Johan Botha - nicht zu überHÖREN

  • Ich denke, Johan Botha hat im "Berühmte-Stimme-Kanon" hier einen eigenen Thread verdient.


    Geboren 1965 in Südafrika und mittlerweile auch Österreichischer Staatsbürger, zählt Johan Botha vor allem im Wagner-Fach zu den gefragtesten Tenören.
    So wie ihn auch seine Leibesfülle kaum übersehbar macht (bitte nun nicht wieder zu diskutieren, das hatten wir schon-.-) , ist er schon gar nicht "überhörbar".
    Als Tannhäuser wurde er in der Wiener Produktion von 2010 gefeiert, auch große Erfolge als Lohengrin, Stolzing und anderen "weicheren" Heldenpartien.
    2003 bekam er als jüngster Sänger überhaupt in Wien den Titel "Österreichischer Kammersänger" verliehen.



    Ich höre ihn gerade in seinem Wagner-Recital, eingespielt 2005:



  • Danke für den Thread!


    Botha ist sicher einer der besten heutigen Wagner-Tenöre. Als Lohengrin fand ich ihn beim Reinhören außerordentlich gut.


    LG
    Joseph
    :hello:

  • Mit der u. a. CD lernte ich die Stimme von Johan Botha kennen:

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Vor kurzem habe ich mir das Abschiedskonzert für Ioan Holender angesehen. Johan Botha singt hier eine bemerkenswerte "Gralserzählung":


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Johan Botha gehört sicherlich zu den bedeutendsten Tenören der heutigen Zeit.
    Bekannt ist er mir bereits seit seinem ersten Engagement in Kaiserslautern. Ein Bekannter von mir hörte ihn dort und meinte bereits damals, Botha wäre ein bemerkenswerter Tenor und hätte eine große Zukunft vor sich. Das kann man ja heute bestätigen.


    Ich kann mich an einen konzertanten Fidelio erinnern, der vor Jahren im TV übertragen wurde, mit Botha als hervorragendem Florestan. Desweiteren an ein Opernkonzert aus München. Hier interpretierte er Arien aus Andrea Chenier u.a. Er hat mich damals sehr beeindruckt.


    :hello:


    Jolanthe

  • Hier interpretierte er Arien aus Andrea Chenier u.a. Er hat mich damals sehr beeindruckt.

    Hallo Jolanthe,


    ich habe Johan Botha als "Andrea Chenier" in Hamburg erlebt. Das war schon ziemlich beeindruckend. Mit der Partie hatte ich mich vorher schon "mein halbes Leben" auseinandergesetzt. Für mich gab es damals - als junger Sänger - nur Del Monaco, Corelli, Bergonzi und Domingo in der Rolle, an die man sich orientierte (Tenöre mit ihrer Hauptwirkungszeit vor dem 2. Weltkrieg einmal ausgenommen). Botha hat mich seinerzeit überzeugt - für mich war (und ist) er in der Rolle stärker als Cura & Co.


    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • einge großartige Stimme - aber leider auch nicht zu "übersehen" - habe ihn einmal auf der Bühne erlebt und fand das schon sehr gewöhnungsbedürftig, diese Masse Mensch (und dann noch zusammen mit Jane Eaglen !).


    Ich weiss nicht, ob er noch so "umfänglich" wie damals ist, in letzter Zeit wird ja sogar geschrieben, dass er diese oder jene Rolle gut gespielt hat ?

  • Er hat heute Geburtstag:




    Botha, Johan, südafrikanischer Tenor, * 19. August 1965 Rustenburg (Südafrika)
    .
    Er begann bereits als 13-Jähriger mit seiner Gesangsausbildung, setzte diese an der Technischen Hochschule in Pretoria fort und debütierte 1989 am Theater von Roodeport als Max im Freischütz.
    1990 wirkte er im Bayreuther Festspielchor mit und debütierte noch im gleichen Jahr als Riccardo in Un ballo in maschera in Kaiserslautern.
    Über Hagen und Dortmund kam er an die Oper Bonn.
    Seit 1993/94 ist er freiberuflich tätig und tritt seither an den führenden internationalen Bühnen auf.
    Lebt heute in Hietzing, Wien, Österreich.


    :jubel::jubel:

  • Johan Botha ist aus meiner Sicht einer der prefektesten Tenöre unserer Zeit. Technisch in allen Lagen vollendet, wunderschönes Timbre, leuchtende Strahlkraft, unforcierte Spitzentöne, geschmeidiges Legato und kultivierten Vortrag. Alles nahezu ideal - und trotzdem hat er nicht ganz den Ruf und die Popularität, die er auf Grund seiner stimmlichen Möglichkeiten eigentlich verdienen würde. Woran liegt es?


