Ich habe genug - Betrachtungen eines Sammlers

  • Die meisten werden es schon erkannt haben, daß es sich nicht um einen Thread über eine Bachkantante handelt, auch nicht um den Abschiedsbrief eines frustrierten Internetforenbetreibers (sorry !!) - sondern schlicht und einfach um einen Threadtitel über die Grenzen des Sammelns.
    Was wäre, wenn ein bis dato passionierter Sammler - Bereich klassische Misik vom Barock bis klassische Moderne plötzlich zur Überzeugung käme, es sei nun alles Besitzenswerte in seiner Sammlung vertreten, sowohl von der Interpreten-, als auch von der Komponistenseite, bzw deren Werke.
    Ab Stunde X würde keine einzige CD mehr angeschafft - man griffe nur auf den bestehenden CD-Pool zurück, der allerdings einige tausend CD umfasse.


    Wie lange könnte solch ein Sammler noch am Forenleben teilnehmen (oder in einer anderen Diskussionsrunde über klassische Musik, wenn er die neuen Interpreten überhaupt nicht mehr gehört hätte?
    2, 3, 5, 10 oder gar zwanzig Jahre?


    Die Frage ist nicht so hypothetisch wie sie klingt. Ich hatte seinerzeit beschlossen, sollte das Medium CD durch ein anderes abgelöst werden, keine weiteren Aufnahmen in anderen Formaten zu erwerben, sondern "meine Sammlung zu geniessen" Derzeit sieht es ja nicht nach einem Ende der CD aus - aber in 5 oder 7 Jahren wäre das immerhin denkbar....


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Gute Frage, lieber Alfred,


    ich frage mich auch zuweilen, was weitere Zukäufe noch sollen. Die einzige Rechtfertigung: ich lerne Neues kennen, neue Sichtweisen oder erfahre Neues von geschätzten Alten. Sammle ich, um den Bestand wieder und immer wieder zu hören? Wohl eher nicht. Und ich glaube auch nicht, dass ich, eingerechnet aller möglichen Neuzugänge in der Dauer meines Restlebens alle Platten, Bänder, Cassetten und CD's nochmal hören werde. Für die Werbung hat Henry Ford hierzu einen treffenden Satz geprägt: "50% meiner Ausgaben für Werbung schmeiße ich zum Fenster raus. Leider weiß ich nicht, welche 50% das sind".


    Ich sehe es positiv: könnte ich mir ab heute keine neuen Platten oder CD's mehr kaufen, ich wäre versorgt bis ans Ende meiner Tage (für meine Bibliothek gilt fatalerweise dasselbe).


    Und, entre nous: mit unseren Beständen, lieber Alfred, füllen wir locker noch so manchen Tamino-Thread, oder?


    Liebe Grüße vom Thomas

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    .... Ich hatte seinerzeit beschlossen, sollte das Medium CD durch ein anderes abgelöst werden, keine weiteren Aufnahmen in anderen Formaten zu erwerben, sondern "meine Sammlung zu geniessen"...


    Das haben seinerzeit auch einige Vinyl-Liebhaber bei Einführung der CD behauptet. Es hat keiner durchgehalten...



    __________________
    Ciao


    Von Herzen, möge es zu Herzen gehen...

  • Zitat

    Original von Theophilus



    Das haben seinerzeit auch einige Vinyl-Liebhaber bei Einführung der CD behauptet. Es hat keiner durchgehalten...


    Mir wurde glaubwürdig von Leuten berichtet, die durchgehalten oder jedenfalls nach einiger Zeit den CD-Player wieder abgeschafft hätten. Aber das dürfte sich um eine verschwindende Minderheit handeln, zumal wer in der Klassik Interesse an HIP usw. hat, wohl kaum auf die nur auf CD erschienenen Aufnahmen seit ca. 1990 verzichten wollen würde.


