Mozarts Symphonien: Gesamtaufnahmen

  • Mozarts Symphonien standen mir bislang eher fern. Lediglich die "späten" kenne ich etwas besser, und selbst dies ist Stückwerk. Daher war es nötig, dem Abhilfe zu schaffen und sich eine Gesamtaufnahme zuzulegen. Meine Wahl fiel auf Böhm, der wohl im Non-HIP-Bereich die Kapazität schlechthin sein dürfte. Zudem wäre mir gar keine weitere Non-HIP-Gesamtaufnahme bekannt. Es gibt noch Marriner, der wohl Teil-HIP ist, und Hogwood, der die HIP-Fraktion abdeckt. Aber sonst? Ich bin gespannt, ob weitere Gesamtaufnahmen hier vorgestellt werden.




  • Liebe Forianerinnen und Forianer,


    ich fand die frühen Sinfonien Mozart (etwa die vor Nr. 25 "kleine g-moll") längst nicht so interessant wie die frühen und mittleren Haydn-Sinfonien.


    Ich habe allerdings nur die GA mit Pinnock, die mich bei den späten Sinfonien nicht gerade vom Hocker gerissen hat.


    Ich empfehle Nr. 35-41 mit L. Bernstein, WPO, z. B. in dieser Kombination:



    oder alles mit Harnoncourt/Concertgebouw.

  • Zitat

    Original von Wolfram


    oder alles mit Harnoncourt/Concertgebouw.



    Hier im Nebensatz erwähnt, muss Harnoncourt in diesem Zusammenhang einfach ins hellste Licht gerückt werden.



    Ich kenne zwar nur die späten Symphonien, aber die sind einfach unglaublich. Hier wirft sich mir nicht die Frage auf, ob das denn nun HIP ist oder nicht, es ist einfach eine großartige Interpreatation. Harnoncourt deutet den späten Mozart hochemotional, spannungsgeladen, abgründig.


    Keine Oberlehrerhafte Analyse in dünnem Klangbild, so wie so manche sogenannte HIP-Aufnahme auf mich wirkt - Harnoncourt geht es um die Musik.







    Soweit ich das feststellen konnte, gibt es aber keine Gesamtaufnahme mit dem Concertgebouw, aber wohl alle Symphonien einzeln - ein schwieriges und kostspieliges Unterfangen also...

  • Zunächst mal ein Korrektur, Marriner ist nicht "Teil HIP", sondern eine konventionelle Einspielung. Sie wurde jedoch - der Mode der Zeit entsprechend mit einem Kammerorcester gemacht, was bedeutet, daß die Aufnahme geschmeidiger und schlanker klingen als man dies von "Großen" Orchestern gewohnt ist....


    _______________


    Und nun zurück zur Frage nach weiteren Gesamteinspielungen. Spontan fällt mir da die Mozart Edition von BRILLANT CLASSICS ein.
    Die "Mozart Akademie Amsterdam" spielt auf Originalinstrumenten.
    Die Aufnahme ist ein Beweis dafür, dass HIP Aufnahmen nicht notwendigerweise schrill, dünn, aggressiv, oder sonstwie unangenehm klingen müssen.
    Generell ist zu sagen, dass das Orchester über einen spezifischen weichen, leicht süßlichen(?) Eigenklang verfügt, der den Aufnahmen eine charakteristische Note verleiht. Das kann man mögen oder nicht - interessant ist es allemal....




    mfg aus Wien


    Alfred

  • Bei Brilliant gibt es eine günstige und im Vgl mit bspw Hogwood nicht schlechtere Einspielung eines HIP-Orchesters aus Amsterdam.
    Böhm ist mittlerweile - Entschuldigung - ein bisschen antiquiert und im Vgl mit Bernstein nicht ganz so zwingend.
    Mackerras GA ist mit kleinem Orchester auf modernen Instrumenten und insgesamt sehr schön. Wie überhaupt britische oder quasi-brit. Dirigenten Mozart sehr schön interpretieren, u. a. auch Gardiner (da gab es bei JPC neulich Aufn. für 4,99).
    Sehr gut ist auch C Davis mit der Staatskap DD. Ist zwar "nur" 28-41 (mit Lücken), aber sehr gut zu hören.

  • Wenn man die Gesamtaufnahmen erwähnt, sollte man Sir Charles Mackerras nicht vergessen:



    Mozart nimmt in meinem "persönlichen Komponistenranking" keinen herausragenden Platz ein, also wird mir wohl eine Gesamtaufnahme der Sinfonien reichen, aber wenn eine, dann Mackerras.


    Engagiertes, flüssiges und sehr transparentes Orchesterspiel (mit deitscher Orchesterausfstellung) und fantatstische Telarc-Klangqualität (mit leichtem Hall versehen, aber dennoch sehr gut durchhörbar).

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Eine gute Gesamtaufnahme der Mozart-Sinfonien, ist nicht leicht zu nomineren.
    Ich würde hier spontan Böhm nenne, als non-HIP-Vertreter,
    aber selbst da gibt es einige Sinfonien, die ich mit Böhm nicht ausstehen kann...


    Harnoncourt ist sicherlich großartig, schon mal wegen seiner anderen Sichtweise. Leider habe ich keine Gesamtaufnahme, sondern nur einzelne Mozart-Sinfonien...


    Aber, wie gesagt, wenn ich die Gesamtaufname Böhms nicht geschenkt bekommen hätte, hätte ich sie mir sicherlich nicht gekauft..
    Ich bin kein Fan von Gesamtaufnahmen...


