zart hingetupft oder mit dickem strich aufgetragen ....die malerei in der musik

  • einen sonnigen guten morgen, liebe taminoianer,
    als ich heute morgen durch die herrliche landschaft fuhr, kam mir der gedanke zu diesem thread...


    wie verhält es sich mit farbe und malerei in der musik? bewußt frage ich nicht nach den diversen visionen eines gesamtkunstwerks (z.b. skrijabin) , sondern ganz 'real':


    welche musikwerke wurden durch malerei oder farbe veranlaßt oder umgekehrt?
    (nun, mindestens zwei fallen bestimmt jedem ein :D )
    aber auch:


    welche rolle spielen maler in der musik?
    (auch hier mindestens ein berühmtes besipiel...)


    wer kennt von euch das phänomen der synästhesie (direkte farbvorstellung bei bestimmten tonarten/akkorden/klängen) 'am persönlichen leib' und kann darüber berichten ?


    bin gespannt .... :hello:

  • Salut,


    im Thread Johannes vs. Matthäuspassion schrieb ich:


    Zitat

    Bei mir ist es nicht immer der Fall, dass ich solche absoluten Farbzuweisungen erlebe, aber in diesem Fall ja. Wobei es sich auch um einen "Freund'schen" handeln könnte [Johannes-Passion vs. Johannes-Beere]. A-Dur ist in jedem Fall bei mir gelb, B-Dur schwarz, G-Dur hellblau, Es-Dur bordeauxrot, C-Dur weiß [wobei weiß und schwarz ja keine Farben sind]...


    Ergänzen kann ich noch c-moll mit dunkelgrün.


    Ach ja: Mathis, der Maler von Paulchen Hindemith fällt mir spontan ein.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Ein hochinteressantes Thema, das man auf hundert Arten beleuchten kann.


    Sei es nun, daß man sich mit Skrijabin befasst - über das Vergleichen von Referenzaufnahmen hinaus -oder sich mit den Bildern von Hartmann befasst, der in meinen Augen wahrlich kein großer Maler war, aber immerhin Mussorgsky zu den "Bildern einer Ausstellung" inspiriert hat, der seinseits Ravel, Stokovsky, Ashkenazy und ander- eine Kettenreaktion gewissermaßen...


    Bildnisse in der Oper - Sie spielen eine größere Rolle als man im ersten Augenblick vermuten mag - Sei es Pamionas Bild in der "Zauberflöte", das Tamino zu "Dies Bildnis ist bezaubern schön" animiert - oder jenes des Finsteren Mannes in Sentas Stube, das sich dann als jenes des "Fliegenden Holländers" entpuppt. Nicht zu Vergessen Das Bild des Urahns, das in Webers "Freischütz" von der Wand fällt uind so für düstre Vorahnung sorgt, bis hin zu jenem Bild von Antonias Mutter in "Hoffmanns Erzählungen" das von Dr. Mirakel "belebt" wird und so kann er über diese "Trugbild" Antonia zum Singen verleiten, bis sie tot uimfällt. Die Liste ließe sich fortsetzen.


    Dann natürlich noch alle jene Bilder der Vergangernheit, die Zeugnis davon ablegen, welch hohen Stellenwert Musik in der Vergangenheit eingenommen hat. Sei es durch di detailgenaue Dasrstelluing alter Instrumente, dei es durch die Portraits bekannter Musiker, sei es durch die (oft idealisierte) Darstellung häuslicher, bürgerlicher oder höfischer Musikszenen.



    Stellvertretend für viel sei hier der berühmte Lautenspieler von Caravaggio gezeigt, der in zwei Versionen existiert, von denen eine in St. Petersburg in der Eremitgae, die andere in New Yorker Privtbesitz ist.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • genau, die beispiele meinte ich auch ... :yes:
    hinzu kommen noch z..b.


    der prometheus von skrijabin für klavier, chor, orchster und FARBENKLAVIER ....
    dies sollte auch eine prominente rolle in seinem leider unvollendetem mysterium spielen


    die colour symphony von arthur bliss (vier sätze je einer farbe zugeornet)


    und natürlich tosca: caravadossi ist ja maler ....


    und frage, wen regte die 'einschiffung nach kythera' an ? debussy oder ravel .. ich weiß es nicht mehr genau ...


    und kleiner scherz am rande, da mir die hitze im büro zu kopf steigt: alles von gustav ma(h)ler :wacky: :stumm:


    :hello:

  • wo wir schon bei den großen malern sind: oskar kokoschka hat ja - glaub ich auch komponiert ???? auch e.t.a. hoffmann war ja literat, komponist und maler ...
    viele grüße

  • Hallo


    Zitat

    welche rolle spielen maler in der musik?


    Klingsor hat mir ja den Cavaradossi schon weggenommen, aber Marcel in der Bohème ist auch Maler (in stückenahen Inszenierungen findet sich meist auch eine Staffelei im Zimmer von Rodolfo und Marcel).

  • Hallo allerseits,


    hier war ja auch schon die Rede vom Malen nach der Musik.
    Meiner Meinung nach geht es am besten bei etwas modernerer Musik. Sicher aber auch bei Mozart etc....
    Jedenfalls gehe ich da eher nach Gefühl vor. Ganz klar...tiefe, finstere Töne ist eben auch eine dunkle Farbe und helle, strahlende Töne sind eben leuchtende, helle Farben...
    Aber so richtig kann ich euch nicht sagen, wie ich dabei vorgehe, welche Farbe es dann genau ist...dies liegt auch daran, welche Stimmung durch die Musik vermittelt wird. Denn diese Stimmung wirkt sich ja eben in mir oder auf mich aus und dann "bestimmt" sie eben die Farbe...



    Klingsor...du hast ja gefragt, welche Werke durch die Musik entstanden, oder welche Malerein durch die Musik...
    Ich habe irgendwie einen Namen auf der Zunge liegen...aber er will nicht raus!!! er hat zumeist Werke on Arnold Schönberg auf´s Bild gebracht...aber auch andere moderne Werke...wer war das nur...(ist natürlich kein Quiz :D ber vielleicht kennt ja trotzdem einer den "Schönberg-Maler" ;) :] :D)
    Ich werde mich da noch mal schlau machen...ich weiß das wir in der Schule ein Buch haben, wo von ihm Zeichnungen drin sind...


    Gruß, Maik

  • JA!!!
    Ich glaube der war es! Danke dir Klingsor!
    Kandinsky war es, der ein paar Werke von Schönberg aufs Bild gebracht hat!


    Schönberg hat das a-tonale in die Musik eingebaut und Kandinsky das abstrakte...
    Wunderbar aufeinander abgestimmt...zwei Freunde, die super zusammen passten!

  • hallo maik, ja, sie waren ein ideales paar und hochbedeutend noch dazu .... sie entfremdeten sich leider, als kandinsky dann später in antisemitische strömungen geriet , die berufung von schönberg ins bauhaus verhinderte und sich das verhältnis der beiden extrem verschlechterte ... ein sehr trauriges kapitel, das kaum ins öffentliche bewußtsein gedrungen ist .... :( 8o :(
    grüße

  • Hallo, liebes Forum,


    hier von mir ein paar ausgewählte Beispiele zum Thema Malerei und Farbe in der Musik:



    Franz Schreker (1878-1934):
    Die Gezeichneten - Oper in 3 Akten 1913-15
    Eine Oper, in der Schreker ausnahmsweise einmal nicht ein musikalisches Phänomen aufgreift, sondern die Malerei in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Der Titel der Oper, 'Die Gezeichneten', wird allerdings nicht ausschließlich auf den künstlerischen Bereich angewandt, sondern ist doppeldeutig zu verstehen.
    Einerseits werden die Bildmodelle, die sich die weibliche Hauptfigur, die Malerin Carlotta Nardi, erwählt, von ihr gezeichnet, andererseits sind sowohl ihr Geliebter, der reiche und verkrüppelte Edelmann Alviano Salvago (der am Ende dem Wahnsinn verfällt) als auch sie selbst (die unter einer seelischen Störung leidet) vom Schicksal gezeichnet.


    Sir Arthur Bliss (1891-1975):
    A Colour Symphony für Orchester, opus 24 1921/22, rev. 1932
    1. Purple - Andante maestoso
    2. Red - Allegro vivace
    3. Blue - Gently flowing
    4. Green - Moderato
    Eine ganz besonders originelle Idee hat der englische Komponist Sir Arthur Bliss in seinem ersten großen Orchesterwerk 'A Colour Symphony' umgesetzt, in dem er jedem der vier Sätze einen bestimmten Farbton zugewiesen hat, der jeweils mit bestimmten Stimmungen und Naturphänomenen assoziiert werden kann.


    Max Reger (1873-1916):
    Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin für Orchester, opus 128 1913
    1. Der geigende Eremit - Molto sostenuto
    2. Im Spiel der Wellen - Vivace
    3. Die Toteninsel - Molto sostenuto
    4. Bacchanal - Vivace
    Ein Beitrag Regers zur von ihm ansonsten gemiedenen Gattung der Symphonischen Dichtung, in dem er sich von vier bekannten Gemälden Arnold Böcklins inspirieren ließ.


    Othmar Schoeck (1886-1957):
    Das Wandbild - Eine Szene und eine Pantomime von Ferruccio Busoni, opus 28 1918



    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo Jörg,


    schon jemand anders hat sich beschwert, dass Du einem die schönsten Ideen wegschnappts ... Zu Synästhesie hatte ich ebenfalls bereits begonnen, ein paar Ideen zu sammeln. Mit dem Boom der Hirnforschung erlebt dies Phänomen geradezu eine Renaissance. Es gilt nicht als Krankheit und wird relativ selten nachgewiesen: im Verhältnis 1 : 2000, erstaunlicherweise 7mal häufiger bei Frauen als Männern. Synästhesie steht in unerklärtem Zusammenhang mit bestimmtem Traumverhalten (die Fähigkeit, innerhalb eines Traums sich dessen bewusst zu werden, gerade zu träumen).


    Es lassen sich jedoch keine übereinstimmenden Zuordnungen von Tonarten zu Farben nachweisen. Synästhesie wird dadurch nachgewiesen, wenn jemand eine solche Zuordnung nennen kann und diese nach einem gewissen Zeitabstand identisch wiederholt.


    Als typische Doppelbegabungen gelten: E.T.A Hoffmann, Baudelaire, Liszt, Ciurlionis, Sibelius, Kandinsky, Schönberg, Scriabin, Messiaen, von denen die meisten ja auch schon genannt wurden.


    Hier fällt natürlich auf, dass dies irgendwie mit der Romantik und Bezügen zu esoterischem Denken zusammenzuhängen scheint und es eine große Häufung um 1900 gibt. Wenn schon nicht Ma(h)ler, so kann aber wohl doch die ganze Richtung des Impressionismus als malerisch gesehen werden. Die ausgeprägteste Farbenpracht sehe ich in Debussys „Nachmittag eines Faun“. Sind hier überhaupt noch Töne zu hören vor so viel Farben?


    Ist also Synästhesie ein Zeitphänomen, oder war – was ich für wahrscheinlicher halte – die Zeit um 1900 besonders interessiert an solchen Phänomenen? Sind Synästhesisten Romantiker mit Hang zum Okkultismus?


    Die berühmteste Zuordnung stammt von Scriabin:


    C Rot
    G Orange
    D Gelb
    A Grün
    E Hellblau
    H Weissblau
    FIS Blau, gesättigt
    DES Violett
    AS Purpur
    ES Dunkles Stahlblau
    B Blaugrau, metallisch
    F Dunkelrot


    Ich selbst erlebe Zuordnungen von Musik zu Bildern eher über den inneren Rhythmus, den Atem eines Stücks.


    Als Beispiel ein Gemälde von Schönberg von 1910:



    Viele Grüße,
    Walter

  • habe gerade gelesen, daß riccardo zandonai sich von vier bildern eines ital. malers zu vier orchsterskizzen hat anregen lassen. nauaufnahme bei cpo ...werd ich mir mal bestellen

  • Heute morgen las ich im Hardenberg Musikkalender, dass Leonard Bernsteins 2. Sinfonie The Age of Anxiety zum Teil von einem Gemälde inspiriert wurde. Leider hab inzwischen den Name des Malers schon wieder vergessen. Es ist darauf eine Bar abgebilden, an der zwei Herren und eine Dame sitzen, dazu der Barkeeper. Die Szene wirkt sehr verloren und beklemmend.