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Nun ja...sicher auch daran, dass er nicht vermarktbar ist...und zudem ein äußerst mittelmäßiger Darsteller...und das ist freundlich ausgedrückt. Mit einer Leibesfülle wie der seinen, mit den daraus resultierenden Problemen, ALLEN auf der Bühne gestellten Anforderungen ... Beweglichkeit etc.... gerecht zu werden, macht ein Mann mit einer so großartigen Stimme heute keine herausragende Opernkarriere mehr. Er hat seine Fans...überwiegend echte Melomanen, aber wird aus den genannten Gründen von den Medien überwiegend ignoriert.


    LG
    Fides :hello:

  • Wie haben sich doch die Zeiten anscheinend (leider wohl eher offenkundig) geändert.


    Wenn Körperfülle und mangelnde Schauspielkunst schon immer Kriterien für die Bekanntheit von Sängern gewesen wären, dann hätten u.a. Jessye Norman und Luciano Pavarotti niemals ihre Weltkarriere machen können und im Umkehrschluß hätte man von z.B. Anna Netrebko und Rolando Villazon niemals die Notiz genommen wie es derzeit der Fall ist.


    Auf zwei Opern-Gesamtaufnahmen mit Johan Botha sei ausdrücklich hingewiesen:



    d'Alberts (für mich zu) selten eingespielte Oper, einer der ganz raren Vertreter der Spezies des deutschen Verismo u.a. mit einem sängerisch sehr überzeugenden Botha als Pedro und sein schon erwähntes Rollenporträt als Lohengrin:


    -für mich eine der gelungensten Operneinspielungen der letzten Jahrzehnte (die ich schon seit langem gedenke im entsprechenden Thread genauer vorzustellen...)

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Johan Botha ist aus meiner Sicht einer der prefektesten Tenöre unserer Zeit. Technisch in allen Lagen vollendet, wunderschönes Timbre, leuchtende Strahlkraft, unforcierte Spitzentöne, geschmeidiges Legato und kultivierten Vortrag. Alles nahezu ideal - und trotzdem hat er nicht ganz den Ruf und die Popularität, die er auf Grund seiner stimmlichen Möglichkeiten eigentlich verdienen würde. Woran liegt es?


    Ohne diese Frage beantworten zu können, möchte ich Operus' Urteil über die stimmliche Leistung Johan Bothas vollkommen zustimmen. Sein Cavaradossi in London 1996 hat mich noch nicht so begeistert, aber sein Radamés 2008 in Savonlinna war stimmlich vom Feinsten!


    Gruß, Peter

  • Nun ja...sicher auch daran, dass er nicht vermarktbar ist...und zudem ein äußerst mittelmäßiger Darsteller...und das ist freundlich ausgedrückt. Mit einer Leibesfülle wie der seinen, mit den daraus resultierenden Problemen, ALLEN auf der Bühne gestellten Anforderungen ... Beweglichkeit etc.... gerecht zu werden, macht ein Mann mit einer so großartigen Stimme heute keine herausragende Opernkarriere mehr. Er hat seine Fans...überwiegend echte Melomanen, aber wird aus den genannten Gründen von den Medien überwiegend ignoriert.


    LG
    Fides


    Absolut gegenteilige Meinung!!


    Ein Tenor, der Purzelbäume schlagen kann und radschlagen, aber nicht singen, bleibt für mich evtl. ein Artist, aber niemals ein Sänger.


    Ein Tenor, der aufgrund der Leibesfülle das nicht kann, wie Pavarotti oder Botha, den sehe ich mir mit Freuden an, auch wenn er nur Stehtheater kann. Für mich gar keine Wahl. Ein Tenor ist einer, der Tenor singen kann, egal wie er aussieht. Und Botha gehört zu den besten Tenören, die ich jemals live erleben durfte (Kaiser in Dresden).


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Ich habe nicht das Gegenteil gesagt, mir ist ein herausragender Sänger auch lieber als ein mittelmäßiger mit guten schauspielerischen Fähigkeiten!


    Allerdings ist die Gattung Oper nunmal ein Zwitterwesen, sie besteht nicht ausschließlich aus Musik und Gesang, ein Minimum an körperlichen Fähigkeiten sowie darstellerischer Präsenz sind wichtig...mit Rumstehen und schönen Tönen wird man, sorry, nicht mehr zum "Star"...wie auch immer man das bewerten mag. Und man ist dann auch im Grunde kein/e Opernsänger/in...man ist Sänger/in, oft großartig, aber für die Oper nicht wirklich geeignet!