    Zitat

    Original von Wolfram


    ich fand die frühen Sinfonien Mozart (etwa die vor Nr. 25 "kleine g-moll") längst nicht so interessant wie die frühen und mittleren Haydn-Sinfonien.


    Was sicherlich auch daran liegt, dass Haydn bei seinen ersten Sinfonien schon deutlich über zwanzig Jahre alt war - Mozart hat seine erste Sinfonie (KV 16!) mit ungefähr sieben Jahren (!) komponiert.


    Ein Großteil seiner Sinfonien entstand vor seinem zwanzigsten Lebensjahr...


    Trotzdem kämpfe ich immer wieder um die frühen Sinfonien Mozarts.


    Sie sind wunderbare Werke, wunderschön und schon bezeugend, was für ein (noch junges) Genie hier am Werk war.
    Auch seine frühen Sinfonien zaubern mir immer ein Lächeln auf die Lippen, sie sind so wunderbar und vollendet...


    Ich liebe Haydns Sinfonien, aber ich kann sie sehr schwer mit Mozarts vergleichen, schon wegen des Altersunterschieds...
    Aber auch so haben sie recht wenig gemeinsam...


    Es ist einfach eine ganz andere Welt...


    Hey, aber du kannst doch unmöglich den ersten Satz der ersten Sinfonie (KV 16!) schlecht finden!! 8o


    Der ist doch total grandios!


    Gruß :hello:

  • Zitat


    Hey, aber du kannst doch unmöglich den ersten Satz der ersten Sinfonie (KV 16!) schlecht finden!! 8o


    Der ist doch total grandios!


    Gruß :hello:


    Der ist wirklich verblüffend originell. Ein Zehnjähriger denkt sich nicht viel, schert sich um keine Tradition (1) und reiht eine simple und dennoch widerborstige harmonische Entwicklung auf, und rasch ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Die folgenden Jugendsinfonien wirken dann aber zumeist wieder angepasst an den Zeitgeschmack, bevor es spätestens ab KV 199 individuell wird.


    Was den Thread anbelangt (ist ja eigentlich nichts gänzlich Neues, oder? :P)


    Hogwood schätze ich sehr, die späten Harnoncourt-Aufnahmen als Gegengewicht ebenso.


    (1) Bevor ich von echten Kennern gescholten werde: Es ist gewiss im Geist des Sturm und Drang gehalten, der bekannteren Bach-Söhne, denke ich mal


    :hello: Wolfgang


  • Ich unterstütze die Empfehlung.
    Allerdings bin ich nicht sicher, ob es alle Sinfonien unter seiner Leitung gibt. Mit dem Concertgebouw wurden 25, 26 sowie 28-41 aufgenommen. Dann gibt es noch bei Teldec zwei oder drei CDs mit frühen Sinfonien mit dem Concentus musicus. Später hat er dann noch einmal 5 oder 6 CDs mit frühen Sinfonien (wobei zB 25 (kleine g-moll) erneut eingespielt wurde) bei harmonia mundi vorgelegt. Es kann sein, dass die Reihe insgesamt komplett ist, aber jedenfalls vollständig genug für den Hausgebrauch.



    Die älteren Concertgebouw-Aufnahmen sind aber jedenfalls mehrfach preiswert einzeln auf dem Markt gewesen, es sollte kein Problem sein, die zusammenzukriegen. Und wenn man nicht gerade mit den Kampfpreisen für Boxen vergleicht, auch nicht allzu teuer. Und man muss nicht alles auf einmal kaufen...


    Unter Marrriner müsste es auch eine GA geben. Philips hatte eine Box, bei der die ganz frühen unter Marriner und ab 21 unter Krips enthalten waren (auch diese Kombination würde ich Böhm vorziehen), aber später hat er meines Wissens den Rest auch noch eingespielt. Frühe Sinfonien habe ich in der Brilliant-Ausgabe, die ist o.k., aber ich würde hoffen, dass Pinnock etwas besser ist.


    Es gibt ja schon irgendwo einen thread über die frühen Sinfonien. M.E. sollte eine Gesamtaufnahme der Mozart-Sinfonien keine sehr hohe Priorität haben. (Allein, weil es für viele der wichtigen Werke bessere Aufnahmen gibt als in den Boxen, z.B. Immerseel oder Minkowski für HIP, Maag, Fricsay u.a. für Nicht-HIP). Die ersten 30 wurden komponiert, bevor er 18 Jahre alt war. Die Klavierkonzerte ab KV 271, die "Haffner"- oder Posthornserenade sind Werke, die man eher kennenlernen sollte. Von der reifen Kammermusik oder den wichtigsten Klaviersonaten gar nicht anzufangen...


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Da muss ich Johannes voll zustimmen. Die großen Serenaden, das Klarinettenquintett, die Klavierquartette, das Kegelstatttrio, die Streichquintette 3-6 und das große Divertimento KV 563 sind viel wichtiger als die frühen Sinfonien. Von den zehn späten (was immer das bei Mozart heißen mag) Streichquartetten ganz zu schweigen.


    Harnoncourt hat auch die Serenaden eingespielt (Teldec) ... die sind momentan aber offenbar schwierig zu bekommen ...

