Sir Charles Mackerras - Meine liebsten Aufnahmen

  • Gibt es noch keinen Thread für ihn? Das müssen wir dringend ändern! :yes::yes:


    In diesem Jahr wird Sir Charles Mackeras 85. Und doch ist er alles andere als greisenhaft. Fast jugendlich wirkt er, wenn man die Interviews anlässlich seiner neuen Einspielung der Sinfonien Mozarts anschaut und anhört. Und diese Vitalität spiegeln auch seine Aufnahmen wieder.


    Charles Mackerras wurde am 17. November in Schenectady, im US-Bundesstaat New York geboren. Er wuchs auf in Australien, studierte und spielte Oboe in Sydney. In London studierte er Dirigieren und kam dann durch einen Zufall an ein Stipendium nach Prag, wo die gemeinsame Zeit mit Václas Talich bestimmend für Mackerras wurde.



    Charles Mackerras wurde nie ein Mainstream-Star. Und doch war und ist er ein wichtiger Inspirator für die Musik, der an mehreren Stellen Schwerpunkte gesetzt und entscheidende Impulse gegeben hat, z.B. seine Aufführungen des Opernwerkes von Leos Janacék, seine Einspielungen von Händels Messias, der Operetten von Gilbert und Sullivan.


    Über seine in Deutschland nahezu unbekannten Einspielungen der Symphonien von Johannes Brahms heißt es in einem Artikel:


    Zitat

    Philologischer Ehrgeiz prägte auch seinen Umgang mit der Musik von Händel, Mozart, Brahms und anderen: Zurück zu den Quellen! Mackerras’ (in Deutschland kaum bekannte) Aufnahmen der Brahms-Sinfonien und -Serenaden orientieren sich nicht nur an der Uraufführungsbesetzung der ersten und vierten Symphonie mit nur 49 Musikern. Er studierte außerdem die Aufzeichnungen des vom Komponisten hoch geschätzten Dirigenten Fritz Steinbach. Zuvor hielt Mackerras Brahms für einen auch in Tempofragen strengen Klassizisten, im Gegensatz zu Wagner, der große Freiheiten propagiert habe. Steinbachs Analyse belehrte ihn eines Besseren, weshalb seine Brahms-Deutungen mit dem Scottish Chamber Orchestra nicht nur wunderbar schlank und transparent, sondern auch erstaunlich frei und lebendig daherkommen.



    Als bahnbrechend gilt seine Gesamtaufnahme der Symphonien Mozarts mit dem Prager Kammerorchester in den 80er Jahren: eine temporeiche und kraftvolle Einspielung, die gleichzeitig viele Feinheiten und Details hörbar macht.




    Wolfgang Amadeus Mozart:
    Symphonien Nr. 1-41
    +Symphonien KV 19a, 45b, 73l, 73m, 73n, 75, 111b
    Prager Kammerorchester, Charles Mackerras
    Telarc , DDD, 1986



    Zurzeit entsteht eine neue, von den Rezensenten stark beachtete Gesamteinspielung der Mozart-Symphonien mit dem Scottish Chamber Orchestra. In einer Rezension fand ich die folgende Einschätzung dazu:


    Zitat

    Mackerras gilt als ausgewiesener Fachmann für Mozart, was er in diesen Aufnahmen (einmal mehr) unter Beweis stellt: Verspielt und doch kraftvoll und präzise kommen diese wichtigen Sinfonien Mozarts daher. Als Klangkörper agiert das SCO wie schon beim Vorgängeralbum als historisch-informiertes Hybrid-Ensemble: Eigentlich auf modernen Instrumenten musizierend, wird es von historischen Bläsern ergänzt. Denn mehr als die Wahl der Instrumente, interessiert sich Mackerras für den authentischen Klang, den die Aufnahme ergibt. Und so viel ist sicher: Am (authentischen) Orchesterklang der brillant aufspielenden Schotten ist auf jeden Fall nichts auszusetzen, ebenso wenig an Mackerras schlüssiger, detailreicher, spannungsgeladener Deutung. Es ist immer wieder überraschend, was Mackerras alles an kleinen Nuancen herausarbeitet (etwa im Andante der vermeintlich ‘kleinen’ Sinfonie No. 32), die dank des glasklaren Klangs der Aufnahmen auch deutlichst beim Hörer ankommen. Stellenweise hat man wirklich das Gefühl, man hört die Sinfonien, die einem doch so vertraut sind, (wieder) zum ersten Mal, so neu, so überwältigend klingen sie hier.