    Ein Zitat dazu von leonardbernstein.com:
    What happens in the [Age of Anxiety] is anything but optimistic. In the poem everyone is completely drunk and trying desperately to have a good time. This feeling of desperation is there all the time and they are having a good time but the kind of good time which one hour later is horrible. The piece deals a great deal with alcohol... The whole scene takes place in a bar, and four people find each other in a bar, all lonely, all full of problems – three men and a woman – and it is through alcohol that they begin to search out these semi-conscious, really unconscious, adventures which are going back to their roots – and then that series of variations called the 7 stages, which is a kind of spiritual journey that is taken to try to arrive at a place where relationships can be formed and faith can be established. That takes them as far as the end of Part I of the Symphony and there is a sort of brilliant ending, but it is very equivocal. They find nothing.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo, Thomas!


    Bernstein hat sich bestimmt auf dieses Bild bezogen:



    Edward Hopper: Nighthawks (ein "Klassiker" der amerikanischen Moderne)



    Mir fallen auch noch zwei Werke ein, die Liszt durch den Eindruck von Gemälden vertont hat:
    Die "Hunnenschlacht" wurde durch Wilhelm von Kaulbachs Fresko gleichen Namens im Neuen Museum Berlin angeregt.
    Anregung für den "Totentanz" war das Fresko "Der Triumph des Todes" im Campo santo in Pisa.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hier findet man dieses bekannte Bild in einer tollen Großaufnahme...man erkennt somit auch einige kleine Details besser.
    Zum Beispiel die Gesichter.


    Das Bild ist von 1942.
    Die Uraufführung von Bersteins 2.Sinfonie war 49.

  • Inspiriert durch Bilder und geleitet vom ganzheitlichen Anspruch des Bauhaus-Gedankens, wandte sich Maler und Bauhaus-Aktivist Lyonel Feininger auch der Musik zu und komponierte Fugen für Klavier.



    Die CD mit dem Feininger-Klavierwerk sowie dem Zyklus "Feininger Impulse" (Kurt D. Richter) kann man direkt bei der Pianistin Viviane Goergen h i e r erwerben.


    g

  • Ich bin soeben regelrecht über diese CD gestolpert:



    Ein wunderbares Cover zu dem Bild von E.Hopper.


    Bei jpc hab ich es gefunden.


    Leider habe ich Bernsteins 2. Sinfonie nicht im Programm entdecken können...


    Gruß, Maik

  • Hallo Maik,


    wie wäre es dann denn mit dieser Aufnahme:



    (Hamelin, Ulster Orchestra/ Sitowetzky)


    Aber ehrlich, wenn Dich Bernsteins 2. Sinfonie interessiert, würde ich zunächst zu seinem eigenen Aufnahmen raten, vor allem zu den beiden älteren mit Foss (1.Fassung der Sinfonie) bzw. Entremont (2.Fassung) am Klavier:



    Da ist zwar "nur" Bernstein auf dem Cover, aber die Interpretationen sind außergewöhnlich....


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Oh weh...Hallo C.Huth!


    Also, ich hab ja gesagt, dass ich über das Bild gestolpert bin. Ich habe ein wenig bei jpc gestöbert, aber nicht nach Bernsteins 2., sondern eigentlich nach interessanten Aufnahmen von Dvorak gesucht. Dabei entdeckte ich dann das Cover und mir kam sofort dieser Tread in den Sinn. Zunächst Bernstein und dann Hopper. Dann, dass Bernsteins 2. nach dem "Vorbild" dieses Bildes entstand. Jedoch habe ich in der Titelliste nicht Bernsteins 2. gefunden.
    Es hatte also rein gar nichts mit einem Interesse für das Werk zu tun. Das habe ich jedenfalls erstmal noch nicht.
    Trotzdem danke für die anderen CDs.


    Gruß, Maik