    Der Sammler könnte, (trivialerweise) je nach Vielfalt der Sammlung, noch recht lange an Diskussionen teilnehmen. Er könnte immer was zu den Werken sagen und überdies diskutieren die nostalgischen Klassikfreunde ja bevorzugt historische Aufnahmen (und das wären in 20 Jahren vielleicht dann schon einige der um 2000 gekauften ) Außerdem wäre es nach Hypothese nicht verboten, neue Interpreten oder Werke in Konzerten oder Radio kennenzulernen


    Ich würde sicher auch überleben, wenn ich ab heute keine CDs mehr kaufen (oder geschenkt erhalten) dürfte. Etliche CDs in meinem Besitz habe ich ebenfalls noch nie gehört.
    Andererseits enthielt jede CD meiner letzten jpc-Lieferung Musik, die ich noch nicht in der Sammlung habe. Von WF Bach nur eines oder zwei Konzerte, von Albinoni ebenso die zwei bekanntesten auf einem Oboensampler, den Mozart weitestgehend, aber die Terzette oder die Urfassung des ersten Satzes des Klarinetttenkonzerts nicht.


    .


    .






    ich habe das wohl schon einmal geschrieben: Mein Interesse am Erwerb der zigsten Aufnahme eines Standardwerks ist momentan gering. Das heißt aber nicht, dass nicht einiges gibt, was ich diesbezüglich auf der Merkliste (zB Gardiners Brahms) hätte oder worauf ich hoffe. z.B. endlich die Vervollständigung des Beethoven-Zyklus mit dem Hagen Quartett oder hoffentlich mehr Quartette von Beethoven mit dem Schuppanzigh- oder einem anderen guten HIP-Quartett.


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • :

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    ...
    Mir wurde glaubwürdig von Leuten berichtet, die durchgehalten oder jedenfalls nach einiger Zeit den CD-Player wieder abgeschafft hätten. Aber das dürfte sich um eine verschwindende Minderheit handeln, ...


    Also von CD-Player abgeschafft will mir jetzt kein Fall ins Gedächtnis schlüpfen. Aber ich weiß von Anlagen, wo immer noch das Vinyl-Laufwerk befriedigendere Ergebnisse liefert und überwiegend im Einsatz ist. Aber dort handelt es sich auch um Musikliebhaber, und da Neuerscheinungen fast nur im CD-Format erhältlich sind, steht notgedrungen überall auch ein CD-Player herum. Und die funktionieren auch sehr gut. Blöd ist nur, dass gute Analoglaufwerke auf seltsame Weise immer noch mehr musikalisches Vergnügen bereiten können....

  • Zitat

    Original von Theophilus



    Also von CD-Player abgeschafft will mir jetzt kein Fall ins Gedächtnis schlüpfen. Aber ich weiß von Anlagen, wo immer noch das Vinyl-Laufwerk befriedigendere Ergebnisse liefert und überwiegend im Einsatz ist. Aber dort handelt es sich auch um Musikliebhaber, und da Neuerscheinungen fast nur im CD-Format erhältlich sind, steht notgedrungen überall auch ein CD-Player herum. Und die funktionieren auch sehr gut. Blöd ist nur, dass gute Analoglaufwerke auf seltsame Weise immer noch mehr musikalisches Vergnügen bereiten können....


    So ein ähnlicher Fall war das wohl, dass kein CD-Player so gut gefallen hat wie das hochgezüchtete LP-Laufwerk und anscheinend sowohl eine Wand voll LPs vorhanden war als auch kein so starkes Interesse an Neuerscheinungen bestanden hat. Ich habe es aber, wie gesagt, nur über einen Bekannten, der das von einem seiner Bekannten erzählt hat, und kenne letzteren gar nicht.


    Es ist allerdings eigentlich nicht das Thema hier, weil sich ja nicht gegen Sammeln (ob weiter LPs gesammelt wurden, weiß ich nicht), sondern gegen bzw. für ein Medium entschieden wurde.


    Sich ab und zu einmal Gedanken zu machen über "Sammeln oder Hören" schadet aber sicher nicht.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Was wäre, wenn ein bis dato passionierter Sammler - Bereich klassische Misik vom Barock bis klassische Moderne plötzlich zur Überzeugung käme, es sei nun alles Besitzenswerte in seiner Sammlung vertreten, sowohl von der Interpreten-, als auch von der Komponistenseite, bzw deren Werke.


    Dann sollte er sich Gedanken über seinen Horizont machen.

    Aber Beschränkungen mögen auch sinnvoll sein. Theoretisch könnte man ja auch mit einem einzigen Werk in einer einzigen Aufnahme genug haben.


    Ich fürchte, meine Sättigung wird nie erreicht.