  • Ich schkieße mich prinzipiell all jenen an, die da meinen Gesamtaufnahmen aller Mozart Sinfonien seien Einzelveröffentlichungen unterlegen. Nehmen wir beispielsweise meinen Favoriten, Karl Böhm.
    Die späten "großen" Sinfonien sind einfach superb - und ich meine zeitlos, auch wenn da andere nicht dieser Meinung sind.
    Die frühen jedoch -Böhm schlägt sich hier auch für mich überraschend - tapfer, können mit jenen von Spezialisten sicher nicht mithalten, sie verlangen ein anderes Orchester und einen anderen Zugang zur Musik,


    Womit ich jedoch niemals einverstanden sein werde, ist die Aussage, daß Die Aufnahmen Marriners besser seien als jene von Böhm ......
    Die Marriner-Einspieluingen entsprachen, als sie aufgenommen wurden dem Trend nach schlankeren Orchestern, die zudem noch billiger waren.
    Sie waren indes wider Fisch noch Fleisch, kein Originalklang, kein satter Orchesterklang. Das brachte es letztlich auch mit sich, daß die Philips sich von diem Orchester und seinem Dirigenten trennte...


    Die Zeit war abgelaufen....


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Trevor Pinnock hat mit seinem English Concert ebenfalls eine sehr gute GA aller Mozart-Sinfonien eingespielt.



    Diese GA ist nicht ganz so vollständig und ins Detail gehend, wie Hogwoods seine, eignet sich aber als vorzügliche Ergänzung zur selbigen, da Hogwood bei den mittleren Sinfonien interpretatorisch etwas nachlässt, also nicht ganz den packenden Zugriff aufrecht erhält, den er bei den frühen an den Tag legt.


    Da ich neben diesen beiden GAs auch noch die von Böhm habe, bin ich diesbezüglich ausreichend eingedeckt und habe selbige nur noch durch interessante Einzelaufnahmen besonders der späten Sinfonien ergänzt: Harnoncourt, Brüggen, Gardiner, Norrington, wobei neben Harnoncourt auch Gardiner die Sinfonien ab 30 aufwärts bei Philipps eingespielt hat.


    Viele Grüße
    John Doe

  • Ich muss zugeben, dass es lange her ist, dass ich Marriner gehört habe, weil ich davon nur welche auf LP und MC hatte. Aber während Böhm und Krips für mich sehr häufig gepflegte Langeweile ausstrahlen, ist Marriner wenigstens transparent, zügig und spritzig, mit einem für meine Ohren sehr schönen Kammerorchesterklang, der jedenfalls für die Sinfonien bis #30 m.E.besser passt als ein "volles Orchester". Das ist schon teils Proto-HIP und ebenso wie sein Händel m.E. auch heute noch gut anhörbar, wenngleich etwas eindimensional verglichen mit den Besten. (der Unterschied ist, dass mir die hervorgehobene Dimension mehr zusagt als bei Böhm, Krips etc. ;))


    :hello:


    JR

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    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Aber während Böhm und Krips für mich sehr häufig gepflegte Langeweile ausstrahlen, ist Marriner wenigstens transparent, zügig und spritzig, mit einem für meine Ohren sehr schönen Kammerorchesterklang, der jedenfalls für die Sinfonien bis #30 m.E.besser passt als ein "volles Orchester". Das ist schon teils Proto-HIP und ebenso wie sein Händel m.E. auch heute noch gut anhörbar, wenngleich etwas eindimensional verglichen mit den Besten. (der Unterschied ist, dass mir die hervorgehobene Dimension mehr zusagt als bei Böhm, Krips etc. )


    Natürlich muß ich hier Deine offensichtlich WIRKLICHE Meinung akzeptieren.
    Ich-möchte jedoch - dieser Thread bietet sich hier geradezu an - sagen, daß - wer Böhm UND Krips in Sachen Mozart als "eher langweilig" betrachtet - sich doch den Vorwurf gefallen lassen muß - vielleicht Mozart nicht richtig zu mögen.
    Böhm war ja keine "Weichspüler" an sich - seine Wagner Einspielungen beweisen das, er konnte es schon mal "krachen lassen"
    Daß er das bei Mozart nicht - bzw nur gemäßigt tat, beweist, daß es es bei diesem oder jenem Werk nicht für angebracht hielt. Sein Mozart war keine "verzuckerter" oder versüsster -sondern einer von klasszistischer apollinarischer Schönheit. Dieser Interpretationsansatz kam bei den Zeitgenossen an - und so wurde Böhm zum "Mozartpaps" seiner Zeit, dem selbst Karajan nichts entgegenzusetzten hatte - und dies auch gar nicht wollte


    Krips dirigierte einen anderen, strengeren Mozart, der alles war - nur nicht langweilig. Er war neben Bruno Walter wahrscheinlich der Einzige Dirigent der eine ähnliche Mozartkompetenz hatte wie Böhm.
    War Böhms Mozart ein wenig "swingend", manchmal tändelnd, stets aber triumphierend strahlend, so war jener von Krips etwas strenger, rhymischer in Richtung Szell gehend, aber lange nicht so extrem.
    Er hat etliche Sinfonien für Philips aufgenommen, die leider bei der Überspielung auf CD ein wenig an "Biß" verloren haben.


    Während die frühen Sinfonien gewinnen, wenn man sie mit Kammerorchester oder kleiner Besetzung mit historischen nstrumenten
    aufführt (bzw aufnimmt) ist dies meiner Meinung nach bei den "Großen" keineswegs der Fall,,,,,


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Hallo Mozart-Fans,


    Mozart mit den Berlinern und Böhm war meine erste Anschaffung aller Gesamtaufnahmen, dann folgten Mackerras, Tate mit dem English Chamber und Pinnock mit dem English Konzert.


