Verdi: Messa da Requiem

  • Hallo,


    als Verdi 1874 sein "Requiem" in Mailand uraufführte, warf man ihm vor, es sei eine "Oper im Kirchengewande" (Hans von Bülow). Doch schon bald erkannte man den Wert dieses wohl bedeutendsten geistlichen Werkes aus dem Italien des 19. Jahrhunderts.


    Besonders ans Herz zu legen ist die mittlerweile 51 Jahre alte Deutsche Grammophon-Aufnahme von Ferenc Fricsay.



    Komponist: Giuseppe Verdi
    Dirigent: Ferenc Fricsay
    Sopran: Maria Stader
    Mezzosopran: Marjana Radev
    Tenor: Helmut Krebs
    Baß: Kim Borg
    Chor: Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin
    Orchester: RIAS-Kammerchor · RIAS-Sinfonieorchester Berlin

    1954 Deutsche Grammophon

    Was meint ihr zum Requiem allgemein und zur Fricsay-Aufnahme im Speziellen? Ist sie immer noch die Referenz-Aufnahme - oder war sie das ohnehin nie?


    Link mit Hörbeispielen.


    Gruß
    Felipe

  • Hallo!


    Wenn ich an das Verdi-Requiem denke, dann denke ich sofort an das Eröffnungskonzert der Rheingau-Musikfestspiele vor ein paar Jahren in der Klosterkirche Eberbach.
    Eines der beeindruckendsten Konzerte meines Lebens! Dieses "Dies Irae" und "Tuba Mirum" an diesem Ort und so hervorragend aufgeführt!
    Verdis Requiem schätze ich spätestens seitdem sehr, auch wenn für mich Mozarts Requiem das beste bleibt.
    Etwas Sekuläres haftet dem Werk schon an, aber insgesamt ist es auch als religiöse Komposition überzeugend.
    Ich habe die Einspielung mit Sweet, Quivar, Cole, Estes, Ernst-Senff-Chor, Berliner Philharmoniker, Giulini. Immerhin der selbe Chor wie damals in Eberbach (das war mit dem RSO Frankfurt, Wolff). Aber ich weiß, daß es besser geht!


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Auch ich mag Fricsay Einspielung noch gerne hören, ist ja auch erfreulich, daß er es geschaft hat, das Werk auf eine CD zu bekommen (unbeabsichtigt freilich) ohne daß es gekürzt ist oder gehetzt wirkt.



    Karajans ältere Aufnahme habe ich zufällig vor ein paar Wochen aufs neue wieder sehr lieb gewonnen. Freni + Ludwig sind einfach hinreissend! (das gekoppelte Te Deum von Bruckner ist auch gut)


    Giulinis ältere Aufnahme gilt ja bei vielen als die beste Einspielung...
    Sie ist natürlich wunderbar, aber mit Schwarzkopf hab ich gelegentlich Probleme.


    Nun, und an Gardiner führt bei mir natürlich auch kein Weg vorbei. Nicht, weils da etwa am besten "knallen" würde, sondern weil sie eben gut und homogen gelungen ist, phantastischer Chor natürlich auch.

    Bin auf Harnoncourts angekündigte Einspielung gespannt.



    Dass Verdis Requiem zu opernhaft sei, meine ich nicht, mit "opernhaften Elementen", so sie zu konstatieren wären, habe ich kein Problem. Ich finde, daß es Verdi gelungen ist ein aufrichtiges Stück Trauerarbeit zu schaffen, ja sogar Trost zu spenden. Alles nicht selbstverständlich für einen Komponisten, der ein "gespaltenes Verhältnis" zur Kirche hatte und nicht religiös war.

  • Oha, das ist ja der Thread...


    Salut,


    phänomenale Einspielung von 1980 [die CD kam 1986 auf den Markt - ADD]:



    Katia Ricciarelli • Shirley Verrett
    Placido Domingo • Nicolai Ghiaurov


    Coro e Orchestra del Teatro alla Scala


    CLAUDIO ABBADO


    Noch weitaus phänomanaler [1968]:



    Joan Sutherland • Marilyn Horne
    Luciano Pavarotti • Martti Talvela [!!]


