Viola - Bratsche - verhasst oder vergessen?

  • Unglaublich,aber wahr...
    viele Instrumente wurden im Forum noch nicht besprochen (wie u.a.Trompete/andere Blasinstrumente).
    Aber ein Streichinstrument,welches nicht minder wichtig ist als Violine oder Cello,fehlt! Die Bratsche!


    Ich bin eigentlich nur durch die Witze darauf gekommen (und habe nicht verstanden,wieso man die Bratscher immer niedermachte).


    Mögt ihr die Bratsche nicht?
    Oder kennt ihr zu wenig (Literatur/Stücke) von der Bratsche?


    Ein kleiner CD-Tip:


    A Bird Came Down The Walk


    Werke von verschiedenen Komponisten u.a. B.Britten,G.Enescu
    eingespielt von der japanischen Solistin Nobuko Imai, die nebenbei in der Musikhochschule Detmold als Dozentin tätig ist.


    Wer noch andere gute,empfehlenswerte CD Tips hat,postet einfach!

  • Salut,


    ganz und gar nicht... schön, dass der Thread nun da ist! Ich liebe die Bratsche - sogar mehr noch, als die Violine, da meines Empfindens nach ihr Ton weicher und wärmer ist und auch ihren Tonumfang finde ich ziemlich angenehm. Viele Komponisten der Wiener Klassik haben beispielsweise deswegen passagenweise zwei Bratschengruppen anstelle von zwei Violingruppen verwendet [Rosetti sehr oft, Mozart in der Zauberflöte/Priestermarsch, wenn ich mich nicht täusche].


    Natürlich gibt es auch Solokonzerte für die Bratsche, u.a. von Hoffmeister, Joh. Chr. Bach, Telemann, Bartók. Sicherlich gibt es noch einige zu entdecken. Carl Stamitz und Alfred Schnittke fand ich noch... und überhaupt scheinen Komponisten des 20. Jahrhunderts dieses Instrument solistisch der Violine vorgezogen zu haben. Mozart schrieb die berühmte Sinfonia Concertante Es-Dur für Violine und Viola. Hier lässt sich der Klangunterscheid ganz hervorragend heraushören. Und genau hier setzt der Bratscherwitz ein:


    Bereits Mozart notierte die Bratschenstimme in D-Dur mit der Anweisung, die Bratsche einen halben Ton höher zu stimmen, da sich auf der Bratsche D-Dur wesentlich leichter spielen lässt, als Es-Dur [nichtsdestotrotz ist die Concertante in beiden Soloparts sehr virtuos]. Die Bratsche galt gemeinhin als "schwerfällig", "unbequem" ob ihrer Größe. Zudem hatten die Tuttibratscher bis ins späte 18. Jahrhundert hinein im Orchester eine sehr weit untergeordnete Rolle und es gibt zahlreiche Werke, in denen überhaupt keine Bratsche verwendet wird [J. S. Schröter, einige der Klavierkonzerte]. Wurde sie verwendet, so spielte sie nur "einfache" Achtelbegleitungen. "Schlechte zweite Geiger" griffen oft zur Bratsche, was deren Image noch weiter in den Keller trieb. So blieb der fiese Bratschenwitz natürlich nicht aus...


    Zum Glück wurde die Bratsche Ende des 18. Jahrhunderts "entdeckt" und mehr solistisch behandelt. Passagen in Haydns, Mozarts, Beehovens oder gar Arriagas Streichquartetten sind keineswegs zu unterschätzen!


    Ein Bratscherwitz wäre jetzt wohl kaum angebracht...


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Wenn man alle Klangfacetten der Viola kennenlernen will sollte man sich unbedingt die Suiten (op.131d) von Max Reger zu Gemüte führen. Ich kann hier leider keine CD-Empfehlungen geben da ich "nur" die 1. dieser Suiten selbst gespielt habe und nie dazu kam mir endlich eine Aufnahme zu besorgen.