    LG
    Fides :hello:

  • Ich habe Johan Botha in Berlin in der Philharmonie in Mahlers Achter unter Sir Simon Rattle erlebt, des weiteren in Essen. Er ist sicherlich ein großartiger Sänger, aber er spielt auch nicht wenig mit seiner Gesundheit. Die stimmliche Potenz wäre auch mit hundert Pfund weniger Körpergewicht zu erzielen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die stimmliche Potenz wäre auch mit hundert Pfund weniger Körpergewicht zu erzielen.


    Glaubst Du wirklich? Denk mal an Deborah Voigt! Bauch weg, Stimme (zum Glück noch nicht ganz) weg! Auch die Callas läßt grüßen.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • macht ein Mann mit einer so großartigen Stimme heute keine herausragende Opernkarriere mehr.


    An Körpergewicht und -fülle ist er garantiert "hervorragend", an stimmlichen Möglichkeiten aber eben auch, und das sollte im SÄNGER-Beruf doch entscheidend sein.


    Außerdem singt der Mann seit Jahren an nahezu allen bedeutenden Opernhäusern: Wien, Berlin, Hamburg, Salzburg, Bayreuth, immer wieder London und die MET in New York - vor einigen Wochen als Otello einem weltweiten Millionenpublikum übertragen. Wenn das keine "herausragende Opernkarriere" ist, was denn dann?


    Dass ihn diese große Karriere trotz seiner optischen Nachteile gelungen ist, spricht klar für seine stimmlichen Fähigkeiten - und nach 20 Jahren Karriere klingt er immer noch frisch und gesund - das muss ihm von den Medienlieblingen wie Villazon erstmal jemand nachmachen!


    Meine Erstbegegnung mit ihm im Januar 1994 war äußerst unglücklich, Bajazzo an der Komischen Oper Berlin auf deutsch in einer sehr guten Mielitz-Inszenierung, die aber in dieser Aufführung mit ihm nicht wirklich stattfand. Ich war sehr sauer über seine Lethargie, die Stimme war ordentlich, aber ohne die Emotion und den Ausdruck, welche die Hausbesetzung Günter Neumann in diese Rolle einbrachte. Nach meiner Erstbegegnung mit ihm stand er also erst einmal auf meiner "Schwarzen Liste"... ;)


    Aber dann: ein höchst eindrücklichles Erlebnis war seine Interpretation der Tenor-Hauptrolle in Webers selten aufgeführter Oper "Silvana", im November 1994 von der Staatskapelle Berlin unter Hartmut Haenchen im Rahmen eines Sinfoniekonzertes konzertant im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin gegeben. Und da war Botha nicht nur stimmlich hervorragend, sondern konnte auch im stimmlichen wie mimischen Ausdruck problemlos neben Größen wie Siegfried Lorenz und René Pape bestehen konnte.


    Dann folgten zahlreiche Auftritte im italienischen Fach: Turiddu, Pinkerton und immer wieder Cavaradossi und Radames. Stimmlich habe ich nie einen besseren Cavaradossi erlebt als ihn, beim Radames war vor schon allein der Schlusston der Arie ein Ereignis: das hohe B auf "sol" erst vom pianissimo bis ins fortissimo aufzuziehen und dann anschließend wieder bis ins pianissimo zurückzunehmen - das schaffen nur die Allerallerwenigsten!


    Auch im deutschen Fach hatte er in Berlin große Abende, sang 1996 einen grandiosen XXL-Lohengrin mit allen Teilen, die je dafür komponiert wurden und meistens weggelassen werden (2. Teil Gralserzählung, "O Elsa, was du mir angetan" usw.) - das einzige Mal, dass ich einen Lohengrin live wirklich sooo vollständig erlebt habe. Schon Seiffert zwei Wochen später sang die Partie wieder mit den üblichen Strichen in der gleichen Inszenierung. Noch 2008 war Botha ein toller Lohengrin an der Deutschen Oper Berlin. Seinen Florestan mochte ich weniger, aber sein Stolzing 2004 an der Staatsoper Berlin war ebenfalls ein Ereignis erster Güte.