    Chor der Wiener Staatsoper • Wiener Philharmoniker


    [Noch nicht Sir] GEORG SOLTI


    [Das Cover der originalen Schallplatten DECCA Edition "Grand prix du disque" ist sehr viel schöner gewesen]


    Und zum Abschluss:



    Elisabeth Schwarzkopf • Oralia Dominguez
    Giuseppe di Stefano • Cesare Diepi


    Coro e Orchestra del Teatro alla Scala


    VICTOR DE SABATA


    [Auch hier war das Cover der COLUMBIA Musikplatten weitaus ansprechender...]

  • Ich kann der Auswahl hier nur aus ganzem Herzen zustimmen, mit zwei Relativierungen.


    Meine uneingeschränkten Lieblingsaufnahmen sind die Fricsay- und die Guilini-Aufnahme. Seitdem ich die Fricsay-Aufnahme kenne, bin ich Verehrer von Maria Stader (man höre etwa auch das Brahms-Requiem mit ihr und Lehmann als Dirigent). Und natürlich Elisabeth Schwarzkopf mit Sabata (nicht zu toppen das Libera me).


    Die Gardiner-Aufnahme war für mich enttäuschend, um so mehr als ich im Konzert eine sehr gute Aufführung mit ihm erlebt hatte. Die Solti-Aufnahme habe ich auch, aber steht für mich gegenüber Fricsay und Guilini in der zweiten Reihe.


    Mit bestem Gruß


    Matthias

  • Hallo Matthias


    hm, ja, dass Du von der Gardiner-Aufnahme enttäuscht bist, kann ich ein Stück weit verstehen. Mir missfällt der schmierige, opernhafte, tremolierende Kyrie-Einsatz des Tenors Canonici, das hätte ich in einer Gardineraufnahme nicht erwartet, aber auch wenn die Solisten nicht allererste Qualität sind, so bleibt diese Aufnahme doch eine meiner allerliebsten....


    Grüsse, Markus

  • Sagitt meint:


    Ich differenziere zwischen Aspekten des Chores, der Solisten und des Orchesters. Der Chor zB bei Sabata ist ziemlich grauslig, aber dafür, Matthias Stauch schrieb es schon, eine unglaublich intensive Elisabeth Schwarzkopf. Der Monteverdi Choir ist als Chor, wie immer, großartig (was kann der eigentlich nicht singen?), aber die Leidenschaft bleibt auf der Strecke.
    Von den Solisten her gab es eine sehr gute (mW inzwischen auf DVD) Aufnahme von Karajan, mit Leontyne Price, dem jungen Pavarotti (wenig beleibt und ohne Bart) und Ghiaurov aus dem Jahre 1967. Natürlich braucht das dies irae einen großen mächtigen Chor, aber andere Stücke verlangen auch große Flexibilität. In den Aufnahmen von Karajan ( DG 1974), Guilini und Solti ist diese Voraussetzung gegeben.


    Ich hätte keine anderen Favoriten als die im thread schon genannten, würde wegen des Stücks aber die technisch beste immer vorziehen, dies irae in mono ist nicht so überzeugend.

  • Hallo,


    als eine neuzeitliche Einspielung ist auch diese CD nicht zu verachten, zwar großer voluminöser Chor, als Gegenpart dazu der Monteverdi-Choir unter Gardiner, aber diese CD erinnert mich wieder an die Jahre eines Karl Richters mit dem Münchener Bachchor und schlägt sich gegenüber den gennanten CDs recht achtbar.



    Eine weitere Einspielung unter der Leitung von Abbado und den Berliner Philharmonikern als DVD, sowie als Mitschnitt zum 100. Todesjahres von G.Verdi in 2001 veröffentlicht kann ebenfalls als gut gelungen beantwortet werden. Gesanglich überzeugt der Schwedische Radio Chor, mit dem Abbado auch das Requiem von Mozart auf DVD veröffentlicht hat.


    Angela Gheorghiu - soprano
    Daniela Barcellona - mezzo-soprano
    Roberto Alagna - tenor
    Julian Konstantinov - bass


    Swedish Radio Chorus
    Eric Ericson Chamber Choir
    Orfeón Donostiarra
    Berliner Philharmoniker


    Bildformat: 16:9; Länge: 89 min; Produktionsjahr: 2001


    Grüsse
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Zitat

    Original von sagitt
    Ich hätte keine anderen Favoriten als die im thread schon genannten, würde wegen des Stücks aber die technisch beste immer vorziehen, dies irae in mono ist nicht so überzeugend.


    Als ich finde, daß Fricsays Mono-"Dies irae" besser klingt als viele Stereo-Aufnahmen... So bombastisch.

  • Sagitt meint:


    Ich sah das Konzert mit Abbado damals im Fernsehen, war über seine Krankheit nicht informiert und demenstprechend erschrocken, als ich ihn, davon deutlich gezeichnet, am Pult sah, zugleich aber auch begeistert. mit welchem Feuer er an der Werk heranging, wie sehr ihm die Musiker folgten, als wenn alle es Geschenk ansehen würden, mit Abbado nochmals zu musizieren. Die Solisten sind in anderen Produktionen sicher besser, aber der Gesamteindruck dieser Aufführung ist sehr empfehlenswert.

  • Mehr als eine Alternative ist diese Aufnahme:



    Wenn man sich an die zu Beginn sehr irritierend langsamen Tempi gewöhnt hat (Reiner dirigiert das beginnende "Requiem" drei Minuten, das "Dies irae" fast vier Minuten langsamer als Solti und braucht für das gesamte Werk ca. 15 Minuten länger als Solti, der das Requiem in ca. 82 Minuten durchspielt), der findet mit Leontyne Price, Rosalind Elias, Jussi Björling und Giorgio Tozzi ein ungemein homogenes und stimmlich sehr beeindruckendes Sängerquartett.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Sagitt meint:


    Natürlich macht er es - wieder - anders. So durchhörbar habe ich noch kein Requiem gehört, Harnoncourt wird zu einem Meister der leisen Töne. Sowohl Orchester als auch Chor schwelgen förmlich im Piano. Das Forte ist hingegen nicht so bedrohlich wie in anderen Aufnahmen.
    Hauptproblem sind die - ordentlichen - Solisten- ordentlich, aber keineswegs mitreißend. Keiner vermag mich wirklich zu berühren. Frau Mei kann mir keinen Schrecken einjagen wie die Schwarzkopf, Schade ist einfach kein Pavarotti oder Wunderlich. Auch Bernarda Fink und der mir nicht bekannte Bass sind keine wirklichen "Bringer". Ich höre lieber die Ludwig oder den Ghiaurov. Leider. Sonst wäre diese Aufnahme schon was ganz Besonderes, so ist sie überwiegend "anders".

  • Hallo Christian,


    für sehr viele, die die alte Giulini-Aufnahme kennen, ist seine späte Einspielung von 1989 recht enttäuschend.
    Giulini ist merklich langsamer und läßt ibs. im Dies irae jegliches Feuer vermissen.
    Schwach sind imo die männlichen Gesangssolisten: Zu wenig attraktives Timbre zu wenig Wohlklang, und bei Estes stören mich immer wieder seine Vokalverfärbungen und sein "kehliges Singen".