    Die Theorie hat Ulli eigentlich eh schon abgeklärt. Da brauch ich auch nix mehr hinzufügen. Ausser vielleicht das eines der wichtigsten und meistgespielten Konzerte für dieses Instrument vergessen wurde: William Walton (1928-29; 1961 überarbeitet)


    Und ich kann mich doch nicht zurückhalten:


    "What's the difference between a violin and a viola?


    There's none, the violinist only has the bigger head!" :D

  • Hallo TaminoanerInnen


    Fristet die Bratsche noch immer ein Mauerblümchen-Dasein?


    Seit dem 20. Jahrhundert gibt es nicht nur Bratschenwitze sondern vermehrt wurden auch Werke für das Streichinstrument Bratsche geschrieben. So haben zum Beispiel folgende bedeutende Komponisten der Gegenwart Werke für die Bratsche geschrieben, Wolfgang Rihm, György Ligeti, Alfred Schnittke oder auch Gija Kantscheli.
    Auf die Frage was das Besondere der Bratsche sei, antwortete die deutsche Bratschistin Tabea Zimmermann „Die C-Saite ist die tiefste Saite, mit ihr kommt das größere Volumen einer Viola im Vergleich zu einer Violine zum Tragen. Die Bratsche hat mehr Tiefe: Tiefere Töne, aber auch mehr Tiefe im Ausdruck.“


    Das Ansehen der Bratsche litt durch die Jahrhunderte. Es ist ja aber auch ein sperriges, störrisches Instrument, das man meistern muss. Für die Schnelligkeit wie auf einer Geige braucht man mehr Kraft im Detail, es darf aber selten nach Kraft klingen. Sie ist nun einmal größer, hat dickere Saiten, spricht bei zu wenig Druck schlechter an. Geht man mit einer Geigentechnik an die Bratsche heran, klingt es erst einmal träge.
    Bratschen waren zumeist auf diese unattraktive Mittelstimme im Satz festgelegt. Auch aus zeitgenössischen Quellen spricht die Abwertung der Bratsche; so sagt Johann Joachim Quantz:
    “Die Bratsche wird in der Musik mehrenteils für etwas geringes angesehen. Die Ursache mag wohl diese seyn, weil dieselbe öfters von solchen Personen gespielet wird, die entweder noch Anfänger in der Musik sind; oder die keine sonderliche Gabe haben, sich auf der Violine hervor zu thun; oder auch weil dieses Instrument seinem Spieler allzuwenig Vorteil bringt: weswegen geschikte Leute sich nicht gerne dazu brauchen las¬sen.


    Wer schrieb Werke für die Bratsche und wer sind die bedeudensten Bratschisten? :]


    Wir möchten gleich die oben erwähnte Tabea Zimmermann vorstellen.



    Bereits mit drei Jahren hielt Tabea Zimmermann, in Lahr geboren, das Instrument in der Hand, mit dem sie weltberühmt wurde. Im Alter von fünf Jahren erhielt sie Klavierunterricht. Sie studierte in Freiburg bei Ulrich Koch und in Salzburg bei Sandor Vegh. Schon während des Studiums wurde sie mit Preisen ausgezeichnet, darunter erste Preise beim Internationalen Concours in Genf 1982, 1984 in Budapest und beim Wettbewerb "Maurice Vieux" in Paris 1983. Dort erhielt sie als Preis eine Bratsche von Etienne Vatelot, auf der sie heute noch spielt.

    Heute ist sie eine der renommiertesten Bratschistinnen der Welt. Sie hat mit allen großen Dirigenten der Welt zusammengearbeitet. Sie spielte zahlreiche Ur- und Erstaufführungen, unter anderem von Ligeti, Rihm und Holliger. Seit Jahren widmet sie sich intensiv der Kammermusik und gründete mit drei anderen Ausnahmemusikern das Arcanto-Quartett.


    Tabea Zimmermann unterrichtete acht Jahre lang an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, bevor sie im Oktober 2002 eine Professur an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin annahm.


    Sie ist mit dem amerikanischen Dirigenten Steven Sloane, der seit 1994 als Generalmusikdirektor den Bochumer Symphonikern vorsteht, verheiratet.