  • Zum Glück gibt es noch viele CDs aus vergangenen Jahren,die in meine Sammlung aufgenommen werden können,teils neu - teils gebraucht.
    Falls keine neuen CDs mehr erscheinen würden,würde sich meine Sammlung trotzdem vergrößern.Und auch jetzt schon muß ich zwangsläufig zu "gebrauchten" CDs greifen,weil sie vom Markt verschwunden sind.
    Welcher CD-Sammler hat schon alles?
    Es gibt immer wieder Musik zu entdecken,die man bisher vernachlässigt hat.Bei mir wird es keinen Stillstand geben.Und neue Formate,naja-wenn es sein muß.Erfahrungen mit SACDs und DVD-Audios habe ich bereits und tatsächlich habe ich mehrere Jahre nur SACDs gekauft und dabei Produktionen vieler kleinerer Labels kennengelernt.
    Das Problem,neue Interpretationen nicht zu hören,hat natürlich auch derjenige,der glaubt,er habe bereits genug Referenzaufnahmen im Regal.Wer seit 25 Jahren CDs sammelt,hat oft schon mehrere Interpretationen eines Werkes in diesem Zeitraum angeschafft und will sich nicht noch die 101te Vier Jahrezeiten von Vivaldi kaufen.
    Der Verschleiß neuer Künstler schreitet voran,alle 2-3 Jahre gibt es neue Starsängerinnen,Pianistenwunder und Dirigenten,die nach 2-3 Jahren wieder in der Versenkung verschwinden.Wer da nicht die Spreu vom Weizen trennt,bleibt auf neuen Interpretationen sitzen,die man nicht wieder anhören will.

  • Ich wäre eigendlich nicht traurig, wenn ich ab morgen keine CD´s mehr kaufen könnte. Denn ich wäre bis an das Ende meiner Tage reichlich mit Klassischer Musik und den entsprechenden CD´s, SACD´s, DVD´s versorgt.
    Und Material für TAMINO-Threads wird es daraus mit Sicherheit geben.


    Im Prinzip habe ich schon lange das Empfinden alles Besitzenswerte, das gesamte Spektrum der wirklich großen Werke des 19.-20.Jhd, die mich wirklich interessieren, vorliegen zu haben.


    Aber einen Stillstand wird es nicht geben - dazu gibt es an allen Ecken und nicht nur hier bei Tamino zuviel Anregung für Neues.
    Außerdem gibt es durch die Anregungen immer wieder neue Ausgrabungen von Komponisten und zudem Neukompositionen des 21.Jhd, die bei weitem nicht immer ungeniessbar sind !!! Im Gegenteil - wirklich gute aktuelle Komponisten haben den Dreh raus, das man den Hörer nicht mit ungeniessbaren Geräuschen/Klängen/Kompositionen hervorlocken kann.


    Ich bin bei neuem Material meist äußerst skeptisch, zumal sich bei diesen Neuausgrabungen nicht in jedem Fall der Durchbruch einstellt.
    *Einerseits hat man manchmal den Eindruck, als wenn die große Zeit der Komponisten vorbei ist.
    *Andererseits hat es so manches Mal einen Grund, wenn Neuausgrabungen (muss nichts Modernes sein) bisher unbekannt gelieben sind. (Ich weis, dass das viele anders sehen - nach dem Motto "Qualität hängt nicht von der Popularität ab" - stimmt natürlich - aber die wirklich Großen sind nicht umsonst Groß !
    Aber wenn es mich mal gepackt hat, dann wird auch mit Begeisterung gekauft, was das Umfeld hergibt ....



    Dann kommt ja auch noch dazu, das ich immer auf der Suche nach der besten Aufnahme bin. Wenn ich wittere, dass es von dem einen oder anderen Werk eine für mich Bessere geben könnte, dann sehe ich das Hören einer schlechteren (langweiligen) Aufnahme (die dann später ausgesondert wird) mehr als Zeitverschwendung.
    Ich bin mit guter Klangqualität und einem packenden Dirigat aber im Prinzip relativ einfach zufriedenzustellen.
    Ein sehr guter Bestand an Vergleichinterpretationen von den wirklich geschätzten Komponisten wird aber stets bereitgehalten bleiben.



    Die Sammlerwut wird weitergehen .............

  • Zitat

    Original von Schneewittchen:
    Welcher CD-Sammler hat schon alles?


    Ich denke, niemand. Aber: muss ich alles haben? Nicht einmal zum Vergleich. Wer hört sich schon 10 oder 20mal den ganzen Ring an? Ich bekenne mich ja gern dazu, leidenschaftlicher Hörer, Seher und Sammler zu sein. Aber es gibt ja auch noch andere schöne Dinge im Leben. Reisen, gutes Essen und Trinken, mit Freunden zusammen sein und über Musik im Allgemeinen und im Besonderen zu philosophieren, Theater- und Konzertbesuche usw. usw. Gut, dass es das forum gibt, um abzuwägen, ob die 27ste Traviata oder oder ... denn nun unbedingt im Regal stehen muss. Von meinen mehreren Tausend CD habe ich den Großteil gehört, in einen großen Teil hineingehört um zu Vergleichen, aber von den 17 Ringen keinen vollständig. Ich weiß heute gar nicht mehr, welche CD ich überhaupt noch nicht gehört habe. Auch wenn ich heute das Sammeln in die Tiefe bevorzuge, geht es doch nicht ganz ohne Neubestellungen. Von den letzten 50 neu gelieferten habe ich auch noch nicht alle ganz gehört, weil ich Anhören der neuen CD immer mit einem Vergleich mit bereits vorhandenen Aufnahmen des Werkes oder anderer Interpreten vergleiche. Dann taucht natürlich die Frage auf, musste das sein?


    Gleichwohl, hier stimme ich teleton zu, einen Stillstand wird es nicht geben.


    Fazit: Sammelt eifrig weiter !


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Da ich nur noch Opern sammle, kann ich in etwa überblicken, wann Schluss ist.
    Ziemlich genau weiß ich einzuschätzen, wann ich aufhören will.


    Wenn monatlich 2 neue Einspielungen auf den Markt kommen, ich aber 6 anschaffe, arbeitet die Zeit für mich. Bei 50 Opern im Jahr höre ich in vier auf mit kaufen - dann habe ich alles, was ich haben will und kann mein Testament aufsetzen. Einen Erben habe ich noch nicht.


    Große Lücken müssen noch bei Paisiello, Galuppi und Cimarosa geschlossen werden. Von Händel habe ich erst knapp die Hälfte.


    mit freundlichen Grüßen



    Engelbert

  • Zitat

    Original von Engelbert
    Wenn monatlich 2 neue Einspielungen auf den Markt kommen, ich aber 6 anschaffe, arbeitet die Zeit für mich.


    Was meinst Du mit "2 neue Einspielungen"? Ich nehme an, dass wesentlich mehr produziert wird (aber ich beobachte nicht, welche Neueinspielungen gemacht werden).
    Wieviele Opern-CDs hast Du denn so ca.?

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Was meinst Du mit "2 neue Einspielungen"? Ich nehme an, dass wesentlich mehr produziert wird (...).


    An Studio-Einspielungen wird eher weniger produziert. Allerdings gibt es vergleichsweise mehr an Mitschnitten, die veröffentlicht werden. Da aber auch schon vermutlich überwiegend DVDs.

  • Ich denke mal, so etwa die Hälfte meines Lebens hinter mir zu haben und kann bei mir noch keine Sammelmüdigkeit erkennen.


    Ich sammel eh anders als die meisten hier im Forum: ich interessiere mich für Werke, suche mir die Interpretation, die mir am meisten behagt (das kann auch mal wechseln, dann wird nachgekauft), und verkaufe meistens die 'abgelegten'.


    Ich suche immer neue Werke, immer neue musikalische Felder mir zu erschließen, und derer gibt es noch soooo viele!


    Nein, sehr zum Leidwesen meiner Frau sehe ich noch kein Ende...

  • An Opern DVD`s habe ich bestimmt 200 Stück. Da ich mir vieles im Radio oder Fernsehen aufnehme habe ich fast über 1000 Videokassetten und fast genau die gleiche Anzahl an Musikkasetten. Alles natürlich alphabetisch sortiert und geordnet. Was natürlich bei meinem Umzug etwas Arbeit verursacht hat, da von einem Karton, in denen ich meine Musikkasetten gepackt hatte , der Boden gerissen war und ich alles wieder neu zusammenstellen und einordnen durften. Meine Freundin fragt mich immer , warum ich soviel sammel, wenn ich die meisten Aufnahmen sowieso nie mehr als einmal höre.Auf die Frage weiß ich leider auch keine Antwort. Sammel technisch hört es bei mir mit der Musik des 20. Jahrhunderts auf, da ich damit nicht allzuviel anfangen kann. Dank Internet habe ich viele Internetbekanntschaften, von denen ich Livemittschnitte von ihren Opernbesuchen bekomme.