    Ich finde es sehr beeindruckend, dass jemand in diesem hohen Alter nicht nur inspirierend wirkt, sondern auch noch selber so offen ist für neue Inspirationen und Abenteuer.


    In einer der vielen Lobreden über Mackerras heißt es bezeichnend:


    Zitat

    Bis heute ist er einer der ganz wenigen Dirigenten, die treffsicher CD-Meilensteine produzieren. Dass es je wieder Dirigenten geben wird, die sich auf so unauffällige Weise in den Olymp dirigieren, ist zu bezweifeln.




    Freundliche Grüße von Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Eine meiner liebsten Aufnahmen mit ihm ist die Operette " The Mikado" von Gilbert & Sullivan.


    Das Orchester arbeitet sehr fein, jedes Detail aus. Die Sänger und der Chor sind auch sehr gut.


    Zwar keine Aufnahme, aber bei youtub* zu sehen sind seine Planeten bei den BBC Proms. Auch hier zeigt er, dass er trotz seines Alters noch voller Power und Tatendrang steckt.


    LG
    Chrissi


  • Mackerras war gewiss auch Spezialist für Janacek; von seinen diversen Einspielungen besitze ich obige Doppel-CD mit einem repräsentativen Querschnitt durch das Orchesterwerk.


    Hier überzeugt alles, Deutung und Klangbild. Die Urwüchsigkeit und Farbigkeit der Musik werden betont, ohne dass die Struktur zu kurz käme.


    :hello: Wolfgang

  • Ich finde diese Huldigung für Charles Mackerras wunderschön, aber es fehlt doch das für mich Wichtigste: Mackerras ist d e r Spezialist/ Experte/ Zauberer für Janaceks Opern. Praktisch alle seine Einspielungen sind bis heute d i e Referenzaufnahme der jeweiligen Oper (in der Titelrolle meist die jüngst verstorbene Elisabeth Söderström). Mackerras hat aber nicht nur die Referenzaufnahmen eingespielt, er hat auch für fast alle Janacek - Opern eine neue Notengestalt erarbeitet, die alle glättenden Bearbeitungen der Janacek - Schüler getilgt hat. Die gegenwärtige Janacek - Renaissance, nein, besser: die gegenwärtige Janacek-Blüte auf Europas Opernbühnen ist ohne ihn überhaupt nicht denkbar. Von den großen Opern gibt es auch eine preiswerte Box, die noch viel lohnender ist als die Box mit den Orchesterwerken (die natürlich toll ist). Hier möchte ich einmal einen Hinweis geben auf zwei Janacek - Opern, die selten gespielt werden, aber den großen bekannten Opern nicht nachstehen: "Osud" (Schicksal), hier hat Mackerras eine wunderbare englischsprachige Aufnahme mit der Welsh Opera produziert, ein Werk, das der "Jenufa" nicht nachsteht! Und "Die Ausflüge des Herrn Broucek". Diese Doppeloper (sie spielt auf dem Mond und im Mittelalter) hat - wer hätte das gedacht - nach dem "Rosenkavalier" die schönsten Walzer der Operngeschichte (soweit ich sie kenne).

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Hallo,


    neben der GA der Mozart-Sinfonien halte ich die Opernaufnahmen Fidelio, Cosi, Figaro, Don Giovanni sowie die Einspielungen der 8 u. 9. Sinfonie von Schubert und der 4. von Mendelssohn für hervorragend. Von den 24 Einzelaufnahmen, die ich mit Sir Mackerras habe, möchte ich keine missen.


    Gruß aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo Dr. Pingel,


    Zitat

    Original von Dr. Pingel:
    Von den großen Opern gibt es auch eine preiswerte Box, die noch viel lohnender ist als die Box mit den Orchesterwerken (die natürlich toll ist).


    ist das diese Box?




    Sir Charles Mackerras dirigiert Janacek


    9 CDs


    Das Schlaue Füchslein (Popp, Randova, Jedlicka, Wien PO/1982);
    Aus einem Totenhaus (Janska, Zikmundova, Krejcik, Novak,
    Wien PO/1980);Jenufa (Ochman, Dvorsky, Randova, Söderström,
    Popp, Wien PO/1982);Katya Kabanova (Dvorsky, Söderström,
    Krejcik, Wien PO/1976);Die Sache Makropoulos (Söderström,
    Czakova, Dvorsky, Zitek, Wien PO/1978 );
    Sinfonietta (Wien PO);Taras Bulba (Wien PO)


    Label: Decca , ADD/DDD, 76-82


    ... fragt Andrew ?(

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Schon 1987 legte Charles Mackerras eine vielgelobte Einspielung der Sinfonien 8 und 9 von Schubert vor. Mit dem Age of Enlightenment Orchestra spielte er eine historisch informierte und instrumentalisierte Fassung der Sinfonien 5, 8 und 9 ein.


    Zwölf Jahre später erschien eine zweite Einspielung dieser Sinfonien mit dem Scottish Chamber Orchestra, mit der Mackerras, wie es in einer Rezension heißt, „mit dem schlank besetzten Schottischen Kammerorchester eine an kammermusikalischer Feinarbeit, rhythmischer Präzision und pulsierender Lebens-Zugewandtheit vorbildliche Interpretation des vielgeschundenen Monuments“ vorgelegt.




    Franz Schubert:
    Symphonien Nr. 8 & 9
    Scottish Chamber Orchestra, Mackerras
    Label: Telarc , DDD, 98


    Diese überaus spannende, klare und akzentuierte Einspielung ist für mich die schönste Einspielung dieser beiden Schubert-Sinfonien. Über Schuberts Unvollendete schreibt Sir Charles Mackerras


    Zitat

    „Es gibt viele verschiedene Ansichten, warum Schubert dieses Werk unvollendet ließ, und ich selbst habe manchmal die Sinfonie in einem Konzert beendet, indem ich das von ihm weitaus unorchestrierte Scherzo spielte und das Ganze mit einem Finale aus der Begleitmusik zu ‚Rosamunde’ abschloss. Jedoch ist das Ende des zweiten Satzes derart schön, dass man dem nichts in überzeugender Weise hinzuzufügen vermag. Schubert ließ im Ganzen fünf Sinfonien unvollendet, aber diese Sinfonie in h-moll, die in der nahe verwandten Tonart E-Dur abschließt, scheint nichts weiter zu brauchen, nachdem die Cellos und Bässe im Pizzicato in die Tiefen hinabsteigen und der Klang des gesamten Orchesters zuerst anschwillt, um dann wieder abzuklingen. Ein perfekter Abschluss zu einem perfekt proportionierten Werk.“


    Freundliche Grüße von Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Nachdem an anderer Stelle diese aus einer DVD-Serie stammende Aufnahme schon hoch gelobt wurde, möchte ich sie hier als meine Lieblings-DVD mit Charles Mackerras vorstellen:



    Lortzing - Zar und Zimmermann
    Aufnahme: 1969, Film, Studio Hamburg
    Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
    Chor der Hamburgischen Staatsoper
    Inszenierung und Fersehregie: Joachim Hess
    Dirigent: Charles Mackerras
    Admiral Lefort: Herbert Fliether
    Lord Syndham: Noel Mangin
    Marie: Lucia Popp
    Marquis von Chateauneuf: Horst Wilhelm
    Offizier: Franz Grundheber
    Peter I: Raymond Wolansky
    Peter Iwanow: Peter Haage
    Ratsdiener: Jürgen Förster
    Van Bett: Hans Sotin
    Witwe Brown: Ursula Boese



    Zitat

    "Charles Mackerras verleiht dieser Musik eine Leichtigkeit und Klarheit, die jeden Lortzing-Fan begeistern muss"


    LG


    :hello:

  • In den Jahren 1993 bis 1995 hat Charles Mackerras mit dem Scittish Chamber Orchestra für die Plattenfirma Telarc die 3 da Ponte-Opern von Mozart eingespielt; zwar nicht unbedingt die Referenzaufnahmen, aber sehr hörenswert, mit recht interessanten Solisten:



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Cosi fan tutte

    Aufnahme: 2.–13.8.1993, Studio
    Dirigent: Charles Mackerras
    Scottish Chamber Orchestra
    Edinburgh Festival Chorus
    Chorleitung: Arthur Oldham
    Kommentar: vollständig, Anhang Nr. 15a
    Label: Telarc CD: 80360


    Despina: Nuccia Focile
    Don Alfonso: Gilles Cachemaille
    Dorabella: Marie McLaughlin
    Ferrando: Jerry Hadley
    Fiordiligi: Felicity Lott
    Guglielmo: Alessandro Corbelli


    ++++++++++++++++++++



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Die Hochzeit des Figaro

    Aufnahme: 1994, Studio
    Dirigent: Charles Mackerras
    Scottish Chamber Orchestra
    Scottish Chamber Chorus
    Chorleitung: Timothy Wigfield
    Cembalo: John Fisher
    Label: Telarc CD: 80388 (3 CD)


    Antonio: Alfonso Antoniozzi
    Barbarina: Rebecca Evans
    Cherubino: Susanne Mentzer
    Don Bartolo: Alfonso Antoniozzi
    Don Basilio: Ryland Davies
    Don Curzio: Ryland Davies
    Figaro: Alastair Miles
    Il Conte d'Almaviva: Alessandro Corbelli
    La Contessa d'Almaviva: Carol Vaness
    Marcellina: Suzanne Murphy
    Susanna: Nuccia Focile


    ++++++++++++++++++++++



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Don Giovanni

    Aufnahme: 31.7.–11.8.1995, Studio
    Dirigent: Charles Mackerras
    Scottish Chamber Orchestra
    Scottish Chamber Chorus
    Chorleitung: Timothy Byran-Wigfield
    Cembalo: John Fisher
    Kommentar: Prager Fassung, Varianten Wiener Fassung als Anhang
    Label: Telarc CD: CD 80420


    Don Giovanni: Bo Skovhus
    Don Ottavio: Jerry Hadley
    Donna Anna: Christine Brewer
    Donna Elvira: Felicity Lott
    Il Commendatore: Umberto Chiummo
    Leporello: Alessandro Corbelli
    Masetto: Umberto Chiummo
    Zerlina: Nuccia Focile


    LG


    :hello: :hello:

  • Ich möchte hier die Reihe der Mozart-Opern unter Charles Mackerras auf dem Telarc-Label fortsetzen:



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Die Zauberflöte

    Aufnahme: 13.–22.7.1991, Studio
    Dirigent: Charles Mackerras
    Scottish Chamber Orchestra
    Scottish Chamber Chorus
    Chorleitung: Anthony Negus
    Dialog-Regie: Gottfried Hornik
    Label: Telarc CD: 80302, Brilliant Classics 99726/1-2


    Dame (1): Petra Maria Schnitzer
    Dame (2): Gabriele Sima
    Dame (3): Julia Bernheimer
    Geharnischter (1): Peter Svensson
    Geharnischter (2): Alastair Miles
    Knabe: John Dawson
    Knabe (1): Daniel Ison
    Knabe (2): Nathan Watts
    Königin der Nacht: June Anderson
    Monostatos: Helmut Wildhaber
    Pamina: Barbara Hendricks
    Papagena: Ulrike Steinsky
    Papageno: Thomas Allen
    Priester (1): Peter Svensson
    Priester (2): Gottfried Hornik
    Sarastro: Robert Lloyd
    Sprecher: Gottfried Hornik
    Tamino: Jerry Hadley


    +++++++++++++++++++++++++++++


    und dann noch:



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Die Entführung aus dem Serail

    Aufnahme: 15.–18.3., 24.–26.5. 1999, Studio
    Dirigent: Charles Mackerras
    Scottish Chamber Orchestra
    Scottish Chamber Chorus
    Chorleitung: Ben Parry
    LABEL: Telarc (2 CD)
    Bassa Selim: Oliver Tobias
    Belmonte: Paul Groves
    Blonde: Désirée Rancatore
    Konstanze: Yelda Kodali
    Osmin: Peter Rose
    Pedrillo: Lynton Atkinson