    Viele Grüsse


    romeo&julia

  • Ein Instrument, das ich vor kurzem in einem Konzert kennenlernen durfte, ist das sehr kurzlebige Arpeggione, das meines Wissens nach auch nur von Franz Schubert eingesetzt wurde. Es handelt sich hierbei um ein 6 saitiges Zwitterwesen aus Cello und Bratsche.


    Was halten denn die Kenner von diesem Instrument?

  • Zitat von Napoleon:

    Zitat

    Zwitterwesen aus Cello und Bratsche


    Einspruch:


    Es wird wie ein Cello gehalten, also zwischen den Beinen, und auch mit einem Bogen gespielt (gleichzeitig kann man auch zupfen). Aber die Besaitung und die Stimmung sind so wie bei der Gitarre . Dazu hat es auch die Bünde von der Gitarre. Alternativnamen, die während der kurzen Lebenszeit dieses Instrumentes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts benutzt wurden, sind: Gitarrenvioloncello, Bogengitarre oder Guitarre d'amour.



    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Ich persönlich habe die Bratsche auch sehr gern, lieber als die Violine. Sie klingt einfach elegischer und interessanter.
    Dass sie oft ein wenig stiefmütterlich behandelt wird, dürfte auch mit dem Tonumfang zu tun haben: einige Komponisten neigen auch häufig dazu, den Alt zur reinen Begleitung zu degradieren. Die Bratsche ist eben auch so ein typisches Mittelstimmeninstrument.

  • Salut


    Ups! :O


    Wir haben keinen bereits existierenden Bratschen-Thread gefunden. Klassiklieberhaber hatte offenbar schon über dieses Thema geschrieben, sehr gut. Danke für die Zusammenführung.


    Nun doch noch ein Bratschenwitz;


    "In einem quadratischen Raum stehen in den vier Ecken der Osterhase, der Weihnachtsmann, ein langsamer und ein schneller Bratscher. In der Mitte des Raumes steht auf einem Tisch eine Torte. Plötzlich geht das Licht aus - wer bekommt die Torte? - Natürlich der langsame Bratscher, die anderen drei gibt es gar nicht!" :D



    Grüsse


    romeo&julia

  • ein sehr markantes bratschen-werk ist hector berlioz symphonie / symphonische dichtung
    'Harold en Italie'. paganini war der auftraggeber, weil er ein stück für seine stradivari-bratsche
    wollte. da es ihm nicht virtuos genug war, hat er es allerdings nicht aufgeführt, obwohl er
    das werk angeblich sehr schätzte.


    ich hab es unter meine 10 lieblings-symphonien eingereiht.


    faun

  • Zitat

    Original von Napoleon Dynamite
    Ein Instrument, das ich vor kurzem in einem Konzert kennenlernen durfte, ist das sehr kurzlebige Arpeggione, das meines Wissens nach auch nur von Franz Schubert eingesetzt wurde. Es handelt sich hierbei um ein 6 saitiges Zwitterwesen aus Cello und Bratsche.


    Was halten denn die Kenner von diesem Instrument?




    Zitat

    Original von salisburgensis
    Zitat von Napoleon:


    Einspruch:
    Es wird wie ein Cello gehalten, also zwischen den Beinen, und auch mit einem Bogen gespielt (gleichzeitig kann man auch zupfen). Aber die Besaitung und die Stimmung sind so wie bei der Gitarre . Dazu hat es auch die Bünde von der Gitarre. Alternativnamen, die während der kurzen Lebenszeit dieses Instrumentes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts benutzt wurden, sind: Gitarrenvioloncello, Bogengitarre oder Guitarre d'amour.
    Thomas


    wo hast du die gehört, es gibt weltweit nur ganz wenige exemplare -aber ich glaube, berlin hat einen (es heißt häufig der ar...)



    :hello: aus schubert-town

  • Hallo,


    nur eine kurze Empfehlung: Die Aufnahme der beiden Bratschen- Sonaten (bzw. Klarinetten-Sonaten) op. 120 von Brahms mit Kim Kashkashian ist wundervoll (eine ECM-CD).


    Es scheint aber tatsächlich so zu sein, dass die Bratsche (von Brahms und Berlioz abgesehen) ein Instrument des 20ten Jahrhunderts ist: Seit Reger und Hindemith haben viele Komponisten für dieses Werk geschrieben. Das dürfte wohl auch das Verdienst eines Mannes sein, der als erster Bratschist halbwegs berühmt wurde, nämlich William Primrose. Mit dem Repertoire und den Interpreten ist es ja immer ein wenig wie mit der Henne und dem Ei.


    Freundliche Grüße


    Heinz


    PS per Edit: Hartmut Lindemann wäre noch zu nennen (und Yuri Bashmet, aber der ist ja ziemlich bekannt). Übrigens kann man als Bratscher immerhin so berühmt sein, dass man als Werbefigur taucht (Wolfram Christ hat für Uhren oder Bier oder irgendwas posiert).


    PPS: http://www.bratschenwitze.de/Bierwerbung.htm (Falls Link unerwünscht, halt löschen...)

  • Hallo TaminoanerInnen


    Wir möchten Herrn Yuri Bashmet doch speziell erwähnen und kurz vorstellen.



    Yuri Bashmet wurde 1953 in Rostov am Don geboren und verbrachte seine Kindheit im ukrainischen Lvov. Im Alter von 18 Jahren begann er seine Studien am Moskauer Konservatorium, zunächst bei Vadim Borisovsky – dem Bratschisten des Beethoven Quartettes – danach bei Feodor Druzhinin. In der Folge wurde er selbst als jüngste Lehrkraft seiner Geschichte an das Moskauer Konservatorium berufen. Der erste Preis beim ARD – Wettbewerb in München 1976 begründete seine internationale Karriere. Yuri Bashmet regte viele Komponisten zum Schreiben an. Eine besonders enge und produktive Beziehung bestand zu Alfred Schnittke. Unter den weiteren Werken, die für Yuri Bashmet geschrieben wurden, sind u.a. das Bratschenkonzert des georgischen Komponisten Giya Kantscheli, das bei den Berliner Festwochen uraufgeführt wurde, "The Myrrh Bearer" von John Tavener, ein Konzert von Poul Ruders, und Sofia Gubaidulinas Bratschenkonzert.
    1992 gründete Yuri Bashmet die Moskauer Solisten, ein weltweit erfolgreiches Kammerorchester aus führenden jungen Streichern des Moskauer Konservatoriums, das er selbst dirigiert. Konzerte in Moskau, Athen, Amsterdam, Paris, Wien und bei den Londoner BBC Promenade Concerts wurden von Publikum und Presse enthusiastisch gefeiert. 2003 traten die Moskauer Solisten erneut im Barbican Centre auf. 2002 trat Yuri Bashmet die Stelle als Chefdirigent des Neuen Russischen Symphonieorchesters an.
    Er trat oft gemeinsam mit Svjatoslav Richter auf und musizierte als Kammermusiker mit vielen berühmten Musikerkollegen wie Natalia Gutman, dem Borodin Quartett, Gidon Kremer, Viktoria Mullova, Mstislav Rostropovich und Maxim Vengerov.


    Grüsse


    romeo&julia

  • Zitat

    Original von romeo&julia
    Wir möchten Herrn Yuri Bashmet doch speziell erwähnen und kurz vorstellen.


    Danke für die ergiebige Vorstellung dieses phänomenalen Bratschers, der auch 2006 wieder bei Gergievs Musik-Festival in Mikkeli auftreten wird, und zwar als Solist und Leiter seines Kammerensembles Moskauer Solisten. In der Vergangenheit interpretierte er bei uns die Violakonzerte von Schnittke und Gubaidulina sowie Harold in Italien, mal ganz ab gesehen von Mozarts Sinfonia concertante, die er mehrmals spielte. Für 2006 kündigte Bashmet an, seine eigene Bearbeitung der Rokkoko-Variationen für Viola bei uns zur Welt-Uraufführung bringen zu wollen.


    Sune

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Nicht vergessen dürfen wir noch folgende Bratschistin in der Gilde der Grossen;


    Kim Kashkashian



    Kim Kashkashian, in Detroit (USA) geborene Bratschistin armenischer Abstammung, studierte am Peabody Conservatory of Music bei Walter Trampler und Karen Tuttle. Ihre internationale solistische Laufbahn begann durch ihre ersten großen Wettbewerbs-erfolge (u.a. Lionel Tertis Competition, ARD-Wettbewerb München) und die daraus entstandenen Engagements mit den wichtigsten Orchestern und Dirigenten. Von Anfang an war sie gefragte Kammermusikpartnerin und regelmäßiger Gast der Festivals von Marlboro, Santa Fe, Spoleto, Mostly Mozart, Lockenhaus und Salzburg.


    Sie unterrichtete mehrere Jahre am Mannes College of Music und an der University of Indiana, Bloomington, bevor sie 1989 nach Deutschland übersiedelte. Hier hatte sie zunächst eine Professur an der Hochschule für Musik in Freiburg inne, bevor sie im Herbst 1996 dieses Amt an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin antrat. Im Sommer 2000 folgte sie einem Ruf des New England Conservatory in Boston und kehrte nach zehn Jahren in die USA zurück.


    Die "klassische" Laufbahn - ob Konzerte mit Orchestern, Sonaten- oder Kammermusikabende (u.a. mit den Guarneri-, Tokyo- und Emerson- Quartetten) - war nie das ausschließliche Ziel von Kim Kashkashian. Mindestens ebenso wichtig ist ihr die Suche nach neuen Wegen und Formen, die sie durch die intensive kontinuierliche Arbeit mit Komponisten führt. Mit diesen - hier seien die Komponisten Gubaidulina, Bouchard, Jolas, Penderecki, Harbison, Kurtág, Kancheli, Mansurian und Eötvös genannt - hat sie das bekanntermaßen relativ kleine Bratschen-Repertoire um etliche inzwischen berühmte Werke erweitert.


    Heute spielt sie vorwiegend für das deutsche Label ECM ein.


    Liebe Grüsse


    romeo&julia

  • Zitat

    Original von Philhellene
    Ich persönlich habe die Bratsche auch sehr gern, lieber als die Violine. Sie klingt einfach elegischer und interessanter.


    :yes: :yes:


    Es kostet viel Mühe etwas für die Bratsche zu finden.
    Ich habe eine LP mit Violakonzerten von Telemann, Händel (Ulli reagierte sofort: gefälscht) und J.C. Bach.
    Und Hummels Potpourri (u.a. Variationen über ein Thema von Mozart) auf LP und CD



    Dittersdorf Sinfonia Concertante für Viola und Kontrabaß (LP ist gerade ersetzt).


    Noch immer stehen auf meine Liste drei Violakonzerte von ihm.


    Von Michael Haydn habe ich zwei LPs. Auf der eine wird gespielt das Konzert für Orgel, Viola und Streicher. Auf der andere ist die Besatzung Clavecimbel, Viola und Streicher. Aber beide Konzerte sind gleich. Das geschah so im 18. Jhdt. (Selbstverständlich Turnabout).


    Und der Violakomponist Alessandro Rolla. Ich lese vom CD-Heft (Philips):
    Violakonzert in Es-dur Opus 3;
    Divertimento in F-dur für Viola und Streicher;
    Concertino in Es-dur für Viola und Streicher;
    Rondo in G-dur für Viola und Orchester.
    Und wenn meine Erinnerung mich nicht betrügt, habe ich auf einer (TURNABOUT !!)-LP auch noch ein Violakonzert von ihm.


    Es gibt ja Violakonzerten im 18 Jhd, aber - leider - ganz wenig.


    LG, Paul


    PS Ich vergaß eine LP mit einem Bratschekonzert von Vanhal

  • Zitat

    Original von musicophil
    Es kostet viel Mühe etwas für die Bratsche zu finden.


    Zitat


    Es gibt ja Violakonzerten im 18 Jhd, aber - leider - ganz wenig.


    Tja, lieber Paul, das kommt davon, wenn man immer nur bei Czerny, Kalkbrenner und Konsorten rumdümpelt.... :P


    Im 20. Jhd. gibt es zumindest gleich zwei berühmte Werke, die mir da einfallen:


    das erste ist sogar auf eine der von Dir abgebildeten CDs:


    Paul Hindemith: "Der Schwanendreher" - Konzert für Viola und Orchester (1935)


    Dieses Konzert basiert auf alten deutschen Volksliedern: "Glück liegt in allen Gassen" (1. Satz),
    "Nicht länger ich’s ertrag’, ‘hab gar ein’ schweren Tag" (2. Satz).


    Ein IMO sehr schönes Konzert, das die Konzertliteratur für Viola vermutlich nicht nur bereichert, sondern auch zu einer ihrer schillerndsten Erscheinungen - zumindest im 20 Jhd. - zählen darf.


    Eine gute Einspielung liegt unter Herbert Blomstedt vor:



    (Allerdings kenne ich auch keine weiteren Einspielungen)


    Ein weiteres, recht bekanntes Violakonzert des 20. Jhd. dürfte dieses sein:


    William Walton: Violakonzert (1928/29)



    :hello:
    Wulf.

  • So, und jetzt noch ein Geheimtipp, der so geheim inzwischen auch nicht mehr ist:



    Sonate für Viola & Klavier
    Konzertstück für Viola & Klavier;
    Legende für Viola & Klavier;
    Fantasie-Sonate für Viola & Harfe


    LG
    Wulf.

  • Während die Gamben in - nehme ich mal an - etwa gleichwertigem Klangbild alle Lagen (von hoch bis tief) abdeckten, taucht mit der Bratsche eine Lösung für die "Geigenfamilie" auf, die für ihre Lage verglichen mit Geige und Cello einen zu kleinen Korpus hat. Wie es dazu kam, weiß ich nicht, vielleicht war die Violinhaltung für die virtuosere Literatur des fortschreitenden Barock geeigneter als die Cellohaltung?


    Als die Gamben hinter die Geigenfamilie zurücktraten, waren wohl die Schwächen der Bratsche besonders offensichtlich, schließlich wollte man von dem dezent bis vornehm näselnden Ton der Gambe weg. Im 19. Jh. wurden alle Instrumente zunehmend lauter gemacht, auch alle Streicher, die Bratsche immer einen Schritt hinter den anderen zurückbleibend.


    Somit konnte die Bratsche erst im 20. Jh., als nicht nur die Tonalität sondern auch die Klangideale der vergangenen Jahrhunderte abgeworfen wurden, entdeckt werden.


    Ein Bevorzugen der Bratsche ist für mich zum Teil schon ein Akt des Auflehnens gegen das traditionale Instrumentarium - überspitzt formuliert.
    :D

  • Bei Berlioz scheint mir der Bratschenauftrag ja auch nicht völlig gegen sein sonstiges Klangkonzept zu gehen. In der Symphonie phantastique mixt er auf geniale Weise die jüngsten Entwicklungen auf dem Blechbläsermarkt mit kuriosen Museumsexponaten (Serpent), was (natürlich nur auf Originalinstrumenten) verblüffend ironische Brechungen der Hinrichtungssatzblasmusik ergibt. Berlioz war wohl die ideale Wahl für ein Kuriosum wie ein Bratschenkonzert.

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Während die Gamben in - nehme ich mal an - etwa gleichwertigem Klangbild alle Lagen (von hoch bis tief) abdeckten, taucht mit der Bratsche eine Lösung für die "Geigenfamilie" auf, die für ihre Lage verglichen mit Geige und Cello einen zu kleinen Korpus hat. Wie es dazu kam, weiß ich nicht, vielleicht war die Violinhaltung für die virtuosere Literatur des fortschreitenden Barock geeigneter als die Cellohaltung?


    Als die Gamben hinter die Geigenfamilie zurücktraten, waren wohl die Schwächen der Bratsche besonders offensichtlich, schließlich wollte man von dem dezent bis vornehm näselnden Ton der Gambe weg. Im 19. Jh. wurden alle Instrumente zunehmend lauter gemacht, auch alle Streicher, die Bratsche immer einen Schritt hinter den anderen zurückbleibend.


    Ich habe von Instrumentenbau und den klanglichen Finessen keine Ahnung. Aber gegen ein "Nachhinken" der Bratsche im späteren 18. Jhd. und noch länger spricht u.a. dass ein sehr klangsinnlicher Komponist wie Mozart die Bratsche sehr liebte. Auch wenn es kein Bratschenkonzert von ihm gibt, so doch die Sinfonia Concertante und etliche Kammermusik mit relativ prominenter Bratsche: Die Streichquintette, das Kegelstatt-Trio KV 498 und das Trio-Divertimento KV 563. Alles m.E. selbst für Mozarts Verhältnisse außerordentliche Stücke.
    Aber schon Bach komponierte ja die "Absetzung der Gamben" im 6. Brandenburgischen Konzert mit Bratschen als konzertierenden Instrumenten.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Während die Gamben in - nehme ich mal an - etwa gleichwertigem Klangbild alle Lagen (von hoch bis tief) abdeckten, taucht mit der Bratsche eine Lösung für die "Geigenfamilie" auf, die für ihre Lage verglichen mit Geige und Cello einen zu kleinen Korpus hat.


    Hallo,


    ist nicht die Violine eher die kleine Bratsche? Jedenfalls meine ich, dass sich aus der Viola die kleinere Form Violino entwickelt hat.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von van Rossum


    Das ist definitiv nicht so! :D


    Bedauerlich, bedauerlich... sonst hätte ich mich da nochmals vertiefend umgeschaut. Jedenfalls kenne ich die Solosonate von Johann Nepomuk David... ehrlich gesagt ist mir da Bartoks Violinsonate von 1945 noch um etliches lieber... wer die Wahl hat, hat die Qual.


    Auf der Suche bin ich auf den Komponisten Rolla gestossen, beinahe hätte ich ihn links liegen gelassen, da ich Rota las... :D


    Rollas Bratschenkonzerte sind unglaublich toll! Besonders das Es-Dur-Konzert liegt verdächtig nahe bei der Mozartschen Concertante, nur daß die Violine fehlt [was mich auch nicht weiter stört]. Der 2. Satz daraus [c-moll] ist ebenso faszinierend, wie jener berühmte von Mozart, abgründig [nicht wahr, obsi?].


    Viele Grüße
    Ulli

  • In einer speziellen Aufgabe hat dieses wunderbare Instrument einen Riesen-Verdienst vorzuweisen: Als das (ich übertreibe vielleicht etwas) Rückrat beim Streichquartett. Sie ermöglicht eine klanglich-ideale Verbindung zwischen den Violinen und dem Cello; die Viola vermag das Streichquartett zusammenzuhalten.


    Deshalb hat sie es durchaus verdient, einen eigenen Schlüssel zu bekommen.


    Uwe

  • Zitat

    Original von Uwe Schoof


    Deshalb hat sie es durchaus verdient, einen eigenen Schlüssel zu bekommen.


    :jubel::jubel: :jubel:


    Sie kann aber auch, wie jedes der übrigen drei Instrumente das genaue Gegenteil bewirken. Wie gesagt, mag ich Bratsche besonders gerne und bevorzuge daher Werke, in denen sie etwas mehr zum Vorhören tritt, als allgemein üblich...


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Wie gesagt, mag ich Bratsche besonders gerne und bevorzuge daher Werke, in denen sie etwas mehr zum Vorhören tritt, als allgemein üblich...


    Das geht mir ja genauso. Dabei gefallen mir besonders einige Werke, die eher einen ruhigen Charakter bzw. den der Einsamkeit oder Traurigkeit vorweisen wie z.B. die Schostakowitsch-Sonate, Passagen in Hindemiths "Des Todes Tod" oder die Soloeinleitung von Bartoks sechstem Streichquartett.


    Uwe