    Hätte Böhm eine Gesamteinspielung mit den Wienern vorgeleget und nicht nur 29,35,40,41, wäre das meine Lieblingseinspielung geworden. Hier würde ich mich klar dazu bekennen, das die Wiener es besser können als die Berliner.


    Außerdem möchte ich die Sinfonien 32 - 41 mit dem Scottsih Chamber Orchestra unter Saraste empfehlen.


    Am Schluß och ein Wort zu den Nörglern am Grandler Böhm. Ich empfehle die CD "Meine große Liebe gehört Mozart" Böhm spricht über seine Sichtweise zu Mozart mit Musikbeispielen. Nicht nur für Böhm-Fans ein Muss.


    Grüße aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Bei Böhm kann man, wie wir schon oft feststellten, verschiedener Meinung sein, welche seiner Aufnahmen die besseren sind, die Berliner oder Wiener, wo er nicht mehr alle einspielte. Es gibt aber auch drei DVDs mit den Wienern aus den 60ern und 70ern, wo vorliegen: 1, 25, 28, 29, 31, 33, 34, 35, 36, 38, 39, 40 und 41.



    Wo bereits die späten Symphonien unter Bernstein erwähnt wurden: Wie sieht's mit Karajans aus?



    Es scheint das Diktum zu gelten: Karajan konnte keinen Mozart dirigieren, allenfalls die Opern und das Requiem. Aber ist dem wirklich so? Ich habe mal eine frühe Aufnahme der 40. gehört, 40er oder 50er Jahre, das war doch alles andere als "glatt"! Vielmehr spielfreudig und spritzig. Diese 70er-Box kenne ich allerdings nicht.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Natürlich muß ich hier Deine offensichtlich WIRKLICHE Meinung akzeptieren.
    Ich-möchte jedoch - dieser Thread bietet sich hier geradezu an - sagen, daß - wer Böhm UND Krips in Sachen Mozart als "eher langweilig" betrachtet - sich doch den Vorwurf gefallen lassen muß - vielleicht Mozart nicht richtig zu mögen.
    Böhm war ja keine "Weichspüler" an sich - seine Wagner Einspielungen beweisen das, er konnte es schon mal "krachen lassen"


    Das ist genau das Problem. Böhm war ein besserer Brahms- und Wagner-Dirigent (selbst wenn er auch hier verglichen mit Furtwängler o.ä. zu den "Klassizistischen" zählt, was kein Fehler sein muss). Er ist ja nicht der einzige, der es bei Mozart nicht "krachen" läßt (krasser ist der Kontrast bei zB Solti, nur gilt Solti halt nicht als Papst). Krips, der späte Bruno Walter u.v.a. sind ähnlich "lasch". Ich sage keineswegs, dass das durchweg schlecht ist (wiewohl man einige Einwände vorbringen könnte, etwa fehlende Wdh., mitunter etwas "gemütliches" Orchesterspiel, sehr streicherlastige Balance usw.). Aber für mich eine Reduktion Mozarts auf das leicht konsumierbare "Apollinische".


    Wenn ich einen dramatischen, kontrastreichen, ausdrucksstarken Mozart will, dann greife ich eher zu Furtwängler, teilweise Klemperer oder Harnoncourt und Minkowski, wenn einen schlanken, straffen zu Markevitch, Szell oder eben, besonders bei den frühen, auch Marriner, selbst wenn ich gerne einräume, dass letzterer mitunter zu leichtgewichtig sein mag. Dass Marriner nicht mein Favorit ist, heißt aber nicht, dass seine Aufnahmen nicht eine ernsthafte Alternative sind oder waren. Böhm und Krips sind verglichen mit der ersten Gruppe ausdrucksarm, gemäßigt, verglichen mit der zweiten zu weich und gemütlich, zu wenig drive. Für viele mag es die "goldene Mitte" sein, das kann ich verstehen, für mich eher gepflegte Langeweile. (Und ich habe die Stücke tatsächlich zum guten Teil auf LPs mit Krips, Böhm, Sawallisch, Jochum kennengelernt, es ist also gewiß keine Prägung durch den bösen Harnoncourt o.ä.)


    Zitat


    Er hat etliche Sinfonien für Philips aufgenommen, die leider bei der Überspielung auf CD ein wenig an "Biß" verloren haben.


    Krips hat ca. von #21 oder 23 bis 41 alle eingespielt; wie gesagt, gab es meiner Erinnerung nach Marriners und seine Aufnahmen als kombinierte GA. In der "Mozart-Edition" von 1991 stammten aber dann alle von Marriner.
    (Wenn man hier ebenfalls damit argumentiert, dass sehr viele Mozartsche Werke eingespielt wurden und weit verbreitet waren, dann ist Marriner der "Mozart-Papst" der 1980er und 90er, spätestens nach Böhms Tod gewesen; es gibt nämlich auch die meisten Opern, bekannte Chorwerke und Konzerte)


    Zitat


    Während die frühen Sinfonien gewinnen, wenn man sie mit Kammerorchester oder kleiner Besetzung mit historischen Instrumenten
    aufführt (bzw aufnimmt) ist dies meiner Meinung nach bei den "Großen" keineswegs der Fall,,,,,


    Das bestreite ich gar nicht. Bei Gesamtaufnahmen muss man aber zwangsläufig über die 70% der Sinfonien, die "früh" sind, reden. Und da gab es eben bis in die 1980er fast nur Böhm bzw. Marriner bis 20 und Krips ab ca. Nr. 21. (Es gibt eine GA unter Leinsdorf, evtl. noch mono, die kenne ich aber überhaupt nicht, ebensowenig die Aufnahmen von Levine und Muti, die um 1991 jedenfalls einen Teil der frühen mit großem Orchester einspielten). Sinfonien vor 31 (oder oft 35) wurden ja vorher sonst kaum eingespielt (es gibt 29 mit Fricsay, 25 und 29, 31, 33 mit Klemperer, 28 und 34 mit Szell, also nur Einzelnes).


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Neben Hogwood und Pinnock bestimmt Böhm gleichsam als dritter Punkt meine Ebene in Sachen Mozart-Sinfonien, wobei ich mir durchaus bewußt bin, dass Böhm da einen Gegenpol bildet. Und gerade die frühen Sinfonien finde ich in großorchestraler Besetzung durchaus hörenswert, werden doch diese damit ganz anders gewichtet und offenbaren so ganz andere Seiten.
    Problematisch kann es nur werden, wenn die Böhm-GA die einzige wäre. Da aber Böhms Mozart-Stil eben kein zuckrig rokokopüppchenhafter ist, wäre das jetzt auch nicht so tragisch, bleibt doch Böhm immer an Mozart dran, verfällt ihn kein Klischee, sondern nimmt ihn ernst. Nur sind halt schlicht und einfach etlich Jährchen vergangen zwischen der Fertigstellung der Böhm-GA und heute, so dass es jetzt halt schlicht und einfach aktuellere, differenziertere Zugänge zu Mozart gibt.


    Viele Grüße
    John Doe

  • Hallo Joseph II,


    ich bin nur von den eingespielten CD ausgegangen. Die Aufnahmen auf DVD mit Böhm habe ich selbstverständlich auch und halte sie für ebenfalls für gut, zumal wenn ich die Augen schließe, nicht immer weiss, spielen nun die Sinfoniker oder die Philharmoniker. Aber: die Aufnahmen sind in die Jahre gekommen und das Personal spielt heute nicht mehr. Trotzdem: Alfred ist nicht allein ein Fan von Karl Böhm.


    Grüße aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • @ Johannes und Alfred:


    :D


    Das ist ja wieder mal eine Diskussion...


    Während Alfred v.a. auf Böhm, Krips und Walter setzt,
    setzt Johannes auf Furtwängler, Klemperer, Harnoncourt, Minkowski und Szell...


    Also ich finde das alles recht lustig...


    Klar habe ich auch meine Präferenzen, was die Dirigenten betrifft,
    (Böhm/Harnoncourt, gell Ulli? :D), aber grundsätzlich ist mir so ziemlich jeder Dirigent recht, außer Karajan, der IMO neben den Opern/Requiem nichts in Sachen Mozart zusammenbrachte...


    Aber das nur nebenbei...


    Ich finde es gerade so schön bei Mozart, dass er eigentlich (IMO) nicht so vom Interpreten abhängig ist...


    Egal was von "dreisten" Dirigenten (wie böse sie doch sind) reininterpretiert wird, der Kern der Musik, der Kern von Mozart an sich, bleibt erhalten!


    Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber ich finde, es immer wieder spannend, einen neuen Dirigenten in Sachen Mozart kennenzulernen...


    ...und so habe ich Böhm, Krips, Walter, Furtwängler, Szell, Klemperer und Harnoncourt...


    ...und jeder ist eine neue Überraschung!


    Aber - und jetzt kommts - ich bin mir sicher, dass Mozart, wenn er uns hier schreiben sehen würde, wenn er die teilweise verbitterten Argumente für oder gegen den besten Mozart-Interpreten lesen würde,
    seine helle Freude daran hätte...
    Er würde sich garantiert ins Fäustchen lachen, ob der großartigen Unterhaltung, die er, wegen seiner eigenen Musik, hätte...


    Gruß :hello:

  • Mozart-Sinfonien stehen und standen bei mir immer hoch im Kurs! Eine meiner ersten „Hochpreisschallplatten“ war immerhin die Sinfonie Nr.41 mit dem Boston Symphony Orchestra unter Eugen Jochum (p.1973) – eine Aufnahme, die es meines Wissens nie zu einer CD-Wiederveröffentlichung gebracht hat obwohl sie eine bewundernswerte Mischung aus Strenge und entspanntem Musizieren zeigt und für die Zeit erstaunlich gut klingt (Bläser!).


    Meine erste Gesamteinspielung habe ich mir selbst zusammengestellt: die „Frühen“ unter Marriner - federnd, schwungvoll, durchhörbar -, die „Mittleren“ unter Kuhn - Salzburger Mozartklang - und die „Späten“ unter Böhm - so hatte Mozart in den 70ern zu klingen.

    Besonders die späten Sinfonien sind in meiner Sammlung häufig vertreten – neben Böhm Leinsdorf (1956), aber auch Fricsay, Schuricht, Beecham, Walter und besonders Menuhin (bei den beiden Letztgenannten kling Mozart einfach nur so als gehöre er einfach so und nur so). Unter den Einzelaufnahmen der „Späten“ sind ergänzend Dirigenten wie Monteux, Scherchen, Vegh, Furtwängler, Gielen, Szell, der frühe Karajan (vor 1960) und Gardiner (super KV 551) verteten.


    Als HIP-Gesamtaufnahme habe ich mir schließlich auch noch Jaap ter Linden besorgt – Meine Beurteilung deckt sich weitgehend mit der Alfreds.