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Wiedermal so ein Zufallskauf:




    In dieser Messe findet sich die Keimzelle zu Verdis Requiem. Er selbst hatte die Idee, die Messe für Rossini als Gemeinschaftskomposition zu erstellen. Verdi lud die, wie es heißt, 12 bedeutendsten italienischen Komponisten dieser Zeit dazu ein. Ich muß zugeben, keinen der zwölf Namen bisher gehört zu haben. Sie hießen Antonio Buzzolla, Antonio Bazzini, Carlo Pedrotti, Antonio Cagnoni, Federico Ricci, Alessandro Nini, Raimondo Boucheron, Carlo Coccia, Gaetano Gaspari, Pietro Platania, Lauro Rossi und Teodulo Mabellini. Jeder bekam einen Teil, Verdi selbst den letzten, das Libera Me. Dieses Requiem kam aus irgendwelchen Streitereien aber nie zur Aufführung.


    Verdi schrieb 1871 auf eine Anfrage nach dem Fragment: Ihre Worte hätten in mir beinahe das Verlangen geweckt, später einmal die Messe zu vervollständigen, um so mehr, als ich im Grunde ja das Requiem und das Dies irae, die beide im Libera wiederkehren, bereits komponiert habe und nur noch ausarbeiten müsste. [...] Aber seien Sie beruhigt: Das ist eine Versuchung, die vorübergehen wird wie so viele andere.


    Als 1873 der Schriftsteller Alessandro Manzoni starb, den Verdi sehr schätzte und bewunderte, griff er das Fragment wieder auf, das Grundgerüst war ja schon vorhanden, und komplettierte es zu einer vollständigen Totenmesse.


    Auf dieser CD ist die ursprüngliche Form des Libera me enthalten, wie es bei der Rossini-Messe hätte erklingen sollen. Es ist sehr spannend, dieses mit der späteren Form zu vergleichen.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • In den achtziger Jahren hat Robert Shaw (war weiland immerhin Co-Repetitor von Toscanini) mit dem Atlanta Symphony Orchestra and Chorus für TELARC so ziemlich alles eingespielt, was es an großen geistlichen Kompositionen gibt.
    Sein Verdi-Requiem gehört m.E. zu den besten Aufnahmen.


    Das Dies irae hat in typischer Telarc-Manier die durchschlagendste Große Trommel zu bieten, die ich kenne. Die Ferntrompetenstelle mit dem anschließenden Tuba mirum ist einfach gigantisch! Shaw lässt es richtig krachen, wo die Musik es verträgt oder sogar fordert - ohne dabei die lyrischen Stellen totzuschießen.
    Auf einer guten Anlage fächert sich der bisweilen als kompakt empfundene Klang doch sehr gut auf.


    Die Solisten reißen nicht unbedingt vom Hocker. Alles in allem aber eine höchst repektable Einspielung.

  • CD Neuerwerbung:
    Giuseppe Verdi
    Messa da Requiem
    Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt
    Arnold Schönberg Chor
    Eva Mei
    Bernarda Fink
    Michael Schade
    Ildebrando D'Arcangelo


    Wie alles mit Harnoncourt: perfekt ;-)


    Aus meinem "Archiv" ausgegraben eine Schallplatte (Live Mitschnitt 1987)
    Orchestra e Coro del Teatro alla Scala di Milano
    Riccardo Muti
    Cheryl Studer
    Dolora Zajic
    Luciano Pavarotti
    Samuel Ramey


    Die muss ich mir aber erst wieder anhören, hab sie all die Jahre aus den Ohren verloren - falls unser Plattenspieler noch funktioniert....


    Austria

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • Hallo,


    verwundert habe ich festgestellt, daß dieses große Werk noch keinen eigenen Thread hat. Deshalb hier zunächst kurz die Entstehungsgeschichte:
    Ursprünglich wollte Verdi nach Rossinis Tod 1868 mit 13 anderen Komponisten ein gemeinsames Requiem schaffen, mit einem von ihm verfaßten Schlußteil "Libera me". Doch gemäß dem Sprichwort mit den vielen Köchen kam die Aufführung des fertig komponierten Werkes nie zustande.
    Knapp 5 Jahre später komponierte Verdi dann eine komplette Totenmesse anlässlich des Todes und als Ausdruck seiner persönlichen Verehrung des großen Dichters Alessandro Manzoni. Am 22.Mai 1874, dem 1.Todestag des Dichters erklang die Uraufführung der Messa da Requiem in der San Marco Kirche zu Mailand. Wenig später wurde das Werk dann in der Mailänder Scala aufgeführt, weitere Aufführungen in Paris, London und Wien folgten, allesamt vom Maestro selbst dirigiert und von enormem Erfolg begleitet.