    (Die Aufnahme fand auch Verwendung als Soundtrack zu dem Film "Mozart in Turkey")


    LG


    :hello:

  • Hallo Harald,


    zu Deinen Empfehlungen möchte ich ergänzen, dass vier Mozart-Opern mit Sir Charles zurzeit als Box sehr günstig angeboten werden:




    Wolfgang Amadeus Mozart:
    4 Opern (Gesamtaufnahmen)
    Die Hochzeit des Figaro (Miles Focile, Corebelli, Vaness, Evans, Scottish Chamber Orchestra, Mackerras / 1994) +Cosi fan tutte (Lott, Hadley, McLaughlin, Corbelli, Scottish Chamber Orchestra, Mackerras / 1993) +Die Zauberflöte (Hendricks, ...


    Preis: EUR 38,99



    Freundliche Grüße, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Danke, lieber Andrew, für diesen Tipp!


    Ergänzend vielleicht noch der Hinweis, dass die in der von Andrew genannten Box nicht enthaltene "Entführung" auch als Lizenzausgabe beim Billiglabel "Brilliant" zu bekommen ist (neulich bei 2**1 auf dem Wühltisch für unter einem Euro pro CD gesehen).


    *******************


    Gerne würde ich Euch jetzt meine absolute Lieblings-Opernaufnahme von Charles Mackerras vorstellen.
    Leider habe ich im Netz kein passendes Bildchen gefunden, die scheint kommerziell nicht erschienen zu sein (kann man aber im Netzt herunterladen). Es handelt sich - bei mir natürlich - um eine deutsche Spieloper:


    Carl Maria von Weber
    DER FREISCHÜTZ

    Aufnahme: 19.8.2004, live, konz., Edinburgh, Usher Hall
    Dirigent: Charles Mackerras
    Scottish Chamber Orchestra
    Philharmonia Chorus London


    Agathe: Hillevi Martinpelto
    Ännchen : Ailish Tynan
    Brautjungfer: Karen Dobbin
    Brautjungfer: Catriona Holt
    Brautjungfer: Gail Johnston
    Brautjungfer: Madeleine Shaw
    Eremit: Matthew Rose
    Fürst Ottokar: Christopher Maltman
    Kaspar: John Relyea
    Kilian: Ronan Collett
    Kuno: Siegfried Vogel
    Max: Jonas Kaufmann
    Samiel: Siegfried Vogel


    Der Max wird von einem - damals noch recht unbekanntem - lyrischen Tenor namens Jonas Kaufmann gesungen.


    LG


    :hello:

  • Ich wurde auf Ihn aufmerksam durch seine Einspielungen von


    - SINFONIETTA


    und


    - TARAS BULBA


    von


    LEOS JANACEK


    auf Decca.


    Ich habe seitdem viele Vergleichseinspielungen gehört und komme trotzdem immer wieder zu diesen Aufnahmen zurück. Das ist vollblütiges Musizieren in absoluter Werkdienlichkeit. Vorbildlich.


    Desweiteren wusste er einfach, wie man F. J. Haydn zu spielen hat:




    Tja, so ein einmaliger Dirigent hinterlässt eine riesige Lücke, die einen schmerzhaft an diesen Verlust erinnern wird.
    Er war einfach auch eine angenehm-unaufdringliche Erscheinung. Jeden Kult um seine Person lehnte er ab. Obwohl er es verdient hätte wie kein zweiter noch lebender Dirigent.



    Agon

  • Nicht zu vergessen diese hier:



    Ein wirklich toller Mozart, sehr umsichtig dirigiert.


    Leider muss ich sagen, dass mir seine Moizart CDs (siehe oben) meist nicht so gut gefallen, was aber definitiv nicht an ihm sondern zumeist an den Sängern liegt. Die Entführung etwa halte ich mit zu den schlechtesten Einspielungen der Geschichte. Hier wird es aber sehr schnell deutlich, wer die "Schuldigen" sind.
    Ganz hervorragend dagegen: Seine Cosi fan tutte. Die ist für mich glatt eine Referenzaufnahme.

  • Leider hat Herr Liebestraum in seiner typisch pauschalisierenden Art und Weise einige weniger gelungene Mackerras-Aufnahmen aufgelistet.


    Die Mozartschen Da Ponte-Opern sind zwar orchestral und klangtechnisch sehr gut, allerdings lassen die sängerischen Leistungen zu wünschen übrig.


    Ausserdem zählt die Lucia di Lammermoor auch nicht gerade zu den Spitzeneinspielungen des Werks. Nur wegen der Glasharmonika muss man die Aufnahme nun wirklich nicht besitzen.


    Die Schubert-Aufnahmen mit dem OAE sind für meinen Geschmack zu glatt durchdirigiert und langweilen früher oder später.


    Dies nur zur Klarstellung.



    Agon

  • Agon hat wieder kein Feingefühl und das kurz nach dem Tod Mackerras: :no:
    Um mich nicht persönlicher Lobhudelei schuldig zu machen, mache ich das so:


    Messias


    Zitat: Fonoforum 3 / 1992: "Sir Charles Mackerras versprüht am Pult des Scottish Chamber Orchestra eine musikantische Laune, die das Hören in jedem Augenblick zum Vergnügen macht."


    Jenufa:


    Zitat: W-D. Peter in stereo 1 / 84:"Elisabeth Söderström klingt jugendlich und kann die Wandlung zur entschlossenen Frau am Schluß glaubhaft machen...während Wieslaw Ochmann die schöne Seele des zurückgesetzten Laca Klang werden läßt. Die Namen Popp, Zitek, Soukopova in den Nebenrollen verbürgen erste Qualität...Erfreulich ist die Ernsthaftigkeit der Edition. Sie bringt die von Janacek verworfene Ouvertüre 'Eifersucht' und die druchgehend bereinigte Fassung ohne die bisher üblichen Orchestrierungsretuschen von Kovarovic, was den Gesamtklang herber und unsentimentaler macht."


    Roberto Devereux:


    Zitat: SWO | Kunstportal BW, Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion:
    "... dieser "Roberto Devereux" beweist: es war einmal möglich, Belcanto-Opern auf höchstem Niveau und mit letztem Engagement zum Klingen zu bringen.
    Die legendäre, wunderbar exaltierte Beverly Sills (Elisabeth) findet in Robert Ilosfalvy (Roberto), Beverly Wolff (Sara) und Peter Glossop (Nottingham) rangleiche Partner. Und das Royal Philharmonic Orchestra unter Charles Mackerras durchleuchtet die Partitur so filigran und präzise als ginge es um ein Meisterwerk des Impressionismus.Kein Zweifel: das ist große Oper, ganz große Oper sogar. Aber es ist - leider - die große Oper vergangener Jahrzehnte."



    Schubert: Sinfonien


    Zitat: Empfehlung FonoForum CD-Klassikführer 1993/94: "Wer sich bei der 'Großen in C-Dur' behaglich im Sessel zurücklehnen möchte, sollte auf keinen Fall die Einspielung von Charles Mackerras und dem Orchestra of the Age of Enlightenment wählen. Hier muß man alle paar Takte aufhorchen, hinhören, weil man ein fremdes Stück zu vernehmen glaubt - und das nicht nur wegen der Wahl historischer Instrumente."



    Die Zauberflöte


    Zitat: Fonoforum 3 / 1992: "Sir Charles Mackerras versprüht am Pult des Scottish Chamber Orchestra eine musikantische Laune, die das Hören in jedem Augenblick zum Vergnügen macht."



    Die Entführung aus dem Serail


    Zitat: A. Csampai in stereoplay 9 / 00: "Ihren besonderen Rang erhält die Aufnahme durch die alles überstrahlende MozartKompetenz und pulsierende Frische von Charles Mackerras, der sein bestens präpariertes Schottisches Kammerorchester zu einer derart beherzten Gangart animiert, dass selbst der größte Griesgram nach wenigen Takten dem sprühenden Charme und dem treibenden Rhythmus dieses völkerverbindenden Märchens erliegt."