    2006 bin ich nach Wien gefahren, um seinen 2. Otello live zu erleben (also die 1. Reprise) und war auch sehr angetan, wenn auch nicht vollends begeistert. Schöner und edler kann man diese Partie nicht singen, aber emotionaler und feuriger, in der Tiefe war es auch ein bisserl dünn, dennoch habe ich stimmlich nie einen besseren Otello live erlebt (u.a. Atlantov, Giacomini, Kalt, Franz, von Kollo ganz zu schweigen; Domingo kenne ich live nur mit dem 4. Akt, das kann nicht als Komplettalternative zählen). In diesem Jahr hatte ich ihn damit auch noch 2x an der Deutschen Oper Berlin.


    2010 bin ich zum ersten Mal nach Covent Garden London gepilgert, um ihn einmal als Tannhäuser live zu erleben, für viel Geld, aber immerhin ohne Guth... Auch das war hochachtbar und toll gesungen, auch wenn er nicht mein live erlebter Lieblings-Tannhäuser wurde (der bleibt für mich Klaus König).


    Im Mai dieses Jahres erlebte ich in Hamburg einen makellos gesungenen Bacchus von Botha - das singt ihm derzeit so wohl kein anderer nach.


    Fazit: ein - in jeder Hinsicht - bärenstarker Sänger, dieser Botha! :)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Vor zwei Wochen sang Botha einen phänomenalen Stolzing an der Wiener Staatsoper. Das Publikum war hingerissen. Da sieht man über vieles hinweg, was optisch nicht ganz so ideal ist. Ein toller Tenor, der sicherlich einer der besten lebenden seines Faches ist.

  • Am Donnerstag, 30. Mai 2013 sendet OE 1 um 19.30 Uhr einen Mitschnitt vom Wagner-Konzert vom 28. Mai 2013 aus dem Wiener Musikverein. Es handelt sich um das gleiche Konzert, das vor wenigen Tagen in Dresden stattgefunden hat. Einziger Unterschied: Statt Kaufmann singt Johan Botha. Christian Thielemann dirigiert erneut die Sächsische Staatskapelle Dresden.


    Programm:
    Richard Wagner: Ouvertüre "Der fliegende Holländer"
    "Faust-Ouvertüre" d-Moll (Fassung 1855)
    Gebet des Rienzi "Allmächt'ger Vater"
    Ouvertüre "Rienzi"
    Vorspiel "Lohengrin"
    Gralserzählung aus "Lohengrin"
    Hans Werner Henze: "Fraternité" - Air pour l'orchestre
    Richard Wagner: Romerzählung des Tannhäuser "Inbrunst im Herzen"
    Ouvertüre "Tannhäuser"


    Aufgenommen am 28. Mai 2013 im Großen Musikvereinssaal in Wien.



    So kurz nach dem Dresden-Konzert sind Vergleiche Kaufmann - Botha schon vorprogrammiert. Kaufmann sang eine gute Gralserzählung, doch die Romerzählung brachte ihn an seine Grenzen. Damit sollte Botha eigentlich keine Schwierigkeiten haben.
    Welcher Wagnergesang bekommt den Vorzug - der dunkel timbrierte Kaufmann oder der Belcanto-Wagnersänger Botha?



    Gregor

  • Ich habe mich ja schon oft unbeliebt gemacht, daher sage ich über Johan Botha nur: Parsifal in Salzburg. Was für ein Desaster!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Wenn ich schon blind sein muss, um Johan Botha als Parsifal zu schätzen, kann ich mir genausogut einen richtig guten Parsifal anhören!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Parsifal in Salzburg. Was für ein Desaster!


    Aber er hatte doch eine schöne Jacke an!


    La Roche


    Im Übrigen war dieser Parsifal echter Quatsch. Warum sollte da ausgerechnet Botha Spitze sein?? Es gibt viele Opern, in denen ich Botha lieber als viele andere sehen möchte, aber nicht wieder als bunter Laubfrosch (was ja nicht Bothas Schuld war).

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Als Wiener hatte ich schon oft das Vergnügen, tolle Opernabende mit Johan Botha genießen zu können.


    Vieles, was über ihn hier in diesem Thread geschrieben wurde, stimmt. Über seine Leistung in Salzburg kann ich nichts sagen, da ich nicht vor Ort war - und nur auf Basis einer Fernsehübertragung ein endgültiges Urteil abzugeben, das maße ich mir nicht an.


    Botha ist zur Zeit sicherlich der überragendste Sänger des Siegmund und des Stolzing. Ich habe noch niemals (auf auf Schallplatte oder CD) einen besseren Apoll in Daphne gehört, das gleich gilt auch für seinen Part in der Ariadne. Ich mochte ihn auch als Tannhäuser, seine Gralserzählung in Lohengrin (ich habe übrigens noch keinen anderen Tenor in den letzten Jahren gehört, der diese vollständig gesungen hat) ist einfach phantastisch.


