Die berühmte Stimme: Ludwig Baumann

  • Liebe Taminofreunde!


    Ludwig Baumann wurde 1950 in Rosenheim geboren. Er studierte in München am Richard-Strauss-Konservatorium. Einer seiner späteren Lehrer war kein geringerer als der berühmte Gesangspädagoge Josef Metternich. Nach seinem Abschluß hatte er feste Engagements in Los Angeles und Rom, sowie an der Bayrischen Staatsoper in München, in Düsseldorf, in Coburg, am Gärtnerplatztheater München und in Köln. Baumann gastierte auf allen großen Opernbühnen der Welt, an der Deutschen Oper Berlin, an der Semperoper in Dresden, an der Pariser Oper und bei zahlreichen Festivals. Seine Rollen waren vielseitig. Seine Lieblingsrolle war der Papageno, den er über 300 mal sang.


    1994 stoppte ein tragischer Bühnenunfall die Opernkarriere Baumanns. Er stürzte in der Dresdner Semperoper und leidet seitdem unter chronischen Rückenschmerzen. Daher zog er sich auf das Gut Immling im Chiemgau zurück. Dorthin überführte er seine Tiere vom elterlichen Bauernhof . Inzwischen leben dort über 100 Pferde sowie Esel, Ziegen, Schafe, Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen und Hängebauchschweine.


    Von Gut Immling aus rief er das "Internationale Musikfestival im Chiemgau Gut Immling" ins Leben, das seither jährlich stattfindet und Opernfreunde aus aller Welt zum Chiemsee lockt.


    Das er auch ein guter Liedsänger war beweisen seine Liedaufnahmen, von denen ich seine "Waldandacht, "Am Brunnen vor dem Tore" und "Ännchen von Tharau" als ganz hervorragend interpretiert betrachte.



    Gruß Wolfgang

  • Danke für diese threaderöffnung, lieber Wolfgang!


    Ich hatte als Teenager Gelegenheit, Ludwig Baumann am Landestheater Coburg zu erleben, und sein Masetto in der Spielzeit 1977/78 ist mir in lebhafter Erinnerung geblieben.


    Schade, dass es so wenige Aufnahmen mit diesem großartigen Bariton gibt. Umso mehr freue ich mich über die Waffenschmiedverfilmung mit dem Salzburger Marionettentheater, auf die Harald Kral hier schon hingewiesen hat.


    LG, Elisabeth

  • Danke, hochinteressante Informationen zu Ludwig Baumann, den ich als Sänger nicht kannte, dessen Initiativen um die die Chiemgau-Festspiele um so bemerkenswerter sind. Wieder zeigt es sich einmal was ein Hochmotivierter mit missionarischem Eifer und umsetzbarem Konzept erreichen kann.


    Herzlichst


    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Wolfgang,
    vielen Dank, dass Du meinen Vorschlag aufgegriffen hast und diesem sympathischen Sänger einen eigenen Thread widmest. Ich habe ihm zu seinem 60. Geburtstag vor 2 Tagen gratuliert und ihm diesen Thread bereits angekündigt!


    Schon als junger Mensch war er - von Hause aus - sängerisch vorbelastet, denn schon sein Vater und sein Großvater hatten prachtvolle Baßstimmen, die sie im örtlichen Rosenheimer Gesangsverein und bei vielen öffentlichen Anlässen zu Gehör brachten. So gelang ihm als blutjunger Anfänger bereits der Sprung vom Münchner Richard-Strauss-Konservatorium an das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und von dort 1972 direkt an die Düsseldorfer Rheinoper. Sein Förderer war der hiesige Generalintendant Prof. Grischa Barfuß, ein Freund aller Sänger, dem viele spätere Stars ihre Karriere verdanken. Er erkannte als erster, dass der junge Bassist, der hier viele Comprimarii-Rollen zu singen bekam, eigentlich mit seiner mühelosen Höhe ein echter Bariton war.
    Ludwig Baumann befolgte den Rat von Grischa Barfuß und vollzog mit intensiven Gesangsstudien in den USA und in Italien den Fachwechsel zum lyrischen Bariton.


    Zur eigenen Freude und zu der des Düsseldorfer Publikums durfte er hier dann zum ersten Mal seine spätere Paraderolle, den Papageno in der Zauberflöte singen - eine Rolle, die er bis heute am häufigsten verkörpert hat.


    Auf dieser CD ist fast alles zu hören, was es an wichtigen Rollen für ihn gibt:



    Rossinis Barbier von Sevilla, der Escamillo aus Carmen, der Graf Eberbach aus dem Wildschütz, der Papageno, aber auch Lieder aus Operetten und Musicals. Mein persönlicher Anspieltipp auf der CD "Her die Hand, es muß ja sein..." - das Werberlied aus dem "Zigeunerbaron" von Johann Strauß jr.


    :jubel:


    Seine weitere Karriere folgt dann in einem späteren Beitrag.


    LG


    :hello:

  • Lieber Harald!


    Vielen Dank für den CD-Tip. Die kommt bei mir auf meiner Wunschliste gleich obenan. Ich werde, wenn nichts dazwichenkommt, Ludwig Baumanns Farm im Frühjahr mit meiner kleinen Tochter besuchen. Schade daß ich davon nicht früher wußte, denn im August war ich in der Nähe noch Freunde besuchen.