  • Anfangs ging es mir vor allem darum bestimmte Werke zu besitzen, die ich dann auch nicht doppelt haben wollte. Vor vielen Jahren war ich dann tatsächlich schonmal an dem Punkt zu denken, daß ich eigentlich so die wesentlichsten Sachen die mich interessieren habe.


    Bei Kleinmeistern und "vergessenen" Komponisten war ich damals sehr skeptisch und wollte nur "wirklich Großes" und am besten nur in der Aufnahme kaufen.
    Was für ein Unsinn! Heute ist meine Sammlung erheblich größer geworden (wenngleich ich mit so einigen hier die mehrere Tausend CDs haben bei weitem nicht mithalten kann) und für mich ist kein Ende absehbar.


    Unter den "vergessenen" habe ich viele sehr interessante Komponisten entdeckt. Manche geliebten aber altbekannten Werke hatte ich früher so oft gehört, daß ich sie schon nicht mehr hören konnte und diese habe ich in neuen Aufnahmen (also neu gekauften - die Aufnahmen waren durchaus oft alt) wirklich manchmal ganz neu und anders wahrgenommen.


    Also zu denken, daß ich irgendwann genung habe... nein, ich hoffe, daß ich dazu nie komme - Stillstand ist Rückschritt. Zum Glück gibt es immer wieder Neues zu entdecken und wie gesagt, auch altes auf neue Weise wiederzuentdecken. Vielleicht ist es auch ganz gut sich ein bißchen zu beschränken, wie ich es versuche: im Prinzip möchte ich nicht mehr kaufen, als ich anhöre, früher habe ich das immer durchgehalten, mittlerweile liegen doch immer eine Handvoll CDs ungeöffnet herum, aber es sollen ganz bestimmt nicht mehr werden!


    @Alfred: Sich vorzunehmen nichts mehr zu kaufen, falls die CD abgelöst wird, kann ich mir garnicht vorstellen. Mir scheint das wie eine Trotzreaktion, nach dem Motte: ihr wollt mir vorschreiben ein anderes Medium zu kaufen? Da kauf ich eben gar nichts mehr! Schadet man sich nicht vor allem selber damit?
    [Übrigens glaube ich nicht, daß es in absehbarer Zeit dazu kommt, schließlich gibt es die SACD (und die totgeborene DVD-Audio) schon seit Mitte (?) der 90er. Die SACD wurde schon lange totgesagt und lebt zwar (speziell im Klassik-Bereich) munter weiter (totgesagte leben länger) und besonders kleine engagierte Labels wie Pentatone, Channel Classics, Mdg etc. veröffentlichen (zu meiner Freude) jede Menge SACDs, aber letztendlich führt sie ein Nischendasein und wird den Massenmarkt nie erreichen. Es hat sich wohl gezeigt, daß die Masse an einem hochauflösenden Medium nicht interessiert ist (eher an Flachklang wie MP3). Da die CD einen so großen Verbreitungsgrad hat, wird sie IMO trotz Download etc. noch eine ganze Weile das Hauptmedium bleiben und wieso sollte die Masse plötzlich Musik auf blu-ray kaufen, wenn sie das seit 15 Jahren auch nicht mit DVD-Audio und SACD gemacht hat?]

  • Hallo Mitstreiter,


    gibt es was schöneres als Musik zu sammeln?
    Jedes Musikstück ist wie ein Stück von mir, egal ob auf LP, CD oder neuerdings Computer und Ipod. Gerade die letzten beiden "Konserventräger"ermöglichen super Möglichkeiten zur einfachen und übersichtlichen Archivierung.


    Hauptsächlich bin ich ja in Sachen Beethoven unterwegs. Wie soll ich seine Musik kennenlernen, wenn ich mir nicht neue Interpretationen anhöre?
    Ob ich aber jede Aufnahme vom Kempff benötige, nur weil er an einer bestimmten Stelle inniger als in einer anderen Aufnahme spielt, zweifel ich an.


    Auf You Tube kann man wunderbar vergleichen, auch zu Amateuren, da hört man dann, wo der Unterschied zu einem Profi liegt.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Zitat

    Origina von Thomas Sternberg
    Hallo Mitstreiter, gibt es was schöneres als Musik zu sammeln?