    Beitrag an bestehenden Thread angehängt.
    Maik, MOD

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Zwei Aufnahmen die uns ausgesprochen zusagen sind die foldenden;



    Claudio Abbado mit den Berliner Philharmoniker


    Nikolaus Harnononcourt mit den Wiener Philharmonikern

    Claudio Abbado betont die strukturelle Seite und kann dabei auf das Spitzenorchester Berliner Philharmoniker vertrauen, während Nikolaus Harnononcourt mit den nicht ganz so perfekten Wiener Philharmonikern dem Klangfarbenreichtum auf der Spur ist. Harnoncourts textbetonter Ansatz eröffnet neue Perspektiven auf ein altbekanntes Meisterwerk.


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Hallo,
    nach meiner Meinung sind die größten Aufnahmen:
    Toscanini(Milanow,Castagna,Björling,Moscona,!940)
    Toscanini(Nelli,Barbieri,Di Stefano,Siepi,1951)
    Reiner(Price,Elias,Björling,Tozzi,(1959)


    Herbert Henn.

  • Meine Favoriten:
    Schwarzkopf-Dominguez-di Stefano-Siepi/de Sabata (1954)
    Stader-Dominguez-Carelli-Sardi/Fricsay (1960)
    Caniglia-Stignani-Gigli-Pinza/Serafi (1939)
    Nelli-Barbieri-di Stefano-Siepi/Toscanini (1951)
    Lorengar-Borris-Rouhonen-von Halem/Weisse (1981)


    Gruß Heldenbariton

  • Hallo,
    man muß doch offensichtlich davon ausgehen,daß dieses Requiem
    eine"Oper im Kirchengewand"ist.Nur ist das nichts negatives.
    Weil es musikalisch eine" Oper" ist,müssen hier auch Sänger
    eingesetzt werden,die mit der italienischen Oper vertraut sind.
    Da fallen schon mal zwei Solisten die bei Fricsay mitwirken aus.
    Der Dirigent ist zwar wichtig,aber mindestens genau so wichtig
    sind in diesem Werk die Solisten und der Chor.


    Gruß Herbert.

  • Zitat

    Original von Herbert Henn


    man muß doch offensichtlich davon ausgehen,daß dieses Requiem
    eine"Oper im Kirchengewand"ist.Nur ist das nichts negatives.
    Weil es musikalisch eine" Oper" ist,müssen hier auch Sänger
    eingesetzt werden,die mit der italienischen Oper vertraut sind.


    Also ich jedenfalls gehe ganz und gar nicht offensichtlich davon aus, daß Verdis Requiem "musikalisch eine Oper" ist! Wüsste auch nicht, wer so etwas noch ernsthaft behaupten würde.
    Ist Beethovens missa solemnis jetzt auch eine "Oper"? Oder gar Rossinis Kirchenmusik?

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Also ich jedenfalls gehe ganz und gar nicht offensichtlich davon aus, daß Verdis Requiem "musikalisch eine Oper" ist! Wüsste auch nicht, wer so etwas noch ernsthaft behaupten würde.
    Ist Beethovens missa solemnis jetzt auch eine "Oper"? Oder gar Rossinis Kirchenmusik?


