Bizet: Les Pêcheurs de Perles - Venedig 2004

  • REZENSION OPER DVD



    Bizet: Les Pêcheurs de Perles


    Oper in drei Akten


    Libretto von Eugène Cormon und Michel Carré


    Aufzeichnung aus dem Teatro La Venice di Venezia im Jahr 2004


    Inszenierung: dem Operninhalt angepasst, keine Verfremdungen
    Bühnen-Sets: phantasievoll, indisch angehaucht
    Spielfläche: durchgebogene Plattform
    Kostüme: pseudo-regional
    Ballett zu Beginn des ersten Aktes zeitgleich mit dem Einleitungschor
    Beilage: deutsche Einführung, kein Libretto (wie üblich) Inhaltsangabe: ausführlich


    Generelle Beurteilung: SEHR GUT


    Dauer etwa 120 Minuten


    Ausführende:


    Léila - eine Tempelpriesterin (Sopran): Annick Massis
    Nadir – ein Jäger (Tenor): Yasu Nakajima
    Zurga – Anführer der Perlenfischer (Bariton): Luca Grassi
    Nourabad – Priester und Gemeindeältester (Bass): Luigi de Donato



    Chor und Orchester des Teatro La Fenice,
    Chormeister: Piero Monti
    Dirigent: Marcello Viotti
    Künstlerischer Direktor: Sergio Segalini
    Bühnenbild und Kostüme: Pierre Luigi Pizzi
    Beleuchtung: Sergio Rossi
    Choreographie: Gheorghe Iancu
    Videodirektor; Tizeano Mancini


    Sequenzen:


    1
    Sur la grève en feu ... (Einleitungschor)
    Oui, Nadir, votre ami d'autrefois – Ja, Nadir, dein Freund von damals (Nadir-Zurga)
    Sois la bienvenue – Sei willkommen hier (Chor)
    A cet voix quel trouble – Welche Stimme, die mich beunruhigt (Nadir)
    Dans le ciel sans voiles – An dem Himmel ohne Schleier (Léila)


    2
    Me voilà seule dans la nuit – Nun steh' ich einsam in der Nacht (Rezitativ und Kavantine der Léila)
    De mon amie, Fleur endormie – Gleich einer Blume ist meine Geliebte eingeschlafen (Nadir – Léila)
    Quelle voix nous appelle? – Welche Stimme ruft uns? (Chor der Fischer)


    3
    O Nadir, tendre ami de mon jeune âge – O Nadir, lieber Freund seit Jugendtagen (Arie des Zurga)
    Qu'ai-je vu? Oh! ciel, quel trouble! – Was sehe ich? O Himmel (Duett Zurga-Léila)
    Ah! Je vais mourir – Ah, ich werde sterben (Duett Léila-Nadir
    O lumière sainte – O heiliges Licht (Terzett), nachkomponiert von Benjamin Godart)



    EINFÜHRUNG UND BEURTEILUNG


    Georges Bizet starb schon mit 37 Jahren. Von Depressionen gesteuert, hat er einige seiner Opernentwürfe vernichtet. Die Orchesterpartitur zu 'Les Pêcheurs de Perles' ist verloren gegangen. Das prachtvolle Klanggebilde, welches der Opernbesucher zu hören bekommt, haben kundige Musikwissenschaftler nach dem Klavierauszug orchestriert. Bizet war ein glänzender Schüler am Conservatoire, holte sich dem Rompreis und war – von Berlioz gelobt – ein großartiger Pianist.


    Nach einigen Versuchen mit italienischen Sujets waren 'Die Perlenfischer' sein erster großer Wurf, erregte aber zu Lebzeiten des Komponisten - wie alle anderen Werke auch - keine besondere Aufmerksamkeit. War es die Verzweiflung an sich selbst die seinen frühen Tod verursachte? Die Premiere seiner Carmen hat er noch erlebt, aber nicht mehr ihren grandiosen Siegeszug. In heutiger Zeit stellen manche Musikfans 'Les Pêcheurs de Perles' noch über seine 'Carmen'.


    Sobald der Vorhang sich öffnet und vor einer malerischen Kulisse der wuchtige Einleitungschor unter grandiosen Orchesterklängen auf den Besucher einprasselt, fliegen die Herzen himmelwärts. Zu viele Attribute gleichzeitig fesseln des Zuhörers Aufmerksamkeit: Ist es die überschwängliche Pracht der Musik, sind es die hinreißenden Fischerchöre, ist es das Ballett, welches anmutig und akrobatisch der sorgsam einstudierten Choreographie folgt oder ist es der originelle Phallustempel, der sich im Hintergrund der Bühne hochschraubt? Der Auftakt, den das Teatro La Fenice sich ausgedacht hat, übertrifft alle Erwartungen. Der große Atem, der von der Bühne in den Zuschauerraum weht, wird vom Orchester und von den Solisten bis zum Schluss der Vorstellung durchgehalten.


    Annick Massis befindet sich stimmlich in Höchstform – die Léila scheint ihre bevorzuge Partie zu sein. Mühelos gelingt es ihr, ihren leidenschaftlichen Ausbrüchen gestalterische Formen zu geben und ihre Koloraturen perlen in die schwarze Nacht und werden vom Chor untermalt. Ihr zur Seite steht der junge Jäger, dargestellt von Yasu Nakajima, dessen lyrischer Tenor sich dem Schmelz seiner Partnerin wundervoll anpasst. Die Gestaltung ihrer gefühlsbetonten Zweigesänge rühren den Besucher unmittelbar an. Beiden als Kontrast gegenübergestellt, ist der machtvolle Bariton von Luca Grassi, der in seiner Arie „Tendre ami de mon jeune âge“ seine Darstellungskunst voll zur Geltung bringen kann. Der Nourabad von Luigi de Donato hat es ein bisschen schwer, sich in den Vordergrund zu spielen, denn der Komponist hat ihn nicht besonders bedacht und der Regisseur lässt offen, ob er nun die Funktionen eines Priesters oder eines Gemeideältesten ausübt. Es sind vor allem die grandiosen Chöre, die dem Musikhörer noch im Ohr klingen, wenn er seine DVD schon in sein Regel zurückgestellt hat.


    Als DVD ist die Einspielung von DYNAMIC zur Zeit noch ohne Alternative. Sie bereitet optimalen Genuss und kann guten Gewissens uneingeschränkt empfohlen werden.



    © Engelbert - 2010 Tamino Klassikforum Wien

  • Vielen Dank für den DVD Tipp. Gestern habe ich mir diese DVD gekauft und mir sie geraade angeschaut. Deiner Kritik kann ich mich nur anschließen. Diese DVD ist wie man es so schön sagt ein must have. Vielleicht kann mir jemand meine Frage beantworten was das für eine Fassung war, denn ich kenne das Freunschaftsduett im ersten Akt anders. ICh meine gehört zu haben das es von den Perlenfischern unterschiedliche Fassungen gibt.

  • @ Rodolfo39


    Der DVD-Einspielung aus Venedig liegt die 'Original-Version von 1863' zugrunde, die eigentlich immer genommen wird.


    Du findest sie bei den Dirigenten: Dervaux, Prêtre und Plasson (alle bei EMI) ebenfalls.


    Abweichungen ergäben sich sonst in der Ausgestaltung des Finales.


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert