Wintermärchen - Winter-Darstellungen in der europäischen Kunst von Bruegel bis Beuys

  • Wintermärchen - so nennt sich eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums in Wien,in Folge stets KHM genannt welche heute, am 18. Oktober 2010 erstmals für das Publikum zugängig gemacht wurde - und die bis 8. Jänner 2012 gezeigt werden wird.
    Das Thema "Winter" ist klar vorgegeben, nicht aber die Ausführung. Gezeigt werden nicht nur Winterlandschaften, sondern auch Randthemen, wie "Spiele im Winter", das leidige Heizproblem der ärmeren Schichten und allerlei "Drumherum"
    Diese Sonderausstellung ist vom Umfang her die größte seit 6 oder 7 Jahren: in 5 Sälen und den dezugehörenden Kabinetten werden etwa 175 Exponate gezeigt, sowohl aus eigenen Beständen, als auch in großer Zahl Leihgaben von Museen aus der ganzen Welt, sowie aus Privatsammlungen. Bemerkenswert ist, daß auch Bilder von Malern zu sehen sein werden, die üblicherweise ausserhalb des zeitlichen Rahmens des KHM liegen.


    Der Eintritt entspricht em normalen Museumseintritt ins Kunsthistorische Museum (KHM) - ein Aufpreis für die Sonderausstellung wird nicht eingehoben. Jahreskartenbesitzer haben somit freien Eintritt - ebenso wie Jugendliche, welche das 19. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.


    Diesen Anlass möchte ich in dreifacher Hinsicht nützen: Zum einen möchte ich auf diese wirklich exorbitante Ausstellung hinweisen, zum anderen müchte ich 2 Threads starten, von denen der eine, der hier beginnende ist.
    Es liegt nun nicht in meiner Absicht alle Bilder dieser Ausstellung zu besprechen oder einen Katalog zu erstellen, den gibt es nämlich schon - sowohl im KHM-Shop, als auch bei unseren Werbepartnern (mit geändertem Cover)


    Aber ich möchte das Thema Wintermärchen hier thematisieren. Es sollen also - möglichst ohne Kenntnis der Ausstellung - hier Winterbilder gepostet und kommentiert werden, wobei ich den Kommentar - er muß nicht lang sein- als besonders wichtig erachte. Freie Assoziation sozusagen. "Wintermärchen" auch wenn es so klingt - muß nicht in allen Fällen ein Idyll darstellen (Man denke an Hans Christian Andersens "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern) Winter kann auch Kälte, Hunger und Tod bedeuten, Kampf mit den Elementen etc etc.
    Bin gespannt was Euch zu diesem Thema einfällt.


    Parallel dazu werde ich den Thread "Wintermärchen - klassische Musik" starten.
    Wintermärchen - Klassische Musik
    Im Eröffnungsbeitrag werde ich dort meine Ideen vorstellen


    Viel Spaß
    wünscht Alfred

  • Und da der Untertitel der Ausstellung ja heisst: Von Brueghel bis Beuys beginne ich mit Bruegel- und zwar mit einem seiner berühmtesten Bilder. Auch wenn hier im Thread jegliches Winterbild eines klassischen Malers gezeigt und besprochen werden kann - und soll - auch solche die sich nicht in der Ausstellung finden (das macht ja gerade den Reiz dieses Threads aus) so bietet sich das hier gezeigte von Pieter Brueghel dem Älteren geradezu als Eröffnung an. Es hat seinen Stammsitz im Kunsthistorischen Museum in Wien, ist also auch ausserhalb der Ausstellung dort zu sehen.
    "Die Jäger im Schnee" ist Teil eines sechsteiligen Zyklus über die Jahreszeiten, von dem aber nur fünf Bilder erhalten sind, davon befinden sich drei im KHM.

    Es gelingt Breughel hier, die Kälte und Starre des Winters sichtbar zu machen, im Gegensatz zum ebenfalls berühmten Winterbild von Valckenburg, das ich auch bei Gelegenheit vorstellen werde, so dies nicht ein anderer tut.
    Die Jäger, links im Vordergrund kehren mit magerer Beute von der Jagd heim, alles ist zugefroren, die Stimmung ist eher triste, trotz der Eisläufer und verschiedene Spiele spielender Figuren . Das Bild vermittelt uns eine Stimmung, wie sie um 1565 (dem mutmaßlichen Entstehungsjahr des Bildes)in Holland geherrscht hat. Durch seine Größe von 117 × 162 cm sind auch feine Details minutiös ausgeführt und erlaubt es auch einen Nachmittag vor dem Bild zuzubringen ohne sich zu langweilen- weil man immer wieder auf Neues stösst......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred Schmidt





    Wintermärchen - Klassische Musik


  • Hier ein weiteres Bild zum Thema Winter, die "Winterlandschft" von Lucas von Valckenborch (1535-1597)
    Sie ist ebenfalls Teil eines Zyklus zum Thema "Jahreszeiten" und auch dieses Bild ist Eigentum des KHM in Wien.


    Wie anders ist die Darstellung gemessen an Brueghels eingefrorener Landschaft.
    Hier ist die Bewegung des Winters eingefangen, angefangen vom Schneegestöber über die geschäftigen Leute auf der Straße.
    der Winter wird weniger frostig dargestelt, es ist keine Erstarrung vorhanden. Im Gegenteil. Die Kälte und der fallende Schnee scheinen die Leute anzutreiben....


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Bleiben wir noch ein wengig bei Brueghel, notaben da das Kunsthistorische Museum ohnedies über den weltweit grössten Bestand an Brueghels verfügt.
    Das hier gezeigte Bild -"Winterlandschaft mit Vogelfalle"- ist nach allgemeiner Auffassung eine Kopie von Pieter Brueghel d. Jüngeren nach seinem Vater. Das Original wäre dieser Ausffassung nach im Musée de Beaux Arts in Brüssel, andere Forscher sehen in der Londoner Fassung das Original. Der Katalog der enthält einen interessanten Artikel von Gerlinde Gruber (Seite 152) der weitere, neuer Zuschreibungen an den Künstler des Originals enthält



    Das Bild ist eines der populärsten überhaupt, an die 100 Kopien sind derzeit bekannt.
    Wie oft bei Brueghel, wurden gewisse Details symbolisch gedeutet, beispielsweise wäre die Vogelfalle symbolisch als Falle zu sehen , wo der Teufel die Seelen der Menschen fängt. Wenngleich solche Gedankengänge interessant- und nicht ganz von der Hand zu weisen sind - so bleiben sie doch Spekulationen. Brueghels Bild ist auch als Naturschilderund ausgesprochen interessant, selbst wenn keine Deutung unterlegt wird. Es ist umstritten ob es sich hier um eine Phantasielandschaft - oder eine einst real vorhandene handelt. Wie dem auch sei - das Bild lädt gerade zur längeren Betrachtung ein, jede der einzelnen Menschengruppen am Eis ist an sich schon ein Bild für sich. aber auch die Gesamtkomposition ist ein Gustostück: Ein Zeitfenster ins winterliche Dorfleben um 1665 (Die Kopie des Sohne datiert von 1601)


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Au weia – von den bildenden Künsten habe ich so gut wie keine Ahnung. Darum stelle ich auch nicht ein Bild eines Meisters der Zunft, sondern eines Dilettanten ein: Arnold Schönberg, Winterszene, 1910.



    (Durch Anklicken erhält man eine größere Version. Im Microsoft (R) Internet Explorer: Rechte Maustaste auf dem Bild klicken - "Link in neuem Fenster öffnen".)


    Schönbergs Bild hat weder die harten Konturen der Bilder von Breughel noch die Dynamik des Bildes von Lucas von Valckenborch. Umrisse sind nur angedeutet, Formen werden alleine durch unscharf begrenzte Farbflächen suggeriert.


    Das Bild ist in Zentralperspektive gezeichnet. Der Blick folgt einer Straße, die im Hintergrund abzuknicken scheint. In der Bildmitte sind ein paar Menschen als Schemen zu erkennen. Wer sie sind, wohin sie gehen bleibt unerkennbar. Sie verschwimmen im Grau-Braun der Bäume und Häuser, das sowohl im dämmrigen Himmel als auch auf der zum Teil vom Schnee geräumten Straße seine Fortsetzung zu finden scheint. Diese Monochromie ergibt eine optische Monotonie - sogar die Zeit scheint stillzustehen, das Leben ist verlangsamt, alles ist still und wohl auch beschwerlich.


    Interessanterweise scheint das Bild an räumlicher Tiefe, an Konturenschärfe und sogar an Bewegung zu gewinnen, wenn man die Augen auf „unendlich“ stellt und das Bild sozusagen indirekt wahrnimmt.

  • Zitat

    Au weia – von den bildenden Künsten habe ich so gut wie keine Ahnung


    Dafür hast Du aber eine ausgezeichnete Wahl getroffen, auch wenn die zeitgenössische Kritik kein gutes Haar an Schönberg als Maler ließ.......
    Mit welch bescheidenen Mitteln hier eine sehr realistische Winterstimmung erzeugt wird ist schon beeindruckend.
    Der gelbliche Himmel , wie wir ihn kennen, wenn der Schnee quasi in der Luft liegt. Sowohl Schönberg - als auch Brueghel haben ihn in ihren Bildern eingefangen. Jeder auf seine Art. Das Bild galt lange als verschollen wurde- soweit ich recherchieren konnte im Kunsthandel in Berlin wiedergefunden. Derzeit befindet es sich im Arnold Schönberg Center in Wien - welches 2008 WIKIpedia die schriftliche Erlaubnis zu Veröffentlichung gegeben hat. Da die unter einer GNU -Lizenz geschah, kommt jeder in den Genuss, der Autor und Quelle nennt.
    Bei der Gelegenheit bitte ich, nur Bilder von Malern zu Posten, die schon mindestens 70 Jahre tot sind......
    (in diesem Falle ist das durch die Erlaubnis des Arnold Schönberg Centers geregelt)


    Das Bild wird nicht in der Ausstellung des KHM gezeigt - aber das ist ja auch nicht Bedingung. Im Gegenteil: Hier ist die Möglichkeit gegeben Bilder, die zum Thema passen - aber für die Ausstellung nicht zu haben waren (letztlich ist es auch eine Platz- und Kostenfrage) vorzustellen und andere Schwerpunkte zum gleichen Thema zu setzen...


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Der nächste Maler ist ein ausgeprochener Spezialist für Winterlandschaften:
    Hendrick Avercamp (1585-1634), ein niederländischer, in Amsterdam geborener Maler, der aber schon seit seinem 2. Lebensjahr in Kampen lebte, mit Ausnahme seiner Lehrzeit, die er in Amsterdam absolvierte. Er erhielt den Beinamen "De Stomme van Kampen" weil er das Sprechen nie erlernte.
    Wie gesagt war die Wiedergabe von Winterlandschaften seine Domäne, dort eingebunden waren üblicherweise zahlreiche geschäftige Menschen. Eisläufer, Eisstockspieler. Der Einfluß von Pieter Brueghel d. Ä ist unverkennbar.


    Avercamps Bilder sind noch heute grösstenteils in Privatbesitz. Eine der grössten und bedeutendsten Avercamp -Sammlungen befindet sich in Englad auf Schloß Windsor. Das hier abgebildete ist jedoch Stamminventar des KHM und stammt aus einer frühen Periode seines Schaffens. Die Ausstellung "Wintermärchen zeigt einige Avercamp Bilder verschiedener Herkunft, die jedoch nicht unbedingt mit den hier abgebildeten identisch sein müßen. Wir habern hier den Vorteil, daß wir nicht auf Gemäldezustand, Ausreiseerlaubnisse etc etc Rücksicht zu nehnen haben - also ist dieser Thread realativ unabhängig.Andrerseits kann kein noch so guter Druck den fantatischen Eindruck eines Originals auch nur annähernd wiedergeben....
    Weitere Bilder von Hendrick Avercamp werden folgen.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Und hier ist schon das nächste Bild:
    Winterszene mit Eisläufern nahe eines Schlosses (ca 1608/1609)
    National-Galerie London


    Die Londoner Galerie hat dieses Bild im Rahmen einer ähnlichen Ausstellung um 2006 gezeigt (und es gehört ohnedies zu deren Bestand) - welche sich mit holländischen Winterlandschaften befasste. Und hier ist der große Unterschied zur Ausstellung des KHM - Hier werden auch Winterbilder aus anderen Europäischen Ländern gezeigt, wobei es sich nicht ausschliesslich um Landschaften handelt. Hier im Thread können wir bei Bedarf auch darüber hinaus gehen. Der Thread soll einerseits zum Besuch dieser interessanten Ausstelung anregen - sie aber andrerseits nicht vorwegnehmen. Daher werden wir - neben Highlights der Ausstellung auch Alternativbilder anbieten. I, Falle von Avercamp sind wir geradezu darauf angewiesen, denn das KHM zeigt vorzugsweise Bilder aus Privatsamlungen, von denen keine Repros im Internet existieren.
    Das folgende Bild ist daher eines aus einer Reihe die man NICHT im Rahmen der Ausstellung sehen kann



    Aber die Avercamp Blder sind weitgehend ähnlich, sodass man sich eine gute Vorstellung machen kann, was einen erwartet. Etwa 3 oder 4 Bilder dieses Malers sind zu sehen - Hier im Forum möchte ich einige mehr zeigen. Wir haben hier keine Probleme mit Platzmangel und mit Leihverträgen.


    Avercamp war Spezialist für Landschaftsbilder mit Bevorzugung von Schneelandschaften wo Eisläufer und andere Leute zu sehen sind, welche winterlichen Spielen, zb. Eisstockschiessen (bzw Abarten davon) nachgehen.
    Es wäre schade, zu sagen "Schönes Bild" und sich dem nächsten zuzuwenden - diese Bilder laden auf Grund ihres Detailreichtums geradezu zum Verweilen ein - sie erzählen Geschichten- wobei in unserer Zeit noch das historische Moment dazukommt. Dazu später mehr......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred


  • Averkamp hat nicht nur die Landschaft fasziniert, sondern auch die Menschen in ihren typischen Beschäftigungen. Zugleich bietet dieses Bild einblick in die Mode der Entstehungszeit. Im Hintergrund die Silhouette von Kampen...
    Man beachte auch die zarte, pastellartige Farbgebung und wie überzeugend das Licht eingefangen wurde.....
    Dieses Bild - normalerweise im Ryksmuseum Amsterdam beheimatet - ist derzeit im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen....


    Hier noch ein Ausschnitt daraus, damit Ihr die feine Zeichnung des Meisters besser sehen könnt....



    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Meine Vorliebe für Avercamp lässt sich wohl kaum mehr verbergen, aber ist es nicht reizvoll in eine fremde Zeit zu blicken, vorzugsweise, wenn das "Zeitfenster" penibel genau über Wintervergnügungen des frühen 17. Jahrhunderts berichtet. Fast die ganze Stadt scheint hier auf dem Eise zu sein, auf diesem Bild aus dem Jahre 1609. Das Original befindet sich im Rjksmuseum Amsterdam - und ist in Wien leider nicht zu sehen. Hier ist die Komposition sehr nahe bei Pieter Brueghel dem Älteren -jedoch an der Moder kann man doch erkennen, daß das Bild fast ein halbes Jahrhundert später gemalt wurde.
    Man beachte ferner das moderne "Cinemascope-Format" welches in unserer Zeit als Standard auf unsere Bildschirme wandert...





    Und wieder ein Ausschnitt, der es ermöglicht, die Feinheiten des Bildes besser zu beurteilen. Derartige Bilde wurden ja von unseren Vorfahren gelegentlich betrachtet, wie wir heute Fernsehen schauen. Bilder erzählen Geschichten, also kann man sie lange betrachten, alle Details und Anspielungen auskosten, die den Zeitgenossen wohl ersichtlich waren, heute aber in Vergessenheit geraten sind, sodaß vieles im Dunkeln bleiben muß.
    Dennoch - Solch ein BIld erzählt nicht nur eine - sonderen etliche Geschichten, jeder Personengruppe kann eine eigene zugedacht werden.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Und weiter gehts mit Avercamp. Dieses Bild ist wie die meisten anderen NICHT in der Wiener Ausstellung zu sehen. 175 Objekter sind einerseits eine gigantische Zahl - wir benötigen 4 große Säle und mehrere Kabinette dafür - andrerseits bleibt da nur Platz für 3-5 Bilder pro Maler, wenn die Vielfalt gewahrt bleiben soll.



    Dieses Problem hat eine "virtuelle Ausstellung wie unsere natürlich nicht.
    Zudem fliessen - solange ich den Thread hier quasi alleine gestalte - meine persönlichen Vorlieben verstärkt ein.


    Avercamp ist ein Favorit von mir, nicht nur seiner Winterlandschaften wegen, sondern weil er in seine (meist) Phantasielandschaften, die wie eine Bühne aufgebaut sind - und gerade deshalb so "natürlich" und frappierend wirken - stets mit modisch gekleideten Menschen ausstattet - etwa im Gegensatz zu Breughel, wo die tölpelhaften Bauerntypen überwiegen....


    Das hier abgebildete Bild hängt im Mautishuis in den Haag....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Springen wir von Avercamp zurück zu Pieter Brueghel d. Ä.
    Nun wird uns bereits ein wesentlicher Unterschied auffallen:
    Hendrik Avercamp ist bemüht Winterlandschaften, seine sie an historischen Orten oder in Phantasielandschaften mit effektvollem Ambiernte mit Eisläufern, und anderen, winterlichen Aktivitäten ausübenden Personen zu füllen, Pieter Bruegel nutzt die winterliche Landschaft indes meist, um Geschichten zu erzählen, wahre, angeblich wahre, und natürlich erfundene.
    Das hier eingestellte Bild zeigt die Szene der Volkszählung in Bethlehem - dargestellt in zeitgenössischem Ambiente und zeitgenössischer Tracht - historisch gesehen also völlig inkorrekt, aber eine Fundgrube über das Leben in der Niederlande des 16. Jahrhunderts....



    Das Original hängt in Brüssel, in den Musées Royaux des Beaux Arts, eine sehr gute Kopie, vermutlich angefertigt von Pieter Brueghel d. J. hing im Liechtensteinmuseum in Wien, welches das Bild freundlicherweise dem Kunsthistorischen Museum für die im Threadtitel genannte Ausstellung leihweise zur Verfügung gestellt hat. Es wird - wenn ich mich nicht irre für lange Zeit die letzte Gelegenheit sein, dieses Bild in Wien zu sehen, denn das Lichtensteinmuseum hat bekanntgegeben, daß der normale Museumsbetrieb mit 31. 12. 2011 eingestellt wird.


    Zitat

    Fokus auf Events und Exklusivität


    Ab Jänner 2012 gehen wir im Palais Liechtenstein neue Wege:
    Der Museumsbetrieb in der bisherigen Form mit fixen Öffnungszeiten wird eingestellt, der Fokus wird auf Veranstaltungen und gebuchte Führungen durch die Ausstellungen der Fürstlichen Sammlungen gelegt.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Ein weitere berühmter Landschaftsmaler der Niederlande war Joos de Momper der Jüngere. (1564-1632
    Ähnlich wie bei Brueghel handelt es auch hier sich um eine Dynastie von Malern


    Anfangs wird eine ziemliche Ähnlichkeit mit Pieter Brueghel d.A ins Auge stechen - indes es gibt schon einige Unterschiede, abgesehen davon, da hier einige Jahrzehnte dazwischenliegen. Momper erzählt keine Geschichten sondern er bietet eine (scheinbar) reales Abbild der Natur. Sieht man aber genauer hin, drängt sich immer mehr der Verdacht auf, daß diese Landschaften ausstaffierte Bühnenbilder sind, immer wieder mit den gleichen Versatzstücken ausgestattet. "Natürlicher als die Natur"




    Die hier gezeigten Bilder sind bei der Ausstellung die dem Thread den Titel gab nicht zu sehen - dafür ist ein anderes gleichwertiges Bild (Leihgabe für die Dauer der Ausstellung) ausgestellt. - schließlich soltenl sich Thread und Ausstellung zwar ergänzen - aber keinesfalls gegenseitig ersetzen.



    Das unterste Bild hängt im Herzog Anton Ulrich Museum in Brauchschweig (derzeit bis 2014 wegen Renovierung gesschlossen) und ist Teil eines vieteiligen Zyklus - "Die vier Jahreszeiten"


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Zwei Wochen Pause ?
    Das soll es in Hinkunft nicht mehr geben. Im Bemühen, keine Übersättigung hier zu schaffen, bin ich wohl übers Ziel hinausgeschossen. Die Frage inwieweit der Thread auf Interesse stösst - ich meine lesend - daß sich scheibend hier niemand beteiligt ist ja offensichtlich - ist für mich noch nicht beantwortet. Bis zum heutigen Tag gab es 360 Seitenaufrufe. Das ist eher bescheiden - berücksichtigt man aber, daß dr Bereich "Malerei" in diesem Forum nur ein "Nebenthema" ist, das viele hier gar nicht vermuten - und daß dieser Bereich auch von unserer Seite bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde - dann ist das gar nicht mal so schlecht.
    DFie Ausstellung im KHM (Kunsthistorisches Museum Wien) ist indes sehr gut besucht - werden dort auch Bilder aus Epochen und von Malern gezeigt, die üblicherweise dort nicht zu sehen sind, auch einiges aus Privatsammlungen, das vermutlich in diesem Leben nie wieder in einer Ausstellung zu sehen sein wird...


    Ich verlasse nun die chronologische Ordnung und zeige einiges was auf einges Interesse stoßen könnte, oder anders ausgedrückt, das eine andere Klientel als bisher interessieren könnte - das Theme "Wintermärchen ist ja nicht nur auf Winterlandschaften mit Eisläufern beschränkt....


    Winter findet ja nicht nur im Freien statt, sondern auch in der guten Stube



    Einige Maler haben uns auch hier zahlreiche Werke hinterlassen, welche Bräuche und Heizgewohnheien im Winter zeigen, ein kostbares historisches Vermächtnis. Einer von ihnen war der holländische Maler Jan Steen (1626 -1678 ), dessen Genrebilder (er malte über 600) Aufschluß über die Bräuche und das Familienleben der einfachen Bürger des 17. Jahrhunderts geben. Auf den meisten Bildern (nicht jedoch auf dem hier als Beispiel geposteten) ist der Maler - ins Geschehen eingebettet - selbst dargestellt. Hier jeoch ist eine Darstellung des Nikolausfestes in Holland gezeigt (Steen malte verschiedene Versionen davon) Kinder wurden je nach Wohlverhalten mit Süssigkeiten und Geschenken - oder aber mit der Rute beschenkt.
    Ein Bild sagt mehr als 100 Worte .....


    Wiederum habe ich mich - um die Ausstellung im KHM nicht "vorwegzunehmen" für ein anders Bild als jenes entschieden, welches dort ausgestellt wird. Das hier gezeigte befindet sich im Rijksmuseum Amsterdam, jenes in der Ausstellung komt indes aus dem van Beuningen Museum in Rotterdam.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Wenn ich wüsste, wie ein pic gepostet werden kann, könnte ich einen Beitrag setzen.

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • Bis 29. April 2012 ist die Ausstellung "Wintermärchen" im Kunsthaus, Heimplatz 1 in Zürich zu besichtigen.


    Di 10-18 h, Mi-Fr 10-20 h, Sa/So 10-18 h


    Eintritt 20/15 SFR
    .

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • von den bildenden Künsten habe ich so gut wie keine Ahnung.


    Das glaube ich Dir nicht ganz, lieber Wolfram. Ich denke, Du kokettierst da etwas. Alleine Deine Bildbeschreibung ist sehr exakt und gut beobachtet. Auch damals das von Dir gepostete Bild "Der Schrei" von Edward Munch zeugt von einer gewissen Kenntnis.
    Bin leider erst jetzt auf diesen Thread gestoßen. Sehr interessant mit ebenfalls sehr interessanten Bildern und Gemälden. Dieser Thread verdient es mit mehr Beteiligung am Leben erhalten zu werden.
    CHRISSY

  • Das früheste echte Winterbild der europäischen Malerei ist das Februarbild aus den Tres Riches Heures, einem Stundenbuch, das 1410 vom Herzog von Berry bei den Brüdern von Limburg (Paul, Herman und Jan Limburg) in Auftrag gegeben wurde.


    Das dargestellte Land ist von Schnee bedeckt. "Aus dem Kamin kringelt Rauch in einen eisgrauen Himmel. Der Frosthauch verdichtet den Atem des Mannes im Hof. Auch im Heustock hat sich der Schnee unordentlich eingenistet." (Norbert Wolf: Die bedeutendsten Maler der alten Zeit. Wiesbaden 2007, 52f)

  • Die Ausstellung ist längst Geschichte, die Bilder längst an ihrem Bestimmungsort wieder eingelangt. Wie gesagt sind wir HIER nicht von Leihgaben und sonstigen Gegebneheiten abhängig, wir können UNSERE Ausstellung hier frei gestalten - über Jahre hinaus. Obwohl hier sogar Leserbriefe einlangten, diesen Thread begeistert kommentierten, habe ich voriges Jahr auf ihn einfach vergessen.
    Heuer wird er aber wieder ein wenig ergänzt, und obwohl ich eigentlich in der Zeit fortschreiten wollte bin ich wieder bei Avercamp gelandet, dem Meister der zugefrorenen Kanäle, Teiche etc., stets mit Eisläufern der Zeit bevölkert, oft durch eindrucksvolle Bauwerke garniert - wie ein ideales Bühnenbild. Es sind aber nicht nur Eisläufer, die sich auf der Eisfläche bewegen, auch andere Aktivitäten kann man - wenn man sich die Zeit dazu nimmt - beobachten



    Das hier gezeigte Bild ist kleinformatig (20mal 26 cm) auf Kupfer gemalt und befindet sich in einer Privatsammlung. Es ist A.H: signiert.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred



    clck 2225

  • Ein schöne thread, auf den ich noch nicht gestoßen war (ja, die weiten Taminos). Mir fällt zum Thema Winterlandschaft immer zuerst Caspar David Friedrich ein. Er hat folgende wunderschöne Winterlandschaft mir Kirche (1811) gemalt.



    Mich fasziniert an diesem Bild, wie Landschaft und Empfindung dieser Landschaft in ein gesetzt sind. Eine ruhige Landschaft, die unglaublich weit und nicht enden wollend, im Hintergrund in einem trüben, tief hängenden Himmel versinkend (mit leichtem violett links). Am rechten Rand durch die dunkle Färbung nur zu erahnen der dunkle Winterwald. Die beiden Personen, die sich an einen Feld gelehnt haben sind nahezu verloren in dieser Weite. Eine wirklich bedrohliche Stimmung hat das Bild dennoch nicht (anders hier "Mönch im Schnee"). Eher eine ruhige, leicht melancholische Stimmung. Das Bild befindet sich in Dortmund, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte.


    Mit herzlichem Gruß
    JLang

  • Am rechten Rand durch die dunkle Färbung nur zu erahnen der dunkle Winterwald. Die beiden Personen, die sich an einen Feld gelehnt haben sind nahezu verloren in dieser Weite.


    Lieber JLang,


    interessant, daß sie nicht in die Weite der Landschaft blicken wie der Wanderer über dem Nebelmeer. Die Wanderstöcke haben sie weggeworfen und kauern sich zusammen. Im unwirtlichen Winter kehrt man sich ganz ins Innere. Ist das die Aussage? Der Betrachter des Bildes hat dagegen den Blick, erfaßt die Stimmung, die gotische Kathedrale als romantische Erinnerung an das Mittelalter. Der Blick ist zu einem ganz und gar imaginären geworden. (Sich in sein Inneres vergraben - das ist ja auch die Aussage von Robert Schumanns Stücken Winterszeit I u. II aus dem "Album für die Jugend".)


    Ein toller Thread zur Weihnachtszeit. :hello: :angel:
    Schöne Grüße
    Holger

  • Der Winter war für Menschen vergangener Jahrhunderte härter als heute. Dennoch, wenn wir den alten Bildern trauen dürfen, wurde er gemocht. Schneeballschlachten und Eislaufen - sowie andere Vergnügungen werden immer wieder dargestellt. Hier geht es in dieser Beziehung friedlich zu. Bis auf das Schwein, links im Bild, das gerade geschlachtet wird.



    Das Bild stammt vom belgischen Maler, David Teniers d. J (1610-1690), der auf Genrebilder im bäuerlichen Umfeld spezialisiert war. Schon der Vater war Maler - und ebenso der Sohn. Geheiratet hat er (Quelle Wikipedia) Anna Brueghel, tochte von Jan Brueghek d. Ä, Peter Paul Rubens spielte den Trauzeugen....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Zitat Holger Kaletha

    Zitat

    Im unwirtlichen Winter kehrt man sich ganz ins Innere. Ist das die Aussage? Der Betrachter des Bildes hat dagegen den Blick, erfaßt die Stimmung, die gotische Kathedrale als romantische Erinnerung an das Mittelalter. Der Blick ist zu einem ganz und gar imaginären geworden. (Sich in sein Inneres vergraben - das ist ja auch die Aussage von Robert Schumanns Stücken Winterszeit I u. II aus dem "Album für die Jugend".)


    Lieber Holger Kaletha,
    habe vielen Dank für Deinen Kommentar. In der Tat schaut man bei diesem Bild nicht "dem Wanderer über die Schulter". Daß der Blick vollkommen imaginär geworden ist, wird von den Kennern (zu denen ich mich nicht zähle) als wesentliches Charakteristikum angesehen: Imagination von Landschaft nicht im Sinne von mimesis, sondern innerer Empfindung. Den Verweis auf das Album für die Jugend finde ich hier sehr treffend, besten Dank für den Hinweis.
    Herzliche Grüße
    JLang


  • Carl Ludwig Fahrbach ist einer der bekanntesten Vertreter der Düsseldorfer Malerschule. Er arbeitete im Atelier des Künstlervereins "Düsseldorfer Malkasten". (In den 70iger Jahren war dessen Vorsitzender der Graphiker Albert Fürst, der mein Kunstlehrer auf dem Gymnasium war - insofern habe ich einen persönlichen Bezug dazu :) )


    Schöne Grüße
    Holger


  • Carl Gustav Carus (1789-1869) war eine bedeutende Persönlichkeit der Romantik, der u.a. mit Goethe. Alexander v. Humboldt und Caspar David Friedrich befreundet war. Er war nicht nur Maler, Mediziner, Naturphilosoph - verfaßte u.a. auch eine Schrift über Landschaftsmalerei.


    Schöne Grüße
    Holger