Strawinsky: Petruschka

  • Auf CD habe ich mir eine meiner persönliche Referenzaufnahmen für Le sacre du Printemps mit
    Jewgenij Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR Moskau (Melodiya, 1966),
    die ich als meine Erstaufnahme bislang nur als Eurodisc-LP habe, zugelegt.
    Mein weiterer 1.Favorit ist Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1959, ADD).


    Bei der Bestellung der WARNER-CD war zunächst unklar, ob es sich tatsächlich auch um diese Aufnahme handelt, weil die Angaben bei amazon fehlen.



    Warner, 1966 (Le Sacre), 1999 (Petruschka), ADD


    :yes: Es ist diese fablehafte Melodiya-Aufnahme 1966, die von Warner bestens remastert wurde und ganz hervorragend klingt; weit besser, als so manches was man ansonsten (zum Beispiel bei Brillant) an russischen Aufnahmen aus den 60er-Jahren erhält.
    Le Sacre damit in "grünen Tüchern" - Klasse !



    Nun zum neuen Thema, dem Ballett Petruschka (1911)
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    Das zweite Strawinsky - Werk auf der WARNER_CD ist das
    Ballett - Petruschka (Version 1947)


    Hier bietet Warner eine LIVE-Aufnahme von 1999 mit dem Französischen Radio Sinfonie Orchester, die ebenfalls sehr gut klingt. Swetlanows Dramaturgie ist soweit gut durchdacht und er dirigiert das Werk gekonnt mit großem Bogen. Aber sein nunmehr für 1999 spätes Gefühl für Tempo hat mich nun für eine weitere seiner späten Aufnahmen wiederholt enttäuscht (vorher u.a. bei Rachmaninow Sinf.Nr.2 und3 , auch Warner).
    Schon zu Beginn kommt er nicht "in die Pötte" und verschleppt das Werk - sein langsames Tempogefühl hält er das ganze Werk einsern durch. Alleine das wirkt schon genial, aber unangebracht.
    Die Trommelwirbel am Ende der Sätze Russischer Tanz und Szene II-Peruschka klingen bei Swetlanow entsprechend seiner Temporelation ebenfalls viel langsamer (mit langsamer Schlagfolge)..... Am Ende bietet Warner 4:10 Beifall aus Paris.
    :wacky: Das kann und wird nicht meine Lieblingsaufnahme von Petrusckka werden.


    Ich hatte bisher den Eindruck, dass es keine schwache Aufnahme von Petruschka gibt. Meine durchweg sehr guten Aufnahmen liegen tempomäßig alle in relativ gleichem Zeitrahmen - Chailly(Decca), Solti (Decca), C.Davis (Philips), Abbado (DG), Bernstein (SONY) und sie alle bieten einen schwungvoll tänzerischen Petruschka.



    :hello: Wer kennt die Swetlanow-Aufnahme und kann meine Verwunderung nachvollziehen ? Wie steht ihr zu anderen Aufnahmen und den weiteren von mir genannten ?

  • Kenne den Svetlanov nicht. Ich habe eigentlich schon zu viele Einspielungen:
    Fricsay/DG, Dorati/Mercury, Dorati/Decca, Boulez/Sony und vielleicht noch eine weitere und finde eigentlich auch alle immer sehr ansprechend. Bernstein/DG war auch nicht schlecht, die habe ich aber weiterverschenkt, weil noch mehr habe ich dann nicht gebraucht...


    Sehr verwundert, dass es noch keinen thread hierzu gibt (dachte immer, das sei Alfreds Lieblingswerk der Moderne, wegen der Gassenhauer- und Walzer-Zitate...)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich hatte auch erst beabsichtigt meinen Beitrag an den Le Sacre-Thread anzuhängen. Doch weil noch kein separater Thread zu Petruschka vorhanden ist, habe ich diesen neu erstellt.


    Der Auslöser für diesen Petruschka-Thread war klar die ungewöhnlich schleppende LIVE-Aufführung 1999 von Swetlanow, die für mich unfassbar ist. Ich hatte nach Swetlanow´s glänznder Aufnahme von Le Sacre für Petruschka auf der WARENER-CD eine ähnlich zupackende Swetlanow-Interpretation erwartet.
    8) Im Prinzip so, wie man es von ihm gewohnt ist ! Ich habe beim Hören ständig das Gefühl anschieben zu müssen, auf der anderen Seite ist die Interpretation und sein Gefühl für das Werk gar nicht schlecht. Nur das Ganze hört sich an, als wenn man eine 45er-Platte in 33 abspielt, aber ohne Tonhöhenänderung.
    Petruschka dauert mit Swetlanow ca.38Minuten; normal bei meinen genannten Aufnahmen durchweg um 32Minuten ....



    *** Ich habe auch verzichtet auf den Inhalt des Ballettes Petruschka näher einzugehen. Das steht in jedem guten Textheft der Petruschka-CD´s oder gerne auch im Konzertführer. Auf ein Abschreiben wollte ich dann gerne verzichten ! Mir kommt es auf Interpretationsunterschiede verschiedener Petruschka-Aufnahmen an - ein Thema, das ich diesesmal wieder wesentlich interssanter finde.