    Gruß Wolfgang

  • Ludwig Baumann, geb. 1950 in Rosenheim. Nach dem Gesangstudium in München am Richard-Strauss-Konservatorium, in Los Angeles und Rom hatte Ludwig Baumann feste Engagements an der Bayerischen Staatsoper München, in Düsseldorf, Coburg, am Gärtnerplatz-Theater München und in Koln. Er gastierte auf den großen Opernbühnen der Welt, u.A. an der Deutschen Oper Berlin unter Sinopoli, an der Semperoper in Dresden, an der Pariser Oper und bei zahlreichen Festivals, z. Bsp. Orange, Aix-en-Provence. Er sang alle großen Rollen seines Fachs, allen voran seine Lieblingsrolle, den Papageno in Mozarts "Zauberflöte".


    1994 stoppte ein tragischer Bühnenunfall diese Karriere: Ludwig Baumann stürzte in den Bühnengraben der Dresdner Semperoper und leidei seitdem unter chronischen Rückenschmerzen. Nach einem Jahr Rehabilitation zog er sich auf das gerade von ihm gepachtete Gut Immling im Chiemgau zurück. Nebenbei veranstaltete er Workshops und Konzerte in Rosenheim und rief schließlich in der gerade von ihm gebauten Reithalle 1997 das "Internationale Musikfestival im Chiemgau Gut Immling" ins Leben.


    Ich möchte hier an dieser Stelle an einen meiner Lieblingssänger erinnern, der leider seine internationale Karriere so früh beenden mußte. Unvergessen für mich seine Duette mit Rudolf Schock ""Da draußen im duftigen Garten" und mit Melanie Holliday "Geh´n wir ins Chambre separée". Auch herrlich gesungen sein "Ännchen von Tharau" und die "Waldandacht".


    Hier kann man seine Stimme hören:

  • Schön, daß wieder an Ludwig Baumann erinnert wird. Er gehörte in den 80-er Jahren zu meinen Fernsehlieblingen. Mit seiner kernigen, satten Stimme war sein Auftreten immer ein Genuß. Ich hatte ihn vermißt, da ich von seinem Bühnenunfall nichts wußte. Schade, er war mit seiner Karriere doch noch längst nicht am Ende. Es waren ja nicht unbedingt die großen Opern, in denen er im Fernsehen zu bewundern war, es waren oft volkstümliche Lieder. Bei "Erkennen Sie die Melodie" war er meines Erachtens auch mehrfach zu hören, da auch mit Opernarien.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Hallo,


    ich bin auch ein großer Bewunderer von Ludwig Baumann! Schade, daß man ihn in nur wenigen Gesamtaufnahmen hören kann. Seine Interpretation der "Letzten Rose" aus "Martha" von Flotow ist zum Dahinschmelzen schön!


    Gruß,
    Antalwin

  • Seine Interpretation der "Letzten Rose" aus "Martha" von Flotow ist zum Dahinschmelzen schön!


    Man höre hier: Ct9Ps4LumJw


    Allerdings hat das wenig mit Flotow zu tun; in "Martha" ist es die Sopranistin. Aber der Ursprung ist derselbe: "The Last Rose Of Summer" - ein irisches Volkslied.


    LG

  • Schade, daß man ihn in nur wenigen Gesamtaufnahmen hören kann.


    [timg]http://ecx.images-amazon.com/i…L500_AA300_.jpg;l;300;300[/timg]
    Eine der wenigen Gesamtaufnahmen von Opern ist diese "Boheme" in deutscher Sprache (die ich an anderer Stelle bereits mehrfach ausführlicher vorgestellt habe:


    Ludwig Baumann singt hier den Schaunard, neben Popp, Brendel, Araiza und Rootering, Dir. Soltesz.


    LG

  • Auf dieser DVD aus Neapel ist Ludwig Baumann als Wolfram von Eschenbach zu sehen und zu hören - in einer Inszenierung von Werner Herzog unter dem Dirigat von Gustav Kuhn:


    TANNHÄUSER
    Aufnahme: 9.1.1998, live, Napoli
    Dirigent: Gustav Kuhn
    Orchestra del Teatro San Carlo di Napoli
    Coro del Teatro San Carlo di Napoli
    Inszenierung: Werner Herzog
    Kommentar: Dresdener Fassung 1845


    Biterolf: Ivan Kosuelow
    Elisabeth: Gertrud Ottenthal
    Heinrich der Schreiber: Patrizio Sandelli
    Landgraf Hermann: Andrea Silvestrelli
    Reinmar von Zweter: Ezio Maria Tirsi
    Tannhäuser: Alan Woodrow
    Venus: Marijana Pentscheva
    Walther von der Vogelweide: Nikolov Bojidar
    Wolfram von Eschenbach: Ludwig Baumann


    LG


    :hello:

  • Allerdings hat das wenig mit Flotow zu tun; in "Martha" ist es die Sopranistin. Aber der Ursprung ist derselbe: "The Last Rose Of Summer" - ein irisches Volkslied.

    Habe gehört und gesehen, aber das Original aus Martha (Sopranistin) gefällt mir viel besser. Habe schon weitaus besseres von Baumann gehört. Zum Beispiel: O du mein holder Abendstern. "Mag der Himmel mir vergeben".


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Wie schön, tröstlich und ermutigend, wenn man lesen darf wie jemand sein Schicksal angenommen, gemeistert und dann in anderer Form Großes erreichte. Vorbildlich und nachahmenswert.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ludwig Baumann hat heute Geburtstag. Er wird 62.


    Er muß sich diesen Ehrentag allerdings mit einigen anderen Geburtstagskindern teilen, die alle mit tiefen Stimmen ausgestattet sind:
    Bryn Terfel, Piero Cappuccilli, Thomas Quasthoff, Nikita Storojew - alle an einem 9. November geboren.....


    LG


    :jubel:

  • Ludwig Baumann, wie Thomas Quasthoff und Bryn Terfel Bassbariton, hat ebenfalls heute einen runden Geburtstag.



    Er feiert heute seinen 65. Geburtstag.


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).