EGK, Werner: Der Revisor

  • Hallo Taminorane


    Alfred hat nun seine Inhaltsangabe des 'Revisor' von Egk abgeschlossen und in den Tamino-Opernführer gestellt. Es handelt sich um eine Kleinstadtkomödie zu der Nikolai Gogol, einer der ganz Großen der russischen Literaturgeschichte, die Story lieferte.





    Die CD hierzu, zuerst erschienen 2001 bei Arte Nova, ist dabei, vom Markt zu verschwinden, aber zur Zeit noch für 15,oo Euro bei Amazon zu haben. OEHMS hat nachgezogen oder die Inszenierung aus Augsburg ebenfalls übernommen. Die Szenenfotos der Textbeilage bekunden eine gefällige Inszenierung in traditioneller Manier. Das Vielpersonenstück kommt ohne große Namen aus und wird mutmaßlich vom Augsburger Hausensemble bestritten.




    (Gesammelte Werke)


    Es lohnt sich, die CD zum Anlass zu nehmen, auch die übrigen Novellen
    Gogols zu studieren. Sein Hauptwerk ist das Romanfragment 'Die Toten Seelen', welcher sich als Schmuckausgabe in meiner Bibkiothek befindet. Der Inhalb handelt von einer Verhökerung von Leibeigenen, die aber schon gestorben sind. Gogels Humor ist ebenso liebenswürdig wie bissig. 'Die Nase' (als Oper von Schostakowirsch vertont) stammt auch von ihm.


    Mit freundlichen Grüßen

    Engelbert

  • Es ist eine seltsame Wandlung im Forum erfolgt. Als ich es vor ein paar Jahren wagte, einen Thread über den Komponisten Werner Egk zu eröffnen, und dabei noch die "Zaubergeige" als eine meiner liebsten Opern erwähnte - wurde ich von allen Seiten beschimpft und geprügelt.


    Sogar anonyme Drohungen mußte ich über mich ergehen lassen - das ist das Risiko, wenn man unter seinem Realnamen schreibt.


    Ich stand tagelang unter Schock und war nicht in der Lage, auch nur einen Beitrag zu meiner Rechtfertigung zu schreiben!


    Und heute - es gibt plötzlich eine Oper von Egk im "Tamino-Opernführer" - und keiner protestiert!


    Seltsam,
    meint


    Harald




  • Lieber Harald,
    Musica ergänzte Deinen Bericht: >vielleicht haben diejenigen schon das Weite gesucht die damals Protest einlegten<


    Ich war damals noch nicht auf TAMINO dabei.......
    Eine kritische Haltung zu einem Komponisten schließt m.E. Beschimpfungen und Drohungen aus.


    Mein Verhältnis zu EGK ist allerdings durchaus ein solch "GESPALTENES".


    Für mich heißt das: ICH bin gespalten....und es ist "mein Problem".
    Natürlich hat es mit Egk's Geschichte zu tun......
    ABER viele "Nachgeborene" (ich bin Jahrgang 1944) müssen oder mussten (manche auch nicht) sich mit den "VÄTERN" auseinandersetzen.


    Diese Auseinandersetzung mit einem >Komponisten< OHNE sein Werk zu hören/kennenzulernen, geht m.E. aber nicht.


    Ich bin im Jahr seines "Hundertsten" rumgereist um ihn kennenzulernen, war in München "Columbus" (konzertant), im Gärtnerplatztheater, Eisenach, (Der Revisor, die Zaubergeige)
    ABRAXAS halte ich für ein Meisterwerk. Die "Irische Legende" und "Per Gynt" schätze ich ebenfalls sehr.


    Wir müssen doch lernen mit Widersprüchen in unserem Leben zu zurechtzukommen, zumindest uns ihnen zu stellen.


    Ich hatte einen Onkel, der im Gegensatz zu meinem introvertierten und fast im Krieg zerbrochenen Vater....mit uns Kindern rumalberte und sich uns im Spiel widmen konnte...ich habe ihn dafür geliebt.......später habe ich erfahren, dass er ein überzeugter SS Obersturmbandführer war und Aufseher in einem KZ.


    Als Erwachsener habe ich lange eine Auseinandersetzung führen müssen, die die Bedürfnisse des Kindes (ab meinem 5. Lebensjahr)
    mit den heute zu mir gehörenden humanistischen Grundsätzen abwägt.
    Ich möchte hier nur sagen, dass meine eigenen Kämpfe lange Zeit sehr hart und mehr als schwierig waren.


    DAS aber ist mein Problem.....genauso wie bei Egk.
    Verurteilen kann man schnell.........................an einer kritischen und differenzierenden Meinung/Haltung zu arbeiten, ist aber DIE Prämisse an der "MAN" arbeiten sollte/muß.
    Ich zumindest habe diesen Anspruch....


    Werner Egk ist für mich eine der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.



    Gruß......................."Titan"

  • Die oben von Engelbert gezeigte Augsburger Aufnahme scheint z.Zt. tatsächlich die einzige auf dem Markt verfügbare CD zu sein.


    Anscheinend gibt es von der Uraufführung am 9. 5. 1957 in Schwetzingen keine CD, obwohl der Südwestfunk die Sendung aufgenommen und im Radio ausgestrahlt hat. Ferner gab es von dieser Serie auch eine Fernseh-Aufzeichnung (Video vom 28. Mai 1957) - die könnte als DVD erscheinen.


    Beim Bayerischen Rundfunk hat Werner Egk 1960 das Stück ebenfalls aufgeführt - in weitgehend der Besetzung der Uraufführung. Hiervon ist ein Mitschnitt vorhanden; hier die Einzelheiten:


    Aufnahme: 5.–7.1.1960, Studio
    Dirigent: Werner Egk
    Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks


    Anna: Hetty Plümacher
    Bobtschinskij: Gustav Grefe
    Bobtschinskij: Fritz Wunderlich
    Chlestakow: Gerhard Stolze
    Frau des Schlossers: Paula Kapper
    Junge Witwe: Elinor Junker-Giesen
    Kurator: Frithjof Sentpaul
    Marja: Friederike Sailer
    Mischka: Hubert Buchta
    Ossip: Heinz Cramer
    Postmeister: Alfred Pfeifle
    Richter: Fritz Linke
    Stadthauptmann: Fritz Ollendorff


    Die meisten der Fritz-Wunderlich-Fans dürften die Aufnahme allerdings besitzen.


    LG

  • Eigentlich hätte ich es wissen müssen:


    Es ist noch keine 8 Monate her, dass das Giessener Stadttheater - bekannt für die Ausgrabungen selten gespielter Werke - den Egk'schen "Revisor" ins Repertoire aufgenommen hat - sowohl der Hessische Rundfunk als auch Deutschlandradio Kultur haben das Ereignis im Rundfunk übertragen:


    Werner Egk
    DER REVISOR
    Komische Oper in fünf Akten nach Nikolai Gogol


    Chlestakow Dan Charmandy
    Ossip, sein Diener Stephan Bootz
    Stadthauptmann Lothar Fritsch
    Anna, seine Frau Martina Borst
    Marja, seine Tochter Carla Maffioletti
    Mischka, sein Diener Christian Richter
    Postmeister August Schram
    Kurator Patrick Simper
    Richter Axel Wagner
    Bobtschinskij Alexander Herzog
    Dobtschinskij Matthias Ludwig
    Eine junge Witwe Odilia Vandercruysee
    Die Frau des Schlossers Henrietta Hugenholtz