    Und auch als "Sänger" im Rosenkavalier wusste er mehr als zu überzeugen (ich glaube, diesen Part hat er nur ein einziges Mal gesungen, bei der Neueinstudierung in Wien unter Philippe Jordan - ist auch schon ein paar Jährchen her).


    Im italienischen Fach erlebte ich ihn als Cavaradossi, Andrea Chenier, Turridu, Otello und Radames - auch immer stimmlich überzeugend.


    Was seine schauspielerischen Fähigkeiten angeht - nun ja, sie sind ziemlich beschränkt, doch in Neuproduktionen sieht man dass, wenn sich ein Regisseur Zeit für ihn nimmt, er sehr wohl auch hier ein Niveau erreichen kann, das von den "Singschauspielern" nicht allzu sehr abfällt!


    Und auch die stimmliche Entwicklung ist bemerkenswert. Vor ca. 10 Jahren hatte ich oft das Gefühl, dass er zwar die Noten immer perfekt trifft, doch die emotionellen Hintergründe seiner Partien noch nicht ganz umsetzen kann. Dies hat sich auch stark verbessert.


    Zu Anfang der Ära "Meyer" an der Staatsoper verstieg sich dieser in die Ansage, dass er keine wohlbeleibten Sänger mehr engagieren möchte. Nach einer Saison (fast) ohne Botha ist er jetzt wieder sehr oft an seinem Stammhaus anzutreffen - auch wenn das ein paar Regietheater-Trolle stört :-)


    Was auch nicht unerwähnt werden sollte - natürlich ist Botha schon längst auch ein Österreicher (wie übrigens auch JD Flórez - wir sind wirklich gut im Akquirieren von Sängern, nur den Hvorostovsky haben die Engländer uns vor der Nase weggeschnappt X( ). Er ist auch sehr aktiv in seiner Kirche und wirkt auch oft bei Benefizveranstaltungen mit!!!

  • Warum sollte man die Gralserzählung "vollständig" singen, wenn Wagner selbst diese 2. Strophe gestrichen hat?
    Jonas Kaufmann ist meiner Meinung nach als Siegmund mindestens genau so gut (für mich besser) wie Botha, er singt allerdings auf Tonträger auch diese überflüssige 2.Strophe.


    :hello: Herbert

  • Zitat von Herbert Henn

    Warum sollte man die Gralserzählung "vollständig" singen, wenn Wagner selbst diese 2. Strophe gestrichen hat?

    Mein lieber Herbert!


    Warum sollte die 2. Strophe nicht gesungen werden? Weil Wagner sie gestrichen hat? Die wahren Gründe kennt man nicht. Aber wenn ich mir historische Aufnahmen (z. Bsp. mit Franz Völker) anhöre, dann möchte ich den kompletten Lohengrin-Auftritt nicht missen.



    Zitat

    Jonas Kaufmann ist meiner Meinung nach als Siegmund mindestens genau so gut( für mich besser) wie Botha, ...

    Hier sind wir, wie fast immer, einer Meinung! ;)




    Herzlichst
    Wolfgang

  • Hat man den früher von Opernsängern verlangt das sie schauspielerisch begabt sein müssen? Herr Botha ist ein toller Sänger und ich hab mir vorgestern die Walküre aus Bayreuth aus dem Jahr 2010 runtergeladen. Und so schauspielerisch begabt ist Jonas Kaufmann auch nicht. Hab mir mal den Parsifal aus der Met angeschaut, zugegeben er sieht besser aus, aber trotzdem gefällt mir Botha besser. Und Frau Voigt hat sich ja auch nach heftigen Anfeindungen das Gewicht absaugen lassen, und was wird jetzt geschrieben: wo sie dicker war hat sie besser gesungen.

  • Zitat von rodolfo39

    Hab mir mal den Parsifal aus der Met angeschaut, zugegeben er sieht besser aus, aber trotzdem gefällt mir Botha besser. Und Frau Voigt hat sich ja auch nach heftigen Anfeindungen das Gewicht absaugen lassen, und was wird jetzt geschrieben: wo sie dicker war hat sie besser gesungen.

    Mein lieber rodolfo!


    Ob dick oder dünn, hoch oder breit, die Stimme von Jonas Kaufmann gefällt mir einfach besser!



    Gruß Wolfgang