    Kaum! Aber wahrscheinlich sieht das eben ein bißchen anders aus, wenn man dann irgendwann wirklich so viel hat wie einige hier. Da fragt man sich vielleicht doch irgendwann, wie lange das so weitergehen soll. Trotz meiner Bewunderung für solch riesige Sammlungen strebe ich deswegen auch gar nicht an, daß ich da sobald hinkomme. Im Moment bin ich bei knapp 2000 CDs und kann also getrost noch eine ganze Weile weitermachen.

  • Wo ist denn wohl die Grenze zwischen einer Sammelwut, also dass ich mich nicht mehr erinnern kann, was ich überhaupt besitze, oder einem bewussten Hören einer Aufnahme? Ist die Gefahr nicht riesig, das man gar nicht mehr bewusst wahrnimmt, was man zum hören gekauft hat?
    Wann fängt das simple "must have", also "das einfach nur besitzen müssen" an?
    Ich habe jetzt alle wichtigen Werke Beethovens. (Leider erschreckend wenig. Er hat halt mehr in den Inhalt gepackt als in ein aufgeblähtes Gesamtwerk. )
    Und darin liegt dann für mich die Gefahr, jede Interpretation haben zu müssen. Ich kaufe mir keine 50 CD`s auf einmal, immer schön Stück für Stück. Ich gebe mir quasi Zeit, mich mit einer Aufnahme zu beschäftigen. Das habe ich aus meiner Hochzeit der Pop-Lp`s in den Achtzigern gelernt. Wenn ich mir dann die Aufnahme oft nach den Kauf anhöre, ist es ein Anhalt für einen guten Kauf und das Bedürfnis nach einer Neuaufnahme des gleichen Stückes schwindet rapide.
    So arbeitet die Zeit für mich, natürlich im Sinne des Anwachsen der Sammlung.
    Lieber klein und fein.
    Viele Grüße
    Thomas

  • Zitat

    Original von Thomas Sternberg
    Wo ist denn wohl die Grenze zwischen einer Sammelwut, also dass ich mich nicht mehr erinnern kann, was ich überhaupt besitze, oder einem bewussten Hören einer Aufnahme? Ist die Gefahr nicht riesig, das man gar nicht mehr bewusst wahrnimmt, was man zum hören gekauft hat?
    Wann fängt das simple "must have", also "das einfach nur besitzen müssen" an?


    Da wir das Thema Sammelwut und Besitzenmüssen von CDs mal vor einigen Monaten als off-topic-Diskussion in einem anderen Thread hatten, habe ich meine Position hierzu schon einmal bei Tamino aufgeschrieben. Der Einfachheit bediene ich mich mal bei meinem eigenen Text von damals (den ich stellenweise gekürzt und stellenweise erweitert habe):


    Das Problem, wenn man kein Mainstream-Hörer ist, sondern sich in CD-Marktsegmenten für Bildungsbeflissene, mithin Randgruppen bewegt (Klassik, Oper, Jazz), dass man nie weiß, ob man eine CD, die man heute erwerben kann, morgen noch bekommt. Wenn ich in Washington in einem LP- und CD-Antiquariat stehe und habe z.B. ein Exemplar eines nur in Japan erschienenen Yosuke Yamashita-Albums mit Joe Lovano in der Hand; wenn ich auf einer CD-Börse ein in 500er Auflage erschienenes Vince Mendoza-Album entdecke, von welchem selbst auf der offiziellen Vince Mendoza-Homepage nicht die Rede ist; wenn ich nach einem Maria Schneider-Konzert die Künstlerin backstage anspreche und danach frage, wo ich möglicherweise ihr Album "Days of wine and roses" auftreiben könnte, welches ein pfälzischer Weinhändler vor drei Jahren als Kostbarkeit zur Promotion eines bestimmten Rieslings hergestellt hat, und Maria Schneider sagt mir dann: sie habe zufällig ein allerletztes Exemplar dieses Albums bei sich, dann habe sie auch keines mehr, das könne ich ihr aber gern für 20 US-$ abkaufen; wenn ich bei jpc zufällig online einen Live-Mitschnitt der 5. Sinfonie von Tschaikowsky mit Furtwängler aus Turin von 1952 angeboten sehe (Furtwängler hat das Werk nie offiziell aufgenommen, hat es nur dieses eine Mal dirigiert), von welchem ich noch nie etwas gehört habe, dann greife ich zu. Übrigens alles keine erfundenen Beispiele, sondern alles ist exakt so passiert. Ein Freund, dem ich nach dem jpc-Klick von meinem Furtwängler-Kauf der 5. Tschaikowsky-Sinfonie erzählte, versuchte es wenig später ebenfalls und wurde beschieden, dass die CD weltweit nicht mehr lieferbar sei. Ich habe nämlich das letzte Exemplar erwischt.


