Edwin Fischer (1886 - 1960)

  • Edwin Fischer (* 6. Oktober 1886 in Basel; † 24. Januar 1960 in Zürich, Bürger von Weggis) war ein Schweizer Pianist, Dirigent und Musikpädagoge, der insbesondere durch seine Interpretationen von Bach und Beethoven bekannt wurde. Er war Schüler von Martin Krause, der wiederum Schüler von Franz Liszt war.


    "Nicht ich spiele - es spielt"


    Zitat

    Edwin Fischer wird zu den großen Pianisten des 20. Jahrhunderts gezählt. Sein Repertoire kreiste vor allem um die Klassiker Bach, Mozart und Beethoven. Dabei war er kein Perfektionist, in seinen Aufnahmen finden sich auch Verspieler.


    Im Deutschlandradio erinnert Wolfram Goertz heute an den 125. Geburtstag des Schweizer Pianisten.


    Den kompletten Text gibt es hier - zum Nachlesen oder Nachhören:


    http://www.dradio.de/dkultur/s…en/kalenderblatt/1570797/



    LG


    :hello:

  • Wenn hier steht "in seinen Aufnahmen finden sich auch Verspieler", dann muß gesagt werrden, daß das eher untertrieben ist. Edwin Fischers "Verspieler" sind gradezu legendär - ein Markenzeichen _ wenn man so will
    Und er wurde stets als Beispiel genannt, daß derartige Schwächen nicht im Gegensatz zu dem stehen müssen, was man einen "Großen Pianisten" nennt. Neben Gieseking und Schnabel war er er dritte große Beethoven-Interpret seiner Zeit.
    Wir werden im Laufe des Threads einige seiner Aufnahmen vorstellen, die natürlich durchwegs "historisch" klingen.


    Eine Ausnahme - und mit dieser möchte ich starten - stellt die nebenstehend abgebildete und verlinkte Aufnahme von Überspielungen alter Wwlte-Mignon -Walzen (ab 1909) dar, welche uns besser als jede Schllackplatte vermitteln, wie Fischers Klavierspiel Anfang des 20. Jahrhunderts geklungen hat. Frei vom Rauschen der Schellackplatte, frei von blechernen Verfärbungen eines Aufnahme- oder Wiedergabetrichters hören wir Fischers Klavierspiel mit all seinen Eigenarten - wie eine Aufnahme von heute. Mich wundert, daß diese Aufnahmen - es gibt deren etliche - nicht öfter angeboten, bzw gehört werden....



    mfg aus Wien


    Alfred

  • Neben Gieseking und Schnabel war er er dritte große Beethoven-Interpret seiner Zeit.


    Das würde ich so nicht sagen. Walter Gieseking war nicht für seinen Beethoven berühmt, er galt als überragender Interpret von Mozart, Debussy und Ravel. Als Beethoven-Spieler seiner Generation war Wilhelm Backhaus ungleich bedeutender.


    :hello:

  • Gestern habe ich jetzt, bevor sie auch vergriffen ist, die Fischer gewidmete EMI-Box erhalten. (Immerhin ist ja mit dem WTK eine der 50 greatest darin... das hatte ich allerdings teilweise schon vorher als download)



    Leider zeigt sich m.E. hier (wie vielleicht an der gesamten Reihe?) ein "schnell&billig"-Vorgehen. Irgendwie ist das eine halbe Sache:


    Die Aufnahmen sind anscheinend nur teilweise in neueren Überspielungen enthalten, so hat man etwa bei den Bach- und Mozart-Konzerten offenbar schlicht die Transfers der "EMI references" aus den späten 1980ern oder frühen 1990er wiederverwendet. Zwar klingen sie für mich isoliert betrachtet nicht katastrophal, aber normalerweise sollte man davon ausgehen, dass heute durch die die Digitaltechnik wesentlich raffiniertere Verfahren zur Verfügung stehen, um das beste aus historischem Material rauszuholen (und einige der Solo-Aufnahmen sind anscheinend auch 2007 remastered).
    Was mich noch mehr ärgert, ist folgendes: Fischers Bach und vermutlich auch sein Mozart sind wohl halbwegs vollständig erhalten (was die HMV/Electrola/EMI-Aufnahmen betrifft, bei Music & Arts gibt es noch Live-Mitschnitte) *
    Bei Beethoven verstehe ich zwar, dass man nicht je zwei Aufnahmen von zB Pathetique inkludiert. Aber es fehlen die Studio-Aufnahmen von op.10/3; op.110 und op.111, von denen op.10/3 auf einer älteren CD als Füller zum 5. KK und op.110 in der "Great Pianists of the 20th century)
    Schmankerln wie anscheinend existierende Kammerorchestereinspielungen von op.133 und des Ricercare aus dem Musikal. Opfer zu erwarten, wäre wohl eh zuviel verlangt gewesen.
    Aber man hätte doch Nägeln mit Köpfen machen können und die fehlenden Beethovensonaten (sowie ggf. die 1930er op.13 u. op.57) und die Handvoll weiterer Solo-EMI-Studioaufnahmen (Brahms 3. Sonate + Füller, Wandererfantasie, Schumanns C-Dur-Fantasie) mit reinnehmen können. (Es gibt auch noch einige Lieder mit Schwarzkopf sowie Kammermusikaufnahmen und einiges als Dirigent, das man das vielleicht weglässt, ist nachvollziehbar.) Dann hätte das Set halt 15 CDs statt 12 wäre aber, ggf. von Dubletten abgesehen, einigermaßen komplett. Selbst mit allen Dubletten oder noch Kammermusik wären es keine 20 CDs geworden.
    Da ist die franz. EMI mit ihren tatsächlich kompletten Editionen der Einspielungen von Samson Francois, Cziffra u.a. wesentlich sinnvoller vorgegangen.
    Die Majors sollten sich nicht wundern, wenn man dann lieber gleich zu einer "grauen" Box wie der weiter oben im thread gezeigten, greift...


    * "http://fischer.hosting.paran.com/music/Fischer/Discography_Fischer.htm" listet noch ein paar Einzelstücke, sowie Transkriptionen, die in der Box auch fehlen. Außerdem scheint es zwei Einspielungen des d-moll Konzerts KV 466 zu geben.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich darf daran erinnern, dass Edwin Fischer am 24. Januar 1960 in Zürich starb.


    Heute ist sein 55. Todestag

    .


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Mit dieser legendären Aufnahme wird Edwin Fischer wohl in Zeit und Ewigkeit nicht vergessen werden. Sie ist, soweit ich das feststellen kann, nie aus dem internationalen Angebot verschwunden:
    BEETHOVEN: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, op. 73 (+ Sonate Nr. 7 D-Dur, op. 10/3)
    mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Wilhelm Furtwängler (Aufnahmen: Konzert 2/1951; Sonate 5/1954, Abbey Road Studios, London).
    Sie ist in diversen Ausgaben erhältlich und natürlich auch in der in Beitrag 4 von Johannes Roehl gezeigten ICON-Box enthalten.


    Eine sehr schöne CD möchte ich aber in diesem Zusammenhang noch nennen:
    SCHUBERT: 12 Lieder & Moments musicaux, D. 780
    Elisabeth Schwarzkopf (Sopran) mit Edwin Fischer (Klavier); Aufnahmen: Lieder 10/1952, Moments 5/1950, Abbey Road Studios, London.
    Hier erweist sich E. Fischer als kompetenter, einfühlsamer Liedbegleiter für die wunderbare Elisabeth Schwarzkopf (ein Pendant zu den Mozart-Liedern von 1955 mit Walter Gieseking).
    Die Moments musicaux sind eine willkommene Beigabe. Es gibt m.W. nur wenige Schubert-Aufnahmen mit dem Schweizer Pianisten.


    LG, Nemorino

  • Erinnert sei noch daran, daß Edwin Fischer der erste Pianist war, der Bachs Wohltemperiertes Klavier vollständig auf Platten aufnahm, zwischen 1933 und 1936 für HMV/EMI. Es ist in der bereits weiter oben gezeigten ICON-Box enthalten.