    Nun zur Diskussion: Ja, ich gestehe, ich bin mit Böhm aufgewachsen und er gefällt mir, besonders in den Aufnahmen der „Späten“ mit den Wienern, immer noch - obwohl: ich habe schon immer Beechams Mozart (er erinnert mich an Sekt) und als Gegensatz dazu Furtwängler und Fricsay geschätzt. Auch die „sachlichen“ Schuricht bzw. Leinsdorf liegen mir. In die allgemeine Karajan- Schelte, was seinen Rang als Mozart-Dirigenten betrifft, kann ich auch nicht so ohne weiteres einstimmen: Seine frühen, „spritzigen“ Aufnahmen aus London bzw. aus der Kriegszeit zeigen ihn in einem ganz anderen Licht als die geglätteten DGG-Einspielungen.


    Ja, ich habe die Entwicklung der HIP miterlebt und ich bin froh darüber, denn sie hat uns allen einen neuen Blickwinkel eröffnet. Warum fehlt dann hier eigentlich Harnoncourt: Nun das wird schon noch: Mir ist er nur manchmal für Mozart etwas zu „durchsetzungswütig“zu wenig entspannt – da sind die ohne ihn nicht vorstellbaren HIP Vertreter wie z.B. Gardiner schon weit „lockerer“.


    Liebe Grüße aus Wien
    Giovanni

  • Hallo Giovanni Bertati,


    Zitat

    Warum fehlt dann hier eigentlich Harnoncourt


    Weil Harnoncourt bis jetzt keine GA vorgelegt hat und es bei diesem Thread aber um solche geht.
    Ich schätze, Harnoncourt hat in etwa knappndie Hälfte aller Mozart-Sinfonien eingespielt, einen Teil davon mit dem Concentus Musicus Wien, einen anderen Teil mit dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam und die letzten drei oder vier noch einmal mit dem Chamber Orchestra of Europe.
    M.E. sind das bei aller Klangrednerei doch äußerst unterschiedliche Ansätze und zwar nicht bloß deswegen, weil er einige frühe Sinfonien in HIP eingespielt hat und die späten großorchestral, die Unterschiede gehen da schon ein bißchen weiter: Einen derartig "großen" Mozart, wie in Harnoncourt mit dem Concertgebouw Orchestra eingespielt hat, kenne ich eigentlich nur bei ihm. Allein die Prager wird ja da gleichsam ein Schwesterwerk von Beethovens 9. und Schuberts großer C-Dur und kommt schon fast als unmittelbare Vorgängerin von Bruckners 5. daher, von der Jupiter ganz zu schweigen.
    Vergleiche ich diese Concertgebouw-Aufnahmen mit der Böhm-Aufnahme, dann kann durchaus der Eindruck entstehen, dass Böhm eher Richtung HIP geht, denn Harnoncourt.


    Natürlich gehören diese Mozart-Aufnahmen mit zum Besten und Interessantesten, was es in Sachen Mozart gibt und ich liebe sie, aber das letzte Wort würde ich ihnen nie überlassen, da sind sie mir etwas zu extrem.


    Und mit Verlaub, es liegt nicht nur an der Länge: Gardiner und Brüggen lassen sich auf HIP teilweise fast genausoviel Zeit wie Harnoncourt, trotzdem ist ihr Resultat aber ein deutlich anderes, wobei nur Brüggen in etwa in die Fußstapfen von Harnoncourt tritt und die späten Mozart-Sinfonien auf Beethovensches Level hebt.


    Aber auch hier handelt es sich nicht um Gesamtaufnahmen, sondern nur um die späten.



    Viele Grüße
    John Doe

  • Zitat

    Original von John Doe


    Weil Harnoncourt bis jetzt keine GA vorgelegt hat und es bei diesem Thread aber um solche geht.
    Ich schätze, Harnoncourt hat in etwa knappndie Hälfte aller Mozart-Sinfonien eingespielt, einen Teil davon mit dem Concentus Musicus Wien, einen anderen Teil mit dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam und die letzten drei oder vier noch einmal mit dem Chamber Orchestra of Europe.



    Harnoncourt hat, wenn jpc's Info zu der oben verlinkten Box korrekt ist, inzwischen tatsächlich alle Sinfonien eingespielt, wenn auch in Etappen. Die frühen bis #27, sowie etliche unnumerierte in besagter Box, eine Handvoll früher (ca. 3 CDs) schon vorher mit dem Concentus für Teldec und 25, 26, 28-41 mit dem Concertgebouw.
    Damit hat NH vermutlich mehr (unterschiedliche Werke von) Mozart eingespielt als irgendein Dirigent vor ihm, mit den möglichen Ausnahmen Böhm, Marriner und Mackerras. Darunter 10? Opern, etliches recht Unbekannte aus der Salzburger Kirchenmusik, den Serenaden usw. Nur Klavierkonzerte gibt es leider nur die 2 mit Gulda (und das Doppelkonzert).