    Genau dies ist der Punkt: ich weiß nie, ob ich eine CD jemals wiederkriegen werde. Also ist nicht die Frage: "Höre ich das zur Zeit überhaupt? Oder wird das Album vielleicht ungehört über Jahre in Deinen Regalen verschwinden?". Sondern die Frage ist: "Gebe ich jetzt die 15 Euro bzw. die 20 US-Dollar aus oder spare ich lieber das Geld und ärgere mich dann, wenn ich in zwei Jahren genau dieses Material unbedingt haben will, schwarz, weil ich damals nicht zugeschlagen habe?". Ich entscheide mich stets für den Kauf, nicht für das Liegenlassen. Auch wenn ich zur Zeit etwas ganz anderes höre, wandert die CD in mein Regal. Manchmal höre ich sie erst 8 oder 10 Jahre später das erste Mal. Aber ich habe sie! Und muss nicht dann, wenn ich sie dringend suche, verzweifelt nächtelang das Internet durchforsten. Und dann, wenn ich sie finde, Mondpreise zahlen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: solch ein Material wirst Du immer wieder los, sobald Du Jahre später entscheidest, Du willst es doch nicht haben. Und nicht selten macht man sogar einen Gewinn damit. Jedenfalls kaum mal einen nennenswerten Verlust.


    Natürlich ist sehr vieles bei mir in der CD-Sammlung ungehört. Nur beruhigt es mich, wenn ich weiß, ich habe die wirklich wichtigen Künstler und die mir wichtigen Werke komplett in meinem Regal stehen. Wobei es - wie ich es neulich in dem Thread über die Beethoven-Sinfonien in den beiden Bernstein-Gesamtaufnahmen ("Lennies großer Coup") geschrieben habe - für mich durchaus auch Grenzen der Sammelwut gibt. Ich brauche von einer Beethoven-, Brahms-, Mahler- oder Schostakowitsch-Sinfonie maximal 10 Aufnahmen. Einzige Ausnahme ist Bruckner: da können es von den häufig eingespielten Sinfonien gern auch mal 15 Aufnahmen sein. Bei Opern reichen mir drei Vergleichsaufnahmen völlig.

  • Aber dann will die Frau, dass mal 1m CDs verschwinden und das geht ja nun gar nicht!
    Und was es da für Tricks gibt! Und wo man noch CDS und so etwas lagern kann.
    Und die 5m LPs werden diskret verteilt und es werden immer noch mehr!


    Ich und sammeln?? Nee, ich doch nicht!


    Gruß S.

  • Zitat

    Ich fürchte, meine Sättigung wird nie erreicht.


    So ist es. Aktuell im Fokus meines Interesses:


    - die neue Zauberflöte mit René Jacobs
    - Haydns Londoner Sinfonien mit Minkowski, eventuell bei der Gelegenheit auch gleich Beecham und Jochum
    - Mozart Sinf 30+x sowie 38-41 mit Sir Charles Mackerras
    - diverse Pelléas et Mélisande: Cluytens, Boulez, Désormière
    - Verschiedenes von Stockhausen, Penderecki und Boulez ... da gbt es noch Meisterwerke zu entdecken ... von Dallapiccola, Nono, Berio, B. A. Zimmermann, Steve Reich, Henze, Kagel, Cage, Reimann, Rihm, Lutoslawski, ... also, für ein paar Jahre ist noch Sammelmaterial vorhanden ...
    - das artemis quartett wird wohl demnächst mit seinem Beethoven-Zyklus fertig, vielleicht gibt es dann eine Box?


    Was ich damit sagen will: Es gibt so viele Segmente des Repertoires, die man noch nicht hinreichend kennt, und immer wieder spannende neue Aufnahmen selbst des Allerbekanntesten - siehe die Jacobs-Zauberflöte. Wie sollte da die Sammelwut aufhören?


