 2:15 - 6:35 - 4:23 - 5:20 - 5:25 - 4:48 - 6:20
    Nr. 3: 14:07 - 4:32 - 10:17 - 10:45
    Nr. 4: 11:04 - 5:58 - 6:54 - 5:42
    Nr. 5: 12:16 - 6:12 - 4:19 - 8:24


    Als Gesamtaufnahme:



    Als Einzelaufnahmen:



  • Kennt jemand die Mendelssohn-Aufnahmen von Riccardo Muti, die er zwischen 1975 und 1979 für EMI einspielte?


    Konkret hat er die folgenden drei Symphonien aufgenommen:


    Nr. 3: Kingsway Hall, London, 1.-2. Oktober 1975
    Nr. 4: Abbey Road Studios, London, 23. Juli & 9.-10. September 1976
    Nr. 5: Kingsway Hall, London, 18.-19. Jänner 1979


    Dies fällt in die Zeit, als sich das New Philharmonia Orchestra wieder in Philharmonia Orchestra umbenannte (1977). Muti war zwischen 1973 und 1982 Chefdirigent.


    Die restlichen Beigaben auf der gezeigten Doppel-CD (fünf Ouvertüren) sind von Moshe Atzmon dirigiert und stammen aus einer Aufnahmesitzung von 9.-11. August 1974 in den Abbey Road Studios.