    Wer nicht die ganze Box braucht, der kann die Aufnahme auch einzeln erwerben:
    oder in dieser Ausgabe:
    Das links gezeigte Album ist eine originale EMI-Edition, rechts handelt es sich um eine Ausgabe des Billig-Labels Membran. Erfahrungsgemäß muss man da mit leichten Klangeinbußen rechnen.


    LG, Nemorino

  • Ich möchte auch daran erinnern, dass ich am 6. Oktober bereits an seinen 132. Geburtstag erinnert habe. Vielleicht sollte mal ein neuer Threatitel gefunden werden, etwa so: Edwin Fischer (1886 - 1960). Edwin Fischer hätte es verdient.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    wie ich festgestellt habe, gibt es hier sogar zwei Threads über Edwin Fischer: diesen hier und einen anderen mit dem Titel FISCHER, EDWIN, EIN ERLEUCHTETER PIANIST.


    Nur, leider, wenn man den letzteren aufruft, so erscheint ein Thread über SAMUEL FEINBERG! Da ist wohl etwas schiefgelaufen. Vielleicht kann einer der Moderatoren das in Ordnung bringen.


    Im übrigen finde ich Deinen Vorschlag sehr gut, und da der 125. Geburtstag Edwin Fischers nun schon einige Jahre zurückliegt, schlage ich vor, obigen Titel für diesen Thread zu wählen.
    Ich bin aber enttäuscht, um nicht zu sagen traurig, wie wenige Forenteilnehmer sich für den großartigen Schweizer Pianisten zu interessieren scheinen. Hier gab es bisher 8 Einträge insgesamt, den ersten im Jahr 2011. Ich habe dein Eindruck, dass viele entweder kein Interesse an Fischer haben oder ihn vielleicht gar nicht (mehr) kennen. Ganz ähnlich geht es ja auch mit Walter Gieseking - da gibt es zwar mehr Diskussionsbeiträge, und trotzdem ist die Beteiligung, gemessen an der Bedeutung Giesekings, beschämend gering.


    LG, Nemorino

  • Aber man hätte doch Nägeln mit Köpfen machen können und die fehlenden Beethovensonaten (sowie ggf. die 1930er op.13 u. op.57) und die Handvoll weiterer Solo-EMI-Studioaufnahmen (Brahms 3. Sonate + Füller, Wandererfantasie, Schumanns C-Dur-Fantasie) mit reinnehmen können.


    Ja, das hat mich damals auch SEHR geärgert, zumal bei Brahms op. 5 und Schumann op. 17.
    Glücklicherweise gibt es diese Aufnahmen jedoch recht günstig als Download:


    Link >>> <<< Punkt

  • Das links gezeigte Album ist eine originale EMI-Edition, rechts handelt es sich um eine Ausgabe des Billig-Labels Membran. Erfahrungsgemäß muss man da mit leichten Klangeinbußen rechnen.

    Die Membran-Ausgabe habe ich, lieber Nemorino - und seinen Bach mag ich sehr. Ich las zuletzt Alfred Brendel und er schreibt, dass Edwin Fischer sein Lehrer war. Das war mir gar nicht bewusst. :) Die Veröffentlichungspolitik bei EMI ist leider eine Katastrophe - nicht nur bei ihm! Wenn EMI (jetzt Warner) wirklich nochmals alle Aufnahmen von ihm rausbringt, kaufe ich sie. Bei ABM haben sie auch erst eine unvollständige ICON-Edition rausgebracht (völlig unverständlich!) und dann endlich die vollständige Ausgabe. (Auch da gibt es aber wieder einen Haken. Von den zugekauften Fonitcetra-Aufnahmen, die drin sind, fehlt der Totentanz....) Bei Lipatti fehlt auch in der 2. Auflage der Box mit sämtlichen Aufnahmen die CD mit dem 3. Bartok- und 1. Liszt-Konzert. Die muss man einzeln zukaufen. Ich muss mal schauen, was ich noch an Einzelausgaben von Edwin Fischer von ihm habe... :no: Ich muss mal schauen, was ich noch an Einzelausgaben von ihm habe... :hello:


    Liebe Grüße
    Holger