    Le nozze de Figaro


    Zitat: A. Beaujean in stereoplay 11 / 95: "Nicht allein, daß Mackerras in einem Anhang unterschiedliche Versionen Mozarts von mehreren Arien und Accompagnato-Rezitativen einspielte, daß er die Apoggiaturen singen ließ, er übernahm in Einzelfällen sogar überlieferte Verzierungen Mozarts. Das bedeutet: gründliche Arbeit mit den Sängern. Sie ist in jeder Phase der Einspielung spürbar. Das gleiche gilt für das Orchester. Hohe und höchste Bewertungen für die Interpretation und Klangqualität."



    Don Giovanni


    Zitat: K. Malisch in FonoForum 2 / 97: "..eine Aufnahme voller Leben, Farben, pulsierend vor energischem Drive und mitreißendem Temperament."



    Cosi fan tutte


    Zitat: FonoForum 7 / 1994: "Das nicht nur bei der Alla-breve-Pikanterie von Andante-Vorschriften zu ungehemmtem Musizierfluß angehaltene Orchester lauert den so unendlich changierenden Momenten von Mozarts sublimster, modernster Oper mit wachen Sinnen auf."



    Mozart: Symphonien Nr. 29, 31, 32, 35, 36


    Zitat: Stereoplay 05 / 10: "Insofern ist Sir Charles der ideale Mozart-Dirigent, der hier wieder mit unglaublicher Souveränität die Mitte trifft zwischen Nähe und Distanz, zwischen Dramatik und Zärtlichkeit, zwischen drängendem Lebenspuls und großartiger Architektur. Die Mehrkanalbühne der Linn-Tonmeister folgt diesem Ansatz und wahrt sehr schön die Balance zwischen Detaillreichtum und schlanker Klangfülle."



    Mozart: Symphonien Nr. 38-41


    Zitat: Stereo 05 / 08: "Herausgekommen ist eine den Werken wunderbare gerecht werdende, fulminante Wiedergabe, deren Energie fast schon beängstigend ist. Kein Mozart für den behaglichen Feierabend, eher einer, der den Hörer immer wieder aus dem Sessel emporreißt."



    Lucia di Lammermoor


    Zitat: C. Höslinger in KLASSIK heute 2 / 99: "Es kommt ein Klang von höchster Transparenz und Prägnanz zustande, der Donizettis Melodien wie in neuem Licht erscheinen läßt. Im Vokalensemble stehen zwei Leistungen an vorderster Stelle: der Tenor Bruce Ford gestaltet die Rolle des Edgardo mit Feingefühl, Eleganz und stimmlicher Geschmeidigkeit. Auch Anthony Michaels-Moore als Enrico kann mit voluminöser Bartitonstimme und dramatischem Vortrag fesseln."



    Händel: Feuerwerksmusik (Testament)


    Penguin Guide Rosette



    Du siehst Agon, es gibt noch mehr Freunde der von mir genannten Mackerras-Aufnahmen! :boese2:



    Es ist einfach nur peinlich wie du dich hier wieder aufführst. Damit ehrst du den Toten nicht!


    LT

  • Ach, Liebestraum, lass mal die Luft raus und blas Dich hier nicht so auf...


    Und komm vor allen Dingen nicht mit haltlosen und unverschämten Unterstellungen nach dem Motto ich würde den Toten nicht ehren.


    Das einzige, was hier peinlich ist, sind Deine permanenten Massen-Cover-Postings, die an Blödheit wirklich nicht mehr zu überbieten sind.


    Es ist ausserdem sehr schön, dass Du hier massenweise Pressezitate hervorbringst, die von namhaften Kritikern, aber NICHT von Dir verfasst wurden. Insofern ist das hier völlig am Thema des Threads vor bei, der da heisst "Meine liebsten Aufnahmen" und nicht "Die liebsten Aufnahmen von Kritikern". Kapito?



    Herzlichst,
    Agon

  • Es sind meine liebsten Aufnahmen, sonst hätte ich sie hier nicht eingestellt. Ich habe absichtlich Kritiker genommen (das habe ich hier auch noch nicht gemacht), um die hier verächtlich von dir herabgesetzten z.B. Mozart-Opern-Einspielungen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen - und du mir nicht einseitige Betrachtungsweise unterschiebst.


    Kurz um: Ich wollte dir nur beweisen, dass nicht nur ich diese Aufnahmen liebe, sondern eben auch renommierte Kritiker.