    :angel: Maßstabsetzend sind für mich diese Aufnahmen:


    Abbado (DG, 1975, ADD) - vielleicht, weil dies meine Erste war, die ich schon als LP besessen hatte. Glänzend mit vorbildlicher Detailarbeit und zugleich zupackend weis Abbado das London SO zu perfektem Orchesterspiel zu animieren. Wunderbar feurig u.a. der Russische Tanz. Zusammen mit Ravels Daphnis sind dies meine Abbado-Lieblingsaufnahmen (ich kenne ihn sonst in der reinen Klassik mehr "gemäßigt"). Auf der CD-Erstausgabe hat DG das Werk noch auf einer CD untergebracht (verschenkter Platz).


    Solti (Decca) war meine zweite Aufnahme. Da ich den Klang des Chicago SO hoch schätze und Solti auf gewohntem "Brio-Niveau" spielt, ist auch diese für mich einer der Favoriten. Leider ist Petruschka bei Decca hier nur für die 4Szenen in 4Tracks eingeteilt


    Bernstein (SONY, 1969, ADD) - hier ist das gegeben was ich bei Swetlanow erwartet habe: Auf der SONY-CD ist neben meiner Favoritenaufnahme für Le Sacre auch mit Petruschka eine interpretatorisch gleichwertige Aufnahme mit den New Yorker PH enthalten - Klasse.


    Chailly (Decca, DDD) - klangtechnisch die hochwertigste Aufnahme, hier vermag Chailly auch die impressionistische Seite in Petruschka zu beleuchten; dabei verzichtet auch er nicht auf das nötige Feuer in den schnellen Tanz-Sätzen - glänzend. Bei Petruschka spielt das Royal Concertgebow Orchestra Amsterdam.


    Colin Davis (Philips, ADD) war für mich eine positive Überraschung (für beide Werke auf der CD), da ich diesen Dirigenten mehr gesoftet und gemäßigt kenne. (Sein Berlioz-Zyklus auf Philips liegt mir gar nicht; den finde ich viel zu gemäßigt (außer den Ouvertüren); Copland hört sich mit ihm lasch an; Sibelius ist soweit OK). Man muß es einfach so sagen, hier bei Strawinsky ist sowohl Le Sacre als auch Petruschka (Version 1947) Referenzklasse - es spielt das Concertgebow Orchestra Amsterdam.


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    Ich habe auch die mit Strawinsky / Columbia SO (CBS-CD), die aber von den Genannten (IMO außer Swetlanow) übertroffen wird. Strawinsky war bekanntlich ein nicht so geschickter Dirigent, auch wenn es vom Komponisten "wie aus einer Hand" klingen sollte ....
    Ich werde mir seine Aufnahme wiedermal anhören. (Vielleicht erhalte ich "heuer"(auf Ö) neue Eindrücke ?)




    :hello: Wer kann eigendlich den Unterschied zur Originalversion 1911 und der späteren Version 1947 von Petruschka aufzeigen ? Von meinen Aufnahmen ist nur die Solti-Aufnahme in der Original-Version 1911 eingespielt. Ich höre da in der Instrumentation keinen auffallenden Unterschied.

  • Mittlerweile sind wieder 10Jahre ins Land gegangen ... :| und keiner hat diesen Thread für dieses brillante Orchesterwerk (Ballett) aufgegriffen.

    :!:Bei solchen Werken werde ich nicht müde diese wiedereinmal in Erinnerung zu bringen !


    :?:Wer schätzt von Euch das Strawinsky´s Petruschka - Ballett ?


    Inzwischen habe ich noch weitere Aufnahmen des Petruschka-Ballettes dazu bekommen, das in den Fassungen 1911 und 1947 vorliegt.


    1. Strawinsky / Columbia SO (CBS/SONY, 1960) --- in der Strawinsky-SONY-22CD-Box

    - Strawinsky legt mit seinem Orchester eine schöne Aufnahme vor, die ohne Vergleich ausreichen würde. Andere Dirigneten wissen aber in den TOP-Balletten aus der Partitur noch mehr Rhythmus und Klasse herauszuholen, als Strawinsky selber.


    2. Ormandy / Philadelphia Orchestra (SONY) --- in der Ormandy-SONY-CD-Box 20th-Century

    - brillante Aufnahme, die jeden Vergleich mit den Besten in Beitrag 1 aufnehmen kann. Ormandy´s Gespür für Rhythmus und der Klang des Philadelphia Orchsestra erweisen sich als Megaklasse.


    3. Boulez / New Yorker PH (CBS, 1971)

    Boulez Hang zur äussersten Detailwiedergabe bekommt diesem Werk gut. Da er auch im Bereich des Rhythmischen hier keine Wünsche offen lässt und nichts glattgebügelt klingt, würde ich seine New Yorker als eine der Allerbesten bezeichnen. Das klingt zum Glück weniger "sauber" als seine Clevelander Aufnahme (DG).

    Boulez wählt, wie Solti die 2011er-Fassung.



    SONY, 1967-1980, ADD/DDD


    - oder gleiche Aufnahme auch in dieser SONY_Box:


    SONY, 1967-1980, ADD/DDD


    Mir gefallen die frühen Boulez-Aufnahmen von Strawinsky (wie auch bei Ravel und Bartok) auch hier in den älteren CBS-Aufnahmen mit den New Yorker PH, Cleveland Orchestra einfach besser, als seine "abgerundeten" DG-Aufnahmen ...