    Zitat


    M.E. sind das bei aller Klangrednerei doch äußerst unterschiedliche Ansätze und zwar nicht bloß deswegen, weil er einige frühe Sinfonien in HIP eingespielt hat und die späten großorchestral, die Unterschiede gehen da schon ein bißchen weiter: Einen derartig "großen" Mozart, wie in Harnoncourt mit dem Concertgebouw Orchestra eingespielt hat, kenne ich eigentlich nur bei ihm. Allein die Prager wird ja da gleichsam ein Schwesterwerk von Beethovens 9. und Schuberts großer C-Dur und kommt schon fast als unmittelbare Vorgängerin von Bruckners 5. daher, von der Jupiter ganz zu schweigen.
    Vergleiche ich diese Concertgebouw-Aufnahmen mit der Böhm-Aufnahme, dann kann durchaus der Eindruck entstehen, dass Böhm eher Richtung HIP geht, denn Harnoncourt.


    hmm.... ;)


    Obwohl ich nur drei CDs der neueren Aufnahmen der frühen gehört habe, habe ich nicht den Eindruck, dass zwischen seinem Zugang mit dem Concertgebouw und dem Concentus grundlegende Unterschiede bestehen. Das Ensemble klingt stärker besetzt als die meisten anderen HIP-Gruppen (auch wenn es sicher viel weniger Musiker sind als beim Concertgebouw), die charakteristischen Phrasierungen, sowie die dynamischen und sonstigen Kontraste (also alles, was einige Hörer auf die Palme treibt :D) sind ähnlich extrem wie bei den älteren Teldec-Aufnahmen. Die Befolgung aller möglicher Wdh. läßt die Dimensionen der Werke teils erheblich anwachsen. Unterschiede dürften eher aus den 20 Jahren, die zwischen den beiden Projekten vergangen sind, resultieren. Überdies hat er ja eine Handvoll früher Werke schon mit dem Concertgebouw aufgenommen, 25 und 26 sogar mit beiden Ensembles; diese Werke ließen sich direkt vergleichen.


    Ich gebe Giovanni Bertati (und Dir) recht, dass diese Einspielungen selten "entspannt" und häufig "extrem" sind. Da es genügend entspannte und moderate Aufnahmen gibt, sehe ich das aber nicht als Manko... ;)


    :hello:
    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Das ist mir jetzt tatsächlich entgangen, dass Harnoncourt seine GA aller Mozart-Sinfonien fertiggestellt hat. Das liegt wohl daran, dass sich Herr Harnoncourt diverser Label-Wechsel hat unterziehen müssen, das zu bewerten den diversen Threads zur Krise in der Plattenindustrie obliegt.
    Freuen tut´s mich aber auf jeden Fall!!! :jubel:


    Zitat

    Obwohl ich nur drei CDs der neueren Aufnahmen der frühen gehört habe, habe ich nicht den Eindruck, dass zwischen seinem Zugang mit dem Concertgebouw und dem Concentus grundlegende Unterschiede bestehen


    Natürlich merkt man beiden Einspielungen den Ductus Harnoncourts an, jedoch wirken die Concertgebouw-Aufnahmen auf mich nach vorne gewandt, Mozarts Sinfonik mit dem verbindend, was nach ihm gekommen ist, derweil die Concentus-Aufnahmen m.E. eher rückwärtsgewandt sind und das betonen, worauf Mozarts Musik aufbaut, von wo sie herkommt.
    Zum Teil mag dieser Eindruck nur dem Originalklang geschuldet sein, aber eben wirklich nur zum Teil, denn Hogwood und Pinnock haben bewiesen, dass es anders auch geht, ist es doch denen gelungen, gerade die frühen Sinfonien geschmeidig und jugendhaft darzustellen, derweil sie bei Harnoncourt immer ein bißchen nach Alterswerk klingen. Moderat und entspannt ist weder der erste, noch der zweite Ansatz, wobei es mir aber jetzt nicht um Pinnock und Hogwood im Vergleich zu Harnoncourt geht, sondern um einen Vergleich zwischen den Concentus Musicus und dem Concertgebouw Orchestra: Finde ich die großorchestralen Aufnahmen mit letztgenannten Orchester reif und spannend, dann meine ich bei den Concentus Musicus - Aufnahmen eine Tendenz wahrzunehmen, dass selbige eher "überreif" und "verspannt" sind, dass Harnoncourtnun wirklich auch harmlosen Stellen eine Gewichtung, eine Bedeutung zufügt, die selbige gar nicht haben. ;)


    Viele Grüße
    John Doe

  • Neben den "Großen Symphonien" mit Karajan, Furtwängler und Böhm finde ich die von Brillant Classics veröffentlichten Aufnahmen mit der Mozart Akademie Amsterdam unter Jaap ter Linden außerordentlich reizvoll. Die KV 550 in g-moll wird beispielsweise zweifach dargeboten: einmal mit und einmal ohne Klarinetten.


    Die Symphonien (11 CDs) sind aus der Gesamtbox (170 CDs) ausgekoppelt.

  • Die Version hier?


    Das ist (innerhalb der Gesamtbox) die derzeit einzige Aufnahme, über die ich verfüge - und eigentlich vermisse ich nichts. Ich bin ohnehin nicht der ganz große Fan von Mozart-Symphonien... aber die sind auch wirklich nicht schlecht, meine ich.


