The Man from Ipanema: ANTONIO CARLOS JOBIM

  • Den heutigen 15. Todestag (er ist am 8. Dezember 1994 völlig unerwartet gestorben) nehme ich zum Anlaß, an ANTONIO CARLOS JOBIM zu erinnern!


    Heiße Rhythmen und schwingende Hüften am Strand von Rio – für viele Brasilianer sind Samba und Bossa Nova Ausdruck ihrer Kultur und ihrer Identität. Antônio Carlos Brasileiro de Almeida Jobim lieferte die passende Musik dazu.


    Antônio Carlos Jobim ist am 25. Januar 1927 im Bezirk Tijuca von Rio de Janeiro geboren. Seinen ersten großen Plattenerfolg hatte er 1954 mit dem Titel „Teresa da Praia“. Der internationale Durchbruch folgte mit der Vertonung des Filmklassikers von Marcel Camus „Orfeu Negro“, ein Film, der den antiken Mythos von Orpheus und Eurydike in die Gegenwart des Karnevals in Rio de Janeiro verlegt. In den sechziger Jahren begann Jobim, Samba und Jazz zu mixen und so den damals neuen Musikstil Bossa Nova mit zu begründen. Spätestens seitdem gilt er als einflussreichster brasilianischer Komponist seiner Zeit.


    Stan Getz und Charly Bird, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Astrud Gilberto und andere namhafte Größen interpretierten seine Lieder. Sein „Girl from Ipanema“ - ist einer der meist gespielten Titel der Welt.




    LG

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    In den sechziger Jahren begann Jobim, Samba und Jazz zu mixen und so den damals neuen Musikstil Bossa Nova mit zu begründen.


    Lieber Harald, danke für diese Erinnerung. Ich werde mir ein paar seiner Aufnahmen zu Gemüte führen ...


    Daß die Entstehung der Bossa Nova etwas mit Jazz zu tun hat, ist allerdings ein Mythos, der von den Stan Getz Fans erfunden wurde. Die Bossa Nova entstand Mitte der 1950er Jahre aus der Samba Cançao, einem rhythmisch leichteren Stil der Samba, weniger perkussiv, mit anspruchsvolleren Texten und komplexerer Harmonik: der studierte Architekt Jobim hatte auch klassisches Klavier gelernt - vieles von seinen Akkordfolgen, so hat Clare Fischer mal erzählt, ist reiner Chopin ... Auch der Gitarrist Luiz Bonfa war klassisch ausgebildet. Die beiden und João Gilberto und der Textdichter Vinicius des Morães waren der erste Kern, Sergio Mendes, Paulo Moura, Edison Machado u.a. gehören auch dazu. Der Stil war auf den ersten Aufnahmen Gilbertos vor 1960 bereits voll ausgeprägt - siehe diese offenbar gestrichene CD "The Legendary João Gilberto"



    und kommt bequem ohne großen Jazzeinfluß aus, der erst für den US-Markt hinzukam, vor allem durch Charlie Byrd und Stan Getz, die aber beide von Bossa Nova erst mal keine Ahnung hatten. Byrd kam durch seine begleiter Keter Betts und Buddy Deppenschmidt auf den Trichter, die auf einer Brasilien-Tournee Platten kauften und mit lokalen Musikern spielten, und er brachte Getz drauf. Besser machten es Herbie Mann und Cannonball Adderley, die gleich mit Brasilianern ins Studio gingen:



    .. und das Jahre vor Stan Getz!