    LT

  • Den hier anvisierten 85. Geburtstag wird Sir Charles nicht mehr erleben, ich entnehme der WAZ vom 16.Juli, dass er (dann wohl am 14. oder 15.) gestorben ist. Er wird für mich immer der bewunderte Experte für meinen Lieblingskomponisten, Leos Janacek, bleiben, und ich werde zu seinem Angedenken noch einmal alle seine Janacek - Operneinspielungen auflegen.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Mit großer Freude sehe ich, dass die Zeitschrift Gramophone (.co.uk) ihren Jahresaward 2010 in der Kategorie orchestral - quasi posthum und in Anerkennung der tragischen Lücke, die Sir Charles' Versterben in der musikalischen Landschaft am 14. Juli 2010 hinterlassen hat - der unter seinem Dirigat mit der Tschechischen Philharmonie bei Supraphon entstandenen (nicht durchweg Neu-)Einspielung von Dvoraks Symphonischen Dichtungen opp. 107-110 Wassermann, Mittagshexe, Das Goldene Spinnrad, Waldtaube hat zukommen lassen:

    Für mich - vor Harnoncourts und neben Kubeliks - die liebste Aufnahme dieser wundersamen Charakterstücke.

  • Meine Lieblingsaufnahmen mit Sir Charles Mackerras sind diese:




    Auch wenn manche die Mozartsche Version des Messias nicht mögen und in deutscher Sprache gleich gar nicht, gefällt sie mir doch sehr gut und habe ich auch mit ihr das Werk selber geübt. Und die Mozart-Klavierkonzerte sind, auch dank Brendel, sowieso über jeden Zweifel erhaben.


    Liebe Grüße


    Willi :D

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich glaube, in diesem Thread hatte ich mal in der 'verlorenen Zeit' gepostet.


    Nun, viel hat sich nicht geändert, es sind eher noch Aufnahmen bei mir hinzugekommen.


    Zu meinen Favoriten gehört Mackerras' Mozart: Die Symphonien sind zwar nicht HIP, aber mit einer solch überzeugenden Spielfreude dargeboten, dass man kaum anders kann als sich mitreissen zu lassen.


    Auch die Opern sind mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet; die Sängerinnen und Sänger haben spürbar Spaß am Stoff und Freude am Spielen, und Mackerras kleidet diese Freude in feine Orchestertöne:


    Eine weitere Aufnahme, die ich aus meinem Schrank nicht mehr missen möchte: In der vorliegenden Zusammenstellung hat mich vor allem die Sinfonietta mitgerissen:


    Und zuletzt noch eine Entdeckung aus jüngerer Zeit:


    Ich bedaure sehr, dass ich Mackerras erst kurz vor seinem Tod für mich entdeckt habe, vielleicht hätte sich sonst mal die Chance geboten, den Mann live zu erleben. So bleiben mir nur seine Aufnahmen..

  • Mittlerweile zählen auch die beiden Beethovenzyklen mit dem Sccottish Chamber Orchestra und dem Liverpool Philharmonic Orchestra zu meinen Lieblingsaufnahmen dieses großen Dirigenten.


    Viele Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo William B.A.,


    Du hast an verschiedenen Stellen lesenswerte und inhaltsreiche Anmerkungen zu den beiden beethoven-Aufnahmen von Charles Mackerras gepostet. Wenn ich Dich nun fragen würde, welche dieser beiden Einspielungen empfehlen würdest, wäre Deine Antwort vielleicht: Beide! :yes:


    Meine Bitte ist, könntest Du vielleicht hier in diesem Thread mit ein paar Hinweisen beide Einspielungen noch einmal zusammenfassend charakterisieren in dem, was sie von einander unterscheidet? Obwohl ich im Bereich Beethoven ganz gut ausgestattet bin, würde mich doch der Erwerb einer dieser beiden Boxen interessieren.


    Freundliche Grüße, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Meine Lieblingseinspielung der Serenaden von Brahms wurde bis jetzt noch nicht genannt.


    Die höre ich am liebsten in dieser Aufnahme:



    Da stimmt alles – da kommen die Bläserstimmen wunderbar zur Geltung …
    auch wenn es mal ein bißerl scheppert und kracht … :D
    eine TOP-Interpretation. Kann man nur empfehlen.

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)