    Jedenfalls deutlich besser als die Klavierkonzerte aus der Gesamtbox... :rolleyes:

  • Zitat

    Original von John Doe


    Natürlich merkt man beiden Einspielungen den Ductus Harnoncourts an, jedoch wirken die Concertgebouw-Aufnahmen auf mich nach vorne gewandt, Mozarts Sinfonik mit dem verbindend, was nach ihm gekommen ist, derweil die Concentus-Aufnahmen m.E. eher rückwärtsgewandt sind und das betonen, worauf Mozarts Musik aufbaut, von wo sie herkommt.
    Zum Teil mag dieser Eindruck nur dem Originalklang geschuldet sein, aber eben wirklich nur zum Teil, denn Hogwood und Pinnock haben bewiesen, dass es anders auch geht, ist es doch denen gelungen, gerade die frühen Sinfonien geschmeidig und jugendhaft darzustellen, derweil sie bei Harnoncourt immer ein bißchen nach Alterswerk klingen. Moderat und entspannt ist weder der erste, noch der zweite Ansatz, wobei es mir aber jetzt nicht um Pinnock und Hogwood im Vergleich zu Harnoncourt geht, sondern um einen Vergleich zwischen den Concentus Musicus und dem Concertgebouw Orchestra: Finde ich die großorchestralen Aufnahmen mit letztgenannten Orchester reif und spannend, dann meine ich bei den Concentus Musicus - Aufnahmen eine Tendenz wahrzunehmen, dass selbige eher "überreif" und "verspannt" sind, dass Harnoncourt nun wirklich auch harmlosen Stellen eine Gewichtung, eine Bedeutung zufügt, die selbige gar nicht haben. ;)


    Das mag sein, ich müsste da jetzt im Detail vergleichen, wozu ich momentan keine Muße habe. Mir schien der Unterschied zwischen Harnoncourt/Concentus und Harnoncourt/Concertgebouw nur graduell und geringer als zu den meisten anderen Interpretationen (m.E. sind die Unterschiede zwischen Harnoncourt und Pinnock größer als die zwischen Pinnock und Marriner)
    Allerdings vermute ich auch hier, dass es mehr mit Eigenheiten des Dirigenten zu tun hat, die sich vielleicht im Alter deutlicher zeigen. Wobei auch das nicht so einfach ist. Die 3 oder 4 späten Sinfonien mit dem COE (die ich nicht kenne) sind angeblich deutlich weniger extrem als die älteren Concertgebouw-Aufnahmen. Ebenso (mit einigen Ausnahmen) die einige Jahre nach dem Mozart aufgenomenen Haydn-Sinfonien mit dem Concertgebouw. In anderen Fällen haben gewisse Manierismen zugenommen (z.B. bei Haydns "Parisern", wenngleich ich die grandios finde).


    Da die Box noch recht teuer ist und mich das Repertoire auch nicht so übermäßig reizt, habe ich es jedenfalls bislang bei einer Doppel-CD, die vor der Box herauskam und einer älteren einzelnen Teldec-CD belassen. Die Concertgebouw-Aufnahmen habe ich natürlich schon seit Jahren komplett.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes Roehl,


    du sagst:


    Zitat

    dass es mehr mit Eigenheiten des Dirigenten zu tun hat, die sich vielleicht im Alter deutlicher zeigen.


    Ja, diese Vermutung habe ich auch, wobei das alles aber auf sehr, sehr hohem Niveau geschieht und durch den Einsatz von Originalinstrumenten eben besser auffällt (und der Zeitabstand zwischen den Einspielungen mit dem Concertgebouw Orchestra und dem Concentus Musicus doch nicht gerade ein unerheblicher ist).
    Außerdem habe ich den Eindruck, dass dieser leicht geänderte Ansatz halt einer reifen Haydn-Sinfonie besser zu Gesichte steht, als einer frühen von Mozart.


    Viele Grüße
    John Doe
    :hello:

  • Immer wenn ich diese SONY-CD mit Szell höre, frage ich mich ob diese nicht doch noch besser ist, als die Spitzenaufnahmen mit Böhm/Berliner PH (DG) !??!


    Die Spielfreude des Cleveland Orchestra, die ohne Szell mit Sicherheit nicht da gewesen wäre, springt auf den Hörer über.
    :thumbup: Klasse Interpretationen !



    SONY, 1961,64,66, ADD



    :!: Mit Szell gibt es keine Mozart-Sinfonien - GA, obwohl diese bei amazon als GA angeboten wird. Nach Durchsicht der Cover-Rückseite in der GA (zu einem Horrorpreis von 199,-) sind dann auch nur 8 Mozart - Sinfonien enthalten. :D Tolle GA !


    ;) Aber ich benötige erstmal nur die abgebildete CD !




    P.S.: Ich habe eigendlich einen Thread gesucht, der nur die letzten Sinfonien behandelt ... gibts es (noch) nicht.



  • Den Titel dieser Box bei Amazon "Complete Mozart Symphonies" kann man nur mit viel Nachsicht verstehen: Gemeint sind sämtliche Einspielungen von Musik Mozarts, die Szell gemacht hat. Das stimmt aber auch nicht. Es sind erstens nur seine Einspielungen bei CBS und zweitens ohne die Klavierkonzerte mit Casadesus! Enthalten sind dagegen zB Kleine Nachtmusik u.a. Serenaden, Klarinettenkonzert und Klav.konzert #25 KV 503 mit Fleisher sowie einige Kammermusikwerke mit Szell am Klavier und ältere Mono-Aufnahmen der drei letzten Sinfonien.
    An Sinfonien ist drin: 28, 33, 35 und 39-41 einmal mono und einmal stereo.
    Vieles davon war nie auf CD und ist nicht separat erhältlich, daher für den Sammler vermutlich einen lohnende Box, aber die Ankündigung ist gelogen...
    Auf Philips gab es noch eine Aufnahme von Nr. 34 C-Dur mit dem Concertgebouworchester. Weitere Sinfonien hat Szell jedenfalls im Studio meines Wissen nicht eingespielt. Angesichts der Tatsache, dass einige weniger bekannte Stücke aufgenommen wurden, wundert das Fehlen von den berühmten 36 und 38.


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)