    Glaube ich auch nicht. Sicher, Verdi ist primär Opernkomponist, das Requiem wurde auch nicht in einer Kiche uraufgeführt, und Verdi war Agnostiker. Nicht desto trotz ist Verdi´s Requiem eine zutiefst spirituelle Komposition. Hans von Bülow, von dem ja das Verdikt über das Requiem stammt, hat seine Meinung ja auch später korrigiert.
    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Hat nicht Johannes Brahms nach dem Artikel Bülows, aus dem das (IMO) törichte Verdikt "Oper im Kirchengewande" stammt, gemeint, Bülow habe sich auf immer und ewig lächerlich gemacht damit? Auch meiner Erinnerung nach hat sich Bülow später über das "Requiem" ganz anders geäussert und seine vorherige Aussage (die auch noch vom Vortage der Uraufführung stammt, da konnte Bülow das Werk wohl noch gar nicht gehört haben) auch Verdi gegenüber revidiert.


    Gerade finde ich zufällig dieses Zitat Verdis an seinen Verleger Ricordi:


    "Sie verstehen gewiss besser als ich, dass diese Messe nicht wie eine Oper gesungen werden darf und dass also die Phrasierungen und Dynamik, wie sie auf dem Theater angebracht sind, mir hier nicht - aber auch schon gar nicht! - zusagen. Das gleiche gilt für die Akzentsetzung usw."


    Ob Fricsay mit seinem Ansatz und seiner Besetzung also wirklich so daneben liegt, wie hier angedeutet: Ich will es bezweifeln.


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo,
    man höre sich die beiden Aufnahmen Toscaninis an,der noch
    mit Verdi in Kontakt stand und dann beurteile man,ob dies
    eine Musik ist,wie die Missa solemnis,oder Brahms' Requiem?
    Alle Mitwirkenden sind berühmte Opernsänger.
    Das trifft auch auf Fritz Reiners,oder Tullio Serafins Aufnahme zu.Das heißt für
    mich: Dies ist kein Oratorium im üblichen Sinn,was
    weder positiv noch negativ ist.Es ist eben so.
    Ich sehe einfach nicht ein,warum eine" Oper im Kirchengewand"
    etwas minderwertiges sein soll.Wie wäre es denn mit:
    Requiem im Operngewand?



    :hello:Herbert.

  • Hallo, Ihr Lieben,


    gestern habe ich im Schallplattenlädchen in Wiesbaden das Verdi Requiem unter Serafin gekauft. Die 'alte' Aufnahme von ihm mit Gigli hatte ich schon. Diese ist für mich neu. Die Interpreten: Shakeh Vartenisiian (S), F. Cossotte (MS), E. Fernandi (T), B. Christoff (B), Chor und Orchester des Operhauses Rom. Die Aufnahme ist -so weit ich recherchieren konnte- von 1959.
    Ich habe mal ein bißchen reingehört. Es ist immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich das Werk seitens der Tempi angegangen wird. Am Anfang geht Serafin recht flott ran, dann kommen wieder Passagen, wo er doch recht stark das Tempo rausnimmt.
    Die Interpreten sind nicht so homogen wie die - aus meiner Sicht - Spitzenaufnahmen: Fritz Reiner (mit meinem Lieblingstenor J. Björling) und der Guilini-Aufnahme mit Gedda und Co. Wenn man vom Klangbild mal absieht (das fällt mir bei diesem Werk recht schwer), so ist die Toscanini-Aufnahme von 1941 (ebenfalls mit Björling) für mich die werkgetreueste (halt keine Opern-Nähe). Von den neueren Aufnahmen will ich nur mal die Aufnahme von Gardiner rausnehmen. Technisch ist die Aufnahme brilliant. Der Chor singt besser als die anderen (technisch gesehen), aber die Musik (Emotionen) bleiben für mich 'auf der Strecke'. Gesangstechnik: Canonici Oper-riert mir bei seinem Ingemisco-Einsatz etwas zu sehr.
    Fazit: das Verdi-Requiem ist und bleibt für mich eines der Werke, das mich emotional am meisten 'packt'. Und die Interpretationsunterschiede lohnt es sich zu vergleichen. Übrigends: die Aufnahme von Fricsay spricht mich auch sehr an. Hier gefällt mir besonders der Sopran von Maria Stader. Ihr Solopart ist einsame Spitze....der glockenreine Sopran...


    Gruß
    Kalll (Klaus)