    Momentan liegen mehr als 50 bisher ungehörte CDs neben dem Player. Das ist aber die absolute Ausnahme und liegt daran, dass mir die vier Suzuki-Bach-Kantaten-Boxen mit insges. 40 CDs geschenkt wurden. Ansonsten sind es selten als mehr als zwanzig ungehörte. Was ich kaufe, will ich auch hören. - Bis Weihnachten* ist der Stapel jedenfalls abgearbeitet.




    *Der Beitrag wurde im September 2010 geschrieben - der Zerstörte Thread wurde Dezember2010/Jänner 2010 aus den Archiven wieder hergestellt
    MOD 001 Alfred

  • DAs mit dem Abarbeiten ist so eine Sache. Ich hatte jetzt 20 Tage Urlaub, bzw bis 29. geniesse ich ihn ja noch. In dieser Zeit habe ich an die 40 CDs (von ca 400) "abgearbeitet", soll heissen gehört - in die EDV eingetragen und ins Regal sortiert.


    Ein SUPER-ERFOLG !!
    Leider habe ich in der gleichen Zeit etwa 50 CDs nachbestellt


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Marnie
    Ich denke, ich werde nie aufhören, klassische CD's zu sammeln. Aber es existiert bei mir nicht eine einzige CD, die ich noch nicht gehört habe.



    Hallo Marnie,


    wenn man es genau betrachtet ist meine folgende Antwort zu deinem Zitat eigendlich jammerschade aber eine Realität die nachdenklich stimmt:


    ** Es existieren in Deiner Sammlung aber etliche CD´s, die Du nie mehr hören wirst !



    Zumindest mir ist das für mich klar, weil einerseits das Interesse für einige wenige Werke auf Ewig fehlen wird und andererseits die Zeit nicht ausreicht.

  • Hallo Wolfgang,


    da hast Du wohl leider recht. Ich werde sicherlich nicht alle meine CD's wieder hören können. Entweder, weil sich Interessen verändern oder einfach weil auch meine Zeit endlich ist.

  • Hallo zusammen,


    Zitat

    ** Es existieren in Deiner Sammlung aber etliche CD´s, die Du nie mehr hören wirst !


    Ja, und? Es stehen bei mir auch Bücher im Regal, die ich wohl nicht noch einmal lesen werde. Oder auch solche, die ich noch nicht gelesen habe (z. B. Duden, Lexikon, Weltgeschichte, ... ).


    Ich verstehe die CD-Sammlung eher als Angebot, das ich nutzen kann oder auch nicht. Ich muss nicht jede CD bis an mein Lebensende zehmal gehört haben.


    Gerade ist Mozarts c-moll-Messe mit Gardiner supergünstig (€4,44) beim Urwaldfluss zu haben. Sie ist schon bei mir angekommen - und ich freue mich darauf, sie mit den Aufnahmen mit Fricsay und Harnoncourt aus meinem Regal zu vergleichen. Ansonsten hätte ich diese beiden CDs wohl auf Jahre nicht gehört.


    Auch die Möglichkeit etwas zu tun ist eine Bereicherung. Nicht nur das Tun selbst.


    Mit dem Auge am Regal entlang zu wandern, hat auch etwas von einem Fotoalbum: Zu vielen Aufnahmen gibt es eine Menge Erinnerungen. Auch das ist doch etwas wert.

  • Zitat

    Original von Wolfram
    Hallo zusammen,


    Ja, und? Es stehen bei mir auch Bücher im Regal, die ich wohl nicht noch einmal lesen werde.


    Ich erfreue mich an meiner Bücherwand, die sowohl aus Romanen als auch aus Nachschlagwerken, Fotobänden, Kunstbänden, Kochbückern, Lexika, Opernführern, etc. besteht genau so, wie an meiner CD- bzw. DVD- Sammlung.

  • Meine CD- und seit neuestem auch DVD Sammlung betrachte ich als Bollwerk gegen den Zeitgeist - wobei ich ja hier auch auf die Produzenten angewiesen bin - Was nicht produziert wird, das kann ich natürlich nicht kaufen und sammeln. Insofern ist das Bollwerk nur eine relatives.


    Aber wenn dereinst jemand auf die Idee käme gewisse Dinge aus den Katalogen zu streichen, weil die Interpreten, Komponisten oder was weiß ich, zur Zeit nicht politisch genehm sind oder einfach den Platz für Neues verstellen - Dann verfüge ich über ein Archiv, das mir völlige Unabhängigkeit vom aktuellen "Angebot" bietet.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred